• Kampfwohnen - mein Freizeitsport

    Im Althochdeutsch-Kurs an der Uni begegnete mir ein deutsch-fränkisches Glossar mit allerlei nützlichen Redewendungen, auf Althochdeutsch, offenbar für Reisende gedacht, da waren auch Fluch- und Schimpfvorschläge und einer lautete "Hundes ars in dîne naso!" Daran muss ich Kampfwohnen - mein Freizeitsportöfter denken, aber aussprechen, nein, ich sage nichts, außer bei Leuten, die ich zum ersten Mal auf der Wiese mit Hunden sehe, da probiere ich es noch aus, ob Fluchen hilft. Kampfwohnen - mein FreizeitsportDie anderen beobachte oder fotografiere ich einfach in ihrem Tun und Lassen, das hilft aber nur manchmal. Den Auftritt des Herrn da unten, der sich so bereitwillig fotografieren ließ und der dem Edgardo in der Kölner Aufführung von Lucia di Lammermoor sehr ähnlich sieht, kommentierte ich mit dem Seufzer "peinlich, peinlich" und schloss das Fenster. Ich wurde ja auch schon als "Blockwart" und "Hundehasser" beschimpft und grundlos der übelsten Gewalttaten bezichtigt, Oma die Treppe runtergeworfen, bei einer Dame in die Wohnung eingedrungen und hatte mein eigenes Vergnügen an den Denunziatiönchen. - Auch sonst neige ich zu buddhistischem Gleichmut und lächelndster Gelassenheit, das ist die beste Voraussetzung für ein Match in meinem Freizeitsport. Lädt man bei offener Heckklappe aus dem Kangoo größere Mengen Stückgutes aus, z. B. eine Stelltafel, die bei einem Messe- oder Ausstellungsevent keine Verwendung gefunden hat, und zwei, drei Bücherkisten, und hat man die Eingangstür zum Haus mit dem Wandhaken aufgesperrt, damit sie nicht zufällt - und parkt zufällig während des Ausladens einer der liebenswerten Nachbarn mit seiner angetrauten Ehefrau direkt neben einem und betritt das Haus, und man findet, mit Bücherkiste unter einem Arm und Stellwand unter der anderen, die aufgesperrte Tür zugeschlagen vor, dann - ja, dann - sollte man tief durchatmen, denn für diese Art Sport braucht es einen ganz langen Atem. Man muss da so ruhig bleiben wie damals, als es am Boden im düsteren Fahrrad-Abstellraum im Keller aufblinkte und man bei näherem Hinsehen eine Stecknadel entdeckte... war nicht das Vorderrad schon leicht luftleer? Aber das lässt sich ja auch durch Schrauben an den Ventilen erreichen. Oder als man die abgeschlossenen Räder zum zweiten Mal in einer anderen als die mit den Nutzern des Raums vereinbarten Ecke vorfand, weil sie einem plattbereiften Schrottrad Platz machen sollten... worauf ich unsere Räder verkettet und schlussendlich an einem Fensterverschluss festgeschmiedet habe. Kampfwohnen - mein FreizeitsportDerselbe Nachbar geht gern mit dem Hund der verwitweten Schwiegertochter vor unsere Erdgeschoss-Terrasse (Sohn gestorben! außerdem mäht er gelegentlich die Wiese, das ist nach Aussage der Ehefrau ihre Lizenz zum Eindrecken), hier links und rechts mal nicht bei uns, soKampfwohnen - mein Freizeitsportn- dern an der Terrasse einer weiteren, äußerst liebenswerten Person, der geistig nicht übertrieben hellwachen Nachbarin Frau W**. Die Rückstände lagen direkt vor der Ecke des Hauseingangs, wir haben sie liegengelassen, läge das vor unserer Terrasse, würden wir alles vorsichtig aufsammeln und auf dem Bürgersteig verteilen, das sorgt manchmal für Ruhe, weil diese Straßenseite dann gemieden wird, Hundi könnte sich ja die Pfötchen schmutzig machen. Einer der Kampfwohn-Sparringspartner, deren wir hier im Haus noch drei haben, ist ausgezogen, es war die mit dem Trockenspeicher. Was sie hinterlassen hat, sind keine Liebesringe, sondern Nylonreste, sie hat nämlich die Wäscheleine im Speicher schnippschnapp von den eingebohrten Haken abgeschnitten, - die Schnur, die wir behelfsmäßig mal dazwischen gehängt hatte,Kampfwohnen - mein Freizeitsport weil sie ihre staubtrockene Wäsche dort wie festgetackert hielt und wir mitunter ja auch mal was trocknen wollten im Speicher, ließ sie gottlob in Ruhe, von Anzeige wegen Sachbeschädigung hätte ich vermutlich abgesehen, weil es nur eine zu kurze, durch Campingseil ergänzte Schnur ist - wir haben natürlich weiter unsere Wäsche dort aufgehangen, dann aber auch eine neue Schnur montiert, die Restringelchen von der alten Schnur hab ich der Dame in die noch nicht abtransportierten Gummibaumpötte gelegt, mir aber einen aufgehoben, an dem die Tomatenpflanze jetzt emporrankt. So blüht neues Leben, wo altes schon lange, und zwar in Herz und Kopf, abgestorben scheint. Wir haben natürlich gleich eine neue (blaue) Schnur füKampfwohnen - mein Freizeitsportr 5,99 