• Statistiken und Rankingboell-signatur
    begeistern Jochen Hieber.
    Ein böser Genius lenkt' ihn!
    Da les' ich Böll weit lieber:
    Fürsorgliche Belagerung
    erscheint mir als Roman gelung-
    en; ungebrochen
    halt' ich dran fest, trotz Jochen.


    votre commentaire
  • Immer wenn es noch exotischer wird als man denkt, kommt der Kalender wieder auf die Mittelmeerküche zurück. Deutsche Traditionsgewürze wie  Borretsch oder Wacholderbeeren oder Löffelkraut kommen eher nicht vor, na gut, neulich der Dill. Bin gespannt, ob die Rosen des Frühjahrsvor Weihnachten nochmal Salz zu finden ist. Wußtet ihr, dass Estragon den gleichen Vornamen hat wie Artemisia Gentileschi, die angeblich traumatisierte Malerin, die ihre eigene Vergewaltigung mit der immer gleichen, immer blutigeren Darstellung von Männerenthauptungen kompensiert hat? Das habe sich inzwischen, liest man, als Legende entpuppt. Aber mit Rosmarin kann man wenigstens was anfangen, es riecht zwar immer etwas nach Krankenhausluft, wohl weil es so heilsam ist, aber an Schweinebraten oder in Spaghettisoßen speiseeis und fritten verbotenlässt es sich trefflich verwenden. Hawaiitoast, Vanillepudding oder Kaviarbrot würde ich allerdings nicht damit würzen, das wäre wie Honig durch einen Strohhalm einsaugen - möglich ja, aber irgendwie sähe es komisch aus und man würde nicht recht ernstgenommen. In Köln ist ja alles möglich, z. B. Reibekuchen mit Lachs, pder warme Blutwurst mit Kartoffelpamps und Apfelmus ("Himmel und Äd" jenannt). - Meine Schwiegermutter pflegte rohe gehackte Zwiebel in den Krabbencocktail zu tun - und die Majonäse und den schönen krabbentypischen Geschmack vollkommen zu verderben - vielleicht dachte sie, Krabben sind so eine Art Matjes oder so zu behandeln wie Mettbrötchen. Neulich brüstete sich so ein Fernsehfiffi, er könne noch Krabben selbst puhlen, seine müssten nicht vorher nach Marokko ins Kühlzelt in die Wüste transportiert und zurück nach Norddeich gebracht werden, er könne die praktisch mit den Zähnen aus der Schale zupfen ohne sie auch nur anzufassen. Aber ich komme vom Rosmarin ab und nun wieder drauf zurück. Dabei hat das Kraut mit Rosen so gar nichts zu tun, und Rosenwasser ist ja auch allenfalls bei der Marzipanbereitung erforderlich, oder wenn man ein paar Rosenkreuzler zu Besuch erwartet und ihnen einen Willkommensdrink servieren will. Früher waren da immer so nette Anzeigen für die Rosenkreuzler in den Western- und SF-Heftchen, die ich las, Überschrift: "Haben Sie schon einmal gelebt?", Mysterium der Wiedergeburt usw. man sollte sich ein Broschürchen unter einer Postfachnummer bestellen. Seitdem weiß ich, alle Rosenkreuzler beten den Rosenkranz und kommen out of Rosenheim, und sofern sie militärisch zur See fahren, gehören sie der Rosmarine an.


