• Motto: "Und übrigens, liebe Vegetarier:
    Nüsse sind ungeborene Bäume."
    Torsten Wolff (zit. nach Titanic)

    "Macht der Internet-Pranger unsere Lebensmittel sicherer?" (BILD)

    Räumt eure Küchen halt mal auf, Leute!

    Kann Spuren von Schalenfrüchten und Soja enthalten.
    Duc de Coeur: Chinois mit Pudding-Füllung (LIDL)

    Kann Spuren von Fisch, Weichtieren, Schalentieren, Senf und Sellerie enthalten.
    Duc de Coeur: Quiche Lorraine mit Crème fraîche (LIDL)

    Kann Spuren von Schalenfrüchte, Milch und Ei enthalten.
    Duc de Coeur: Tarte au Chocolat mit Kakao-Bohnen. Backmischung  (LIDL)

    Kann Spuren von Ei und Schalenfrüchten enthalten.
    Belbaeke: Backmischung Feiner Mohn Kuchen (LIDL)

    Kann Spuren von Soja enthalten.
    Belbaeke: Pudding Vanille Geschmack (LIDL)

    Kann Spuren von Milch, Ei, Senf und Sellerie enthalten.
    bio Vollkorn-Bratlinge Dinkel (ALDI)

    Kann Spuren von Milch, Ei und Senf enthalten.
    bio Vollkorn-Bratlinge Gemüse (ALDI)

    Kann Spuren von Sesam enthalten.
    Mühlengold Brot-Backmischung Bauernbrot (ALDI)

    Zutaten: Gerste, Gerstenmalz, Zichorie, Roggen [Spuren: Milch].
    Nestle Caro Original (REWE)

    Kann Spuren von Weizen enthalten.
    Duc de Coeur: Crème Caramel (LIDL)

    Kann Spuren von Milch, Erdnüssen und Schalenfrüchten enthalten.
    Crownfield: Cornflakes (LIDL)

    Kann Spuren von Milch, Erdnüssen, weiteren Schalenfrüchten und Sesam enthalten.
    Master Crumble: Multifrucht Müsli (LIDL)

    Kann Spuren von Erdnüssen enthalten.
    kiri Kräuter mit Joghurt verfeinert (Frischkäse, REWE)

    Kann Spuren von Sesam, Erdnüssen und anderen Nüssen enthalten.
    Eridanous Nougat mit Mandeln (LIDL)
    Eridanous Knusperriegel mit Mandeln (LIDL)

    Aufgeschnitten auf Anlagen, auf denen Kuh-, Schaf- und Ziegenkäse aufgeschnitten werden.
    Fol Epi 7 feine Scheiben leicht (LIDL)

    Dieser Frischkäse wird in Anlagen produziert, in denen auch Nüsse verarbeitet werden.
    Bresso mit Tomate & Paprika (NETTO)

    Kann Spuren von Schwefeldioxid enthalten.
    Hatherwood 4 Luxury Caramel Shortcakes (4 Schoko Karamel Ecken: Knuspriger Keksboden
    bedeckt mit einer dicken Karamelschicht und echter Milchschokolade)
    (LIDL)

    Im Herstellungsbetrieb wird auch Sellerie, Senf und Soja verarbeitet.
    Primello Frischkäse-Creme mediterrane Kräuter (NETTO)

    Kann Spuren von Milch, Erdnüssen und anderen Nüssen enthalten.
    Knusperone Früchte Müsdli mit 40 % Frucht (ALDI)

    (wird fortgesetzt)

     

     


    9 commentaires
  • "Schließlich gibt es neben dem Kino noch andere wichtige Dinge im Leben - die Familie
    zum Beispiel... Oder den Tod. Ja, der ist mir auch sehr wichtig: Ich wäre
    ziemlich sauer, wenn ich mein Leben beenden müsste, ohne tot zu sein!"

