• "Mer han jet ze beate" (nee, hat nichts mit Beate zu tun, sondern soll kölsch soviel heißen wie "wir haben was zu bieten", aber wie The Bietels geschrieben), diesen Spruch haben sich die Kölner für die diesjährige Karnevals-Session ausgedacht. In der Gegend, wo ich wohne, variierten die Anwohler der Schulze-Delitzsch-Straße den Spruch wie folgt: "wir unterbeaten alles!" und riefen den kleinsten Karnevalszug der Region aus, er ging wirklich nur die Schulze-Delitzsch-Straße entlang, aber mit eigenem Dreigestirn (wohnen alle im selben Haus). Hier das Plakat:

    Politik und Gesellschaft

    Leider war dieser Karnevalszug nebst Proklamation von Prinz, Bauer und Jungfrau im "Happy Happi"-Imbiss schon am Samstag um 13.00 gewesen, da waren wir in Heimersdorf bei Schwiegerelters zum Besichtigen der Gesamtfamilie und des Heimersdorfer Veedelszochs. Da fiel mir ein Wagen mit dem schönen Spruch Severinstorburg"Mir haben jet ze beate: Strüßjer jeje Bützjer" auf, leider waren die Damen, denen ich "Bützjer" im Tausch gegen die Erzeugnisse der Ein-Blumen-Floristik anbieten hätte können, gerade mit irgendwas anderem beschäftigt, und die Herren der Schöpfung waren auch wenig willens, Sträußchen herzugeben, wie mir schien. Sie klammerten geradezu an den Stengeln, und nur ein einziges Strüßje kriegte meine Frau von einer Bekannten ihrer Schwester. Angesichts unserer bildhübschen Neffen und Nichten regnete es allerdings Süßigkeiten, u. a. Billig-Schokoladetafeln, Bonbons, Isla-Irish-Moos-Sirup, Kekse, Mini-Rittersportschoggis, Schlüsselanhänger und 2 sixpacks mit Berliner Ballen.
    Beim Rosenmontagszug wird natürlich viel, viel mehr geworfen (auch wenn die Karnevalsvereine selbst da noch sparen, um noch genug für die Viertels-Umzüge am Dienstag zu haben),Bereitschaft im Kostümgeschäft aber wie immer ist einer von uns krank und das lange Herumstehen in der Kälte, bis d'r Zoch kütt, sowieso beschwerlich, es sei denn, man hat ein Fass Glühwein dabei (bei den meisten Wartenden am Straßenrand ist eher das "Pittermännchen" mit Kölsch im Kinderwagen versteckt). Wir haben auch dieses Jahr nur eine ganz winzige Stippvisite zur Bonner Straße machen können, wo der Zug aufgestellt wird, der dann (siehe oben) durch die Falltür der Severinstorburg Richtung Stadtarchiv-Loch (beinahe wär er vor 2 Jahren reingefallen) in Marsch gesetzt wird, um durch die Altstadt und über die Ringe zu mäandern. Dabei ist die halbe Stadt samt Umland beteiligt, mit Fußtruppen, Pferdestaffeln, Kutschen, Treckern und sämtlichen Einsatzwagen der Schokoladen-Bimmelbahn und natürlich auch der Müllabfuhr. Polizistin liegendEs wird getrommelt, gepfiffen, Blech geblasen und Samba getanzt, und wer Freude dran hat, darf hinter dem letzten Wagen herlaufen und eine originelle eigene Truppe bilden (als letztes kommen die orange kostümierten Asphaltpfleger), ansonsten ist das alles ziemlich vereinsmäßig organisiert (und Kornelia war wieder mal schwer von der Logistik beeindruckt). Es dauert ja auch eine ganze Weile, bis die LKWs mit ihren Bruttoregistertonnen von Süßkram und Blumengebinden ausgepacktLKW mit Blumen und das Wurfgut in die Prunkkarossen verladen worden sind. Da wissen alle, wo sie wann wie kostümiert und mit welcher Ausstattung erscheinen müssen, kriegen am Zielort ihre erste Erbsensuppe und ihr erstes Kölsch, die Blechbläser stellen ihre Tubas auf dem Bürgersteig ab, und dann wird erstmal stundenlang geschwafelt oder zwischendurch auch mal truppenübungsplatzmäßig "und nun alle ein dreifaches Kölle?" - "Alaaf!" gebrüllt. Die uniformierten Narren formieren sich und tanzen sich warm, zwischendurch platzt mal wieder eine Blaskapelle los oder ein wildes Getrommel setzt ein.Heinzelmännchen Denn wenn sich der Zug um 11.11 Uhr in Bewegung setzt, dauert es ja noch Stunden, bis aus allen (für den Normalverkehr gesperrten) Seitenstraßen die Karossen mit ihrer jeweiligen Entourage sich anschließen dürfen. Für den