• Vorgestern war es so weit. Am  18. November 2019, kurz nach 20.00, hörte ich "es" zum ersten Mal in der Tagesschau. Eines dieser neuen, ekelhaften Wortbratzen, eins der schlimmeren. Der Wortmüll, den ich immer wieder bekämpft habe,  von "Car-Sharing" über "Team-Teaching" bis zum "Steil-Schiet", und selbst die "Chance auf" seien dagegen geschenkt, das ist schon Schnee von gestern, hundertfach gesendet und gedruckt. Aber jetzt kam der Hammer, eine Stimme von sprühender junger Weiblichkeit sprach es fast vergnügt aus, im Kontext einer Erklärung zu irgendeinem Datenwahnsinn - irgendwelche Daten seien durch die und die Programmiertechnik auch nunmehr....

    zuordenbar

    Tja, jetzt ist es heraus. Gehört habe ich das Wort wohl gelegentlich schon, aus mehr oder minder berufenem Munde, und jedesmal bin ich zusammengezuckt wie bei einem knirschend-quietschenden Misston, mit der Gabelspitze über die Schiefertafel sozusagen, oder als säße ich in der Probe zu einer meiner Lieblingssinfonien, ausgeführt von einem Taubstummen-Orchester im Hospiz zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade. Es waren aber immer ganz harmlos dummdeutsch-sozialisierte Sprachgenossen, die den stinkenden Bratzen ahnungslos fallen ließen, nicht grade Nachrichtensprecher, Politiker oder "Arbeiter der Stirn und der Faust(-interpretationen)", die es besser wissen müssten.

    Es ist auch nicht so, dass sich die Redaktion nun schämt - weit gefehlt. Im Gegenteil!! Gebe ich den Namen "Tagesschau " und das Quatschwort bei Google ein, stellt sich heraus, dass sich die Redaktion längst angewöhnt hat, dieses Wort zu benutzen. Nicht nur in leserkommentaren, auch Meldungen wie am 7. 11.2019: "Spahn-Gesetz im Bundestag: Ist die digitale Arztpraxis sicher?" da wird ein gewisser Armin Kessler von der Linkspartei ohne Anführungszeichen zitiert, mit der Besorgnis, einzelne Patientensätze seien trotz Anonymisierung leicht "zuordenbar". Nachfolgepartei der SED! Liest man die Stasi-Unterlagen, fällt einem überall die Verrohung der Sprache auf. Bei den Geheimdiensten im Westen ganz ähnlich: Auch in dem NSA-Untersuchungsbericht des "Selektionsbeauftragten" der Bundesregierung Kurt Graulich stößt man auf Sprach-Sondermüll "Auf dieser Stufe werden die Selektoren anhand eindeutig zuordenbarer technischer Parameter auf G10-Relevanz überprüft..." womit z. B. die Vorwahl +49 gemeint sein soll. 