gekauft und aufgehangen, aber die rote Wäscheleine zu zerfetzen (die Schnurreste hat die Wüterine wohl vom Boden aufgelesen) ist doch Sünde gegen die praktische Vernunft. Die jetzt ausgezogene (und in der nächsten Seitenstraße, in einen neuen Speicherausbau eingezogene) Trockenspeicher-Regentin, die wir Frau Getz nennen (weil sie offene Treppenhausbriefe mit "gez. ..." zu unterschreiben pflegte), der Knallkopf, der die Tür zuzieht, wenn wir ausladen, und seine mitnichten bessere Hälfte, die ein Recht zum Verdrecken der Wiese aus dem Mähen derselben durch ihren Mann ableitet (sagen wir: Herr und Frau Dutz, unterschreiben mit "i.A."), und die leicht beschränkte Frau mit der Terrasse, vor der eben jetzt zwei Hundehaufen zum Himmel stinken (Frau Wutz), die sind nur Nebendarsteller, der Coach dieses Kampfteams ist Frau Kratz, die ist das Herz der Finsternis, die sich hier ausbreitet, sie brütet Böses aus und stiftet andere an, es zu tun. Neulich wieder blitzte sie meine Lebensgefährtin und mich an und prompt tauchte wieder jemand mit Hund vor unserer Terrasse auf und provozierte herum, schon wieder so ein Spasti, der merkwürdig tänzelte und in abgehackten Schnaufern redete, "sehnsewoll haha... der Hund geht ja doch auf die Wiese, haha, was wollnse, was wollnse", so in der Art, er zog aber dann ab und ich blickte ihm nach, bis er entschwunden war. Das ist nicht der einzige, Kampfwohnen - mein Freizeitsportda wäre die Trine genau gegenüber, die einem ähnlichen Aufruf der Frau Kratz (die selbst nicht mehr kommt) folgend, auch immer vor unsrer Terrasse erschien, sogar mitHundekacke, verschmiert auf der Wiese Wasserpistole bewaffnet, weil ich sie vor einem Jahr nassgespritzt hatte (als sie, bei 30 Grad im Schatten, sich über die Reling beugte und aggressiv wurde). Ich sag mal, wenn wir hier in einem Kurpark, neben einer Rehaklinik für Sozialgestörte oder unweit einer offenen Psychiatrie leben würden, wär das eine Erklärung für das auffällige Verhalten, aber schaut man sich hier etwas genauer um, ist eine so konzentrierte Ansiedlung schrulliger Benimmkrüppel doch ungewöhnlich. Allein die quäkend-heulsusigen Stimmen, das "kölsche Timbre"! Natürlich wird auch anderswo im Viertel der Hund ausgewrungen, mit Vorliebe, wo es andere stört, wie das nebenstehende Plakat lehrt. - Ein Gehbehinderter, den wir sogar mal als Wahlhelfer an der Urne in der nahegelegenen Schule gesehen haben (es war die Wahl, die wegen Unregelmässigkeiten wiederholt werden musste), erklärte mir neulich folgendes: Nein, der von ihm mitgeführte Hund (der ihm, glaube ich, nicht gehört) werde nicht auf die Wiese kacken, der Hund müsse "nur" KOTZEN und zu diesem Zweck solle er jetzt Gras fressen, von der WieAmpel mit Hundedreckprotestplakatse, weil er besser kotzen könne, wenn er Gras fresse (das habe ihm der Tierarzt geraten), dem Argument, Kotze auf der Wiese sei nun auch nicht schöner als Sch..., begegnete er mit leisem Vorwurfston in der Stimme: der Hund sei krank, dafür tomatenpflanzenmüsse ich doch Verständnis haben; auf meinen Einwand, das Gras könne er doch auch in der öffentlichen Grünanlage fressen, wo es eigene Freilaufflächen für Hunde gibt, behauptete der Mensch, den ich nie gesprochen hatte und bisher für leidlich normal hielt, der Fußweg in den Park sei ihm unzumutbar. (Gehbehindert! und ein Unhold wie ich verlangt einen Gang von zwei, drei Minuten von ihm! ein Abgesandter der Vermieterin behauptete neulich, gar nicht zu wissen, dass in der Nähe ein Park sei, wo der wäre?) - Wir trafen den Kotzheilpraktiker mehrmals ohne Hund noch weiter weg, im Grüngürtel, ich grüßte mit ostentativ geschwenkter Mütze und dem Ruf, er sei ja gut zu Fuß! - Künftig wollen wir Briefwahl beantragen. Diejenigen, die keine Hunde haben, an Wochenenden mit Pfeifenreinigern in der Hand unterm Motorrad liegen und Zwischenräume der Radspeichen polieren, Maibäume von Laternen abzwecken und ins Gebüsch werfen, dafür drei bis vier Tschlandflaggen im Staatsakt-Format (Gratisware mit Werbeaufdruck bekannter Brauereien drauf) vom Balkon flattern lassen, und Mieter der Schwarz-Garagenwerkstätten, die monatlich vier bis sechs verschiedene Autos aufbretzeln und verticken, oder jene, die von 24.00 bis 3.00 früh die Waschmaschine rotieren lassen, Möbel, Mülltüten und ihre ausgelatschten Schweißmauken vor die Tür stellen (die man, wenn man wollte, problemlos mit Kothaufen ihrer Schoßhündchen füllen könnte), sind noch gar nicht erwähnt.


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