• Schreibfreudige Nachbarn

    "Bessere Nachbarn als diese finden wir überall", schrieb ich vor einiger Zeit, als wir noch woanders wohnten, weil sich die damaligen bspw. standhaft weigerten, ihren (eigentlich öffentlichen) Dauerparkplatz wenigstens für die 2-3 Stunden unseres Umzugs freizuräumen. Dafür wohnen hier herum die schreibfreudigsten. In der neuen Umgebung gerieten wir damals in den schneereichsten Winter seit Jahren und säumten der Räumpflicht nicht, erfüllten diese vielmehr freudig vor Tag und vor allem vor Tau (denn man tau), was weißdergeier nicht jeder hier macht, und zwar mehr oder minder allein, denn im Haus sind von 7 Mietparteien 5 eher älteren Semestern zuzurechnen, drei Ehemänner waren damals gebrechlich usw. Damals habe ich auch den Hof gekehrt, entlaubt, die Rose unten beschnitten, Bank und Tisch gesäubert und mein Tomatenhaus in den Hof gestellt.Zettel (nicht an mich) aus der Südstadt Als das Ehepaar über uns auszog und zwecks Renovierung jede Menge Bauleute aus- und eingingen, vor allem durch den Keller, gewöhnte ich mir auch noch an, die Kellertür nachts abzuschließen. Das aber erregte bei zwei Mietparteien hier im Haus Unmut (obwohl es so und nicht anders in der Hausordnung steht, und von der Eingangstür nicht mal die Rede ist, die 24 Std. offen ist und theoretisch von 19.00-7.00 zugeschlossen gehört.

