• Wer erbaute das siebentorige Theben?

    Theben als Themenabend...? Nein, mit so einer Frage darf man Zahnarzthelferinnen nicht kommen nach dem Sieben-zu-Eins-Sieg der deutschen National-Elf über die brasilianische Mannschaft. Schon gar nicht, wenn das Spiel über 22.00 hinaus geht und man am anderen Morgen schon um 7.00 auf dem Folterstuhl liegt. Die denkt vermutlich bei Brecht nur an das Dentallabor Hüttenhofer-Brecht in Augsburg, das natürlich verwandt und verschwägert sein könnte mit dem Nationaldichter... Und mich, den kundigen Thebaner, rechnet sie gewiss derselben Antike zu wie Brecht, spielen_laermen in den Anlagen verbotenschon weil ich das Spiel nicht geguckt Dom aus Pappehab und beim Aufwachen noch dachte, es seien sechs Tore gewesen, da ich das siebte Vuvuzelatröten im Schlaf nicht mehr gehört hatte (vermutlich der Blinde unter lauter Einäugigen auf Erden,  aber meine Liebste hatte es gehört). Als in der Faz stand, "So viele haben noch nie in Deutschland gemeinsam Fußball gesehen und einen Augenblick für das kollektive Gedächtnis erlebt", und es handele sich um "eine neue Mondlandungsfrage: Wo warst du, als wir 7:1 gegen Brasilien gewonnen haben?" dachte ich, verdammt, diese Frage wurde sonst nie nach der Mondlandung, sondern nach Kennedys Ermordung - wahlweise zum Einsturz der Türme vom 9. September gestellt??? Bei letzterem Ereignis weiß ich es nur zu genau, ich saß am Schreibtisch und las einen unfassbaren Brief, der per Einschreiben gekommen war, und in dem der Kassenwart eines Vereines, für den ich damals den Vorsitzenden gab, mich mit der Bemerkung ausbooten wolle, er gebe mir jetzt keinerlei Informationen mehr. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon eine Menge Mitglieder neu aufgenommen, von denen ich nie gehört hatte, und die auch, wie sich später herausstellte, keinen Pfennig Beitrag bezahlten. Das waren meine persönlichen Twin Towers, aber danach blies ich wie George W. zum Kreuzzug, informierte die Mitglieder über die Riesenvorräte Chemischer Waffen in der Vereinszentrale und ein halbes Jahr später war der Vorstand neu gewählt, der Vorsitzende noch derselbe, und die neue Schatzmeisterin ist ein echter Schatz, wie ich hier mal sagen muss. Bei Kennedy weiß ich nur, daß ich anderntags in der Schule war, damals muss ich 8 Jahre gewesen sein, und als der Pfarrer Eisenhut, der damals ein strenges Regiment in dem Wohnort führte, Priesterrock trug und die Predigtkanzel gleichermaßen wie das Lehrerpult einnahm, behauptete, Kennedy habe nur einen Fehler gemacht, er habe Schwarze und Weiße unter einen Hut bringen wollen, und ich erinnere mich gut, dass mir an dem Hut auffiel, das stimmte nicht, die Metapher war schief, ich meldete mich und widersprach dem verblüfften Popen: "...in einen Bus!", also nicht unter einen Hut, denn dass schwarze und weiße Kinder in Amerka künftig ein- und demselben Bus fahren dürften, und dass das irgendwie problematisch war, das hatte ich aufgeschnappt. Der gute Pfarrer Eisenhut (nicht zu verwechseln mit dem Bauernkriegspfaffen, der in Wikipedia steht), der hat damals dem Zeitungskiosk erfolgreich verboten, den "STERN" zum Verkauf feilzubieten, und eine Kneipe aufzumachen hat er auch verhindert, damit die Ehemänner nicht abends an der Theke stehen, sondern daheim dem Alkohol verfallen (allerdings nur so lange, bis der Friedhof fertig war, danach musste es eine Kneipe geben, denn ohne Trösterich keine zünftige Beerdigung, stimmt's?) und hat noch so manches auf dem Kerbholz. Derselbe Pfarrer brachte mir auch bei, dass man nicht Scheiße oder Sackzement sagt, sondern höchstens, wenn man sich mal mit dem Hammer auf den Daumen haut (z.B. wenn man einen Ketzer ans Kreuz schlägt?) "verflixt noch mal", das wär schon erlaubt. Aber wenn ich überlege, dass der neue Erzbischof von Köln Kind von Heimatvertriebenen ist wie ich, und nicht nur aus ratio copyrightderselben Diätzose, äh, Diazephimöse kommt wie ich, sondern aus demselben Stadtteil der Hl. Stadt Cöllen, und auch noch aus dieser von Vertriebenen mit Billigkrediten errichteten Siedlung!! - dann denk ich schon, er könnte auch in derselben Grunschule gewesen sein, ach nein, er war erst sechseinhalb oder sieben und eine Klasse drunter. Während ich mit dem damaligen Pfarrer die amerikanische Negerfrage und das Four-letter-word-Problem diskutierte, dachte der noch nicht daran, eines Tages Erzbischof im reichsten Sprengel Europas zu werden. Und ich zahl jetzt sein Gehalt, als NRW-Steuerbürger, so ist das nun mal beim Konkordat, da hilft auch kein Kirchenaustritt. - Heimat koelscher HeldenNun, wie dem auch sei, bei dem Erbauen des siebentorigen Siegestempels, der natürlich kommenden Sonntag beim Finale auch ganz schnell zum Einsturz kommen kann, war ich nicht zugegen, habe vielmehr gedöst und klassische Musik gehört - die Zauberflöte in der Direktübertragung