• Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle, beim Reisspeicher im Kölner Völkerkundemuseum schwörend, prophezeit, eines Tages würden indonesische Studenten der Ethnologie kommen, um unser deutsches Stammesverhalten unter die Lupe zu nehmen. Porte de ParisOffensichtlich ist meine Vorhersage eingetroffen, denn in sog. Tandemprojekten bekommen neuerdings jungen Forscherinnen und Forscher aus ehemaligen Kolonialländern eine Chance, uns die Traurigen Tropen von Claude Lévy-Strauss und Margaret Meads Samoa-Report ("Was würden Sie denn sagen, wenn Ihnen ein Fremder ins Haus schneit und Sie über das Sexualleben Ihrer Kinder ausfragt?") heimzuzahlen.Karussellfigur - Am letzten Wochenende war ich im Ausland, und auch wenn mir die Zeit für eine großangelegte Feldforschung fehlte, will ich doch einige Impressionen aus der Stadt Lille im Norden des erbfeindlichen Frankreich wiedergeben. Erhaben gestimmt, durchschritt ich das imponierende Pariser Tor, das offenbar zu einer Vaubanschen Stadtbefestigung gehörte - statt des Wassergrabens mit Krokodilen oder Piranhas drin findet sich heute ein grünes Zierbeet unterhalb der Pfeiler. An einem offenbar historischen Gebäude Freiheitscafe in Indoch'tinafiel mir das Freimaurerzeichen auf, das über der Tür eingemeißelt stand. Unterhalb des Reiterstandbilds von General Faidherbe finden sich zwei Figuren, eine versinnbildlicht die Stadt Lille, und neben ihr sitzt Clio oder irgendeine andere Geschichtsmuse, der diktiert wird, was mit ehernem Griffel von den Großtaten des Militärs in ihr Buch eingetragen werden soll. Diese schreibende Dame hat man wie zum Hohn mit einer gelben Bierdose gekröntRentier am Karrussell - kein Wunder, dass die Geschichtsmuse den Mächtigen dieser Welt nicht treu bleibt, sondern, sobald sie "nach Diktat verreist" sind, alle ihre Untaten mit ebenso peinlicher Vollständigkeit aufzeichnet. Wer weiß, vielleicht kommt der Trittin mit seiner Einführung des Dosenpfandes im deutschen Nachbarland vor ihrem Richterstuhl gar nicht so schlecht weg... Dann gefiel mir ein (noch geschlossenes) Café am Boulevard de la Liberté, dessen Name die Freiheit der Ch'tis beschwor. Ch'tis nennen sich die Eingeborenen hier selbst (niemand konnte mir bisher erklären, was das Wort eigentlich bedeutet), und es gibt allerlei Humoriges - Aufkleber, Magnethalter, etc. - im Touristeninformationsbüro zu kaufen, das darauf Bezug nimmt (und im Buchladen den Film Bienvenue chez les Ch'tis und seinen Nachfolger, Rien à déclarer jetzt bereits als Comic Strip). Aber ich war die ganze Reise über mit so brillant Hochfranzösisch sprechenden Menschen zusammen, dass ich nichts von dem heftigen Dialekt der Gegend mitgekriegt habe. Erst auf der Rückfahrt begegnete mir ein echter "Ch'ti". Er war nach Berlin unterwegs und ich nahm ihn - Denkmal Faidherbe in Lilleeingedenk eigener Tramper-Erfahrungen, an die ich aus gegebenem Anlass erinnert wurde - von der Raststätte vor Liège mit bis zur Raststätte hinter Aachen. Ein junger Mann von der französisch-belgischen Grenze, Franzose, mit einem unsäglichen Akzent, ohne zwei- bis dreimal Nachfragen verstand ich kein Wort von dem, was er sagte. Er hatte übrigens behauptet, fünf Sprachen zu sprechen: Französisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch (die letzten vier habe er sich "im Internet" beigebracht!), nur mit dem Deutschen hapere es, weshalb er eine Weile in Berlin bleiben wolle. Ich hab ihn nicht auf Italienisch, Portugiesisch