Verkehr gesperrt? Von wegen! Alle Naslang kommt ein Taxi oder eine schwere Limousine angefahren, und dem Beifahrersitz zwängen sich betagte Herrschaften in buntscheckigen Uniformen, das sind die Chefs und auch die Sponsoren der jeweiligen Vereine, die wollen bei ihren Mannschaften nach dem Rechten sehen und werden frenetisch begrüßt. Selbst die "Colombinen", eigentlich ein Damenverein, haben eine männliche Ehren-Colombine, wie wir heute lasen. Alles in allem dauert der Zug bis 17.00, wenn ich mich recht entsinne - früher endete er an der Severinstorburg, wo denn auch ein lustiges Schild hing mit der Aufforderung (deren letzter Satz zu meinen Lieblingssprichwörern gehört): Fußtruppen links - Wagen rechts. Werfen einstellen!
    Wir haben, wie gesagt, in diesem Jahr, wegen allfälliger Erkrankung von Teilnehmern, mal wieder nur ganz wenig vorab besichtigt, und dann fiel auch noch meine Kamera aus mangels Strom. Nicht immer ist der karnevaleske Witz mit gescheiter politischer Satire aufgeladen, oft genug bleibt es im Platten oder schlicht Dämlichen stecken, Böse Stundeund dass Lena bei dem Zug mitgeht, führte zu einer blödsinnigen Karikatur, wonach sie als Schneewitchen im Glassarg von uns Steffi (Raab) wachjeküss worde wär - kein Wort darüber, dass der Contest in diesem Jahr gar keiner war, weil sich außer Lena keine Schlagersternchen bewerben durfte; ich hätte dieses gesangliche Einwegprodukt als orientalische Alleinherrscherin dargestellt. Kölner MasochistenAber einige Wagen gefielen uns doch. Das "Böse" siegt in Gestalt von Josef Esch über den gleichnamigen Chef der Messegesellschaft Gerald Böse, der für die Kölner Messehallen überteuerte Mieten an den Esch-Fonds zahlt, wobei die EU die Rückabwicklung des mehr als fragwürdigen Verkaufs verlangt. - Die "Kölner Masochisten" bzw. Sportfans werden - mit einer diesmal ziemlich originellen Auslegung des diesjährigen Mottos - als sich selbst geißelnde Lederboys dargestellt, der Geißbock (Wappentier des Kölner Fußballvereins) wird zu Gyros und der Hai als Wappentier der Eishockey-Fraktion nicht zu Fischstäbchen verarbeitet, aber ins Goldfischglas gesteckt.
    Besonders hübsch war die Idee, die Intendantin des Stadttheaters, Karin Beier, als vorwärtsstürmende Freiheitsgöttin nach Delacroix "oben ohne", aber mit einem Transparent: Mut zur Kultur! über den darniederliegenden Bürgermeister trampeln zu lassen, von einem knienden Bärbelchen und einem pistolenschwingenden Hänneschen flankiert. Die Weltpolitik wirkt weniger originell. Kartenhaus des Nahen OstensDer Guttenberg-Wagen wurde in letzter Minute umgebaut und der Kopf des Ex-Ministers abgesägt, jetzt kriegt er die Kopiererklappe auf denselben und wird per Fußtritt in die Wüste katapultiert. Barak Obama schubst ein Kamel durch ein Nadelöhr, auf dem "Friedensprozess" steht - sicher ist diese zwechfellerschütternde Idee das Ergebnis endloser Entschärfungsdebatten, denn ungern möchten die Kölner an die Tradition antisemitischer Karnevalswagen in der Zeit von 33 bis 45 erinnern oder gar anknüpfen... Und als Ergebnis der Revolte fällt das Kartenhaus der Nahost-Diktaturen in sich zusammen, wenn kleine schnurrbärtige und braungesichtige Männlein aus einer palmenumrankten Stadt oberhalb eines Felsmassivs über die Brücke strömen und die Spielkarten, auf denen Mubarak, Ben Ali und Ghaddafi abgebildet sind, mit Spitzhacken und Schaufeln attackieren - vergleich' dich, Metapher, oder ich freß dich!

    Karin Beier führt das Volk zur Kultur


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  • Gestern um 13.30, ungefähr 15 Minuten, nachdem ich die Nachricht erhalten hatte, dass der Verteidigungsminister zurückgetreten ist, habe ich auch diese Protest-Liste unterschrieben, die an Frau Merkel ging und auf der heute mittag schon 62.500 Unterschriften stehen. Natürlich ließ ich mir nicht nehmen, den Punkt "Ich habe selbst einmal eine Doktorarbeit verfasst" anzuklicken.

