• Liebes Corona-Tagebuch,

    ja, du hast recht, ich geb's voll zu, ich habe dich vernachlässigt. Eine schöne Idee, die bestimmt auch viele andere Leute hatten, nur ausgerechnet ich habe sie durch Unschlüssigkeit verkümmern lassen. Glaub mir, jeden Morgen wollte ich dich anfangen und kaum setze ich mich mal an diesen Blog, zack, schon ist es zu spät. Jetzt geht es gleich mit Autoscootertempo zurück (oder vorwärts, und nicht vergessend?) in die Vorcorona-Ära, oder, um es mit dem scharmant-griemelndsten aller Ministerpräsidenten zu sagen, "kleine, vorsichtige Schritte" hüpfen wir, und zwar "in eine verantwortungsvolle Normalität".Kölner Masken-Gebührenordnung Dabei sind die Themen doch noch längst nicht ausgereizt, z. B. mein Befremden, als die ersten vermummten Menschen in den Supermärkten und manche auf der Straße auftauchten, manche sogar auf dem ¿...war da noch was da noch war...?Rad oder hinterm Lenkrad (das sind Postboten oder Pflegedienste, die wollen nicht dauernd "Maske rauf, Maske runter" spielen), es war doch erstaunlich. Hände waschen nach dem DealEinige besonders prahlerische hatten diese Luxus-Chefarzt-Schnutentüten (oder Schnüsslappen, wie man hier sagt) samt Filter, ich hätte ja gern die Weltkriegs-Gasmaske meines seeligen Urgroßonkels vom Speicher geholt, wo mag die abgeblieben sein und wo der Speicher? und dann die Art des Tragens! Autofahrer hängen die neuen Unaussprechlichen gern baumelnd an dien Rückspiegel, um sie gleich überzustreifen, falls bei 200 Sachen eine Kamera ins Blickfeld des Navis kommt. Andere halten sie in der Hand und ringeln sie um den Zeigefinger, wie man früher Autoschlüssel kreiseln ließ. Wieder andere haben sich dauerhaft umgelegt, was sie ab und zu hochziehen wie zum Banküberfall. Hier gilt es zu differenzieren, es gibt unterschiedliche Tragestile: die einen würde ich als Bartschoner bezeichnen, immer gut wenn man Yoghurt-Milchmixgetränke zu sich nimmt, in 50 Meter Distanz von der Eisbude, versteht sich; die anderen als hochgerutschte String-Tangas, wieder andre sind eher als Doppelkinn-Absackhilfe im Gebrauch, bei wieder anderen sinken sie noch tiefer bis hin zum klassischen Durchhänger, letzteres in Armeekreisen auch gern als "Eierschaukel" oder "Sackhalter" bezeichnet.osterschmuck auf Graebern

    Dann wollte ich von unserem Osterspaziergang berichten, der dieses Jahr auf einen Wochentag fiel und auf dem Friedhof absolviert wurde, wir haben aber auch einen besonders schönen, parkähnlichen, mit uralten Baumriesen, wo die grünen Weiden von Osterkaninchen nur so wimmeln und wo man sich trefflich aufhalten kann, ohne die neue Freiheitsliebe von Fahrradrüpeln und Hundehaltern - ihre Vierbeiner lassen sie jetzt grundsätzlich leinenlos gehen, allenfalls wird die Leine zwar angelegt, aber vom Hund frei hinterhergeschleift - , im Mindesten zu beeinträchtigen. Aber dann kam der Weiße ostern auf dem SüdfriedhofSonntag und Christi Himmelfahrt und Pfingsten und jetzt noch steht auch noch Frohenleichenam vor der Tür, und das Thema wäre damit auch durch. Nachdem uns die Friedhöfe zu voll wurden (denn auch andere kamen auf dieselbe Idee, im Park wimmelte es von Sportlern und Kindern, die nicht auflindt-und-spruengli-hase auf dem Frieddhof den Spielplatz durften), suchten wir Schlösser und Schlossgärten im weiteren Umkreis auf, unter anderem kamen wir in Orte mit so merkwürdigen Namen wie "Türnich" (geh' mir bloß vor die Tür nich'!), Horror, ehm, "Horrem" und "Quadrath-Ichendorf", was mir auch eine gute Metapher für den neu erwachten Herdenegoismus zu sein scheint, den ich überall wahrzunehmen glaube: Autos rasen vermehrt bei Ampelrot durch, wie sonst früher nach dem Italienurlaub, oder parken die Bürgersteige zu, weil die Radwegparker teuer verwarnt werden, Menschen werden aggressiv, wenn man zu langsam vorrückt in der Schlange oder sie aus Abstandsgründen nicht gleich und auf der Stelle ans Regal lässt usw. usw. Gut, wir waren dann auch mal ein Eis essen, im Gastro-Bereich einer Fußgängerzone, mussten uns dafür nicht mal immatrikulieren, der Anblick einer adrett-schwarz gekleideten Kellnerin mit Spitzenschürze und -häubchen mit Knebel vorm Mund mochte prickelnde erotische Assoziationen wecken (das stimulierende Outfit könnte man eigentlich mal zu Haus ausprobieren...) - beim Genuss von Speiseeis stören derlei synästhetische Erregungspotentiale, ich bin nicht der sensuelle Multitasking-Typ.

    Das erste SpeiseeisDrittens wäre da noch die Frage, besser Altersgrenze oder ein gediegenes Vorerkrankungs-Attest gegen Präsenzpflichten ins Feld zu führen, um nicht aerosol-gesättigten Prüfungsschweiß oder die Exhalationen dampfplaudernder Kollegen/-innen einatmen zu müssen? Da hat sich meine Hausbetroffene zu einem sowohl-als-auch-Kurs entschieden, seit die Alterssache abgetan ist, geht sie MIT Attest OHNE es zu zeigen,Grabguirlande aber dafür mit einer zum Spuckschutz ummontierten Lavaterschen Silhouettiermaschine zur Arbeit und zieht den MuNaSchu im Gebäude gar nicht aus, wechselt höchstens mal und sitzt am stets zum Lüften offenen Fenster. Übrigens hat sie einen super-Fernlehrkurs entwickelt, den sie im Grunde jetzt fortsetzen kann, indem sie alles für Beamer vorbereitet und die Kommunikation auf ein Minimum reduziert. Wobei die wenigsten ihrer Kollege/inne/n Abstands- oder Maskierpflichten einhalten und man vom Hygienekonzept nichts sieht außer vielen verstreuten Desinfektikons-Statiönchen für die Hände, ungefähr so dicht gestreut wie früher die Klapp-Aschenbecher in den Eisenbahn-Abteilkorridoren. Enge Flure, nur zwei Klos, nur ein Treppenhaus, winzige, teils unbefensterte Räume, keine Klimaanlage, kein Schulhof, ab Herbst wieder überfüllte Klassen!