    Terry Gilliam, FAZ-Interview, 28.5.2011

    Eine Freundin hat mir grade am Telefon erzählt, dass die spanische Landwirtschaftsministerin in einer Videoaufnahme beim Verzehr einer Gurke zu sehen ist. Hat eigentlich jemand mal alles zusammengestellt, was Politiker stellvertretend für die von ihnen regierte Bevölkerung taten, nur um zu zeigen, wie ungefährlich es ist? Salat auf dem Bonner Markt kaufen, ein Glas schwarze Milch der Frühe im TV trinken oder im Rhein schwimmen... Wieso kauft Frau Süßmuths Nachfolger jetzt nicht mal einen Kopfsalat? Der Bundespräsident musste neulich im Kreml doch sogar einen Salat mit Regenwürmern essen, wie ein gut informiertes Nachrichtenmagazin berichtete (jaja, die Russen haben auch schon Adenauer & Ulbricht manche Kröte schlucken lassen). Mich, der ich das 20. Jahrhundert überlebt habe und den eigentlich nichts mehr wundern sollte, mich erstaunt die gegenwärtige Gemüsehysterie. Salate, bis vor kurzem noch fast teurer als Fleisch gehandelt, sind Schleuderware; bergeweise liegen Gurken beim Discounter herum und gehen auch für 15 Cent nicht mehr weg. Und obwohl sonst Fleisch mein Gemüse ist, kriege ich Lust auf was knackiges, rohkostartiges mit vielen leckeren Kräutern und, lechz, Tomaten! Meiner Tomate im (Blumen-)Topf geht's übrigens gut, allerdings hat der Fernsehonkel gestern gesagt, ich solle "ausgeizen" d. h. nach sogenannten "Geiztrieben" unter der Achselhöhle suchen und die abschneiden, weil sie keine Früchte bilden (nicht, dass ich mit viel Ersparnis rechne, falls sich ein oder zwei Paradiesäpfelchen an der Pflanze ernten lassen...) Und den Salat soll man vor dem Verzehr abkochen. In irgendeinem expressionistischen Drama - oder war's in Robert Neumanns Parodie auf Georg Kaiser? - findet sich der Ausruf: "Gekochter Salat? Igitt!" Früher nannte man einen Freund, der sich als nicht ganz zuverlässig entpuppte, "untreue Tomate" (das war aber eigentlich noch ganz nett gemeint, als Scherzwort). Verfeindete Parteien bezeichnen sich in letzter Zeit gern untereinander als "Gurkentruppe", ein Ausdruck, der bisher für minderklassige Sportmannschaften und militärische Einsatzkommandos ohne rechten Drill und Schliff reserviert war.

    Okay, selbst wenn ich den Dienst an der Waffe - damals in der Gustav-Heinemann-Ära, der grinste mich Klo für Klettermaxenlustig-listig an vom schwarz-weiß-Foto im Bergisch-Gladbacher Kreiswehrersatzamt - nicht verweigert hätte, wär mir der Gestellungsbefehl im kalten Krieg erspart geblieben. Aber der statt dessen drohende Atompilz am Fulda Gap oder der friedlich-giftgeschwängerte Himmel über Rhein und Ruhr waren auch nicht grade Stimmungs-Aufheller. Dann kamen Harrisburg, Jülich, (genau, das zwischen Köln und Aachen gelegene Jülich ist gemeint!), Tschernobyl, Fukushima... Als Schüler warfen wir mit vollmundigen Sprüche um uns wie "intensiv leben - früh sterben, aber vorher noch eine rauchen". Und wenn ich ehrlich bin, wenn's eine einigermaßen schmerzlose Macht's-gut-und-danke-für-den-Fisch-Pille gäbe, könnt ich mir manche stille Stunde vorstellen, in der ich sie einwerfe, sooo überzeugend finde ich mein Dasein nicht, dass ich dran kleben täte wie Kaugummi. Ich bin wahrscheinlich noch aus dem Jahrhundert des Erasmus von Rotterdam übriggeblieben und finde, ohne ein Frömmler oder Weltverneiner zu sein, ein bißchen Todesnähe sollte einen einigermaßen aufgeklärten Menschen nicht in Panik, sondern in heitere, verheißungsgewärtige Stimmung versetzen. Ist doch sowieso alles Schiet hier unten, vielleicht wird's oben bzw. anderswo besser? Allerdings: Θνάτοισι μὴ φυναι φέριστον (Der beste Grund zu feiern wär der Nichtgeburtstag gewesen).

