• noch mehr Postskripti der Unterschriftstellerinnen

    kommt alle in massenWas man nicht in 400 Worten sagen kann (so wortreich ist die Erklärung der 28 EMMA-Verschworenen, nimmt man die Worte "Sehr", "geehrter", "Herr" und "Bundeskanzler" raus), muss man halt in 4000 Worten sagen, in breitester Öffentlichkeit verteilt in facebook-Einträge, Kommentarspalten, Telefoninterviews, Talkshowgelaber und Erklärungserklärungen. "War die Ware nicht recht gut / geb' ich gerne etwas zu, / damit, was die Güte nicht, / letztlich doch die Menge tu'" - aus dem Gedächtnis zitiert nach August von Platen. Oder auch: "Getretener Quark wird breit, nicht stark", Johann Wolfgang von Goethe.

    Hier eine Zusammenstellung, gesammelte O-Töne der "Intellektuellen" (Zola, bitt' für uns!)  aus den Tagen nach dem Aufruf, ohne beim Zusammenlesen viel hinzugucken und ohne Bezahlschranken zu durchbrechen:

    Edgar Selge, einarmiger TV-Kommissar und neuerdings Romanautor, meint:

    "Wir müssen die Ukrainer eher dazu bringen, [dazu bringen, soso, P. L.] sich zu fragen, wie viele Menschen sie in diesem Verteidigungskampf noch opfern wollen. Sie können diesen Krieg gegen Putin nicht gewinnen... Man darf kein Motiv liefern für so einen verbrecherischen 'Erstschlag'."

    fuckoffHarald Welzer, professoraler Soziologe, meint:

    "Die schlechtere Variante wäre eine Entgrenzung dieses Krieges, also das Ausgreifen auf andere Nationen. Dann hat man den dritten Weltkrieg. [Loriot hätte gesagt: ach was! P. L.] Das dritte Szenario wäre der Atomkrieg, den wir alle nicht kennen. Wir wissen nur, dass er die Zivilisation, wie wir sie kannten, nicht unbeschädigt lassen würde."

    Alice Schwarzer, Prozessberichterstatterin der Bildzeitung (Kachelmann!), meint:

    "Als ich dann Dienstag voriger Woche das Zitat des russischen Außenministers las, dass eine nukleare Eskalation sehr real wäre, ist mir doch der Schreck in die Glieder gefahren."

    "Ich bedauere, dass Selenskyj nicht aufhört zu provozieren", gab sie über dpa bekannt: "Ich würde mir doch ein bisschen nuanciertere Töne auch aus der Ukraine wünschen", sagte Schwarzer. Wenn man die offizielle Politik des Präsidenten "zum Teil fragwürdig" fände, bedeute das aber nicht, dass man nicht mit dem Land fühle oder die Opfer ignoriere, "ganz im Gegenteil", sagte Schwarzer.

    Ranga Yogischwar, der so eine Forschungssendung macht, in der er mal vehemt für KKW-Ausbau plädierte:

    "Die Einschätzung einer möglichen nuklearen Eskalation und die Frage wie wir damit umgehen. Hier kann niemand von uns mit Gewissheit sagen, was wirklich passieren wird, denn diese Entscheidung liegt nicht bei uns. Für mich ist das Risiko sehr ernst und die Gefahr eines Flächenbrandes groß... Ich glaube jedenfalls nicht an ein 'natürliches' Ende und bin überzeugt, dass am Ende Verhandlungen und ein Friedensabkommen stehen werden. Je früher also diese Option mit Nachdruck von allen Parteien gefordert wird, je schneller das Ende der Zerstörung."noch mehr Postskripti der Unterschriftstellerinnen

    Svenja Flaßpöhler, die mit dem so eindringlichen wie furchteinflössenden Blick, meint:

    "Noch vor einigen Tagen war es Linie der Bundesregierung, keine schweren Waffen zu liefern, weil man keine atomare Eskalation riskieren wollte. Auch dieses Tabu ist jetzt gefallen. Annalena Baerbock ist sich nicht sicher, ob der Weg, der damit beschritten wurde, der richtige ist."

