• Heute war ich's end-gül-tig-leid. Schon das dritte Jahr in Folge (seit ein gewisser neuer Nachbar hier wohnt, der nach Auch Kunst: Wohncontainer in Münchenunserem Eindruck per Mietwagen vorwegend nachts 3.00-4.00 ausreisewillige Senioren zum Flughafen kutschiert) liegt pünktlich Ende Oktober ein Kürbis auf der Treppe, ein stinknormaler Hokkaido in schreiendem Orange mit so Glubsch-Augen, Grinsemund, aus dem eine Rolling-Stones-Schleckzunge ragt, so Kleber auf den Kunst-Containernein stilisiertes Comic-Antlitz halt, und d. h., wenn wir unsere Parterrewohnung verlassen, liegt das auf der soundsovielten Stufe etwa in Augenhöhe und glotzt mich an. Bisher hab ich mir damit beholfen, die Fratze gleich zur Seite oder ganz umzudrehen und so blieb es meist wochenlang liegen. Da an gleicher Stelle mit meiner höchstnachbarlichen Genehmigung ein Kinderwagen parkt (nur ganz ausnahmsweise zwei bis drei plus Kinderrad, meinetwegen,Graffito-Portrait auf einem Container aber die werden nach dem Kindergeburtstag wieder weggeräumt), hatten wir die evtl. überhumorigen Eltern in Verdacht, die wie alle andern hier im Haus (außer uns) Jahreskreis-Kränze außen an die Wohnungstür hängen, und zur Weihnachtszeit den Balkon mit Leuchtsternen, LED-Engel und Glühbirnenrehen schmücken. Oder war es der neue Nachbar, der solches Zeug am Flughafen umsonst kriegt? Der stellt auch seltsame Vorräte auf die Schrankwand vor seiner Eingangstür ab, gammelige Äpfel oder ganze Paletten von Süßkram, die vielleicht vom Lufttransporter gefallen sind. Schön und guFlaschencontainer in Reih und Gliedt, das sehen wir nicht, wir haben nicht mal eine Mesusah an der Tür, obwohl ich auf dem (bisherigen) Höhepunkt des Mobbings schon mit dem Gedanen gepielt habe - warum nicht so ein Stück Thorarolle n der Glasphiole und jedesmal bei Aus und Eingang an den Großen Mietvertrag mit dem Allerwertesten erinnern? - aber das Gerümpel der anderen sehen wir normalerweise nicht, da wir das Treppenhaus nur hinaufgehen, wenn Wäsche aufzuhängen ist, nach gehabten Erlebnissen machen wir das nie ohne Zeugen d. h. zu zweit. Wir sehen also nur ein- bis zweimal im Monat, wie das Möbellager auf den Treppenabsätzen immer wuchtiger und vielfältiger wird, die eine hat neben Riesenschirmständer nun auch noch eine hoteltypische Schuhputzmaschine (macht Frau Kr. jetzt Kohle mit air-bnb???) , andere lassen die Schweißmauken gleich draußen vor der Tür rumliegen, wieder andere zimmern eigene Schuhschränke dafür und seit die Mülltonnen nicht mehr am Haus sind, sondern 50 Schritte Supermarkt-Kunst in Ingolstadtweiter auf so einem eingezäunten Müllplatz,Gratiszeitungs-Kasten für Kunst-Infoblätter lassen mehrere dieser Prolls auch lose eingetüteten Stinkemüll auf den Treppenabsätzen stehen, um sie erst bei nächster Gelegenheit (wenn der Bierkasten leer ist?) mit runterzunehmen. Das sehen wir alles nicht, jedenfalls nicht täglich, und Santa Claus' Lampenladen bleibt uns auch erspart, weil you can't have your cake and eat ist, genauer gesagt, you don't see the front of the house if your're in. Nur der verdammte Kürbis nervt allmählich, der liegt, wenn keiner was unternimmt, bis ans Ende aller Zeiten da herum, und die Mutti von den Eltern-Nachbarn hat versichert, der Kürbis sei nicht von ihnen, jedenfalls so ähnlich, wörtlich hat sie eigentlich mehr oder minder gesagt, der könne so lange da liegenbleiben oder sie würde ihn erst entfernen, wenn er schimmlig und faul ist. Schwer zu deuten, diese Äußerung. Ist er von Frau Kr., die sich bei der Elternmutti vergebens einschleimen will, oder von den Prolls mit den Schweißmauken? Gleichviel, heute früh, als ich meinerseits den Müll raustrug (wir bewahren ihn konventionellerweise in der Wohnung auf, in einem traditionell dafür vorgesehenen Müll-Eimer, mit Deckel, und stellen ihn nicht bis zum Flilegenmadennausschlupftermin in offenen Plastiktüten vor die Tür) habe ich mich denn entschlossen, den Kürbis kurzerhand ebenfalls zu entsorgen. Die Tür zum drahtzaun-geschützten Mülltonnenplatz aufgeschlossen - die sechs, sieben Container sind gesicherter als Ceuna, das spanische Guantanamó an der Küste Marokkos -, und plumps, landete das Grinsegesicht dort, wo es schon seit Allerheiligen hingehört. "Halloween" oder wie man das jetzt nennt ist meines geringen Erachtens nur eine Nacht lang, danach kehrt, und zwar spätestens am Morgen danach, Ruhe vor Gespenstern ein, oder?