    Und schließlich noch mein ganz anders geartetes Erleben im Bürgeramt, wo ich einen neuen Perso beantragt habe, und zwar, erst stellst du online einen Antrag, nennst einen Wunschtermin, kriegst den ggf. bestätigt und zugleich Zeit und Nummer, die in der "Meldehalle" aufgerufen wird, so weit so gut. Aber dann musst du ein Drängelgitter vor dem Bürgeramt überwinden, hinter welchem bullige Security-Typen mit Migrationshintergrund Wache schieben. Private schwarze Funktionsklamotten, der mit den besten Deutschkenntnissen ruft dann auf ("Haben Termin? Meise blickt sich umTermin wieviel Uhr? Der NaMeiserich blackfacingme? Hab ich hier nicht (...sucht auf der Liste...) Wie heißen noch? wollen zum Ausländeramt? Nein? Personalausweis beantragen? Ja, Personalausweissachen, da kann ich Sie erst fünf Minuten vor Termin reinlassen. Der Nächste!" und das in schönster Lautstärke, so dass der Pulk von wartenden Leuten, zu dem sich noch eine auf Wink eines Schergen mit und ohne Mundschutz das Gebäude stürmende "Leiterkonferenz" gesellt hatte, auch schön mitkriegt, wie ich heiße, wann ich bestellt bin und was ich will. Hat man erst die Meldehalle erreicht (erst desinfizieren), hat sich was mit den "fünf Minuten vor der Zeit, ist des Preußen Pünktlichkeit!" - bei mir zumindest musste ich eine lange Abfolge Nummern abwarten, bis meine in die numerische Nähe kam, dann aber blieb das System, mit dem die Tafeln aktualisiert werden, plötzlich stehen, und wo als nächste meine erscheinen sollte, blieb die vorhergehende Nummer wie festgefroren eine halbe Stunde dieselbe und verschwand schließlich ohne Neuausgabe (währenddem andere Nummern in anderen sechsstelligen Bereichen normal weiterliefen und Junge, Alte, Kranke, Halbtote und Demente herein- und wieder hinausströmten, ich dachte, die füllen Vollmachten aus und müssen nicht mehr persönlich vorsprechen?). Da fragt sich der Bürger auf dem Amt, hat sich der Computer aufgehängt oder die Sachbearbeiterin - oder ist sie, um Himmelswillen, womöglich einem Gewaltverbrechen der letzten Wartenummer zum Opfer gefallen? Albinomeisterich beim FutternAber während der Tag voranschritt, kam ich irgendwann doch mal dran, eine ältere seriösere Beamtin erwartete mich hinter Spuckglas, ich nahm den Mundschutz ab, um meine Übereinstimmung mit dem durch einen Mini-Schlitz geschobenen Foto zu klären, Geburtsurkunde und Heiratsdokument hinterher, "das scannen wir dann auch mal vorsichtshalber hier ein", wedelte mit der Fotografenquittung (erst drei Tage alt, das Foto). Am Ende gab ich sogar freiwillig meiine Fingerabdrücke ab (musste gar unterschreiben, dass ich nicht dazu gezwungen wurde), und als das Gerät nicht richtig anspringen wollte, bat mich die Sachbearbeiterin, den Daumen über die schweißfeuchte Stirn zu ziehen (WAAAS? ins Gesicht fassen, nachdem mir wochenlang eingebleut wurde, tu das ja nicht?!) und dann klappte es noch. Das beste war das Bezahlen der 29,90, die der Spaß inzwischen kostet, die Frau an der Kasse war die einzige, die nicht gestreßt war,¿...war da noch was da noch war...? hat ja gut lachen, sitzt hinter Panzlerglasscheibe und zwar schon immer, ist nichts Neues für die! Dann raus, Hände desinfizieren. Jetzt warte ich auf die Mitteilung, dass meine Identitätskarte fertigfabriziert ist, die erste elektronisch lesbare meines Lebens, und ratet mal, was ich tun muss, wenn die Mitteilung kommt? Genau: einen Termin ausmachen, elektronisch anmelden, Bestätigung ...und weiter siehe oben.

    Inzwischen ist alles wieder so stinknormal, dass "echte" Themen ins Programm kommen, statt bloß Vorbeuge-, Gesundheitsapp- und Coronakram, nämlich Kniebeuge, Geheimdienst-Schnüffel-App- und Coronakram. Zum Thema BLACK LIVES MATTER meldete sich vorhin bei mir eine Albino-Meise zu Wort, bei deren Anblick man sehr wohl an whitewashing oder blackfacing denken mag. Der Vogel wirkte noch etwas unbeholfen, eben aus dem Ei geschlüpft, dunkelt bestimmt noch nach. Woher wusste das Tier, wenn es tatsächlich noch heute morgen unter einer dünnen Kalkschicht eingesperrt war und sich freipicken musste, dass es hier auf dem Küchenbalkon eine Säule voll mit immer nachgefüllten Erdnusshäppchen, Vollkornbrösel und Insektensnacks gibt?


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  • Nee, ne? Hab ich's nicht gesagt? Seit ich klein war, lagen mir Astrokenner und Sterndeuter in den Ohren, verpass' das nicht, guck dir das an, diese oder jene Finsternis wird es nie, Mond in seiner Verfinsterungnie, nie mehr gehen, jedenfalls nicht in deiner Lebenszeit, erst wieder im Jahr Zweitausenddreiundsoundsoviel. Damit sind schon Kriege gewonnen worden, weil die Leute vergessen, dass sich bestimmte Phänomene rhythmisch wiederholen - prompt besiegt der Pharao die Seevölker an einem dieser Finstertermine, oder Alexander der Große vertagt den Waffengang von Gaugamela auf den 20./21. September 331 v. Chr. (wie verabreden die sowasl? "Tut mir leid, Dareios, mein Terminkalender ist dicht, deine Tochter Stateira hat mit Parysatis und mir ne Orgie geplant am 18., und den 19. September hat mein Lieblingspferd Geburtstag, aber wart' mal, wie sieht's am 20. abends aus, da hab ich nix vor und Zeit, 'Freunde zu treffen', har, har!!"), schon gab sich, perhorresziert, der Feind dem astronomisch besser beratenen Feldherrn geschlagen. Und kaum hatte ich im letzten Juli die Nachtblind-Verkostung erfolgreich absolviert und hier darüber geschrieben, steht schon wieder eine Verdunklung an, hinterm Haus vom Küchenbalkon aus zu beobachten. Nix für Langschläfer, wohl aber für hellwache Adrenalinjunkies wie mich, ich bin Frühaufsteher (euphemistische Umschreibung dafür, dass ich es weniger lange in Morpheus Armen aushalte, diesen vielmehr oft ungeküsst entschlüpfe)... Wiederauftauchen nach der MondfinsternisWenn ich zu nachtschlafender Zeit meine Liebste wecke,  die zur Schule muss, hab ich ein halbes Tagewerk schon hinter mir. Deshalb haben wir auch die neuerliche Mondfinsternis beobachten können, sie hat die Billardkugel entdeckt, ich glaubte es zuerst nicht, und kalt war's auch. Dafür war dann den lieben langen Tag, seit vorgestern, in WDR, SWR, Tagesschlau, Heutezutage, egal wo und von wem, von "BLUUUTMOND" die Rede (und ich so: "würg"), bis einem speiübel wurde und das Mondblut hämorrhoidialmäßig aus den Ohren troff. Liebe Nachrichtenmacher, könnte nicht der eine oder andere von euch sein Heil in einer weniger anämischen Metapher suchen? Nach meiner wohldurchdachten Überzeugung besteht der Mond doch sowieso aus grünem Käse und das bißchen Rot am Rand da, das ist allenfalls Rost an der Rinde oder Schimmel, kann man mitessen. Mein Herz schlägt für die armen Mondkälber, bei denen wird es ja auch stockfinster, wenn ihr Himmelskörper in den Erdschatten wandert, und sie nicht mehr in den Himmel starren und romantische Gedichte auf den hübschen blauen Planeten, das Juwel am Mondhorizont, rezitieren können. Sie finden dann vielleicht kein Mondgras mehr und geben keine Mondmilch mehr, weshalb der mürrisch die Mugge rührende Mann im Mond seine Frühstücksgewohnheiten ändert und den Kaffee pechschwarz trinkt - vielleicht sorgt aber die Milchstraße für etwas Latte im Macchiato.


