• Die rote Linie überschritten ist auch so ein Quatsch. Ständig höre ich Anglizismen in den miserabligen Übersetzungen von Krimiserien. Und immer wieder wird ein Steak falsch serviert! Neulich hatte ich aus einem gedruckten Krimi das kulinarische Beispiel vom geschwungenen Fischfilet zum Steak gebracht. Vorige Woche kam in einer dieser TV-Serien, ich glaube es war "Vera", eine mißlaunige Polizeikommissarin aus Großbritannien, die erfreulicherweise nicht viel redet, aber ihre Kommentare zum Geschehen mit so pessimistischen "Mhm" und "Hach"-Lauten erkennen läßt (meine Frau und ich haben uns das seitdem regelrecht angewöhnt!), also da kam vor, wie ein junger Mensch von einer Dame auf ein Steak eingeladen wird, "Ich mach Dir auch ein Steak", so in der Art und es folgte "...mit Nierchen!" Und nicht nur das, der Blödsinn wurde am Ende der Szene noch mal wieder aufgegriffen, wie 'ne rennende Pointe: "Und vergiß nicht das Steak!" strahlte er sie bedeutungsvoll und lüstern an. Blinki, blinki, Augenzwinki: "Mit Nierchen!" Lecker, wenn man ein Steak hat und dann auch noch Saure Nieren in Sahnesauce dazu bekommt, mit KarlToffel-Püree als segondi piatti vielleicht? Dabei waren die Innereien, die Leopod Bloom seiner Nora am nächsten 16. Juni zum Frühstück mitbringt, gar nicht gemeint. Sondern, wie mir mein Rückübersetzerprogramm im Gehirn vorschlägt, aller Wahrscheinlichkeit nach "Kidney"-Bohnen, die ganz vorzüglich zum Steak schmecken, aber dann sollte das Gericht gefälligst Steak mit Bohnen heißen ("schon wieder Bohnen", wie die Wildwestleute am Lagerfeuer stöhnen, wo sie Nacht für Nacht von lauter lebenden Steaks umgeben, die immergleichen Dosenbohnen kriegen, die Andy Warhol dann zum Pop-Kult gemacht hat).

    Wegweiser zum Pfad des amerikanischen FreundesZurück ins Glied, bzw. auf Linie. Früher gab das keine "rote Linie" zum Überschreiten in der deutschen Alltagssprache, da hieß das meiner Erinnerung nach Grenze. Oder? Oder, oder, oder. Okay, da gab es die Oder-Neiße-Linie, eine wahrhaft "rote" Linie (ich sage nur: Linie mit Vorhang, der aus Eisen ist gemeint) - eine graniza, die man ungern eine "Grenze" nennen wollte, weil die Ewiggestrigen noch nicht ahnten, daß Schlesien auf jeden Fall "unser" bleibt, unser Schlesien nämlich in der Erinnerung, dem schönsten Paradies ohne Vertreibung. (Hatte ich nicht schon mal vorgeschlagen, das ewige "und, und, und", mit dem man eine sinn- und endlose Folge von Aufzählungen abzukürzen vermeint, jedesmal mit "oder, oder, oder" zu substituieren, um den Schwachsinn gleich ins Extrem zu steigern und dadurch aufzuheben?)

    Jetzt aber Trump, der dafür ja schließlich Präsident geworden ist, uns jedenTag mit neuen Lach- und Sachgeschichten zu überraschen. Törööö! Gestern soll er zu dem Giftgasmord des Massaker-Assads gesagt haben, es seien "mehrere rote Linien" überschritten worden, wie der SPON-Videokommentator höflichst übersetzte, ich hab es aber im Radio zuerst gehört, da blieb der O-Ton länger stehen, und es hieß doch wirklich und wahrhaftig "MANY, MANY LINES!"Ampelwunschknopf

    Dass wir die Sch%*!#%&!metaphern aus dem amerikanischen Politikerspech eins zu eins übernehmen, schlimm genug, aber Trump hat echt nicht begriffen, wie die Metapher funktioniert. Also nochmal für Doofe. DA ist eine rote Linie -------------------------------------------------------------------

    und WEHE du überschreitest die, dann gibt's Kasalla, d.h. Boykott, internationaler Steckbrief, Einmarsch von Bodentruppen, Absetzung, Kriegsverbrecherprozess und notfalls den Strang oder bei zeitigem Abschied von eigenen Gnaden das gutdotierte Exil auf Sankt Helena oder am neutralen Genfer See.