    Gerade, wie ich dies schreibe, kommt die Nachricht: "Zahl der EHEC Fälle in Deutschland steigt weiter an..." Mindestens 470 Menschen seien erkrankt. - Tod im KirchenstuhlIch bin ja mathematisch völlig unbegabt und absolut kein Statistikfan. Was nutzt es mir, wenn soundsoviel Prozent der Leute jeden Weg zum Zigarettenautomaten mit dem Auto zurücklegen und Kernenergie völlig in Ordnung finden? Ein faules Ei verdirbt den ganzen Kuchen. Aber wenn man sich mal vorstellt, dass Deutschland rund 82 Mio. Einwohner hat... während sich schlappe 470 Leute mit EHEC-Viren infizierten, hatten im gleichen Zeitraum 43.393 Patienten die Grippe (nicht nur so ein bisschen Schnupfen und Husten, richtig fiese, möglicherweise tödlich ausgehende Grrrrrippe! - die heißt nicht umsonst so ähnlich wie Sklett... Kennt hier jemand The Stand von Stephen King oder wenigstens seine Kurzgeschichte Nächtliche Brandung?) und allein 5.134 haben sich an Salmonellen infiziert, auch kein Spaß! Es ist auch noch immer nicht belegt, ob die Nutzung von Mobiltelefonen Krebs auslösen kann, aber im abschließenden Bericht der WHO-Experten wurde festgestellt, dass ein Risiko nicht ganz ausgeschlossen werden kann und empfohlen, möglichst selten handyzutelefonieren und wenn überhaupt, dann mit Freisprechanlage. Und wer unter so einer Antennenanlage wohnt, kann sich beizeiten das Knochenmark numierieren... Ich finde das alles übertrieben (ein Handy hab ich nicht und zweifle, ob ich diese neueren Versionen mit ihren Applets und dergleichen überhaupt bedienen könnte), und es ist offenbar wieder mal an der Zeit, zu Defoes Tagebuch aus dem Pestjahr zu greifen. Oder zum Lob der Torheit. "Als überlegener Sieger wird der Geist den Körper aufzehren, und er wird es um so leichter tun, weil er den Körper im Leben schon längst auf diese Verwandlung hin geläutert hat, dann aber wird auch der Geist von jenem höchsten Geist auf wunderbare Weise aufgezehrt, da dieser ja unendlich mächtiger ist."

