• Merkwürdig, wie militant die Gewürze benannt sind! Man könnte eine Parodie daraus schreiben: Der Origano von der dritten Estragon heftete sich den Sternanis und blickte sauerampfer den Majoran: "Vanillegestanden! - Wenn gerebelt wird, muss ein Ruccola durch den Sellerie gehen..." Genervte ZuschauerTrotzdem, Literaturwerke oder gar Dramen, in denen die Protagonisten würzige Namen tragen wie Estragon, Humkoke, Kameliendame oder Wasabi können mir gestohlen bleiben. Gestern waren wir im Kellertheater und sahen "Lenz" von Georg Büchner. Was, das ist doch ein Prosafragment? Macht nichts, lässt sich spielerisch mörser für kräuterin Monologe auflösen und auf drei Bühnenrollen herunternumerieren: Pfarrer Oberlin, Pfarrerin und Lenz. Und dazu mixen wir sämtliche Klischees des Kellertheaters seit seiner Gründung in den muffigen fünfziger Jahren, als die Keller dramaturgisch zwischengenutzt werden konnten (inzwischen empfiehlt es sich wohl schon wieder, Luftschutzräume draus zu machen): Vögeln auf der Bühne, Gebrüll, Haue, eine Fehlgeburt, noch mehr Gebrüll, Blut, Schweiß & Tränen, Herumgehampel, Suicidversuch, Grabschaufeln mit (echter) Erde, Ice Bucket Challenge über derselben, damit ordenlich Schlamm angerührt wird, durch den Zuschauerraum Nachlaufen spielen, Publikum mitspielen lassen (wer von euch will denn einen Apfel?), zwischendurch ein Rap mit breakdance und ich denk schon, ich seh gar keine nackte Haut mehr, da knöpft sich der Hauptdarsteller schon die Hose auf und zieht sich aus, Unterhose allerdings behält er dann doch an. Gefehlt hat eigentlich nur Pyrotechnik und ein Pferd oder wahlweise Hund auf der Bühne. Dabei aber immer schön am Wortlaut entlang, damit sich der Besuch für die Deutsch-Leistungskursklassen auch gelohnt hat. Der Vorteil an Büchners Lenz ist, dass drei Epochen gleichzeitig behandelt werden können: Sturm und Drang, Vormärz und "1968" wegen Peter Schneiders Romanifizierung eines  studentenbewegten Lenz. Der Hauptdarsteller war ganz gut, weswegen man nicht rauslaufen wollte. Hinterher Gelegenheit zur Diskussion mit dem Ensemble. Seufz. Wann kommt endlich mal wieder so eine tiefgreifende Theaterreform mit neuer Einfachheit, frewilliger Schlichtheit und größtmöglicher Verfremdung, am besten nur Lichtregie - das war doch immer ganz erholsam?


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  • ¡Hola! Allmählich merke ich, dass mein Gewürzkalender mehr ins Scharfe und Mediterrane zielt, mithin all das, was in exotischenHinweissschild in einem Sylter Klo Gegenden wie Aldiland, Lidliput und Nettopotamien als tägliche Kost feilgeboten wird. In deren Wochenprospekten brutzelt und zischts nur so von Toscana-Scherenschnitt von Ruth KrachtPfannen und Extra-Vergine-Orgien. Was in dem Gewürzkalender fehlt, nach dem ersten Drittel kann natürlich noch alles kommen, wären die eher "normalen" Würzungen, für Hausmannskost, Liebstöckel beispielsweise (Weihnachtsgans!), Parsley, Sage, Rosemary & Thyme, den Letztgenannten hatten wir allerdings doch schon unter # 5 aus der Kalenderröhre gezogen. Zu den Chiliringen fällt mir nur ein, dass man sie, im Sinne des von Simon & Garfunkel intonierten Liebesliedes, dem treulosen Lebensabschnittspartner als Hochzeitsringe anstecken sollte. Temporärer Schmuck entspricht viel mehr als die joldenen Jabeln zur jut jebratenen Jans meiner biomorphen Ästhetik; gestern erst im TV sah ich den verstorbenen Johnny Halliday mit seinen Tattoos und dachte, ob er sie sich nachher in der Garderobe abschminken ließ? Schließlich hat mir in den Endsiebziger Jahren eine Freundin beschwörend versichert, der Chansonnier Leo Ferré ließe auf dem Weg zum Konzert im Pariser Olympia oder andernorts den Fahrer seiner Luxuslimo in der verschwiegenen Seitenstraße halten und steige erst dort um in einen altersgerecht klapperigen Döschewoh, damit seine Fans nicht enttäuscht werden von dem bourgeoisen Lebenswandel des steinreichen Rebellen. Und ich kriegte ja eine solche Krise, als ich im Schwimmbad die ersten Sechsjährigen (!) mit Riesentätowierungen besah und beinah schon den Notruf beim Kinderschutzbund antelefoniert hatte, als meine Frau mir beruhigend zuraunte, das seien bloß aufgeschminkte, keine dauerhaften Entstellungen. Übrigens wird auch die Geduld mit diesem Kalender nicht von Dauer sein, wenn ihr erst spitzkriegt, dass er am 22. Dezember abbrechen wird, denn den 23. verreise ich und verbringe den 24. auf einer rinnsalförmigen Insel der nördlichen Wasserhalbkugel.


