• Türchen elf

    Was tun, wenn eine Kollegin im Büro in Tränen ausbricht, weil der Hausarzt ihr infolge asthmatischer Reaktionen das fortgesetzte Halten ihrer Katze verbietet? Ist das nun ein Fall von seelischer Grausamkeit, wenn es geraten erscheint, den Schmarotzer nach jahrzehntelanger Symbiose noch vor Weihnachten vom Wirtstier zu trennen bzw. sich ersatzweise einen Nacktmull, eine Manx-Katze oder ein Terrarium anzuschaffen? Im neuen Aldi-Prospekt sind die edelsten Geschenke vorgestellt, um Vierbeiner unterm Weihnachtsbaum zu beglücken (Hunde freuen sich an Bäumen mehr als Katzen, glaube ich). Und wohin mit dem armen Tier in der gefühligen Jahreszeit des Erbarmens, triefender Menschlichkeit und liebevollen Familienglücks, doch nicht ins Miezhaus abschieben, um nicht zu sagen, ins Katzett? Dass die Felle winzige, geruchlose und mit bloßem Auge unsichtbare Härchen absondern, die jede Nase in der Nähe einatmet, ist mir schon früher bewußt gewesen. Mir schwellen allerdings auch nicht die Augenränder davon an, und die Luft bleibt mir auch nicht weg. Den Aldi-Chef selber konnte man zu Weihnachten immer mal mit einem Oldtimer (72,7 Millionen Euro) oder mit moderner Kunst (48 Millionen Euro) erfreuen, wie wir jetzt aus dem Prozess gegen seinen Aficionado erfahren, der die Sammelstücke zu Aldi-Bedingungen d.h. mit max. 3 Prozent Provision für die Oldtimer, 5 Prozent für Kunstwerke anschleppen sollte...

    Türchen elf


    Da lob ich mir Surrogate aus Gips, wie den obigen Mops, ohne den ein Leben bei weitem nicht so sinnlos wäre wie ohne Godot oder Loriot, und wenn man es edler und teurer haben will, bietet sich Porzellan aus dem 18. Jahrhundert an. Diese Figürchen ziehen zwar, statt auf Staubmäuse Jagd zu machen, eher eine Staubschicht an, aber dafür muss man sie nicht füttern oder per Katzenklappe nach draußen lassen, und bei Nichtgefallen können sie auch mal - hoppla - vom Regal fallen. OK, noch sind sie nicht sozial interaktiv wie computeranimierte Gollums, lassen sich nicht streicheln und schnurren tun sie auch nicht. Oldtimer soll man ebensowenig im Berufsverkehr nutzen, man parkt sie dekorativ vor dem Palast, und was moderne Kunst betrifft, so ein Haifisch in Gelee ist auch nicht gerade kuschelig. Betrachten wir die Katzen doch wie die Alten Ägypter als Anlagemodell, sie halten nicht nur den Geldspeicher mäusefrei, sondern verbrennen freundlicherweise auch die Kohle, die wir für Tierpsychologen, Tierheilpraktiker, Tierfriseure oder ihre diamantbesetzten Flohhalsbänder ausgeben könnten, bevor wir was Dümmeres damit anstellen.


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