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  • Was sehen wir hier links? Briefkasten mit und ohneGut, es handelt sich um Briefkästen. Und rechts? ganz recht, ein VSchild des Anstoßeserbotsschild, ziemlich neu sogar (5. August), und erhebliches Aufsehen erregend in diesem Viertel. In den Briefkästen steckt der sog. Wochenspiegel, eine Gratiszeitung, der kein Mensch hier in der Stadt ausweichen kann, egal wie weit draußen man wohnt: Jeden Mittwoch lagert sie sich neu an wie Kalk an der Wasserleitung, die findigen Boten legen sie zu Dutzenden entweder als Stapel oder in Gummis gerollt vor der Tür ab oder stecken sie in sämtliche auffindbaren Schlitze, egal ob da ein Name dran steht oder das Haus längst abgerissen ist und nur noch die Briefkastenleiste steht. Die sind froh, das Geschlepp los zu werden, und der hierorts herumlaufende Zeitungsmigrant setzt sich mit seiner Kiepe manchmal zum Ausruhen auf den Stein, an den, was er nicht wissen kann, mir aber ständig vor Augen geführt wird, praktisch jeder Hund des Viertels zum Pinkeln oder Schlimmerem geführt wird (einer erklärte mir mal, er müsse seinen Hund Gras fressen lassen, damit er besser kotzen könne!). Der Stein liegt nur einen Steinwurf von unserer Terrasse. Ich gönne dem newsboy das Ausruhen, auch dass er ein Übermaß Zeitungskrempel manchmal vor die Hoftür legt. Worauf ich die Zeitungen ins Haus schleppe und den Gummi kassiere, Flitschgummi kann man immer mal brauchen. Öfter aber liegt das Blatt vor der Tür oder sie steckt direkt im Briefkasten. Wie hier! Dann hat sich meistens schon Frau Kratz*  *(Name von der Red. geändert) gekümmert, die mit dem Briefkasten aus der Lücke zwischen den oberen und unteren Exemplaren, und die sah ich gestern morgen auch mit Hund - den sie aber nicht auf die Wiese ließ, das sei zugegeben - hier herumstromern. Und die steckt die Zeitung in alle Briefkästen? Ja, in alle, außer in unseren. Auf dem Beispielbild hat sie und eine andere Nachbarin ihre Exemplare schon reingeholt. Die ärgerte sich mit Sicherheit über das Schild und wir sind schuld, denn sie "bestraft" uns (nicht erst jetzt) damit, dass wir KEINEN Wochenspiegel in den Kasten gesteckt kriegen. Ätsch, da haben wir's. Das werden wir uns wohl hinter die Ohren schreiben. Wir haben eins der beiden untersten Fächer, die man im Bild nicht mit diesem herausragenden Qualitäts-Medium bestückt sieht. Das unterste hat keinen Namen, vermutlich gab es die Briefkastenleiste nur mit gerader Stückzahl? Nicht, daß wir dieses Presseerzeugnis sehr vermissen würden, das vornehmlich über Spendenaktionen der Kreissparkasse (da werden immer diese auf Plakatgröße dimensionierten Schecks an Partei-Funktionäre aus diesem oder jemen sozialpolitischen Brennpunkt überreicht), Sonderverkäufe aus Versicherungsschäden und Eröffnungen von Kitas und Krebsstationen berichtet, und das ansonsten bunte Werbebeilagen von Möbelhäusern, Billigheimer-Baumärkten und Discountern mit reihum wechselnden Grill-, Weltmeisterschafts-, Frankreich-, Asien- oder Mexiko-Wochen enthält.kein Croissant Wir haben allerdings auch keinen Anti-Kleber auf dem Kasten, wie ich ihn mal bei Berner Freunden gesehen habe ("Lieber Briefträger, wir möchten bitte keinen Berner Bär!").Nachbar kommt Wechselgeld Ist das Gratisblatt mal in unseren Händen, gucke ich gern nach der Rubrik "Kölsch für Anfänger" oder nach den Veranstaltungsterminen, wo immer derselbe Viertelsdichter oder Bluessänger in irgendwelchen historischen Bürgertreffs aufspielt. Gern sehe ich mir auch die Vorher-Nachher-Bilder in der Werbung für Schlankheitsmittel oder anonyme Diätgruppen an. Aber wenn ich keinen Wochenspiegel kriege, les ich was anderes, ich hab noch ein paar Bücher und eine "echte" Zeitung haben wir auch abonniert. Trotzdem: Dass die hier mit mir unter einem Dach Wohnenden uns den Informationsvorsprung über das neue Sonderangebot im QUALLDI oder SCHNIEDL missgönnen, gibt mir zu denken. Die Gratiszeitung kommt immer mittwochs, das Foto ist von gestern. Heute aber, Donnerstag, passierte etwas Wunderbares. Von einem Einkauf gegen 10.30 heimkehrend, bog ich um die Kurve und sah den Nachbar Dutz* *(Name von der Red. geändert), der mir schon mal die aufgesperrte Tür zuschlägt, wenn ich was aus dem Auto zu laden habe, in sein eigenes Auto steigen. Hätte er auch die Tür aufgesperrt, wäre es nun ein leichtes gewesen, mich zu rächen, aber darauf hatte ich schon mal großzügig verzichtet. Jetzt aber sah er mich nicht und ich komme in den Eingang. Wen sehe ich da vor unserem BrBuergersteig vor dem Hausiefkasten hantieren? Frau Dutz, Nachbar kommt Wechselgelddie Schrulle, die, weil das Paar weit oben wohnt, letzter Stock vor dem Dachgeschoß, sich zu ihrem Briefkasten so weit unten gar nicht bücken müsste. Ja, geht's noch? Aus unserem Kasten ragte wie so oft eine dicke Büchersendung. Ich denk' schon, schnappt der lange Finger jetzt zu? bricht der Kulturfimmel aus, will die was zu lesen haben? Ich könnte es ihr ausborgen, aber sagen wir mal so - äh, die Leutchen hier in der Gegend vertiefen sich, wenn überhaupt alphabetisiert, eher in die Gratiszeitung und ins Boulevard-Kloblatt. Da beobachte ich noch im Näherkommen, wie sie an dem Umschlag ruckelt, ihn aber durchaus nicht rauszuziehen versucht, sondern etwas in den Kasten hinein praktizieren will, was wegen der Büchersendung nicht mehr passt, und zwar ein beschriebenes Kärtchen (ein Brieflein? mein Gott, kriege ich ein persönliches Billetdoux von einer über 80-jährigen Großmutter, Ehegespons des schmuddeligen Kettenrauchers vom 3. Stock?), und wie sie mich erst bemerkt, als ich direkt davor stehe und erkennen muss, es ist, leider! kein Liebesbrief, sondern eine dieser Visitenkärtchen, die Schrottmeister und Autohehler an die Windschutzscheiben herumstehender PKWs klemmen, mag sein dass was von Reparatur darauf stand, egal, schon trete ich näher und sage, in zuckersüßem Dummdeutsch (also keineswegs barsch mit irgendwelchen Kraftausdrücken, oder die Krawallschachtel bei den Ohrwascheln fassend und in den humanoiden aufrechten Gang zerrend, was der Situation wohl angemessener gewesen wäre): "Ja, was haben denn Sie da an unserem Briefkasten zu suchen?" Sie fährt halb zusammen, hat aber die Hand immer noch an der Klappe und das Billet in derselben, ich: "Das nehmen Sie aber schön wieder mit, klar?" sie darauf. "Jaja, ich wollte ja auch nur, äh, falls Sie mal eine Reparatur brauchen..." Hatte ich schon erwähnt, dass die Gestörten hierorts immer wieder ganz große Schlaumeier sind, mit den schärfsten und schlagfertigsten Ausreden? Jedenfalls zog sie ab mit ihrem Zeddel, den Männe mutmaßlich am Auto vorgefunden und sie nochmal losgeschickt hatte, ihn bei uns im Kasten zu entsorgen, und ich rief nur noch kopfschüttelnd, "gut, dass ich das mal gesehen habe!" hinterher, während ich mich ins Haus einließ - und aus war die lustspielreife Szene. Päng! Was geht in deren Schädeln bloß vor? Erst machen sie mir die Türsperrung los, dann müllen sie mir den Briefkasten zu (hatte ich nicht vorige Woche schon mal so eine Karte im Kasten?), und der Grund ist einzig und allein das Schild oben rechts. Darüber hat sich Drecksack Dutz schon geäußert, am Samstag vor einer Woche (am Vortag waren die 2 Schilder aufgestellt worden, je links und rechts von der Wiese, wir sehen sie gottlob nur von hinten), und als meine Liebste vom Markt kam, und ihn mit anderen Eckenstehern herumtratschen sah, mäkelte er überlaut, dass sie's hören sollte, über den "SCHILDERWALD", den wir jetzt hier hätten. Die Dutzends latschten nämlich gern über die Wiese, ohne Leine am Hund, auch gern mal mit Taschenlampe um zu gucken, was auf unserem Balkon so los ist, und machen auch den Dreck nicht weg, den Hundi dort hinterlässt. Natürlich dauerte es einen Tag, bis die erste Hundepisse in meinem Beisein auf der Wiese landete, zwei junge Damen waren's, "Können Sie das Schild nicht lesen?" usw. usw. - und das Schild steht jetzt keine vierzehn Tage, und wir finden täglich denselben Scheiß in verschiedenen Aggregatzuständen. Die Dutzends halten den Hund nicht selbst, der kommt nur zu Besuch, ich hab andere aus dem Viertel im Verdacht und werfe das Ergebnis ihrer Produktivität täglich auf den Bürgersteig. Es ist schon vorgekommen, dass in meiner Abwesenheit (oder nachts?) jemand die langsam trocknenden Hundeköttel zurück auf die Wiese befördert. Ich werf sie wieder zurück, lege mir vielleicht dafür einen Golfschläger zu. Auf der Wiese macht das niemand weg, Schreiben an die Hauswirtin mit und ohne Fristsetzung blieben ergebnislos, ich schickte Fotos und musste mir anhören, die hätte ich im Stadtpark aufgenommen usw. Man wartet lieber ab, bis es mal wieder regnet und die Wiese sich samt angesammelter Scheiße in eine braune Kloake verwandelt. Ich soll, so die Hauswirtin, in flagranti Hundehalter beim Koten der Hunde fotografieren, am besten so, dass man die Halter erkennt und das, was der Hund grade auf der Wiese anrichtet, identifizieren kann. Wir haben ein oder zwei zwar solche Fotos, aber ganz leicht ist die Aufgabe nicht, und ich kann ja auch nicht Tag und Nacht auf der Lauer liegen. Im Prinzip aber erachte ich dieses Hauswirtsschreiben als Genehmigung zum Betrieb einer Überwachungskamera, ohne die das wohl nicht geht. Wenigstens haben wir , wenn Zeit dazu war, den vorgefundenen Kot abgelichtet. Bei der Etagennachbarin, wo sich der Kot ebenfalls ballt, ohne dass es sie zu stören scheint, wurden entsprechende Kackwürste in unmittelbarer Nähe des Schildes lokalisiert.Eichhörner Andererseits habe ich unwillentlich schon belauscht, wie sich dieselbe Nachbarin Blaumeise im Abendrotlauthals über Kot auf dem Bürgersteig beklagte, vermutlich mit Hinweis auf mich,- mir ist er dort lieber, denn da macht ihn irgendwann die Stadtreinigung weg, hier auf der Wiese passiert nichts außer nach dem nächsten Starkregen die Verwandlung unseres unmittelbaren Wohnumfelds in eine feuchte Jauchegrube. Der Etagennachbarin ist es "wurscht" wie die Fotos oben zeigen. Mein Eindruck verfestigt sich, dass wir unter Sozialgeschädigten leben, die ihren Lebensstil, ihre Beklopptheit, das Pantschen im eigenen Scheißdreck und die generelle Nickeligkeit beim zwischenmenschlichen Umgang ausleben müssen, koste was wolle, und zwar an mir und meiner Lebensgefährtin, weil wir anders sind. Eines Tages schmieren sie uns Zeichen an die Roll-Läden und versammeln sich mit Äxten vor der Terrasse, obwohl, das wäre ja offen und ehrlich, eher stechen sie Autoreifen auf. PS: meine Mitwohnerin hier will, dass ich, damit kein falscher Eindruck entsteht, schreibe, wie schön es hier ist, dass die Wohnung günstig liegt, nach hinten raus richtig schön, künstlerisch eingerichtet, mit erlesener Bibliothek ausgestattet, Grün ganz in der Nähe und auf dem Balkon Eichhörnchen und Vögel am Meisenhaus, und das ist die Hauptsache!


