• Sciurus carolinensis

    Wir hatten ja schon alle möglichen Exoten hier: Halsbandsittiche aus der Karibik, den Buntspecht Woody Woodpecker, Türkentauben... Blasierte Blaumeisen, hämische Häher und die Rasselbande der keckernden Elstern empfinde ich als "heimisch". Jetzt haben wir auch eine neue Eichhörnchenvariante statt der üblichen rostbraunen, die von den Zoologen unter "sciurus vulgaris" rubriziert ist. Ich will gern glauben, dass es Flüchtlinge sind, denn Frontaler Blicka) begnügen sie sich (jedenfalls für den Anfang) auch mit Eicheln, während die sonstigen Frühstücksgäste Eicheln und teils auch Bucheckern unbenagt in der Gegend rumschmeißen, als wollten sie damit andeuten, dass sie sie nicht für Lebensmittel halten, man kann auch Rugby damit spielen, und b) lassen sie (oder ist es nur eine/-r? oder verschiedene, der links wirkt schwärzer?) sich nicht gern identifizieren und sind verteufelt schnell auf und davon, weshalb ich bisher nur verwackelte Fotos machen konnte, selbst mit dem Papierfotoapparat, obwohl ich jetzt extra das Entwickeln, Abziehen und Co. im Drogeriemarkt abgewartet habe.Sciurus carolinensis Aber die Fotos sehen trotzdem echt "künstlerisch" aus (also wie gemalt?), meint meine Lebensabschnittsbevollmächtigte. Dieser Vertreter hört also auf den lateinischen Namen Carolinensis, stammt aus den Sümpfen im Süden der Vereinigten Staaten und sollte eigentlich grau sein, aber es gibt wohl auch dunklereSciurus carolinensis Varianten. Anfangs dachte ich, der Ärmste hätte sich wie die Schwarzschlümpfe mit einer Krankheit infiziert und müsse immerfort "Gnagn" schreien. Aber er blieb ganz still, führte sich allerdings ansonsten auf wie ein Pirat, denn er fing gleich mit den berühmten Balz-Verfolgungsjagden nach einer (vermutlich, falls er nicht homosexuell ist, was bekanntlich auch bei Tieren vorkommt) Einheimischen der rostbraunen Partei an. Sollte er (oder sie?) Erfolg haben, könnte das interessante rotschwarz gestreifte Mischlinge ergeben! Caroline - oder Karol - macht sich mit ihrem schwarzen Ganzkörperfell richtig nett Sciurus carolinensisneben der bunten Kürbisdeko. Und das da rechts gehört vielleicht schon zur Nachkommenschaft, oder?

