• Essen rechnete mit einem Hunnensturm bei der Eröffnung der Ausstellung "Monet, Gauguin, van Gogh - Inspiration Japan". Man sah es an mehrfach gestaffelten (aber vollkommen leeren und nutzlosen) Drängelgittern vor dem Kassenbereich, separaten Zugängen für Gruppenbesucher und VIPs, an der Beflissenheit und Nervosität des gesamten, frisch angeheuerten Personals ("Wie schön, dass Sie die ArtCard dabei haben, dann kann ich der jungen Kollegin gleich mal erklären, wie das mit der Ermäßigung geht"), an den gipfelhoch getürmten Katalogen an Theken, wo dergleichen feilgeboten wurde, Milka-Kuh auf der Rheinreisean den Bergen von Schnitzeln, die in den Warmhaltepfannen des Caterings brutzelten, an rund 50 vor sich hin welkenden Schwertliliengestecken in der Leitfarbe Lila, die vermutlich im Etat für die e.on-gesponsorte Eröffnungsfeier noch drin waren. Bei Vincent & Paul tummelten sich wie 1988 im Riesensaal des Holiday Inn von Krakau ein halbes Dutzend Kellner um mich als (potentiellen) Gast, hoben die Topfdeckel, priesen vergeblich "Essen" an, das bestellt und nicht abgeholt worden war - der eine zeigte, wo ich mir das Selbstbedienungstablett holen sollte, der zweite war schon unterwegs, es zu holen, der dritte stellte die dampfenden Kaffeepötte drauf, und am Ende vergaßen sie (leider nur beinahe), die Brötchen abzurechnen. Drei Garderoben in verschiedenen Ecken, eine leerer als die andere! "Sechsstellige Besucherzahlen erwartet das Museum Folkwang", hatte man im Frühjahr 2013 vollmundig verkündet. Doch statt der erhofften Volksmassen kamen ein paar Dutzend, höchstens 100 Besucher, jedenfalls während der frühen Nachmittagsstunden, als ich durch die Säle flanierte. Irgendwer hat den überspannten Erwartungen der Folkwanger und ihrer Finanziers einen Strich durch die Milchmädchen-Rechnung gemacht, sei es die zweite Handballliga oder der "größte Chor des Ruhrgebietes", der mit WDR-Unterstützung zur besten High-noon-Sendezeit auf dem Burgplatz zu singen anhob. Da war ja bei der dreitägigen Eröffnung des Landesmuseums in Münster (dort allerdings mit Nachtöffnungszeiten, und bei freiem Eintritt) mehr los!

    "Zum zeitweiligen Ausbau des bereits bestehenden Teams Freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" hatte der Folkwang-Museumsverein e.V. für diese Ausstellung gruppenführende Kunstexperten angeworben (Führungen nur bis 20 Personen zulässig! JETZT buchen! schrie eine Anzeigen-Viertelseite im F. A. Z.-Feuilleton - aber keine einzige war unterwegs, gottlob, wir konnten uns - fast - unbeschult umsehen). Von diesen Cicerones wurden "eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit Gruppen und ein sicheres und freundliches Auftreten erwartet", nicht so von dem Aufsichtspersonal, das man offenbar kurzfristig aus einem, wie mir schien, überaus merkwürdigen Milieu rekrutiert hatte. Diese zahlreich müssig herumstehenden Uniformierten hatten eine Aura von DDR-Grenzschützern an sich - ungefähr genauso aufgeschlossen und umgänglich gegenüber Fremden und Ausreisewilligen.Anzeige für Joggingklamotten Da war der Übergewichtige, der mit über der Wampenwölbung gespanntem Uniformhemd und verkniffenen Auges halbschräg vor dem Büchershop Posten gefasst hatte, um jeden im Katalog blätternden Kunden so eindringlich zu mustern, als wolle der die Kronjuwelen im Tresorraum in der Bank von England in einem Moment kurzer Ablenkung des Personals gegen Glasperlen austauschen. Drei Schriftenstände habe ich gezählt, - und selbst zum Besuch dieser Läden! durfte man seinen Rucksack nicht anbehalten, aber wer etwas kaufte, kriegte Glückskekse in lila Frischhaltepackung und mit eingebackenen Botschaften wie (nein, nicht: "Ich bin seit 2010 als Zwangsarbeiter in einer Kulturhauptstadt-PR-Fabrik gefangen, wer holt mich raus?", sondern:) Japonaiserie forever oder Is it love? Let's van Gogh! Man konnte dort auch japanische Reisschalen, Essstäbchen aus Elfenbein-Imitat und würfelförmige lila Kartons mit Gingko-Samen kaufen (bestimmt hat jeder Journalist, der bei der Pressekonferenz war, so einen gekriegt), vielleicht deshalb die Überwachungsstrategie? Dann war da der baumlange, vierschrötige Kerl mit Ghettobärtchen, der seinen letzten Job mutmaßlich als Rausschmeißer vor dem Discoschuppen versehen hatte und nun wie ein hospitalismusgestörtes Raubtier oder besser gesagt, wie das Paradepferd in Kafkas Erzählung Auf der Galerie, im Eilmarschtempo auf und ab wetzte - immer wieder von der hinteren linken Ecke des Saals bis zu der vorne rechts, von vorne rechts wieder nach hinten links und zurück und Stuetzstruempfe schwarzstuetzstruempfe weissso weiter, dabei immer wieder Gruppen von Besuchern mit den Ellbogen auseinander knüppelnd. Vielleicht suchte er auf diese Weise Bewegungsmangel auszugleichen? Der Berufskrankheit der Oberkellner (Plattfüßen) kann man damit aber auch nicht vorbeugen. Oder nutzt man die Aufstockung des Wachpersonals als Resozialisierungsmaßnahme für Speed-Abhängige auf dem Entzug? Dann sollte man den erfolgreich Wiedereingegliederten Fortbildungskurse zur Entschleunigung anbieten. Immerhin gibt es im Folkwang-Museum separate Toiletten für Damen, Herren und "Menschen mit Behinderungen"... man weist also, weil man in deren Klohäuserl nicht Herren von Damen unterscheidet, eigens auf das Menschsein der Behinderten hin, vielleicht infolge neuester sprachreglerischer Toleranzedikte (schon Goethe wusste um die Dialektik von Toleranz und Ausgrenzung). Später hab ich das Hin- und Herlaufen von einer Ecke zur anderen und zurück in einem viel ruhigeren, fast leeren Saal der Bestandssammlung bei einem anderen Securitykollegen beobachtet, wo nun wirklich keine oppositionellen Gruppen auseinandergetrieben werden mussten, aber seltsam mutete es doch an.