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  • Heute im Radio hat so ein Handball-Typ, wahrscheinlich der Teammanager der siegreichen deutschen EM-Mannschaft, eine echte philosophische Zweifelsfrage angerissen. "Das Spiel war vom Konzept her gestern schon fertig", meinte er, "es hätte gar nicht gespielt werden müssen." Das finde ich sehr überlegenswert. Sie hätten es ganz bleiben lassen oder auch Kopfball spielen können, die tollen Jungs. Hat nicht schon Lessing das in Emilia Galotti diskutiert? Ob Raffael der größte Maler gewesen wäre, auch wenn er keine Hände gehabt hätte?

    Heute überfiel mich aus heiterem Himmel die Frage, woher diese Gedichtzeilen stammen: "Soff mich aus und schlief ein / den schsmilesmile Sch^^frown von mir ieek Mouch / ...", mir fällt absolut nicht mehr ein, welcher Dichter der sog. '"Neuen Subjektivität" das gesagt haben soll, aber ich seh es noch vor mir, das Büchlein, es war ein ziemlich läppisches Taschenbuch (Heyne-Lyrik?), wenn ich mich recht entsinne, und der Autor ist dem Literaturbetrieb auch irgendwie abhanden gekommen, indem er in die Werbebranche wechselte oder sonstwohin, also, wenn jemand das Gedicht kennt (klingt etwas unappetitlich, würg), möge sich melden. Und ich sage Bescheid, wenn mir der Autor doch noch einfällt. Vage kommt es mir so vor, als hätte der Titel irgendeinen Klassikernamen intus (vielleicht war das aber auch nur ein anderes Gedicht in dem Band), weshalb ich auf "In Gauguins alten Basketballschuhen" von Jörg Burkard kam, das kann aber auch eine Fehlmeldung sein, "Diderots Katze" von Michael Krüger ist es jedenfalls nicht, das hab ich grade überprüft. Nachher war es doch Rolf Haufs, oder aus Ralf Thenior, Traurige Hurras (Goldmann-Verlag)? Verdammt, man soll nie Bücher verleihen und schon gar keine aussortieren, was hier wahrscheinlich mal passiert ist, weil der Autor nichts mehr von sich hören ließ und dann auch nicht soooo ein Genie war, wie ich mal glaubte, die Sachen waren allerdings gefällig genug.

    Von meinen Nachbarn gibt es auch neues. Längere Zeit ist die hier wohnende Bekloppte nicht mehr mit dem Hund auf der Wiese erschienen, und zwar wohl seit ich mich nacht auf die Terrasse stelle zum "Zugucken" - davon fühle sie sich bedroht, schrie sie ein paarmal und verwickelte auch andere Periöken in diesen Diskurs, ich solle da verschwinden, oder wenigstens Licht annachen. Wahrscheinlich ist sie mit dem Ansinnen, mich vom Betreten der Terrasse nach 22.00 abzuhalten, zur Hauswirtin gerannt und die hat VIELLEICHT einsichtig machen können, dass sie die Quälerei mit dem Köter vor der Terrasse besser sein lässt. Immerhin sagt die Hausordnung was über Fernhalten der Hunde von den Grünflächen. Dafür haben sich neue Idioten gefunden. Seit ein, zwei Monaten liegt ein schrottreifes, beidrädrig plattes und von einer zentimeterdicken Schmutzschicht bedecktes Rad in dem Teil des Kellers, in dem alle Vormieter-Generationen, auch Gelähmte und Tote, ihre Räder hinterlassen haben, während die drei bis vier, die mitunter auch noch fahren mit den Dingern, kaum noch Platz haben. Der- oder diejenige, die das Schrottradda abgeladen haben, zogen es schon mal zurück, um es einige Zeit später wieder einzustellen, sie haben aber auch frech unsere 2 Räder abgerückt von der Wand und den Schrott dahintergestellt. Dummerweise haben wir aber hier eine halbtägige Konferenz mit den Oberidioten im Haus gehabt und genau DAS ausgemacht, dass wir die Räder da an die Wand stellen, während die anderen (die niemals Rad fahren) auf der "pole position" direkt vor der Tür bestanden. So haben wir also nicht gewettet! Ich verbiß mir den Ekel und räumte das Schmutzrad uunter großer Überwindung beiseite und legte seitdem beide Räder, meines und das meiner Lebensabschnittsgefährtin, in Ketten. Das nutzte aber offenbar nichts, denn letzten Freitag hat doch derselbe Schmutzfink unsere VERSCHLOSSENEN Räder wegbewegt, und wieder seinen Schrott an die Stelle gesetzt, wo vorher unsere standen (mit dreckigen Fingern, denn der vorher staubbedeckte Sattel ist schon sauber vom vielen Anfassen). Folge ist, unsere Räder stehen dann in der Mitte und blockieren den Weg in den Heizkeller. Ich halte es für kriminell, halben Diebstahl, ein verschlossenes Rad mir nichts, dir nichts vom Standort wegzustellen und diesen selber zu beanspruchen. Jetzt bin ich mit meiner Verkettung einen Schritt weitergegangen, habe den Schrott wieder entfernt und "irgendwo" hingeworfen, wer will das Schmutzteil lange anfassen, und mit dem Drahtschloß unsere Räder fest an einen alten Fensterrahmen vertäut, so daß sie untereinander, aber auch mehr oder minder fest an die Wand gekettet sind.

    Warum bin ich nochmal hierher gezogen? ach ja. "Alles modern Patente, was doch sehr was anderes als Schönheit ist, ist mir von jeher unausstehlich oder mindestens sehr langweilig gewesen, während alles Krumme und Schiefe, alles Schmustrige, alles grotesk Durcheinandergeworfene von Juend auf einen großen Reiz auf mich ausgeübt hat. Nur keine linealen Korrektheiten, nur nichts Symmetrisches oder Blankpoliertes, oder gar Anti-Macassars.* Ich habe eine grenzenlose Verachtung gegen das, was man so landläufig 'hübsch' nennt und eine womöglich nöch größere gegen 'sogenannten Komfort', der jedesmal der höchste Diskomfort ist, den es giebt." Heißt Ihr Nachbar vielleicht Theodor Fontane?

    *laut Wikipedia sind das Schondeckchen auf Sessel-Lehnflächen, helfen gegen Flecken von Makassar-Haaröl.