    Apropos, als Eichhörnchenfan bin ich gegen das geplante Jagdverbot für Katzen in freier NRWildbahn! Diese Jäger werden doch sowieso andauernd diskriminiert, außer in Kloster Himmerod in der Eifel, wo ich letztes Wochenende eine Hubertusmesse mit anschließendem Hundesegen erlebte (Pferde wären vielleicht auch nicht weggeschickt worden, tauchten aber nicht auf). Diese Jäger kamen in teilweise recht seltsamer, esoterisch wirkender Gewandung, ein Rauschebart verfolgungsjagd_abwaertssah aus wie Gandalf der Grüne, andere wirkten mit ihren Tarnklamotten und Pudelmütze eher wie die Grenzkontrollbeamten der Unabhängigen Republik Donezk, denen man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. Die Hunde dagegen waren völlig harmlos, begrüßten sich nicht weniger freundlich als ihre Herrchen, wurden jedoch nach kurzem Händedruck der letzteren mit groben Scheltworten an kurzgefasster Leine auseinandergerissen! Wahrscheinlich sind daSciurus carolinensiss superteure Rassehunde mit entsprechendem Stammbaum, die sich auf keinen Fall mit irgendwelchen anderen und sei es noch so adligen Kötern paaren dürfen, weil ihr geschätzter Lebendwert rasant in den Keller geht bei Fehlkreuzung. Übrigens warteten eine Menge dieser Schützen gar nicht in, sondern vor der Kirche, und Hundebesitzer aus Nah und Fern kamen dazu. Drinnen trötete die Hubertus-Blechkapelle traurige und, wie man leider sagen muss, nicht immer harmonische Weisen, die kostümierten Bläser gesellten sich beim Mittagessen der Yoga-Damen (an deren Tisch ich saß, ohne den Kurs mitzumachen, deshalb konnte ich mir das Hubertusgebell ja auch anhören) in Trachtenloden dazu und stellten die Hörner solange auf den Kaminsims. Apropos Kaminsims, zu dem Kloster gehört auch ein sog. "Mühlenmuseum". Es beherbergt nicht nur die alte Mühle, das einzige, was angeblich aus der 880-jährigen Geschichte der Abtei noch original erhalten ist, mit dem bedrohlichen Mahlwerk und den ganzen Treibriemen (bei denen ich immer triebreimen muss) und irgendwelchen Schaltkästen, einem mittelalterlichen Elektromotor in einem alten Biedermeiersekretär eingesargt (Sekretär? wer schreibt denn heutzutage noch an einem Sekretär? ach, ich selbst! na dann...), sondern auch das einzige deutsche Email-Museum weit und breit. Email-Museum, Email-Museum? fuhr eine gegenübersitzende Tischgenossin dazwischen, die in Köln studiert hatte und jetzt irgendeinem vielleicht sozialpädagogischen Job im Saarland nachging. Na schön, anders ausgesprochen als ich es ihr erzählt hatte, ist da tatsächlich ein Email-Museum in dem verschlafenen Kloster-Wirtschaftsgebäude. Das soll aber demnächst raus, die Email-Kostbarkeiten werden anderswohin verlagert, weil das Kloster seine eigene Geschichte dokumentieren will, die jetzt unterm Dach angebracht ist, u. a. haben hier NS-Wehrmachtsoffiziere mit höchster Geheimhaltungsstufe mit einem Grundsatzpapier die Kasernierung, Uniformierung und Wiederbewaffnung ihres lieben deutschen Volkes vorbereitet, die Adenauer dann ja auch reibungslos - von den paar Ohnemicheln abgesehen, die immer noch glaubten, die Hand würde jedem abfallen, der noch mal ein Gewehr anfasst - mit den Alliierten durchgezogen hat.Napoleon on Ofentour Nur eine Schrecksekunde nach den tausend Jahren, dann gings wieder los: Hinlegenaufmarschmarsch, Eier schleifen, bis das Arschwasser kocht, Keksewichsen, car tel est notre plaisir! 2008 legten hier sogar 550 Rekruten ihren Eid ab, wobei sicherlich auch die Waffen, Maschinengewehre, Mörsergranaten, Streumunition und anderes christliches Werkzeug gesegnet wurden, wie das Jägerpack mit ihren Piffpaffpuffgewehren und Hundekötern. Darüber gibt es natürlich auch ein paar Informationen in der Ausstellung, selbst das Wort "umstritten" taucht da auf. Sciurus carolinensisWie dem auch sei, das Kloster hat eine interessante Geschichte, wurde in der Franzosenzeit säkularisiert und verkauft, ein Ehepaar wohnte jahrelang auf der Liegenschaft für ehemals 250 Zisterzienser (jede Nacht ein anderes Schlafzimmer?), ein Käufer wollte nur das Kupferdach abdecken, ein anderer nahm die dem Kloster gehörenden Weinberge in Beschlag, nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Gebäude auf Initiative eines bosnischen Trappistenordens, der sie 1919 kaufte (wenn ich alles richtig verstanden habe) restauriert bzw. neu aufgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg die Kirche dazu (meiner bescheidenen Meinung nach hatte Heinrich Böll diese Abtei im Sinn, als er Billard um halbzehn schrieb, wo der Vater Fähmel sen. die Abtei aufbaut, sein Sohn als Sprengmeister sie zerstört und dritte sie wieder neu aufbaut).Ofenplatte mit der Hochzeit zu Kanaa Zurück zu Napoleon, das Museum bewahrt nämlich auch Ofenplatten auf, das sind diese schwarzen gußeisernen Wärmeleiter vor Kamin und Herdfeuer, in der Regel mit biblischen Szenen, Witwe mit Ölkrüglein musste ich mal recherchieren, weil ich das Bibelwort nicht verstand, Hochzeit zu Kanaa, und siehe da, es gab neben derartigen Motiven auch einen übers Alpenjoch galoppierenden Napoleon mit vier brennenden Bombenkugeln. Ob die vom katholischen Klerus auch gesegnet worden waren? Beispielsweise 1806, als der 15. August, Napoleonstag, auf Mariä Himmelfahrt fiel: Halb war es eine Parade, halb eine Prozession. Grün und bunt gestreut, Weihrauch, Pulverdampf, Pferdegetrappel und Infanteriemarsch; Bruderschaftsfahnen, Kreuze, dann goldene Adler, die Geistlichkeit, von Grenadieren und Dragonern eingefaßt, Pauken und Janitscharen-Musik, dann ‚Gegrüßet seist du Maria‘; Pfeifen und Trommeln, ‚Königin des Himmels bitt‘ für uns!‘ dazwischen Puff, Paff – die Kanonen und das Geläute, als wolle Köln untergehen! so beschrieb es Brendel, jüdische, dann protestantisch und katholisch gewordene Tochter Moses Mendelssohns, verheiratete Dorothea Schlegel. Aber diese Ofenplatte, in allen vier Ecken muss Bombe drin stecken, das wird sich wunderlich genug ausgenommen haben, und wer weiß, was die hier ansässige Landbevölkerung in der Restaurationszeit dachte,Zwergen-Wadnerpfad wenn das Kaminfeuer mit all den Holzscheiten flickerte, flackerte und knallend=knackte! Andererseits ist speziell diese Ofenplatte wie neu, so dass sie möglicherweise kurz vor 1812/13 gefertigt und dann doch diskret weggestellt wurde, als das große Andersrum der Metternich'schen Reaktionsära kam.