    Freunde! Feinde! Lasst uns innehalten, Luft holen und bei allen Gegensätzen daran festhalten: "Zuordenbar" ist kein Adjektiv! Das lassen wir nicht zu! So ein Ungetüm kommt uns nicht in den Wortschatz! No pasarán! Und wenn es morgen kanonisert wird, weil Neologismen der Tagesschau automatisch DUDEN-relevant werden? Bitte: Zwar kann man etwas zuordnen, dies oder das kann eventuell noch "zuzuordnen" sein, es wird aber durch noch so schöne Parameter nicht "zuordenbar". NEIN, NEIN, NEIN! Wollt ihr das womöglich noch steigern, z. B. behaupten, dieses oder jene Parameter sei noch "zuordenbarer" als die Vorwahl +49, und wir suchen anschließend noch im ganzen weiten deutschen Sprachraum nach dem "zuordenbarsten" aller denkbaren Parameter? Was hätte Kant dazu gesagt? "Obwohl geistesgeschichtlich noch der Epoche der Aufklärung zuordenbar", schreibt ein gewisser Heinz-Kurt Wahren in einem Buch, "kann man ihn als ersten Philosophen der Neuzeit betrachten". Auf Kants Lehre der Deduktion beruft sich auch Markus Arnold in Die Erfahrung der Philosophen (Wien/Berlin 2010), wo es S. 302 heißt, "Daher sollte auch in der transzendentalen Deduktion die Frage nach dem Geltungsbereich der Gesetze eng mit der Frage verbunden sein, welche Art von Handlungen und welche Art von Gesetzen dem transzendentalen Subjekt zuordenbar sind"... Und selbst das Immanuel-Kant-Gymnasium zu Tuttlingen lässt in der Datenschutzerklärung seines Webauftritts verlauten. "Diese Daten sind nicht bestimmten Personen zuordenbar..." Lässt sich diese Schrumpfgrammatik in den Köpfen denn gar nicht mehr vermeiden? "Sprache ist lebendig", hör ich die Beschwichtiger schon. Na klar, Sprache ist lebendig! Besser noch, anders als vieles andere Lebendige kann sie sich nicht wehren gegen diejenigen, die sie in den Mund nehmen. Sie kann gekaut oder ausgespieln, geknetet oder geknechtet werden, man kann sie verhunzen und verstümmeln, sie kann alt und hutzelig darüber werden. Wollt ihr das??? Aber wenn das alles nicht abhält, dann vielleicht dies: Wenn sich das Wort "zuordenbar" durchsetzt, werden auch noch andere Verben in dieser Weise adjektivisiert. Und dann droht außer den hunderttausend humorigen Friseurs-Wortspielen mit "Haar", "Head", "Schnitt" usw. usw. auch noch eine ungeahnte neue Springflut bescheuerter Kneipennamen, nach "Unvorstell-Bar", "Unkünd-Bar" "Bar-Code", "Bar jeder Vernunft" wird es nun die "Zuordenbar" geben, dort kann ein jeder ordentlich ordern, wenn er oder sie nicht zu zu oder die Bar schon zu ist...


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  • Da schlug ich heute früh die Zeitung wie gewohnt am Föjetong-Ende auf und denk mir beim Anblick des alten hakennasig-silberhaarigen Mannes, der da vor einer satten  Bücherwand abgebildet ist: schon wieder Ernst Jünger? gedichtbaende_enzensbergersHat der die 100 nicht längst hinter sich und muss in der Hölle für zwei bis drei Ewigkeiten die Leni Riefenstahl küssen - nachher ist Hitler mit dem Mundgeruch dran? eine Pizza Lombroso bitte, mit viel LavaterNein, es war Hans Magnus Enzensberger, der heute 90 wird, wie jetzt der tote Rühmkorf auch, und in der Hamburger Rühmkorff-Ausstellung hat mir die Kuratorin erklärt, im Rahmen eines Projekts  entstünden Doktorarbeiten zur Frage, weshalb so viele Dichter grade 90 werden. Ich würde bei Cesare Lombroso (der u. a. "Verbrecherphysiognomien" gesammelt, taxonomisch sortiert und aufgelistet hat) nachschlagen, der vor über 100 Jahren darüber nachgedacht hat, wieso ausgerechnet in Italien, seinem Heimatland, vor allem in Florenz, aber auch Verona, so viele Genies auf die Welt kommen, u. a. im Kapitel "Einfluss der Atmosphäre auf die Entwicklung des Genies", und mit sagenhaften Schaubildern und Tabellen darlegte, in welchen Monaten die Genies besonders gut gedeihen und in welchem Klima & zu welcher Jahreszeit mit einer Rekordernte von Verbrechern, Revoluzzern und Wahnsinnigen zu rechnen sei. Auch Enzensberger stellte einst die Frage, wozu die Menschen in Düsseldorf geboren werden? Aber da könnte man die Gegenfrage stellen: und wozu wohl in Kaufbeuren....?
     
