• Plötzlich Prinzessin - diese Parallele kann man sich gedanklich nicht verkneifen, wenn man die Karriere des katholischen, glatzstirnigen Friseurstudio-Inhabers aus Aachen betrachtet, der seine im Osten aufgekaufte Haarstylingkette mit Erfolg an die Börse shampooniert, äh, katapultiert hat. Was die Mädels in seinen Läden wohl verdienen? oder sind das klandestine Barbershops mit cowboystiefeltragenden Schermesser-Salafisten?

    Oder auch: "Habemus Papam", kann das Parlament in Erfurt jetzt sagen, und ob nun die oder jene das Weihrauchfaß schwenkten, der ölige Gestank nach Grillfleisch dringt doch durch die Ritzen - der Rauch will einfach nicht weiß werden.Kein Trabbi vor der Wartburg

    Man kann sich natürlich auch mal fragen, wieso die kleinste Fraktion von gradezu 5 Männeken den Ministerpräsidenten stellen will. Da wedelt doch der Flügel mit der Ente, äh, der Schwanz mit dem Hund, oder? Und der Regierungschef will angeblich keine Unterstützung der 22köpfigen Rechtsaußen und der 24köpfigen Linksaußenfraktion haben, und wäre (wie es in einer ersten Erklärung hieß) gönnerhaft bereit, auch "SPD-Minister" zu akzeptieren. Die winkten aber gleich ab, die dargebotenen Fleischtöpfe waren auch schon stinkend geworden. Und FDP? Hat nicht schon der wohlwollende Papa Heuss das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ mitunterschrieben, das dann jede weitere dumme Debatte, wer das Land regiert, überflüssig machte? eine Regierung mit 5 Ministern (innen, Verkehr, Finanzen, Umwelt) reicht doch, unbürokratisch, weniger Staat, alles neoliberaliter durchwinken, und sparsamer wär's auch. Bequeme wechselnde Mehrheiten!

    Dass er sich seinen Hauptwählern so ganz undankbar gegenüber äußert, ist ein bißchen gemein, schließlich konnten die nichts dafür, daß ihm der Blumenstrauß der Landtagspräsidentin vor die Füße flog, und am Ende kriegte er von denen doch Blumen, ätsch, deshalb durfte ihm Mahnmal-Bernd auch treuherzig die Flosse schütteln.Ente im Weimarer Schloss Thomas und Bernd haben übrigens beide in Bonn studiert, 1989 der MP und 1992 der Flügelmann. Und den andern Stammtisch- und Stubenhöckes ist sowieso egal, wer unter ihnen Ministerpräsident oder Minister ist. Hauptsache,  sie haben für die Richtlinien der Politik gesorgt, und das werden sie auch weiterhin tun. Die sechs Zauberworte "ich nehme das Amt nicht an" hat er nicht über die Lippen gebracht, als die Stimmen ausgezählt waren, was nun? Tritt er zurück und "macht den Weg frei für Neuwahlen", wie diejenigen Parteien fordern, die sich von Luthers SchreibstubeNeuwahlen ein paar Mandate mehr erhoffen? (Die Ente im Weimarer Schloss, links, trägt auch schon AfD-Farben...)

    Was macht man eigentlich, wenn man per Zufall und angeblich völlig überraschend "einenTag Ministerpräsident" ist? Die eigene Steuererklärung abnicken? Die Wartburg zum Regierungssitz ausbauen und melancholisch auf Luthers immer wieder erneuerten Tintenfleck starren? Genehmigung für ein neues Haarstylingcenter im Kyffhäuser (Barbarossa kann, by the way, mal eine Vollrasur gebrauchen, dann läßt sich der Tisch auch wieder benutzen! An dem kann dann der Flügel sein nächstes Treffen abhalten.)

    Was wäre wohl die Folge? Erdrutschsieg für die NSDAFD - oder, wie gemunkelt wird, eine Stärkung der Linken, weil die Ossies rein stimmungsbarometermäßig immer für den grade regierenden Obermotz sind? Wäre dann nicht die FDP erst recht an der Reihe? Wie man ja auch im ersten Schreck Herrn Kubicki und Herrn Lindner Worte wie "Fundamentalopposition" zischeln hörte, als CDU und SPD nicht so recht mit dem Zuspruch für ihren gewählten Mann in Erfurt herausrücken wollten.

