• Wer jetzt kein Haus hat, baut erst recht

    Eichhörnchen klettert talwärts auf dem SpalierWenn man noch jung ist, ist man andauernd auf der Suche, giert nach Party, Leckerlis und willigenMerkwürdige Verrenkungen eines Eichhörnchens Kooperationspartnern auf sexuellem Gebiet, wer denkt da an Häuslebau und Vorratshaltung? Schon in der Einzimmer-Studentenbude stellt sich meist unversehens erster Nachwuchs ein. Kommt man in die Jahre, ist der Sturm und Drang vorbei, größere Wohnungen mit geräumigen Schränken werden angemietet, es füllen sich Scheuer, Sparbuch und Kellerregal, und wird erst der Bausparvertrag zuteilungsreif, hat man - wenn man nicht in den Alleen unruhig hin- und herwandeln und anschließend lange (schnorrermäßige) Briefe verfassen muss - nur noch mit Best- oder Hanglagen, Grundrissen und Genehmigungen, Bauleitung, Bitumen und Gaszentralheizungsfragen zu tun, schon um für den Winter des Lebens gerüstet zu sein - und wie ein türkisches Sprichwort sagt: Ist das Haus fertig, zieht der Tod ein.

    Eichhörnchen nähert sich heimlich

    Nicht so bei unseren nächsten Nachbarn, den Kleinnagern, da spielt sich der ganze Reigen entweder in umgekehrter Reihenfolge oder jedenfalls in schönem Durcheinander ab. Es muss ja auch viel schneller gehen, die haben nicht so viele Jahre vor sich. Erst bevölkern sie, als Babys noch scheu, unseren Ausrupfen einer Ranke am BalkonBalkon und suchen nach geschnippelten Möhren und allerlei Nußwerk, das, wenn von den Spendern nicht sorgsam vorher aufgeknackt, irgendwo sinnlos verbuddelt wird, im Frühjahr gehen sie gern auch mit viel Geschick an die ausgehängten Meisenknödel und hangeln sie sich hoch zur Regenrinne am nächsten Etagenbalkon, dann - aber erst im späteren Frühjahr - rasen sie die Bäume rauf und runter und spielen "Nachlaufen" (haha, mon oeuil!), und wenns mitten im Winter plötzlich schneit, fällt den Eichhörnchen ein, sie könnten sich doch mal einen netten kleinen Wohnplatz einrichten, um nicht frieren zu müssen und (wie ich diskretionshalber nur vermuten kann) den dann nach einer Weile mit einem Wurf nackter Mini-Nager für die vergessliche Nachwelt bevölkern.

    Eichhörnchen klettert hinauf zum nächsten BalkonSo dachte jedenfalls heute früh, am 3. Tag des Jahres, ein hier ansässiges Eichhorn, das sich überhaupt nicht für meine "Auslegeware" interessierte, sondern stracks an unserem Balkon vorbei über ein ziemlich prekär aufgehangenes Spalier nach oben flitzte. In den oberen Stockwerken gibt esHundehalterin sammelt teilweise ein vielleicht mehr und besseres Futter, dachten wir, oder diese Generation zieht das vom qualmenden Asozialen verfütterte Erdnuss-Fast food unseren anspruchsvoller zu knackenden Walnüssen vor? Das Spiel wiederholte sich ein paarmal, und zwar sprang das Tier beim  Herunterkommen in den Flieder, verschwand aber nicht über diesen Zwischenaufenthalt im Hof, sondern riß einen Fliederzweig ab und enteilte mit dem Zweig im Mund wieder über das Spalier nach oben. Beim nächsten Mal war das Baumaterial erheblich größer, und am Ende breit verzweigt, und wir sahen mit Staunen, wie geschickt sich das Tier behalf, mal die eine, mal die andere Seite hochruckelnd, und wieder nach oben verschwand. Später stiegen wir zum Trockenspeicher hoch, fanden aber keine Spuren der Tiere, für die das in vielen Jahrhunderten aufgehäufte Möbeltrümmer-, Urväterhausrat- und Klamottenwesen unserer sperrmüllsammelwütigen Nachbarn ideale Lebensbedingungen böte. Neben Matratzen, ausrangierten Bodybuildinggeräten und unter eingestaubten Plümos und Decken vor sich hin gammelnden Kleinmöbeln fehlt es allerdings an einem Nußvorrat, den man aber von umliegenden Balkons zusammensuchen könnte, wäre da ein Durchlass.

    Wie dem auch sei, beim nächsten Raubzug entdeckte das Eichhörnchen auf unserem Balkon eine viel einfacher abzuzurrende Ranke, irgendein winterhartes Hopfenzeug, was neben der zartstieligeren und längst abgewelkten Morning-Glory-Wicke im Sommer für Sichtschutz zum Hauseingang hin sorgt. Erst fielen mir die sonderbaren Turnbewegungen am Spalier auf, dann merkte ich, wie das Biest mit ausgestreckten vier-Finger-Krallen an der Ranke rupfte und sie schließlich beherzt durchzubeißen hatte, um mit dem noch belaubten grünen Zweig den Koben, wo immer er sich befinden mag (vielleicht in der Regenrinne oder in einem Hohlraum unter den Ziegeln), auszupolstern.

    Natürlich haben sich auch unsere Lieblingstiere in dieser Gegend heute früh 8.30 eingefunden, ich meine den zweibeinigen Hundehalter, homo dementus exkrementis distribuans und sein Weibchen. Dieses menschenähnliche Tier legt sich einen vierbeinigen Schmarotzer zu, um das Verdreckungsbedürfnis delegieren und gefahrloser ausleben zu können. Macht man es auf das Asoziale seines Tuns aufmerksam, merkt man, dass die Hundeliebe jede Vernunftschranke längst eingerissen hat. Die blonde, schwarz kostümierte Welpe auf dem oben abgebildeten Schnappschuss, den ich aus allzu weiter Ferne und daher nur unscharf aufnahm, war zwar mit rotem Beutel munitioniert und in offenbarer Absicht hygienischer Optimierung gebückt, aber versteht sich, erst nach vollzogener Verdreckung, und zwar auf der Wiesenecke unserer Etagennachbarin - aber dafür direkt unter dem Verbotsschild (links im Bild ist der Pfahl zu sehen). Na, wenn ich das wegmache, ist es doch in Ordnung, wenn ich das Schild ignoriere, oder??? Wer jetzt noch Haufen macht, der traut sich gern noch mehr! Dass sie die Exkremente ihrer Wirtstiere (sie hatte zwei, einer lief unangeleint zur nächsten Wiese) beschnüffelt und entfernen wollte, half nichts, hinterher blieb ein Reststück liegen, das sie evtl. aus Ärger über mein Fotografieren übrig ließ. Direkt unter Hundehaufenmachenverboten-Schild abkacken zu lassen, ist schon ein guter Neujahrsvorsatz für sich. Und wir haben von allen Schildern, die man hier im Viertel so sieht, zwei der größten, am ehesten Verkehrsschildern ähnlichen abbekommen. Schilder? vergeudete Kreativität...hundeverbotsschild_donaueschingenHundeverbottschild_HonnefWer jetzt kein Haus hat, baut erst rechtWer jetzt kein Haus hat, baut erst rechtWer jetzt kein Haus hat, baut erst rechtWer jetzt kein Haus hat, baut erst recht


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