• Rhabarbermarmelarde zum Marderramadan

    Mit diesem Blog wollte ich zwischendurch mal auf die segensreichen Funktionen eines eher unscheinbaren Satzzeichens, des Bindestrichs aufmerksam machen. Trennstriche und Trendgendertrennungsrichtlinien und rattenscharfe Kriterien gibt's genug. Gerade in einer Sprache, in der man praktisch unendliche Wortketten bilden kann, und einer Zeit, die von Polarisierung und Gegeneinander geprägt ist, sollte das Augenmerk auch mal auf das moderat Verbindende, intersubjektiv Vermittelnde fallen. Der Bindestrich ist sozusagen der Mediator unter den Satzzeichen, ein feinsinniger und bescheidener Diplomat, man sollte ihn nicht nachträglich einzwängen und immer dann seiner Aufgabe nachgehen lassen, wenn zwei anonsten gegensätzliche oder schwer zu vereinbarende Begriffe aufeinanderprallen.  Der Aufkleber, dem ichGruss von der Kö kürzlich an einem Laternenpfahl an der Saarschleife begegnete, ließ mich ans heimische Rheinland denken, an unsere geliebte Nachbarstadt. "Ein Gruß von der Köterrasse", ein Herz für Tiere, was könnte schöner, mondäner und gemütsvoller sein, multikulti und heimatverbunden zugleich. QuallabelDenn die Königsallee in Düsseldorf, von Einheimischen liebevoll "die Kö" genannt, beherbergt Caféterrassen, zudem viele Japaner, die sich schon in den 1960er-Jahren diesen Mittelpunkt ihrer wirtschaftspolitischen Aktivitäten in Europa mit einer traditionellen Feng-Shui-Technik ausgependelt haben. Unfern steht auch die Wiege Heinrich Heines, jenes Dichters, der die Loreley in aller Welt berühmt gemacht hat und zwischen französisch-aufgeklärter Rationalität und romantisch-verträumter deutscher Sehnsucht so wunderbar vermitteln kann! Natürlich sei das Bahnhofsviertel nicht vergessen, an dessen Bahndamm die numerierten Fenster, oft auch gleich groß aufgemalte Telefonnummern zu sehen sind. Zeigt sich eine blonde holde Lore (leih mir mal den Kamm) am Fenster, so kann man die betreffende Dame buchen. Die herzigen Herren, Loddel oder Luden genannt, die in diesem Milieu herumstromern, gehen unterdessen - während der Bahnkunde, der sich bei langen Zwischenaufenthalten auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof mopst, eins der am Fenster entdeckten Nümmerchen schiebt - mit Hunden promenieren, die dem hier abgebildeten Vierbeiner vielleicht nicht unähnlich sind. Den Gestaltern des Aufklebers, die vielleicht den beruflichen Ambitionen ihrer Gefährtinnen aufhelfen wollen, würde ich nur raten, einen Bindestrich zwischen Kö und Terrasse einzuschieben, dann wäre die WerbungKoranuebersetzung für ihr Etablissement sicher noch wirkungsvoller - ein Gruß von der Kö-Terrasse, das ist doch viel übersichtlicher und lesbarer, kurz, kundenfreundlicher. - Vergleicht man den politisch gar nicht sehr viel anders gelagerten Aufkleber, den ich an einer besonders schönen Aussichtsstelle während der Wanderung fotografieren konnte, steht auch hier der schnellen Erfassung des Sinnzusammenhangs das aus drei völlig heterogenen Bestandteilen gebildete Bandwurm-Wort entgegen. Mettlacher MüllkippenschildDer erste Eindruck des unvoreingenommenen Betrachters (also meiner) war, es könnte sich um ein Adjetiv handeln - "quallabel", analog zu diskutabel, formabel, blamabel. Pellkartoffeln, als vegane und trotzdem schmackhafte Spezialität hierorts sehr geschätzt, für Laktovegetarier auch mit Kräuterquark, nennt man im rheinischen Dialekt auch "Quallmänner". Die sind ohne weiteres quallabel, und völlig ohne jeden Gedanken an Tierquällerei pellabel. Bei Tier-quallabel hätte der