    Ich wurde von den beiden Betreffenden, die in dieser Sache kooperieren, aber nicht persönlich angesprochen, sondern erst hinterrücks denunziert, dann über Dritte (Hausverwaltungsangestellter) einer UnterscNawattdenn, kehren oder nicht oder was oder wannhlagung bezichtigt und schließlich genötigt (wozu ich laut Mietervereinsberatung verpflichtet war, sonst hätte ich's nicht gemacht), unseren (Wasch-)kellerschlüssel der besitzenden Genossenschaft abzugeben, sonst, so drohte man, hätten wir den Austausch von Zylinderschlössern bezahlen müssen. Aberwitzig! Mitleidige andere Mietparteien, die das irgendwie mitbekommen haben müssen - es muss lebhafte Kommunikation im Haus funktionieren, nur nicht mit uns, und jetzt erst recht nicht mehr - legten uns daraufhin zweimal Kopien, die sie offenbar seit 1965 (die Mehrheit der Leute wohnt seitdem hier) besitzen, in den Briefkasten, aber weil die Sache nunmehr ja amtsbekannt war, gaben wir diese Duplikate selbstverständlichSchreibfreudige Nachbarn pflichtschuldigst auch ab. Schade um die Liebesmüh der Heinzelmännchen. Das wäre alles uninteressant und ist längst Geschichte - meine Tomatenplantage habe ich inzwischen teils upside-down auf Balkon bzw. Terrasse verlegt, den Laubbesen rühre ich nicht mehr an, betrete den Hof (in welchem ja auch 12 Garagenbesitzer mal das Laub wegmachen könnten, wenn sie's denn täten) nur noch zum Fahrrad-Herausholen,  und wenn dieser Winter wieder so kalt wird, werde ich nach dem Schippen 7 verwunschene Schneetage warten, damit die lieben Nachbarn auch mal Gelegenheit bekommen, ihren Eifer, der sich in wahrer Schreibwut äußern, anders abzureagieren wie ich, der ich noch nie als Leser einer schriftlichen Wandzeitung geantwortet habe (ich hab auch, ehrlich gestanden, meistens die Lesebrille nicht greifbar). Inzwischen sind aber neue Leute hier über uns eingezogen, und seitdem tobt eine regelrechte "Zettelschlacht". Aus irgendeinem Grund drückt hier kein Mensch den Klingelknopf, wenn er was auf dem Herzen hat (nur die Neuen Nachbarn befragten uns mal, just als ihr Kindlein auf die Welt kam, dessen Gequäke könne uns doch mitunter womöglich zu laut werden, barmte die junge Frau, was wir gestikulierend-beschwichtigend abwehrten), lieber schreibt man eWinterdienst an der langgestreckten Kurveinen öffentlichen Zettel, und ich hätte gute Lust, eine Wandzeitung im Treppenhaus einzurichten, mit Korktafel und Stecknadel und der Überschrift "unabhängig - überparteilich". Leider habe ich die schönsten Zettel nicht abfotografiert, weil ich nicht dran gedacht habe, dass sie ja an die Öffentlichkeit richten und daher hier durchaus annonciert werden dürfen - mit getilgten Namen, versteht sich. Das handschriftliche Gekrakel eines sonst gutwilligen Mitbewohners, der immer die Mülleimer vor die Tür stellt (gern auch anderthalb Tage vor dem kalendermäßigen Abholtermin), beschwerte sich beispielsweise, dass die Mülltonnen nicht wieder hereingestellt würden, wobei er namentlich die männlichen Bewohner, die morgens das Haus verlassen, ansprach. Vielleicht sollte das der Belehrung des frischgebackenen Vaters im 2. Stock dienen? Mich kann er nicht  gemeint haben, denn ich bin bekanntlich Heimarbeiter. Obwohl die Leute hier vermutlich immer noch darüber rätseln, womit ich mein Geld verdiene - Drogenhandel? Telefonsex? Warentermingeschäfte? Ein anderer Zettel beklagte schon vor ca. anderthalb Jahren, die Schreibfreudige Nachbarn Türe im Hof bliebe neuerdings offen stehen (da waren wir grade neu hier, damals schloss ich sie noch nicht ab, das kam erst später). Diese Tür vom Keller zum Hof hat allerdings die Neigung, wieder aufzuspringen, wenn man sie nicht mit Schmackes ins Schloss wirft, und eine andere hat ein Schloss aus den 1930er Jahren, die ist nie abgeschlossen. Das war damals, als man uns auch den Fahradkeller verwehren wollte, wir hätten doch einen großen Keller, wir blieben aber eisern, der Fahrradkeller und der Trockenspeicher sind mitgemietet. - Wer immer damals die Genossen alarmierte, hat sich allerdings dann auch mündlich bei meiner Frau beklagt wegen der offen stehenden Tür, die ich damals noch gar nicht so ernst nahm, schließlich geht sie fast nie und ich nur selten durch. Es besteht bei dieser bewussten Person offenbar erhebliche Panik, es könnten Kleinnager oder Insekten in die geschützte Hülle des Treppenhauses eindringen. Dabei gäbe es für diese Viecher so viele andere mögliche Zugänge, deshalb ist die Sorge, sie könnten die offenen Kellertüren zum Hof einrennen, vorgeschoben oder meinswegen der Paranoia der Trümmerkindergeneration geschuldet. Dann war da noch die Sache mit dem Tropckenspeicher. In dem lagern die lieben Nachbarn seit Jahren jede Menge Sperrmüll, was feuerpolizeilich streng verboten ist. Das ging raus und rein, vor allem interimsweise, als das ältere Ehepaar auszog. Nicht, dass uns jemand vorgewarnt hätte, so dass wir vielleicht unsere nasse  Wäsche hätten abhängen können, bevor irgendwelche Sofatrumms, altfränkische Gastronomie-Eckbänke oder sonstiges Gelsenkirchener Barock unter den Hosen, Hemden, Tischtüchern und Socken durchgeschoben wurde. Mittlerweile ist es wieder etwas leerer, doch steht immer noch genug herum, die ganz oben wohnende Partei hat hier eine probate Wohnraumerweiterung. Auch alte Herrenjacketts wurden oben wochenlang ausgelüftet, und zwar je zwei auf einer Leine. Als ich mal einen größeren Bettbezug aufhängen musste, erlaubte ich mir, alle ca. 12 Jacketts zusammen auf eine andere Schnur zu hängen. Die Person, die ihre Wäsche sonst über diese spezielle Schnur zu hängen pflegt, war darob erbost und machte schriftlich bekannt, das Menschenrecht, den Trockenspeicher zu nutzen, gelte schließlich für alle, da dürfe ich nichts "weghängen". Aber nichts anderes habe ich doch getan! Ich habe auch nutzen wollen und bin für meine Nutzung nicht weniger tatkräftig eingetreten.Gut, wenn man Sachen wochenlang droben lässt, aber ich sammle ja nach drei Tagen alles wieder ein. Diese Mietpartei unterschrieb ihre Computerbriefe bisher übrigens immer mit "Gez", als wäre das der Vorname. Schade, früher klebte "Gez" mir nette gelbe Notizzettel Inschrift an Hausfassademit selbstgekritzeltem Kugelschreiber-Smiley an die Tür, weil ich immer die Paketsendungen irgendwelcher Internet-Klamottenversender annehme, jetzt kriege ich in meinem nicht mehr beschulungsfähigen Alter Handlungsanweisungen für das Kehren des Trockenspeichers. - Jedenfalls bin ich erst spät auf die Idee gekommen, eine Sammlung anzufangen und diese lustigen Zettelchen hier aufzuheben. Mal sehen, was noch alles kommt. Das letzte war, auf hochoffiziellem genossenschaftlichem Briefbogen, die Aufforderung, die Tür vom Keller zum Hof nun doch zu (ver-??? sie drücken sich nicht ganz präzise aus bzw. etwas drumherum!) schließen, und am Morgen des Tages, als dieser Zettel auftauchte, war diese Tür wahrhaftig mit 2x umdrehen verschlossen. Diese Tür blieb, seit ich mich nicht mehr darum kümmere, tagein, tagaus unverschlossenen. Drum dürfen sie sich künftig selber kümmern - und was das Hofkehren betrifft, das sollen mal schön die erledigen, die alle nötigen Schlüssel auch vom Waschkeller zum Hof haben, wir können da ja nicht mal mehr den Gartenschlauch benützen, um die Vogelbadewannen aufzufüllen. Jedenfalls bin ich fast sicher, es bleibt nicht der letzte Zettel seiner Art und ich werde noch manche Fortsetzung hier unterbringen...


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  • Commentaires

    1
    hdor Profil de hdor
    Dimanche 25 Novembre 2012 à 15:17

    Ich bin soweit und muss meinen Söhnen schriftlich mitteilen, was ich von ihnen möchte oder was dringend ist ...

    Mit meinem Mann verkehre ich, nicht nur aber auch,   per mail ;-)

    2
    Liaisons sans danger
    Samedi 22 Décembre 2012 à 21:03

    Ist das die intellektuelle Variante von Telefonsex?

    3
    Dimanche 3 Février 2013 à 12:05

    Auch in Frankreich sind die Nachbarn kreativ. Hier ein paar Ideen, mit welchen Maßnahmen du die Schreiblust anregen könntest. Laut muss es sein (Musik, Sex, Partys).



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