    Suhrkamp-Taschenbuch 4 - Gesammelte Werke des JungdichtersDoch grade an diesem Ehrentag muss ich mich darauf besinnen, daß ich ein Gedicht von Enzensberger "Botschaft des Tauchers", gefunden in dem rotleuchtenden Band links, es muss so 1972 oder 1973 gewesen sein, in einer Deutscharbeit bei unserem guten alten Deutschlehrer deuten musste. Aufgabe der Schüler (*innen gab es da nicht, echt noch nicht, wir zwölfjährige Buben waren unter uns) war, sich selber ein Gedicht für diese Klassenarbeit mitzubringen. Bei der Rückgabe der Arbeit erhob der Lehrer, für den die Geschichte der Lyrik mit Georg Trakl (immerhin!) zu Ende war, die Stimme: ein Schüler habe ein Gedicht eines Autors interpretiert, von dem er noch nie was gehört habe, und schob mir das Heft hin: eins minus, weil ich die Morsezeichen nicht interpretiert hatte. Enzensberger war damals schon Büchnerpreisträger, gab die Zeitschrift "Kursbuch" heraus und hatte im Spiegel den Neckermann-Katalog rezensiert. Na, man muß dem Mann nicht übel nehmen, dass er keine aktuellen Zeitungen las und geschweige denn das "Kursbuch", von dem der Zweitausendeins-Verlag dann einen preiswerten Reprint auf grottenschlechtem Bibeldünndruckpapier vorlegte, damit wir, die ernstesten Jünger, den geistigen Emanationen der jüngstvergangenen, alt-vorderen Studentenbewegung (Tod der Literatur!) hinterherhecheln durften. Jahrzehnte später gab es dann ein essayistisches Sperrfeuer des SPIEGEL-Autors Enzensberger gegen die Friedensbewegung, weil er damals in Saddam Hussein einen Hitler in Menschengestalt erblickt hatte, den wahren Gottseibeiuns aus Babylon, und diese Volte hat den früheren Amerikakritiker (man lese seine Brief-Kontroverse mit Hannah Arendt nach) wohl einiges Hirnschmalz gekostet, das bekanntlich nicht mehr nachwächst. Sein Triumphgeheul bei den Siegen Washingtons von 2003 waren die Synthese des einst so manierierten Schön-, späteren APO-Freigeist. Die 68er waren doch nur sauer, weil sie mit ihrem bisschen Volkssturm und Flack mit den kiffenden und rockenden Vietnam-Veteranen auf der anderen Seite des Teichs schon rein anekdotisch nicht mithalten konnten. Daher hassen sie bis heute alle, die sich den Truppengelöbnissen trillerpfeifend und fromme Lieder singend in den Weg stellen. So lebten wir uns auseinander, Enzensberger und ich, sein früher Anhänger ("Beseitigung der Anhänger", wär auch ein schöner Lyrikband-Titel gewesen). Jeder ging danach seiner Wege.
     
    Ich las übrigens auch die Doktorarbeit des Lyrikers, der überdies auch noch einen technischen Beruf erlernt hatte, und war dabei in öffentlichen Nahverkehrsmitteln unterwegs, und wohl als Schwarzfahrer, wie ich meinem Exemplar (Taschenbuch aus dem dtv-Verlag) ablesen kann. Der Name, der da Belämmerung der Tölpellinks oben eingeschrieben steht, ist nicht meiner und auch nicht der des Vorbesitzers. Diese irreführende Inschrift diente als Argumentationshilfe, für bei eventuellen Fahrscheinrazzien fällige Verhandlungen mit dem Kontroletti nach dem Motto - Fahrschein vergessen - Ausweis nicht dabei - äh, meine Adresse? Ich heiße XYZ, wohne in der Soundsostraße, hier bitte, mein Exlibris beweist es! (unnötig zu sagen, dass in den jeweiligen Straßen, z. B. "Enzstraße" in Stammheim, nur Garagen standen). Ich las jedenfalls nicht nur die Gedichtbände (aus denen ein besonders ramponiertes Exemplar eine Auswahl darbot), sondern auch Theoretisches und Essayistisches über Lyrik, z. B. Enzensberger "Die Entstehung eines Gedichts" in streng serifenloser Schrift mit einem Essay von Werner Weber. Ich wurde dann Lektor, aber mit denen hatte der Dichterfürst kein Glück. Laut der Liste seiner Werke in dem schmalen Heftchen von 1962 soll er u. a. Texte eines gewissen "Andreas Gryphus" herausgegeben haben - der war vermutlich wie Arno Schmidts Altertum-Ego Pythias, als dessen Arbeitgeber, in den "Gryph-Werken" für Sport und Freizeitkleidung tätig? Gegen Schmidt hatte sich HME auch missfällig geäußert, im Essay Lob der Inkonsequenz.
     