    Deutschlandtag mit SonderangebotenUnd dann gehörte zur Wächterschar auch die liebenswerte Christine K., die sicher nur aus Versehen zu ihrem Job gekommen ist und in einem erzieherischen Beruf, etwa in einem Inklusionskindergarten, besser aufgehoben wäre. Ich ging ihr wohl zu nah an die Bilder heran und wagte auch noch ab und zu, mit dem Finger auf das eine oder andere Detail zu zeigen. Meine Begleiterin war bereits von einem männlichen Aufseher wegen des gleichen Delikts abgemahnt worden. Wir kennen das schon, wir wissen, dass unser Verhalten - in Ausstellungen vor Bildern oder Skulpturen oder Vitrinen stehenzubleiben und uns gesprächsweise über ihre Machart, Technik, Qualität etc. auszutauschen - von den Direktionen nicht mehr erwünscht ist. Die sollen sich wirtschaftlich verhalten und sind vor allem auf die Eintrittsgelder scharf; sie haben's nicht gern, wenn der Besucher sich nach dem Erwerb des Tickets, anstatt in die "Erlebniswelt Museum" abzutauchen (Originalzitat eines Projekts der Folkwang-Universität) oder sich "dem faszinierenden Phänomen" (Originalzitat Ausstellungsprospekt) hinzugeben, noch patzig macht und mit den Exponaten beschäftigt oder sie gar kritisch debattiert. Und wer seine Eindrücke auch noch in (wohlgemerkt, halblaut gesprochene) Worte kleidet, macht sich erst recht verdächtig, was haben die vor? Oder ist da jemand als nicht akkreditierter Museumsführer unterwegs? Diese Verdächtigung ist uns auch schon angeheftet worden, weil mir meine kunstgeschichtlich kundige Begleiterin etwas erklärte, was auch Umstehende interessierte. Man soll isoliert bleiben wie Gefangene beim Hofgang (was hätte Karl Ernst Osthaus mit seinem "Folkwang-Gedanken" dazu gesagt?), mit Kopfhörer und MP3-Player abschotten TechNick erklärt etwas(früher waren das Kassettengeräte, die immerzu kaputt gingen, was dann überlaut von den Kopfhörer-Ertaubten beklagt wurde), die an der Kasse ausgegeben werden, um die Besucher ruhigzustellen und von einem numerierten "Audiopoint" zum nächsten zu hetzen. Mit dieser vorgekosteten Auswahl soll man sich begnügen, das übrige noch mit einem flüchtigen Blick streifen und den Saal bald wieder Richtung Museumscafé verlassen, anstatt vor den Exponaten Haufen zu bilden (was indessen trotzdem vorkommt, wie bei der ca. zehnminüten Audio-Erläuterung eines Geisha-Tryptichons - man konnte die Uhr nach der Verweildauer stellen, und hier war es besonders nervtötend, weil nur ein Betrachter vor diesem Wandbild Platz fand und zugleich allen anderen Zeitgenossen den Anblick der direkt darunter platzierten Vitrine mit komplizierter, kleinteiliger Druckgrafik versperrte). Kurz, die Leute sollen sich gefälligst keine eigenen Gedanken machen, sondern anhören, was die Kuratoren über die Kunst denken, TechNick balanciert ein Smartphonez. B. in der Japanoiserie-Ausstellung die kaum zu überbietende These von Sandra Gianfreda bestätigt finden: "Wie die Gischt auf der Meereswoge tanzt, haben Claude Monet und Gustav Courbet eindeutig bei Hokusai abgeschaut." (Und ich dachte, der große Wasserzauberer Monet sei lange vor der Öffnung Japans zum Westen in Le Havre gewesen, wo er mit Seestücken berühmt wurde, und als er in Trouville-sur-mer mit Courbet zusammentraf, hat er dem bestimmt auch ein paar Meeresgischt-Tricks beigebracht...) Um diese doch recht holzschnitthafte (damit zu Hokusai passende) Vorstellung zu untermauern, wurden allenthalben Motive aufgespürt, Parallelen gezogen, abenteuerlich kolorierte Schlichtdrucke mit und ohne Fujijama, manche auch volkstümlich-witzblatthaften Inhalts zu Tolouse-Lautrecs genialen Plakaten gruppiert Reklame fürs Oktoberfestund, äh - wenig zweideutige Beischlaf-Zeichnungen von Picasso neben solche aus der Edo-Zeit gehängt (übrigens scheint der dargestellte Vorgang und seine zeichnerische Umsetzung in allen Kulturen die gleiche anatomische Problematik mit sich zu bringen: You can't have your cake and eat it, und was man irgendwo reingesteckt hat, kann man nicht zugleich in voller Pracht und Schönheit herzeigen). Ob die Geishas beim Geschlechtsakt wohl immer in Stoff beißen? Dieses Gabinetto Segreto war übrigens mit Warnhinweis versehen: Der erotische Charakter der Kunstwerke könnte Irritationen auslösen! Vorsicht Schild, möchte man da sagen. Später beim Nachlesen (nicht im Katalog, sondern in einschlägiger Fachliteratur) stellte sich übrigens heraus, dass es westliche Zeichnungen waren, für die sich Japaner "begeisterten", besonders Hokusai war bei der Farbgebung u.a. von Preußisch Blau & Europäischer Malerei "inspiriert", soviel zum kommunizierenden Röhrensystem west-östlicher Einflüsse. Übrigens fehlte jede politische Einordnung der westlichen Kontakte nach Japan in die Geschichte des Kolonialismus und Kapitalismus, von den Leiden der Madamas Butterfly ganz zu schweigen; ganz aus dem Konzept fielen die unförmig-bauchigen, vermutlich von zenbuddhistischen Eremiten im cho'an-Erkenntnisrausch gebrannten erdfarbenen Teepöttchen (haben sie die Töpferkurse der europäischen Moderne beeinflusst?). Was außerdem noch fehlte in der Ausstellung, war die Einsicht, dass die Modernen 1880 ff. den bei ihren Salonmalerei-Vorgängern herrschenden Orientalismus mit Harems, Eunuchen, Scheichs, seideschimmernden Faltenwürfen und blinkenden Krummsäbeln satt hatten und sich deshalb ästhetisch schon aus lauter Langeweile mehr für Japan interessierten oder, wenn man das hyperventilierende Prospekt-Sprech mag, sich "von japanischen Bildmotiven und Stilmitteln begeistern und inspirieren lassen" wollten. - Gut und schön, aber deshalb muss man's nicht überdimensionieren mit der flotten Behauptung: "Die japanische Kunst ist für die Entwicklung der europäischen Moderne von grundlegender Bedeutung." Denn ob es sich bei den seriellen Flugblättern um Kunst handelt, wird bei Japanern, von denen auch einige durch die Räume irrten, mit guten Gründen bestritten; nichts gegen Kleinkunst, aber die Masken der Afrikaner haben den Kubimus auch nicht ungerührt gelassen, dankbar aufgenommene, die herrschende Plüschkultur provozierende Anregungen waren das. Von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der europäischen Moderne sind die Revolution der Chemie, die Erfindung der Farbtube und des Flachpinsels und das Gaslicht. Toulouse-Lautrecs Pinselschwung ist von den Karikaturen Gavarnis, der Wischtechnik Daumiers und von der impressionistischen pleinair-Malerei "inspiriert", und nicht jede strohgelbe Sonne bei dem guten Vincent ist über dem Fuji aufgegangen.

    Folkwang-Museum Essen: Ausstellung zeigt faszinierenden fernen Osten - Ruhr Nachrichten - Lesen Sie mehr auf:
    http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-region/Folkwang-Museum-Essen-Ausstellung-zeigt-faszinierenden-fernen-Osten;art1541,2493235#plx1174224170
    Sandra Gianfreda die überzeugendsten Vergleiche. Wie die Gischt auf der Meereswoge tanzt, haben Claude Monet und Gustave Courbet eindeutig bei Hokusai abgeschaut.