    Ich könnte mir vorstellen, dass das auf Anhieb erstmal so probat wirkende Hausmittelchen "Neuwahlen" nicht ganz so schnell verabreicht werden kann wie Glaubersalz - runterschlucken, dann Beeilung und schwupps, sind die bösen Säfte raus aus dem Körper. Wenn er erst mal Platz genommen hat im Hohen Haus, tendiert der Abgeordnete dazu, sitzenzubleiben und sich außer vom Wahlvolk von niemandem rausmobben zu lassen. Denkt an England, wo Boris Johnson erst vor wenigen Wochen die Ferien verlängert hat, und was macht das undankbare Parlamentarierpack? Meckert und klagt, bis der höchste Gerichtshof die frühere Wiedereinberufung erzwingt. "Quatschbude auseinanderjagen", so nannte man das in reaktionären Kreisen in Deutschland, egal ob die Bude nun in Frankfurt, Berlin, Bonn oder Weimar stand - ging auch nicht so einfach. Außerdem ersitzt man sich ja Diäten und mit der Zeit noch Altersversorgung. Also bleiben sie in Erfurt beisammen, und wählen am besten im 72-Stunden-Rhythmus so oft, bis es paßt? Oder ermitteln den besten Regierungschef durch Dritten abschlagen, Schnick-Schnack-Schnuck oder Flaschendrehen? Wie es auch sein mag, irgendwann kommt er, der, der da kommen soll, blond und blauäugig mit treudoofem Hundeblick, und führt uns vor, was man mit Parlamenten macht, die man nicht mehr braucht - in Ruhe weiterlabern lassen. Parla- Parla- Parlament, schließlich gab es  nach dem Reichstagsbrand noch bis 1942 eine Krolloper. Also auf, ihr Erfurter Volksvertreter, lasst euch nichts sagen von den Berlinern, immer schön fest zusammenhalten, dann wird das was mit der Revolution, dann sausen bald wieder die Klingen von der Guillotine runter -  siehe die Schilderung vom 23. Juni 1789 unten!

    Die drei Stände befinden sich, doch von einander abgesondert im Saal: der König sitzt auf dem Throne, und hält eine kurze Rede, worin er sich über die bisherige Unthätigkeit der Stände beklagt. Hierauf läßt er zwei Declarationen ablesen. Die erste Declaration hebt die Beschlüsse des dritten Standes vom 17ten als gesetz- und constitutionswidrig auf, schreibt die Beibehaltung der Deliberation nach Ständen vor, bemächtigt und ermuntert zwar die Stände sich über Angelegenheiten, welche das allgemeine Beste interessiren zur gemeinschaftlichen Berathschlagung zu vereinigen, schließt aber ausdrücklich von dieser Classe die constitutionellen Gerechtsame der verschiednen Stände, die Form und Constitution der künftigen Reichstage, die Prärogativen des Adels und der Geistlichkeit, die Herrschafts-Rechte der Gutsbesitzer aus; giebt verschiedne Regeln, nach welchen in den Fällen, wo die gemeinschaftliche Deliberation obwalten wird, verfahren werden soll, und verbietet endlich allen, welche nicht Deputirte sind, aufs nachdrücklichste, den Sitzungen beizuwohnen. Die zweite Declaration kündigt die wohlthätigen Absichten an, die der König durch die Operationen der Ständeversammlung realisirt zu sehen hoffe: eine neue Ordnung im Finanz-System, die Zuziehung der Repräsentanten der Nation zu jeder Errichtung oder Verlängerung einer Abgabe, die Einschränkung der Ausgaben, selbst derer, welche das Königliche Haus betreffen, die Abschaffung der Exemtionen von Auflagen der Taille, des Lehngeldes, der Frohndienste beym Straßen-Bau, der Geheimen Verhafts-Briefe, die Einführung der Provinzial-Versammlungen, die Erleichterung der Salz- und Consumtions-Steuer, die Verbesserung der Civil- und Criminal-Gesetze u. s. f.

    Hahn im Freiluftmuseum bei SchleusingenNach Verlesung dieser Declarationen befiehlt der König den sämmtlichen Deputirten, sogleich aus einander zu gehen, und sich den folgenden Tag in ihren abgesonderten Zimmern wieder zu versammeln. Die Deputirten des Adels und der Geistlichkeit folgen dem Könige, da er den Saal verläßt: die Deputirten des dritten Standes bleiben unbeweglich auf ihren Sitzen. Als der Ceremonienmeister des Hofes sie nochmals auf das Verlangen des Königes aufmerksam macht, antwortet ihm Mirabeau "nichts als die Gewalt des Bayonets werde die Repräsentanten von ihren Plätzen vertreiben" Sieyes fragt seine Collegen: "ob sie nicht heute noch sind, was sie gestern waren". Auf die Anträge von Camüs und Barnave erklärt die Versammlung, "daß sie von ihren vorhergehenden Beschlüssen nicht ablassen könne", und auf Mirabeau's Vorschlag wird die Unverletzlichkeit der Deputirten in den kühnsten und drohendsten Ausdrücken verkündigt.