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  • In den letzten Stunden des Jahres vertiefte ich mich in den Klever Heimat-Kalender auf das Jahr 2016, der mir von freundlicher Seite liebevoll zugeeignet wurde, und las etwas vom Wal Moby Dick, der einst 1966 den Rhein herunterschwamm und den ich als damals Elfjähriger zwar nicht gesehen habe, aber von dessen Anwesenheit allgemein Kenntnis genoKarpfen aus Mannheimmmen wurde in dem kleinen Rheinort vor den Toren des sündigen Köln, in dem ich aufgewachsen bin. Später begegnete er mir wieder, als ich in meiner Funktion als Lektor eines großen Publikumsverlages die Autobiographie des Dr. Wolfgang Gewalt betreute und noch einmal die Schlagzeilen der BILD vor mir sah: "Jagen Sie Dr. Gewalt!". In dem klever Beitrag ist auch von "Nachstellungen" die Rede, weil besagter Dr. Gewalt versuchte, den Wal zur Einquartierung im Duisburger Zoo zu überreden, er hat wohl auch mehrere Jacobitas eingefangen, die dort jetzt für jauchzende Kindergruppen bei der Fütterung durch den Ring springen und andere Faxen machen müssen, sich aber offenbar ganz wohl dort fühlen, jedenfalls nicht aussterben, was in den Weltmeeren von heute nicht so selten vorkommt wie die Wale. Dr. Gewalt verkörperte so eine Art Indiana Jones, der letzte Zoodirektor, der seine Ausstellungsstücke selber erjagt, die Niederländer hatten das Einfangen durch ein Verbot verhindert. Angeblich war ein Baggerloch am Grund des Rheins sein angenehmerer Aufenthalt, weil es dort weniger schmutzig und etwas kälter war. Letztlich weiß kein Mensch, wo der Wal abgeblieben ist, Feuerwerk 2016, Detailzuletzt war er unterwegs nach Süden gesichtet, vielleicht hat ihn ein Düsseldorfer Sushi-Restaurant heimlich aufgekauft, womöglich hat er er die Stromschnellen von Schaffhausen mit der geheimen Lachs-Technik übersprungen und lebt im Bodensee weiter? Bevor ich das Buch zuklappen konnte - das Käsefondue war natürlich längst mit Riesling und einem Kirschschnaps verinnerlicht -, ging hierorts wie fast überall (außer in Belgien, wo private Feuerwerke genehmigungspflichtig sind, weshalb ich mich einmal in besseren Zeiten an Sylvester gern in einem Bauernhaus in den Ardennen aufgehalten habe mit einem Liedermacherfreund und seiner Freundin) die Knallerei los. Die hatten so eine Raketenstation auf der Kreuzung nach vorn raus aufgestellt, wo einst meine Frau im Kfz vom Proll-Nachbarn angequatscht wurde, der sich wichtig tat mit der Vorfahrt, "manche würden das jetzt ausnutzen", heute jedoch nicht - als wenn sein sonstiges Hobby sei, Unfälle zu provozieren, bei denen er in dieser auf max. 30 km/h begrenzten Spielstraßenzone mit gezieltem Gasgeben von rechts drauffährt. Die Sache ist Jahre her, wir waren eben erst eingezogen, und ihr fiel das Straßenkreuzung Raketenstationan Heiligabend wieder ein, als sich derselbe Nachbar zum "Zeugen" erbot, falls eine Hundekack-Verteilerin vor unserer Terrasse mich wegen Beleidigung anzeigen wolle. Derselbe Typ hat ja auch einen völlig verquasten Streitzettel ins Treppenhaus geschmiert, der noch immer da hängt, hab vorhin nochmal eine Aufnahme gemacht (zu Dokumentationszwecken, falls das mal vors Gericht geht). Direkt vor unserer Terrasse war in der Sylvesternacht nichts los, jedenfalls auch keine Hundehalter unterwegs, denn den lieben Vierbeinern ist es dann doch zu ungemütlich draußen. Am Morgen danach begrüßte die Amsel das neue Jahr, die mir viel Spaß gemacht hat. Die Mitgeschöpfe hier sind nettere Nachbarn als alle zusammen. Wir hatten hier wie immer nur Wunderkerzen und das Lied "Nehmt Abschied, Brüder..." und das Bleigießen-Spiel, wobei manches danebenging und im Wasserbad zu Splittern und Klümpchen verspritzte - "Tränen des Vaterlandes", vermuAmsel, nach rechts guckendte ich mal - aber insgesamt kristallisierte sich eine Angel Amsel, nach links guckendheraus, die laut mitgelieferter Gebrauchsanweisung "Schau in die Zukunft" für meine Lieblingsabschnittsgefährin "Pack das Glück" bedeuten sollte, während bei mir eine Art Schaufel herauskam (dafür gab es mal wieder keinen Deutungsvorschlag, typisch), die aber bei ausgenüchterter Betrachtung am anderen Morgen auch als ein Entenfuß gedeutet werden könnte (das ist nicht ohne, denn es könnte auch der Fuß von Dagobert Duck sein, der beim Bad im Geldspeicher sicher keine Galoschen trug). Die Symbole waren also ganz nett, und wenn ich ehrlich bin, hat mich auch nicht die Amsel als erste begrüßt, sondern zwei Halsbandsittiche, die vergebens auf den neuen Futterplatz losgingen: das alte Häuschen hatten sie mit der Zeit kaputtgehackt und es war gammelig geworden, den neuen Plastikzylinder können die Meisen plündern, ohne von den grünen Riesenkollegen dabei gestört zu werden


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  • Heiligabend war bei mir nicht der Erzengel vor der Terrasse, auch kein Hirt auf dem Felde, eher sein Hund (Abbildung ähnlich), und gegen 22.30 Uhr eine Hundehirtin, und die brachte mir wenig frohe Botschaft. Ich ertappte sie, als sie sich mit einer Taschenlampe über die Wiese beugte und herumblinkte. "Was machen Sie da? was haben Sie da zu suchen? Einbruchdiebstahl, was? runter von der Wiese", rief ich, und schmückte meine Anrede mit wenig erbaulichen Beiwörtern, "nehmen Sie den Hund da weg!" Sie, während sie weiter leuchtete und festere Teile entdeckte, die sie in eine grüne Tüte schob, richtete sich plötzlich auf, hechtete unversehens auf die Terrassenbrüstung zu und wollte mich packen, ich bot ihr darauf an, Knecht Rupprecht zu holen, damit er - Knüppel aus dem Sack! - seines Amtes walte (entsprechende Geste). "Dann hole ich jetzt die Polizei", keifte sie zurückweichend, aber auf meine Ermutigung, per Handy anzurufen, ich bliebe hier, bis die Polizei kommt, tat sie nicht desgleichen, sondern setzte ein furchteinflößenderes Argument nach: "Meine Freundin ist bei der Kripo!" - Inzwischen mischten sich die eher subproletarischen Nachbarn vom obersten Stock ein, brüllten, es sei "Heiligabend". Mir war nicht klar, was damit gemeint war, sollte das grMein Weihnachten: Hirtenhunde auf dem Feldeüne Säckchen unter den Baum gelegt werden? Tatsächlich warf die einigermaßen junge Dame ihre Tüte auf die Wiese, nahm sie aber nach einigem Besinnen (Freundin bei der Kripo?) doch an sich und wandte sich zum Gehen, drehte sich immer wieder um und schimpfte ihrerseits weiter. Wes Geistes Kind die Nachbarn oben sind, wurde aber doch deutlich, als es nach einigem Hin und Her von oben tönte: "er hat sie beleidigt, zeigen Sie ihn an, wir sind Ihre Zeugen!" - "Sie brauchen keine Zeugen, ich bestreite nichts. Sagen Sie Ihrer Freundin, ich hätte gesagt, daß...", folgten weitere Kraftwörter, die ich mit "Fröhliche Scheißnachten" beschloß. Beruhigend ist, dass es Heiligabend war, wenn dir da jemand einen Scheißhaufen vor die Terrasse setzt, darfst du reden, wie dir der Schnabel gewachsen ist (aber nicht Beamte im Dienst beschimpfen), das freie Wort schützt der diesfalls nur zu berechtigte Affekt gegen die Störer des Festfriedens, das versteht jeder Richter, es gibt entsprechende Grundsatzurteile. Es kam gar keine Kripo...