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    Sandra Gianfreda die überzeugendsten Vergleiche. Wie die Gischt auf der Meereswoge tanzt, haben Claude Monet und Gustave Courbet eindeutig bei Hokusai abgeschaut.

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    Zurück zu Frau K., nach deren Eindruck ich, wie gesagt, zu nahe an die Bilder herangetreten war. Nicht, dass ich einen Alarm ausgelöst hätte, so war es nun auch wieder nicht, ich blieb auch auf Armlänge entfernt von dem Bild. Aber hätte, hätte, Abstandskette! Die gab es nicht, auch keine Markierungen am Boden, wie ich sie schon in anderen Ausstellungen gesehen und natürlich respektiert habe. Vermutlich hatte ich gerade auf irgendein Detail gedeutet - natürlich ohne das Bild auch nur annähernd zu berühren, immer schön auf Abstand, den man in der perspektivischen Verkürzung (siehe Kunstgeschichte der Renaissance) in der abgedunkelten Museumshalle nicht so gut einschätzen kann. Aber die blitzschnell dazwischenfahrende Aufseherin Christine K. begnügte sich nicht damit, mich zurückzuschüchern, sondern holte - mitten im Gewimmel des zwar nicht in sechsstelliger Kopfzahl, doch inzwischen immerhin vorhandenen Publikums - tief Luft und (Achtung, Zeugma) zu einer längeren museumspädagogischen Erläuterung aus, an der auch die Umstehenden ihre Freude hatten. Wobei es ihr zugegebenermaßen glückte, mich vom Gegenstand meiner nachdenklichen Versenkung - der Einfluss japanischer Ästhetik auf französische Kunst um 1900 - dann doch erheblich abzulenken. Hochwasserschutz zum AnfassenSoundsoviel Zentimeter seien der Mindestabstand, gab sie mir zur Kenntnis, und "Sie werden nicht von mir verlangen, dass ich hier mit dem Lineal nachmesse", dies ungefähr ihre Worte, bei denen ich wie aus einem Traum erwachte. Aber damit nicht genug. Dass sie ihren Standpunkt unmissverständlich vorgebracht hatte, reichte ihr noch nicht. Als ich anhub, sie mit vollendeter Höflichkeit meiner Arglosigkeit zu versichern, auch, um ihr die Mühe weiterführender Begründungen zu ersparen, war ich zu weit gegangen, jetzt erst recht ging die Phrasendreschmaschine los, mein Gott, diese Museumswärter sind wochenlang allein mit den stummen Zeugen einer reichen Kulturtradition, da muss es doch einmal herausplatzen, da fuhr sie mich an und sagte mit spitzem Unterton jenes zuckersüße Zauberwort, das mir seit meiner sündigen Jugend immer so wohlvertraut wie ein Glockenspiel im Ohr klingt: "Lassen Sie mich bitte ausreden?" - mit so einem fragend-tadelnd nach oben offenen Melodiebogen am Ende des Aussagesatzes, der bei der Jugend von heute auch bei zustimmenden Worten wie "Okay" zu hören ist - und das, obwohl ja eigentlich sie das Gespräch gesucht und mir dasselbe geradezu und nicht ich ihr aufgezwungen hatte. Diese Phrase "Lassen Sie mich bitte ausreden?" ist mir schon immer ein Gegenstand amüsierten Interesses gewesen. Das "bitte" in diesem Satz ist keine Bitte (vgl. Austen, How to do things with words), auch keine leere rhetorische Floskel, sondern artikuliert einen Machtanspruch, gleich dem in der hier einzig möglichen Antwort, nämlich "jetzt ist es aber bitte gut, ja?!" Der Spruch kommt emanzipierten und pampifizierten Damen gern über die Lippen, und das nicht etwa, weil sie eine inhaltliche Vertiefung zuvor schon gegebener Wortbeiträge anstreben, die höchstens weiter ausgeschmückt, ansonsten schallplattensprunghaft wieder und wieder wiederholt werden sollen, da das Wesentliche schon gesagt ist. schlicht meerDie Schein-Bitte ums Ausredenlassen hat ihren Ursprung in den Verhörmethoden der Inquisition, die neben dem Ausredenwollen natürlich Fragen stellt, aber nicht wirklich Antwort begehrt, sondern den Ketzer eines Besseren zu belehren trachtet. Bekehrung und Belehrung des Delinquenten war Teil der Bestrafung, weshalb man ihm Geduld auf der Folter abverlangte und fromme, bei GOTT dem Herrn für den Sünder bittende Chöre um den Scheiterhaufen versammelte. Daher hat auch die von Frau K. gebrauchte Phrase doppelten Nutzen, sie ist, rhetorisch gesprochen, declamatio und punitio zugleich, verbindet unter Umgehung moderner Gewaltenteilung die Verlesung der Anklage mit dem Strafvollzug. Das macht sie der Drohne ähnlich, mit der den Feinden Amerikas, wie der Kabarettist Volker Pispers formulierte, "Anklage, Urteilsbegründung und Vollstreckungsbefehl in einem" zugestellt werden. Der Gesprächspartner erhält mit der Message zugleich eine Rolle zugewiesen, die des unbotmäßigen Schülers, der zappelig nach seinem Lieblingsspielzeug schielt, während er mit einer folgen- und sinnlosen, an der Sache wie am bereits langgezogenen Ohr vorbeirauschenden Predigt seiner Erziehungsberechtigten wertvolle Filetstücke seiner Lebenszeit verplempert. Frau Christine K. erging sich also in ausgiebigen Erläuterungen der Funktionstüchtigkeit der Alarmanlagen (ein Thema, das ich an ihrer Stelle potentiellen Ikonoklasten gegenüber nicht vertiefen wollen würde), die zwar nicht jetzt bei mir, aber doch fast und jeden Moment losgehen könnten, was ich berücksichten solle, und so weiter, und so fort, ich falle der Dame ins Wort und kürze dreist ab. RenovierungspauseIch denke mir meinen Teil und komme zu dem Ergebnis, das Hauptproblem besteht im Überwachungszwang, es sind ihrer zu viele, sie haben sicher einen Vertrag über die gesamte Ausstellungsdauer, und sie wollen ja auch was tun für ihr Geld, mindestens drei waren in jedem Raum der Sonderausstellung anwesend, unterhielten sich übrigens auch untereinander und mit ihren Funkgeräten - genau wie die Ortsgendarmerie von Gorleben, ein Kuhkaff in Norddeutschland, wo die Statistik der Bußgeldbescheide für Verkehrsvergehen seit den Anti-KKW-Demonstrationen ein exponentielles Wachstum erlebte. Kurz nach mir wurden weitere Ausstellungsbesucher von derselben Dame in ähnlich langwierig-argumentativem Wortschwall gemaßregelt, wo es doch ausreichte, ihnen - wie bei den Berliner Verkersbetrieben üblich - ab und zu ein herzhaftes "Z'rückbleim" zuzubellen, nein, auch diese Ärmsten mussten hochnotpeinlich Grund und Ausmaß ihrer Verfehlung erklärt bekommen. - Gab es noch Hochgezogeneres in Essen zu zu sehen, als die Augenbrauen der plattfüßigen Samurai in Blaumontur? Aber ja doch! Die Folkwang-Direktion hatte nach den Worten ihres niederrheinischen Hausheiligen St. Vincent von Goch "ein paar japanische Holzschnitte an die Wand gezweckt", so respektlos äußerte sich dieser von Goch (Vincent und Paul heißen die drei oder vier über das Gebäude verteilten Filialen des Museumscafés) damals über die ausgestellten Japonaiserien: "Du weißt schon, diese Frauenfigürchen in Gärten oder am Strand, Reiter, Blumen, knorrige Dornenzweige..." Wir ließen die und alles stehn und hängen, beschädigten nichts, kauften auch nichts für den heimischen Dekobereich, bestellten noch Kaffee und Schinkenbrötchen mit einem Klecks Japonnaise, verzehrten diese und reisten ab.

