• Türchen sechzehn

    Hurra, zwei Drittel Kalendertürchen schon geöffnet, d. h. auch den dritten Advent hinter uns gebracht. Was ich mit den gefühlten 200 Chanukkakerzen vom Nationalfonds anfangen soll, die noch zur Verfügung stehen, weiß ich nicht, ich gruppiere immer mal 2 zusammen in einem Metallteil mit passenden Schraubenlöchern, von einem einst funktionierenden Scharnier, glaube ich, dem vom Tor der christlich-jüdisch-muslimischen Verständigung, durch das Tempelherr, Saladin und Nathan geschritten sind. Einen "richtigen" Adventskranz kriegen wir dieses Jahr als olle Glövenixe sowieso nicht. Manche regen sich ja über den Weihnachtsmann auf, weil er die Elche am klimawandelgepeinigten Nordpol zusätzlich quält, indem er sie vor den mit Geschenken überlasteten Karren spannt, andere, weil ihn der Sarottimohr mit Werkzeug zur Befriedigung sadomasochistischer Gelüste begleitet. Mir wär das ganze Brimborium sowieso egal, meine Nachbarn hängen das ganze Jahr über Kränze an ihre Türen und beten ein Leucht-Reh an, das ihre Balkonterrasse illuminiert. Der deutsche Einzelhandelsverband glaubt erst nach Sylvester an die Weihnachtsumsätze, die für das ganze Jahr die Bilanz in Aufschwung versetzen sollen, und bevor sie wieder einen Peias über den Kneipen aufhängen, der am Schluss des Karnevals verbrannt (!) wird, kraxeln noch immer zahlreiche rotgewandete Fassadenkletterer die hiesigen Regenrinnen hoch und runter, das besorgt bei uns das rostbraune Eichhörnchen mit und ohne Nuß und Mandelkern im Mäulchen!

     

    Türchen sechzehn

    Beim heutigen Symbolbild geht es nicht um christlich-jüdische Verständigung, es handelt sich um sog. Ex-voto-Tafeln. Dass Jesus Christus beschnitten war und nicht von einer Christin zur Welt gebracht wurde, ist bibelfesten Zeitgenossen bekannt. Aber St. Jude? Donnerlüttchen, oder? Ein intelligentes Rechtschreibprogramm würde zurückfragen: "Meinten Sie St. Judas?"  Dass 30 Silberlinge im Monat viel Gutes bewirken, habe ich dieses Jahr als Empfänger eines Stipendiums erfahren, wofür ich allen danke, die es ermöglicht habe. Hier aber wird von u. a. Examenskandidaten offenbar dem Hl. Judas Thaddäus gehuldigt (einem der zwölf Apostel und laut Wikipedia der "Patron des Unmöglichen"). Vielleicht geschahen die Stoßgebete bzw. klingelte der Opferstock nach durchzechter Nacht, wenige Stunden vor dem Examen, dann wären die Prüfungskandidaten ja wirklich ausweglose Fälle gewesen, um die sich nur Judas Thaddäus kümmern kann. Dieser H. hat bestimmt das erste und nach sieben Jahren Aufbaustudium und Referendariat auch das zweite Staatsexamen geschafft, vielleicht war sein Thema Einsteins Relativitätstheorie oder Hegels Rechtsphilosophie, deren Grundsatz bekanntlich lautet: "Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig." Engels meint, das müsse man als Prozess verstehen wie die ganze verdammte Dialektik, also ungefähr so, dass der monarchische Obrigkeitsstaat schon in dem Maße zu schwinden beginnt bzw. seiner "Nichtung" anheimfällt, je unvernünftiger er sich gebärdet. Denn die Kunst des Möglichen beherrscht uns allgemein so sehr, dass man sich kaum noch darauf besinnt, welch großer Prozentsatz an Unmöglichkeit die Verwirklichung manches Möglichen vereitelt! Nehmen Sie noch einen Moment draußen Platz! Murmel, murmel. Kommen Sie bitte noch mal rein, ja? Glückwunsch, bestanden.


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