     Diese unglückliche Session war die Losung zum offnen Kriege gegen die Königliche Macht, und der erste Schritt zu ihrem Untergange. Der König befand sich in einer Lage, worin er nichts wagen durfte. Sobald es nur als möglich angesehen werden konnte, daß die Deputirten des dritten Standes den Gehorsam verweigerten, mußte man eher alles in der Welt thun, als sie auf die Probe stellen. Es gab nur noch ein einziges Mittel wodurch der König sich selbst und die höhern Stände retten konnte: die mäßige, die beliebte, die siegreiche Partey zu ergreifen, und Adel und Geistlichkeit zur gemeinschaftlichen Deliberation hinüber zu ziehen. Das letzte that er drei Tage nachher: die Session vom 23ten hatte sich aber zu tief in die Gemüther geprägt um nichts weiter als fruchtlos zu sein.


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  • Der Heiligmorgen näherte sich rasend schnell, mir kommt es vor, als wär's erst gestern gewesen, dass ich das erste Türchen habe aufgehen sehen bei jeweils Dresdner-Essenz- und Merry-Christmas!-Würz-Kalender. Auch dieser heiligste aller Adventstage, den die Christen mit Baumschmücken, Bescherung und Bibellesung enden lassen, ist jetzt schon wieder ein paar Tage her, Festbraten und Alkohole sind verstoffwechselt (süßer die Spülkästen nie klingen), das Tannengrün am Adventskranz rieselte auf und davon und die Adventskalender liegen ausgeweidet im Mülleimer. Zuletzt gaben sie übrigens her #24: Nimm dir Zeit für dich! Reichaltige Feuchtigkeitscreme für trockene Hände,Aufkleber am Kuvertschlitz erlaubt das Öffnen Naturkosmetik mit Liebe gemacht aus Pistazien und Bio-Sheabutter und Ende der Kalenderära 2019 im Papiermüllcontainer#24: Fleur de sel - Meersalz (nicht von der "Algave"), das allerdings auch Spuren von Erdnüssen, Sellerie, Senf und Sesam enthalten kann. Klingt wie ein raffiniertes Rezept - Schatz, was gibt's heute zum Abendbrot? vegane, zart gesalzene Sellerie-Saté in Senf-Sesam-Soße, hmmm! Aber schon heiligmittags (sonst doch erst gegen drei oder halb vier?) klingelte der Postbote bei uns, mit einem LED-blinkenden Stern am Weihnachtsmannmützchen, und kippte meiner Frau rund 15 gelb beklebte Büchersendungen in die offenen Arme. "Kriejen se all wedder retour", murmelte er op Kölsch, und begegnete den auskunftheischenden Blicken der Empfängerin mit "Steht alles jenau drauf!", eine wehende Schnapsfahne ließ nicht darauf schließen, dass diesem Mund weitere Informationen zu entlocken wären. Obwohl die Umschläge aufs vollständigste frankiert waren und keinerlei persönliche Mitteilungen enthielten, hatten die schabernackfrohen Postdiktatoren sie nicht als "Büchersendungen" akzeptiert und mir von den ca. 100 inländischen Sendungen diese hier mit Vermerk: 35 Cent Porto fehlen, zurückgeschickt (und morgen, Freitag nach Weihnachten, kommen womöglich noch mehr hier an?). Warum, warum, warum? Die gelben Mahnaufkleber gaben keine Ausfkunft, nichts war angekreuzt, aber es traf auch nichts von dem zu, was da stand. Nur einen Umschlag hatte ich versehentlich nicht frankiert, da war das Wort "BÜCHERSENDUNG" nicht mit Kugelschreiber durchkreuzt und der ab 1.1.2020 gültige BÜWA-Tarif von 1, 90 als fehlend auf die Frankierungsstelle oben rechts gekritzelt worden. Übrigens hatten sie mir eine vollfrankierte, mit Strichcode versehene USA-Sendung zurückgeliefert; sie in den Briefkasten zu werfen, war wohl keine gute idee gewesen, sonst war sie völlig untadelig. "Nimm dir Zeit für dich!" riet mir das Essenz-Orakel, und nach tiefem Nachdenken kam ich drauf: Die Umschläge waren die billigsten, die ich in einem Ein-Euro-Shop kriegen konnte, aber den Kuvertschlitzen fehlte der Aufdruck "HIER OFFEN" und "Adhäsionsverschluss". Chance auf als ÜberschriftIch hatte vage überlegt, ob ich noch "Post darf öffnen!" draufstempeln sollte. Aufkleber, der Büchersendung ohne persönliche Mitteilung verheißtAber die Zeit drängte. Und dann dachte ich mir, verdammt, es gibt eh nur noch Adhäsionsverschlüsse, und wenn ein Umschlag