• Die abgebildete Postkarten-Collage (anders kann man es nicht nennen, denn mit dem ursprünglichen Bildmotiv hat es nicht viel zu tun) bekam ich heute ausgehändigt, allerdings nicht porto franco, sondern gegen Einzahlung einer passablen Gebühr.Allegorie an der alten Hamburger Post Merkwürdigerweise ist auf dem "Benachrichtungslabel" (spricht man läibäll aus, nicht wie "Labello") der Betrag nicht wie einst als Nach-, Straf-, oder wie-auch-immer-Porto, sondern als "Zollentgelt" bezeichnet. Und ich dachte, Zollentgelte seien mit der Gründung des deutschen Zollvereins 1834 und der Vereinigten Staaten von Europa abgeschafft worden!Postkartencollage Ich hätte die Zustellung natürlich ablehnen können, in einem Fall, wo ein etwas bescheuerter Verwandter mir eine Postkarte ganz ohne Porto sandte, wurde ich vor die Wahl gestellt. Diemal war ich nicht zuhause und bekam eine Benachrichtigung. Natürlich braucht man da nicht hinzugehen, dann wird vermutlich das Zustellungsgut nach irgendwelchen Absender-Indizien untersucht und anschließend, wenn man keinen Absender findet, geschreddert. - Da ich aber ahnte, dass diese Postkarte von zarter Hand (eben genau der unten links) in den Briefkasten (Abbildung ähnlich) geworfen worden war, ließ ich mich nicht lumpen und gab der Schalterbeamtin, was der Schalterbeamtin zusteht und erfreute mich der Lektüre einer wohlvertrauten Handschrift. Die Absenderin ist übrigens begeisterte Postcrosserin, und hat eine eigene Webseite für die öffentliche Abbildung. Stempel auf der TextseiteIch crosse zwar nicht Post, aber schon weil mir das Postwertzeichen so gut gefällt, wollte ich das Belegstück für meine wachsende Sammlung von Freundesautographen haben und es soll hier teil-veröffentlicht werden - der Zusteller wird schon kein Copyright für seine Zutaten verlangen! Also schön, die Marke war "veraltet", aus einer längst aufgegebenen Serie bedeutender Frauen der deutschen Geschichte, und die Angabe 80 bezieht sich auf Pfennig und nicht Cent. Das darf nicht sein: Diese Marken sind seit 1.7.2002 ungültig, las ich vor einiger Zeit. Es gibt in der Sprachregelung der Post AG auch "Verdorbene" Briefmarken, das sind solche, die versehentlich nicht gestempelt wurden. Neulich dankte mir jemand per e-Mail für einen Brief... und darin führte dieser Jemand u. a. aus, Briefe "mit der Hand" und von solcher Länge!!! schreiben, nein, das ginge nicht mehr. Schade eigentlich, ich möchte meine Feinmotorik noch eine Weile in dieser alten Technik schulen, bevor ich nur noch über Displays wische. Demnächst soll man ja alle möglichen Funktionen im Auto beim Fahren mit so einer Wischbewegung auslösen, und wenn erst das "autonome" Autofahren kommt, freu ich mich schon auf das autonome Einparken! Schon als es noch die autonomen Jugendzentren gab, hab ich mich immer gefragt, was demnächst noch alles autonom genannt wird. Bis dato ist der Autofahrer ja das unfreieste Wesen der Welt, geradezu verknechtet! Eben erst wurde ein Gesetz beschlossen, das ihm demnächst die Benutzung eines Tablet-PCs während der Fahrt verbietet. In meiner Jugend wurde merkwürdigerweise nie darüber nachgedacht, dem Autofahrer das Schreibmaschineschreiben während der Fahrt zu