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  • Um für die aktuelle Fehde gerüstet zu sein, habe ich mir heute schöne lederne Handschuhe gekauft. Ich zweifle, ob es Herrenhandschuhe sind (ich denke, die sind eher etwas für die zarte Damenhand), aber wer immer mit mir ihn Fehde treten will, muss künftig damit rechnen, Fehdehandschuhdass ich sie ihm vor die Füße schmeiße. Oder, je nach gewohnheitsrechtlichem Brauch und Herkommen, pitschpatschpitsch um die Ohren haue. Ja, ich weiß, das sähe wieder so gewalttätig aus, ich will den schlechten Eindruck lieber vermeiden. Aber Fehde bleibt Fehde. Ein Sekundant, der sich meiner annimmt, hat den Sekundanten der Gegenpartei angeschrieben und dabei das permanente Mobbing zur Sprache gebracht, dem wir eigentlich seit wir hier wohnen ausgesetzt sind. Da war auch von Damen die Rede, die mit wenig Beschäftigung über Tag auf die seltsamsten Marotten kommen, Wandzeitungen texten, mit Ausschnitten aus der Blödzeitung unseren Stromzähler bekleben. Natürlich hat sich auch gleich herausgestellt, dass die Verläumder mit falschen Daten operieren und eine Zeugin der Vorgänge gar nicht erst anführen. Er hat dann noch auf einige Vorgänge angespielt, die ich hier in den letzten Monaten dokumentiert habe, entsprechende Bilder und Texte liegen mir ja in schöner dokumentarischer Fülle vor und sind denjenigen, die diesen Blog verfolgen, bekannt geworden. Hintereinander gelesen ist das schon ein bunter Katalog, vom Verbot, den Fahrradkeller zu benutzen über die Sache mit dem Wasserschaden, über den wir per Zufall erfuhren, ohne dass er wirklich von uns ausging, aber alle dachten das und haben uns nicht informiert, ein Handwerker kam Tage später damit an, und nimmt man noch das neulich erfolgte lupus ante portasVogelfütterverbot wegen Anfüttern eines räudigen Fuchses dazu, der bisher, so jedenfalls meine Beobachtung, noch keinen Meisenknödel erklommen hat... dann denke ich, läuft hier was Aktionistisches. Die haben sich abgesprochen. Gestern waren die Kästen, in denen das regionale Boulevard-Schmierblatt verkauft wird, mit einer Werbung versehen, die ich nicht hängen lassen konnte. Leider verbietet der derzeitige Stand der Dinge, davon ein Beamer-Fähiges Bild Hauswandgroß auf die Nachbarhäuser zu projizieren, wenn die eine der Tanten (die mit dem ewig pinkelnden Köter) durch die Gassen schleicht. Die fürchtet nämlich nichts mehr als dass der Wolf sie ins Bein und ihrem kleinen Hundi den Kopf abbeißen könnte. Obwohl, eine Freundin von uns, die lange in Neapel gelebt hat, schlug genau das vor: den Köter zu massakrieren. Noch besser wäre, den Kopf des geliebten Wutzelchens abschneiden und neben sie aufs Kopfkissen legen, wenn sie schläft. Das wäre ein unfrohes Erwachen, aber: Wer ein Angebot bekommt, dass man nicht ablehnen kann, sollte auf der Hut sein. In Neapel würde man vergiftete Wurst auslegen, sagte unsere Bekannte. Aber das geht ja nicht, weil es die Hauswirtin es - "auf unseren Liegenschaften", fürstengleich - verboten hat und weil dann der Fixfaxfux wiederkäme. Nun, da wird ja inskünftig noch mehr auf uns zukommen. Der Wolf ist den Wölfen ein Mensch, wenn's um die Wurst geht. Vor den Toren (nicht nur den törichten Persönlichkeiten) Kölns bauen sich dann nicht nur Grizzlybären, boxhandschuhtragende Kängurus und Erdmännchen auf, sondern auch Wölfe. Die sind uns jedenfalls durch die Blödzeitung angekündigt, und wir wohnen ganz unmittelbar an der Stadtgrenze, dort, wo sich Fuchs und Wolf über Nacht guten Appetit wünschen! Werden sehen, was daraus wird. Und was das andere Thema betrifft, was uns dieser Tage wirklich immer noch beschäftigt: Meine Frau und ich, wir haben jetzt beschlossen, uns das Leben zu nehmen. Es ist ein Hilfeschrei. Ja, wir nehmen uns das Leben. Aber bitte doppelte Portionen, für mich bitte mit normaler, für sie mit lackdosefreier Schlagsahne!

     


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  • Du schreibst jetzt in Schönschrift zehnmal...

    Tja, so schnell wandelt sich die Welt und ändert sich das Ich. Am Wochenende bekam ich einen Brief, in dem allerlei über mich stand, was mir bisher unbekannt war. So soll ich einer pensionierten Kaufhausverkäuferin, auf einer Kellertreppe "vor ihr aufgebaut" stehend, mit der Faust vor der Nase herumgefuchtelt haben, ich habe sie also (beinahe) runtergeschubst. Nachträglich wäre das eine bessere Idee gewesen als mit ihr zu diskutieren, denke ich. Sie hat wohl eine Freundin, die öffentlich benutzte Räume gern mit ihrem Krempel zumüllt und dann abschließt. Die behauptet ihrerseits, ich sei bei ihr in die Wohnung eingedrungen, wo - bei meiner Ehre - ich niemals war. Mehr noch, sie habe mit Benachrichtigung der Polizei drohen müssen, um mich loszuwerden. Da sieht man ja, was für einer ich bin, dass ich beim Wort Polizei schon so komisch zusammenzucke und klein beigebe. Immerhin, viel mehr als diese zwei Straftatbestände sind es nicht, aber die reichen schon, meinen Ruf so nachhaltig zu beschädigen, dass mir voraussichtlich die Wohnung gekündigt wird, und das, obwohl mir die Hauseigentümerei anteilig gehört. Damals wurde ein polizeiliches Führungszeugnis von mir verlangt, das meine blütenweiße Weste erwies. Aber da weiß man ja Bescheid, und jetzt ist die Ehre lädiert. Der Schufa war ich dermaßen unbekannt, dass man mir gar keinen Prozentsatz an Kreditwürdigkeit zuerkennen konnte - was auch schon verdächtig war, die hatten bei der Schufa wirklich noch nie von mir gehört, und heute hat doch eigentlich jeder einen Handyvertrag, schon wissen die Bescheid und man hat ein Restrisiko, ist also z.B. 98 % kreditwürdig.

    Übrigens hat die eine der o. g. Damen, die mit der Kellertreppe, auch recht kurze Beine und fast keinen Hals. Bei Alice im Wunderland wird der Hals ja unnatürlich lang, wenn man vom falschen Kaffee trinkt oder ein Stück Kuchen isst, das einem nicht gehört. Dem hölzernen Pinocchio dagegen wuchs die Nase überdimensional und stabartig lang, wenn er die Unwahrheit sagte. Wie sich die Aussage der Damen vor einem Rechtsanwalt (der sie aber nicht namentlich nennt und auch nicht vertritt, er vertritt den Hauseigentümer und der braucht seine "Abmahnung" nicht sachlich zu beweisen, geschweige denn, alteram partem zu hören, was ein Grundsatz des römischen Rechts, nicht des deutschen Mietrechts ist) auf deren physisches Erscheinungsbild ausgewirkt haben mag, weiß ich nicht. Sie sind schon mit ihrem Nachnamen gestraft, der eine erinnert fatal an eine unangenehme Hautkrankheit, die durch Unsauberkeit und Ungeziefer (Milben) entsteht: die halbkugelförmigen, 0,3–0,5 Millimeter großen Weibchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort in den Kanälen (caniculi, Milbengänge) Kotballen (Skybala) und ihre Eier ab. Ihre Absonderungen bringen Bläschen, Vesikel, Papulovesikel, Papeln, Pusteln, Quaddeln und als Sekundärläsionen Krusten, Kratzwunden und Furunkel hervor... der andere Name lässt auf einen eher starren, betonhaften und betont männlichen Charakter schließen. Die erste ist verwitwet, den kranken Herrn Gemahl haben wir noch kennengelernt, indem wir ihren Pantoffel kurz angehoben haben, ich kann mir denken, warum er eingegangen ist, heute ersetzt ihn ein ziemlich kläffiger neurotischer Köter. Die zweite alleinstehend, was nichts heißen soll, aber bei Männern, die vor ihrer Tür stehen, verwechselt sie gern mal Hand und Fuß. immerhin, wenn es abends bei ihr klingelt, öffnet sie nach längerem Klingeln (wenn man es wiederholt, nachdem man merkwürdiges Schubbern hinter der Tür gehört hat) doch ihre - aber auch nur ihre Tür. Die Türen zu anderen Räumen im Haus schließt sie kurzerhand ab, wenn es ihr passt, egal, ob auch andere hineinmüssen. Und auch wenn man sie ganz nett fragt, rückt sie den Schlüssel nicht heraus.

    So, jetzt muss ich schließen, die Suppe steht auf dem Herd, hier mein Rezept:

    Kalk, noch ungelöscht, Eisenbrei, Salz, Salpeter, Phosphorgluten, Urin von rossigen Eselsstuten, Schlangengift, Altweiberspei mit
    Rattenschiss und Wasser aus den Badewannen vermischt, Saft aus einem Krötenbauch, den sauren Rest aus Rotweinkannen, eines Katers Hirn, der nicht mehr fischt, etwas Geifer aus den Gebissen toller Hunde, Affenpisse, Igelstacheln, würmerwimmelndes Regenwasser, grüner Schleim, Pferderotz, heißer Leim, und das, was der Medikus aus dem schwieren Gedärm an Eiter und verpestetem Sekret herausholt, Vaginalsalbe und der Schmodder, den die Lust zurücklässt, in einem verfaulten Kürbis mit der Nachgeburt von einem Schwein verquirlen:

    Und hat's vier Wochen lang gegoren:
    In diesem Saft solln eure Lästerzungen schmoren!