    Hoffentlich ist bald wieder Asiatische Woche beim Discounter. Die Soja-Soße geht zur Neige. Ich bin ein eifriger Leser des Mittwochsblättchens. Seit man in der Lidl-Universität studieren und bei Aldi den Bachelor of Arts machen kann, sind das die neuen Fachzeitschriften. Nicht zu vergessen der Prospektteil mit seiner bunten Fülle von Beilagen, die ich normalerweise wegschmeiße, aber heute lass ich sie noch vor mir liegen, um sie für die Leser/in/nen dieses Blogs auszuschlachten. Denn meistens amüsiere ich mich über das, was ich da lese, ich bin immer völlig hin und weg z. B. über die Neologismen. Da bietet ein im Umland bekanntes Möbelhaus ein "Boxspringbett" an, ein Lattenrost hat "Schulterkomfortzonen",TechNick zeigt nach rechts im Fahrradladen werden "Dirt Bikes" angeboten ("Stunts und harte Grinds kein Problem") - wobei mir einfällt, dass ich auch noch mal mit dem Lappen über mein Dirt Bike gehen muss, bevor ich es zur Inspektion bringe -, ein Thermo-Laufshirt sorgt für "hervorragendes Feuchtigkeitsmanagement".  Ich weiß auch nicht, ob ich mir im Möbelhaus eine Wohnlandschaft "Afrodyta", einen Schwebetürenschrank "Vaduz" oder einen Freischwinger "Jerome" kaufen soll. Ob sich der König von Westfalen statt auf den Thron zu Kassel in so ein Alu-Stühlchen ohne Beine gesetzt hätte? Klar, die Dirt Bikes sind gar nicht für den Straßenverkehr vorgesehen, sondern so ein Spielkram, mit dem junge Leute in Gesellschaft von Rollbrettfahrern und Inlineskatern auf entsprechenden Übungsstrecken durch Röhren und quer über Treppenstufen holterdipoltern, falls sie nicht im direkten Erdkontakt "motokroß"-mäßig den Waldabhang herunterstürzen, wie wir das früher mit dem Mofa gemacht haben. Momentan ist allerdings das Oktoberfest allenthalben das Thema, zumal es von der Werbeindustrie als Event zwischen Muttertag, Ferien, Schulbeginn und Halloween entdeckt wurde. Da müssen Models in den Prospekten Dirndl mit Auslage bzw. Holz vor der Hütt'n tragen, und komische Hütchen mit Gamsbart aufsetzen. Bei einem Elektrogroßkaufhaus ist kein Bayerntrubel angesagt, da muss ein übergewichtiger Fachverkäufer im Blaumann herhalten, also klug-listig auf Preisschilder zeigen oder Geräte balancieren, die ihm per Photoshop auf den Finger collagiert werden und der zusätzlich noch mit dem Spitznamen "Tech-Nick" gedemütigt wird. WarnschildBei Aldi ist es Hochleistungssportler Daniel Sch., der als Promi-Produktempfehler agiert ("Mit den richtigen Textilien braucht man weder Regen, Kälte noch Matsch zu scheuen... Maximale Funktion gepaart mit einem guten Design, da muss man einfach loslaufen.") Aber ich hab die kritische Theorie an der Aldi-Universität nicht verlernt. Mir fällt schon noch auf, dass es auf den Fotos nie regnet und die Fotoshooter ihre Models über Asphalt hüpfen lassen, die Bäume an der Flusslandschaft im Hintergrund sind auch noch schön grün. Hinzu kommt, dass die Miezen mit den Laufschuhen und der (beinzeigefreundlichen) Thermohose, nicht aber mit den Kompressions-Sportstrümpfen abgebildet sind, die tragen überhaupt keine Strümpfe, was auf die Dauer nicht gut ist beim Joggen und für Schweißmauken sorgt. Da helfen auch die geruchshemmenden, antibakteriell wirkenden Silbersalze nichts, die in der "Vorderhose" verarbeitet sind, während die "Hinterhose" mit Coolmax Xair versehen ist. Und wieso sind die Laufhosen aus "Wind abweisendem und atmungsaktivem Softshell-Material", die Handschuhe "Wärme isolierend" und nicht vielmehr "windabweisend" und "wärmeisolierend", oder wenigstens, wenn schon, denn schon, "Atmungs aktiv"? Die Neue Rechtschreibung - das Geheimnis des Glaubens, womit wir wieder bei der Inquisition wären. Schlimm genug, dass die Hunde auf der Hundefutterseite nach der Rechtschreibreform "Kaustängel" bekommen statt Gummiknochen wie früher. Bei Katzen heißt die Nahrung z. B. "Senikor 8 +" und hat eine "InhomeFormel", deren wissenschaftlicher Nutzen in kurzen Worten zusammengefasst wird: "Studien belegen: Katzen lieben den frischen Geschmack von Feuchtnahrung... Durch das Knacken der feinen Brocken wird die mechanische Zahnreinigung unterstützt". Trittspuren im SchneeGut, inhome heißt, die kriegen kein Lebendgeflügel mehr zwischen die Beißer, aber spülen die Biester denn wenigstens mit Odol nach oder riechen die aus dem Mund immer noch nach vergammeltem Thunfisch? - Hundevollnahrung mit "probiotischem Wirkstoff Inulin" ist offenbar Doggies Lieblingsfraß (sorgt "für makellose Haut", "für kräftige Muskulatur", "für glänzendes Fell"). Für den Hund, der ab und zu als Reittier genutzt wird, kriegt man nächste Woche auch ein Geschirr, auf das man wahlweise die Schriftzüge "Bodyguard" und "Bestechlich'" anbringen kann. Überhaupt die Auswahl, "Fixierung der Wunschfarbe möglich" heißt es bei einer LED-Nachtleuchte, das macht einen ja wahnsinnig, erst die Qual der Wahl beim Einkaufen und hinterher dieselbe nochmal beim Nachtlicht-Anstellen. Dieser Hokusai soll einmal Hühnern die Füße rot angepinselt haben, dann ließ er sie über einen frischen blauen Farbstrich auf der Papierrolle laufen; das sei eine Flußlandschaft mit Laub auf dem Wasser, erklärte er dem verdutzten Shogun das Ergebnis. Übrigens haben die Holländer das Übersee-Geschäft mit den Japanern angeblich gemacht, weil sie als einzige christliche Seefahrernation bereit waren, sich ein Kreuz auf die Fußsohle tätowieren zu lassen, damit sie "Christus mit Füßen treten", so erzählten es mir einst die Katholen, vielleicht sollten sie das Zeichen statt dessen überall auf dem Boden verbreiten? In den Niederlanden konnte einem die Inquisition ja auch nicht unter die Fußsohlen schauen. Ich, wenn ich als Ketzer auf dem Scheiterhaufen stehe, was unweigerlich eines Tages der Fall sein wird, werde unbekehrt bleiben, und deshalb auch kein mildtätiges Sprengstoffsäckchen als Gabe eines rührseligen Scharfrichters um den Hals baumeln haben wie jene, die wenigstens widerrufen. Aber wenn man mir das Maul nicht verbindet, habe ich sicher einen letzten Wunsch frei, der allen aus dem Herzen sprechen möge. Und der lautet: "Jetzt ist es aber bitte gut, ja?!"