verbieten. Einen Brummi-Fahrer aus Tschechien haben sie mal erwischt, der las während der Fahrt Bücher und hatte ein eigenes Regal unterm Steuerrad.aus Illustrierten recycelter umschlag Ich hab auch das nie gemacht, es ging nicht so richtig. Denkmal für Heinrich von StephanVorgelesen, als Beifahrer der Fahrerin am Steuer, das schon... Ich konnte allerdings früher mal freihändig Radfahren und dabei Gitarre spielen, das ging auf längeren ampelfreien Radwegestrecken ganz gut. Gitarrespielen soll übrigens auch gut sein, um der Verknorpelung der Fingergelenke entgegenzuwirken, genauso wie mit der Hand schreiben. Das denken wohl auch diejenigen, die die obige Postkarte außer mir in der Hand hatten und der maschinellen Beförderung in letzter Sekunde entzogen haben. Ich liebe ja Bearbeitungsspuren und kaufe mir im Antiquariat nicht ungern Bücher mit Anstreichungen, Kommentaren, Exlibris und Co. Historiker sind dankbar, wenn Briefe mit Umschlag aufbewahrt werden, schon weil man das Datum am Beispiel des Stempels überprüfen kann, im Januar setzen die Briefschreiber gern die falsche Jahreszahl... Und hier? Gelb heißt anhalten - vor dem ReinwerfenErstmal wurde die Ansichtskarte (eigentlich gemein, wieso überhaupt, wenn die Marke eh nicht anerkannt ist?) ziemlich unvollständig und wie mir scheint, mit der Hand gestempelt, da steht was von Briefzentrum und 16. 11., aber mehr ist nicht zu erkennen. Reichen die vielen Portoerhöhungen der letzten Jahre nicht mal aus für nasse Stempelkissen? Oder war der Stempel schon "abgenudelt" (Fachausdruck aus dem Bleisatzgewerbe)? Das untere Rund des Stempels hat meinen Nachnamen voll eingekreist, könnte auch eine Art Sympathie-Magie sein, will ich hier nicht abbilden - bei Faust auf der Türschwelle muss ja der Drudenfuß an einer Stelle offenbleiben, damit der Kernpudel rein- aber nicht wieder rauskann. Dann hat noch jemand mit starkem Edding die Ziffern G 2 und 28. zugesetzt, dazwischen einen Winkel, der verdächtig nach Galgen aussieht. Briefkasten in der LandschaftUnd schließlich wurde die Briefmarke von einem blauen Buntstift links eingerahmt (das Kleberlein mit dem komischen Vogelgesicht links daneben nicht, das war vermutlich unstrittig und ich hätte mich beschweren können, wenn das moniert würde), und daneben schrieb dieselbe Hand die nunmehr fällige Summe auf, nämlich 115 (Cent oder dann doch Pfennige? ich hätte noch genug, glaube ich... und der Kupferanteil ist höher) eingetragen. Wie die auf die Summe kommen, ist mir auch ein Rätsel, das sind ziemlich genau 70 Cent mehr als eine Postkarte mit Centmarke kostet. Und diese Einnahme verbucht die Post AG als "Zollentgelt"? Wenn ich mir vorstelle, wie viele Leute schon mal falsche Marken aufkleben, da kommen sicher stattliche Summen zusammen. Kann es sein, dass da eine gigantische Einnahmenverschiebung in Richtung Steuerfreiheit abläuft, nach Art der cum-cum-Geschäfte u. a. der Deutschen Bank und diverser Landesbanken...? Wundern würde es mich nicht, wo wir Steuerbürger jetzt die illegal von Auslandsinvestoren aus unserem Staatshaushalt abgezogenen Umsatz- bzw. Kapitalertragssteuererstattungen aus eigener Tasche zahlen müssen, statt das Geld von den Banken zurückzuverlangen.