etc. getestet, aber beim Französischen muss er wohl nochmal nachfassen. Und nun zu den Sitten und Gebräuchen, soweit ich sie in den zweieinhalb Stunden meines Aufenthalts in Lille beobachten konnte: Erstens fiel mir auf, dass entgegen anderslautenden Meldungen der Beffroi de LilleAltbau in LilleWeihnachtsmarkt längst eröffnet ist (während hierzulande der Budenzauber erst vorbereitet wird). Ich werde demnächst mal eine dieser Postkarten mit Motiv: Apfelbaum nach Nordfrankreich schicken, auf denen steht "Advent ist erst im Dezember". - Zweitens gab es darüber hinaus eine offenbar innenstadtweite Kirmes. Nicht nur das Riesenrad, das Karrussell etc. etc. hatten barocken Anstrich, im Licht des Spätherbstes stand auch das Sonnenhaus; die ganze Altstadt mit ihren Häusern hatte sich festlich in Pastellfarben und Rokoko-Verputz eingekleidet - offenbar will man diesmal beim ordnenden Festkommitee den Titel "begehbarer Adventskalender 2011" abräumen. - Und drittens fiel mir (mal wieder) ins Auge, welch köstliche, augenschmeichelnde Patisserien in den Auslagen der Schaufenster zu bemerken sind, allein vom Ansehen wiegt man gefühlte anderthalb Schokoladenkilo schwerer. Ich weiß schon, weshalb ich kein Riesenrad besteige! Wobei ich allerdings auch den Beffroi nicht besichtigt habe,Turm und Zinnen der morgens noch in geheimnisvollem Nebel glänzte und später in der wunderschönen Sonne eines fast sommerlich anmutenden Novembertags über dem Riesenrad emporragte. Tja, der Ruhm der Stadt Köln reicht zwar bis hierhin - ein Schüler, dem ich meine Herkunft verraten musste, rief sofort begeistert "Schokoladenmuseum" aus (und nicht etwa "4711", oder "Alaaf", geschweige denn "Kölner Dom"). Aber in Köln zehrt man eben von den place Charles de Gaulle in Lillemusealen neiges d'antan, während die hohe Gegenwartskunst der Weihnachts-Feinbäckerei eindeutig in Frankreich ausgeübt wird. Und zwar ganzjährig! -Riesenrad in Lille Auf das Riesenrad, das von unten gesehen eine reine Freude ist, hab ich mich dann doch nicht getraut, es geht mir damit wie mit den Montgolfièren, die ich entzückt betrachte, ob auf alten Stichen an der Wand oder schwebend in den Lüften, mit diesen hübschen goldenen Ornamenten auf Himmelblau: Schönheit des Fortschritts! Aber: Einsteigen möchte ich lieber nicht. - Und auch vor den Patisseriegeschäften blieb es beim Nasenplattdrücken an der Schaufensterscheibe, reingegangen bin ich nicht. Wie eine heitere Passantin sehr treffend bemerkte, belässt man's mit Rücksicht auf die schlanke Linie besser dabei, die Schönheiten zu fotografieren, anstatt sie sich einzuverleibenKonditorei in Lille.Haus am Place Charles de Gaulle in Lille Als ich, es muss um Ostern 1989 gewesen sein, mal auf der Durchreise ins Elsass kam, hatte ich leider keinen Fotoapparat, sonst hätte ich die vielen Pracht-Ostereier in den Patisserien dokumentiert, die mit zuckerfarbenen Dekolorentrikots, pardon, Trikolorendekors, Kuchen und PlätzchenKirmes in Lilleputjakobinerbemützten Osterhasen, baumkuchenähnlichen Obelisken und Miniatur-Guillotinen auf die Jahrhundertfeier der Republikwerdung anspielten. Das glaubt einem hierzulande kein Mensch, und der Konditor, der es wagen würde, den 18. März, den 3. Oktober oder die Unterzeichnung des Grundgesetzes mit schwarz-rot-goldenen Torten zu feiern, dem würde die radikale Antifa aus Berlin wohl die Fenster einschmeißen. Aber vielleicht auch nur, um die Leckerlis umsonst aus den Scherben zu bergen.