aus Aix-en-Provence, aber ich gönn den Ballaballas ihre Vuvuzellas, und "will ich mir auch Theben loben, denn ich hör' das Leben toben". Wußtet ihr, dass bei der Heiltumsfahrt nach Aachen - die war vom 20. bis 29. Juni 2014, wenn dort von dem Brückchen zwischen Oktogon und Pentagon wieder die Hl. Windeln Jesu vorgezeigt werden, ob die auch schön gewaschen sind, die Pilger eigentlich ebenfalls ins Horn blasen müssten? Zu mittelalterlicher Zeit haben sie's getan. Man holte die Hörner ("Aachhorn") wohl aus Kornelimünster, wo das auch der Brauch dom_geissbockwar, "cornus", das Horn, der betreffende Heilige war auch für das Hornvieh zuständig... Die Pilger in der Nachbarstadt Kornelimünster hatten auch solche Megatröten, und man signalisierte mit denen genau wie heute, dass man das wesentliche mitgekriegt hat, (die Zeiger der Windeln hatten wiederum solche Rückenkratzer mit Händchen und Zeigefinger am Stock). Und so zeugen uns auch die fernsehguckenden Vuvuzelas an, dass sie das Tor auch gesehen haben. Hatte man auch ein Lied aus meiner Jugend, von Börries von Münchhausen gedichtet: "Das alte Horn, das so lange geruht, Veit Stoßberg nahm's aus der Lade. Das alte Horn, es brüllt nach Blut und wimmerte Gott genade!" Da ging es aber auch weniger ums Musikalische, das war wieder Bauernkriegszeit, "dem Ritter fuhr ein Schlag ins Gesicht, ein Spaten zwischen die Rippen - ". Aber in der Liste der Pilgerartikel auf der offiziösen Heiltumsseite suche ich Vuvuzelas vergebens, wohl gibt es dort einen mir bisher unbekannten Schwitzableiter, auch gut, nachdem die Kirche ein bis zwei Jahrhundsankt nikolaus am rheinerte vergebens gegen Benjamin Franklin und den Blitzableiter gekämpft hatte, einige fromme Juden meinten sogar, der Turm zu Babel hätte einen solchen gehabt. Erst einige Tage später sah ich eine Zusammenfassung der sieben Tore und hatte einen unguten Eindruck. Immer wenn sich ein Deutscher dem brasilianischen Tor näherte, standen die Spieler der Gegenmannschaft herum wie Kellner, die einem beim Eintritt ins Lokal zurufen: "Suchen Sie sich einens chönen Platz aus, wollen Sie nicht den Ball ablegen, vielleicht hier links ins Tor? oder mehr rechts?" Auch gut! also, die machten nichts, da war kein Gezappel und Gewimmel und Herumgefoule und kein Abdrängen, der Ball blieb auf gerader Linie und die Spieler der brasilianischen Abwehr wirkten etwas, äh, unflexibel, um es freundlich zu sagen, sie erstarrten wie Lots Weib zur Salzsäule (solche Metaphern habe ich aus dem Bibelunterricht des Pfarrers Eisenhut). Sag mal , waren die nachher alle gekauft, um den Ball durchzulassen, von der Wettmafia, die jetzt Millionen verdient, weil kein Mensch dieses Ergebnis vorhergesagt hat??? Meine Schatzmeisterin meint nein, der Vater einer Schulfreundin spricht von Schiebung. Gut, ich gebe zu, der nationalen Euphorie wäre es abträglich, die am Mittwoch das ganze Land erfasst hatte,Rahmenhandlung selbst meine Zahnarzthelferin, die angesichts meiner Gaumenmöblierung andauernd seltsame Ausdrücke benutzte wie "das geht jetzt Ratzi-Fatzi", und "primi" usw. usw. - und die war natürlich auch übermüdet, nur der Zahnarzt wirkte glockenwach und hatte alle ex- und internen Mängel an meinem Beißwerkzeug bis 12.00 beseitigt. Na, nehmen wir an, die deutschen Spieler haben die Brasilianer einfach durch Überschallgeschwindigkeit betäubt, als die Tore fielen. Jetzt merk ich erst, wie die Metapher hinkt: "Tore fallen", das ist ja das Gegenteil von erbauen! Hieß es nicht auch mal "Sieben gegen Theben"? Das war, wenn ich mich recht erinnere, ein Drama von Aischylos, "Im Schlachtschmuck speerhemmender Schilde vorleuchtend, sie stellen sich / Dem Los nach bei den sieben Toren!" Und natürlich auch das erste Pre-make vor den Sieben Samurai und diesem Western da, wie hieß er gleich, die glorreichen Sieben, das würde viel besser passen als Titel, aber nu is zu spät. Da sprach der Prinz von Theben, na eben, na eben. - Kurz, wir fragen jetzt nicht mehr, was oben in der Zeile steht, sondern "wem (ge) fielen die sieben Tore?" Also, in diesem Sinne wünsche ich allen Fußballinteressenten, dass das Finale so ausgehen möge, dass der Bessere gewinnt.


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  • Commentaires

    1
    Mardi 15 Juillet 2014 à 17:29

    Der Bessere hat gewonnen, oder die Bessere , bravo Goetze ! da habe ich ja noch mehr Glück als ihr, denn Ribéry der bei uns ins Deutschlehrbuch gerutscht ist, werde ich ja jetzt wohl mal ignorieren können, ohne Gewissensbisse , denn auch wenn er in die Reihe Mythen und Helden passt , auch auch in Raum und Austausch  , ich lasse ihn jetzt einfach auf Mallorca auf dem sündigen Strand und gucke mal was Mario so hergibt ♥ 

    Aus beruflichen Gründen habe ich wirklich die beiden Spiele angesehen !! 

     

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