    EINE rote Linie, wenn schon, denn schon. Nicht zwei, drei, oder vier. Man merkt es gleich, wenn man "Grenze" dazu sagt, dass es anders nicht funktioniert. Mit den vielen Linien, das war Chamberlain in München 1938, das klappt nicht. Hier ist die Grenze, und jenseits davon ist Schluss.

     

    P. S. es war natürlich doch nicht Schluss. Keine zwei Wochen später kam ein Krimi mit Inspektor Banks, und was passiert kurz nach Beginn? Bilder von losdüsenden Blaulicht-Polizeiwagen, Lautsprecherdurchsage: "Achtung, an alle Einsatzkräfte: Leiche im Moorgebiet!" Ich denk schon, jetzt muss sich die Truppe aber mit Gummistiefeln ausrüsten und einen schlammverkrusteten Ertrunkenen im Bodybag bergen, aber nein, man spazierte trockenen Fußes durch... erika-überwucherte Heidelandschaft. Der Übersetzer kannte wohl den schönen Folksong - most beautifully rearranged for Hohner organ and guitar by Paul Brady - nicht,  "Heather on the moor, over the heather, over the moor and among the heather...": da setzen sich der Schürzenjäger und die schöne Schäferin direktemang hinein ins Moor.


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  • Das lebhafteste Vergnügen, das ein vernünftiger Mensch in der Welt haben kann, ist:
    neue Wahrheiten zu entdecken, das nächste nach diesem ist: alte Vorurteile loszuwerden.
    Friedrich der Große

     

    10.2.1821

    Der Fürst Sulkowski, erst bonapartistischer General, jetzt preußischer Pole, sagte neulich hier: "Man glaube nur nicht, daß wir Polen so sehr eine besondere Nation und durchaus Polen sein wollen, unsere Hauptforderung ist, daß wir Europäer sein wollen; denke man nur nicht, uns Landstände zu geben und uns in Polen berathen zu lassen, damit ist uns gar nicht gedient, aber Reichsstände wollen wir, und zu denen wollen wir nach Berlin unsere Deputirte schicken, und da sollen sie reden!"

    18.6.1821

    Der Kaiser Alexander hat in Warschau zu einer Gräfin, ich glaube Potocka, gesagt, der Kongreß von Laibach werde der letzte in dieser Art gewesen sein, da schon hier das allgemeine Einverständniß aller Staaten vermißt worden; es würde nun jeder Staat wieder auf das vorige System zurückkommen müssen, sein eigenes Interesse möglichst zu verfolgen.

    26.6.1821

    Man spricht hier mit Abscheu und Empörung von der Art, wie Oesterreich sich in der griechischen Sache benimmt; daß die Flüchtigen, die sich vor den Türken in's Oesterreichische retten wollen, wieder zurückgetrieben werden sollen, nennt man schändlich und erbärmlich. Selbst Personen, die nicht gern den Respekt vor den Regierungen vergessen, gebrauchen mit Heftigkeit jene Ausdrücke.

    (wird, wenn's mir so passt, fortgesetzt)

    27.7.1821

    Der russische Kaiser erklärt den Polen, da sie sich zur freien Verfassung und Selbstständigkeit so schlecht anließen, und ihm so vielen Verdruß machten, so werde er sie mit dem russischen Reiche vereinigen.

    2.11.1821

    Mit Unwille und Abscheu spricht man über das Benehmen der Mächte in Hinsicht der griechischen Sache; "Sie werden die Griechen untergehen lassen, und nachher doch zum Kriege gezwungen sein; die unmenschliche Grausamkeit, die in ihrem gleichgültigen Zusehen liegt, wird ihnen dann nichts geholfen haben, und die Schande wird ihnen bleiben ohne den Vortheil".