    Erasmus


    2 commentaires
  • Denjenigen, die uns besuchen und die gern im Grüngürtel spazieren, konnten wir bisher ein Spektakel zeigen, über dem die Kreisregierung gemeinsam mit der Sittenpolizei zum 1. Mai (Tag der Arbeit!) den Vorhang senkte. Nuttomobil-GeländeDie Nähe der Kaserne, des Großmarkts und des Autobahnzubringers hat zwar nicht dazu geführt, die Tante-Emma-Läden (Lebensmittel, Schreibwaren, Drogerie) unserer main street zu erhalten. Hier gibts nur noch Bestattungsunternehmen, Pflegedienste, Krankengymnastik, Apotheken, Kosmetik- und Frisiersalons; Richtung Zollstock kommen noch Floristik, Cafés und Grabsteinmetze hinzu. Doch ein anderes, horizontales Gewerbe, das angeblich-älteste der Welt, hatte bis kürzlich Hochkonjunktur. Und das nahm sich so aus: Direkt am Militärring, auf bundeswehreigenem Grundstück (seltsamerweise soll das bei dem Parkstreifen an der Seite der Fall sein) hatte sich seit Jahren eine Wohnwagenkolonie etabliert. Wie die so Stoßstange an Stoßstange stehen, eine abgestellte Mobil-Rostlaube neben der anderen, hätte man fast den Eindruck eines Campingplatzes an der Côte d'Azur (eines, wo Zelten verboten ist) gewinnen können. Brühler-StraßenprostitutionManche der Hütten waren von LED-Girlanden erleuchtet, einige der Rückfensterchen ließen Herzchen sehen oder auch Namen in Zierschrift wie KITTY, NIKKI oder LYUDMILA. Nur von Gartenzwergen und Jägerzäunen, wie sie im Bergischen Land die Schlafstätten der Dauergäste zieren, war nichts zu erkennen. Auch Rast und Muße suchte man auf diesem Rastplatz vergebens, denn rund um die Uhr war hier ein Abbiegen und Schrittfahren und Anhalten wie am Flughafenterminal - das ging praktisch morgens in aller Herrgottsfrühe los, erreichte nach den normalen städtischen Büroschlusszeiten ca. 16.00-19.00 den Höhepunkt und war nach 22.00 immer noch nicht zu Ende, winters wie sommers! Morgens kamen allerdings die schwereren Kisten, da wurde wohl abkassiert, und bullige Glatzköpfe mit mannscharfen Kötern machten die Runde. Übrigens standen auch auffallend viele Wagen mit einzelnen Fahrerinnen in den Wald-, Rad- und Fußgängerwegen herum, die sonst noch vom Militärring abgehen. Und weiter zum Bonner Verteiler zu, in einiger Entfernung vom Wohnwagenfriedhof, sah man schon am frühen Nachmittag hochhackige Spaziergängerinnen in Minishirt & Glitzerkleidern am Rand des Grünstreifen stolzieren, selbst in nächtlicher Finsternis ohne reflektierende Warnschutzwesten! Jahrelang lief das so seinen kölschsozialistischen Schlendergang, angeblich war nichts zu machen, seit 2005 ist Prostitution nicht mehr verboten, sogar sozialversicherungspflichtig, und weil kein Kindergarten in der Nähe sei und  der stadtauswärts gelegene Teil des Grüngürtels nicht mehr zum Stadtgebiet gehöre, weil die Stadt Hürth auch kein Interesse an der Angelegenheit zeige, weil weit und breit nur Autobahn, aufgelassene Fabrikgelände, Containerbahnhof und Kaserne angesiedelt seien (angeblich kein Wohngebiet), die Kreisregierung zuständig sei und so weiter... kurz, man ließ alles beim alten und damit zu, dass eine Bulgarenmafia sich und ihre Pferdchen hier fest installierte. Allerdings hatte man zu Jahresbeginn 2010 den Kalscheurer Weiher und seine Ufer neu gestaltet, der liegt wenig tiefer im Grüngürtel, ein Verein hat dort ein nicht-kommerzielles Kaffee- und Bootsverleihbüdchen eröffnet, in der Nähe entsteht neue Wohnbebauung, und schließlich sind sogar wir hierhergezogen (immerhin ein Beitrag zur intellektuellen Gentrifizierung). Sonntagsspaziergänge in den Grüngürtel, Jogger/-innen zuhauf, das sog. Umfeld wandelte sich... Und als gar die ambulanten Damen (das schien eine Konkurrenz zu den Wohnwagen-Behausten zu sein) bis nach Meschenich auf der Landstraße anschaffen gingen (mit Kühen und Rapsfeldern als Hintergrund, ein seltsamer Anblick), wo in letzter Zeit selbst bejahrte Dorf-Omas an der Bushaltestelle von Autofreiern angequatscht wurden (ein befreundeter Lyriker sagte neulich, seine zwei hübschen Töchter hätten als studentischen Ferienjob mal eine "Verkehrszählung" am Militärring durchführen sollen, die könnten Abenteuerliches berichten!), war der politische Wille da. Plötzlich gab es eine Bürgeranhörung, die Kreisregierung wurde aktiv und seit 1. Mai 2011 gelten neue Sperrgebietsgrenzen. Sperrbezirke in KölnDiese sehen zwar vor, dass Nachtarbeiterinnen von 20.00 bis 6.00 auch am Grüngürtel und in angrenzenden Vierteln tätig sein dürfen, nicht aber zu Tageszeiten, nicht auf dem Weg nach Meschenich und insbesondere nicht in fest auf dem Parkplatz installierten Wohnmobilen. In Nullkommanix waren die ganzen Apparillos verschwunden und vermutlich hat man den Platz anschließend auch noch von Myriaden von Einwegspritzen, gebrauchten Kondomen und Viagra-Streifenpackungen reinigen müssen. (Bei uns gegenüber besitzt jemand so ein überdimensionales Blechhotel, besitzt auch noch ein zweites Trumm in der Art - wir parken schon möglichst unser Auto vor dem Wohnzimmerfenster, damit wir nicht dauernd auf die "Knaus"- oder "Hymen"-Fassaden - sprechende Markennamen - starren müssen. Er stellt sie fast täglich von hinnen nach dannen - Fahndungsfotonicht wegen der Parkplatzsache, man darf ja nicht ununterbrochen auf der Stelle stehen, sondern er ist oft tagelang nicht und dann wieder da, und ich hab den leisen Verdacht, auch das Vermieten an die Mafia könnte lukrativ sein...) Inzwischen geht nämlich der Rummel am Containerbahnhof Eifeltor weiter (das ist der weiße Fleck auf der Sperrbezirkskarte), dort dürften sich inzwischen die Wohnwagen knubbeln, denn da war schon kaum noch Platz für Konkurrenz, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete. Was mich am meisten dabei wundert, ist die Tatsache, dass es gar keine Prost-Institution in der Nähe gibt. In meiner Jugend konzentrierte sich das Angebot in der Innenstadt, an der sogenannten Brinkjass, da lagen die Apartements und Stundenhotels, vor die hatte man sogar ein Mäuerchen gezogen, damit wir Kinder nicht die lange Schlange einsamer Männer sähen, die sich ziemlich hinzog. Sinnigerweise zweigte die Brinkgasse von der "Ehren"straße ab, die eine hohe Kneipendichte zum Mutantrinken besaß und deshalb besser Schandenstraße geheißen hätte. Das wurde dann aufgelöst und ein sog. "Eros-Center" an der Inneren Kanalratte eingerichtet (zum Stadtteil "Ehrenfeld" gehörig!). Worauf sich der Straßen-, Kneipen- und Autostrich schwemmflutartig in der Innenstadt vermehrte. Ich wurde selber angesprochen, damals noch langhaarig! Denn um in das Eros-Center zu kommen, musste Mann sich das ja vornehmen, und zumindest ein Aspekt dieses Geschäfts besteht (möchte ich vermuten!) doch darin, beduselte Saufnasen abzuschleppen, die guter Dinge sind, sich gern vor dem Heimgehn noch was aufmuntern lassen, sowieso nicht mehr recht wissen, wie's geht, und nach etwas Gerubbel beseligt ihren Fuffi rausrücken. Ein anderer Teil der Kundschaft fährt zielgerichtet dorthin (oder lässt sich bringen - Taxifahrer kriegen in bestimmten Saunaclubs 50 EUR, wenn sie ihre Gäste vor der Tür abladen), wo man sich nach Feierabend amüsieren kann ("ich komm heut später, Schatz, mal wieder 'ne Konferenz!") -, aber doch nicht, wo in Neonleuchtschrift "Eros-Center" drübersteht und man womöglich fotografiert wird oder einem Journalisten auf Recherche begegnet. Biegt man hingegen am Parkstreifen beim Heeresamt ein, kann man sich ja auch verfahren haben ("ich wollte nur den Sicherheitsgurt richtig einschnappen lassen!") oder fährt wieder raus, falls man vor sich das Nummernschild vom Wagen des Abteilungsleiters erkennt... Jedenfalls ist zur Zeit "Ruhe im Puff", wie man humorig sagen könnte, der Caravanstrich hat ein Ende. Wovon mögen nun die bulgarischen shareholder leben? Der Übelste von ihnen, in der einschlägigen Szene unter dem Decknamen "Nutten-Nikolaj" bekannt, ist übrigens landflüchtig, von ihm existiert nur ein unscharfes Fahndungsfoto. Sachdienliche Hinweise nehmen alle Polizeidienststellen sowie die Verkehrsministerin entgegen!