    Enzensbergers VerlagsbiographieSpäter gab derselbe Enzensberger eine Buchreihe "Die Andere Bibliothek" heraus, die wegen der sorgfältigen Gestaltung und Edition ("Bleisatz & Buchdruck, angenehmes Papier, gut gebunden", so die Eigenwerbung) Begeisterungsstürme der Kritiker hervorrief. Unter dem Titel "Journal einer Revolution" war auch eine Auswahl aus den Tagebüchern des von Enzensberger geschätzten Karl August Varnhagen von Ense dabei. Enzensberger hielt den Umgang der Germanisten mit diesem Heine-Freund und Revolutionsbefürworter für "das seltene Beispiel eines perfekten literarischen Verbrechens".
    Allerdings: Bei Herstellung der Druckvorlage dieser Aufzeichnungen des Herrn von Varnhagen aus dem Jahr 1848 wurde aus den alten Ausgaben von 1861/62 fotokopiert! Vielleicht hatte der Lektoratsassistent oder sonst ein Lohnsklave des Verlags oder die Sekretärin des Dichterfürsten den berühmten schlechten Tag? An der Kopiermaschine wurden mehrere lästig aneinander haftende Doppelseiten einfach überschlagen, die Texte vom angeblich so sorgfältigen und gestalterisch lobenswerten Setzer besinnungslos zusammengeleimt, und auch beim Korrekturlesen, falls ein solches stattfand, fiel es niemandem weiter auf, dass die folgenden Sätze irgendwie rätselhaft klingen
    In "Journal einer Revolution", Greno-Verlag, S. 16:
     
    Er sandte seinen Gesandten in Karlsruhe, den General von Radowitz, nach Wien und Paris, um den Fremdling - denn er war Unterthan des Königs und staatsrechtlich kein Pole mehr, sondern in Frankreich einge­bürgert - zu begnadigen, wozu dieser selbst ein Bittgesuch einzureichen freilich verweigerte.
     
    Die Buchvorlage "Tagebücher" aus dem Jahr 1862 (Bd. IV) endete Seite 173 unten hinter "um den", Seite 178 oben beginnt mit "Fremdling - denn", ausgelassen wurden die Seiten 174 bis 177. (Der "Fremdling" war indessen nicht in Wien oder Paris, wo kein preußischer Gesandter irgendwelche Fremdlinge hätte je "begnadigen" können, sondern in Moabit inhaftiert: der Revolutionär Ludvik Mieroslawski...)
     
    Ferner heißt es in Enzensbergers Greno-Version, Seite 138:
     
    Die Verhand­lungen des Landtages haben eine schiefe Physiognomie, die falsche Stellung giebt sich überall kund, höhnen ihr Vaterlandsstreben, schneiden ihnen alles Recht und alle Hoffnung ab.
     