     

    26. Juli 1845
    Anekdote, daß damals in Wien [1814] aus dem russischen Kabinet einige Landkarten dem preußischen mitgetheilt worden, zum Behuf untergeordneter Berichtigungen, daß aber darunter ein Blatt sich befinde, worauf Rußlands Gränzen bis zur Elbe ausgedehnt waren über welche der König sich dermaßen entsetzt habe, daß er lange eingeschlossen geblieben, nachher aber höchst ärgerlich die Karte dem Offizier, der sie ihm vorgelegt, mit den Worten zurückgegeben habe: „Dumme Kabinetsprahlerei, weiter nichts.“


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  • Radolfzell Denkmal Krieg und GewaltherrschaftDie Richter in rotseidenen Kutten zieren heute fast alle Tageszeitungen, ist ja auch mindestens so photogen wie die Dumpfglatzen in Lederkluft und Stinkestiefeln, deren Recht zur Parteienbildung nach vierjähriger Prüfung endlich - seufz! - bestätigt wurde. Beim ersten Mal klappte es nicht so ganz, weil sich die NPD-Funktionärs-Ebene als weitgehend vom Verfassungsschutz lanciert und finanziert herausstellte. Schön lächerlich hat sich der Staat damals gemacht. Im Grunde waren das doch alles seine Leute! Was mögen die heute beruflich machen?

    So leid mir das tut für alle, deren Familien bedroht und deren Unterkünfte mit Segen dieser "Partei" abgefackelt wurden: Vaterländerei oder Universitätseingang?Dass die Täter, die solches verüben, unnachsichtig verfolgt und bestraft werden, ist vordringlich und richtig. Natürlich sollen militante Kameradschaften, Wehrsportgruppen etc. rücksichtslos unterdrückt werden. Der Zschäpe gönne ich auch ein paar Jahrzehnte gesiebte Luft.

    Wer in gewissen Kommunen im Oberbergischen noch immer Hitlers Geburtstag feiert, den Hitlergruß zeigt und / oder den Holocaust leugnet, soll gern ins Loch geworfen werden und hinter Gittern zur Besinnung kommen. Aber, und jetzt kommt ein vielleicht überraschendes ABER - ich war und bin gegen ein Parteiverbot der NPD und finde das Urteil auch dahingehend richtig, dass zumindest für diesmal die Verfassungsfeindlichkeit der NPD höchstrichterlich überprüft und ein für allemal festgestellt ist. Warum? Ein paar Gründe:

    0. Ich hätte diese Partei lieber nicht. Könnte die nicht mal kurzerhand geräuschlos platzen? Oder die Mitglieder fänden es plötzlich klasse, sagen wir, an Führers Geburtstag um 5.45, auf einen Gongschlag hin, in den Emsmooren, wo sie am tiefsten sind, kollektiv Selbstmord zu begehen? Wäre für spätere Archäologen ein hochinteressanter Fund! also, überlegt's euch, dann brauchte es das folgende nicht.

    Mahnmal der Schande1. Ich hab nun mal was gegen Verbote, die nicht unbedingt (wie Fahrverbote bei 0.9 Promille und so) sein MÜSSEN. Allerdings bin ich andererseits sehr für die Einhaltung und Durchsetzung von Ge-Boten. Wenn unsere Ordnungshüter dafür sorgen würden, dass das letztere mal richtig klappt, bräuchten wir das erstere gar nicht so zu strapazieren. Ansonsten denke ich, soll Denkfreiheit sein, von Denkverbot reden eh nur die, die erfolgreich seit Jahren ihrer Großhirnrinde das Denken verbieten. "Ich denke sowieso mit dem Knie." (Joseph Beuys)