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  • Theben als Themenabend...? Nein, mit so einer Frage darf man Zahnarzthelferinnen nicht kommen nach dem Sieben-zu-Eins-Sieg der deutschen National-Elf über die brasilianische Mannschaft. Schon gar nicht, wenn das Spiel über 22.00 hinaus geht und man am anderen Morgen schon um 7.00 auf dem Folterstuhl liegt. Die denkt vermutlich bei Brecht nur an das Dentallabor Hüttenhofer-Brecht in Augsburg, das natürlich verwandt und verschwägert sein könnte mit dem Nationaldichter... Und mich, den kundigen Thebaner, rechnet sie gewiss derselben Antike zu wie Brecht, spielen_laermen in den Anlagen verbotenschon weil ich das Spiel nicht geguckt Dom aus Pappehab und beim Aufwachen noch dachte, es seien sechs Tore gewesen, da ich das siebte Vuvuzelatröten im Schlaf nicht mehr gehört hatte (vermutlich der Blinde unter lauter Einäugigen auf Erden,  aber meine Liebste hatte es gehört). Als in der Faz stand, "So viele haben noch nie in Deutschland gemeinsam Fußball gesehen und einen Augenblick für das kollektive Gedächtnis erlebt", und es handele sich um "eine neue Mondlandungsfrage: Wo warst du, als wir 7:1 gegen Brasilien gewonnen haben?" dachte ich, verdammt, diese Frage wurde sonst nie nach der Mondlandung, sondern nach Kennedys Ermordung - wahlweise zum Einsturz der Türme vom 9. September gestellt??? Bei letzterem Ereignis weiß ich es nur zu genau, ich saß am Schreibtisch und las einen unfassbaren Brief, der per Einschreiben gekommen war, und in dem der Kassenwart eines Vereines, für den ich damals den Vorsitzenden gab, mich mit der Bemerkung ausbooten wolle, er gebe mir jetzt keinerlei Informationen mehr. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon eine Menge Mitglieder neu aufgenommen, von denen ich nie gehört hatte, und die auch, wie sich später herausstellte, keinen Pfennig Beitrag bezahlten. Das waren meine persönlichen Twin Towers, aber danach blies ich wie George W. zum Kreuzzug, informierte die Mitglieder über die Riesenvorräte Chemischer Waffen in der Vereinszentrale und ein halbes Jahr später war der Vorstand neu gewählt, der Vorsitzende noch derselbe, und die neue Schatzmeisterin ist ein echter Schatz, wie ich hier mal sagen muss. Bei Kennedy weiß ich nur, daß ich anderntags in der Schule war, damals muss ich 8 Jahre gewesen sein, und als der Pfarrer Eisenhut, der damals ein strenges Regiment in dem Wohnort führte, Priesterrock trug und die Predigtkanzel gleichermaßen wie das Lehrerpult einnahm, behauptete, Kennedy habe nur einen Fehler gemacht, er habe Schwarze und Weiße unter einen Hut bringen wollen, und ich erinnere mich gut, dass mir an dem Hut auffiel, das stimmte nicht, die Metapher war schief, ich meldete mich und widersprach dem verblüfften Popen: "...in einen Bus!", also nicht unter einen Hut, denn dass schwarze und weiße Kinder in Amerka künftig ein- und demselben Bus fahren dürften, und dass das irgendwie problematisch war, das hatte ich aufgeschnappt. Der gute Pfarrer Eisenhut (nicht zu verwechseln mit dem Bauernkriegspfaffen, der in Wikipedia steht), der hat damals dem Zeitungskiosk erfolgreich verboten, den "STERN" zum Verkauf feilzubieten, und eine Kneipe aufzumachen hat er auch verhindert, damit die Ehemänner nicht abends an der Theke stehen, sondern daheim dem Alkohol verfallen (allerdings nur so lange, bis der Friedhof fertig war, danach musste es eine Kneipe geben, denn ohne Trösterich keine zünftige Beerdigung, stimmt's?) und hat noch so manches auf dem Kerbholz. Derselbe Pfarrer brachte mir auch bei, dass man nicht Scheiße oder Sackzement sagt, sondern höchstens, wenn man sich mal mit dem Hammer auf den Daumen haut (z.B. wenn man einen Ketzer ans Kreuz schlägt?) "verflixt noch mal", das wär schon erlaubt. Aber wenn ich überlege, dass der neue Erzbischof von Köln Kind von Heimatvertriebenen ist wie ich, und nicht nur aus ratio copyrightderselben Diätzose, äh, Diazephimöse kommt wie ich, sondern aus demselben Stadtteil der Hl. Stadt Cöllen, und auch noch aus dieser von Vertriebenen mit Billigkrediten errichteten Siedlung!! - dann denk ich schon, er könnte auch in derselben Grunschule gewesen sein, ach nein, er war erst sechseinhalb oder sieben und eine Klasse drunter. Während ich mit dem damaligen Pfarrer die amerikanische Negerfrage und das Four-letter-word-Problem diskutierte, dachte der noch nicht daran, eines Tages Erzbischof im reichsten Sprengel Europas zu werden. Und ich zahl jetzt sein Gehalt, als NRW-Steuerbürger, so ist das nun mal beim Konkordat, da hilft auch kein Kirchenaustritt. - Heimat koelscher HeldenNun, wie dem auch sei, bei dem Erbauen des siebentorigen Siegestempels, der natürlich kommenden Sonntag beim Finale auch ganz schnell zum Einsturz kommen kann, war ich nicht zugegen, habe vielmehr gedöst und klassische Musik gehört - die Zauberflöte in der Direktübertragung aus Aix-en-Provence, aber ich gönn den Ballaballas ihre Vuvuzellas, und "will ich mir auch Theben loben, denn ich hör' das Leben toben". Wußtet ihr, dass bei der Heiltumsfahrt nach Aachen - die war vom 20. bis 29. Juni 2014, wenn dort von dem Brückchen zwischen Oktogon und Pentagon wieder die Hl. Windeln Jesu vorgezeigt werden, ob die auch schön gewaschen sind, die Pilger eigentlich ebenfalls ins Horn blasen müssten? Zu mittelalterlicher Zeit haben sie's getan. Man holte die Hörner ("Aachhorn") wohl aus Kornelimünster, wo das auch der Brauch dom_geissbockwar, "cornus", das Horn, der betreffende Heilige war auch für das Hornvieh zuständig... Die Pilger in der Nachbarstadt Kornelimünster hatten auch solche Megatröten, und man signalisierte mit denen genau wie heute, dass man das wesentliche mitgekriegt hat, (die Zeiger der Windeln hatten wiederum solche Rückenkratzer mit Händchen und Zeigefinger am Stock). Und so zeugen uns auch die fernsehguckenden Vuvuzelas an, dass sie das Tor auch gesehen haben. Hatte man auch ein Lied aus meiner Jugend, von Börries von Münchhausen gedichtet: "Das alte Horn, das so lange geruht, Veit Stoßberg nahm's aus der Lade. Das alte Horn, es brüllt nach Blut und wimmerte Gott genade!" Da ging es aber auch weniger ums Musikalische, das war wieder Bauernkriegszeit, "dem Ritter fuhr ein Schlag ins Gesicht, ein Spaten zwischen die Rippen - ". Aber in der Liste der Pilgerartikel auf der offiziösen Heiltumsseite suche ich Vuvuzelas vergebens, wohl gibt es dort einen mir bisher unbekannten Schwitzableiter, auch gut, nachdem die Kirche ein bis zwei Jahrhundsankt nikolaus am rheinerte vergebens gegen Benjamin Franklin und den Blitzableiter gekämpft hatte, einige fromme Juden meinten sogar, der Turm zu Babel hätte einen solchen gehabt. Erst einige Tage später sah ich eine Zusammenfassung der sieben Tore und hatte einen unguten Eindruck. Immer wenn sich ein Deutscher dem brasilianischen Tor näherte, standen die Spieler der Gegenmannschaft herum wie Kellner, die einem beim Eintritt ins Lokal zurufen: "Suchen Sie sich einens chönen Platz aus, wollen Sie nicht den Ball ablegen, vielleicht hier links ins Tor? oder mehr rechts?" Auch gut! also, die machten nichts, da war kein Gezappel und Gewimmel und Herumgefoule und kein Abdrängen, der Ball blieb auf gerader Linie und die Spieler der brasilianischen Abwehr wirkten etwas, äh, unflexibel, um es freundlich zu sagen, sie erstarrten wie Lots Weib zur Salzsäule (solche Metaphern habe ich aus dem Bibelunterricht des Pfarrers Eisenhut). Sag mal , waren die nachher alle gekauft, um den Ball durchzulassen, von der Wettmafia, die jetzt Millionen verdient, weil kein Mensch dieses Ergebnis vorhergesagt hat??? Meine Schatzmeisterin meint nein, der Vater einer Schulfreundin spricht von Schiebung. Gut, ich gebe zu, der nationalen Euphorie wäre es abträglich, die am Mittwoch das ganze Land erfasst hatte,Rahmenhandlung selbst meine Zahnarzthelferin, die angesichts meiner Gaumenmöblierung andauernd seltsame Ausdrücke benutzte wie "das geht jetzt Ratzi-Fatzi", und "primi" usw. usw. - und die war natürlich auch übermüdet, nur der Zahnarzt wirkte glockenwach und hatte alle ex- und internen Mängel an meinem Beißwerkzeug bis 12.00 beseitigt. Na, nehmen wir an, die deutschen Spieler haben die Brasilianer einfach durch Überschallgeschwindigkeit betäubt, als die Tore fielen. Jetzt merk ich erst, wie die Metapher hinkt: "Tore fallen", das ist ja das Gegenteil von erbauen! Hieß es nicht auch mal "Sieben gegen Theben"? Das war, wenn ich mich recht erinnere, ein Drama von Aischylos, "Im Schlachtschmuck speerhemmender Schilde vorleuchtend, sie stellen sich / Dem Los nach bei den sieben Toren!" Und natürlich auch das erste Pre-make vor den Sieben Samurai und diesem Western da, wie hieß er gleich, die glorreichen Sieben, das würde viel besser passen als Titel, aber nu is zu spät. Da sprach der Prinz von Theben, na eben, na eben. - Kurz, wir fragen jetzt nicht mehr, was oben in der Zeile steht, sondern "wem (ge) fielen die sieben Tore?" Also, in diesem Sinne wünsche ich allen Fußballinteressenten, dass das Finale so ausgehen möge, dass der Bessere gewinnt.