    Guttenberg und das Internet

    Es sind aber bei weitem nicht nur Doktoranden oder Wissenschaftliche Mitarbeiter auf dieser Liste, sondern man konnte und kann sich auch als "Unterstützer" ohne entsprechenden akademischen Hintergrund einbringen. Normalerweise unterschreibe ich nichts und schicke auch keine Schneeball-Protestmails weiter. Ich laufe ja auch nur ganz ausnahmsweise in Demos mit, und an Ständen mit politischer Propaganda wird man mich nicht finden, weder beim Flugblattverteilen noch beim Entgegennehmen derselben. Zwar habe ich mich die ganzen 12 Tage, die der Fall mittlerweile währt, maßlos aufgeregt und immer wieder Nachrichten und Kommentare gehört, im Radio und im TV, und entsprechende Passagen in Zeitungen und im Internet gelesen,

    Guttenberg und der Einzelhandel

    aber mir kam das alles - nach einer Formulierung des Betreffenden selber - zuerst selber ohnehin "absurd" vor. Ich bin ja aus meiner wissenschaftlichen Tätigkeit gewohnt, dass z. B. Lexikonschreiber immer wieder auf ältere Texte zurückgreifen, statt selber zu recherchieren, weshalb Falschangaben (und mehr noch Fehlurteile!) immer weitergesponnen werden, bis sie so verfestigt sind, dass kein Mensch mehr wahrhaben will, dass es anders sein könnte. In der Literaturgeschichte gibt es da zahlreiche Beispiele, und nur in ganz seltenen Ausnahmefällen wird so etwas später korrigiert. (Ulrike Meinhof und Che Guevara waren keineswegs das politische Vorbild einer ganzen Generation, Nietzsche ist kein Frauenfeind und Benn kein eingefleischter Nazi gewesen, Hans Baumann schrieb nicht das Lied "heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt", und nein, die Vandalen haben am 2. Juni 455 nicht alles kurz und klein geschlagen in Rom!) - Nachdem ich zuerst sowieso höchstens an ein paar ungeschickt umformulierte Entlehnungen dachte, die sich Guttenberg in seiner Dissertation genehmigt hätte, war ich baff von dem Vergleich, den man ziemlich schnell in der Süddeutschen auch online präsentierte: da stellte man jeweils die Seite der Dissertation und das Original gegenüber, mit entsprechend farbig hinterlegtem Text. In dem Moment war klar, dass hier ein dickerer Hund begraben ist. So frech geklaut, wörtlich und absatzweise, das hat man selten, das kommt vielleicht mal bei Redenschreibern vor, aber bei gedruckten Büchern kaum (und wäre die Dissertation bloß in der Pflicht-Anzahl kopiert worden, ausschließlich für Seminare und Universitätsarchive bestimmt, statt dass die Eitelkeit des Ministers noch einen Verlag dafür suchte, wüßte man wohl bis heute nichts davon). Guttenberg und die Kinder und SeniorenIn meiner Zeit als Wissenschaftlicher Assistent an einem Lehrstuhl habe ich in einer der vielen durchzusehenden Hausarbeiten auch mal einen geistigen Diebstahl aufgedeckt, aber der war viel, viel geschickter camoufliert. In den Zeiten vor "google" ging das so: Ich entdeckte eine Literaturangabe - eine verschimmelte kommunistische Flugschrift vom Beginn des 20. Jahrhunderts - , so entlegen, dass es mir seltsam erschien, dass die Universitätsbibliothek sie führen sollte, und tatsächlich, sie war nicht vorhanden, sie war fast nirgendwo in ganz Deutschland vorhanden (das ließ sich in Mikrofiche-Katalogen recherchieren), nur im ehemaligen Parteiarchiv der SED, und da kam ich ins Grübeln - für eine Hausarbeit macht man gewöhnlich keine Archivreisen - ,