    1 commentaire
  • Ach ja, ich hatte noch die Auflösung des Rätsels versprochen: auf der Zeichnung ist mein Großvater zu sehen, den der britische Ex-Premier Winston Spencer C. karikiert hat - acht Jahre, bevor ihm (Winston) der Literaturnobelpreis zugesprochen wurde. Für Malerei gibt es noch keinen Nobelpreis und, nun ja, ihm den Friedensnobelpreis zu verleihen, das erschien wohl selbst dem Nobelkomitee vielleicht doch einen Tick zu zynisch, immerhin hat Alfred Nobel das Pulver erfunden, Churchill das damit zu verübende Flächenbombardement (die "Effizienz" ist zuvor auf einem Versuchsgelände mit in Kellerräumen angebundenen Ziegen getestet worden). Der Dynamitbaron wollte sich durch die Förderung des Friedensgedankens in der Welt quasi entschuldigen. Versuch, La Ruche zu fotografierenHingegen Churchill, der fand sein "immer feste druff" wohl bis in sein letztes Sterbensstündchen noch richtig und gut so. Dass er Hitler und die entfesselten Deutschen besiegt hat, das dankte ihm die Völkergemeinschaft, nicht der britische Wähler, der ihn abservierte, kaum dass die MGs kalt geworden waren. Und dass er meinen Großvater zeichnete, dankte dieser ihm durch ein Gegenporträt, an der Staffelei sitzend, im Baskenland, an der französischen Atlantikküste. Diese Zeichnung ist mir übrigens gestern zugegangen, allerdings nur als Ausdruck von Mikrofilm, mit Archivstempel, auf gelbes Papier. Der Mikrofilm lag in Cambridge. Wo das Original ist - in einer Kladde mit Fotos aus dem Urlaub, den Churchill unmittelbar nach seiner Nichtwiederwahl antrat (später wurde er kurzzeitig nochmal gewählt) - , das ist nun die Frage. Und wie es mein Großvater geschafft hat, sich unmittelbar nach Kriegsende aus Holland, wohin er (als seine Heimatstadt und mit ihr drei Ateliers in Trümmern lagen) evakuiert war, über Denkmal für Otto Freundlichdie grüne Grenze nach Hendaye zu verdrücken, wo er beim Pleinairmalen auf den Politiker traf, das wird vermutlich ein Geheimnis bleiben. Spanien war seine zweite Heimat - Frankreich sowieso -, hatte er doch 1911 und 1913 als einziger Deutscher im Pariser Salon ausgestellt und in La Ruche gewohnt, einer Art Containerdorf, das der Bildhauer Alfred Boucher 1902 aus dem stählernen Sperrmüll gewesener Weltausstellungen errichtet hatte. Boucher vermietete sie billig an arme Künstler, beispielsweise wohnten hier Chagall, Léger, Zadkine und Robert Delaunay, ein Maler, der meinen Großvater sehr beeinflusst hat. Verheiratet war Delaunay seit 1910 mit Sonja Stern, die von 1903 bis 1905 in Karlsruhe studiert hatte. In Spanien lernte sie übrigens 1914 den Tänzer Diaghilev kennen, für den sie Kostüme entwarf. Sie starb erst 1979 in Paris, und wäre ich damals nicht so unwissend gewesen, ich hätte sie gut noch mal nach meinem Großvater fragen können, der mit dem Ehepaar Delaunay und anderen Drückebergern von Quatorze-dix-huit in Barcelona und Madrid weilte und sich dem Gestellungsbefehl widersetzte. Angeblich stieg er in den Zug, wie das Konsulat es befahl, und stieg auf der anderen Seite wieder aus (damals hatten die Züge beidseitig Türen). Und der Typ, der den Ersten weit vom Schuss in Spanien verbummelte, trifft also nach dem Zweiten Weltkrieg, das ein noch viel größeres Völkerschlachten mit sich gebracht hatte, den Burenschlächter, Bombenkrieger, Panzerwagen-Erfinder usw., einen Hobbymaler, dessen Kriegskunst dem Profi-Kollegen das Lebenswerk gekostet hat, und da unterhalten sich die beiden älteren Herren vor ihren Staffeleien locker pfeife- bzw. zigarrerauchend an der Atlantikküste über Zeichenkohle, Farbkontraste und Pinselqualitäten, und schwupps, vereinbaren sie, dass einer den anderen auf den Zeichenblock abkonterfeit...? Wenn das keine Story ist, weiß ich es nicht. Jerusalem der KünstlerAber zurück nach Paris und ins La Ruche, das vergessene und von Touristen meist übersehene Künstlerviertel unweit vom Espace Georges Brassens, einem Park, wo allsonntäglich Bücherflohmarkt stattfindet. - Berühmt ist allenfalls die Rotunde von Gustave Eiffel, aber die drumherum errichteten Schlichtbauten, die heute dem Verfall entgegenrosten (obwohl der Abriss vor einigen Jahren verhindert wurde, heute kümmert sich eine Stiftung