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  • Unverwandtes Starren in Gebetbücher hat verschärfte Heiligkeit zur Folge, möchte man nach Betrachtung mittelalterlicher Altarbilder meinen. Und die neuzeitlichen Smartphones, Tabletoids und wie sie immer heißen mögen, haben ja auch noch den schönen Effekt, das Gesicht von unten geheimnisvoll zu beleuchten. Dass man in sozialen Netzwerken zu Flashmobs einlädt, hat sich auch schon bis zu mir herumgesprochen (kein Handy bzw nur ein uraltes, allenfalls sims-fähiges vom Tschüboh). Aber die Hartnäckigkeit der Demonstranten, die sich an der Köbrücke versammeln, hat mich dann doch erstaunt. Neulich führte mich mein Weg durch die Landeshauptstadt, und zwar gegen 18.-00 oder 19.00 bei strömendem Regen hin und um 22.30 in Regen & Finsternis zurück zu dem weiträumig außerhalb der Parkraumbewirtschaftungszone abgestellten Fahrzeug. Und der Clou, als ich an der Königsallee ankam, hatte die Demo, so mein Eindruck, schon vor längerer Zeit angefangen, wenn auch die Leute etwas ziellos herumlungerten statt, wie man von Friedensfreunden und Rettet-die-Welt-Enthusiasten erwartet, Sprechchöre zu skandieren und Transparente zu schwenken. Die standen da mehr oder minder unbeaufsichtigt in der Gegend rum und simsten in ihre Phones. Was mich aber für sie einnahm, war die Tatsache, dass sie bei dem Schweinewetter wirklich dem Aufruf gefolgt waren und nicht, wie ich sonst, wenn eine Demo ins Nasse zu kippen droht, daheimgeblieben waren. Aber wer beschreibt mein Erstaunen, als ich bei erneutem Passieren der Stelle auf dem Rückweg dieselbe Demo noch immer in den Anfängen sah. Es hatten sich zwar augenscheinlich größere Grüppchen zusammengefunden, die allerdings auch nur wieder offenbar vergleichend auf ihre Displays glotzten. Inzwischen war es Nacht, und es regnete wirklich Bindfäden, ich hatte keine Zeit - eilte ins Trockene meines Wagens - und es war nicht genug Licht, um auch davon noch ein Foto zu machen. Inzwischen schlenderten viel mehr Leute da herum als vorher, alle geneigten Hauptes die Handys umkammernd... Und da endlich dämmerte mir allmählich, dass es sich um Pokémonjäger handelte. Sogar ein Dixieklo hatte man ihnen aufgestellt und eigens die Köbrücke für den sonstigen Straßenverkehr gesperrt. Immerhin ist Düsseldorf ja die europäische Japan-Vertretung, Mitsubishi, Takenakla, Marubeni, alle möglichen Konzerne sind hier vertreten, und so viel ich weiß haben die Japaner nach komplizierten geognostischen Feng Shui-Untersuchungen diesen Standort gewählt. Da kann man dem so viel ich weiß japanisch inspirierten Pokémonfimmel schon aus Gründen der guten japanisch-deutschen Beziehung keinen Einhalt gebieten, nur weil in der City eine Kö-Brücke zum Spielort wird.

    Nomèkop auf der Kö


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  • Was sehen wir hier links? Briefkasten mit und ohneGut, es handelt sich um Briefkästen. Und rechts? ganz recht, ein VSchild des Anstoßeserbotsschild, ziemlich neu sogar (5. August), und erhebliches Aufsehen erregend in diesem Viertel. In den Briefkästen steckt der sog. Wochenspiegel, eine Gratiszeitung, der kein Mensch hier in der Stadt ausweichen kann, egal wie weit draußen man wohnt: Jeden Mittwoch lagert sie sich neu an wie Kalk an der Wasserleitung, die findigen Boten legen sie zu Dutzenden entweder als Stapel oder in Gummis gerollt vor der Tür ab oder stecken sie in sämtliche auffindbaren Schlitze, egal ob da ein Name dran steht oder das Haus längst abgerissen ist und nur noch die Briefkastenleiste steht. Die sind froh, das Geschlepp los zu werden, und der hierorts herumlaufende Zeitungsmigrant setzt sich mit seiner Kiepe manchmal zum Ausruhen auf den Stein, an den, was er nicht wissen kann, mir aber ständig vor