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  • Mitten im Sommerloch ging der Mond auf. Verfinsterter MondUnd er sah aus, wie eine EU-normgerechte 5 Watt-Energiesparleuchte im Hinterhofklo eines der billigeren Economy-Hotels. Oder ein LED-Lampion bei schwankender Stromzufuhr. "Er" ließ sich überhaupt Zeit mit dem "Leuchten", nachdem die "Glutofen" oder wahlweise "Backofen"-Hitze kaum nachgelassen und der Erlebnisbeschleuniger längst heißgelaufen war. Oder soll man sagen, "sie" bzw. die Mondin? "Blutmond", wie die Blindzeitung titelte, ist doch sowieso eher die Domäne der Frauen, die sich, so  hieß es einst, in feministischen Zykluszirkeln monatsweise treffen - den Fachausdruck dafür müsste man doch eigentlich mit "monaten" übersetzen, als Verb gemeint, ich monate, du monatest und so weiter. Eclipsen-ProlapseIch erkläre deshalb auch gern geduldig, dass Mondfinsternis gar kein so seltenes (die letzte Finsternis des 21. Jahrhunderts!) Phänomen ist, wie uns die Sensationwissenschaftler glauben machen wollen. Dass der Mond in den Schatten der Erde tritt, kommt in Wahrheit doch allmonatlich vor, die Totalfinsternis ist jeweils bei Neumond erreicht, wird aber nur selten mit bloßem Auge erkannt, weil - Finsternis, halt, wie in dem bekannten Gedicht, wo der Wagen mit den stehend sitzenden Leuten blitzesschnelle langsam um die Ecke kurvt. Aber bitte, die weibliche bessere Hälfte der Menschheit will was erleben, nicht nur im TV, sondern live vor Ort und so weiter, gestern wanderten wir also gegen halb zehn in einen der umliegenden Parks, auf eine weniger von Hundebesitzern frequentierte Wiese, vor dem Niederlassen aber alles gut mit Lämpchen ableuchten, mit einem Panorama-Rundblick wie nur die Fliege in der Suppenterrine ihn hat, und bis halb elf dumm auf der Picknickdecke herumgewälzt, mit Fledermäusen, Nachtfaltern und tückischen Mücken gebalgt, die das spezielle Autan-Deodorant offenbar lecker fanden (marinierter Braten, schön blutig, aber die Haut muss kross sein, denken die Mücken beim Bestellen).Der Mond schon etwas höher gestiegen Um uns herum lauter Erwachsene, Kinder, und auf den Gehstock gestützte Greise, die sich den "seltenen Schauspielbefehl" (Wolfgang Neuss) nicht hatten entgehen lassen wollen, einer hatte sogar eine Drohne dabei, die er über der Wiese steigen ließ, um nachher beim Betrachten des Films den Stinkefinger zu sehen, den ich der Überwachungskamera zeigte. Schade, dass "die Manöverbeobachter nicht jedesmal voll getroffen werden" (Wolfgang Neuss), aber es muss einen nicht wundern. Ende der FinsternisJedenfalls hatten die meisten weniger Geduld, kaum war der Mond nach gefühlten anderthalb Stunden über dem Waldrand zu sehen, da dribbelte der Knabe nebenan wieder mit seinem bleichen runden Ball, und alle hielten die Fotoapparate und Handys hoch, vergaßen aber den Blitz auszustellen (ob die Bilder nachher was geworden sind?), was die Finsternis wieder vertrieb, denn diese herrscht bekanntlich dort, "wo das Licht mangelt" (Goethe). Meine Liebste wollte den Mond nicht blutrot finden, sondern mit einem Honigtopf vergleichen, ich dachte eher an diese sehr bittere Orangenmarmelade, deren Rest immer noch im Glas klebt und langsam nachdunkelt. Irgendwie tat mir der Himmelskörper leid, er konnte das Schauspiel nicht bieten, was man eigentlich vom Vollmond erwartet, erst als wir heimkehrten, stahl sich so langsam das Sonnenlicht von links her wieder auf seine Oberfläche, und falls der Mond nicht doch aus grünem Käse ist, wird er froh sein, morgen abend wieder leuchten zu dürfen.


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  • Wunderkerze im KüchenbalkonkastenEigentlich konnte ich den Geldsegen gar nicht brauchen, der mein Konto am Tag vor Jahresschluss zum Platzen brachte - steuer- bzw. vorsorgemaßnahmen-technisch wäre es ein paar Tage später willkommener gewesen, weil ich 2017 zuwenig ausgegeben und "zuviel" verdient, aber 2018 voraussichtlich weitgehend Ebbe in der Kasse habe. Ich muss nämlich in jedem Kalenderjahr ein gewisses Minimum verdienen, kann das aber nicht in "Vortrag" nehmen, wie der Fiskalbeamte sich ausdrückt. Angedroht war mir die Einnahme im Sommer, als die erste Tantiemenzahlung der VG Wort eintraf, auch schon ganz nett, aber wer glaubt schon noch an das Wunder des Eintreffens von Versprechungen? Bierflasche auf ParkbankDie Autoren-GEMA hat noch eine Nachzahlung ergehen lassen, ansehnlich sogar. und wir konnten zu Sylvester ausnahmsweise mal den Champagner aus den Hirnschalen darbender Verleger trinken (statt wie sonst umgekehrt, was Arno Schmidt Ernst Rowohlt vorhielt). Die bekamen nämlich bisher einen Löwenanteil von den Lämmern, ihren Autoren, geschenkt. Die Urhebertantiemen-Verwertungsgesellschaft darf nunmehr, nach einem von einem Querulanten erstrittenen BGH-Urteil, kein Geld mehr an die Verleger auszahlen, da sie nun mal keine Urheber sind. Das Geld, das sie durch Bücherverkäufe einnehmen, muss ja erstmal durch Ausdenken und Niederschreiben der Bücher, Texte usw. usf. erwirtschaftet werden. Komischerweise stehen wir Autoren am Anfang der literarischen Wertschöpfungskette, aber ganz am Ende der Verdienstskala, und das, wovon so mancher in seiner blühenden Jugend produktive Autor jenseits der Pensionsgrenze leben muss, - während nicht selten die "großen Verlegergestalten" einen Prachtbau nach dem anderen in die Innenstädte setzen, von ihren Villen (Rowohlt!) auf Sylt ganz abgesehen - kannst du in einem ganz kleinen Portemonnaie aufbewahren, wenn's nicht längst aufgezehrt ist. Und während des Verlegers Erben oder Enkel sich ein flottes Leben machen und ihren Kindern und deren Enkeln die Villen vererben, kriegen Enkelkinder der Kinder der Autoren - NICHTS, denn das Urheberrecht, das jene erwirtschaftet haben, erlischt 70 Jahre nach ihrem Ableben (hähä, weg ist weg!). Im Gegensatz zu allem anderen Eigentum auf Erden wird das der Dichter und Autoren "gemeinfrei". Die 1948 gestorbenen sind so viele nicht, da zuvor die anständigeren ihrer berühmteren Kollegen im Krieg krepiert, im Exil verhungert oder im KZ ermordet worden waren. Na, Schwamm drüber, ich habe mich jedenfalls nicht überreden lassen, einen Revers zu unterschreiben, der die Hälfte meiner mickerigen VG Wort-Einnahmen Verlegern überlässt, von denen ich keinen kenne. Die, für die ich arbeitete, haben genug an mir verdient und mich mit Peanuts-Honoraren abgespeist, wenn sie nicht ganz aufs Zahlen verzichteten oder von mir Druckkostenzuschüsse oder die Abnahme der halben Auflage verlangten. Ein Verleger zahlte mich mit symbolischen Beträgen, zu denen ich Bücher aus seinem Sortiment entnehmen durfte, aber keine Freiexemplare meines eigenen Werks, und schon gar keine aktuellen Sachen aus dem laufenden Verlagsprogramm, nur jahrealte Hündchen.

    RheinschiffWie auch immer, kurz nach Weihnachten hatte ich einen Traum, bei dem ich an einer Tagung teilnahm. wo ich nicht referieren musste. Sie fand mehr oder minder im Freien und in eine Art Stuhlkreis statt. Stuhl, haha, ihr ahnt, worauf es hinausläuft! Da suchte ich verzweifelt nach einer Toilette und die stand tatsächlich auch im Freien, ohne Häuschen drumherum, allen einsehbar, die am Colloquium teilnahmen. Das Klopapier war auch seltsam, so eine Art transparentes Knisterpapier, das man in riesigen Vierecken abreissen musste.  War mir das peinlich, vor aller Augen auf dem Lokus zu sitzen! und ich hatte dermaßen lange an dem Geschäft zu tun - nicht wg. Verstopfung infolge Käsefondue, das nicht, sondern es war einfach die schiere Masse des von mir Ausgedrückten - dass ich die Pause überdehnte und das Vortragsprogramm ohne mich weiterging. Das war natürlich noch peinlicher, weil die anderen Referent-/innen gewahr wurden, dass mir die körpereigene Peristaltik ein dringenderes Anliegen war als die Würdigung ihrer wissenschaftlichen Leistungen. Ich sah schon die vorwurfsvollen Mienen und - erwachte. Nun sind sich ja von Artemidoros bis S. Freud alle Traumdeuter einig, wenn man im Traum - äh - mit Exkrementen zu tun hat, bedeutet das, es sei in nächster Zeit reicher Geldsegen zu erwarten. Graffito in Überlingen, August 2918Zumal ich den Traum in den "Rauhnächten" hatte, was meine Lebensabschnittsliebste für besonders traumverwirklichungskräftig hielt. Aber wie erkläre ich mir den Traum von heute nacht, 2. auf 3. Januar? Ich hatte irgendeine Krankheit, eine Lähmung, konnte das Bein nicht bewegen und lag in einem Krankenzimmer, in einer (mir fremden) Wohnung, glaube ich, darnieder, da kam eine junge Frau und gab mir Kleingeld, das sie aus Mitleid für mich gesammelt hatte. Ich war erst irritiert, freute mich aber, schließlich habe ich keine Krankenhaustagegeld-Versicherung (zwanzig Jahre lang nie Gebrauch davon gemacht und nahm eine Beitragserhöhung zum Anlaß, sie zu kündigen). Dann besah ich die Münzen, ein paar Groschen und zwei Zwei-Euro-Stücke, das eine kam aus Frankreich, es zeigte eine Guillotine und Olympe de Gouges auf der Verso-Seite! Das andere war eine deutsche Münze, mit einem "Ernst von Wied", das soll ein äußerlich ziemlich beleibter Refomator gewesen sein, der an seinem Schreibtisch sitzend mit Federkiel und so weiter gezeigt wurde. Ich erzählte dann der jungen Frau, wer Olympe de Gouges war, die sei (so glaubte ich im Traum) eine ziemlich radikale Jakobinerin gewesen, dann aber selber auf dem Schaffott gestorben - diesen Herrn von Wied aber kennte ich nicht. Traumdeuter, aufgepasst! Was ist davon zu halten? Erst träume ich so, dass ich mir Hoffnung auf Reibach machen kann, und muss dann leider vier, fünf Tage später das Gegenteil träumen und - deshalb serviert mir dieses neue Jahr noch jede Menge Sch...???


