• Türchen acht

    Mei, das geht ja wie die Feuerwehr, in nullkommanix ist schon ein Drittel der vorgesehenen Türenmenge geöffnet! Heute geht es fröhlich-moralisierend weiter: Ich interessiere mich seit Jahren für den Stuß, der in Gebrauchsanweisungen bzw. "Bedienungsanleitungen" steht, weshalb ich die letzteren akribisch sammele und archiviere, von der ältesten Kleinbildkamera ("Wenn Sie ihren Finger vor Ablauf der 4 Sekunden heben, wird der Verschluss sofort geschlossen") bis zum jüngst von der Genossenschaft installierten Rauchmelder ("Einen Fehlalarm (lauter Warnton ohne erkennbaren Grund) quittieren Sie durch Drücken der Prüftaste)". Das Beste sind ja die Formulierungskünste, in den achtziger Jahren nur übertroffen vom Manufaktum-Katalog und Zweitausendeins-Versand. In einer kabarettistischen Zwischeneinlage habe ich auf der Tournee meiner Jugend auch mal aus der Gebrauchsanweisung der Thermoskanne vorgelesen, Erfolg garantiert, bäuchehaltend lag das Publikum am Boden. Nicht die ungelenken, teils komplett unverständlichen Übersetzungen, sondern die immer wachsende Anzahl an Warnhinweisen interessiert mich.

    Türchen acht

    Neuerdings habe ich einen neuen Klodeckel installiert, gesässfreundliches Holz statt Plastik usw., da wurde drauf hingewiesen, daß nur eine Person auf das Klo gehen sollte (vielleicht zur Abwehr der gleichzeitigen Inbetriebnahme von Zwillingskindern?), außerdem, natürlich, auf der Rückseite, dass man die Plastikumhüllung von Kindern fernhalten, wie man den Sitz montieren und dass man anschließend nicht draufsteigen sollte, um z. B. ein hoch gelegenes Klofenster zu öffnen (mit Durchstreichungs-Balken im Bild zu sehen). In letzter Zeit ist ja viel die Rede vom Untergang der Gutenberg-Welt, die (endlich, seufzt jetzt mancher) von einem bunten, bildergeschmückten Informationszeitalter abgelöst wird, in dem sich die vielen Hundertmillionenmilliarden Info-Segmente, "Daten" genannt, in großen Datenbanken besser akkumulieren lassen als im heimischen Sparstrumpf der Vernunft. Wogegen die Klippschüler von Hegel und Kant mit nichts anstinken können als mit dem Hinweis, dass es mit dem Akkumulieren der Daten, mit dem zufälligen  "Aggregat von Kenntnissen" nicht getan ist, dass es der Durchdringung lebensweltlicher Tatsachen und ihrer fasslichen Darstellung im Wort bedarf, wenn sie denn fruchtbar sein soll. Uwe Jochum hat hierzu einen interessanten Artikel geschrieben, etwas herunterscrollen, dann findet man ihn hier. Ich hab keine Ahnung, auf was für Einfälle die Käufer  kommen, was sie mit dem Klodeckeln sonst noch anstellen, aber das Lesen zusammenhängender Texte ist nicht ihre Stärke, weshalb vieles mit leicht fasslichen Symbolbildern oder allenfalls Zahlen illustriert ist, wie das obige Beispiel zeigt. Aber ob die Leute mit dem folgenden doch etwas akademischen, ja kantianischen Imperativ etwas anfangen können, der (leider!) nicht illustriert wurde? "Die Produktverpackung besteht weitgehend aus recyclingfähigen Materialien. Entsorgen Sie diese umweltgerecht. Werfen Sie das Objekt am Ende seiner Lebensdauer keinesfalls in den normalen Hausmüll. Über die bestehenden Rückgabemöglichkeiten in Ihrer Nähe informiert sie der zuständige öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger."


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