um dieses Gelände, das allerdings trotzdem stark nach künftigem Baugrund für Immobilienspekulanten aussieht), sind viel authentischer als Künstlerwohnanlage, auf jeden Fall anschaulicher und minder pittoresk als die Ansichtskartenbohème des Montmartre, wohin die Touristen in Scharen pilgern, weil Picasso mal da gewohnt hat. (Picasso? Dem hat Arno Breker das Modell ausgespannt. Oder war es mein Großvater, der Breker, seinem einstigen Kommilitonen an der Werkkunstschule das Modell ausgespannt hat? Flüchtige Anekdoten und unbewiesene Gerüchte sind alles, was ich zu fassen kriege. Tatsache ist: zur Zeit der NS-Diktatur hatte Breker Hochkonjunktur, Otto F. Reise- und damit prakSchwimmbad im Haustisch Berufsverbot, seine "entarteten" Bildwerke hatte man schon aus den Museen entfernt, und sie sind nie wieder aufgetaucht.) In Bouchers Künstlerasyl an der Rue Dantzig, vor dem Ersten Weltkrieg, kostete die Miete notfalls gar nichts, und die englische Wikipedia orakelt düster: "As well as to artists, La Ruche became a home to the usual array of drunks, misfits, and almost every penniless soul needing a roof over their head." Als am Montmartre dann irgendwann mal das Bateau-Lavoir abbrannte, vielleicht weil auf den Bildern von Braque zuviel geraucht wurde, zogen deren Bewohner auch in den Künstlerbienenkorb. An beiden Orten gewohnt haben angeblich Max Jacob und Modigliani. Und auch am Montmartre gab es einen Otto: Otto Freundlich aus Stolp in Pommern, der später in einem Pyrenäendorf, wo er untergetaucht war, von den Deutschen verhaftet, deportiert und in Majdanek grausam ermordet wurde. - Von La Ruche wird später an dieser Stelle mehr zu sehen sein (wenn die Fotos gescannt sind), aber von unserem Kurzausflug nach Paris wollte ich erst noch weitererzählen. Ein historischer Spaziergang durch das Marais, wie wir ihn im Sommer unter kundiger Führung meiner Liebsten unternahmen, führte unweigerlich auch in das jüdische Paris. Das Restaurant Goldenberg, in dem 1982 der schreckliche Terroranschlag stattfand, gibt es nicht mehr, inzwischen ist dort eine Kleiderboutique. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis, bei dem sechs arglose Restaurantbesucher starben und über zwanzig verletzt wurden. Pizzeria im MaraisAber hebräisch gedruckte Bücher und koschere Pizza ("gibt es die denn?" fragten unsere Freunde, und wir brauchten nur auf den nächstliegenden Gourmettempel zu verweisen)Laden in der rue des Archives kann man in diesem Viertel immer noch haben, auch wenn der Librairiste offenbar lieber die mit Belag aus Mortadella und Rohmilchkäse per Expressmotorrad von "La Regatta" liefern lässt (oder gar Sushi - mit Meerestieren ohne Flosse und Schuppen!). Wir besichtigten das "La Pletzl" und fanden auch ein Haus, dessen Fassadenbeschriftung offenbar im 19. Jahrhundert schon piscine und Sauna verhieß - Wellness pur. Natürlich haben wir auch den Laden mit speziellen Süßigkeiten, Hochzeitstorten etc. nicht übersehen, sind aber mit Rücksicht auf die schlanke Linie nicht reingegangen, das Angebot wäre zu verlockend gewesen. Statt dessen wandten wir uns den wenigen mittelalterlich zu nennenden Bauten und der "rue des Archives" zu. Gegen das "Haus der Geschichte", das Sarkozy plant, habe ich mich in einer Protestliste eingetragen.Rue des Archives in Paris Darin sollen alle Archive zentralisiert werden, eins dieser Präsidentenprojekte, mit dem man sich einen unsterblichen Namen erwirbt. Wir wissen ja in Köln, was passieren kann, wenn zuviel wertvolles Archivgut an einem Ort lagert. Aber hab ich mir die Zeit genommen, mal ins Archiv reinzugehen und mir ein paar Quellen zur Künstlerkolonie oder wenigstens zum spanischen Exil der Delaunays anzuschauen? Mitnichten. Vielleicht fände ich in Madrid ein paar alte Zeitungen von 14-18, in denen der Großvater Karikaturen veröffentlicht hat, dann könnte ich den Porträtisten des mir jetzt endlich vorliegenden, im Juli 1945 nach seiner Abdankung gezeichneten Churchill noch besser identifizieren, denn die Urheberschaft der (nicht signierten) Skizze aus dem Churchill Heritage Fund wird letztlich nie vollends beweisbar sein, ebensowenig wie die der gerahmten Kulizeichnung an meiner Wand.