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  • Schaedel Buehenbild der Oper Köln rotNicht vergessen, liebe Leute: heut Nacht gilt es, pünktlich und obrigkeitsbeflissen um Zwölf p. m. den Kalender umzustellen, und zwar von der 2017 auf eine glatte 2018. So ist's nun mal vorgeschrieben in der EU und hat, obwohl es anfangs sehr umstritten war ("elf Tage soll eher in Himmel kummen / wer neuen Kalender hat angenummen", spottete Friedrich von Logau), viel Segen bescheert seit der letzten Kalenderreform! Urinal in KoelnWir waren nun auch noch etwas in Köln unterwegs, um die Vorbereitungen zu den Bahnhofs-und-Umgebungs-Bacchanalien anzusehen. Berlin, naja, die haben eine Frauen-Schutzzone eingerichtet, wo sich die armen Ausgegrenzten eingepfercht allein einander erfreuen müssen; Köln war wieder schneller und hat die mobile Schutzzone in Form freilaufender Armbändchen erfunden. Die werden an Ratsuchende vom Ordnungspersonal verteilt, heißt es. Auf den Plastikdingern, unter denen man so schwitzt und die mich irgendwie an den Spindschlüssel beim Saunagang erinnern, steht das Wort "Respect!" und zwar in so bunten Lettern, dass man auf den ersten Blick glauben möchte, da steht "Aufgepasst!" Und wahrlich, jetzt weiß Mann endlich, wer als Frau Respekt heischt und verdient, böse Mädchen ohne solche Bändel kommen überall hin. Oder ist es umgekehrt? Egal, die Schlampen sind sowieso immer die anderen, isn't it? War da nicht mal was beim Betriebsausflug dieser Versicherung, "Ärger direkt", wo die mit den weißen Bändchen für den Vorstand reserviert waren? HohenzollernbalkonSowas merkt Mann sich. Noch besser sind die "Comics", die Verhaltensregeln bildlich versinnlichen sollen, z B. "Feuerwerkskörper nicht auf Menschen abschießen", da sieht man mitten in der Explosion - BOOOM! - eine Blondine im Stil von diesem PUrinal-Männereingangopkünstler Lichtenstein, sieht irgendwie nachahmenswsert aus. Richtig geil ist das Bild, das Betreffende davor warnen soll, Betroffene anzugrabbeln, die "NO!" sagen - witzig nur, der Kerl vor ihr hat ja trotz de NO-Sprechblase schon zugegriffen, und so bebildert der "Comic" eigentlich nur für Analphabeten den Normalzustand, einen Wink zum Bessermachen, eine Warnung oder Aufklärung kann ich in diesen Emblemen nicht erkennen. Dafür hat sich die Stadt das tröpfelnde Urinal von innenMännerhauptproblem was kosten lassen, und schicke neue Urinale aufgestellt. Tschüß Dixieklo, ab jetzt sind das metallic-würfelförmige, wahrscheinlich transportable Komfort-Schutzräume mit kostenlosem Eingang für Männer. Frauen müssen hingegen 50 Cent einwerfenVorsicht an der Waterkant, um sie zu benutzen, auch wenn sie nur mal ihr Baby wickeln wollen. Da ist die gute alte Ungleichberechtigung wenigstens wieder hergestellt. Mit 50 Cent ist frau auch vor Schusswaffen-Gebrauch sicher hinter der Panzertür, hoffe ich. An der Hohenzollernbrücke, von der DB vornehm "Donnerbalken", äh, "Hohenzollernbalkon" genannt, waren schon mindestens zwei solche Kästen, und da versammeln sich heute abend die Menschenmassen und dürfen nicht auf die 25-Millionen-teuren Terrassenstufen des "Rheinboulevards" (Reinigungskosten 860.000 EUR im Jahr, wird auf die Mieter bzw. Steuerzahler umgelegt) , weil sie da ins Wasser fallen könnten bzw. im Terrorattackenfall kein Fluchtweg bleibt als der nasse Vater Rhein. Die Hoherzollfällig-Brücke bietet nicht nur schöne Aussicht auf das Funkenböllerfeuerwerk, sondern ist auch der Ort der berühmten Liebesschlösser. Die hat man auch in List auf Sylt, wo es aber an Anschlussmöglichkeiten fehlt, weshalb am Fährhafen nach Rømø eine extra Liebesschlössertafel angeboten wird. Allzu viele Paare hat es noch nicht dorthin gezogen, aber wer seine Studentenliebe in Dänemark verloren hat, so wie einst ich, wird sich mit dem Gedanken anfreunden, hier ein paar Hassssschlösser anzuschmieden (wie sollten die aussehen... hm... schwarz vielleicht, so böse Fahrad-Kettengliederschlösser?). Von der Hohenzollernbrücke ging es in wenig Liebe bisher auf Syltdie Oper, wo wir zum Jahresausklang eine Aufführung der Carmina burana von Orff hörten, drei Chöre! darunter eine wenig eingesetzte, aber niedliche Kinderschar aus dem Kölner Domchor. Flieg mit deinem Drachen davonDa grüßte mich wieder ein Kristallschädel, der - von Damien Hurst inspiriert - aus dem Bühnenbild der Oper Cellini von Berlioz stammt. Man hat ihn neben der Garderobe stehen lassen, und seit neuestem wird er mit wechselnder Farb-Lichtorgel, die auch das Bühnenbild der Carmina burana beorgelte, von innen beleuchtet. Und was soll ich sagen, beim Spaziergang heute begegnet mir noch so ein Schädel, und zwar direkt über mir im Himmelsgrau! Es war, wie sich dann herausstellte, ein Flugdrache, aber nicht mit aufgemaltem Totenschädel, sondern so eine Art Außerirdischer mit Schlotterbeinen dran, die abwechselnd die Leine haltenden Kinder waren recht begeistert davon.Formular für gute Vorsätze zum Ausfüllen Und auf dem Heimweg fanden wir ausgerechnet am Zigarettenautomaten eine Aufforderung, seine guten Vorsätze hinzuschreiben - und natürlich keinen Filzstift oder Kuli dabei! In diesem Sinne aber kann jeder mal über den Text der Fortuna nachdenken, der die Carmina burana eröffnet und schließt.Drache in der Luft Spricht das nun für oder gegen gute, mittelgute oder schlechte Vorsätze? Ich nehme mir diesmal ganz fest vor, alles zu nehmen, wie's kommt, und we wish our readers a very happy new year!

    O Fortuna / velut Luna /statu variabilis, /semper crescis aut decrescis; /vita detestabilis /nunc obdurat et
    tunc curat /ludo mentis aciem, /egestatem, potestatem /dissolvit ut glaciem. /
     
    Schicksal, wie der Mond dort oben,
    so veränderlich bist Du,
    wächst Du immer oder schwindest!
    Schmählich ist das Leben hier!
    Erst misshandelt, dann verwöhnt es
    spielerisch den schwachen Sinn.
    Dürftigkeit, Grossmächtigkeiten,
    schmilzet es, als wär‘s nur Eis.