nicht zugetackert oder mit Schusterleim und Leukoplast zugepappt ist, sind sie alle so offen wie der Arsch des letzten Postministers, der die Privatisierung und Aufteilung der Postdienste in selbständige Firmen einleitete. Dies ist die letzte aller denkbaren Büchersendungen, ab 31.12. sind die abgeschafft, wenn "BÜCHERSENDUNG" draufgestempelt ist, gibt der Absender sein Postgeheimnis gemäß Tarifbestimmungen sowieso auf. Aber nein, das schien nicht zu genügen, und seufzend eröffnete ich die Weihnachts-Bastelwerkstatt wieder, stempelte neben die durchgestrichene "BÜCHERSENDUNG" noch einmal eine nicht durchgestrichene "BÜCHERSENDUNG" und klebte je zwei Vermerke für Post-Deppen und Zumutungs-Darsteller auf die Umschläge. Zusätzlich nagelte ich je eins dieser Klämmerchen rein, die zwar gar nicht nötig sind, zudem ein Verletzungsrisiko für besoffene Briefboten sein können, aber optisch Wiederverschließbarkeit des Umschlags signalisieren. You asked for it and you got it! Dann alles ohne Zusatz-Porto draufzutun wieder in den Briefkasten, den einen nach USA ließen wir von der K. I. Packstation scannen, natürlich gilt auch hier wie im ganzen Geltungsbereich der Bundespost die Samstagsleerung, letzte um 13.00 und jetzt liegen diese schönen Weihnachtsgeschenke nicht unterm Baum, sondern bis 27.12., 12.00, wenn sie hoffentlich abgeholt und zugestellt werden, in einem kalten, gelben Kasten herum.


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  • Die verbleibenden Adventspröbchen aus dem Essenzkalender sind rasch aufgezählt, es handelte sich um #22: Aroma-Cremebad mit Winterbeerenduft und pflegendem Mandelöl und wieder ein kommandierendes Ausrufezeichen hinter #23: Laß dich froh und munter sein!, was "mit Liebe gemacht" und als Pflegedusche aus Bio-Sheabutter und Pistazie bezeichnet wird. Im Würzkalender lagen unterdessen Glasröhrchen (wurden aber noch lange nicht rausgenommen, das geschah erst an Heilignachmittag) mit #22: Ingwer geschnitten und #23: Orangenpfeffer Gewürzzubereitung. Aber niemand beschreibt mein Entzücken, als mir eine Versandaktion, mit der ich mich in dieser Vorweihnachtszeit plagte, zum Besuch eines begehbaren gelben Adventskalenders verhalf! Und das kam so. Wie unter # 22 und # 23 mitgeteilt, hat der Weltpostversand die seit dem 19. Jhd. übliche, der internationalen Gelehrtenrepublik den Austausch von neuesten Forschungserkenntnissen ermöglichende Versendung von Büchern und Landkarten verboten. Nichts dergleichen darf künftig noch "Briefen" beiliegen, diese dürfen exklusiv nur noch "Mitteilungen" enthalten. Mitunter wurde zwar schon behauptet, Bücher seien dicke Briefe an Freunde, aber Pustekuchen, Buch aus Metall am Lichtenbergdenkmaldamit ist jetzt Schluss. Den finalen Sieg des Kapitalismus über Aufklärung kann man nicht besser illustrieren als mit dieser Entscheidung. Bücher, CDs, Broschüren oder Landkarten sind "Waren", basta.packstation der DHL Die Warenförmigkeit wird nur noch in Deutschland mit dem Wort "BÜWA" verschleiert, das Bü soll entfernt an Bücher erinnern, aber in Wahrheit sind es "Waren" im Sinne des Gesetzes und ich warte nur darauf, bis die BÜWA-Akü der DHL zu WA verknappt wird. Ins Ausland gehen überhaupt nur noch Warensendungen und zwar nur von Großfirmen, die pro Quartal 5 x den Kohinoor oder was weiß ich versenden - drunter erscheint es dem Weltkonzern nicht lohnend. Schon gar nicht meine läppischen 140 Adressen, von denen ein knappes Drittel jenseits der deutschen Landesgrenze und nochmal ein Dutzend in "WELT" d. h. Schweiz, und USA, und eine in La Réunion liegen. Im Internet bei DHL adressieren ist kein Spaß! Erst "öffnet" sich ein geheimnisvolles Sonderfenster, das mir Kaspersky empfiehlt, die sog. "Sichere Website" - tannengrün umrahmt wie ein Türchen 25. Dann suchst du das Land aus, nach dem du verschicken willst, und musst für jedes verdammte Päckchen aufs neue von Afghanistan über Fidschi-Inseln und Großbritannien-Jersey, -Guernsey und -Trevira bis "Polen" oder "Vereinigte