• Türchen eins

    Mal sehen, ob ich es schaffe, hier jeden Tag bis Christkind's Birthday ein nettes Foto und einen flotten Spruch aufzumachen... dann mal los!

    Okay, in einem Antiquariatskatalog wurde neulich ein Aquarell angeboten, mit einer oskar-schlemmerhaft-pummeligen Puppe, die blaugewandet wie in eine riesige Konservenbüchse gekleidet unter einem himmelblauen Hut mit runder Krempe zwei Schafe bewachte. Das Aquarell stammte von der 2010 verstorbenen Wiener Graphikerin Helga Janetschek-Becker, die u. a. für das "Café Dehmel'" gearbeitet haben soll. Auch in Walter Laqueurs Autobiographie "Best of Times, Worst of Times" ist die Rede von diesem Wiener Café. Laqueur verdankt Friedrich Torberg, der alle Brecht-Stücke in Österreich verbieten lassen wollte, eine Einladung to "Vienna's leading coffee-house, Café Dehmel". Mehr noch, die Kuratorinnen der Ausstellung "Kaffee - Konsum, Kultur, Kommerz", vom 20. März bis 24. Oktober gezeigt im Museum Malerwinkelhaus in Marktbreit, führen in ihrem 32seitigen Begleitheft aus: „In ganz Europa wurde das Kaffeehaus ein Zentrum der bürgerlichen politischen Öffentlichkeit und auch der Kunst (vor allem der Literatur). Berühmte Namen sind hiermit verbunden: das Café Greco in Rom, das Café aux Deux Magots in Paris, in Wien das Café Dehmel und in Prag das Café Arco. In Zürich spielte das Café Odeon eine wichtige Rolle als Emigrantentreffpunkt...“

     

    Türchen eins

     

     

    Ich halte den Betreffenden gern zugute, dass Richard und Ida Dehmel bedeutende Gestalten am Beginn des Jahrhunderts waren, aber das Café hieß nun mal nicht Dehmel, Deimel oder Dähmel, sondern schlicht und ergreifend: Demel. Es war mal die k. u. k. Hofzuckerbäckerei und hatte, wie Karl Kraus in Die letzten Tage der Menschheit andeutet, guten Eiskaffee! Darin lässt Kraus zu Beginn des Ersten Weltkriegs einen Grafen (namens Leopold Franz Rudolf Ernest Vinzenz Innocenz Maria) im Gespräch mit einem Baron (Alois Josef Ottokar Ignazius Eusebius Maria), die im Spätsommer 1914 die Nichtannahme des Ultimatums durch Serbien beim Frühstück feiern, debattieren ("No wann glaubst wird Frieden sein?" - "In zwei, allerspätestens drei Wochen schätz ich"). Dann hört man eine Klingel und die Stimme "Poldis", des Außenministers von Österreich, des mährischen Diplomaten Graf Leopold Anton Johann Sigismund Josef Korsinus Ferdinand Berchtold von und zu Ungarschitz, Fratting und Pullitz. Er will sich Eiskaffee bestellen, d. h., eigentlich nicht wirklich Eiskaffee, sondern "Aäßkaffee!" (man hört die Tür schließen). Der Graf kommentiert: "Das is vielleicht die einzige Schwäche, die er hat! Er adoriert Eiskaffee! Aber das muß man auch zugeben, der Eiskaffee vom Demel – also ideal!"

     

     


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