    Guttenberg und die Arbeitswelt

    sah mich weiter um und stellte fest, dass in einem Standardwerk der Sekundärliteratur zum Thema dieselbe Flugschrift im Literaturverzeichnis auftauchte, und bingo!, das Zitat hatte in der studentischen Arbeit genau denselben Umfang und an derselben Stelle 3 eingeklammerte Auslassungspünktchen wie in dem Standardwerk. Okay, einmal fündig geworden, erwachen die Jagdinstinkte, und da stellte sich raus: Tatsächlich hatte sich der Verfasser der Hausarbeit, statt eigene Gedanken zu entwickeln, von Zitat zu Zitat gehangelt, die sich in dem Buch fanden, und die einfach samt Fußnote kopiert, und dazwischen einen kaum eigenständigen, nur mühsam zusammengestoppelten, die Thesen des Standardwerks mit nur leicht abweichender Wortwahl umspielenden Text geschrieben, der sich wie eine schlechte "Interlinearübersetzung" des Originals las. Und das war ein Lieblingsstudent, einer, in den große Hoffnungen gesetzt wurden, der schon ins Colloquium eingeladen worden war und so weiter... Aber es half alles nichts: Die Entdeckung musste dem Lehrstuhlinhaber offenbart werden; der Betreffende verließ nicht nur das Colloquium, sondern das Seminar und die Uni und hat, dem Vernehmen nach, mit einem anderen Fach weiterstudiert. Guttenberg und das Ehrenamt- Was in den folgenden Tagen bei Min. a. d. ex-Dr. K. T. v. u. z. G. lief, hatte natürlich viel teuflischere Dimensionen, besonders wenn man die Konsequenzen zieht, die sich aus der Verteidigungsstrategie der Kanzlerin, der CSU-Vorstände und anderer Regierungsmitglieder ergeben. Er war als Minister, nicht "nur" als wissenschaflicher Mitarbeiter, die offenbar astreinen Lebenslauf und ordentlichen Fußnotencomment benötigen, eingestellt. Anti-Gutenberg-DemoQuod licet Jovi, non licet bovi; der Mitarbeiter muss korrekt zitieren, der Minister jongliert nach Bedarf mit fremder Leute geistigem Eigentum? Ein Minister darf demnach auch ungestraft Titelbetrüger sein. ("Betrüger" wurde z. G. mehrmals im Bundestag und zuletzt vom Nachfolger seines Doktorvaters in Bayreuth geheißen, der Doktorvater selbst sprach kurz vor Toresschluss von Plagiaten, - ich wette, dass sich Justiziare und Anwälte die Handys heißtelefonierten, um zu klären, ob das irgendwie geahndet werden kann - das Wort "justiziabel" hatte Guttenberg ja schon selber gebraucht, als spielerisch-freundliche Andeutung in dieser Bundestagsdebatte - nach dem Motto: wenn ihr mir so kommt, Kerls, ich kann auch anders! - schade, Schwieger-Ururgroßvater Bismarck hätte die wissenschaftlichen Korinthenkacker wegen geringerem Anlass zum Duell gefordert - und einer seiner Imageberater nahm ihn wohl hinterher beiseite: Karl-Theo, lass es...) Auch auf die Freunde, die ihn verteidigten, möchte ich, falls ich je in vergleichbare Umstände geraten sollte, gern verzichten. Sollte man nach Guttenberg einst eine Sackgasse benennen, was in seinem Heimatdorf bestimmt längst in Planung ist, wird Annette Schavan einen "U-Turn" für sich beanspruchen dürfen wegen ihres Herumeierns, anfangs alles kleinzureden, den Spieß immer gegen die Entlarver zu wenden und sich ganz am Schluß für Guttenberg zu "schämen". Das gegenseitige Hoch- und Niederabstimmen der zeitunglesenden Bevölkerung (die ja nur einen sehr geringfügigen Prozentsatz der Wählerschaft ausmacht), war genauso unappetitlich und wo der Werbeetat der Bundeswehr schon an die Springerpresse vergeben worden war, in seiner Motivation auch bei denen durchsichtig, die schlechte meteorologische Werte für den Minister feststellten. Wo doch KEINE dieser sogenannten Statistiken, ebensowenig das stumpfsinnige Facebook-gefällt-mir-Anklicken, auch nur die geringste Aussagekraft hat, mal ganz abgesehen, dass über Titelbetrug und Diebstahl sonst auch nicht abgestimmt wird und Sympathiewerte (man sehe sich mal am Karfreitag die von Barrabas gegenüber Jesus an) weder vor Gericht noch vor Prüfungskommissionen etwas gelten.