    votre commentaire
  • Nee, ne? Das glaub' ich jetzt nicht. Sackgrobes Salz aus einem Fast-Terrorstaat wird mir heute, am Breitscheidtag, in die Wunde gestreut. Das konnten die Pakistansalz im GlasKalendermacher natürlich nicht voraussehen. Voraussehen hätten sie können, dass wir am 21. sehr enttäuscht sein werden, kein Türchen aufmachen zu können, denn sie haben, wie sich erst heute herausstellt, diese NummeBeim Kofferraum schließen aufgepasstr 21 vergessen und dafür zweimal die 17 aufgemalt. Ist das Zeug jetzt aus den Salzbergen südlich von Peschawar und Faisalabad, oder aus dem Salzsumpf im umkämpften (welche Grenze zwischen Indien und Pakistan ist eigentlich unstrittig?) Gebiet Rann von Kachchh, und wie spricht man das überhaupt aus? Hätten es denn nicht Kräuter sein können? Florales findet sich auch im offiziellen Wappen Pakistans, nämlich Tee und Jasmin (immer besser als ein plattgewalzter Raubvogel), außerdem Jute (für Galgenstricke geeignet), Weizen und Baumwolle. Dazu der Spruch "Glaube, Einheit, Disziplin", wovon namentlich letzteres dem Pöbel in Islamabad weitgehend fehlt. Wer mich lange kennt und dies liest, wird sich über meine soliden Vorurteilsstrukturen wundern, hatte ich doch als junger Mensch mal gedichtet, "gute alte Autobahn, nimm mich ein Stück mit, von Gummersbach nach Pakistan" usw. Jugendsünden, Schwamm drüber! Der Pakistani lässt  weihnachts mangels Tannenbaum die Fahnenstange brennen, amerikanische und israelische Flaggen, gern auch mal dänische, wegen der Karikaturen, die die 43 % Analphabeten im Land auch ohne Übersetzung verstehen - Volkstanz mit Grillfest auch beim Anschlag auf das World Trade Center, die Szenen sind mir noch aus der Tagesschau erinnerlich. Aber wo kriegen die bloß immer die Fahnen her, da muss sich doch jemand dumm und dämlich dran verdienen, der die Hoheitszeichen fürs Brandopfer aus der Baumwolle webt? Während sich die Besucher der Methodistenkirche nach dem Selbstmordanschlag noch in ihrem Blut wälzen, demonstrieren Tausende gegen eine eventuell mögliche Botschaft der USA in Jerusalem, falls sie nicht andernorts die wichtigste Straßenkreuzung blockieren, weil neuerdings in Pakistan erlaubt ist, wenn Politiker nicht auf den Koran vereidigt werden. Larifari, Caligari, Carbonari, Caliban - gleichviel, Pakistan ist der Schlaraff-Diwan der radikalislamischen Taliban aus Afghanistan.


    votre commentaire
  • Das Aroma ist ganz interessant. Endlich enthält es mal "Sesam", und zwar nicht nur Spuren davon (in der Spurenliste die üblichen Verdächtigen, Blechfisch aus SpiekeroogSellerie, Senf und Peanuts), sondern ganz offiziell und offizinal in der Zutatenliste. Dumm nur, dass ich mein schönes Fischrelief schon serviert habe in # 16, bei der Pariser Pfeffer Gewürzzubereitung. Aber diesmal ist wieder Salz, nicht Pfeffer dominant, und zwar enthält das Röhrli "Speisesalz 29 %"; gut, dass sie nicht das Faß mit Riech-, Streu- oder Schmelzsalz angestochen haben. Der Rest ist Paprika, Thymian, Oregano, Basilikum, schwarkohlrabisuppezer Pfeffer, Knoblauch, Majoran, Zitronengras, Zitronenschalen, Curcuma, Dillspitzen und, wie gesagt, Sesam. Eigentlich mag ich ja keine Mischungen, schon weil ich Zitrone lieber frisch (Schale) dranreibe oder (Saft) -träufele, aber das Schöne an den Adventspröbchen ist, dass es nicht zuviel auf einmal ist, damit kann man vielleicht drei oder vier Filets panieren oder eine ordentliche Terrine Fischsuppe würzen, das war's aber auch. Wozu brauchen die eigentlich Sesam, ist das mehr zum Abrunden oder um dem Kräuterstaub mehr "Körper" zu geben, bzw. das Gewicht nach Art von Ballast-Stoffen bei der Montgolfierenluftfahrt gewinnbringend zu maximieren? Wenigstens ist Sesam eine literarisch gewordene Lautfolge, ich sage nur, Ali Babacool in der Tausendundeinsten Nacht, vom "Sesam deines Namens, das alle Reichtümer bergen soll", spricht Walter Benjamin, und Sesemi Weichbrod, der Name kommt bei Thomas Mann in den Buddenbrooks vor. Aber dass zum Jubiläum des Kölner Nobelpreisträgers, der die Erzählung Du fährst zu oft nach Heidelberg schrieb, ausgerechnet in Heidelberg ein Riesenskandal um das Völkerkundemuseum entbrennt (um die Portheim-Stiftung, in die Sparkasse und Stadtverwaltung hineinregieren), dessen Protagonisten allesamt Heinrich-Böll-typische Familiennamen haben, finde ich wunderbar: Koepff und Gerner, die Museumschefin Pavaloi, Siegbert Moraw, ein Unternehmererbe namens Reimann-Dubbers, die Indologin Boehm-Tettelbach, die über eine seltene Nervenkrankheit auf Guam habilitiert hat, das hätte sich kein Romanschreiber ironischer ausdenken können. Bin schon gespannt, wie das ausgeht!