    2. Völkisch-nationale Rassisten gab es "schon immer", also lange, lange vor 1933, und im ZugeTransparente Beschriftung in Radolfzell der Gründung der Bundesrepublik blühten sie erst richtig auf. Etliche von ihnen waren auch im Bundestag vertreten. Deutscher Block, Trampelnde SoldatenDeutsche Partei, DRP, von den SS-Kameradschatsabenden, Vertriebenenverbänden usw. zu schweigen. Es würde geradezu an ein Wunder grenzen und wäre absolut undeutsch, wenn dieser so liebevoll gehegte braune Ungeist nach 1945 einfach verduftet wäre. Und ein Parteienverbot bringt ihn auch nicht in die Flasche zurück. Bliebe er drin, würde er nicht die Luft so sehr verpesten. Aber ist es nicht besser, die Schadstoffemission ist optisch und olfaktorisch erkennbar? dann können wir nämlich was dagegen tun, und die Verursacher zur Rechenschaft ziehen, ohne dies irgendwelchen Richtern oder an die Polente zu delegieren. Also zeigt mal schön Flagge, ihr Nazis, wenn auch nicht Reichskriegsflagge, die haben die Alliierten verboten. Aber ich weiß noch, wie ein gewisser Martin Mussgnug brauner Spitzenkandidat war und die gesamte Deutzer Brücke mit NSDAP NPD-Wimpeln beflaggt war. Weiße Symbole, roter Hintergrund, da kamen alllerlei Erinnerungen hoch. Aber statt über die Reling zu kotzen, haben ich und Freunde die Wimpelchen eins nach dem anderen - ritschratsch abgerissen. Mit dem Erfolg, dass die Reichskölner heute ihre sog. pro(st)-Köln-Plakate sieben bis zehn Meter hoch hängen müssen, damit das nicht wieder vorkommt. Und da oben kann sie keiner lesen, hähä.

    3. Ein Parteienverbot führt unsere Demokratie ad absurdum. Wo sollen die Meinungen der Ewiggestrigen hin? die kommen unbemerkt in etablierten Parteien unter, wo ich sie auch nicht gern sehe. Wäre die NPD am vergangenen Dienstag verboten worden, hätte die AfD auf Anhieb ein paar tausend Wähler mehr. (Desgleichen Herr Seehofers CSU, wenn die AfD in Bayern nicht antreten dürfte.)

    4. Dass sich in den 1950er-Jahren Altnazis in Medien wie ZEIT und SPIEGEL tummelten, bei BND und Verfassungsschutz, im Auswärtigen Amt und auf jeder denkbaren Verwaltungsebene, ist kein Geheimnis. Kindisch wäre die Vorstellung, wir verbieten dieses Völkchen und dann ist es "weg" - bevor sie sich in ihre Splittergrüppchen verkriechen, sehe ich lieber zu, was sie programmatisch vorzubringen haben.Braunschweig im Jahre 33

    5. Denn eine Partei zu bilden heißt, auch anzutreten und sich zu offenbaren. Die Wahl selber findet im Büdchen statt, aber der Kandidat muss vom freien Rederecht auch Gebrauch machen. Der kriegt keine Stimmen, wenn er zuhause bleibt. Da Karlsruhe mit schöner Eindeutigkeit formuliert hat, dass die NPD verfassungsfeindlich ist, weiß man, was man von den Kandidaten zu halten hat. Raus mit ihnen aus Polizei, Beamtenjobs, Schulen und Co.

    6. Bestes Beispiel: Björn Höcke, die laberselige fleischgewordene Deutsche Volkheit. Ich kenn den Mann nicht persönlich, aber die Bilder, die von ihm veröffentlicht sind, und dieses Youtubevideo vom Ballhaus Watzke (what a name!), wo er so vor jedem Wort vier Zögerpunkte macht.... Liebe.... Mitstreiten.... Patrioten.... nah und fern...." und so weiter und so wirr, wie sich der Pöbel schon gröhlend bepisst, weil er behauptet "überglücklich" zu sein, oder den Namen "Merkel" fallen lässt - da bricht alles in Sprechchöre aus und klascht frenetisch, incl. Vorstandspodium, damit Hans J. Volk auch merkt, wann er mit den Geblöke aufhören soll. Beim Ballhaus-Schwur des Stubenhöcker riecht man den gesammelten Mundgeruch und Fußschweiß dieser Deutschländerwürstchen. Gut, altersgreise Wirrköpfe mit allen Anzeichen verhetzten Spaltungsirreseins beim Herumbrüllen sind nicht jedermanns Geschmack, aber das bleibt auf Sendung, ich will das jetzt sehen. Das darf nicht so einfach ausgeschaltet, verboten und hinterm Waffenschrank des SS-Großonkels versteckt werden.