    votre commentaire
  • In Marcoule 30 km von Avignon hat's vorhin eine Explosion gegeben und einen Arbeiter verstrahlt, angeblich tritt Radioaktivität aus. Darauf einen leckeren Côte du Rhône...

    Kirchturm in Longerich

    Franzosen! Noch eine kleine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt. Lasst die Finger von der Kernenergie, ihr habt so schöne Freilandflächen im Zentralmassiv, da passen außer den paar Schafen und Käsereien noch Windräder und Sonnenkollektoren hin. Und an euren vielen Stränden, wo finde ich die die Côte d'Energie éco?

    Am 12. September, 11.45 soll's passiert sein. Vor 40 Jahren im September 1972 gab es die erste Demonstration von Winzern am Kaiserstuhl  gegen den geplanten Standort eines Atomkraftwerks bei Breisach. 560 landwirtschaftliche Fahrzeuge demonstrieren mit Transparenten und Sprüchen wie "Lieber heute aktiv, als morgen radioaktiv" und "Kein Ruhrgebiet am Oberrhein". Es war der Anfang vom Ende der Atomindustrie, das Zusammengehen im Dreiländereck, und das KKW in Whyl wurde nicht gebaut, obwohl der damalige Ministerpräsident Filbinger- zur Hitlerzeit ein "furchtbarer Jurist" - prophezeite, ohne das KKW Whyl gingen "noch vor 1980 die Lichter aus!". Whyl wurde genehmigt, aber nicht gebaut, Kalkar und Wackersdorf wurden nicht gebaut, der Reaktor Würgassen stillgelegt, 7 bisher betriebene KKWs werden abgeschaltet. Das österreichische KKW Zwentendorf und das AKW Mühleberg II in Graben (Schweiz) wurden nicht gebaut, und in Litauen gibt's niemanden, der das geplante Kraftwerk finanzieren will. Im Atomgesetz steht: Die Genehmigung für eine Atomanlage darf nur erteilt werden, wenn "die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik erforderliche Vorsorge gegen Schäden durch die Errichtung und den Betrieb der Anlage getroffen ist. "Das Kalkar-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes legte 1973 fest: "Es muß diejenige Vorsorge gegen Schäden getroffen werden, die nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen für erforderlich gehalten wird. Läßt sie sich technisch noch nicht verwirklichen, darf die Genehmigung nicht erteilt werden; die erforderliche Vorsorge wird mithin nicht durch das technisch gegenwärtig Machbare begrenzt... Was die Schäden an Leben, Gesundheit und Sachgütern anbetrifft, so hat der Gesetzgeber durch die in § 1 Nr. 2 und in § 7 Abs. 2 AtomG niedergelegten Grundsätze der bestmöglichen Gefahrenabwehr und Risikovorsorge einen Maßstab aufgerichtet, der Genehmigungen nur dann zuläßt, wenn es nach dem Stand von Wissenschaft und Technik praktisch ausgeschlossen erscheint, daß solche Schadensereignisse eintreten werden." Ihr Franzosen könntet es besser wissen - aber die Begeisterung für die eigene force de frappe und der militärisch-industrielle Komplex (Atomgeheimnis ist bei euch Militärgeheimnis, zivile und militärische "Nutzung" nicht getrennt) hat euch verblendet. (Und die japanischen Bauern tragen, wie man hört, jetzt selber die atomar verseuchte Erde von ihren Feldern ab, wo werden sie die wohl hingüllen?)