Bindestrich Wunder gewirkt - schon der Verständigung zuliebe. Vorbildlich hat der Beauftragte für Abfallbewirtschaftung der Stadt Mettlach das Hinweisschild zur Müllkippe gestaltet, und stellte bei der Wortwahl Geschmack und Sprachkreativität unter Beweis. Vielleicht wäre "Rück-Konsum" als Euphemismus noch schöner gewesen. Aber ach, eine volkstümelnde Nachbearbeitung in lokalem Dialekt hat die edle Wortfindung wieder heruntergezogen, nun heißt das, was im Rückkonsum-Zentrum steht, SuperDreckschKescht. Da glaubt man ganz auf Bindestriche verzichten zu können. Dafür haben wir doch nicht jahrzehntelang für die radikale Kleinschreibung gekämpft, dass wir jetzt plötzlich mitten im Wort einen Buchstaben eregieren lassen wie in "BürgerInnen"! Und mit Gendersternchen fangen wir gar nicht an, die hol ich der Damenwelt nicht vom Himmel, sie liegen dann ja doch nur bei uns rum. Hier müssen m. E. ein Bindestrich und ein Schrägstich her. - Um nun endlich zum Titel dieses Beitrags zu kommen, der direkt aus der Urfassung des Korans zu stammen scheint: Eichhorn frontalMir glaubt ja kein Mensch, dass ich vorvorgestern (meine Frau schon vorher) den Jungfuchs im Hof herumschleichen sah, in hellen, leicht rötlichen Fuchspelz gekleidet. Der kommt so gegen halb elf, wenn wir im Wohnzimmer das Licht schon ausgemacht haben, und seine Streifzüge in den Hof sorgen für das Anspringen des Bewegungsmelders, schon steht er im Rampenlicht. Blöderweise hat man nie den Fotoapparat zur Hand. Und vorgestern haben meine Frau und ich den Gesellen zu zweit gesehen. ein Gast an der VogeltränkeDer ehemalige Fuchs war ein alter, ziemlich räudiger Bursche gewesen, der wirklich "schnürte", der hier tänzelte mehr durch das Grün und war auf und davon, ehe ich noch den Auslöser drückte. Aber wer beschreibt mein Erstaunen, als ich vorhin, es mag so gegen halb zwölf mittags gewesen sein, beim Abwasch zufällig aus dem Fenster in den Hof sehe, wo wir eine Vogeltränke, nur so ein Blechkasten und einen Faßeimerdeckel mit Wasser, im Grün liegen haben. Was sich über die Tränke unten beugte, hatte ich noch nie gesehen? Und während die hiesigen Elstern einen Riesen-Rabatz veranstalten, stellte ich mir die naheliegenden Fragen: 1. was ist das, 2. von welchem Planeten kommt es, 3. was ist die Telefonnummer von Angela Merkel, falls es mich bittet, den Führer der Erdlinge zu verständigen? Ich vermute mal, die runden Ohren legen es nahe, es war etwas Wieseliges oder ein Steinmarder (die Marder in der Google-Bildsuche haben nicht so dunkles Fell, die Wiesel nicht so buschige Schwänze wie dieses Tier, das ich ablichten konnte, bevor es ganz ins Grün untertauchte)... Und kaum war er verschwunden, hörten auch die ganz nervös gewordenen Elstern mit dem Gekeife auf. Ein Rieseneichhörnchen war es schon mal nicht, zum Vergleich lege ich aktuelle Eichhörnchenfotos hier bei. Sollte es ein Marder sein, steht jedenfalls fest, dass Marder keinen Ramadan feiern, denn das Tier hat in aller Ruhe getrunken und das dürfte es nach den Regeln des Al-Koran doch erst nach Einbruch der Dunkelheit.


  • Commentaires

    1
    Lundi 10 Juin à 19:39

    Ich denke, es ist ein Marder. Vielleicht ein odinärer Automarder, der sich an den Kabeln der parkenden Karossen zu schaffen macht. Vielleicht aber auch ein edleres Tier, nämlich ein Hermelin im Sommerkleid. Ich glaube, nur im Winter taugen sie zum Pelzkragen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Marder#/media/Datei:Mustela.erminea.jpg

     

     

     

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