    Schicksal, ungeschlacht und eitel,
    bist ein immer rollend Rad:

    schlimm Dein Wesen, Glück als Wahn bloss,
    fortbestehend im Zergehn!
    Überschattet und verschleiert
    überkommst Du gar auch mich.
    Durch Dein Spiel mit schierer Bosheit
     trag ich meinen Buckel nackt.
     
    Sors salutis et virtutis
    mihi nunc contraria
    est affectus et defectus
    semper in angaria.
    Hac in hora sine mora
    corde pulsum tangite;
    quod per sortem sternit fortem,
    mecum omnes plangite!
     
    Wohlergehen, rechter Wandel
    sind zuwider mir zurzeit.
    Wie mein Will’, so meine Schwäche
    Finden sich in Sklaverei.
    Drum zur Stunde ohne Säumen
    greifet in die Saiten Ihr!

    Dass das Schicksal auch den Starken

    hinstreckt: das beklagt mit mir!

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  • Heute war ich's end-gül-tig-leid. Schon das dritte Jahr in Folge (seit ein gewisser neuer Nachbar hier wohnt, der nach Auch Kunst: Wohncontainer in Münchenunserem Eindruck per Mietwagen vorwegend nachts 3.00-4.00 ausreisewillige Senioren zum Flughafen kutschiert) liegt pünktlich Ende Oktober ein Kürbis auf der Treppe, ein stinknormaler Hokkaido in schreiendem Orange mit so Glubsch-Augen, Grinsemund, aus dem eine Rolling-Stones-Schleckzunge ragt, so Kleber auf den Kunst-Containernein stilisiertes Comic-Antlitz halt, und d. h., wenn wir unsere Parterrewohnung verlassen, liegt das auf der soundsovielten Stufe etwa in Augenhöhe und glotzt mich an. Bisher hab ich mir damit beholfen, die Fratze gleich zur Seite oder ganz umzudrehen und so blieb es meist wochenlang liegen. Da an gleicher Stelle mit meiner höchstnachbarlichen Genehmigung ein Kinderwagen parkt (nur ganz ausnahmsweise zwei bis drei plus Kinderrad, meinetwegen,Graffito-Portrait auf einem Container aber die werden nach dem Kindergeburtstag wieder weggeräumt), hatten wir die evtl. überhumorigen Eltern in Verdacht, die wie alle andern hier im Haus (außer uns) Jahreskreis-Kränze außen an die Wohnungstür hängen, und zur Weihnachtszeit den Balkon mit Leuchtsternen, LED-Engel und Glühbirnenrehen schmücken. Oder war es der neue Nachbar, der solches Zeug am Flughafen umsonst kriegt? Der stellt auch seltsame Vorräte auf die Schrankwand vor seiner Eingangstür ab, gammelige Äpfel oder ganze Paletten von Süßkram, die vielleicht vom Lufttransporter gefallen sind. Schön und guFlaschencontainer in Reih und Gliedt, das sehen wir nicht, wir haben nicht mal eine Mesusah an der Tür, obwohl ich auf dem (bisherigen) Höhepunkt des Mobbings schon mit dem Gedanen gepielt habe - warum nicht so ein Stück Thorarolle n der Glasphiole und jedesmal bei Aus und Eingang an den Großen Mietvertrag mit dem Allerwertesten erinnern? - aber das Gerümpel der anderen sehen wir normalerweise nicht, da wir das Treppenhaus nur hinaufgehen, wenn Wäsche aufzuhängen ist, nach gehabten Erlebnissen machen wir das nie ohne Zeugen d. h. zu zweit. Wir sehen also nur ein- bis zweimal im Monat, wie das Möbellager auf den Treppenabsätzen immer wuchtiger und vielfältiger wird, die eine hat neben Riesenschirmständer nun auch noch eine hoteltypische Schuhputzmaschine (macht Frau Kr. jetzt Kohle mit air-bnb???) , andere lassen die Schweißmauken gleich draußen vor der Tür rumliegen, wieder andere zimmern eigene Schuhschränke dafür und seit die Mülltonnen nicht mehr am Haus sind, sondern 50 Schritte Supermarkt-Kunst in Ingolstadtweiter auf so einem eingezäunten Müllplatz,Gratiszeitungs-Kasten für Kunst-Infoblätter lassen mehrere dieser Prolls auch lose eingetüteten Stinkemüll auf den Treppenabsätzen stehen, um sie erst bei nächster Gelegenheit (wenn der Bierkasten leer ist?) mit runterzunehmen. Das sehen wir alles nicht, jedenfalls nicht täglich, und Santa Claus' Lampenladen bleibt uns auch erspart, weil you can't have your cake and eat ist, genauer gesagt, you don't see the front of the house if your're in. Nur der verdammte Kürbis nervt allmählich, der liegt, wenn keiner was unternimmt, bis ans Ende aller Zeiten da herum, und die Mutti von den Eltern-Nachbarn hat versichert, der Kürbis sei nicht von ihnen, jedenfalls so ähnlich, wörtlich hat sie eigentlich mehr oder minder gesagt, der könne so lange da liegenbleiben oder sie würde ihn erst entfernen, wenn er schimmlig und faul ist. Schwer zu deuten, diese Äußerung. Ist er von Frau Kr., die sich bei der Elternmutti vergebens einschleimen will, oder von den Prolls mit den Schweißmauken? Gleichviel, heute früh, als ich meinerseits den Müll raustrug (wir bewahren ihn konventionellerweise in der Wohnung auf, in einem traditionell dafür vorgesehenen Müll-Eimer, mit Deckel, und stellen ihn nicht bis zum Flilegenmadennausschlupftermin in offenen Plastiktüten vor die Tür) habe ich mich denn entschlossen, den Kürbis kurzerhand ebenfalls zu entsorgen. Die Tür zum drahtzaun-geschützten Mülltonnenplatz aufgeschlossen - die sechs, sieben Container sind gesicherter als Ceuna, das spanische Guantanamó an der Küste Marokkos -, und plumps, landete das Grinsegesicht dort, wo es schon seit Allerheiligen hingehört. "Halloween" oder wie man das jetzt nennt ist meines geringen Erachtens nur eine Nacht lang, danach kehrt, und zwar spätestens am Morgen danach, Ruhe vor Gespenstern ein, oder?