    Dieter Nuhr, Mediencomedian, meint:

    "Weiterhin kursieren Agggressionen, Abwertungen und Verdrehungen wegen des offenen Briefes. Die Reaktion vieler Journalisten lässt sich nur dadurch erklären, dass sowohl der Brief als auch die inzwischen zahlreichen Äußerungen der Unterzeichner offensichtlich nicht gelesen oder verstanden wurden. Anders sind die zu einem nicht geringen Teil nur noch als verwirrt zu bezeichnenden Unterstellungen nicht zu erklären…"

    Komisch, Gerhart Polt ist nicht mit seinen Stellungnahmen verlinkt auf EMMA, dabei hat er ein FAZ-Interview gegeben. Und Katja Lange-Müller, von der ich gar nicht mitgekriegt hatte, dass sie den Wisch auch unterschrieben hat, hörte ich im Radio, es tät ihr nachträglich leid, weil sie doch so viele Leute aus dem Baltikum kenne - die tauchte bei EMMA gar nicht auf? Vielleicht schon gelöscht, bevor die Sache publiziert war? Zurückziehen geht doch auch leise. Eine gewisse Einsicht kann man ihr nicht absprechen, wenn sie folgendes zum Besten gibt

    "Vor allem stört mich der Ton, der immer wieder die Musik macht. Dass man quasi den Ball der Ukraine zuspielt. Man kann schlussfolgern - obwohl das da nicht drinsteht -, [doch, steht wohl drin, P. L.] dass sich die Ukraine doch lieber von einigen ihrer Ansprüche trennen soll. Es ist ja klar, dass diesen Krieg niemand gewinnen kann. Der Tonfall: 'Denkt jetzt auch mal an uns, wir sind schließlich auch gefährdet' - das steht uns so nicht zu. ... Der dritte Weltkrieg wird mit jedem Tag wahrscheinlicher, und wir beharken den Bundeskanzler und einander mit rechthaberischen Meinungen darüber, ob Deutschland schwere Waffen liefern soll oder nicht."

    petit la Russie aber meint: Der erste Eindruck bestätigt sich, an meinem Fazitnoch mehr Postskripti der Unterschriftstellerinnen muss ich nichts ändern: Kern der Aussage, "ich bin klein, mein Herz ist rein, zieh mich bloß nicht in Kriege hinein", das pazifistische Eiapopeia im Rundgesang angestimmt (oder bist du etwa für den Krieg? Hä??), es bleibt bei der Mahnung an die Ukraine: die sollen die weiße Fahne schwenken und eine putin-finanzierte Diktatur der Warlords à la Syrien und Weißrussland akzeptieren. Unsre hiesigen Intellektuellen helfen ihnen bei der Abrüstung, z. B. Upcyclen der Bundeswehrhelme zu Suppenschüsseln. Und wo dummerweise schon Massengräber entdeckt worden sind, kommen Gedenkstätten und Mahnmale "gegen Krieg und Gewaltherrschaft" hin. Wenn Ukrainisch nicht mehr Amtssprache ist, braucht man auch keinen Schulunterricht in dieser Sprache. Wer keine Ruhe gibt und immer noch Widerstand leisten will, wird wahlweise zusammengeknüppelt oder als Schuldiger am Atomkrieg vorgeführt. Damit entfällt hierzulande jegliche moralische Gewissensnot, unser Vorgarten blebt nuklear unbedroht, Gut und Böse trennt dann die west-östliche Demarkationslinie - einst Mauer genannt. Greift Putin noch von Transnistrien aus Moldau ab, oder Baltikum, oder Finnland, sei's drum, Polen und Ungarn sind jetzt schon "kommode Diktaturen" (Grass), Bulgarien kann ohne Russenöl nicht leben und Rumänien hat bei Putin die Brennstäbe für die KKWs bestellt, und wir Deutsche, wir machen es uns vor dem Stacheldraht wieder gemütlich, wie einst im Mai, und können Wandel durch Handel durch Annäherung treiben, - so schön, so schön war die Zeit - so schön, schön war die Zeit...


  • Commentaires

    1
    Dimanche 8 Mai à 21:20

    https://www.youtube.com/watch?v=M5fm9xa2k7A

    Ein Antwortbrief bzw. Briefantwort von Sarah Bosetti.

    2
    Lundi 9 Mai à 08:39

    Relax and enjoy - in einem Handbuch für US-Soldatinnen soll das zum Thema Vergewaltigung stehen, für den Fall, dass keine Gegenwehr mehr hilft. Aber "ungarischer Botschafter"? In dem ZIB-Gespräch mit der österr. Ex-Außenministerin hab ich mit eigenen Ohren gehört, wie A.S. den "UNO-Generalsekretär Stoltenberg" zitierte. Moderatorin und Exministerin guckten sich an, in ihren Gesichtern gemalt: das dürfen wir der nicht mehr antun, die vor die Kamera zerren.

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