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  • Entschuldigen Sie, wo finde ich den Sonder-Bahnsteig, den die Bundesbahn für die Reisezüge nach Turin eingerichtet hat? nach rechts bitte...

    Heute Abend nach Turin!

     

    Wie schön, dass für das Public Viewing gesorgt ist - das Rheinufer ist bis auf einen schmalen Streifen nicht mehr zugänglich, dafür gibt es jede Menge Bierschwemmen und auch die Infrastruktur für die notwendigen Abläufe "steht", macht allerdings im Vorfeld einen surrealen Eindruck:

    Heute Abend nach Turin!urinale toitoitoi von rechtsWarum die Figürchen ganz rechts alle "Dixi" heißen und immerzu die Beine kreuzen, kann man sich denken, trotz der zahlreichen Einfüllstutzen (immerhin vier pro Container) wird man hier bei den Millionen, die zu so einer Filmleinwand am Rhein pilgern, ewig in der Schlange stehen.

    Wie der Mückenbefall ist bei den Flutlichtern, will ich mir gar nicht ausdenken. Und was passiert, wenn das Notausgangmännlein Reißaus nimmt und an all den Radaubrüdern und Suffköppen vorbeidrängelt? Hauptsache, für's Alter ist vorgesorgt und der Zivi bringt ein schnelles Helles.

    Das also ist aus dem guten alten Trimm-Dich geworden:Heute Abend nach Turin!

    Heute Abend nach Turin!Gut, dass es die wunderbare WM gibt, bei der es plötzlich mitten am Nachmittag (so wie jetzt, 17.00) ganz still in unserem Viertel wird, und nur noch eine einsame Tröte krächzt, wenn schon wieder ein Ball ins Netz gegangen ist, was, wie ich mir von Kennern sagen ließ, für die Inhaber des Netzes gar nicht so gut sein soll wie z. B. beim Angeln, wo das Gegenteil gilt. Wir gehen zu solchen Zeiten gern in den Park, wo nur wenige gleich uns Andersinteressierte zu finden sind, manche sind mit ihren Kindern oder Picknicken.

    Jedenfalls hoffen wir, dass die deutsche Mannschaft noch recht lange nicht ausscheidet und möglichst ins Finale kommt! Danke, danke, danke!!!!