    Karikatur Karl Arnold

     "Ja, Kleenes, wie icke noch bei't Jeschäft war, war pervers nur Sache des feinen Kavaliers - aber seit die Umwälzung valangt ooch der einfache Bürjer sein Recht!"


    1 commentaire
  • Gestern um 13.30, ungefähr 15 Minuten, nachdem ich die Nachricht erhalten hatte, dass der Verteidigungsminister zurückgetreten ist, habe ich auch diese Protest-Liste unterschrieben, die an Frau Merkel ging und auf der heute mittag schon 62.500 Unterschriften stehen. Natürlich ließ ich mir nicht nehmen, den Punkt "Ich habe selbst einmal eine Doktorarbeit verfasst" anzuklicken.

    Guttenberg und das Internet

    Es sind aber bei weitem nicht nur Doktoranden oder Wissenschaftliche Mitarbeiter auf dieser Liste, sondern man konnte und kann sich auch als "Unterstützer" ohne entsprechenden akademischen Hintergrund einbringen. Normalerweise unterschreibe ich nichts und schicke auch keine Schneeball-Protestmails weiter. Ich laufe ja auch nur ganz ausnahmsweise in Demos mit, und an Ständen mit politischer Propaganda wird man mich nicht finden, weder beim Flugblattverteilen noch beim Entgegennehmen derselben. Zwar habe ich mich die ganzen 12 Tage, die der Fall mittlerweile währt, maßlos aufgeregt und immer wieder Nachrichten und Kommentare gehört, im Radio und im TV, und entsprechende Passagen in Zeitungen und im Internet gelesen,