Staaten" herunterscrollen. Weiter zur Eingabe der Adresse, komplizierte Eingabe von englischen Postcode-Buchstaben-Ziffern-Kombinationen, Flat sowieso nicht vergessen, "Provinzen" heißen hier die amerikanischen Vereinsstaaten, endlich ab in den Warenkorb, wollen Sie noch ein Päckchen verschicken? JA, zum Teufel (und jedesmal wird mir der "besondere Favorit" mit 12 kg Gesamtgewicht vorgeschlagen und ich muss jedesmal das billigste ohne Versicherung neu anklicken, das mein Favorit ist). buchhandel gegen PaketversandNach Eingabe von 10 Adressen poppt ein Fenster auf: "interner Fehler, die Seite wird neu geladen", und die bisher getippten Adressen sind perdü, der "Warenkorb" unauffindbar geworden, ein "Zurück" wie bei der Deutschen Bahn gibt es hier nicht. Will man die zwei, drei Anschriften, die man zaghaft erneut eintippt, dann gleich als Frankierung sofort bezahlen und ausdrucken, bevor das von vorhin wieder passiert, kann man "SEPA" anklicken und muss die Kontonummer eingeben, von der an sich jeder sein Päckchen bezahlen kann, der irgendeine Kontonummer kennt, er muss dann noch ein glaubwürdiges Geburtsdatum eingeben. Hallo? ich könnte die Kontonummer eines Verlegers eingeben auf den ich nicht gut zu sprechen bin. Aber auch hier heißt es nach 3 Bezahlvorgängen "an internal error occured" - und man muss eine andere Bezahlweise nehmen, "sofort.de" zum Beispiel, wo man alle kompliziert gewählten Geheimwörter eingibt, um sie dem Portalbetreiber zu verraten. Visa-Kreditkarte? Hör mir auf damit, da muss ich erstmal die Nummer lesen können, winzig gedruckt auf ein Plastikkärtchen, das Mindesthaltbarkeitsdatum als nächstes und eine noch winzigere dreistellige Prüfziffer - und danach doch Kontonummer angeben, die man doch nicht so gern preisgeben will, und dann stimmt aus unerfindlichen Gründen alles nicht überein. Aber dann mit den drei-vier Dutzend Päckchen im Sack den gelben Adventskalender betretend, wurde mir bei den ersten Versuchen klar, wie man das System terrorisieren kann, das einen terrorisiert. Rache ist Blutwurst! Macht kaputt, was euch kaputtmacht! Natürlich nicht mit der Maschinenstürmer-Keule alles kapottschlagen, bewahre. Wir sind für gewaltlosen Widerstand in der Art von Ghandis Salzrevolution. - Die Entdeckung, wie das am elegantesten geht, war eigentlich Zufall. Ein Bildschirm-Display der "Packstation" forderte mich auf, den Strichcode (auf dem von mir draufgeleimten Etikett) in rote tanzende Laser-Lichtstrählchen zu halten.Display einer DHL-Packstation mit Symbolbildern Aber nicht vergessen, diese Sendung dürfe keinesfalls größer als YZX mal YXZ sein, wurde ich mit rotem aufpoppenden Schild auf dem Display verwarnt. Sehr pädagogisch, unsere K.I.-Zukunft, für Anhänger nicht der Okay-, sondern der K.O.-Pädagogik. Der Frankierungs-Laserbelichtung folgte die Frage: Wie groß denn das Päckchen wär (ich denke, weiß die Maschine das nicht, ist doch DHLs eigener Strichcode?), etwa ... so groß "wie ein Schuhkarton"? oder "wie ein Werkzeugkasten"? oder... wie ein kleines Päckchen? Beherzt tippte ich auf die kleinste Möglichkeit - und ZACK ging das erste, schubladenähnliche Adventstürchen auf (keine Nummern, aber wie beim Adventskalender mal links unten, mal rechts oben, man an der Seite oder direkt vor der Nase). Ich legte Päckchen um Päckchen ein - jedes in ein Extra-Fach! happy Ich hätte eigentlich erwartet, so oder ähnlich gefragt zu werden "wievieleStapel der retournierten Büchersendungen Sendungen wollen Sie verposten", aber weitere von meinen Päckchen an den Strichcode zu halten, hatte auch keinen Zweck. Ich schloss also die Schublade wieder und scannte den Strichcode des zweiten ein, wieder ging ZACK ein Türchen auf, einlegen, zumachen, neu scannen und nach einer Weile wurden, wie beim Adventskalender, die Türen größer ZACK, und noch größer ZACK, man musste schon aufpassen, keines vor die Stirn zu kriegen, und in jedes Tresorfach legte ich genau ein (1) kleines HS-Päcklein. Auf die Idee, den ganzen Klumpatsch