Das römische Sakralgesetz erlaubte in seinem Kalender nur bestimmte Tage für Rechtsgeschäfte, die Nefasti. Dieser Kalender war in Stein- oder Marmortafeln gehauen und öffentlich ausgestellt.
Einer der größten Vorteile dieser Wohnung ist, nach vorn heraus (Wohnzimmer) ebenerdig und nach hinten (Küche) im 1. Stock zu wohnen.
Das liegt am Raderthal, laut Geschichtsbuch floß hier einmal der Rhein lang, noch im Mittelalter. Das tägliche Panorama-Dorfkino ringsum ermöglicht allerlei Beobachtungen in der belebten Natur;
speziell nach hinten heraus gehen zumindest die Tiere ungestört ihren Geschäften nach und bemerken den neugierigen Betrachter gar nicht. Ein Fernglas liegt auch schon griffbereit, leider nicht der Fotoapparat. Erst vorhin war ein gräulich-bräunlicher, ziemlich großer Vogel mit braunschwarzem Schnabel (ich tippe mal auf Amselweibchen) in der Vogelbadewanne gelandet (in die ich neulich beim Fliederdoldenköpfen rückwärts reingetreten bin) und hat ein ausgiebiges, pudelnasses Vollbad genommen.
Angesichts der mittlerweile zwei Meisen-Gehänge, ein Ball und eine etwas kniffliger zu bespringende Stange mit Nüssen, und der Streufutter spendenden lila Blechkatze (bei "Depot" gab es alle Balkon-Dekoware zu 30 % billiger, mit sowas kann man mich immer ködern...) legen die Meisen vor dem Küchenbalkon einen regelmäßigen Vierecks-Parcours hin: Tanne - Flieder - Balkongeländer oder Blechkatze (mitunter auf den Knickohr balancierend!) - Knödel.
Das neulich gezimmerte Wohnhaus wurde übrigens noch nicht "angenommen", außerdem erwies sich das avantgardistische Walmdach als Fehlkonstruktion. Es blieb zwar gut verankert an der Blech-Schelle im Ast hängen, aber der Sturm sorgte dafür (oder es setzte sich diese fette Taube drauf, die hier immerzu in den Wipfeln herumhüpft?), dass sich die Schrauben lösten & das Haus herabfiel - nicht auszudenken, was für eine Familientragödie passiert wäre, falls bereits ein Vogelpaar mit
Nachwuchs drin gewohnt hätte. Die unausgebrütete Leibesfrucht wäre am Boden zerschellt, man hätte in der gesamten hiesigen Tierwelt mit dem Finger, pardon, der Kralle auf mich gezeigt: "Kein Urlaubsort, wo Vogelmord!" (Diesen Spruch las ich um 1980 auf einem antiitalienischen Aufkleber im WDR-Paternoster.) Kurzerhand wurde das wellige Blech durch ein solide genageltes, wasserabweisendes Plastik-Flachdach ersetzt (Deckel einer XXL-Packung Body-Building-Kraftfutter, das irgendwer im Haus verzehrt - jedenfalls lag die leere Dose in der Gelben Tonne) und mit einem Wandbildhalter versehen. Jetzt hängt das Häuschen an der rückwärtigen Fassade, in einiger Entfernung vom unruhigen Küchenbalkon über dem Badezimmerfenster. Mal sehen, ob es Bewohner anzieht, dieses oder im nächsten Jahr; beispielsweise sollen Goldammern erst relativ spät siedeln.
Die Meisen, die morgens herumflitzen, haben vermutlich schon Nachwuchs zu versorgen. Einmal am Knödel gelandet, klammern sie sich in zirzensischer Gewandtheit an, picken gierig zu und wenden sekundenschnell und fast gleichzeitig den Kopf nach allen Seiten, um sich unvermittelt wieder abzustoßen und im eleganten Schwungflug zur Tanne zurückzukehren. Die Nuss-Stange haben wir aufgehängt, damit die nächsten wartenden Meisen schon mal eine Alternative haben. Außerdem war sie bei "Fressnapf" im Angebot - Ausverkauf der Winter-Saisonware! Komisch: Immer wieder hört man leise Vorwürfe, das Meisenfüttern in den Monaten ohne "R" wäre irgendwie schädlich für den Darwinismus, man solle das lassen, abgesehen vom Eingreifen in Gottes weisen Schöpfungsplan führe, heißt es, ganzjähriges Vögelfüttern zu Verweichlichung, Überfütterung, Kotbefall auf dem Garagenhof etcetera etcetera. Weit gefehlt! Und jetzt der ganz schwere ethische Vorschlaghammer: Hier erklärt ein landauf, landab als Fachmann bekannter Professor der Ornithologie, korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, weshalb es geradezu eine moralische Verpflichtung ist, Vögel zu füttern. Ganzjährig! Wer etwas anderes behauptet, lügt und ist jedenfalls falsch informiert, unmoralisch und / oder ein ganz mieser Charakter. Denken wir an Kant! Handle so, wie du, wenn es allgemeine Maxime wäre, usw. usf. Wäre es die Allgemeine Maxime, so der Professor, würden wir alle auf den Kauf von Leberwurst verzichten, das Geld in Streufutter oder Fettknödeln anlegen und selber uns nicht so überfressen. Die falsche Ernährung zur richtigen machen und gleich weiterleiten. Aber jetzt bloß kein altes Brot mit Leberwurst verfüttern, das tut den Vögeln nicht gut wegen der Schimmelpilze.