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  • Was sehen wir hier links? Briefkasten mit und ohneGut, es handelt sich um Briefkästen. Und rechts? ganz recht, ein VSchild des Anstoßeserbotsschild, ziemlich neu sogar (5. August), und erhebliches Aufsehen erregend in diesem Viertel. In den Briefkästen steckt der sog. Wochenspiegel, eine Gratiszeitung, der kein Mensch hier in der Stadt ausweichen kann, egal wie weit draußen man wohnt: Jeden Mittwoch lagert sie sich neu an wie Kalk an der Wasserleitung, die findigen Boten legen sie zu Dutzenden entweder als Stapel oder in Gummis gerollt vor der Tür ab oder stecken sie in sämtliche auffindbaren Schlitze, egal ob da ein Name dran steht oder das Haus längst abgerissen ist und nur noch die Briefkastenleiste steht. Die sind froh, das Geschlepp los zu werden, und der hierorts herumlaufende Zeitungsmigrant setzt sich mit seiner Kiepe manchmal zum Ausruhen auf den Stein, an den, was er nicht wissen kann, mir aber ständig vor Augen geführt wird, praktisch jeder Hund des Viertels zum Pinkeln oder Schlimmerem geführt wird (einer erklärte mir mal, er müsse seinen Hund Gras fressen lassen, damit er besser kotzen könne!). Der Stein liegt nur einen Steinwurf von unserer Terrasse. Ich gönne dem newsboy das Ausruhen, auch dass er ein Übermaß Zeitungskrempel manchmal vor die Hoftür legt. Worauf ich die Zeitungen ins Haus schleppe und den Gummi kassiere, Flitschgummi kann man immer mal brauchen. Öfter aber liegt das Blatt vor der Tür oder sie steckt direkt im Briefkasten. Wie hier! Dann hat sich meistens schon Frau Kratz*  *(Name von der Red. geändert) gekümmert, die mit dem Briefkasten aus der Lücke zwischen den oberen und unteren Exemplaren, und die sah ich gestern morgen auch mit Hund - den sie aber nicht auf die Wiese ließ, das sei zugegeben - hier herumstromern. Und die steckt die Zeitung in alle Briefkästen? Ja, in alle, außer in unseren. Auf dem Beispielbild hat sie und eine andere Nachbarin ihre Exemplare schon reingeholt. Die ärgerte sich mit Sicherheit über das Schild und wir sind schuld, denn sie "bestraft" uns (nicht erst jetzt) damit, dass wir KEINEN Wochenspiegel in den Kasten gesteckt kriegen. Ätsch, da haben wir's. Das werden wir uns wohl hinter die Ohren schreiben. Wir haben eins der beiden untersten Fächer, die man im Bild nicht mit diesem herausragenden Qualitäts-Medium bestückt sieht. Das unterste hat keinen Namen, vermutlich gab es die Briefkastenleiste nur mit gerader Stückzahl? Nicht, daß wir dieses Presseerzeugnis sehr vermissen würden, das vornehmlich über Spendenaktionen der Kreissparkasse (da werden immer diese auf Plakatgröße dimensionierten Schecks an Partei-Funktionäre aus diesem oder jemen sozialpolitischen Brennpunkt überreicht), Sonderverkäufe aus Versicherungsschäden und Eröffnungen von Kitas und Krebsstationen berichtet, und das ansonsten bunte Werbebeilagen von Möbelhäusern, Billigheimer-Baumärkten und Discountern mit reihum wechselnden Grill-, Weltmeisterschafts-, Frankreich-, Asien- oder Mexiko-Wochen enthält.kein Croissant Wir haben allerdings auch keinen Anti-Kleber auf dem Kasten, wie ich ihn mal bei Berner Freunden gesehen habe ("Lieber Briefträger, wir möchten bitte keinen Berner Bär!").Nachbar kommt Wechselgeld Ist das Gratisblatt mal in unseren Händen, gucke ich gern nach der Rubrik "Kölsch für Anfänger" oder nach den Veranstaltungsterminen, wo immer derselbe Viertelsdichter oder Bluessänger in irgendwelchen historischen Bürgertreffs aufspielt. Gern sehe ich mir auch die Vorher-Nachher-Bilder in der Werbung für Schlankheitsmittel oder anonyme Diätgruppen an. Aber wenn ich keinen Wochenspiegel kriege, les ich was anderes, ich hab noch ein paar Bücher und eine "echte" Zeitung haben wir auch abonniert. Trotzdem: Dass die hier mit mir unter einem Dach Wohnenden uns den Informationsvorsprung über das neue Sonderangebot im QUALLDI oder SCHNIEDL missgönnen, gibt mir zu denken. Die Gratiszeitung kommt immer mittwochs, das Foto ist von gestern. Heute aber, Donnerstag, passierte etwas Wunderbares. Von einem Einkauf gegen 10.30 heimkehrend, bog ich um die Kurve und sah den Nachbar Dutz* *(Name von der Red. geändert), der mir schon mal die aufgesperrte Tür zuschlägt, wenn ich was aus dem Auto zu laden habe, in sein eigenes Auto steigen. Hätte er auch die Tür aufgesperrt, wäre es nun ein leichtes gewesen, mich zu rächen, aber darauf hatte ich schon mal großzügig verzichtet. Jetzt aber sah er mich nicht und ich komme in den Eingang. Wen sehe ich da vor unserem BrBuergersteig vor dem Hausiefkasten hantieren? Frau Dutz, Nachbar kommt Wechselgelddie Schrulle, die, weil das Paar weit oben wohnt, letzter Stock vor dem Dachgeschoß, sich zu ihrem Briefkasten so weit unten gar nicht bücken müsste. Ja, geht's noch? Aus unserem Kasten ragte wie so oft eine dicke Büchersendung. Ich denk' schon, schnappt der lange Finger jetzt zu? bricht der Kulturfimmel aus, will die was zu lesen haben? Ich könnte es ihr ausborgen, aber sagen wir mal so - äh, die Leutchen hier in der Gegend vertiefen sich, wenn überhaupt alphabetisiert, eher in die Gratiszeitung und ins Boulevard-Kloblatt. Da beobachte ich noch im Näherkommen, wie sie an dem Umschlag ruckelt, ihn aber durchaus nicht rauszuziehen versucht, sondern etwas in den Kasten hinein praktizieren will, was wegen der Büchersendung nicht mehr passt, und zwar ein beschriebenes Kärtchen (ein Brieflein? mein Gott, kriege ich ein persönliches Billetdoux von einer über 80-jährigen Großmutter, Ehegespons des schmuddeligen Kettenrauchers vom 3. Stock?), und wie sie mich erst bemerkt, als ich direkt davor stehe und erkennen muss, es ist, leider! kein Liebesbrief, sondern eine dieser Visitenkärtchen, die Schrottmeister und Autohehler an die Windschutzscheiben herumstehender PKWs klemmen, mag sein dass was von Reparatur darauf stand, egal, schon trete ich näher und sage, in zuckersüßem Dummdeutsch (also keineswegs barsch mit irgendwelchen Kraftausdrücken, oder die Krawallschachtel bei den Ohrwascheln fassend und in den humanoiden aufrechten Gang zerrend, was der Situation wohl angemessener gewesen wäre): "Ja, was haben denn Sie da an unserem Briefkasten zu suchen?" Sie fährt halb zusammen, hat aber die Hand immer noch an der Klappe und das Billet in derselben, ich: "Das nehmen Sie aber schön wieder mit, klar?" sie darauf. "Jaja, ich wollte ja auch nur, äh, falls Sie mal eine Reparatur brauchen..." Hatte ich schon erwähnt, dass die Gestörten hierorts immer wieder ganz große Schlaumeier sind, mit den schärfsten und schlagfertigsten Ausreden? Jedenfalls zog sie ab mit ihrem Zeddel, den Männe mutmaßlich am Auto vorgefunden und sie nochmal losgeschickt hatte, ihn bei uns im Kasten zu entsorgen, und ich rief nur noch kopfschüttelnd, "gut, dass ich das mal gesehen habe!" hinterher, während ich mich ins Haus einließ - und aus war die lustspielreife Szene. Päng! Was geht in deren Schädeln bloß vor? Erst machen sie mir die Türsperrung los, dann müllen sie mir den Briefkasten zu (hatte ich nicht vorige Woche schon mal so eine Karte im Kasten?), und der Grund ist einzig und allein das Schild oben rechts. Darüber hat sich Drecksack Dutz schon geäußert, am Samstag vor einer Woche (am Vortag waren die 2 Schilder aufgestellt worden, je links und rechts von der Wiese, wir sehen sie gottlob nur von hinten), und als meine Liebste vom Markt kam, und ihn mit anderen Eckenstehern herumtratschen sah, mäkelte er überlaut, dass sie's hören sollte, über den "SCHILDERWALD", den wir jetzt hier hätten. Die Dutzends latschten nämlich gern über die Wiese, ohne Leine am Hund, auch gern mal mit Taschenlampe um zu gucken, was auf unserem Balkon so los ist, und machen auch den Dreck nicht weg, den Hundi dort hinterlässt. Natürlich dauerte es einen Tag, bis die erste Hundepisse in meinem Beisein auf der Wiese landete, zwei junge Damen waren's, "Können Sie das Schild nicht lesen?" usw. usw. - und das Schild steht jetzt keine vierzehn Tage, und wir finden täglich denselben Scheiß in verschiedenen Aggregatzuständen. Die Dutzends halten den Hund nicht selbst, der kommt nur zu Besuch, ich hab andere aus dem Viertel im Verdacht und werfe das Ergebnis ihrer Produktivität täglich auf den Bürgersteig. Es ist schon vorgekommen, dass in meiner Abwesenheit (oder nachts?) jemand die langsam trocknenden Hundeköttel zurück auf die Wiese befördert. Ich werf sie wieder zurück, lege mir vielleicht dafür einen Golfschläger zu. Auf der Wiese macht das niemand weg, Schreiben an die Hauswirtin mit und ohne Fristsetzung blieben ergebnislos, ich schickte Fotos und musste mir anhören, die hätte ich im Stadtpark aufgenommen usw. Man wartet lieber ab, bis es mal wieder regnet und die Wiese sich samt angesammelter Scheiße in eine braune Kloake verwandelt. Ich soll, so die Hauswirtin, in flagranti Hundehalter beim Koten der Hunde fotografieren, am besten so, dass man die Halter erkennt und das, was der Hund grade auf der Wiese anrichtet, identifizieren kann. Wir haben ein oder zwei zwar solche Fotos, aber ganz leicht ist die Aufgabe nicht, und ich kann ja auch nicht Tag und Nacht auf der Lauer liegen. Im Prinzip aber erachte ich dieses Hauswirtsschreiben als Genehmigung zum Betrieb einer Überwachungskamera, ohne die das wohl nicht geht. Wenigstens haben wir , wenn Zeit dazu war, den vorgefundenen Kot abgelichtet. Bei der Etagennachbarin, wo sich der Kot ebenfalls ballt, ohne dass es sie zu stören scheint, wurden entsprechende Kackwürste in unmittelbarer Nähe des Schildes lokalisiert.Eichhörner Andererseits habe ich unwillentlich schon belauscht, wie sich dieselbe Nachbarin Blaumeise im Abendrotlauthals über Kot auf dem Bürgersteig beklagte, vermutlich mit Hinweis auf mich,- mir ist er dort lieber, denn da macht ihn irgendwann die Stadtreinigung weg, hier auf der Wiese passiert nichts außer nach dem nächsten Starkregen die Verwandlung unseres unmittelbaren Wohnumfelds in eine feuchte Jauchegrube. Der Etagennachbarin ist es "wurscht" wie die Fotos oben zeigen. Mein Eindruck verfestigt sich, dass wir unter Sozialgeschädigten leben, die ihren Lebensstil, ihre Beklopptheit, das Pantschen im eigenen Scheißdreck und die generelle Nickeligkeit beim zwischenmenschlichen Umgang ausleben müssen, koste was wolle, und zwar an mir und meiner Lebensgefährtin, weil wir anders sind. Eines Tages schmieren sie uns Zeichen an die Roll-Läden und versammeln sich mit Äxten vor der Terrasse, obwohl, das wäre ja offen und ehrlich, eher stechen sie Autoreifen auf. PS: meine Mitwohnerin hier will, dass ich, damit kein falscher Eindruck entsteht, schreibe, wie schön es hier ist, dass die Wohnung günstig liegt, nach hinten raus richtig schön, künstlerisch eingerichtet, mit erlesener Bibliothek ausgestattet, Grün ganz in der Nähe und auf dem Balkon Eichhörnchen und Vögel am Meisenhaus, und das ist die Hauptsache!