    In der Buchvorlage von 1862 (Bd IV) steht am Ende der Seite 369 "überall kund," - Seite 372 beginnt mit "höhnen ihr"; ausgelassen wurden die Seiten 370 und 371. Hier ein "Snippet" aus der Greno-Textfassung, auch noch mit Zeilenumbruch an der Zensur-"Schnittstelle":
     
    Wie nannte es der Herausgeber?Belämmerung der Tölpel
    Das seltene Beispiel eines perfekten literarischen Verbrechens....
    Woher ich das weiß? Aus einem Buch über diese Thematik, das beim Verlag wohl  als "vergriffen" gemeldet wird und dessen Restauflage  längst zu Matschepampe verarbeitet wurde, als Pappmaché zur Gestaltung vergänglicher Dichterdenkmäler zu gebrauchen, ohne dass Hans Magnus ("der Große") Enzensberger je einen Blick in die Fußnoten jenes Sekundärwerks riskiert hätte - wozu auch?

     


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  • Falls noch irgendwelche Zweifel sind, wo bei den heute stattfindenden Landtagswahlen das Kreuz auf dem Zettel zu malen ist (möge der Gewinnende sich bessern), hier eine Entscheidungshilfe für die wahlberechtigten thüringischen Thüröffner von Jena bis Auerstedt:

    Entscheidungshilfe

    Den Schlüssel zu dem Schatzkästlein der Pandora, das dann am Tag nach der Wahl endlich, endlich wieder geöffnet wird, hält übrigens der scheidende Mario Draghi, der zinsverzichtliche Hüter des Euro, bereit, hier in vollem Ornat mit seinem getreuen Helferlein abgebildet:

    Entscheidungshilfe


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  • Werbeanzeige für Pistolen in PrivatbesitzWirklich noch mal gutgegangen?In Köln gilt nicht das Gesetz des rauhen Westens, obwohl wir schon mal das Chicago Europas genannt wurden. Hier gibt es ein Kölsches Grundgesetz, und einer der wunderlichen Paragraphen, die größtenteils gar nichts vor-, sondern das Elend der Verhältnisse resigniert be-schreiben, lautet, "ett hätt noch immer jutjejange" (es ist noch immer glimpflich ausgegangen). Oder auch "joot jejange". Den Kölnern scheint es gar nichts auszumachen, dass ihre Mundart, die "nach faulen Eiern klingt und fast riecht" (so ähnlich Heine) mitunter Missverständliches produziert, z.B. wenn der immer wieder gebrauchte Euphemismus der "wertschätzenden Kommunikation", nämlich "jut" (wie in "ne joode Jung" oder "dat ess jut") als  Anspielungen auf Jüdisches oder Juden fehlgedeutet wird. (Heinrich Böll hat mal berichtet, wie er und seine Frau in der Schweiz im Café saßen und das jut-Wort benutzten und alle so merkwürdig guckten...) Auf Juden ist jetzt einer losgegangen, der Mord an aussschließlich jüdischen Teilnehmern einer Jom-Kippur-Feier in der Hallenser Synagoge war klar geplant. Schon am  Abend des anderen Tages wurde als große Erkenntnis der Ermittler verkündet, die Tat habe einen antisemitischen Hintergrund gehabt und sei von einem rechtsextremen Einzel(?)täter verübt worden. Klingt etwas überheblich, aber das hatte ich mir auf Anhieb auch gedacht. Was den Sprecher der Gewerkschaft der Polizei übrigens nicht hinderte, am 10. Oktober als Erwiderung auf Kritik - weit und breit war kein Polizeischutz der Synagoge erkennbar, er war nach den NSU-Morden sogar noch reduziert worden - im Südwestfunk mit schönen Pauschalisierungen und Einebnungen abzuwiegeln: das ginge ja nun auch nicht an, dass echt JEDE Kirche und JEDER Gottesdienst rund um die Uhr bewacht wird. Nee, Herr Wachtmeister, nicht 'JEDE' Bevölkerungsgruppe ist dem Teutschtumswahn mit rabiatem Vernichtungswillen preisgegeben, das ist hierzulande exklusiv Juden vorbehalten. Wenn ich mir das Verhalten der Polizei so recht überlege. bleibt eigentlich nur noch Appell an die Eigeninitiative übrig. Ordnungshüter setzen Hundeleinen durchEs muss ja nicht gleich organisierte Antifa-Trupps oder "Bürgerwehr" sein. Aber wie wär's denn mit individueller Selbsthilfe? Böse fette Hündin abzugeben"Folge deiner Berufung", rät das Bundeswehr-Werbeplakat. Ist doch so: Nach jedem US-Hochschulmassaker kommt die National Rifle Association unter Leitung von Charles Bronson und erklärt, wie man dem Übel abhelfen kann - weil immer mehr Handfeuerwaffen endlich Frieden schaffen. Statt stundenlangem Bowling for Columbine ein klassischer High Noon, der höchstens bis 12.20 dauert, bis die Colts schweigend eine rauchen gehen (Revolver hat nur sechs Schuß). Werbung für InsektizideZugegeben, ich bin jetzt auch nicht der Hardliner, der am Versöhnungstag mit umgeschnalltem Holster in die Synagoge ginge - aber hätte der Döner-Imbißwirt nicht unter den Ladentisch greifen und die Wumme hervorholen können? Präventiver finaler Rettungsschuss als ethisch gebotene praktische Sanktionsmaßnahme gegen Massenmörder. Gibts da noch kein Stück von diesem Ferdinand Soundso? Dramaturgischer Nachkömmling des gottähnlichen braunen Reichsjugendverderbers, den alle leise "Baldur von Schmierarsch" genannt haben? Hilfssheriff als Publikumsjoker, das wär doch dessen Genre. '"Ich trage einen berühmten Namen", aber den kann man doch heute ändern oder, gerade im Theatermilieu, dauerhaft gültige Pseudonyme wählen, von Schmarrnich oder dergleichen. - Wie gesagt, der Pistolentyp bin ich nicht, beim Gewissensprüfungstribunal (damals noch mit Peter-Handke-Frisur - es war vor Abschaffung der gemeinen Wehrpflicht) wurde das behördlich festgestellt. Aber so eine "Radfahrer-Peitsche aus Büffelhaut", wie sie Indiana Jones bei seinen archäologischen Ausgrabungen z. B. von Nazi-Kristallschädeln benutzt, geeignet zum Durchsetzen der Vorfahrt gegen blinklinks abbiegende LKWs, damit würde ich schon liebäugeln. Wirklich noch mal gutgegangen?Und wenn der Wehrwille in der deutschdoofen Bevölkerung sowieso propagandistisch gestärkt werden muss - wieso nicht gleich einen Kampfhubschrauber bei Lockheed bestellen? Oder wieso wirbt die Firma seit neuestem hier im Viertel mit Großflächenplakaten? Die wurden übrigens pünktlich um 5. 45 Uhr zum Jahrestag des Angriffs auf Polen geklebt - jedenfalls hingen sie an dem Tag zum ersten Mal auf meinem täglichen Weg zum Supermarkt. Und der Hubschrauber hört auch noch auf den Namen Sikorski, ist dieser General, Radlerfreundliches Gerichtsurteil 1897Chef der polnischen Exilregierung, nicht 1943 bei Gibraltar mit einem British Air Force Flugzeug abgestürzt? Ich ahne, dass da was im Busch ist, demnächst rollen wieder Köpfe für den Siech im Kriech. Aber vielleicht muss es nicht gleich der Hubschrauber sein, eine Drohne tut's auch. Oder eine Biene? bzw. ein Schwarm, der von einer Bienenkönigin herbeigelockt werden kann? Oder ein Pfefferspray, so eines, wie ich es gern gegen Hundebesitzer einsetzen würde? Wie man sieht, bn ich aufgrund geltender Atomsparverträge nur bedingt abwehrbereit. Auf die Ordnungskräfte in Köln ist kein Verlass, die wollen nur spielen...