in eines der Fächer zu legen, kam ich gar nicht. Der Postler wird ganz schön gucken, wenn er morgen aufmacht und denkt, die DHL-Fächer seien prall gefüllt mit Aufträgen, und ihm purzelt der ganze Weihnachtsversandkram entgegen - mitnichten, da er schön verteilt auf die Türchen eins hier und eins da und wieder ein anderes von den Billigen in den Riesenhöhlen unten in der Ecke findet. Dann aber führte das Scannen zu der Mitteilung, "leider sind keine Fächer mehr verfügbar, besuchen Sie bitte eine andere Packstation". Den Rest warf ich ungescannt in einen Briefkasten, basta, sollen die sie selber scannen, wieso nehm ich denen diese Arbeit ab! Auf dem Heimweg aber kam die Idee: Rollstuhlfahren verbotenPostbenutzer aller Länder vereinigt euch! Verfasst Flugblätter mit euren Forderungen jeweils in der Landessprache! (sinngemäß so: Wir verlangen die Absetzung des Weltpostverbandes - wir wollen die gute alte Büchersendung zurück! - Formel 1, 20 statt Formel 1 (für nicht-Rennsportfans: da ist DHL Hauptsponsor, und die Büchersendung kostete einszwanzig) - Nieder mit der Monopoltyrannei! - An die Laterne mit den Brüdern Gottschalk! - Schluss mit der barbarischen Zerstörung gewachsener Versandkultur o. ä.) und blockiert das System! Ein paar Euro muss man zwar investieren, aber wenn man die billigsten Päckchen-Etiketten kauft und ausdruckt, reicht das schon, um etliche Türen zu öffnen - und in jedes genau ein Flugblatt zu legen, sonst nichts. Die gelben Herren des Morgengrauens werden dumm aus der Wäsche gucken, wenn die Adventstürchen aufgehen und ihnen die Meinung gegeigt wird. Nicht so schön für die Versandhändler, die dann von Packstation zu Packstation weitergeschickt werden und ihre leichtverderbliche Versandwurst nicht mehr loswerden - aber die Nahverkehrsbenutzer und Opernbesucher unter den Franzosen haben ja zur Zeit auch nichts zu lachen, und Fridays for Future wurde auch nicht in einer Woche erbaut. So ist das nun mal beim Generalstreik, Pardon wird nicht gegeben, das Weihnachtspäckchen bleibt diesmal aus.


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  • tDie neue sozialistische Erziehungsdiktatur heißt Nudging. Ich hab ihre Einführung verpasst. Als jemand, der sich weniger für Sssohschel-Midija interessiert, stehe ich ziemlich doof da und merke, wie mein Widerwille wächst, je häufiger man mich zwingen will, jeden online-Scheißdreck mitzumachen. Z. B. Versand von Büchersendungen, was habe ich früher für Massen von Büchern verschickt, u. a. ins Ausland, heute geht das nicht mehr, der Weltpostverband hat sich ausgedacht, dass es nicht recht ist, wenn wir Briefen etwas Gedrucktes oder Gebundenes beilegen, einen Zehn-Euro-Schein oder ein Ringlein oder sonst einen festen Gegenstand. Da dürfen nur noch "Mitteilungen" in die Umschläge, notfalls auf CD Rom, aber nicht Musik-CDs, das ist nicht erlaubt! Nicht, dass all diese Luftpolsterumschläge jetzt überflüssig wären, wir sollen die schon noch weiter benutzen, aber erst Geschäftskunden werden. Dann gibt es noch sog. "Warenpost Ausland", die darf man online frankieren (d.h. muss). Stempel für Köln-SendungenFrankieren? Die haben teils Din-A-4-große Etiketten, und selbstklebende Druckerpapiere fallen auch nicht vom Himmel ("ist doch kein Problem", sagt die fröhliche Schalterbeamtin, "drucken Sie den Strichcode auf Normalpapeir aus und adhésiren ihn mit Alleskleber auf den Luftpolsterkuvert!" Alleskleber habe ich neulich aufgebraucht, um mir die Neuen Medien schönzuschnüffeln. - Sie könnte das sowieso nicht machen, Briefmarken für Auslands-Warenpost gibt's nicht mehr, und Päckchen sind online die Hälfte billiger bzw. wer die am Postschalter verschickt, zahlt das Doppelte für den "Service", angeraunzt zu werden, dass die Schrift unleserlich sei und wieso man überhaupt noch Post verschicke, heut geht doch alles per e-Mail? und "Bücher?... wer braucht denn noch Bücher...." Das sei doch prima, rund um die Uhr, bin ich auf ihre Öffnungszeiten nicht angewiesen und, außer