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  • Heute im Radio hat so ein Handball-Typ, wahrscheinlich der Teammanager der siegreichen deutschen EM-Mannschaft, eine echte philosophische Zweifelsfrage angerissen. "Das Spiel war vom Konzept her gestern schon fertig", meinte er, "es hätte gar nicht gespielt werden müssen." Das finde ich sehr überlegenswert. Sie hätten es ganz bleiben lassen oder auch Kopfball spielen können, die tollen Jungs. Hat nicht schon Lessing das in Emilia Galotti diskutiert? Ob Raffael der größte Maler gewesen wäre, auch wenn er keine Hände gehabt hätte?

    Heute überfiel mich aus heiterem Himmel die Frage, woher diese Gedichtzeilen stammen: "Soff mich aus und schlief ein / den schsmilesmile Sch^^frown von mir ieek Mouch / ...", mir fällt absolut nicht mehr ein, welcher Dichter der sog. '"Neuen Subjektivität" das gesagt haben soll, aber ich seh es noch vor mir, das Büchlein, es war ein ziemlich läppisches Taschenbuch (Heyne-Lyrik?), wenn ich mich recht entsinne, und der Autor ist dem Literaturbetrieb auch irgendwie abhanden gekommen, indem er in die Werbebranche wechselte oder sonstwohin, also, wenn jemand das Gedicht kennt (klingt etwas unappetitlich, würg), möge sich melden. Und ich sage Bescheid, wenn mir der Autor doch noch einfällt. Vage kommt es mir so vor, als hätte der Titel irgendeinen Klassikernamen intus (vielleicht war das aber auch nur ein anderes Gedicht in dem Band), weshalb ich auf "In Gauguins alten Basketballschuhen" von Jörg Burkard kam, das kann aber auch eine Fehlmeldung sein, "Diderots Katze" von Michael Krüger ist es jedenfalls nicht, das hab ich grade überprüft. Nachher war es doch Rolf Haufs, oder aus Ralf Thenior, Traurige Hurras (Goldmann-Verlag)? Verdammt, man soll nie Bücher verleihen und schon gar keine aussortieren, was hier wahrscheinlich mal passiert ist, weil der Autor nichts mehr von sich hören ließ und dann auch nicht soooo ein Genie war, wie ich mal glaubte, die Sachen waren allerdings gefällig genug.

    Von meinen Nachbarn gibt es auch neues. Längere Zeit ist die hier wohnende Bekloppte nicht mehr mit dem Hund auf der Wiese erschienen, und zwar wohl seit ich mich nacht auf die Terrasse stelle zum "Zugucken" - davon fühle sie sich bedroht, schrie sie ein paarmal und verwickelte auch andere Periöken in diesen Diskurs, ich solle da verschwinden, oder wenigstens Licht annachen. Wahrscheinlich ist sie mit dem Ansinnen, mich vom Betreten der Terrasse nach 22.00 abzuhalten, zur Hauswirtin gerannt und die hat VIELLEICHT einsichtig machen können, dass sie die Quälerei mit dem Köter vor der Terrasse besser sein lässt. Immerhin sagt die Hausordnung was über Fernhalten der Hunde von den Grünflächen. Dafür haben sich neue Idioten gefunden. Seit ein, zwei Monaten liegt ein schrottreifes, beidrädrig plattes und von einer zentimeterdicken Schmutzschicht bedecktes Rad in dem Teil des Kellers, in dem alle Vormieter-Generationen, auch Gelähmte und Tote, ihre Räder hinterlassen haben, während die drei bis vier, die mitunter auch noch fahren mit den Dingern, kaum noch Platz haben. Der- oder diejenige, die das Schrottradda abgeladen haben, zogen es schon mal zurück, um es einige Zeit später wieder einzustellen, sie haben aber auch frech unsere 2 Räder abgerückt von der Wand und den Schrott dahintergestellt. Dummerweise haben wir aber hier eine halbtägige Konferenz mit den Oberidioten im Haus gehabt und genau DAS ausgemacht, dass wir die Räder da an die Wand stellen, während die anderen (die niemals Rad fahren) auf der "pole position" direkt vor der Tür bestanden. So haben wir also nicht gewettet! Ich verbiß mir den Ekel und räumte das Schmutzrad uunter großer Überwindung beiseite und legte seitdem beide Räder, meines und das meiner Lebensabschnittsgefährtin, in Ketten. Das nutzte aber offenbar nichts, denn letzten Freitag hat doch derselbe Schmutzfink unsere VERSCHLOSSENEN Räder wegbewegt, und wieder seinen Schrott an die Stelle gesetzt, wo vorher unsere standen (mit dreckigen Fingern, denn der vorher staubbedeckte Sattel ist schon sauber vom vielen Anfassen). Folge ist, unsere Räder stehen dann in der Mitte und blockieren den Weg in den Heizkeller. Ich halte es für kriminell, halben Diebstahl, ein verschlossenes Rad mir nichts, dir nichts vom Standort wegzustellen und diesen selber zu beanspruchen. Jetzt bin ich mit meiner Verkettung einen Schritt weitergegangen, habe den Schrott wieder entfernt und "irgendwo" hingeworfen, wer will das Schmutzteil lange anfassen, und mit dem Drahtschloß unsere Räder fest an einen alten Fensterrahmen vertäut, so daß sie untereinander, aber auch mehr oder minder fest an die Wand gekettet sind.

    Warum bin ich nochmal hierher gezogen? ach ja. "Alles modern Patente, was doch sehr was anderes als Schönheit ist, ist mir von jeher unausstehlich oder mindestens sehr langweilig gewesen, während alles Krumme und Schiefe, alles Schmustrige, alles grotesk Durcheinandergeworfene von Juend auf einen großen Reiz auf mich ausgeübt hat. Nur keine linealen Korrektheiten, nur nichts Symmetrisches oder Blankpoliertes, oder gar Anti-Macassars.* Ich habe eine grenzenlose Verachtung gegen das, was man so landläufig 'hübsch' nennt und eine womöglich nöch größere gegen 'sogenannten Komfort', der jedesmal der höchste Diskomfort ist, den es giebt." Heißt Ihr Nachbar vielleicht Theodor Fontane?

    *laut Wikipedia sind das Schondeckchen auf Sessel-Lehnflächen, helfen gegen Flecken von Makassar-Haaröl.