     Platz der NS-Opfer in München7. Außerdem zwingt es die Parteien, mal über den Selbstbedienungsladen nachzudenken, den sie sich in der Kohlära geschaffen haben. Inzwischen wird selbst für nicht abgegebene Wählerstimmen ein Betrag ausgezahlt und regenschauerartig über den Parteien verteilt. Ohne diese Kohle würde die NPD ja auch längst eingegangen sein, trotz großzügiger steuermindernder Spenden aus der Miller-Mülch-Spesenkasse. Die Parteien halten sich für unverzichtbar. Dabei heißt es doch, die Parteien sollen nur "mitwirken" am Prozeß der politischen Willensbildung. Der findet nach meiner Meinung besser anderswo statt. Und wie steht es mit der innerparteilichen Demokratie? Da sollten die etablierten Parteien sich mal an die eigenen Versäumnisse erinnern. Wenn der Populismus überall Tr(i)ump(he) feiert, hat das wohl auch damit zu tun, dass die Mehrheiten sich für unantastbar halten und nicht mehr auf die Minderheiten hören, statt deren Argumente einzubeziehen in das politische Handeln, ihre Opposition für die eigene Meinungsbildung zu nutzen. Die Große Koalition hat ja schon dafür gesorgt, dass das Rederecht ihrer Gegner auf Minuten verkürzt wurde. Sorgt für mehr Demokratie in allen Lebensbereichen, und lasst alle mitreden, statt euch durch Verbotsmaßnahmen abzuschotten.

    8. Wo bitte hat es dieser Abschaum geschafft, in nennenswerter Zahl die Landtage zu erobern? Nun muss g'nug sein! - (m)eine UrteilsbegründungWenn überhaupt drin, haben sich ihre Fraktionen umgehend im Pöstchenkampf selber zerlegt. Ein Spitzenkandidat im Osten konnte mal gar nicht erst antreten, weil er sich im Titanic-Telefoninterview hat reinlegen lassen und ausplauderte, wo sein Hund, den er getötet hat, begraben ist. Bisher kandidieren keine ernstzunehmenden Intelligenzler für deren Sache: Verschwörungstheoretiker, arbeitslose Journalisten, randständige Juristen sind das Namhafteste, was sie an Land ziehen. Und was die von sich geben, füllt nicht nur Unwörterbücher, sondern ist auch schlichteren Gemütern als Hirnriss leicht erkennbar. Angesichts der Mickerprozente der Protestparteien hat sich die Wählerschaft bisher gescheit verhalten.

    9. Kurz, ich vertrete, was in einer Demokratie selbstverständlich sein sollte, Meinungsfreiheit für alle, selbst für die Ewiggestrigen. Die geben sich doch paranoisch gern als Märtyrer einer eingebildeten Lügenpresse aus, die ihre Vernunftgründe nicht zur Kenntnis nehmen will. Dabei ist die PEGIDA ein reines Presseerzeugnis, ohne breite Resonanz in den Schlagzeilen wären auch diese Montagsdemos folgenlos geblieben wie die Stuttgart-21-Mahnwachen. Lasst also die Rechten ihre Rechte heben ausüben, wie alle anderen auch, solange sie friedlich bleiben und nur verbal herumprovozieren - falls sie sich nicht an die zivile Ordnung halten, Handschellen dran und abführen, die ekligen Miesnickel.