    Guttenberg und der Einzelhandel

    aber mir kam das alles - nach einer Formulierung des Betreffenden selber - zuerst selber ohnehin "absurd" vor. Ich bin ja aus meiner wissenschaftlichen Tätigkeit gewohnt, dass z. B. Lexikonschreiber immer wieder auf ältere Texte zurückgreifen, statt selber zu recherchieren, weshalb Falschangaben (und mehr noch Fehlurteile!) immer weitergesponnen werden, bis sie so verfestigt sind, dass kein Mensch mehr wahrhaben will, dass es anders sein könnte. In der Literaturgeschichte gibt es da zahlreiche Beispiele, und nur in ganz seltenen Ausnahmefällen wird so etwas später korrigiert. (Ulrike Meinhof und Che Guevara waren keineswegs das politische Vorbild einer ganzen Generation, Nietzsche ist kein Frauenfeind und Benn kein eingefleischter Nazi gewesen, Hans Baumann schrieb nicht das Lied "heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt", und nein, die Vandalen haben am 2. Juni 455 nicht alles kurz und klein geschlagen in Rom!) - Nachdem ich zuerst sowieso höchstens an ein paar ungeschickt umformulierte Entlehnungen dachte, die sich Guttenberg in seiner Dissertation genehmigt hätte, war ich baff von dem Vergleich, den man ziemlich schnell in der Süddeutschen auch online präsentierte: da stellte man jeweils die Seite der Dissertation und das Original gegenüber, mit entsprechend farbig hinterlegtem Text. In dem Moment war klar, dass hier ein dickerer Hund begraben ist. So frech geklaut, wörtlich und absatzweise, das hat man selten, das kommt vielleicht mal bei Redenschreibern vor, aber bei gedruckten Büchern kaum (und wäre die Dissertation bloß in der Pflicht-Anzahl kopiert worden, ausschließlich für Seminare und Universitätsarchive bestimmt, statt dass die Eitelkeit des Ministers noch einen Verlag dafür suchte, wüßte man wohl bis heute nichts davon). Guttenberg und die Kinder und SeniorenIn meiner Zeit als Wissenschaftlicher Assistent an einem Lehrstuhl habe ich in einer der vielen durchzusehenden Hausarbeiten auch mal einen geistigen Diebstahl aufgedeckt, aber der war viel, viel geschickter camoufliert. In den Zeiten vor "google" ging das so: Ich entdeckte eine Literaturangabe - eine verschimmelte kommunistische Flugschrift vom Beginn des 20. Jahrhunderts - , so entlegen, dass es mir seltsam erschien, dass die Universitätsbibliothek sie führen sollte, und tatsächlich, sie war nicht vorhanden, sie war fast nirgendwo in ganz Deutschland vorhanden (das ließ sich in Mikrofiche-Katalogen recherchieren), nur im ehemaligen Parteiarchiv der SED, und da kam ich ins Grübeln - für eine Hausarbeit macht man gewöhnlich keine Archivreisen - ,

    Guttenberg und die Arbeitswelt

    sah mich weiter um und stellte fest, dass in einem Standardwerk der Sekundärliteratur zum Thema dieselbe Flugschrift im Literaturverzeichnis auftauchte, und bingo!, das Zitat hatte in der studentischen Arbeit genau denselben Umfang und an derselben Stelle 3 eingeklammerte Auslassungspünktchen wie in dem Standardwerk. Okay, einmal fündig geworden, erwachen die Jagdinstinkte, und da stellte sich raus: Tatsächlich hatte sich der Verfasser der Hausarbeit, statt eigene Gedanken zu entwickeln, von Zitat zu Zitat gehangelt, die sich in dem Buch fanden, und die einfach samt Fußnote kopiert, und dazwischen einen kaum eigenständigen, nur mühsam zusammengestoppelten, die Thesen des Standardwerks mit nur leicht abweichender Wortwahl umspielenden Text geschrieben, der sich wie eine schlechte "Interlinearübersetzung" des Originals las. Und das war ein Lieblingsstudent, einer, in den große Hoffnungen gesetzt wurden, der schon ins Colloquium eingeladen worden war und so weiter... Aber es half alles nichts: Die Entdeckung musste dem Lehrstuhlinhaber offenbart werden; der Betreffende verließ nicht nur das Colloquium, sondern das Seminar und die Uni und hat, dem Vernehmen nach, mit einem anderen Fach weiterstudiert. Guttenberg und das Ehrenamt- Was in den folgenden Tagen bei Min. a. d. ex-Dr. K. T. v. u. z. G. lief, hatte natürlich viel teuflischere Dimensionen, besonders wenn man die Konsequenzen zieht, die sich aus der Verteidigungsstrategie der Kanzlerin, der CSU-Vorstände und anderer Regierungsmitglieder ergeben. Er war als Minister, nicht "nur" als wissenschaflicher Mitarbeiter, die offenbar astreinen Lebenslauf und ordentlichen Fußnotencomment benötigen, eingestellt. Anti-Gutenberg-DemoQuod licet Jovi, non licet bovi; der Mitarbeiter muss korrekt zitieren, der Minister jongliert nach Bedarf mit fremder Leute geistigem Eigentum? Ein Minister darf demnach auch ungestraft Titelbetrüger sein. ("Betrüger" wurde z. G. mehrmals im Bundestag und zuletzt vom Nachfolger seines Doktorvaters in Bayreuth geheißen, der Doktorvater selbst sprach kurz vor Toresschluss von Plagiaten, - ich wette, dass sich Justiziare und Anwälte die Handys heißtelefonierten, um zu klären, ob das irgendwie geahndet werden kann - das Wort "justiziabel" hatte Guttenberg ja schon selber gebraucht, als spielerisch-freundliche Andeutung in dieser Bundestagsdebatte - nach dem Motto: wenn ihr mir so kommt, Kerls, ich kann auch anders! - schade, Schwieger-Ururgroßvater Bismarck hätte die wissenschaftlichen Korinthenkacker wegen geringerem Anlass zum Duell gefordert - und einer seiner Imageberater nahm ihn wohl hinterher beiseite: Karl-Theo, lass es...) Auch auf die Freunde, die ihn verteidigten, möchte ich, falls ich je in vergleichbare Umstände geraten sollte, gern verzichten. Sollte man nach Guttenberg einst eine Sackgasse benennen, was in seinem Heimatdorf bestimmt längst in Planung ist, wird Annette Schavan einen "U-Turn" für sich beanspruchen dürfen wegen ihres Herumeierns, anfangs alles kleinzureden, den Spieß immer gegen die Entlarver zu wenden und sich ganz am Schluß für Guttenberg zu "schämen". Das gegenseitige Hoch- und Niederabstimmen der zeitunglesenden Bevölkerung (die ja nur einen sehr geringfügigen Prozentsatz der Wählerschaft ausmacht), war genauso unappetitlich und wo der Werbeetat der Bundeswehr schon an die Springerpresse vergeben worden war, in seiner Motivation auch bei denen durchsichtig, die schlechte meteorologische Werte für den Minister feststellten. Wo doch KEINE dieser sogenannten Statistiken, ebensowenig das stumpfsinnige Facebook-gefällt-mir-Anklicken, auch nur die geringste Aussagekraft hat, mal ganz abgesehen, dass über Titelbetrug und Diebstahl sonst auch nicht abgestimmt wird und Sympathiewerte (man sehe sich mal am Karfreitag die von Barrabas gegenüber Jesus an) weder vor Gericht noch vor Prüfungskommissionen etwas gelten.