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  • In den letzten Stunden des Jahres vertiefte ich mich in den Klever Heimat-Kalender auf das Jahr 2016, der mir von freundlicher Seite liebevoll zugeeignet wurde, und las etwas vom Wal Moby Dick, der einst 1966 den Rhein herunterschwamm und den ich als damals Elfjähriger zwar nicht gesehen habe, aber von dessen Anwesenheit allgemein Kenntnis genoKarpfen aus Mannheimmmen wurde in dem kleinen Rheinort vor den Toren des sündigen Köln, in dem ich aufgewachsen bin. Später begegnete er mir wieder, als ich in meiner Funktion als Lektor eines großen Publikumsverlages die Autobiographie des Dr. Wolfgang Gewalt betreute und noch einmal die Schlagzeilen der BILD vor mir sah: "Jagen Sie Dr. Gewalt!". In dem klever Beitrag ist auch von "Nachstellungen" die Rede, weil besagter Dr. Gewalt versuchte, den Wal zur Einquartierung im Duisburger Zoo zu überreden, er hat wohl auch mehrere Jacobitas eingefangen, die dort jetzt für jauchzende Kindergruppen bei der Fütterung durch den Ring springen und andere Faxen machen müssen, sich aber offenbar ganz wohl dort fühlen, jedenfalls nicht aussterben, was in den Weltmeeren von heute nicht so selten vorkommt wie die Wale. Dr. Gewalt verkörperte so eine Art Indiana Jones, der letzte Zoodirektor, der seine Ausstellungsstücke selber erjagt, die Niederländer hatten das Einfangen durch ein Verbot verhindert. Angeblich war ein Baggerloch am Grund des Rheins sein angenehmerer Aufenthalt, weil es dort weniger schmutzig und etwas kälter war. Letztlich weiß kein Mensch, wo der Wal abgeblieben ist, Feuerwerk 2016, Detailzuletzt war er unterwegs nach Süden gesichtet, vielleicht hat ihn ein Düsseldorfer Sushi-Restaurant heimlich aufgekauft, womöglich hat er er die Stromschnellen von Schaffhausen mit der geheimen Lachs-Technik übersprungen und lebt im Bodensee weiter? Bevor ich das Buch zuklappen konnte - das Käsefondue war natürlich längst mit Riesling und einem Kirschschnaps verinnerlicht -, ging hierorts wie fast überall (außer in Belgien, wo private Feuerwerke genehmigungspflichtig sind, weshalb ich mich einmal in besseren Zeiten an Sylvester gern in einem Bauernhaus in den Ardennen aufgehalten habe mit einem Liedermacherfreund und seiner Freundin) die Knallerei los. Die hatten so eine Raketenstation auf der Kreuzung nach vorn raus aufgestellt, wo einst meine Frau im Kfz vom Proll-Nachbarn angequatscht wurde, der sich wichtig tat mit der Vorfahrt, "manche würden das jetzt ausnutzen", heute jedoch nicht - als wenn sein sonstiges Hobby sei, Unfälle zu provozieren, bei denen er in dieser auf max. 30 km/h begrenzten Spielstraßenzone mit gezieltem Gasgeben von rechts drauffährt. Die Sache ist Jahre her, wir waren eben erst eingezogen, und ihr fiel das Straßenkreuzung Raketenstationan Heiligabend wieder ein, als sich derselbe Nachbar zum "Zeugen" erbot, falls eine Hundekack-Verteilerin vor unserer Terrasse mich wegen Beleidigung anzeigen wolle. Derselbe Typ hat ja auch einen völlig verquasten Streitzettel ins Treppenhaus geschmiert, der noch immer da hängt, hab vorhin nochmal eine Aufnahme gemacht (zu Dokumentationszwecken, falls das mal vors Gericht geht). Direkt vor unserer Terrasse war in der Sylvesternacht nichts los, jedenfalls auch keine Hundehalter unterwegs, denn den lieben Vierbeinern ist es dann doch zu ungemütlich draußen. Am Morgen danach begrüßte die Amsel das neue Jahr, die mir viel Spaß gemacht hat. Die Mitgeschöpfe hier sind nettere Nachbarn als alle zusammen. Wir hatten hier wie immer nur Wunderkerzen und das Lied "Nehmt Abschied, Brüder..." und das Bleigießen-Spiel, wobei manches danebenging und im Wasserbad zu Splittern und Klümpchen verspritzte - "Tränen des Vaterlandes", vermuAmsel, nach rechts guckendte ich mal - aber insgesamt kristallisierte sich eine Angel Amsel, nach links guckendheraus, die laut mitgelieferter Gebrauchsanweisung "Schau in die Zukunft" für meine Lieblingsabschnittsgefährin "Pack das Glück" bedeuten sollte, während bei mir eine Art Schaufel herauskam (dafür gab es mal wieder keinen Deutungsvorschlag, typisch), die aber bei ausgenüchterter Betrachtung am anderen Morgen auch als ein Entenfuß gedeutet werden könnte (das ist nicht ohne, denn es könnte auch der Fuß von Dagobert Duck sein, der beim Bad im Geldspeicher sicher keine Galoschen trug). Die Symbole waren also ganz nett, und wenn ich ehrlich bin, hat mich auch nicht die Amsel als erste begrüßt, sondern zwei Halsbandsittiche, die vergebens auf den neuen Futterplatz losgingen: das alte Häuschen hatten sie mit der Zeit kaputtgehackt und es war gammelig geworden, den neuen Plastikzylinder können die Meisen plündern, ohne von den grünen Riesenkollegen dabei gestört zu werden


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  • Heiligabend war bei mir nicht der Erzengel vor der Terrasse, auch kein Hirt auf dem Felde, eher sein Hund (Abbildung ähnlich), und gegen 22.30 Uhr eine Hundehirtin, und die brachte mir wenig frohe Botschaft. Ich ertappte sie, als sie sich mit einer Taschenlampe über die Wiese beugte und herumblinkte. "Was machen Sie da? was haben Sie da zu suchen? Einbruchdiebstahl, was? runter von der Wiese", rief ich, und schmückte meine Anrede mit wenig erbaulichen Beiwörtern, "nehmen Sie den Hund da weg!" Sie, während sie weiter leuchtete und festere Teile entdeckte, die sie in eine grüne Tüte schob, richtete sich plötzlich auf, hechtete unversehens auf die Terrassenbrüstung zu und wollte mich packen, ich bot ihr darauf an, Knecht Rupprecht zu holen, damit er - Knüppel aus dem Sack! - seines Amtes walte (entsprechende Geste). "Dann hole ich jetzt die Polizei", keifte sie zurückweichend, aber auf meine Ermutigung, per Handy anzurufen, ich bliebe hier, bis die Polizei kommt, tat sie nicht desgleichen, sondern setzte ein furchteinflößenderes Argument nach: "Meine Freundin ist bei der Kripo!" - Inzwischen mischten sich die eher subproletarischen Nachbarn vom obersten Stock ein, brüllten, es sei "Heiligabend". Mir war nicht klar, was damit gemeint war, sollte das grMein Weihnachten: Hirtenhunde auf dem Feldeüne Säckchen unter den Baum gelegt werden? Tatsächlich warf die einigermaßen junge Dame ihre Tüte auf die Wiese, nahm sie aber nach einigem Besinnen (Freundin bei der Kripo?) doch an sich und wandte sich zum Gehen, drehte sich immer wieder um und schimpfte ihrerseits weiter. Wes Geistes Kind die Nachbarn oben sind, wurde aber doch deutlich, als es nach einigem Hin und Her von oben tönte: "er hat sie beleidigt, zeigen Sie ihn an, wir sind Ihre Zeugen!" - "Sie brauchen keine Zeugen, ich bestreite nichts. Sagen Sie Ihrer Freundin, ich hätte gesagt, daß...", folgten weitere Kraftwörter, die ich mit "Fröhliche Scheißnachten" beschloß. Beruhigend ist, dass es Heiligabend war, wenn dir da jemand einen Scheißhaufen vor die Terrasse setzt, darfst du reden, wie dir der Schnabel gewachsen ist (aber nicht Beamte im Dienst beschimpfen), das freie Wort schützt der diesfalls nur zu berechtigte Affekt gegen die Störer des Festfriedens, das versteht jeder Richter, es gibt entsprechende Grundsatzurteile. Es kam gar keine Kripo...


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