    Guttenberg und die Statistik

    Dass die meisten Leute gern schummeln - und, wenn es ihnen verwehrt ist oder sie damit auch keinen Blumentopf gewinnen würden, andere für sich schummeln lassen - , hat sich schon oft gezeigt, bei der Begeisterung für Berlusconi etwa, den die Italiener meiner Meinung nach wählen, weil er ihnen als in jeder Lebenslage strahlendes Vorbild das schlechte Gewissen nimmt, das sie immer haben, selbst wenn sie gar keine Steuern oder nur Kleckerbeträge hinterziehen oder ihre Frauen nicht oder nur bei seltenster Gelegenheit betrügen sollten. Den meisten Leuten kann man schon noch vermitteln, dass man sich nicht mit fremden Federn schmücken oder mit raubkopierten zusammengeleimten Texten einen Titel erschleichen darf. Aber wie dem auch sei, all das hat mich auch noch nicht bewogen, irgendeinen Leserbrief zu schreiben (obwohl ich daran gedacht hatte, mich bei der Universität Bayreuth zu erkundigen, welche Kriterien für die Bewertung einer Arbeit mit "summa cum laude" in der juristischen Fakultät üblich sind) oder eine Abstimmung mitzumachen. Über alle Hindernisse hinweg...Nein, was mich am Schluß wirklich aufgeregt hat und was mir noch immer den Schlaf raubt (wirkliche Erleichterung will sich daher gar nicht einstellen), ist DIESER Abgang des Betreffenden, sein Schlussmonolog (mit dem das Drama aber vermutlich noch nicht zu Ende ist), die Siegerpose, das Immer-noch-Spieß-umdrehen, als handele es sich um eine nebensächliche Rangelei mit wichtigtuenden Widersachern in einer ansonsten völlig glatten, kometenhaften Karriere, dieses idiotische Grinsen, das Fingerzeigen auf andere, und letztlich noch die Berufung auf die angebliche "Mehrheit der Bevölkerung", die ihn im Amt zu halten beschworen haben soll, der Bevölkerung! nicht bloß seine Wähler sind gemeint!!! und dann die Drohgebärde mit den starken Jungs, die er auch noch zur Verstärkung holen kann, wenn es ihm beliebt, die Instrumentalisierung der Soldaten in Afghanistan, die ja außer von ihm völlig vergessen werden bei all dem Trubel um ein paar dämliche Fußnoten, dieser ganze narzistisch-verzückte Cancan mitsamt allen Verrenkungen, um für den eigenen Dreck im Kopf und an den Fingern andere verantwortlich zu machen, und der Schlusssatz ("Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht"), der nicht nur mich an die Dolchstoßlegende von 1918 erinnert: "Im Felde unbesiegt!" Solch unbeirrte Frechheit haben zuletzt vor 1933 die Nazis an den Tag gelegt, die sich vor Gericht und Parlamentariern, vor der öffentlichen Meinung und noch im Reichstagsbrandprozess verantworten sollten. Hoffentlich feiert dieser Langfinger nicht noch ein fröhliches Comeback als Reichsmarschall von und zu G.