    Guttenberg und die Statistik

    Dass die meisten Leute gern schummeln - und, wenn es ihnen verwehrt ist oder sie damit auch keinen Blumentopf gewinnen würden, andere für sich schummeln lassen - , hat sich schon oft gezeigt, bei der Begeisterung für Berlusconi etwa, den die Italiener meiner Meinung nach wählen, weil er ihnen als in jeder Lebenslage strahlendes Vorbild das schlechte Gewissen nimmt, das sie immer haben, selbst wenn sie gar keine Steuern oder nur Kleckerbeträge hinterziehen oder ihre Frauen nicht oder nur bei seltenster Gelegenheit betrügen sollten. Den meisten Leuten kann man schon noch vermitteln, dass man sich nicht mit fremden Federn schmücken oder mit raubkopierten zusammengeleimten Texten einen Titel erschleichen darf. Aber wie dem auch sei, all das hat mich auch noch nicht bewogen, irgendeinen Leserbrief zu schreiben (obwohl ich daran gedacht hatte, mich bei der Universität Bayreuth zu erkundigen, welche Kriterien für die Bewertung einer Arbeit mit "summa cum laude" in der juristischen Fakultät üblich sind) oder eine Abstimmung mitzumachen. Über alle Hindernisse hinweg...Nein, was mich am Schluß wirklich aufgeregt hat und was mir noch immer den Schlaf raubt (wirkliche Erleichterung will sich daher gar nicht einstellen), ist DIESER Abgang des Betreffenden, sein Schlussmonolog (mit dem das Drama aber vermutlich noch nicht zu Ende ist), die Siegerpose, das Immer-noch-Spieß-umdrehen, als handele es sich um eine nebensächliche Rangelei mit wichtigtuenden Widersachern in einer ansonsten völlig glatten, kometenhaften Karriere, dieses idiotische Grinsen, das Fingerzeigen auf andere, und letztlich noch die Berufung auf die angebliche "Mehrheit der Bevölkerung", die ihn im Amt zu halten beschworen haben soll, der Bevölkerung! nicht bloß seine Wähler sind gemeint!!! und dann die Drohgebärde mit den starken Jungs, die er auch noch zur Verstärkung holen kann, wenn es ihm beliebt, die Instrumentalisierung der Soldaten in Afghanistan, die ja außer von ihm völlig vergessen werden bei all dem Trubel um ein paar dämliche Fußnoten, dieser ganze narzistisch-verzückte Cancan mitsamt allen Verrenkungen, um für den eigenen Dreck im Kopf und an den Fingern andere verantwortlich zu machen, und der Schlusssatz ("Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht"), der nicht nur mich an die Dolchstoßlegende von 1918 erinnert: "Im Felde unbesiegt!" Solch unbeirrte Frechheit haben zuletzt vor 1933 die Nazis an den Tag gelegt, die sich vor Gericht und Parlamentariern, vor der öffentlichen Meinung und noch im Reichstagsbrandprozess verantworten sollten. Hoffentlich feiert dieser Langfinger nicht noch ein fröhliches Comeback als Reichsmarschall von und zu G.