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  • Mit diesem Blog wollte ich zwischendurch mal auf die segensreichen Funktionen eines eher unscheinbaren Satzzeichens, des Bindestrichs aufmerksam machen. Trennstriche und Trendgendertrennungsrichtlinien und rattenscharfe Kriterien gibt's genug. Gerade in einer Sprache, in der man praktisch unendliche Wortketten bilden kann, und einer Zeit, die von Polarisierung und Gegeneinander geprägt ist, sollte das Augenmerk auch mal auf das moderat Verbindende, intersubjektiv Vermittelnde fallen. Der Bindestrich ist sozusagen der Mediator unter den Satzzeichen, ein feinsinniger und bescheidener Diplomat, man sollte ihn nicht nachträglich einzwängen und immer dann seiner Aufgabe nachgehen lassen, wenn zwei anonsten gegensätzliche oder schwer zu vereinbarende Begriffe aufeinanderprallen.  Der Aufkleber, dem ichGruss von der Kö kürzlich an einem Laternenpfahl an der Saarschleife begegnete, ließ mich ans heimische Rheinland denken, an unsere geliebte Nachbarstadt. "Ein Gruß von der Köterrasse", ein Herz für Tiere, was könnte schöner, mondäner und gemütsvoller sein, multikulti und heimatverbunden zugleich. QuallabelDenn die Königsallee in Düsseldorf, von Einheimischen liebevoll "die Kö" genannt, beherbergt Caféterrassen, zudem viele Japaner, die sich schon in den 1960er-Jahren diesen Mittelpunkt ihrer wirtschaftspolitischen Aktivitäten in Europa mit einer traditionellen Feng-Shui-Technik ausgependelt haben. Unfern steht auch die Wiege Heinrich Heines, jenes Dichters, der die Loreley in aller Welt berühmt gemacht hat und zwischen französisch-aufgeklärter Rationalität und romantisch-verträumter deutscher Sehnsucht so wunderbar vermitteln kann! Natürlich sei das Bahnhofsviertel nicht vergessen, an dessen Bahndamm die numerierten Fenster, oft auch gleich groß aufgemalte Telefonnummern zu sehen sind. Zeigt sich eine blonde holde Lore (leih mir mal den Kamm) am Fenster, so kann man die betreffende Dame buchen. Die herzigen Herren, Loddel oder Luden genannt, die in diesem Milieu herumstromern, gehen unterdessen - während der Bahnkunde, der sich bei langen Zwischenaufenthalten auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof mopst, eins der am Fenster entdeckten Nümmerchen schiebt - mit Hunden promenieren, die dem hier abgebildeten Vierbeiner vielleicht nicht unähnlich sind. Den Gestaltern des Aufklebers, die vielleicht den beruflichen Ambitionen ihrer Gefährtinnen aufhelfen wollen, würde ich nur raten, einen Bindestrich zwischen Kö und Terrasse einzuschieben, dann wäre die WerbungKoranuebersetzung für ihr Etablissement sicher noch wirkungsvoller - ein Gruß von der Kö-Terrasse, das ist doch viel übersichtlicher und lesbarer, kurz, kundenfreundlicher. - Vergleicht man den politisch gar nicht sehr viel anders gelagerten Aufkleber, den ich an einer besonders schönen Aussichtsstelle während der Wanderung fotografieren konnte, steht auch hier der schnellen Erfassung des Sinnzusammenhangs das aus drei völlig heterogenen Bestandteilen gebildete Bandwurm-Wort entgegen. Mettlacher MüllkippenschildDer erste Eindruck des unvoreingenommenen Betrachters (also meiner) war, es könnte sich um ein Adjetiv handeln - "quallabel", analog zu diskutabel, formabel, blamabel. Pellkartoffeln, als vegane und trotzdem schmackhafte Spezialität hierorts sehr geschätzt, für