Augen geführt wird, praktisch jeder Hund des Viertels zum Pinkeln oder Schlimmerem geführt wird (einer erklärte mir mal, er müsse seinen Hund Gras fressen lassen, damit er besser kotzen könne!). Der Stein liegt nur einen Steinwurf von unserer Terrasse. Ich gönne dem newsboy das Ausruhen, auch dass er ein Übermaß Zeitungskrempel manchmal vor die Hoftür legt. Worauf ich die Zeitungen ins Haus schleppe und den Gummi kassiere, Flitschgummi kann man immer mal brauchen. Öfter aber liegt das Blatt vor der Tür oder sie steckt direkt im Briefkasten. Wie hier! Dann hat sich meistens schon Frau Kratz*  *(Name von der Red. geändert) gekümmert, die mit dem Briefkasten aus der Lücke zwischen den oberen und unteren Exemplaren, und die sah ich gestern morgen auch mit Hund - den sie aber nicht auf die Wiese ließ, das sei zugegeben - hier herumstromern. Und die steckt die Zeitung in alle Briefkästen? Ja, in alle, außer in unseren. Auf dem Beispielbild hat sie und eine andere Nachbarin ihre Exemplare schon reingeholt. Die ärgerte sich mit Sicherheit über das Schild und wir sind schuld, denn sie "bestraft" uns (nicht erst jetzt) damit, dass wir KEINEN Wochenspiegel in den Kasten gesteckt kriegen. Ätsch, da haben wir's. Das werden wir uns wohl hinter die Ohren schreiben. Wir haben eins der beiden untersten Fächer, die man im Bild nicht mit diesem herausragenden Qualitäts-Medium bestückt sieht. Das unterste hat keinen Namen, vermutlich gab es die Briefkastenleiste nur mit gerader Stückzahl? Nicht, daß wir dieses Presseerzeugnis sehr vermissen würden, das vornehmlich über Spendenaktionen der Kreissparkasse (da werden immer diese auf Plakatgröße dimensionierten Schecks an Partei-Funktionäre aus diesem oder jemen sozialpolitischen Brennpunkt überreicht), Sonderverkäufe aus Versicherungsschäden und Eröffnungen von Kitas und Krebsstationen berichtet, und das ansonsten bunte Werbebeilagen von Möbelhäusern, Billigheimer-Baumärkten und Discountern mit reihum wechselnden Grill-, Weltmeisterschafts-, Frankreich-, Asien- oder Mexiko-Wochen enthält.kein Croissant Wir haben allerdings auch keinen Anti-Kleber auf dem Kasten, wie ich ihn mal bei Berner Freunden gesehen habe ("Lieber Briefträger, wir möchten bitte keinen Berner Bär!").Nachbar kommt Wechselgeld Ist das Gratisblatt mal in unseren Händen, gucke ich gern nach der Rubrik "Kölsch für Anfänger" oder nach den Veranstaltungsterminen, wo immer derselbe Viertelsdichter oder Bluessänger in irgendwelchen historischen Bürgertreffs aufspielt. Gern sehe ich mir auch die Vorher-Nachher-Bilder in der Werbung für Schlankheitsmittel oder anonyme Diätgruppen an. Aber wenn ich keinen Wochenspiegel kriege, les ich was anderes, ich hab noch ein paar Bücher und eine "echte" Zeitung haben wir auch abonniert. Trotzdem: Dass die hier mit mir unter einem Dach Wohnenden uns den Informationsvorsprung über das neue Sonderangebot im QUALLDI oder SCHNIEDL missgönnen, gibt mir zu denken. Die Gratiszeitung kommt immer mittwochs, das Foto ist von gestern. Heute aber, Donnerstag, passierte etwas Wunderbares. Von einem Einkauf gegen 10.30 heimkehrend, bog ich um die Kurve und sah den Nachbar Dutz* *(Name von der Red. geändert), der mir schon mal die aufgesperrte Tür zuschlägt, wenn ich was aus dem Auto zu laden habe, in sein eigenes Auto steigen. Hätte er auch die Tür aufgesperrt, wäre es nun ein leichtes gewesen, mich zu rächen, aber darauf hatte ich schon mal großzügig verzichtet. Jetzt aber sah er mich nicht und ich komme in den Eingang. Wen sehe ich da vor unserem BrBuergersteig vor dem Hausiefkasten hantieren? Frau Dutz, Nachbar kommt Wechselgelddie Schrulle, die, weil das Paar weit oben wohnt, letzter Stock vor dem Dachgeschoß, sich zu ihrem Briefkasten so weit unten gar nicht bücken müsste. Ja, geht's