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  • Gegen 9.30 ging der Lärm des Baustofftransports wieder los. Unsere fürsorglich ausgelegte Dämmstoff-Jute hat keinerlei Interesse gefunden, ebenso wenig halb geknackte Walnüsse und Nusskerne. Statt dessen wird unermüdlich abgeknabbert, rausgerupft und nach oben abgeschleppt, keine Ahnung, wo das Projekt realisiert werden soll. Wir gehen nachher mal ums Haus, vielleicht kann man das Nest von außen sehen, an der Regenrinne oder so, vermute ich, oder unter den Dachziegeln? In den Speicher sind sie nicht vorgedrungen, bisher.

    Eichhorn beisst den Faden ab


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  • Eichhörnchen klettert talwärts auf dem SpalierWenn man noch jung ist, ist man andauernd auf der Suche, giert nach Party, Leckerlis und willigenMerkwürdige Verrenkungen eines Eichhörnchens Kooperationspartnern auf sexuellem Gebiet, wer denkt da an Häuslebau und Vorratshaltung? Schon in der Einzimmer-Studentenbude stellt sich meist unversehens erster Nachwuchs ein. Kommt man in die Jahre, ist der Sturm und Drang vorbei, größere Wohnungen mit geräumigen Schränken werden angemietet, es füllen sich Scheuer, Sparbuch und Kellerregal, und wird erst der Bausparvertrag zuteilungsreif, hat man - wenn man nicht in den Alleen unruhig hin- und herwandeln und anschließend lange (schnorrermäßige) Briefe verfassen muss - nur noch mit Best- oder Hanglagen, Grundrissen und Genehmigungen, Bauleitung, Bitumen und Gaszentralheizungsfragen zu tun, schon um für den Winter des Lebens gerüstet zu sein - und wie ein türkisches Sprichwort sagt: Ist das Haus fertig, zieht der Tod ein.

    Eichhörnchen nähert sich heimlich

    Nicht so bei unseren nächsten Nachbarn, den Kleinnagern, da spielt sich der ganze Reigen entweder in umgekehrter Reihenfolge oder jedenfalls in schönem Durcheinander ab. Es muss ja auch viel schneller gehen, die haben nicht so viele Jahre vor sich. Erst bevölkern sie, als Babys noch scheu, unseren Ausrupfen einer Ranke am BalkonBalkon und suchen nach geschnippelten Möhren und allerlei Nußwerk, das, wenn von den Spendern nicht sorgsam vorher aufgeknackt, irgendwo sinnlos verbuddelt wird, im Frühjahr gehen sie gern auch mit viel Geschick an die ausgehängten Meisenknödel und hangeln sie sich hoch zur Regenrinne am nächsten Etagenbalkon, dann - aber erst im späteren Frühjahr - rasen sie die Bäume rauf und runter und spielen "Nachlaufen" (haha, mon oeuil!), und wenns mitten im Winter plötzlich schneit, fällt den Eichhörnchen ein, sie könnten sich doch mal einen netten kleinen Wohnplatz einrichten, um nicht frieren zu müssen und (wie ich diskretionshalber nur vermuten kann) den dann nach einer Weile mit einem Wurf nackter Mini-Nager für die vergessliche Nachwelt bevölkern.