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  • Leider, meine letzten paar Dutzend Fotos sind verloren, weil keiner meiner Computer mehr auf die Karte in der Digitalkamera reagierte, auch Cardreader-download-Programme der Hersteller nicht funktionierten und ich ziemlich viel herumfrickeln musste, wobei ich zweimal die Kamera formatierte, und einmal, als ich der Fotos sogar schon ansichtig wurde, versehentlich den falschen Stecker herauszog. Jetzt klappt es erstmal wieder mit einem extra-Lesegerät, das genauso vorsintflutlich ist wie meine Computerei. Schade um so manche schöne Aussicht und Ansicht aus dieser Gegend. - Aber auch Legenden sind sterblich, das haben wir an Peter Alexander gesehen. Eben noch der junge Polydor-Götterliebling (den übrigens zeitlebens seine Frau gemanaged hat), der spielend Schlagerschmalz mit Rock'n Roll verquicken kann und selbst den rauchigen Sinatra-Charme butterzart wie Crèmeschnittchen serviert - schwupps, schon liegt er aufgebahrt im Wiener Zentralfriedhof (wird aber in der Familiengruft in Grinzing beigesetzt). Wachskerze für SchmalzheiniTrifft nicht auf ihn jetzt zu, was er seinerzeit in "Bist du einsam heut nacht?" raunte: "Du hast deine Rolle gut gespielt damals. Bis ich dir eines Tages nicht mehr glaubte und fortging. Dann sahen wir uns wieder irgendwo zufällig. Du warst verändert, aber du sagtest: Ich liebe dich. Und ich hatte keinen Grund, dir nicht zu glauben. Ich hörte deine Lügen an, viele Wochen, und dann lebte ich ohne dich. Nun ist sie leer, die Bühne, doch das Spiel ist noch nicht zu Ende. Der Vorhang wird sich nicht senken. Wenn du willst, daß ich zu dir zurückkomme, dann komme ich..." scha-luchz! Bitte nein, bleib, wo du bist! Wahrscheinlich doch im Himmel der Schlagersternchen. Vielleicht wird Peter Alexander gar noch heiliggesprochen? Eine brennende Kerze sowie eine weiße Rose nebst Starfoto als Zeichen der Verehrung fanden sich bereits in der Kirche, in der die Kölner sonst Fürbitten an den Hl. Judas Thaddäus niederlegen - die, wenn das Geld für die goldene Inschrift auf Marmor fehlt, mit Kugelschreiber an die Wand kritzeln (da steht u. a. "Hilf, dass ich auf's Gymnasium komme", "Hilf dem kranken Opa von Emily", "Danke, Jude!"). Ich finde ja, Peter Alexander sollte sich kremieren lassen, dann hätte das Beerdigungsinstitut am Höninger Weg in Zollstock gleich die geschmacklich passende Urne für ihn, hier eine kleine Auswahl...Blick durch den Zaun am Abgrund Gleich neben der Kirche, wo ich das Alexander-Andenken fand, ist übrigens die Baugrube, die an der Stelle des einstigen Stadtarchivs von Köln gähnt - die Kirche blieb wunderbarerweise unversehrt. Handy-Fotografier-VerbotKein Wunder, dass manche damals  in den ersten Tagen nach dem Einsturz ähnliche Fürbitten für die beiden - sehr viel später tot aus den Trümmern geborgenen - jungen Männer aus der Nachbarschaft des Stadtarchivs hinterließen. Die Ursache für den Einsturz am 3. März 2009 hat man übrigens immer noch nicht richtig festgestellt, denn erst jetzt wird ein "Besichtigungsschacht" als Behelfszugang errichtet, damit sich die diversen Interessenten - Bauaufsicht, Stadtvertreter, Staatsanwälte, Versicherungsleute etc. - Zugang verschaffen können. Näher als sie kommt niemand an das Loch heran, dafür sorgen rund um die Uhr behelmte Wachleute am Bauzaun, und vermutlich herrscht Fotografierverbot,Blick durch den Zaun am Abgrund aber wenn man mit der Digitalkamera durch den Zaun zoomt, sieht man schon genug  - nachdem man dort noch weniges (Akten, Dokumente, Urkunden, verschmuddelt und unbrauchbar und erst in Jahrzehnten, wenn überhaupt, restaurierbar) rausgeholt hat, flutet des das Wasser in der Grube, und wer weiß, welche Fetzen aus der Kölner Stadtgeschichte da nun ungerettet an der Oberfläche schwimmen. Wenn sie schon nicht mehr brauchbar sind als Quellen, so belegen sie doch zumindest eins: die abgrundtiefe Blödheit der Kölner, die sich für 6 Minuten schnellere Verbindung vom Rathaus in die Südstadt eine U-Bahn in den unsicheren Baugrund am Rhein bohrten und dafür einen Riesenfundus an unersetzlichen Dokumenten ihrer Stadtgeschichte eintauschten. Andererseits hatte sich für das Archiv vorher niemand interessiert, man sah kaum Benutzer dort, und die Politik interessierte sich erst recht nicht für das Archivwesen, zuviel Bewusstsein für Kultur und Dokumentation ihrer Taten kann einem nur schaden, wie der aktuelle Titelbetrug des Grafen z. G. beweist. - Eigentlich wollte ich in diesem Blog allerlei schriftliche Quellen anderer Art zitieren, nämlich mehr oder minder politische Sprüche, die hier an Bäumen hängen oder auf Plakaten hinterlassen werden, aber das mache ich beim nächsten Mal, und dann kommt auch nochmal ein Blog über seltsame Firmennamen in der Umgebung. Als virtuellen Boten der wärmeren Jahreszeit lasse ich abschließend noch eine Sonnenblume aus dem Straßenpflaster wachsen - aber dieses Wunder der Natur, ich sage es lieber gleich, kommt nur durch eine Fälschung zustande, es ist die Spiegelung des Bürgersteigs im Fenster jenes Zoilstocker Leichenbitters, der für die Feuerbestattung diese interessanten schwarzen Blumenschmuck-Urnen feilbietet.