noch? Aus unserem Kasten ragte wie so oft eine dicke Büchersendung. Ich denk' schon, schnappt der lange Finger jetzt zu? bricht der Kulturfimmel aus, will die was zu lesen haben? Ich könnte es ihr ausborgen, aber sagen wir mal so - äh, die Leutchen hier in der Gegend vertiefen sich, wenn überhaupt alphabetisiert, eher in die Gratiszeitung und ins Boulevard-Kloblatt. Da beobachte ich noch im Näherkommen, wie sie an dem Umschlag ruckelt, ihn aber durchaus nicht rauszuziehen versucht, sondern etwas in den Kasten hinein praktizieren will, was wegen der Büchersendung nicht mehr passt, und zwar ein beschriebenes Kärtchen (ein Brieflein? mein Gott, kriege ich ein persönliches Billetdoux von einer über 80-jährigen Großmutter, Ehegespons des schmuddeligen Kettenrauchers vom 3. Stock?), und wie sie mich erst bemerkt, als ich direkt davor stehe und erkennen muss, es ist, leider! kein Liebesbrief, sondern eine dieser Visitenkärtchen, die Schrottmeister und Autohehler an die Windschutzscheiben herumstehender PKWs klemmen, mag sein dass was von Reparatur darauf stand, egal, schon trete ich näher und sage, in zuckersüßem Dummdeutsch (also keineswegs barsch mit irgendwelchen Kraftausdrücken, oder die Krawallschachtel bei den Ohrwascheln fassend und in den humanoiden aufrechten Gang zerrend, was der Situation wohl angemessener gewesen wäre): "Ja, was haben denn Sie da an unserem Briefkasten zu suchen?" Sie fährt halb zusammen, hat aber die Hand immer noch an der Klappe und das Billet in derselben, ich: "Das nehmen Sie aber schön wieder mit, klar?" sie darauf. "Jaja, ich wollte ja auch nur, äh, falls Sie mal eine Reparatur brauchen..." Hatte ich schon erwähnt, dass die Gestörten hierorts immer wieder ganz große Schlaumeier sind, mit den schärfsten und schlagfertigsten Ausreden? Jedenfalls zog sie ab mit ihrem Zeddel, den Männe mutmaßlich am Auto vorgefunden und sie nochmal losgeschickt hatte, ihn bei uns im Kasten zu entsorgen, und ich rief nur noch kopfschüttelnd, "gut, dass ich das mal gesehen habe!" hinterher, während ich mich ins Haus einließ - und aus war die lustspielreife Szene. Päng! Was geht in deren Schädeln bloß vor? Erst machen sie mir die Türsperrung los, dann müllen sie mir den Briefkasten zu (hatte ich nicht vorige Woche schon mal so eine Karte im Kasten?), und der Grund ist einzig und allein das Schild oben rechts. Darüber hat sich Drecksack Dutz schon geäußert, am Samstag vor einer Woche (am Vortag waren die 2 Schilder aufgestellt worden, je links und rechts von der Wiese, wir sehen sie gottlob nur von hinten), und als meine Liebste vom Markt kam, und ihn mit anderen Eckenstehern herumtratschen sah, mäkelte er überlaut, dass sie's hören sollte, über den "SCHILDERWALD", den wir jetzt hier hätten. Die Dutzends latschten nämlich gern über die Wiese, ohne Leine am Hund, auch gern mal mit Taschenlampe um zu gucken, was auf unserem Balkon so los ist, und machen auch den Dreck nicht weg, den Hundi dort hinterlässt. Natürlich dauerte es einen Tag, bis die erste Hundepisse in meinem Beisein auf der Wiese landete, zwei junge Damen waren's, "Können Sie das Schild nicht lesen?" usw. usw. - und das Schild steht jetzt keine vierzehn Tage, und wir finden täglich denselben Scheiß in verschiedenen Aggregatzuständen. Die Dutzends halten den Hund nicht selbst, der kommt nur zu Besuch, ich hab andere aus dem Viertel im Verdacht und werfe das Ergebnis ihrer Produktivität täglich auf den Bürgersteig. Es ist schon vorgekommen, dass in meiner Abwesenheit (oder nachts?) jemand die langsam trocknenden Hundeköttel zurück auf die Wiese befördert. Ich werf sie wieder zurück, lege mir vielleicht dafür einen Golfschläger zu. Auf der Wiese macht das niemand weg, Schreiben an die Hauswirtin mit und ohne Fristsetzung