    votre commentaire
  • Na bitte, auf der Zielgeraden erinnern sich Salz nebst Pfeffer im mediterranen Adventskalender an die nordeuropäischen Normalo-Gewürze, in diesem Fall an den Fisch-, Gurkensalat- und Senfeier-Aufheller namens Dill. Da ich mir immer alles über RKräuter ernten verboteneime merke, Dill im Kräutersackist der Dill mir schon als Kind unsterblich in Erinnerung geblieben durch sein Reimwort "still". In James Thurbers Erzählung Das geheimnisvolle O hat ein zum Diktator geputschter Pirat namens Black (er steuerte sein Schiff, die Aeiu, an die Gestade der Insel Ooroo) den Gebrauch des ihm zutiefst verhassten Buchstabens O und alle mit ihm benannten Gegenstände verboten. Daraufhin beklagen sich nicht nur die Regisseure, die statt Opern wie Oberon nur noch Pern wie Bern aufführen können, sondern auch die Hausfrauen, die ihrerseits Gewürze wie Rosmarin, Estragon, Origano und Majoran vermissen. "Seid still, ihr habt doch Dill!" entgegnet der Diktator. Anderes Beispiel aus der Literaturgeschichte: Die Landpomeranze Dörtchen Schievelbusch, Tochter des tugendhaften Aufklärers in einem Dorf namens Plundersweilen, wird von ihrem Schöpfer, dem Bühnendichter Peter Hacks, mit dem versifizierten Lob des Krauts zitiert: "...und gereicht es nicht dem Dill zum Ruhme, dass er zierlich Frucht zu tragen weiß'?"  Und was sagt die Bibel dazu: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer", heißt es im hier schon zitierten Matthäusevangelium: "ihr Heuchler, ihr geht den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen..." Aber Merk- und Denkwürdiges über den Dill sagt auch der Prophet Jesaja: "Nicht wahr? Wenn er seine Oberfläche geebnet hat, streut er Dill und säet Kümmel und steckt Weizen und Gerste und Spelt an seinem Rand." Dill und Kümmel, eine komische Kombi, klingt nach Salafisten-Salatbeilage. "Dill wird doch nicht mit dem Schlitten gedroschen, noch über Kümmel das Wagenrad geführt, sondern Dill wird mit dem Stab und Kümmel mit dem Stocke geklopft." Die zarte, ihre Netzfingerchen wundermild verzweigende Dillpflanze mit dem Stab klopfen? Da kann ja nichts gedeihen. Kein Wunder, die fanatischen Frömmler wollen einem allen Geschmack ausklopfen und ihr stumpfes Bücken-Nicken und Dreinfinden in asketischen Verzicht aufschwatzen. Selber Heuchler!


    votre commentaire