    Blick durch den Zaun am Abgrund

     


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  • Endlich ist es soweit!Kroken im Vorgarten Das Packeis des Winters scheint vorerst gebrochen; Knospen sprießen und verwandeln sich, wenn man sie von den Ästen bricht und zuhaus in die Vase steckt, in "Kätzchen"; weiße Schneeglocken und gelbe Kroken (natürlich darf es nicht "Glöckchen" heißen, das wäre verniedlichend, und "ein Krokus - viele Kroken", oder sagt ihr etwa "Globusse", "Kaktusse", "Albums" und so weiter?) melden sich in den Vorgärten - auch bei uns vor dem Fenster, obwohl wir gar keine gepflanzt hatten - und, o Wunder, erste sonnige Tage lassen die Vögelchen tirilieren und bringen eine Art Vorfrühlingsahnen in die Landschaft - endlich! Endlich hat auch Nordrhein-Westfalen den ihm zustehenden Sonder-2-EURO bekommen, weshalb wir nun den Kölner Dom, der noch vor Adolf Hitler, Lübke und Heinemann Dom-EUROdie  Normalbriefmarken schmückte, endlich wieder einmal als Nationalsymbol bewundern können, wenn auch nur fürs eine Bundesland.  Endlich steht auch wieder ein Bierzelt (eher -holzhaus) an der Vorgebirgsstraße, eine Art Ritterburg, wo bald die Zapfhähne krähen und die Turniere mit der Kölschstange (auch 3- und 5-Liter-"Säulen" genannt) ausgetragen werden. Dort lädt man, weil der Karneval in diesem Jahr so schrecklich weit weg ist, jetzt schon mal zum "Kölschfest", ab 18. Februar und zwar bis zum 7. März, dem Rosenmontag (vielleicht eine Geburtstagsidee für karinkornelia?). Glocken ohne SchneeEndlich hat auch der FC Köln mal ein Spiel gewonnen und nicht gegen irgendwen, sondern gegen die anerkannt Besten (und endlich hat der Bundesliga-Dauersieger Bayern München mal ein Spiel verloren, wahrscheinlich, weil sie nach der Halbzeit dachten, die Chose ist gelaufen, den Kölnern brauchen wir jetzt nicht mehr mit Vollkraft zu begegnen), und diesmal hat selbst Ümit Einladung zum Live-TVBakir, der Wirt der Kneipe "Am Sender", der für seine Bezahlfernsehen-Wochenend-Fußballübertragungen gern mit starken Sprüchen wirbt ("heute schmeißen wir die Fischköppe von der Waterkant!", vor der Niederlage gegen Bremen) endlich mal recht behalten: Ja, wir haben den Bayern die Lederhose über den Kopf gezogen! Kölsch-HochburgAber... Vorsicht: diese Wahrnehmung ist ebenfalls endlich, denn nachts fängt es schon wieder an zu frieren und den Knospen wird es übel ergehen, wenn es zum Wochenende wieder schneit (naja, hier wird das wohl mehr als Regen heruntergehen) und womöglich alles wieder einfriert. Der FC Köln befindet sich noch immer in der Abstiegszone, und ob er das nächste Spiel gewinnt, ist zweifelhaft. Ebenso fraglich bleibt, ob die Hartz IV-Empfänger auch nur das schimmelige Zwei-Euro-Stück mehr kriegen, nachdem sich Regierung und Opposition in dem Tarifkonflikt offenbar nicht einig werden können, in welchem Umfang die Regelsätze erhöht werden. Und ob man dann im Kölschfest ein Kölsch für 2 EUR serviert kriegt, wissen die Götter; derzeit liegt der Preis schon bei 1,90 EUR, aber wer weiß, wie sich die Amsterdamer Hopfenbörse entwickelt? und dann hört schon am 7. März diese Zwischennutzung auf, zwei Tage später steht dort grau in grau ein Aschermittwochshaus, mit Mineralwasser- und Vegan-Heilfasten-Gastronomie und alle, die da eintreten, kriegen ein Kreuz auf die Stirn gemalt, das ist hierzulande so.Lufthansa-Reklame Den Sommer erleben wir sowieso (noch) nicht, und wenn er endlich kommt, ist er hoffentlich nicht für immer und ewig "ein Produkt von Lufthansa". Das Tiefdruckgebiet "Olaf" droht zum kommenden Wochendende die Knabenmorgenblütenträume platzen zu lassen. Dieses schöne Wort hat Goethe für sein Gedicht Prometheus erfunden, und erinnern sollten wir uns auch an die gelungene Sentenz: "Am farbigen Abglanz haben wir das Leben". Genießen wir das honigmilde Februarlicht, das die schmuddelige Stadt schon früh am Morgen auf ganz besondere Weise verzaubert, und betrachten wir die feine Silhouettierung des Geästs, das sich auf den Fassaden in der Hausweilerstraße und in der Umgebung abmalt (dieser Scherenschnittkünstler muss wohl der Lufthansa-Produktdesigner sein), wie die Bildbeispiele links (eine Birke) und rechts zeigen.Kölsch-HochburgKölsch-Hochburg


