• Weltvernunftmedaille für Hamburg

    Mit der Demokratie ist es bekanntlich so eine Sache bzw. ist hierzulande alles gut, so lange stets das Richtige "hinten herauskommt" (Helm. Kohl). Das ist ja das Vertrackte am Volk, wenn man es wählen oder gar entscheiden läßt, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende ein - Ergebnis herauskommt. Über die Abschaffung der Todesstrafe, die Einführung des Dosenpfandes hab ich ja auch nicht abstimmen dürfen. Aber ich hab noch Willy Brandt im Ohr, wie er im Winter 1989/90 in der Bonner Uni bei einer Diskussion das Ansinnen weit von sich wies, nun, nachWeltvernunftmedaille für Hamburg dem Ende des DDR-Regimes, wie es ja grundgesetzlich so festgelegt worden war, das deutsche Volk in Einheit und Freiheit und gar noch über eine Verfassung entscheiden zu lassen. Wofür hat man schließlich ein Grundgesetz, wenn da nicht noch ein Hintertürchen wäre, und das war der "Beitritt" der angeblich herrenlosen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern usw. usf. Die Altkommunisten und ZK-Kader wußten Bescheid, die waren dafür, schon der Rente wegen. Da hätten womöglich die paar Dissidenten mit Nein gestimmt, die lieber erst den Sozialismus des dritten Weges ausprobieren wollten. Oder die Kirchentagspazifisten hätten Oberwasser bekommen, die früher schon den gouvermental bevorzugten "Wandel durch Annäherung" mit peinlich-unpassender Distanzierung trübten und prompt mundtot gemacht (eingesperrt & freigekauft) wurden. - Wo wären wir heute, wenn eine knappe Mehrheit nachher gegen die sog. "Vereinigung" von BRD/DDR gestimmt hätte? Na, wir hätten noch immer einen Gutteil der Grenzbefestigungen nach Osten (oder je nachdem, Westen), die Bayern und die Junge Union jetzt bedauerlicherweise vermissen müssen.  Und jetzt sind wieder mal demokratisch starke Nerven gefragt. Noch am Samstag rief die FAZ den Bürgermeister Scholz zum "Olympioniken" aus, die "Zustimmung" der Hamburger dürfe "als sicher gelten": "Alles andere wäre eine Überraschung", aber: "Politisch richtig war, das Referendum anzusetzen. Dazu mußte die Verfassung geändert werden", ebeneben, wir wollten das Volk befragen und es sollte ganz sicher das Richtige ankreuzen! Läßt sich das absehen, dann ist dann auch eine Verfassungsänderung kein Problem. "Ein Nein im Referendum wäre eine politische Katastrophe", das ZDF hatte entsprechend auch schon 56 Prozent Zustimmung gewittert (ein Prösterchen auf die Prognostiker!) - tja, und nun ist die Welt untergegangen und die Hamburger haben sich anders entschieden, und jetzt urteilt die Süddeutsche nachtragsschlau, "angesichts des Rufs, den der Sport sich mit vielen Affären verdient hat, mag das nicht überraschend sein"...Weltvernunftmedaille für Hamburg

    "Olympia in Deutschland - diese Idee ist zu begraben", seufzt die Süddeutsche, "eine schwere Schlappe für den deutschen Sport" und für "Olaf Scholz eine schwere Pleite" wittert der Deutsche-Welle-Kommentator. Die FAZ warnt bereits, daß sich "Deutschland damit vorerst ins Abseits katapultiert", während der Berliner Tagesspiegel eine "Niederlage für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland" beklagt, "ein weiterer Triumph der Nimbys in einem saturierten, überalterten Land, das jede Veränderung vor der eigenen Haustür aus Abstiegsangst verhindern will" (Nimbys sollen aber lt. Wikipedia eher auf ihren Hinterhof achten statt vor der Haustür kehren, und damit das sprichwörtliche Sankt-Floriansprinzip verkörpern). Einen Tick schriller klingt der Notschrei im Kommentar der Berliner Morgenpost:

    "Und es stellt sich die Frage, welche Rolle der Senat und die repräsentative Demokratie bei den wichtigen Entscheidungen für die Stadt überhaupt noch spielen. Nach den vergangenen großen Volksentscheiden hat man den Eindruck: kaum eine. Das ist gefährlich, weil dadurch die Autorität und die Legitimation der Regierung zusätzlich geschwächt wird."Weltvernunftmedaille für Hamburg

    Anarchie, Chaos, Tätera! Ich hab doch gewußt, daß es mit dem ganzen Volksentscheidungs-Getue nicht gut ausgehen wird, am Ende versenken die noch die freiheitlich-demokratische Grundordnung wie einen lecken Kahn im Hafen, worauf soll das (um im Bilde zu bleiben) noch hinauslaufen! Diese Hamburger haben ja eben erst den bekennenden Kettenraucher Helmut Schmidt zu Grabe getragen, als wär es ein Heiliger, wie soll da Alfons Hörmann ("ein herber Tief- und Rückschlag") vom Deutschen Olympischen Sportbund "ohne Rückenwind einer Olympiabewerbung Sportdeutschland weiterentwickeln"? Selbst die Grünen, die doch so gern alles außer der Abschaffung der Braunkohle und der Kernkraft einem Volksentscheid unterwerfen wollen, sind ärgerlich, weil sie die Bewerbung unterstützt hatten, Konstantin von Notz behauptet, die "Verantwortlichen" (wer denn, zum Teufel) hätten es geschafft, "die Menschen zu verunsichern", denn - so der Sportbundchef in Hamburg Jürgen Mantell:  "Das war keine rationale Entscheidung, sondern eine aus dem Bauch heraus." An die Volksbrust, also ein paar Handbreit oberhalb von diesen Bauch, aus dem die weise Entscheidung zum Verzicht kam, ein Bauch, der bestimmt kein Waschbrett ist, sondern ein wohlgefüllter Resonanz-Volkskörper, möchte ich aber jetzt den Weltvernunftorden heften.

     

     

     


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  • Commentaires

    1
    Kornelia
    Mardi 1er Décembre 2015 à 14:43

    die skeptische und aufgeklärte Haltung zum Plebiszit tut gut.

    Auch fett hervorgehoben !!

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