    Eichhörnchen klettert hinauf zum nächsten BalkonSo dachte jedenfalls heute früh, am 3. Tag des Jahres, ein hier ansässiges Eichhorn, das sich überhaupt nicht für meine "Auslegeware" interessierte, sondern stracks an unserem Balkon vorbei über ein ziemlich prekär aufgehangenes Spalier nach oben flitzte. In den oberen Stockwerken gibt esHundehalterin sammelt teilweise ein vielleicht mehr und besseres Futter, dachten wir, oder diese Generation zieht das vom qualmenden Asozialen verfütterte Erdnuss-Fast food unseren anspruchsvoller zu knackenden Walnüssen vor? Das Spiel wiederholte sich ein paarmal, und zwar sprang das Tier beim  Herunterkommen in den Flieder, verschwand aber nicht über diesen Zwischenaufenthalt im Hof, sondern riß einen Fliederzweig ab und enteilte mit dem Zweig im Mund wieder über das Spalier nach oben. Beim nächsten Mal war das Baumaterial erheblich größer, und am Ende breit verzweigt, und wir sahen mit Staunen, wie geschickt sich das Tier behalf, mal die eine, mal die andere Seite hochruckelnd, und wieder nach oben verschwand. Später stiegen wir zum Trockenspeicher hoch, fanden aber keine Spuren der Tiere, für die das in vielen Jahrhunderten aufgehäufte Möbeltrümmer-, Urväterhausrat- und Klamottenwesen unserer sperrmüllsammelwütigen Nachbarn ideale Lebensbedingungen böte. Neben Matratzen, ausrangierten Bodybuildinggeräten und unter eingestaubten Plümos und Decken vor sich hin gammelnden Kleinmöbeln fehlt es allerdings an einem Nußvorrat, den man aber von umliegenden Balkons zusammensuchen könnte, wäre da ein Durchlass.

    Wie dem auch sei, beim nächsten Raubzug entdeckte das Eichhörnchen auf unserem Balkon eine viel einfacher abzuzurrende Ranke, irgendein winterhartes Hopfenzeug, was neben der zartstieligeren und längst abgewelkten Morning-Glory-Wicke im Sommer für Sichtschutz zum Hauseingang hin sorgt. Erst fielen mir die sonderbaren Turnbewegungen am Spalier auf, dann merkte ich, wie das Biest mit ausgestreckten vier-Finger-Krallen an der Ranke rupfte und sie schließlich beherzt durchzubeißen hatte, um mit dem noch belaubten grünen Zweig den Koben, wo immer er sich befinden mag (vielleicht in der Regenrinne oder in einem Hohlraum unter den Ziegeln), auszupolstern.

    Natürlich haben sich auch unsere Lieblingstiere in dieser Gegend heute früh 8.30 eingefunden, ich meine den zweibeinigen Hundehalter, homo dementus exkrementis distribuans und sein Weibchen. Dieses menschenähnliche Tier legt sich einen vierbeinigen Schmarotzer zu, um das Verdreckungsbedürfnis delegieren und gefahrloser ausleben zu können. Macht man es auf das Asoziale seines Tuns aufmerksam, merkt man, dass die Hundeliebe jede Vernunftschranke längst eingerissen hat. Die blonde, schwarz kostümierte Welpe auf dem oben abgebildeten Schnappschuss, den ich aus allzu weiter Ferne und daher nur unscharf aufnahm, war zwar mit rotem Beutel munitioniert und in offenbarer Absicht hygienischer Optimierung gebückt, aber versteht sich, erst nach vollzogener Verdreckung, und zwar auf der Wiesenecke unserer Etagennachbarin - aber dafür direkt unter dem Verbotsschild (links im Bild ist der Pfahl zu sehen). Na, wenn ich das wegmache, ist es doch in Ordnung, wenn ich das Schild ignoriere, oder??? Wer jetzt noch Haufen macht, der traut sich gern noch mehr! Dass sie die Exkremente ihrer Wirtstiere (sie hatte zwei, einer lief unangeleint zur nächsten Wiese) beschnüffelt und entfernen wollte, half nichts, hinterher blieb ein Reststück liegen, das sie evtl. aus Ärger über mein Fotografieren übrig ließ. Direkt unter Hundehaufenmachenverboten-Schild abkacken zu lassen, ist schon ein guter Neujahrsvorsatz für sich. Und wir haben von allen Schildern, die man hier im Viertel so sieht, zwei der größten, am ehesten Verkehrsschildern ähnlichen abbekommen. Schilder? vergeudete Kreativität...hundeverbotsschild_donaueschingenHundeverbottschild_HonnefWer jetzt kein Haus hat, baut erst rechtWer jetzt kein Haus hat, baut erst rechtWer jetzt kein Haus hat, baut erst rechtWer jetzt kein Haus hat, baut erst recht


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