Und was ist mit dem Eichhörchen? Möchten wir etwa, dass sich die Vögel von schnuckeligen, rotbebuschten Oachkoatzeln ernähren müssen, wie sie hier so flink von Baum zu Baum hüpfen und gelegentlich ihre Walnüsse auf der Wiese liegenlassen? Neulich beobachteten wir morgens, wie sich ein Eichhörnchen am Baum festklammerte, in dem zwei Raben lauerten. Der eine hielt sich ein paar Äste höher, sozusagen im zweiten Stock auf, vermutlich um Schmiere zu stehen, der andere suchte verzweifelt nach dem Eichhörnchen, das unbeweglich an der Rinde klebte und, wenn der Rabenschnabel hinter der Biegung des Stammes sichtbar wurde, sich zentimeterweise weiterbewegte. Eine regelrechte Verfolgungsjagd setzte ein, spannend wie "Richard Kimble"! Der Rabe ratlos spähend rings um den Baum herum, die free-climbende Eichkatz ebenfalls. Als sich der zweite Rabe, der mit mehr Überblick, von oben krächzend meldete und flatternd vom Baum abstieß, um den Flüchtling bei dem unteren Raben zu denunzieren, gab sich das Eichhörnchen einen Ruck und flitzte in atemberaubenden Tempo zwischen den beiden schwarzbefrackten Verfolgern hindurch und den Stamm hoch, als wären 1000 Teufel hinter ihm her. Die Raben, schwerfällig wie sie sind, konnten ihm im oberen Gezweig nichts mehr anhaben. Sie ähneln übrigens nicht Kunststudenten, wie Grandville in Un autre monde sie darstellt,
sondern erinnern an Leichenbestatter. Anderntags sah ich das Eichhörnchen quietschvergnügt wieder herunterkrabbeln, kein Rabe weit und breit. Aber die kommen wieder, die gehören hier sozusagen zur Nachbarschaft.
Meine Frau meint, das Eichhörnchen wäre ein wahrer Leckerbissen für die Raben, ich kann mir das nicht recht vorstellen. So ein Pelztier ist doch ganz schön zäh und selbst von zwei Raben nicht ganz leicht zu killen, oder? Auch sind Reste ausgeweideter Eichhörnchen, abgelutschte Knochen oder dergl. hier nie zu sehen (im Gewölle eines Eulenvogels fand ich neulich einen interessanten Schädel im Grüngürtel, sah aber eher nach Marder oder Fuchs aus), es sei denn, die Raben machen das wie ihre großen Brüder, die "richtigen" Raubvögel mit den Karnickeln auf der Brachwiese hinter der Schmierölfabrik ab. Ich nehme mal an, die Raben betreiben da oben eine Rabenfamilie und mögen es nicht, wenn der Vormieter jetzt im Frühling an seine Walnußsammlung will. Deshalb dieses Auflauern.
Für solche und ähnliche Dorfgeschichten habe ich übrigens inzwischen eine eigene Rubrik mit dem Titel "country life" eingerichtet. Vorn heraus zur Balkonseite sind die neuen Pflanzungen herangekeimt, die Rose macht sich und zeigt nur noch selten gelbe Blätter. Thymian und Rosmarin kommen nachher ins Gulasch, die Minze in den Obstsalat. Meine Basilikumplantage wird gewaltig, ich habe sie alle auf verschiedene Töpfe und Kästen verteilt, und vermutlich muss ich sie nochmal umtopfen und schmeiße schon keine Buttermilchbecher mehr weg - das wird eine Menge Pesto geben, falls das alles heranwächst!