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  • In unserem früheren Wohnumfeld Köln-Sülz, das wir kürzlich zum Einkaufsbummel besuchten, hat sich eine neue Kunstaktion ergeben, bei der offenbar Plakatbefürworter zusätzlich zu der Werbe-"Bespielung" weitere Plakate aufhängen.Babysitter-Angebot Damit sind keine Tierverlustmeldungen gemeint, auch nicht die Jobgesuche babysittender Gymnasiastinnen, sondern Fotos. In Köln wird man ein Künstler, wenn man irgendwas Verrücktes mit sturer Regelmäßigkeit tut: In der Fuzo als Sandwichman mit der Botschaft "ICH SCH...  AUF DIESEN STAAT" herumlaufen (das war in den 1980er Jahren, wogegen die Stadtverwaltung erfolglos prozessierte), Akkordeon auspacken, mit der Blockflöte über die Tasten fiedeln und einen Becher mit der Aufschrift "für Musikunterricht" vor sich hinstellen oder Pappkarten mit Stoßgebeten oder antisemitischen Karikaturen auf Wäscheleinen rund um den Dom hängen. Nun hat jemand, der die Sülzburgstraße fotografiert hat, diese Fotos als Schwarz-Weiß-Kopie in Din-A-3 kopiert und jeweils an geeigneter Stelle (wo man Bild und Wirklichkeit vergleichen kann) plakatiert. Mülleimer-BeklebungEckhaus Sülzburg/Berrenrather StraßeMerkwürdige Aktion, deren Sinn nicht recht einleuchten will. Anfangs glaubten wir, der Buchladen wolle auf seine Fortexistenz aufmerksam machen: Er befindet sich unter einem Baugerüst und ist unter der Plane von der anderen Straßenseite, wo die Schwarz-Weiß-Kopie hängt, unsichtbar. Dann glaubten wir, jemand wolle zum Vergleich historische Bilder vom früheren Zustand der Gegend zeigen. Schließlich entdeckten wir an der Ecke Sülzburg / Berrenratherstraße (siehe Bilder rechts), dass jeweils ein ganz aktuelles Bild an derjenigen Stelle angebracht ist, wo man auch das Original sehen kann. Was immer der Künstler damit bezwecken mag, er weckte zumindest für einen kurzen Augenblick unsere Aufmerksamkeit und wird sich sicher einen Job in der Werbebranche damit verdienen.Buchladen gegenüberTeeladen gegenüberDrogeriemarkt gegenüber Lange wird diese Kunstaktion allerdings nicht dauern, da das Bekleben von Stromkästen, Bäumen, Denkmalsockeln, Ampelanlagen, Schildern, Wänden, Telefonzellen, Mäuerchen, Betonpfählen, Laternen, Mülleimern, Papier- oder Glascontainern zumindest genehmigungspflichtig, wenn nicht strafbar ist. Und einmal dabei erwischt, wird man dann für jeden Graffito der Umgebung haftbar gemacht, so geschehen, als der stadtbekannte Antifaschist im Köln der 1970er Jahre, Sammy Maedge, mit Schülern eine Hakenkreuzbemalung vom Schulgebäude entfernte, man verhaftete ihn, Leichenfledderei an Plakatwandund laut Gerichtsurteil sollte er, obwohl er das Zeug wegmachte, wegen Verschandelung durch Sprühen von Hakenkreuzen haftbar sein. Wer's wegmacht, ist potentiell auch Verursacher gewesen, immerhin vergreift er sich an fremden Wänden! - Auf die Frage, was man denn unternehmen solle, wenn man Hakenkreuzschmierereien sieht, wurde damals (ob das heute anders ist, weiß ich nicht) erklärt: Man soll die Polizei holen, die dann den Eigentümer  des beschmierten Gegenstands alarmiert und auffordert, das Hakenkreuz wegzumachen. Selbsthilfe wegen "Gefahr im Verzug" ist nicht. Hat mich aber noch nie gehindert, Aufkleber von Neonazis abzureißen oder besser, vorsichtig abzulösen und in ein Album zu kleben, ich hab schon eine ganze Sammlung. Bei der Heimfahrt ertappte ich übrigens noch auf frischer Tat eine Vandalin, die sich Fetzen aus einem (schon abgerissenen) Plakat löste und das Papier "wegen der schönen Pixeligkeit" angeblich zu Kunst weiterverarbeitet, die dann auch auf facebook zu sehen ist. Na, wenn das mal die Obrigkeit sieht, die bekanntlich mit der Konsumgüterindustrie und ihren Werbeflächenvermietern gemeinsame Sache macht, dann bleibt kein Auge trocken...!


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