mein "Netz" ist überlastet, mich anstellen brauch ich auch nicht mehr (am Vorweihnachts-Samstag reichte die Menschenreihe bis Bürgersteig und die Straße hinunter, als würden an der Post wirtschaftskrieg- bzw. kriegswirtschaft-bedingt Brotmarken ausgegeben). Ich geh also "in dieses Internet" und stelle fest, ich kann nur Geschäftskunde werden, wenn ich 5 Sendungen per Quartal verschicke, vorher wird mein Kleinunternehmen von DHL gar nicht registriert. Also mach ich das als Privatkunde, da gibt es zwar keine "Warenpost Ausland", aber ein EU-Päckchen XS, bis 200 g, das kostet nur 4,89. Am Schalter der Post kann ich das auch kaufen, da kostet es plötzlich 9 EUR. Genudged, das ist wie bei der Bundesbahn damals, erst haben sie uns ins Viertel ein DB-Reisebüro installiert, damit man sozusagen den Bahnschalter vor Ort hatte, dann wurde der wegrationalisiert und jetzt gibt es nicht mal mehr im Hauptbahnhof Schalter, es sei denn, man zahlt mehr für sein Ticket; ein Gerichtsurteil legte fest, "die dürfen das". Zurück zum Päckchen, wenn es in nicht-EU-Länder gehen soll, die konsequenterweise "WELT" heißen, ich sage nur USA,  während wir doofen EU-Bürger nicht ganz von dieser Welt sind. Gehört die Schweiz eigentlich zur "Welt" oder gibt es da Sonderklauseln? richtig, da kostet es 12.90, ein Päckchen zu schicken, dabei hatte ich mir unlängst vorgenommen, denen die ganzen lila Milka-Weihachtsläuse bzw. lila Nikohasen aus Protest zurückzuschicken, weil die von der Alpenhütte hinunter ins Nordseeufer exportierten weniger Schokolade enthalten und im Hals kratzen... Bitte alles minutiös eintippen, Hausnummer des Empfängers, dessen Adresse jetzt der DHL bekannt ist und bestimmt nicht weggelöscht, sondern mit einer ungeahnten Drucksachenflut und Gutscheinheftchen belohnt wird, desgleichen die Adresse des Absenders, e-Mail und Telefon gleich dazu bei beiden, die werden gern angerufen und freuen sich über tägliche hunderte SPAM-Lieferungen. Bitte weiterklicken zum "Warenkorb" mit der Bezahlschranke. Ab hier wirds noch komplizierter. Ich habe ein Konto? einfach mit "SEPA" abbuchen lassen, aber dazu muss ich sämtliche komplizierten Sicherheitscodes, die zuvor unter geheimdienstlicher Aufsicht mit Schweigegelöbnisdiskretion der Bank anvertraut habe (Sicherheitsfrage: "wer war Ihr erster Arbeitgeber?" - Dr. Viktor Frankenstein in Genf) sorglos in ein öffentliches kommerzielles Portal eintippen, ich bin doch nicht bescheuert! Aber weniger Vertrauensseligkeit kostet eben das Doppelte, das ist "Nudging", früher kriegte man den Schlag Sahne extra, wenn man brav war, heute werden ein bis zwei Eiskugeln weggenommen, wenn man was verweigert, und nun machen Sie schon, zackzack! Die, haha, "Büchersendung", die es noch für Inland bis Sylvester als einmalige Ausnahmegenehmigung geben soll, hört ab Neujahr auf den Namen BÜWA. Da muss der Vermerk BÜWA gut lesbar oberhalb der Adresse angegeben werden, und 58 % teurer wird der Spaß auch. Meinen schönen Stempel "Büchersendung" kann ich wegwerfen. Ob das billiger wird im Internet weiß ich nicht, aber ...manchmal ziehe ich ein BÜWA aus dem Umschlag, dann blättere ich gern im BÜWA, mache mir auch hier und da ein Eselsohr ins BÜWA oder lasse das BÜWA in der U-Bahn liegen, damit sich andere dran erfreuen. Ich denke, die Umlaute sind im Wege der Globalisierung längst abgeschafft? Unterdessen angekommen sind #19: eine Creme de la 'Creme'!, ja, richtig, nicht "Eminem" oder "Kreml",  mit Anführungs- und Ausrufezeichen und in der Giftfarbe Bio-Blaue Iris und Sheabutter, ferner #20: Bade-Mini Winterphantasie in rosa Umhüllung ohne exclamation mark und #21: Zeit zum Glücklichsein! - ein Schaumbad aus "Bio-Magnolie und Palmarosa", allmählich glaube ich, die haben sich die Namen der Ingredienzien ausgedacht und es sind nichts als Tenside, Aromata und Zusatzstoffe. Der Gewürzkalender #17-21 lieferte ohne Gewähr für die Reihenfolge Persisches Blausalz fein, Chiliringe getrocknet, Wacholderbeeren ganz, Dill und Kalahari-Salz. 