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  • Der KristallwaldSchön ist es zum Beispiel, seine alten Kinderbücher auf dem Flohmarkt zu entdecken und neu zu kaufen (in meiner Familie wurde das älterwerdende Kind grundsätzlich enteignet, sein Besitz, Spielzeug, Klamotten, Bücher Schlupfwinkel für Räuperbandeu. v. a. nachwachsenden Generationen in den unersättlichen Rachen geworfen). Gestern stand in der Zeitung, der Zeichner "Janosch" habe eine gelb-braun gestreifte Hängematte auf Teneriffa besessen, die er "Elisabeth" nannte und sich an einer Strippe hochgezogen, wenn er sie mal nicht belegte und aufstehen wollte. Außerdem lernte ich den polnischen Ausdruck für ärmliches Mehrfamilienmietshaus, familok. In so einem sei er aufgewachsen, in Zabrze. Einer polnischen Germanistin hat er für eine Habilschrift, die jetzt als Biographie erschienen ist, 10.000 E-Mails geschrieben und sie eingeladen etc. - Aber Tigerente und so ist nicht so mein Fall. Meine Lieblinge waren Xaver, der Ringelstecher und noch mehr der Kranmann mit dem Freund, namens Lektro (transportierte Kisten mit einem Elektromobil) - von Rainer Zimnik, auch so ein Schlesier, lebt laut Wikipedia noch, aber den will keiner mehr kennen. Auch "das kleine Gelb und das kleine Blau" hab ich neu bekommen, so eine minimalistische Farben-lovestory (die Eltern sind dagegen), das ist mal wieder aufgelegt worden, wirklich ein schönes Kinderbuch. Und dann hab ich noch ein Märchenbuch mit wundersamen Illustrationen von A. Coléno, grade hab ich erst erkugelt, dass das eine Frau ist, Alice Coléno, und sogar den Preis der Academie française hat sie mal gekriegt für einen Roman, Les portes d'ivoire, immerhin ein Elfenbeinturm mit Türchen. Seltsame Kontur um die StämmeDie Zeichnungen zum Zauberwald hat ein gewisser G. Vanni gemacht, nicht der Renaissancemeister, das frz. Original erschien 1964 - und die Stories sind jeweils derart abgedreht-phantastisch, dass ich mir gar keine anderen Zeichnungen vorstellen konnte. Es hat so eine schwüle fin-de-siècle-Atmosphäre, höchst seltsam. Eine heißt "Die Perle", eine andere, da geht es um ein edelsteinbesetztes Krokodil, immer ist ein Knabe namens Killi der Held, und der hat noch einen Hund, einen Dackel namens Flink. Aber sehr viel kindlicher sind die Zutaten nicht. In "Der Kristallwald" geht es um den Phönix, der mal wieder nach soundso langer Zeit auf den Scheiterhaufen muss, und Killi rettet seine Asche davor, von den neidischen anderen Vögeln zerstreut zu werden (dann kann er nicht mehr auferstehen). Wunder- wunder schön! Ich muss allerdings sagen, dass sich die Erinnerung an das Buch bei mir mit einer anderen vermischt, an Die Kristallwelt, ein dystopisches Science fiction oder Fantasy- (weiß man's?) Werk von J. G. Ballard. Da verkristallisieren die Sachen alle nach und nach, hat was mit der Zeit und ihrer Verlangsamung zu tun, wenn ich mich recht entsinne (Korrekturen bitte nicht an mich, sondern an den Weltverband der Genauleser). - Und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich kahlgefressene Parkbäumekürzlich ganz hier in der Nähe zwar keinen ganzen Kristallwald, aber immerhin schon drei bis fünf Bäume vorfinde, sonderbar eingesponnen, wie unter Glas! Und wenige Tage später fehlten den Bäumen sämtliche Blätter! Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass eine Menge winziger Raupen hinter den Gespinsten wriggelte und sich ringelte, ekelhaft. Aber die Stadtverwaltung hat schon Entwarnung geblasen, es ist eine Schmetterlingsart, die angeblich völlig ungefährlich sei und auch den Bäumen nichts Schlimmes zufüge, weil die im Juli mit dem "Johannistrieb" wieder neue Blätter ansammeln können. Komischerweise fressen die aber auch nur ganz bestimmte Bäume an, als hätten sie auf die andern keinen Appetit. "Zu den natürlichen Gegenspielern der Gespinstmotte gehören Vögel und verschiedene Insektenarten. Die Netze spinnen sie, um sich vor ihren Feinden zu schützen."Der Kristallwald Das muss ja einen ganz unerhört unglaublichen Schmetterlingsschwarm geben, wenn es so weit ist und die Viecher schlüpfen? ob das den Caterpillars weh tut, wenn so die Haut platzt und ein geflügeltes Alien krabbelt aus der Hülle...! Es sei also, lautet die wiederkehrende Beruhigungsparole, NICHT der sog. Eichenprozessionsspinner, der den Bäumen tatsächlich den Garaus macht. Die Vögel, die bei uns ans Haus flattern (Finken, Meisen, Rotkehlchen und vermehrt Spatzen) werden allerdings pappsatt sein und auf dieses Raupengelichter keinen Appetit haben, schon gar nicht, wenn sie sich durch klebrige Überzelte durchbeißen müssen. Die schöne alte Fichte hier um die Ecke, ich hab's schon geahnt, die so schief über die Straße wuchs, haben sie jetzt auch platt gemacht und in einzelne Holzteller zerspalten. Schade um das schöne Vogelschutzgehölz, dabei hatte die keinerlei Raupengespinste dran. Ein Nabu-Forstmeister wird mit den Worten zitiert "Den Büschen macht der Kahlfraß recht wenig aus, es belastet sie eher wie uns Menschen ein lästiger Schnupfen", na Prost. ICH hab ja schon die Sommergrippe von meiner Liebsten geerbt und niese den liebenlangenTag laut vor mich hin, und zwar ca. alle 2 Minuten, komisch, dass sich noch niemand im Haus beschwert hat, die trauen sich alle nicht, weil ich als "scharfer Hund" gelte - Der Kristallwaldmeine Kampagne gegen das Hundepinkelnlassen vor unserer Terrasse hat sich überall herumgesprochen, neulich beim Gymnastikkurs ging die  Liebste offensiv damit um, das sei ganz erfolgreich usw., und andere (Gleichgesinnte) haben auch schon gegriemelt. Ich mach das in drei Stufen, erst sag ich ganz freundlich, "Hier bitte nicht" o. ä. (ich mache das Fenster weit auf in Momenten, wo keiner damit rechnet), beim zweiten Mal werde ich lauter und schneide auch Diskutierenwollenden das Wort ab, da gibt es Leute, die halten regelrechte Plädoyers, der Hund muss doch auch mal und ich hätte doch auch ein Klo in der Wohnung, oder? Ja, Sie dürfen gern auch den Hund dort über die Schüssel halten, aber HIER nicht... Die möchten am liebsten das Grundgesetz ändern, mit Pinkelrecht an allen Stellen, wo ein Büsch Gras wächst. Und: "Der tut ja nichts, das macht der nicht... es sind ja nur ein paar Tröpfchen..." Ach ja, und hinten kommt Marzipan raus und pinkeln tut er Jasmintee? wissen Sie, wie das hier riecht, wenn es ein paar Tage nicht regnet? Außerdem haben sich alle "bei Ihrem / unserem Vermieter erkundigt", das ginge völlig in Ordnung, wir machen das seit 30 Jahren nicht anders, und von der Hausordnung haben sie gar nichts gelesen? da steht drin, fernhalten von den Grünanlagen... Andere schnauzen mich direkt an, eine wollte mir volle Scheißtüten ins Fenster werfen, usw. Kommen sie zum dritten Mal, nehme ich Augenmaß und probiere Schimpfwörter aus, straßenweit schallend gebrüllt, "Schmutzfinken", "Proleten", "Stinkliese" usw. auch mal volkstümlich, das kann ich, wenn ich will, auch im Volkston - "dreggelige aahl Möhn" z. B. zu einer eher rheinischen Tante, die mir auch schon dumm kam ("Wenn Sie denken könnten, wüssten Sie, dass..." usw.). Kahlschlag_der_GenossenMeine Lebensabschnittbevollmächtigte holte juristischen Rat ein; anders als man so denkt, sind bei entsprechendem Anlass adäquate Beleidigungen (wenn man nicht grade uniformierte Polizei vor sich hat) vollkommen straffrei. Es gibt da so einen Lehrfilm auf youtube, das richtet sich zwar mehr an Internetnutzer, aber die Urteile sind rechtskräftig und übertragbar. Hilft das alles nichts und kommen sie zum vierten Mal (es gibt zwei bis drei solche), hol ich den Fotoapparat raus. DAS scheint in den hartnäckigsten Fällen, die ich bisher hatte, geholfen zu haben, seit ein paar Wochen ist Ruhe! die Qualität ist ja egal, Hauptsache, die 'Peinlichkeit', die sich abgespielt hat, groß genug. Bei der Dümmsten, die hier am nächsten wohnt,  hab ich das sogar nachts aus dem Hinterhalt gemacht, durch geschlossene Vorhänge (leicht angehoben , Blitzlicht - ZACK!, darauf entschwand sie und bei der nächsten Gelegenheit, ich hatte den Finger schon am Auslöser, sie sah mich oder sah mich nicht, innen alles verdunkelt, keine Ahnung, jedenfalls zog sie nach der Hälfte des Weges ab, ließ das Vieh also nicht auf "unserer Seite" sich erleichtern. Allerdings bin ich jetzt immer abends noch recht häufig in dem dunklen Zimmer und passe ab, ob sie wiederkommt. Wenn das nichts hilft, versuche ich es mit der "Jupiterlampe", wir haben so einen Fotografenscheinwerfer, den würde ich getarnt mit Grünzeug auf den Terrassenbalkon stellen, mit Steckerzufuhr von innen einschalten und alles in Flutlicht tauchen. Dann könnte man es theoretisch auch filmen, das arme Tier und die Dumpfmeister am Anfang der Leine (die sind ja alle zu faul, die 3 min. Gehweg bis zum Park zu machen, wo es extra Freilauf-Flächen gibt, an die hält sich auch keiner; alles, jede Liegewiese, jede Bank ist voller Scheißdreck, aber immerhin, es ist nicht grad unsere Terrasse!). Dämliches Pack, elendes. Schon forderte eine, die hat allerdings auch Dachschaden, ich solle die Fotos herausgeben (aber aber? die brauch ich doch fürs's Internet?) - sonst würde sie mich vor Gericht verklagen, bitte gern! da freu ich mich doch drauf...