blieben ergebnislos, ich schickte Fotos und musste mir anhören, die hätte ich im Stadtpark aufgenommen usw. Man wartet lieber ab, bis es mal wieder regnet und die Wiese sich samt angesammelter Scheiße in eine braune Kloake verwandelt. Ich soll, so die Hauswirtin, in flagranti Hundehalter beim Koten der Hunde fotografieren, am besten so, dass man die Halter erkennt und das, was der Hund grade auf der Wiese anrichtet, identifizieren kann. Wir haben ein oder zwei zwar solche Fotos, aber ganz leicht ist die Aufgabe nicht, und ich kann ja auch nicht Tag und Nacht auf der Lauer liegen. Im Prinzip aber erachte ich dieses Hauswirtsschreiben als Genehmigung zum Betrieb einer Überwachungskamera, ohne die das wohl nicht geht. Wenigstens haben wir , wenn Zeit dazu war, den vorgefundenen Kot abgelichtet. Bei der Etagennachbarin, wo sich der Kot ebenfalls ballt, ohne dass es sie zu stören scheint, wurden entsprechende Kackwürste in unmittelbarer Nähe des Schildes lokalisiert.Eichhörner Andererseits habe ich unwillentlich schon belauscht, wie sich dieselbe Nachbarin Blaumeise im Abendrotlauthals über Kot auf dem Bürgersteig beklagte, vermutlich mit Hinweis auf mich,- mir ist er dort lieber, denn da macht ihn irgendwann die Stadtreinigung weg, hier auf der Wiese passiert nichts außer nach dem nächsten Starkregen die Verwandlung unseres unmittelbaren Wohnumfelds in eine feuchte Jauchegrube. Der Etagennachbarin ist es "wurscht" wie die Fotos oben zeigen. Mein Eindruck verfestigt sich, dass wir unter Sozialgeschädigten leben, die ihren Lebensstil, ihre Beklopptheit, das Pantschen im eigenen Scheißdreck und die generelle Nickeligkeit beim zwischenmenschlichen Umgang ausleben müssen, koste was wolle, und zwar an mir und meiner Lebensgefährtin, weil wir anders sind. Eines Tages schmieren sie uns Zeichen an die Roll-Läden und versammeln sich mit Äxten vor der Terrasse, obwohl, das wäre ja offen und ehrlich, eher stechen sie Autoreifen auf. PS: meine Mitwohnerin hier will, dass ich, damit kein falscher Eindruck entsteht, schreibe, wie schön es hier ist, dass die Wohnung günstig liegt, nach hinten raus richtig schön, künstlerisch eingerichtet, mit erlesener Bibliothek ausgestattet, Grün ganz in der Nähe und auf dem Balkon Eichhörnchen und Vögel am Meisenhaus, und das ist die Hauptsache!


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  • Nee, von Eiscrème ist hier nicht die Rede, auch nicht von den kleinen aphoristischen Zutaten auf den Titelseiten von Aufsätzen oder Büchern, letztere sind ohnehin auf dem Aussterbeetat, also nicht die Bücher,Memento Motti d. h. die vermutlich auch, sondern die Motti. In letzter Zeit hat sich das Auftreten von unangenehm gemusterten, mitunter auch schwarz geflügelten Nachtfaltern in der Wohnung deutlich vervielfacht. Memento MottiEs könnte natürlich am Feiertag "Maria Auffahrt" liegen, der morgen stattfinden soll; meine Lebensabschnittsbevollmächtigte will vermutlich wieder einen sog. "Kräuterboschen" mit soundsovielen (17?) wertvollen Pflanzenresten machen, der dann ewig und drei Tage über der Tür hängt, d. h. bis zum "Einmotten" im Keller, weil im nächsten Jahr wieder ein neuer fällig wird. Die Reste von den alten Kräuterboschen dürfen nämlich nicht weggeschmissen werden, bewahre, das hat was mit Ritualen und Reliquienkult zu tun, die müssen verbrannt werden, damit der Segen nicht schiefhängt. (Gesegnet wurde überhaupt nur einer dieser trockenen und allmählich zerbröselnden Büschel, der aus dem Allgäu, den hat sie in die Kirche mit dem Pfarrer mit Dritte-Welt-Appeal getragen, die anderen blieben vom Weihwasser unbenetzt.) Wie auch immer, diesen Plastiksack mit ollen Pflanzenkram drin habe ich im Verdacht, die Motten auszubrüten. Der Kreis um das vermutete Mottennest schließt