    Protest gegen KKW in Whyl, Fessenheim und anderswo




    1 commentaire
  • Motto: "Und übrigens, liebe Vegetarier:
    Nüsse sind ungeborene Bäume."
    Torsten Wolff (zit. nach Titanic)

    "Macht der Internet-Pranger unsere Lebensmittel sicherer?" (BILD)

    Räumt eure Küchen halt mal auf, Leute!

    Kann Spuren von Schalenfrüchten und Soja enthalten.
    Duc de Coeur: Chinois mit Pudding-Füllung (LIDL)

    Kann Spuren von Fisch, Weichtieren, Schalentieren, Senf und Sellerie enthalten.
    Duc de Coeur: Quiche Lorraine mit Crème fraîche (LIDL)

    Kann Spuren von Schalenfrüchte, Milch und Ei enthalten.
    Duc de Coeur: Tarte au Chocolat mit Kakao-Bohnen. Backmischung  (LIDL)

    Kann Spuren von Ei und Schalenfrüchten enthalten.
    Belbaeke: Backmischung Feiner Mohn Kuchen (LIDL)

    Kann Spuren von Soja enthalten.
    Belbaeke: Pudding Vanille Geschmack (LIDL)

    Kann Spuren von Milch, Ei, Senf und Sellerie enthalten.
    bio Vollkorn-Bratlinge Dinkel (ALDI)

    Kann Spuren von Milch, Ei und Senf enthalten.
    bio Vollkorn-Bratlinge Gemüse (ALDI)

    Kann Spuren von Sesam enthalten.
    Mühlengold Brot-Backmischung Bauernbrot (ALDI)

    Zutaten: Gerste, Gerstenmalz, Zichorie, Roggen [Spuren: Milch].
    Nestle Caro Original (REWE)

    Kann Spuren von Weizen enthalten.
    Duc de Coeur: Crème Caramel (LIDL)

    Kann Spuren von Milch, Erdnüssen und Schalenfrüchten enthalten.
    Crownfield: Cornflakes (LIDL)

    Kann Spuren von Milch, Erdnüssen, weiteren Schalenfrüchten und Sesam enthalten.
    Master Crumble: Multifrucht Müsli (LIDL)

    Kann Spuren von Erdnüssen enthalten.
    kiri Kräuter mit Joghurt verfeinert (Frischkäse, REWE)

    Kann Spuren von Sesam, Erdnüssen und anderen Nüssen enthalten.
    Eridanous Nougat mit Mandeln (LIDL)
    Eridanous Knusperriegel mit Mandeln (LIDL)

    Aufgeschnitten auf Anlagen, auf denen Kuh-, Schaf- und Ziegenkäse aufgeschnitten werden.
    Fol Epi 7 feine Scheiben leicht (LIDL)

    Dieser Frischkäse wird in Anlagen produziert, in denen auch Nüsse verarbeitet werden.
    Bresso mit Tomate & Paprika (NETTO)

    Kann Spuren von Schwefeldioxid enthalten.
    Hatherwood 4 Luxury Caramel Shortcakes (4 Schoko Karamel Ecken: Knuspriger Keksboden
    bedeckt mit einer dicken Karamelschicht und echter Milchschokolade)
    (LIDL)

    Im Herstellungsbetrieb wird auch Sellerie, Senf und Soja verarbeitet.
    Primello Frischkäse-Creme mediterrane Kräuter (NETTO)

    Kann Spuren von Milch, Erdnüssen und anderen Nüssen enthalten.
    Knusperone Früchte Müsdli mit 40 % Frucht (ALDI)

    (wird fortgesetzt)

     

     


    9 commentaires
  • "Schließlich gibt es neben dem Kino noch andere wichtige Dinge im Leben - die Familie
    zum Beispiel... Oder den Tod. Ja, der ist mir auch sehr wichtig: Ich wäre
    ziemlich sauer, wenn ich mein Leben beenden müsste, ohne tot zu sein!"