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  • Die Körner sehen wie Schrotkugeln aus und sind, beißt man drauf, schon ziemlich scharf, man sollte einen Schluck Wasser in der Nähe haben. Dumm nur, wenn die Versorgungswerke gerade das Wasser zentral abgestellt haben, weil ein paar Straßen weiter neue Wasseruhren montiert werden.Fußsohlen-Einlagengitter Informationspolitik ist auch nicht so deren Ding, "die Bevölkerung" hat man nicht informiert und bei den Genossen waren wir nicht die ersten, die sich beschwerten, wir erfuhren von dem freimütigen Mitarbeiter, die X. hätte auch schon angerufen.Teufel an der Kathedrale und das ist die preisgekrönte Erstbeschwererin, wieviele Anzeigen über mich da schon eingelaufen sind, wage ich nicht mir vorzustellen, aber der überkandidelte "Abmahnungs"-Brief sprach Bände, gegen den mein Lieblingsanwalt sofort eine Gegenabmahnung lospfefferte. Ansonsten fanden sich in meinem Wanderstiefel heute - frische Einlagen (die ich tags zuvor selbst da hineinpraktiziert hatte), ultradünn & atmungsaktiv, mit Frischeduft und antibakterieller Anti-Rutsch-Beschichtung. Ein merkwürdiger Fußzonenreflex läßt mich in dem Waffelmuster religiöse Symbole erkennen, das erinnert mich an die Legende von den holländischen Seefahrern, die bereit waren, sich ein unter die Fußsohlen tätowieren zu lassen, weil die Japaner das angeblich von allen Christenhunden verlangten, die Handel mit ihnen treiben wollten, und nur die Glövenixe aus dem Wiedertäufer-Ursprungsland und Reformatoren-Rückzugsgebiet waren - voller Gier nach dem schnöden Mambo, den sie um das Goldene Kalb tanzen - , bereit dazu. Bei den Pfeffersäcken, die uns das gute Gewürz über die Sieben Weltmeere brachten, und in neuerer Zeit die schlaffen Tomaten dazu, die man damit erst aufpeppen muss, kurz in den Niederlanden wird ja sogar der Leibhaftige selbst an der Kathedrale plakatiert, fast größer als diese selbst! Nee, nee. das ist hier nicht so gemeint und wenn doch, boykottiere ich ab sofort die pro-dm-Einkaufsbewegung!


     