Laktovegetarier auch mit Kräuterquark, nennt man im rheinischen Dialekt auch "Quallmänner". Die sind ohne weiteres quallabel, und völlig ohne jeden Gedanken an Tierquällerei pellabel. Bei Tier-quallabel hätte der Bindestrich Wunder gewirkt - schon der Verständigung zuliebe. Vorbildlich hat der Beauftragte für Abfallbewirtschaftung der Stadt Mettlach das Hinweisschild zur Müllkippe gestaltet, und stellte bei der Wortwahl Geschmack und Sprachkreativität unter Beweis. Vielleicht wäre "Rück-Konsum" als Euphemismus noch schöner gewesen. Aber ach, eine volkstümelnde Nachbearbeitung in lokalem Dialekt hat die edle Wortfindung wieder heruntergezogen, nun heißt das, was im Rückkonsum-Zentrum steht, SuperDreckschKescht. Da glaubt man ganz auf Bindestriche verzichten zu können. Dafür haben wir doch nicht jahrzehntelang für die radikale Kleinschreibung gekämpft, dass wir jetzt plötzlich mitten im Wort einen Buchstaben eregieren lassen wie in "BürgerInnen"! Und mit Gendersternchen fangen wir gar nicht an, die hol ich der Damenwelt nicht vom Himmel, sie liegen dann ja doch nur bei uns rum. Hier müssen m. E. ein Bindestrich und ein Schrägstich her. - Um nun endlich zum Titel dieses Beitrags zu kommen, der direkt aus der Urfassung des Korans zu stammen scheint: Eichhorn frontalMir glaubt ja kein Mensch, dass ich vorvorgestern (meine Frau schon vorher) den Jungfuchs im Hof herumschleichen sah, in hellen, leicht rötlichen Fuchspelz gekleidet. Der kommt so gegen halb elf, wenn wir im Wohnzimmer das Licht schon ausgemacht haben, und seine Streifzüge in den Hof sorgen für das Anspringen des Bewegungsmelders, schon steht er im Rampenlicht. Blöderweise hat man nie den Fotoapparat zur Hand. Und vorgestern haben meine Frau und ich den Gesellen zu zweit gesehen. ein Gast an der VogeltränkeDer ehemalige Fuchs war ein alter, ziemlich räudiger Bursche gewesen, der wirklich "schnürte", der hier tänzelte mehr durch das Grün und war auf und davon, ehe ich noch den Auslöser drückte. Aber wer beschreibt mein Erstaunen, als ich vorhin, es mag so gegen halb zwölf mittags gewesen sein, beim Abwasch zufällig aus dem Fenster in den Hof sehe, wo wir eine Vogeltränke, nur so ein Blechkasten und einen Faßeimerdeckel mit Wasser, im Grün liegen haben. Was sich über die Tränke unten beugte, hatte ich noch nie gesehen? Und während die hiesigen Elstern einen Riesen-Rabatz veranstalten, stellte ich mir die naheliegenden Fragen: 1. was ist das, 2. von welchem Planeten kommt es, 3. was ist die Telefonnummer von Angela Merkel, falls es mich bittet, den Führer der Erdlinge zu verständigen? Ich vermute mal, die runden Ohren legen es nahe, es war etwas Wieseliges oder ein Steinmarder (die Marder in der Google-Bildsuche haben nicht so dunkles Fell, die Wiesel nicht so buschige Schwänze wie dieses Tier, das ich ablichten konnte, bevor es ganz ins Grün untertauchte)... Und kaum war er verschwunden, hörten auch die ganz nervös gewordenen Elstern mit dem Gekeife auf. Ein Rieseneichhörnchen war es schon mal nicht, zum Vergleich lege ich aktuelle Eichhörnchenfotos hier bei. Sollte es ein Marder sein, steht jedenfalls fest, dass Marder keinen Ramadan feiern, denn das Tier hat in aller Ruhe getrunken und das dürfte es nach den Regeln des Al-Koran doch erst nach Einbruch der Dunkelheit.


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