    1 commentaire
  • In unserem früheren Wohnumfeld Köln-Sülz, das wir kürzlich zum Einkaufsbummel besuchten, hat sich eine neue Kunstaktion ergeben, bei der offenbar Plakatbefürworter zusätzlich zu der Werbe-"Bespielung" weitere Plakate aufhängen.Babysitter-Angebot Damit sind keine Tierverlustmeldungen gemeint, auch nicht die Jobgesuche babysittender Gymnasiastinnen, sondern Fotos. In Köln wird man ein Künstler, wenn man irgendwas Verrücktes mit sturer Regelmäßigkeit tut: In der Fuzo als Sandwichman mit der Botschaft "ICH SCH...  AUF DIESEN STAAT" herumlaufen (das war in den 1980er Jahren, wogegen die Stadtverwaltung erfolglos prozessierte), Akkordeon auspacken, mit der Blockflöte über die Tasten fiedeln und einen Becher mit der Aufschrift "für Musikunterricht" vor sich hinstellen oder Pappkarten mit Stoßgebeten oder antisemitischen Karikaturen auf Wäscheleinen rund um den Dom hängen. Nun hat jemand, der die Sülzburgstraße fotografiert hat, diese Fotos als Schwarz-Weiß-Kopie in Din-A-3 kopiert und jeweils an geeigneter Stelle (wo man Bild und Wirklichkeit vergleichen kann) plakatiert. Mülleimer-BeklebungEckhaus Sülzburg/Berrenrather StraßeMerkwürdige Aktion, deren Sinn nicht recht einleuchten will. Anfangs glaubten wir, der Buchladen wolle auf seine Fortexistenz aufmerksam machen: Er befindet sich unter einem Baugerüst und ist unter der Plane von der anderen Straßenseite, wo die Schwarz-Weiß-Kopie hängt, unsichtbar. Dann glaubten wir, jemand wolle zum Vergleich historische Bilder vom früheren Zustand der Gegend zeigen. Schließlich entdeckten wir an der Ecke Sülzburg / Berrenratherstraße (siehe Bilder rechts), dass jeweils ein ganz aktuelles Bild an derjenigen Stelle angebracht ist, wo man auch das Original sehen kann. Was immer der Künstler damit bezwecken mag, er weckte zumindest für einen kurzen Augenblick unsere Aufmerksamkeit und wird sich sicher einen Job in der Werbebranche damit verdienen.Buchladen gegenüberTeeladen gegenüberDrogeriemarkt gegenüber Lange wird diese Kunstaktion allerdings nicht dauern, da das Bekleben von Stromkästen, Bäumen, Denkmalsockeln, Ampelanlagen, Schildern, Wänden, Telefonzellen, Mäuerchen, Betonpfählen, Laternen, Mülleimern, Papier- oder Glascontainern zumindest genehmigungspflichtig, wenn nicht strafbar ist. Und einmal dabei erwischt, wird man dann für jeden Graffito der Umgebung haftbar gemacht, so geschehen, als der stadtbekannte Antifaschist im Köln der 1970er Jahre, Sammy Maedge, mit Schülern eine Hakenkreuzbemalung vom Schulgebäude entfernte, man verhaftete ihn, Leichenfledderei an Plakatwandund laut Gerichtsurteil sollte er, obwohl er das Zeug wegmachte, wegen Verschandelung durch Sprühen von Hakenkreuzen haftbar sein. Wer's wegmacht, ist potentiell auch Verursacher gewesen, immerhin vergreift er sich an fremden Wänden! - Auf die Frage, was man denn unternehmen solle, wenn man Hakenkreuzschmierereien sieht, wurde damals (ob das heute anders ist, weiß ich nicht) erklärt: Man soll die Polizei holen, die dann den Eigentümer  des beschmierten Gegenstands alarmiert und auffordert, das Hakenkreuz wegzumachen. Selbsthilfe wegen "Gefahr im Verzug" ist nicht. Hat mich aber noch nie gehindert, Aufkleber von Neonazis abzureißen oder besser, vorsichtig abzulösen und in ein Album zu kleben, ich hab schon eine ganze Sammlung. Bei der Heimfahrt ertappte ich übrigens noch auf frischer Tat eine Vandalin, die sich Fetzen aus einem (schon abgerissenen) Plakat löste und das Papier "wegen der schönen Pixeligkeit" angeblich zu Kunst weiterverarbeitet, die dann auch auf facebook zu sehen ist. Na, wenn das mal die Obrigkeit sieht, die bekanntlich mit der Konsumgüterindustrie und ihren Werbeflächenvermietern gemeinsame Sache macht, dann bleibt kein Auge trocken...!


    4 commentaires


    Suivre le flux RSS des articles de cette rubrique
    Suivre le flux RSS des commentaires de cette rubrique