     


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  • Vor kurzem haben wir auf Schloss Moyland mit Freunden eine Art Gartenflohmarkt besucht, wo Blick in die Kistenritzemeine Liebste sich von einem gewissen "Luis" eine gebrauchte Weinkiste aufschwatzen ließ. Mit dem Ergebnis, dass Eichhörnchen und Venusich den Rest des Weges die schildkrötenpanzerähnliche Kiste auf dem Rücken trug. Na schön, einer meiner Vornamen ist passend zu einem Kinderbuch der 50er Jahre - deswegen sollte ich auch nicht getauft werden dürfen, denn a) sei der Name heidnisch und b) der Autor des Kinderbuches Anarchist (allerdings war es nicht Erich Kästner, wie mein wie immer fast zu spät herbeieilender Vater versicherte, so dass die Ablehnungstaktik des taufunwilligen Priesters in Bröckeln kam) - kurzum, Kisten sollten eigentlich meine SHurra, die Kiste ist erklommenpezialität sein, und in der Tat stehen hier einige um den Computer herum, die vor allem Berge herausquellender Fotokopien einigermaßen im Zaum halten. Die o. g. Weinkiste kam erstmal auf den Küchenbalkon, wo sie eigentlich in der kalten Jahreszeit unsere nicht mehr ganz in den kleinen Eisschrank passenden Vorräte an Gemüse, Kohl, Kartoffeln etc. bergen sollte. Dazu diente bisher der Korb. Erst jetzt wird mir klar, dass so eine Kiste auch Ritzen hat wie der berühmte "Lattenzaun, um durchzuschau'n". Und einige neugierige Wesen, die schon seit Jahren unseren Küchenbalkon regelmäßig auf der Suche nach Brauch- und Eßbarem durchstöbern, ließen es beim Schauen nicht bewenden, sondern krabbelten hinein. Damit sie dort nicht ganz vergeblichEichhörnchen im Profil mit Walnuss nachsuchten, ließ ich wohl schon die ein oder andere Walnuß hineinrollen, bei meiner Lebensabschnittsgefährtin erweckte dies urplötzlich auch Interesse, sie kaufte weitere Walnüsse und schließlich auch eine Art Nager-Müsli - und siehe da, seitdem hat sich die Kiste als idealer Frühstücksraum für die Eichhörnchen entwickelt. Aber: Mit den Walnüssen ist das so eine Sache. Eichhörnchen sind zwar Kleinnager (glaube ich), haben aber gar keinen vorstehenden Nagezahn. Meiner Beobachtung nach gibt es unterhalb der stumpfen Schnäuzchen eine Art Mund, mit dem sie das Innere winziger Haselnüsse und konisch geformter Eicheln - vielleicht mit der ZSchwanz ragt aus der Weinkisteunge? - nach und nach herausfrinseln. Eigentlich haben Eichhörnchen auch ganz geschickte Finger, mit denen sie Nüsse um- und umdrehen und nach Löchern suchen. Dafür haben sie auch Hurrah, wir haben eine Eichhörnchenfalle!große, krallige Füße, aber laufen können sie mit denen allein nicht, dazu brauchen sie auch die Vorderpfoten. Wie sie die Nüsse ins Versteck transportieren, weiß ich jetzt auch! Mit diesem Mund saugen sie die Nuß an und rasen wie verrückt davon. Problematisch ist jetzt das Größenverhältnis Walnuß - Sparrenbreite der Kistenwand. Da kommen sie nicht mit durch, die Walnuß passt nicht durch die Ritze , und geraten gern etwas in Panik. Selbst wenn man die Kiste an der einen Seite freundlich aufmunternd anhebt, versuchen sie gegenüberliegend zu eEichhörnchen mögen Karrottenntwischen, wo ich nicht anhebe. Ich könnte diese Tiere also bequem in der Falle sitzen lassen, aber da ich nicht weiß, wie gebratenes Eichhörnchen zubereitet wird (Römertopf? Bräter?), lasse ich sie natürlich laufen. Inzwischen ist aber eine neue, neugierige Generation sehr kleiner Eichhörnchen da, vermutlich grade aus dem Nest gefallen. Sie sind winzig klein und gehen problemlos am unteren Rand der Kiste ein und aus, etwas angeschrägt habe ich sie aufgestellt zu diesem Zweck. Für diese Allerkleinsten - an den runden, meist wenig behaarten Ohren erkennbar - muss man sogar die Walnüsse noch vor-knacken, sonst kriegen sie die nicht auf. Wir bieten ferner eine Auswahl vom Nager-Müsli an, die Warten auf das Frühstück!allerdings nicht vollständig goutiert wird, ferner Eicheln, Hasel- und Walnüsse, und mit großem Erfolg Karotten. Auch Erdbeeren haben sie schon angenagt, sie sind aber nicht so ganz begeistert, so eine Erdbeere liegt eine Weile da. Begehrtes VogelhausNach dem großen Sturm habe ich mir von herabgestürzten Nadelbaum-Ästen die grünen Zapfen abgelesen, die größtes Interesse fanden und regelrecht zerfetzt wurden. (Sehr ordentlich sind diese Frühstücksgäste übrigens nicht, und nach ihnen kommt gern auch mal ein Fink oder eine Meise auf den Balkon statt ans Vogelhäuschen und bedient sich an den Resten.) Übrigens krabbeln die kleinsten der Eichhörnchen auch gern mal in den Vogel-Bereich, zum Futterhaus und zu dem ausgehöhlten und mit Moltofill abgedichteten Ast, an dem ein IKEA-Bleistift absteht, Eichhörnchen seitlich vor der Kistedamit sich unsere gefiederten Freunde aus dem Inneren die geschälen Sonnenblumenkerne picken und auf dem IKEA-Bleistift zerkleinern können. Da stecken Eichhörnchen die Köpfe durch das Loch und versuchen, das begehrte Knabbergut ebenfalls zu requirieren, was aber wohl nicht so ganJung-Eichhörnchen beim Fensterlnz gelingt. So kommt der hohle Ast zu Ehren, den ich eigentlich als Starenwohnung ausgehöhlt hatte, der aber bisher keinen einzigen Star an unsere Hauswand gelockt hat (wir wohnen zu tief, und ich sehe die Stare an der Rückseite des gegenüber der Wiese liegenden Schmierstoffe-Fachhandels, da nisten sie unter dem vorspringenden Dachfirst). Was aber nun die Eichhörnchen betrifft, die stellen sich jetzt täglich morgens ab halb sechs bis sieben ein, manchmal kommen sie auch noch mal nachmittags zu einem Imbiß vorbei. Meine Sammlung von ca. 4.500 Eichhörnchenfotos muss bald auf eine externe Festplatte ausgelagert werden (NEIN, ich tausche nicht gegen Katzenfotos). Des Nachbars MensHalsbandsittich am Vogelhauschenkinder, die morgens von der Ökomutter zur Garage begleitet werden, wo sie alle behelmt und in Funktionsklamotten ihre Fahrräder herausholen - Vater, Mutter, Sohn, Tochter - haben ihre Freude dran. Sie beobachteteGimpel am Baumhausn schon mal die Eichhörnchen, wie sie sich frech AUF das Vogelhaus setzten. Was ich im Winter füttere, weiß ich noch nicht; muss mal drauf achten, wenn im Herbst Bucheckern zu finden sind, denn ich habe gehört, die mögen sie. Kann man vielleicht auch einlagern... So macht man sich zum Fouragier stummer Gäste, aber dass sie ganz unkommunikativ seien, kann man nicht behaupten, immer wieder schauen sie mal herein und sehen uns zu, wie wir Zweibeinermüsli verzehren, oder blicken streng, mit einem deutlich vorwurfsvollen Ausdruck in den Knopfaugen, wenn es an Nüssen oder Nager-Müsli fehlt. Die Tür muss man ganz vorsichtig und leise öffnen, sonst laufen sie verschreckt davon (riskieren den Todessprung vom Balkon nach unten), aber wenn man ihnen die Nüsse vorher zeigt, ahnen sie, dass sich das Anschmeicheln gelohnt hat. Übrigens lassen sie sich nicht gern zusehen beim Essen, und mit dem Fotoapparat darf man auch nicht zudringlich sein. Haben sie einmal angefangen zu knabbern (sie werfen dann ihre buschige Schweifstola von hinten über sich, damit sie von Weitem für Bussarde als Igel durchgehen), verfallen sie allerdings in eine Art Nuß-Trance und mümmeln ungeniert weiter, bis die vollständig geleerten Schalen - zack! -  aus der Pfote fallen oder weggeschleudert werden. Und wer darf sie dann einsammeln? Der Frühstückswirt, also ich.


