• Türchen neun

    Hoppla, heute etwas später am Sender...  und ein richtiges Thema fällt mir auch nicht ein! Da aber heute Filmstart für den dritten Teil von Peter Jacksons Tolkien-Verfilmung Der Hobbit ist, setze ich diese geradezu unanständige Baumwurzel hinter das Türchen! Die F. A. Z. feiert die Uraufführung durch ein Interview mit einer Dame, die abwechselnd als "Mittelerdkundlerin", "Koryphäe" und "größte Kennerin" belobhudelt wird. Unter ihrem Foto mit der Nerd-Brille steht, sie sei "Lektorin, Übersetzerin und Herausgeberin", aber Khazâd ai-mênu*), sind wir das nicht letztlich alle? Sie lobt John Ronald Reuel Tolkien vor allem wegen seiner Sprache (nicht der von ihm erfundenen Sprachen wegen) und benutzt selber die abgedroschensten Wendungen à la "eine Art Blaupause",  "leichtfüßig" (wenigstens ohne das unfehlbare "daherkommen") und "noch in der Pipeline". Diese Art Forschung, die Tolkien "immer wieder und immer noch" vor der Literaturkritik rechtfertigen wolle, über die ist sie längst hinaus, denn der Herr vom Herrn der Ringe sei doch längst "in den Kanon der modernen Literatur eingeordnet" usw. (* lat. "Zwerge über euch!"

    Türchen neunTürchen neun

     

    Aber mal langsam. Als kleiner Junge dachte ich auch immer, das würde Pipeline ausgesprochen und nicht Peiplein. Und ich wollte auch immer alles lesen und wissen und später, wenn ich groß bin, nächtelang mit den anderen Intellektuellen herumintellektualisieren. Das hab ich einigermaßen geschafft. Aber in Bäumen lebende Wesen zu sehen, hab ich nicht erst seit den Ents von Peter Jackson oder den Baumumarmerinnen in Tom's Taz-Cartoons drauf. Schon früh hab ich angefangen, in Baumwurzeln Zwerglein hineinzuprojizieren, wie die da in Miniaturmöbeln wohnen und ihren Tee aus himmelblauen gepunkteten fingerhutgroßen Täßchen trinken... süüüß, ne? Und abends hab ich mich armschwenkend von denen verabschiedet und wurde von meinem Bruder verpetzt und war einmal mehr die Lachnummer in der Familie. Unter "Tolkien-Forschung", die das Moderne am Hobbit herausgearbeitet haben soll, und von der man sich weitere Studien wünscht, z. B. "wie Sprache und Wirklichkeit und Sprache und Mythos zusammenhängen" (wollen wir das nicht alle wissen?), stell ich mir retrospektive Psychoanalyse vor, die bei dem ewigen Elben-und-Orks-Gezanke endlich mal die garantiert zugrunde liegende frühkindliche Mißbrauchserfahrung herausarbeitet. Oder fragt mal die Ents, die sog. Baumhirten aus dem Dingsbumswald, Fangorn, die Peter Jackson im zweiten Teil von Herrn der Ringe optisch geglückt sind. Laurelindórenan lindelorendor malinornélion ornemalin, kann ich da nur sagen. Und noch dies: Taurelilómëa-tumbalemorna Tumbalelaurea Lómëanor! Aber fragt mich nicht, wie man das ausspricht.


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