• Türchen #11: Buchmaschine

    Unverbindlichen Schätzungen zufolge werden die Hälfte aller Bücher nur geschrieben, um die Irrtümer in der anderen Hälfte zu ermitteln und zu widerlegen. Das ist natürlich eine andere Rechnung als die berühmte Omar-Normalverteilung, wonach 50 % aller Bücher mit dem Koran übereinstimmen und daher überflüssig seien, die andere Hälfte dem Koran widerstreitet und daher schädlich sei. Doch das ist noch gar nichts gegen meine steile These, wonach in 100 % aller Bücher lästige und penible Dämonen wohnen. Zwar ins Regal verstaut, wenden sie mir alle scheinheilig den Rücken zu, aber sie finden reichlich Nachwuchs auf Couchtischen, Fensterbänken, Ablagen, wo die Stapel fröhlich vor sich hin wuchern und die ihnen innewohnenden Dämonen nach Beachtung gieren. Versuch es mal, sie elegant loszuwerden - ich bin in diesem Blog schon mal darauf eingegangen - , schon plagen sie dich mit Gewissensbissen, Peinlichkeitsgefühlen und Verlustängsten. Das, was die Hundebesitzer, die vor den Fenstern meines Arbeitszimmers abkacken lassen, nie kennenlernen werden! Anders meine Schwäger, die machen sich frei davon. Bücher? meinte einer neulich zweifelzögernd und nahm irgendeins in die Hand, abschätzig in die zufällig aufgeblätterten Seiten blickend, Bücher? wozu? Steht doch heute alles im Internet! Dummerweise habe ich mein Lebensmodell danach ausgerichtet, die Bücherlast zu vermehren, anstatt auf einen Theologiestudenten zu hören, der mir frühzeitig die Warnung aus dem Prediger Salomo 12,12 zukommen ließ, wonach des vielen Büchermachens kein Ende sei. Wollte ich mir die Unsterblichkeit herbeilektorieren? Richtig war, der KSK beizutreten, die mir alljährlich eine Schätzung meines Gesamteinkommens (voraussichtliches Ergebnis, wenn man prospektive Einnahmen von mutmaßlichen Ausgaben abzieht... eine lächerlich geringe Summe). Das soll jedesmal vor dem 1. Dezember eingereicht werden. Und Jahr für Jahr ist das dämliche Formular unter Manuskript- und Bücherstapeln verkramt, so daß mich das schlechte Gewissen in der Adventszeit beschleicht, dann räume ich meinen ganzen Kram auf und reiche das Dings in Gottesnamen zum 3. Advent nach.


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