sich immer enger, seit ich sämtliche Bretter des Speisekammer-Regals geleert und gesäubert habe, offene Packungen wurden gleich weggeworfen, alles, was noch brauchbar schien in Gläser mit Drehverschluß gefüllt, die Regalbretter einzeln mit Scheuermilch abgeseift und anschließend mit Essig begossen. Daher können die Motten eigentlich nicht mehr kommen (vielleicht sind allerdings die jetzt noch auftauchenden von dieser Aktion aufgescheucht worden?). In diesem mit einer Tür verschlossenen Speisekammerregal hängt auch so ein Mottenfang-Leimpapier, das andernorts in der Küche schon ganz schön voll ist, hier drin ist aber keine einzige Motte auf den Leim gegangen. Memento Motti Na, warte! Einzelne Motten, mal zwei, drei, mal vier, erlege ich ja mit der Hand. Die sind so blöde und ruhen nachts, also bei Dunkelheit, auf den weißen Wandflächen oder Zimmertüren oder Bilderrahmen aus, wo man sie ganz gut erkennt, und werden gleich zu Staub zerrieben (am besten hält man ein Tempotaschen- oder Küchentuch in der Hand, dann ist die Sauerei nicht so groß und mit unbewaffneter Hand könnte man sie vorher aufstören, so dass sie wegfliattern, auch wenn sie dabei nicht so raffiniert und fix sind wie Stubenfliegen). Also, wenn ich die letzte Woche mal zusammenzähle, habe ich so Stücker zwölfen auf diese Weise den Garaus gemacht, und da kann man schon von eineMemento Mottir Invasion sprechen, oder? Selbst im Kleiderschrank finde ich keine, dafür lauter Mottenpapier, und unser Schlafzimmer erinnert an eine Lavendelboutique in südfranzösischen Fußgängerzonen. Woher also die verdammte Motteritis, soll mir das ein Memento sein? Mensch gedenke, dass du Staub bist, zu Staub wirst, um dich herum Staub aufhäufst und Zerstäuber nicht in die offene Flamme, sondern in die gelbe Tonne werfen sollst. Ich habe dann angefangen, die Bücherschränke zu entstauben, vor allem im Flur waren schwere Staubhalden angesammelt hinter den alten Schätzchen. Leider habe ich am Abend und in der Nacht danach schon wieder zwei Motten flattern sehen. Aber ein wenig Hausputz ist ja nie falsch, meine Liebste hat derweil Datenmigration und -verwaltung betrieben und den eingestaubten Teppichboden gesaugt. Bei der Gelegenheit habe ich dann gleich ausgemistet und jede Menge ausgelesener Lektüre beseitigt. Gut, also von Lyrik habe ich mich nicht getrennt, das sind ja meist dünne Bändchen, die teuren Klassiker bleiben sowieso - die der Moderne ließ ich größtenteils auch in Ruhe, alles von Böll, Brecht, Enzensberger, Peter Weiss, Arno Schmidt, generell Werkausgaben (darunter selbst solche, in die ich noch kaum einen Blick geworfen habe: Max Hermann-Neisse, weil der mal für 19.99 bei Zweitausendeins verramscht wurde!) blieben stehen, aber ich hab so viel Druckerzeugnisse, die ich doch nie wieder anfasse, oder bereits durch übermäßigen oder gar mehrfachen Gebrauch kaputtgelesen habe, dass ich etliche 100 Bände rausgeworfen habe. Nichtvergessendürfer Martin Walser, du mußt jetzt ganz stark sein, ´deine Bücher, u.a. "Halbzeit", deren zwei Bände du mir bei einer Lesung mal so häßlich oberflächlich signiert hast, liegen auch schon in einem dieser Bananenkästen, ungefähr so groß wie Kindersärge, die so handlich zur Buchbeseitigung sind, und Günter Graaaasss, der erst recht, der signierte überhaupt nur mit Filzschreiber und mit einem so gesteilten "ich bin der Größte"-Namenszug. Anderes Signiertes oder von prominenter Freundeshand Gewidmetes hinterlasse ich als kleine Zusatzrente für meine Witwe; - im Fall dass sie mich nicht überlebt oder wir gemeinsam umkommen, geht das alles nach Marbach, verstanden? Ich habe eine mehrzeilige zärtliche Widmung einer Dame aus dem Jahr 1981 oder so (ihre Mutter soll mal was mit meinem Vater gehabt haben, vor dessen Ehe mit meiner