Das römische Sakralgesetz erlaubte in seinem Kalender nur bestimmte Tage für Rechtsgeschäfte, die Nefasti. Dieser Kalender war in Stein- oder Marmortafeln gehauen und öffentlich ausgestellt.
Der verteufelte Adventskalender hat wieder mal prophetische Kräfte, oder haben die Corona-Verschwörer das alles von so langer Hand vorbereitet, dass wir nur zu blöd waren, die Vorzeichen zu erkennen? Diesmal hat die Schachtel den Aufdruck JETZT WIRD'S GEMÜTLICH
und sie enthielt - zwei Teebeutel der Sorte "Winterpunsch", alles vegan und bio, versteht sich, vom Kardamom bis zum Recycling-Säckchen. - "Hyggelig" ist, wie ich höre, der neue Fachausdruck für das Lebensgefühl, das früher gar nicht hip war, sondern an Spießigkeit, Filzpantoffeln und Bierkonsum aus Krügen mit Zinndeckel im Ohrensessel erinnerte. Alkohol ist übrigens nicht drin in dem "Punsch", insofern ist das eigentlich nur ein Früchtetee mit leichten Adventsaromen. Vielleicht ein Fall für den "Balkon-Weihnachtsmarkt", den meine Abschnittsbeauftragte eingeplant hat, mit Nüssen, Äpfeln, Mandelkernen, Kerzen und Adventslaternen, dazu Klingelklangelmusik und Reibekuchen - bloß nicht in der heimeligen Altstadt von Rothenburg ob der Tauber, sondern auf der Terrasse. Nachbarn, die sich zu Spontankäufen veranlasst fühlen könnten, kommen hier eher nicht vorbei, und mehr als sechs Journalisten aus fünf Ländern, beziehungsweise zwei Haushalten, dürften wir ja auch weder mit Glögg noch führerscheinfreundlichem "Winterpunsch" bewirten. Denn seit gestern ist vom - seit Beginn der Coronära - schärfsten Maßnahmenpaket die Rede, selbst der aimable Laschet gibt den harten Hund und will sogar die bisherige Parole "Weiter wie bisher - im alten Schlendrian, wohlgemerkt" zurücknehmen. Die Stimmung ringsum ist ziemlich geladen, "ich treffe nur noch Leute mit schlechter Laune", meint ein Nachbar zu meiner Frau (meint er vielleicht, wie in den Dramen des Nobelpreisträgers, einstigen "angry young man" Harold Pinter? "Es war des Harold Pinter Wunsch - zwei Tassen heißer Winterpunsch"...) Jedenfalls rate ich keiner Glühweinführung, den Umweg über Raderthal zu nehmen, sonst droht ein harter Knockdown, jedenfalls denen, die sich mit Hund auf die Wiese vor der Terrasse wagen. Wird das gemütlich!