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  • Kein Bierey gelegtGottlob Benedikt Bierey war ein Breslauer Theaterpächter, Kapellmeister und Komponist im 19. Jahrhundert; er ist zumindest bei Wikipedia vertreten. Mit meinem alten Freund, dem genußsüchtigen Vielfraß und Shakespeare-Rezitator Karl Schall, hat er sich angeblich dauernde Fehden geliefert.

    Er schrieb Opern mit Titeln wie Donauweibchen oder Die Nixen-Königin. Dritter und letzter Theil. Ein romantisch-komisches Volksmärchen, Liebesabenteuer oder Wer zuletzt lacht, lacht am besten, Elias Rips Raps und Almazinde oder die Höhle Sesam.

    In seiner Oper Die Ehestandskandidaten, oder die Parodie aus dem Stehgreif  fallen Sätze wie "Sag mir, Mädchen, was soll das bedeuten? Hat die letzte Hundstagshitze meinem Onkel das Gehirn verbrannt?", und ein für allerlei alchemische Experimente aufgeschlossener Herr namens "Schwindel" probiert die Wahlverwandtschaften aus:
    "Nimm Lapis, tapis, crinis, cinis,
    Verbind's mit matis, salis, spinis
    Und lege Sulphur auch daran...
    Und was kömmt durch ihre Verbindung heraus?"
    worauf ein junger Mann, eben der Ehestandskandidat, antwortet:
    "Des schwarzen Raben goldenes Haus"
    während Röschen (beiseite) murmelt:
    "Ein Hochzeitkranz, ein Bräutigamstrauß."

    Der Komponist kommt sogar im Goethe-Zelterschen Briefwechsel vor, allerdings meint Zelter am 14. bis 15. Juli 1824 zu seinem Weimarer Freund: "Der Bierey ist weit genug davon, etwas Ordentliches vorzubringen.Schlussapplaus zur Oper Solange die Leute ernsthafte Opern schreiben, finden sie in den sogenannten Leidenschaften Gelegenheit und Entschuldigung für alles Reißen und Schmeißen, womit sie sich und andere quälen. An humoristischen Gegenständen erkennt man jedoch sogleich die ärmliche Natur, und so ist's auch mit der genannten Komposition..." Und die Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 20 vom 19.5. 1813, Sp. 338, mag ein von Bierey komponiertes Trinklied "weder gut noch schlecht nennen".

    Im Schlesischen Tonkünstler-Lexikon, enthaltend die Biographieen Vorhang der alten Kölner Operaller Schlesischen Tonkünstler, Componisten, Cantoren, Organisten, Tongelehrten, Textdichter Orgelbauer, Instrumentenmacher etc. etc. Nebst genauer Angabe aller Schlesischen musikalischen Institute, Vereine, Musikschulen, Liedertafeln etc. etc.  von Carl Kossmaly und Carl Heinrich Herzel ("Carlo"), Eduard Trewendt: Breslau 1846, S. 18 steht allerdings auch:

    "Biereys erstes Bestreben war, das Orchester zu verbessern, um so mehr da die Unordnung so groß war, daß die Musiker sogar nicht selten während der Vorstellung das Orchester verließen, um in einem benachbarten Bierhause ihren Durst zu stillen, und gewöhnlich zu spät oder gar nicht wiederkamen."

    Das erinnert dann gar sehr an den Fürsten Esterhazy, für den Bierey eine Messe Tanz um die Hochzeitstorteund einige Psalmen komponiert hat, die in der Esterhazy'schen Kapelle von Joseph Haydn aufgeführt wurden. Haydn lässt in der Sinfonie Nr. 45 (Hoboken-Verzeichnis), der sog. Abschiedssinfonie, die Musiker einen nach dem Anderen den Saal verlassen, vielleicht gehen sie zum Bier?

    Das Ende des Bierey war von Trinkkuren begleitet: "Nachdem er die Theaterpacht abgegeben hatte, suchte er seine, durch Arbeit – und mancherlei Kränkungen – gestörte Gesundheit, in Ruhe und Zurückgezogenheit, theils in Bädern theils in Weimar wiederherzustellen, kehrte aber im Jahre 1834 mit einem unheilbaren Asthma nach Breslau zurück, woselbst er am 5. Mai 1840 in einem Alter von 68 Jahren, in den Armen seiner Gattin ruhig und verpasste_schildersanft entschlief", schließt das Schlesische Tonkünstlerlexikon den ihm gewidmeten Artikel. (Sie hieß Sophie de Morell, und war eine tüchtige Sängerin bei der Secondaschen Truppe, für die er das "Donauweibchen 3. Theil" komponiert hatte.) Und jetzt kommt der Clou, allein seines Namens wegen schaffte es Bierey auch in das Konversationslexikon von Brockhaus, dem Wikipedia inzwischen den Garaus machte:

    Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Leben und Wirken nach Briefen und andern Aufzeichnungen geschildert von seinem Enkel Heinrich Eduard Brockhaus. Zweiter Theil,  F. A. Brockhaus: Leipzig 1876, S. 141 f.

    Wie ein komisches Seitenstück zu diesem Erscheinen des Namens Metternich an der Spitze der dritten Auflage des Klotzbuecher Bier"Conversations-Lexikon" sei hier eine Anekdote eingeschaltet, welche dieselbe Auflage betrifft. In ihr befindet sich nämlich auch der Name eines Mannes, der diese Auszeichnung nur einem eigenthümlichen Umstande verdankte. Brockhaus, der jeden Bogen vor dem Drucke durchsah, fand, von einer Reise zurückkehrend, daß der Artikel "Bier" viel zu ausführlich behandelt sei; der Bearbeiter und auch der Redacteur Hain hatten sich dabei wahrscheinlich durch ihre persönliche Vorliebe bestimmen lassen. Brockhaus strich den Artikel zusammen, aber – der nächste Bogen war in einer andern Druckerei schon gedruckt! Da gab es nur das Mittel, einen Artikel ausfindig zu machen, der im Alphabet zwischen "Bier" und dem folgenden Artikel "Bièvre (Marschall)" hineinpaßte. Man suchte und – fand einen Componisten Bierey, Musikdirektor zu Breslau. Rasch wurde er eingeschoben, freilich um aus dem Werke, in welchem er unbeschadet seiner sonstigen Verdienste doch nur als Lückenbüßer gedient hatte, bald wieder zu verschwinden.


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