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  • Ruhe ist die erste Dhimmi-Pflicht:

    "Meinungsfreiheit verteidigen wir alle. Aber ob man den Führer, sozusagen den Prophet, den Vermittler einer Weltreligion - ich habe mir die Karikatur nicht angeschaut, aber muss man jetzt den Propheten Mohammed mit einer Handgranate malen? Ist das auch nicht eine Provokation? Man kann das so verstehen, man möchte provozieren. Man darf provozieren. Aber zählen die Gefühle der Muslime nicht? Gibt es auch nicht für die Muslime Werte, die man mit Respekt behandeln sollte? Wollen wir nicht einen Weltfrieden? Wollen wir nicht friedlich zusammenleben? Müssen wir uns ständig gegenseitig provozieren? Ich würde momentan zum Beispiel auf jede Provokation verzichten."

    Bekir Alboga, Islamwissenschaftler und Sekretär der "Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion" (DITIB) heute früh im Deutschlandfunk.

    (in der Karikatur zeigen Greser und Lenz Gott und Mohammed, beide haben Charlie-Hedo-Ausgaben vor sich, und Gott schimpft, fassungslos, denn Mohammeds  Leute würden dafür sorgen, dass keine gottlästernden Karikaturen mehr erscheinen, die sie doch beide so lieben.)

    "Wir sind keine Provokateure, sondern haben schlicht und einfach unsere Ansichten zur Tagespolitik veröffentlicht. Vor allem haben wir auf die Tatsache reagiert, dass die Führung des Nationalen Übergangsrates, kaum dass Gaddafis Leiche erstarrt war, eine neue, an der Sharia orientierte Verfassung für Libyen angekündigt hat. Und dass gleich darauf allerlei Kommentare zu hören waren, man solle nicht vorschnell Urteilen, Sharia bedeute nicht unbedingt, dass Hände abgehackt und Frauen gesteinigt würden. Daraufhin hatten wir die Idee, die ganze Ausgabe »Charia Hebdo« zu nennen und uns mal ein paar Beispiele für eine Sharia light auszumalen. Dem Propheten Mohammed den Titel des Chefredakteurs zu verleihen, haben wir uns bei Libération abgeguckt, wo recht oft Gastautoren zu Wort kommen und Persönlichkeiten aus den Bereichen Mode, Politik oder Philosophie als einmalige rédacteurs en chef fungieren...

    Es wird viel geredet, das stimmt. Und was wir unter anderem zu hören bekommen, ist: »Ihr habt das aber auch ein bisschen provoziert.« Aber: Nein! Wir haben nichts provoziert. Wir tun einfach unseren Job. Warum werden immer dieselben Leute als Provokateure bezeichnet? Warum nicht zum Beispiel der libysche Übergangsrat? Provoziert der etwa nicht, wenn er direkt im Anschluss an eine Revolution eine an der Sharia orientierte Verfassung ankündigt? Warum spricht niemand von Provokation, wenn im Namen einer Religion Zeitungen verboten, Menschen getötet, Frauen gesteinigt werden? Provokation wird immer nur auf Seiten der Demokratie angesiedelt, auf Seiten der Demokraten, auf Seiten der Verfechter der Pressefreiheit, der Freidenker, und nie auf Seiten der Dreckskerle und Diktatoren."

    Gérard Biard, geschäftsführender Chefredakteur von Charlie Hebdo, heute im Interview mit jungle world.

     Aber: Biard, petit larousse u.a. gelten wohl eher als Ḥarbī.

    Daher bete ich inständig für eine laizistische, liberale, vernunftgesteuerte Demokratie und die Privatisierung aller Religionen, hier, jetzt, überall!

    (Falls unter den geneigten Lesern dieses Blogs der Teufel sein sollte: Bei Interesse bitte melden, ich gäbe auch meine Seele dafür her...)