    Von den Tieren bin ich jetzt etwas abgeschwiffen, Sciurus carolinensisaber wie gesagt, die Vierbeiner vor der Kirche - weniger bedrohlich als die jugendbewegten Jägergreise in tannengrüner oder wahlweise violetter Toga - waren hauptsächlich amüsiert über den Zulauf ihrer Artgenossen und bellten fröhlich durcheinander, freuten sich schon auf die nächste Jagd auf streunende Hauskatzen (NRW-Waidmänner wollen schließlich nicht bei der Mützchenjagd enden wie die Südfranzosen des Daudet). Der Abteipfarrer trat hinaus (im Gästeprospekt bezeichnet er sich als den "Youngster" und hat eine interessante Brille, wirkte sympathisch wie all diese Klosterbrüder, die inzwischen übrigens keine Zisterzienser mehr sind, sondern Trappisten), Sciurus carolinensiswedelte ein paarmal mit der Hand und dann trötete wieder die Jägerkapelle, dass es ein Erbarmen war. Da das Kloster so alt ist und sich rühmt, noch eine Gründung des Hl. Benedikt himself gewesen zu sein, beginnt hinter der Mühle, an dem Garten mit der Herzhäuseltür vorbei, ein besonderer Lernpfad für Kapuzenzwerge. Sie müssen sich ein Herz fassen, wenn sie an der Klosterweide vorbeikommen, denn hinter dem Elektrozaun treffen sie niemand geringeren als den Teufel persönlich, der von den frommen Mönchen eingefangen und gebannt ist (ab und zu darf er an einem Stück Manna lecken, das sie ihm auf einen Pfahl genagelt haben). Von süßen Zottelhaaren lasse sich keiner täuschen, "Haare sind die Fiegenfallen des Teufels", sagt der Hl. Hieronymus, oder war es Tertullian? In meinem Referat über Frauen im Mittelalter stehts. Der Teufel tut einem natürlich leid, denn zwar ist sonst geräucherte Forelle (mit der wir am Freitag, dem Abend der Ankunft, bewirtet wurden) und schmackhaftes Graubrot die kulinarische Spezialität der Mönche, aber es ist absehbar, dass auch der Gehörnte in Kürze als Teufelsbraten in der Klosterkantine landet, wenn wieder mal ein Yogakurs oder eine Meditationsgruppe zum Thema "Ritus und Kult in moderner Zeit" oder eine Einkehrwoche von Bundeswehrsoldaten zu Tisch sitzt. Und dann wird er vermutlich scheibenweise von der heißen Ofenplatte serviert. Daher: Auf nach Himmerod, die Küche ist gut!

    Das ist Pluitos wilde verwegene Jagd...


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  • Commentaires

    1
    Mardi 4 Novembre 2014 à 18:13

    Ich schieße doch auch nicht auf die Hunde, die vor meinen Garten kacken. Wie widerlich ist das denn, auf Katzen zu ballern. Mögen alle Jäger- und Försterhäuser von Mäusen heimgesucht werden! Ihre Knarren und Hunde helfen ihnen da nicht, auch wenn sie sie stundenlag unter lautem Halali segnen.

    Das Multikulti-Eichhorn ist echt niedlich und schön fotografiert!

    2
    Mercredi 5 Novembre 2014 à 07:45

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