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  • Dass es den Amazoniern jetzt rein tariftechnisch bessergestellt gehen soll als mir, dem offenbar einzigen Mitglied der hiesigen Heimarbeiter -Betriebskampfgruppe, will mir auch nicht in den Schädel. Gestern war z. B. einer der Boten des Diebs- und Latrinengottes Hermes hier und lieferte ein verdächtiges Paket ab, das wir auf sein Geheiß den über uns wohnenden Nachbarn selber zustellen sollten. Als ich ein Trinkgeld von ihm erheischte, zog er ein langes Gesicht und wollte selber eins. Die Bohnenstange, eine übelwollende Nachbarsfrau von der Tür nebenan schnellte aus der bereits lauschfreundich-spaltbreit geöffneten Wohungstür und erkundigte sich im überschnappenden Ton, ob alles in Ordnung wär? sie wollte das Trinkgeld vermutlich selbst. "ALLES IN BESTER ORDNUNG" dröhnte ich mit dem Wohlklang meiner preußischen Kommandostimme und vergaß ganz, ein bellendes "Gnä' Frau" hinzuzusetzen, weil die Dame und ihre Freundin von der Etage darüber - Etagennachbarin der Paktempfänger - uns schon mehrmals wegen Trümmerbeseitigung auf der Wiese vor dem Balkon angezeigt Was trinken diese ganzen Landhaushüche-Lieferhenden für die 2 bis 3 EUR, die man ihnen in die Hand drückt? Gibts auf dem Speditionsparkplatz eine Trinkhalle, wo man die eingeheimsten Bonus-"Neujährchen" gleich in Flüssignahrung umsetzen kann? In der Schokoladenreklame kriegt man wenigstens einen cellophan-umhüllten Schokoriegel mit einem gehauchten "Merci" von der Nachbarsfrau herübergereicht. Unser Haus ist längs gespalten bis zur zweiten Etage, dort macht der Spalt einen Schwenk und der rechts wohnende Fluggast-Taxinachtfahrer ist uns gewogen, während uns die links Wohnenden, zeitweise Hundebesitzer wegen der Schwiegertochter, so gründlich hassen, dass sie mir regelmäßig die Tür zuschmeißen, wenn ich mal zum Entsorgungs-Center wandern muss. Meine Langzeit-Lebensgefährtin zog gestern nacheinander # 18 "Schönheitsdusche Granatapfel / Gapefruiit" und  #17: "Gesichtsmaske Granatapfel / Grapefruit" heraus. Jetzt, in der Gesichtsmasken-Kostümierung, kann ich mich nicht entscheiden, ob sie einem Granatapfel ähnlicher sieht als einer Grapefruit. Die letztere stört mit unahnsehnlicher "Orangenhaut", die sich unmittelbar nach Auftragen über die ganze Haut flächenbrandartig verbreitet, der erstgenannte, von dem sich unfehlbar die Handgranate ableitet, wurde schon von Johann Wolfgang von Goethe als Teufelszeug eingetuft. "Sie ißt einige Körner", und schwupps ist Proserpina mit dem Hadesgott verheiratet und fängt ein Lamento an, das sich über einen ganzen Akt hinzieht: "spinnt, Parzen! wütet, Furien!" usw. heute aber muss ich selber zur Post und bin schon gespannt, was die Schlange vor dem Schalter mir entgegenzüngelt.


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