Mutter, aber wir hatten nichts dergleichen), die später Verfassungsrichterin wurde in einem Bundesland im Norddeutschen. Aber ich bitte Sie, dieses ganze Engagement-Verantwortungs-Gedöns aus den 1960ern und 1970ern,Memento Motti "Ich klebe an der Bundesrepublik", und "ich lebe nicht in der Bundesrepublik", ich glaube vom selben Herausgeber, Essays für und wider Wiederbewaffnung und Große Koalition und "die" Alternative der SPD-Regierung und Co., in der DDR dasselbe andersrum gewendet, Lyrik 76, Lyrik der DDR und der Schmonzes von der Christa Wolf, die guckte dagegen beim Signieren vorwurfsvoll als wäre ich ein DDR-Deserteur, weil mir zum Dank für (erlaubte) LP-Zusendungen meine Ost-Brieffreunde Erstausgaben aus der Zone schickten, weg damit, na gut, die Günderrode-Sache bleibt, oder Heiner Müller, den hab ich ganz weggetan, x-mal gelesen und damals mal ganz nett gefunden, ist aber gut damit, kann ich mir noch in der Bibliothek ausleihen, wenn ich das wiedersehen will. Memento MottiHeiner Kipphardt, den hab ich behalten, dummerweise, aber wer weiß, beim nächsten Mal springt der auch über die Klinge, mich interessierte noch der Briefwechsel mit Peter Hacks, letzteren schmeiß ich dann auch raus, ich hab so ein Buch mit Theaterschriften und den einen oder anderen Plunder vom Jahrmarktsfest. Selbst von Kempowski hab ich mich getrennt, mein Lieblingsautor, aber ich brauch das nicht mehr, hab ihn genug genossen, will im Alter nur griechische Philosophen und lateinische Tragiker lesen oder die weimarer Klassik und meine erlesene Sammlung unangetasteter Bände von Ludwig Tieck. Aber das ist alles nur der Anfang, erst drei Flurregale von vieren (im vierten nur noch zwei, drei Bretter voll) und ein Schrank im Arbeitszimmer, das an drei von vier Wänden Bücherregale hat, von anderen Zimmern (Ausländisches, Geschichte, Liederbücher, Musik & Kunst) noch zu schweigen. Aber die sind nicht so mottenträchtig, während auf der Wellershoff-Ausgabe von Gottfried Benn schon ein toter Käfer klebte, brauchte ihn gar nicht mehr zu klatschen - eindrucksvolles Totem für den Lyriker des Vergänglichen aus dem von ihm vertretenen Reich. Und wer weiß, welches Ungeziefer noch zwischen den Seiten sein Unwesen treibt, ich sage nur: die Buchstaben, die nachts lebendig werden und wild durcheinander... na, stellen wir uns das besser nicht zu genau vor. Kennt jemand hier die Querelles-Satire vom Streit der alten Bücher mit den neuen von Jonathan Swift? steht hinten in dem Ausländerregal, das kommt auch noch dran, denn ich hab schon vorher Gullivers Reisen gehabt, bevor die drei Swift-Bände aus der DDR kamen.


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  • Ein Riesen-LKW ist in Nizza in die Menschenmenge gerast, die das Feuerwerk zum 14. Juli ansehen wollte. 80 Leute sind tot, mindestens. Die Polizei hat den Irren hinterm Steuer erschossen. Auf der Ladefläche sollen lauter Waffen gewesen sein.

    So viel Leben ausgelöscht, so viel Hoffnungen, Schmerzen, Sehnsüchte und Gedanken sind mit ihnen erstorben. Und wir bleiben zurück in der kleiner, und gemeiner gewordenen Welt. Das Abstumpfen gegenüber den Taten ist das Schlimmste. Man will gar nicht mehr dabei sein und dieser Welt gleich ganz Adieu sagen, bevor man weitere Adieus zu sagen hätte. Sie ist sowieso anders, als ich es mir einbilden ließ von wohlmeinenden Schönrednern, und die Menschen darin sicher auch keine Engel, aber Terror beginnt bei den Graswurzeln.

    Verdammte Terroristen, in der Höllle sollen sie schmoren und die Anführer in einer extra fiesen Hölle, und verdammte Religion, die sich solche Höllen ausdenken und überhaupt nur aus Gewaltphantasien und Menschenkontrollmechanismen bestehen.

    Nizza


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