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  • Neujahnusbrauch

    Salvenheul-Batterie mit Knisterschweifaufstieg und Feuertöpfen in Grünglitzerwolken mit Heulpfeifersalven... Effektbatterien mit 156-Schuss-Finale und 7 Premium-Stern-Effekt-Raketen... Prächtige Leucht-Buketts und tolle Brokat-Effekte mit rasant abgefeuerten schrillen Luftheulern... Spezial-Raketen mit herrlichen Silberflimmer-Wolken und imposanten Crackling-Sternen... Kugelbomben und Tri-Color-Effekte mit rubinroten und saphirblauen Leuchtsternen... Rakete mit Schlitz und beigelegtem Zettel für Wünsche, Träume oder gute Vorsätze im neuen Jahr... Tischbomben mit fetziger Überraschungsparty-Füllung... BleigießenFire-Cocktail mit imposanten Vulkanfontänen, römischen Lichtern, Sonnenvögel, lautstarken Reibkopfknallern, Silberwirbeln und trendigen Jugendfeuerwerks-Pyro-Hits... NeujahnusbrauchStepside-Final-Batterie "Hells Bells", optisch besonders auffallend mit unterschiedlichen Abschuss-Kalibern, schrillen Turbo-Heulern und abbiegenden Kometen... prächtige Fontänen gefolgt von 18 Knatteraufstiegen mit rubinroten und smaragdgrünen Sternen... bunter, lauter, präziser: die neue Generation der Feuerwerksbatterie mit ca. 30 m Effekthöhe, mächtigen Spinnen-Wirbeln und herrlich filigranen Goldstern-Buketts... Das fehlte bei uns alles, wie jedes Jahr, auch an diesem Sylvesterabend - nicht etwa, weil ich nicht auch gern mal mit home made explosives zündeln wollte, natürlich ohne anderen schaden zu wollen wie der Berkeley-Absolvent Theodor Kaczynski, sondern weil mir das Zeug einfach zu teuer ist und ich auf keinen Fall die Zündschnur an meine nicht üppige Banknotenbündelsammlung halten möchte. Zur Zeit könnte ich nicht mal das Streichholz aus der Schachtel nehmen, geschweige denn anstreichen, denn ich hatte meinen guten Rrrrrutsch mit nachfolgendem Aufprall schon am 29. Dezember auf einem verschneiten asphaltierten Ufer-Radweg unterhalb von Wiesen, durch die kleine Rinnsale herab in die Mosel tröpfeln und unter der Schneedecke unbemerkt vereisen. Kröver NacktarschBums, lag ich eine Schrecksekunde später auf dem Pflaster, der Kopf summte, blieb aber dran, eine kleine Beule war nach zwei Tagen verschwunden, nicht so der Schmerz im verstauchten Daumen, dessen Ballen ballonartig anschwoll und mir zu der Erkenntnis verhalf, weshalb uns die Delphine bei aller Intelligenz doch nie evolutionär überflügeln werden. Selbst wenn wir uns vorher ausrotten mit all den panzerbrechenden Massenvernichtungswaffen, die jetzt wieder ganz legal in die Ukraine bzw. nach Irak verschickt werden, so lange den Delphinen der oppositionäre Daumen fehlt, erreichen sie rein werkzeugmäßig nix, und dass ich das hier tippen kann, ist nur meinen Fingern und der leichtgängigen Tastatur zu verdanken. Natürlich gab es in dem Moseldorf, wo wir uns aufhielten, weit und breit keine Apotheke, schon gar keine Erste-Hilfe-Station! Anderntags in Trier bekam ich etwas Mobilisierendes gesalbt und noch ein paar Schmerztablettchen, von denen ich mich seitdem ernähre (keine Angst, ins Fondue sind die nicht gefallen). Gut, ich hätte das auch im 11 km entfernten Traben-Trarbach bekommen, wo sogar allerlei Geschäfte zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet sind, selbst an den Feiertagen - (Grund ist ein Wein-Nachts-Markt, der genau so geschrieben wird wie unten am Parkverbotsschild), aber bei dem Schneefall nochmal das Auto zu mobilisieren, war mir zu lästig.

    Zwei MoselentenJedenfalls haben wir uns auf die Operation Bleigießen besonnen, wobei wir die Raketenstellungen unserer Nachbarn jenseits des Rasen- bzw. diesseits des Raserstreifens, deren Treiben man anderntags an einem ungeheuren Haufen verschmorten Plastik- und Papiermülls ablesen konnte, gar nicht bombardiert haben. Wir sind schön zuhause geblieben und erhitzten ein bleiernes Glöckchen und ein unkoscheres bleiernes Glücksschwein im Löffel und warfen den verflüssigten Inhalt desselben in ein Wassertöpfchen... heraus kam etwas, das man, nun ja, in einem Fall mit viel gutem Willen als "Blume", im anderen nur als Mrxzkrszfzpriö beschreiben könnte, und beide Begriffe finde ich nicht auf der Rückseite der Schachtel, wo sich eine Liste mit Deutungsvorschlägen fand: Angel - Pack das Glück beim Schopf, Baby -  Familie wird größer, Besen - hüte dich vor der Schwiegermutter, Fächer - Jag den Mief aus deinem Leben, Galgen - Häng nicht so durch, Gurke - hüte dich vor Brillenschlangen, Nikolaus - Du trägst eine schwere Last, und so weiter im Alphabet bis Tasse - Pfeif auf Kartenleger, Ufo - Besuch aus großer Ferne, Vulkan - Bremse deine Leidenschaft, Waage - Erfolg im Rechtsstreit und Ziege - Du wirst gemolken.

    Tja, und heute früh ist das alles auch schon wieder Geschichte und das Neue Jahr hat begonnen (mein Lieblingskarikaturist zeichnete zwei Leute am Böller-Marktstand, der eine: Jetzt ist auch schon wieder ein Jahr rum, der andere: Sushi-Opfer zum Neuen JahrLängerfristig gesehen sind sogar noch mehr Jahre um als nur das eine), und ich hab ein paar dieser Holzstangen eingesammelt, weil ich neue Tomaten daran Köln feiert ordentlichJanusköpfiges Traben-Trarbach-Monumentemporbilden werde, und die Hundehaufen vom Rasen auf den Bürgersteig gekickt, wo sie meiner Meinung nach hingehören. Auf dem Neujahrsspaziergang hat sich nicht nur am vielsprachigen Stimmengewirr erwiesen, dass wir eine echte Multi-Kulti-Stadt geworden sind, sondern auch bei Beobachtung der verschiedenen Neujahrsbräuche. Während sich die Einheimischen verschworen haben, den orangekostümierten Heinzelmännchen möglichst viel Scherbendreck und halbleere Sektpullen am Rheinufer zu hinterlassen, damit die was zum Wegräumen kriegen, begrüßte ein Fernost-Imbiss in der Südstadt die Geister des kommenden Jahres mit einem Sushi-Gericht. Wir fanden dieses Menü auf dem Fensterbrett vor dem Schaufenster, hübsch dekoriert auf einem Tablett, einem prickelnden Glas Sekt und einem langen Räucherstäbchen. Erst dachten wir, das habe sich z. B. ein Taxifahrer bestellt, der beim Warten unversehens einen Kunden bekam und deshalb abwesend war. Das brennendes Räucherwerk ließ aber auf eine Kulthandlung schließen - Opfergaben fernöstlicher Abschieds- und Willkommenskultur für das mit einem Fuß abtretende, und mit dem anderen eben erst eingetroffene Jahr. Zwar gilt dieser Laden als Thailänder, und in Thailand feiert man Neujahr erst im April, wobei man sich mit Wasser bespritzt und mit Babypuder bestreut, um sich langes Leben und Kindersegen zu wünschen (was in größeren Städten angeblich zu wahren Wasser-und Babypuder-Schlachten führt). Aber wer will wissen, welcher Nationalität die Putzfrau oder der Küchengehilfe ist in dem Laden, - die meisten "Italiener" werden inzwischen von Kurden und Syrern betrieben, hab ich mir sagen lassen. Und an den Kalender des Ursprungslandes wären Geister, die man rief und mit einem Sekt und einer Rohfisch-Auswahl auf Reis versöhnen will, ja auch nicht gebunden.

    Apropos, der ferne Osten im reichen Westen - wusstet ihr, dass Trarbach zweitausend Buddha-Statuen beheimatet? "Die Buddhas benehmen sich übrigens äußerst unaufdringlich, so wie Buddhas eben sind: Tolerant, verständnisvoll und ohne Moses Parkerlaubnisdas geringste Interesse, ihren Gästen irgendwelche Ansichten aufzudrängen. Sie wirken und überzeugen durch ihr bloßes So-Sein. Doch sollten Besucher tiefergehendes Interesse äußern, zur Kultur ihrer Herkunftsländer, zu ihrem bisweilen ungewöhnlichen Habitus, zu ihrem Denken, so haben die Buddhas dafür Personal angestellt, ein kleines engagiertes Team, das darauf wartet und sich freut, Fragen zu beantworten oder auch durch das ganze Haus zu führen. " So weit die Selbstdarstellung... Das Buddhamuseum haben wir aber NICHT besichtigt, weil uns schon das Mittelmoselmuseum auf den achtfachen Pfad geschickt hatte, weshalb wir uns den Besuch für ein anderes Mal aufsparten. Eine fernöstliche Physiognomie zeigt übrigens auch die Doppelkopf-Skulptur, die der Bildhauer Jürgen Waxweiler aus einem 220 Millionen Jahre alten Stein gefertigt hat. Sie steht seit September 2011 am Verkehrskreisel der B 54 (Moselufer eingangs der Grabenstraße), den man benutzen muss, um in Trarbach zu parken. Der Stein trägt noch Spuren von "versteinerten Wellen", die man allerdings nur oben auf dem Kopf sieht, wenn man hinaufklettert. Die beiden Gesichter gucken in verschiedene Richtungen - nach Traben und Trarbach eben, zwei Städte, die in ewiger Hassliebe miteinander verquickt sind wie Leuwen und Louvain, Bensberg und Gladbach, Barmen und Elberfeld. Die Sushi-Portion war für Neujahnus gedacht, den doppelköpfigen Gott, der ins vorige und aufs neue Jahr blickt, aufs asketische Buddhamuseum und in den lichterglänzenden Wein-Nachts-Markt. Möge er euch allen einen guten Aus- und Eingang bereiten - und ein knöllchenfreies Parken obendrein.


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