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  • Thymian ist schon mehr mein Geschmack, ich nehme ihn zwar neuerding auch gern in medikamentöser Umhüllung ein, nachdem mir eine Freundin den echt guten Tipp gab, gegen meinen Seit-den-Siebziger-Jahren-Dauerschnupfen ein entsprechendes Präparat aus dem dm-Markt zu probieren, wirkt recht gut und verhilft mir zu einigermaßen durchgeschlafenen Nächten. Wie mir kolportiert wurde, bin ich heute nacht angestupst worden und musste um 3 Uhr den falsch gestellten Weckeralarm abwürgen - alles schön und gut, aber ich konnte mich partout nicht daran erinnern! Die Beweise sind eindeutig, Seid nicht zu gut zu Tierendie Sleeptaste war eingedrückt worden. Von mir? Ich merk mir sowas doch und v. a. kann ich dann stundenlang nicht einschlafen. Nach meinem Eindruck habe ich mit trockenem Mund und sich mählich füllender Rotznase, die dann immer mal rumgedreht werden muss, um das zähe Zeug in die andere Richtung fließen zu lassen, prima durchgeschlafen. - Ich hatte zwar eine Wachphase gegen 4, aber von Weckerklingeln keine Ahnung. Tatsächlich war es dann halb acht, als ich erwachte, und das Frühstück vorbereitete und tatsächlich stand der Wecker, der um acht klingeln sollte, auf zehn nach zwei und war vermutlich durch falsches Einrasten der Drehknöpfli hinten von der Weckerstellerin irritiert worden, dass er drei für acht Uhr hielt und fünf Stunden später auf viertel nach Zwei zeigte - eigentlich logisch. Im Grunde ja alles auch okay, ich war von einem langwierigen Traum abgelenkt, wo mir am Schluß irgendwie in Norddeutschland ein blitzblank gebohnertes, brandneues Kulturzentrum gezeigt wurde, der Bürgermeister lief da schon herum, es war kurz vor Beginn einer Veranstaltung (nicht mein Auftritt, wohlgemerkt, ich war nur irgendwie dabei und sollte begutachten). Als man mich fragte, ob das Foyer richtig hell ausgeleuchtet werden soll mit vier Scheinwerfern in den vier Ecken, probierte ich in jeder Ecke, ob die mir mit grellem Licht in die AugKatze im Fensteren stechen, und gab zu bedenken, daß es doch recht warm werden könne in diesem Scheinwerferlicht und dieser Umstand vielleicht Besuchern nicht angenehm. Der Katze, die da herumschlich, war es nicht zu warm, wie sie mir anvertraute (!) und wie ich weitersagte: "Der Katze ist es nicht zu warm". Außerdem, man könne das alles "dimmen", versicherte ein Mensch in blauer Hausmeisterkluft, der sich auf einer Leiter zu schaffen machte. Ich sah dann eine Art Bordsteinkante in dem Foyer (war es nicht doch eine Bühne? im Traum fiel mir das nicht ein), in dem leeren Raum darunter sah ich Mäuse flitzen und rief ihnen zu, die Katze sei weg. Sie hatte sich tatsächlich verdrückt, nach draußen, aber neben mir tauchte ein Eichhörnchen (Eichkatze?) auf und die Maus, vertrauensselig herangekommen, wurde von ihr nach wilder Verfolgungsjagd geschnappt und wie ein Ball der Katze zugeworfen, die wieder da war, und überhaupt wurde die Maus schon zerstückelt, obwohl sie noch weiterlebte, und mit einem vagen Schuldbewußtsein dachte ich, die Überreste der Maus usw. müsse ich mit Kehrschaufel und Besen wegmachen, bevor das Kulturzentrum eröffnet wird...  da erwachte ich. Eben geht meine Nase wieder zu, ich schraube auf, rieche den herrlichen Tyhmian, alles wieder gut!


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  • Nicht durchs Internet ins Hintertreff kam der Katzschwänzkalender, sondern weil ich gestern einen alten Bekannten traf, den ich auch schon etliche Jahre nicht mefallendes Blatthr gesehen habe, wann immer wir uns treffen, diesmal im Goldenen Kappes, gibt's ein Gespräch über künstlerische Altersvorsorge. Der hat's echt besser drauf als ich mit der Kohle, weil er genauso wenig verdient wie ich aber immer neue Quellen erschließt. - Er kriegt offenbar jährlich einen Zuschuß von einer dieser obskureren, in luxusdampfergroßen, panorama-verglasten Modernsttempeln residierenden Tantiemenverwaltungsorganisationen (während die Urheber in schimmeligen Hütten vor sich hin darben), denen ich auch beigetreten bin vor Jahrzehnten, als ich mal kurz im Fernsehen gastiere# 4: Ingwer geschnittenn durfte und Radiosendungen machte. Wovon ich aber so lange nichts mehr gehört habe, dass ich glaube, dort längst aus der Kartei gestrichen zu sein. Aber andererseits, ausgetreten bin ich nicht, vielleicht winkt mir ja auch ein kleines Zubrot zu der mickerigen Sozialrente, die trotz ihrer Mickerigkeit alles übertreffen wird, was ich so durchschnittlich verdiene. Aber, fluctuat nec mergitur heißt mein Grundsatz und daher lasse ich mich nicht vom Selbstmitleid überfluten und halte Kurs wie der Schwimmer zwischen der schwarzen und der gelben Welle rechts im Bilde. Gelb, gelb, gelb sind alle meine Kleider, gottlob nicht die Finger vom Zigarettenumklammern, obwohl ich damals, in der Tantiemengesellschaftszeit, stark geschmokt habe, hab's mir dann beim zu frühen Tod mancher Bundesgenossen abgewöhnt und seither nicht vermißt. Gelb ist auch der Ingwer, den ich nicht so schätze und der heute in dem Würzkalender war, meinetwegen kann meine Liebste ihn rauchen oder in den Thee tun oder in Wischnu's Namen in irgendein indisches Wok-Gericht, da fällt der Ingwer nicht so auf. Aber das fallende Blatt links (etwa in der oberen Bildmitte) ist auch gelb, auf einem anderen Foto, das ich hab, sieht man das Fallen deutlicher, aber das ist natürlich verwackelt.


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