• Adventsprintjob_2018#13

    Adventsprintjob_2018_13Nach den Ausführungen im gestrigen Kalenderblatt könnte der Eindruck aufkommen, als hätten die Farbenfreunde im 19. Jahrhundert einen anarchischen Lebensmittelzusatz-Laissezfaire-Liberalismus gepflegt. polizeiordnung farbzusaetze SpielzeugDem war natürlich nicht so! Das war schließlich Preußen, da gab es keine ungesunden Farbzusätze in Spielzeug und Ernährung - alles war genauestens geregelt und stand in der Zeitung. Sogar unübersehbar auf der Titelseite der Beilage zum 136sten Stück der Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen (Spenersche) vom 13. November 1821. Bei den Recherchen im Fächerchen (reimt sich) gehe ich leider gar nicht systematisch, sondern erratisch vor, und da  ich mehrere Zeitungen in ganz unterschiedlichen Jahrgängen gleichzeitig durchstöbere, fand ich zufällig heute vormittag in der Bibliothek die entsprechende Verordnung, von der Polizei pünktlich zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts für Spielzeughändler, Konditoren und Bäcker in Erinnerung gebracht. Das sind noch Zeitungen alter Art, auf Löschpapier gedruckt und ziemlich schmuddelig, dafür extrem eng gebunden. Die Fotos der sich wölbenden Seiten fallen deshalb manchmal nicht besonders leicht leserlich auf, sorry. Als erstes stechen einem die verschiedenen Farbnamen ins Auge, manche darunter kommen mir exotisch vor. Wie jaune waren die Gilets damals? Gelb wird als Operment, Rauschgelb, Kpolizeiiche bekanntmachung brotgesetz von 1815öniggelb, Kaßlergelb, Neapelgelb, Bleigelb, Massiket bezeichnet. Und das sind nur die schädlichen Gelbs - alles ist säuberlich getrennt, die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Abfalleimerchen. Wehe, jemand nimmt die FarbAdventsprintjob_2018_13tupfer mit unlauteren Mitteln, die als schädlich eingestuft wurden, polizeiverordnung farbzusaetze lebensmittelder wird seiner gerechten Strafe nicht entgehen! Was 1856 als "Ultamarin" so umstritten war, scheint man noch nicht gekannt zu haben, das Blau wurde aus anderen Rohstoffen gewonnen, z. B. war Berlinerblau kupferhaltig und daher schädlich für den Gebrauch bei Konditorware. Wie mag sich Braunschweigergrün von Bremergrün oder "Scheel'schem Grün" unterscheiden? Ob die Obrigkeit Zivilbeamte auf die Weihnachtsmärkte ausschwärmen ließ, um Scheinkäufe zu tätigen und erzgebirgische Schnitzware oder eine Palette mit pink bepinselten Weckmännern beschlagnahmen zu lassen? Würde vielleicht nicht schaden, man liest ja auch heutzutage von den vielen gepanschten Glühweinimitaten, die den nach Feierabend chillenden Budenzaubersäufern eingeflößt werden - wir saufen den Met, bis keiner mehr steht. Und periodisch werden ja auch Kinderarmeen zum Kauf von Schnaps in die Kioske entsandt und die Moralisierer in den Enthüllungsredaktionen freuen sich diebisch, wenn es ihnen gelingt, fahrlässige Kioskbesitzer zu überführen! Wo sind die stehenden Armeen der Stiftung Warentest? Aber noch besser war eine Verordnung, die seit dem 24. Januar 1816 dafür sorgte, dass die Bäcker einer öffentlichen Begutachtung unterzogen wurden. Und zwar hat man nach eingereichten freiwillgien Abgaben monatlich die auffallendsten Bäcker in der Zeitung namentlich und mit Adresse genannt - zuerst wurden die Guten belobigend hervorgehoben, die bei hervorragender Qualität das größte Weißbrot, die größten Semmeln und das größte "Hausbackenbrot" vorlegten, und dann diejenigen, die kleinere Brötchen backen wollten (und zum Normalpreis abrechneten); vorgefunden in der Spenerschen Zeitung Nr. 141 vom 24. November 1821, 1. Beilage.


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