    Terry Gilliam, FAZ-Interview, 28.5.2011

    Eine Freundin hat mir grade am Telefon erzählt, dass die spanische Landwirtschaftsministerin in einer Videoaufnahme beim Verzehr einer Gurke zu sehen ist. Hat eigentlich jemand mal alles zusammengestellt, was Politiker stellvertretend für die von ihnen regierte Bevölkerung taten, nur um zu zeigen, wie ungefährlich es ist? Salat auf dem Bonner Markt kaufen, ein Glas schwarze Milch der Frühe im TV trinken oder im Rhein schwimmen... Wieso kauft Frau Süßmuths Nachfolger jetzt nicht mal einen Kopfsalat? Der Bundespräsident musste neulich im Kreml doch sogar einen Salat mit Regenwürmern essen, wie ein gut informiertes Nachrichtenmagazin berichtete (jaja, die Russen haben auch schon Adenauer & Ulbricht manche Kröte schlucken lassen). Mich, der ich das 20. Jahrhundert überlebt habe und den eigentlich nichts mehr wundern sollte, mich erstaunt die gegenwärtige Gemüsehysterie. Salate, bis vor kurzem noch fast teurer als Fleisch gehandelt, sind Schleuderware; bergeweise liegen Gurken beim Discounter herum und gehen auch für 15 Cent nicht mehr weg. Und obwohl sonst Fleisch mein Gemüse ist, kriege ich Lust auf was knackiges, rohkostartiges mit vielen leckeren Kräutern und, lechz, Tomaten! Meiner Tomate im (Blumen-)Topf geht's übrigens gut, allerdings hat der Fernsehonkel gestern gesagt, ich solle "ausgeizen" d. h. nach sogenannten "Geiztrieben" unter der Achselhöhle suchen und die abschneiden, weil sie keine Früchte bilden (nicht, dass ich mit viel Ersparnis rechne, falls sich ein oder zwei Paradiesäpfelchen an der Pflanze ernten lassen...) Und den Salat soll man vor dem Verzehr abkochen. In irgendeinem expressionistischen Drama - oder war's in Robert Neumanns Parodie auf Georg Kaiser? - findet sich der Ausruf: "Gekochter Salat? Igitt!" Früher nannte man einen Freund, der sich als nicht ganz zuverlässig entpuppte, "untreue Tomate" (das war aber eigentlich noch ganz nett gemeint, als Scherzwort). Verfeindete Parteien bezeichnen sich in letzter Zeit gern untereinander als "Gurkentruppe", ein Ausdruck, der bisher für minderklassige Sportmannschaften und militärische Einsatzkommandos ohne rechten Drill und Schliff reserviert war.

    Okay, selbst wenn ich den Dienst an der Waffe - damals in der Gustav-Heinemann-Ära, der grinste mich Klo für Klettermaxenlustig-listig an vom schwarz-weiß-Foto im Bergisch-Gladbacher Kreiswehrersatzamt - nicht verweigert hätte, wär mir der Gestellungsbefehl im kalten Krieg erspart geblieben. Aber der statt dessen drohende Atompilz am Fulda Gap oder der friedlich-giftgeschwängerte Himmel über Rhein und Ruhr waren auch nicht grade Stimmungs-Aufheller. Dann kamen Harrisburg, Jülich, (genau, das zwischen Köln und Aachen gelegene Jülich ist gemeint!), Tschernobyl, Fukushima... Als Schüler warfen wir mit vollmundigen Sprüche um uns wie "intensiv leben - früh sterben, aber vorher noch eine rauchen". Und wenn ich ehrlich bin, wenn's eine einigermaßen schmerzlose Macht's-gut-und-danke-für-den-Fisch-Pille gäbe, könnt ich mir manche stille Stunde vorstellen, in der ich sie einwerfe, sooo überzeugend finde ich mein Dasein nicht, dass ich dran kleben täte wie Kaugummi. Ich bin wahrscheinlich noch aus dem Jahrhundert des Erasmus von Rotterdam übriggeblieben und finde, ohne ein Frömmler oder Weltverneiner zu sein, ein bißchen Todesnähe sollte einen einigermaßen aufgeklärten Menschen nicht in Panik, sondern in heitere, verheißungsgewärtige Stimmung versetzen. Ist doch sowieso alles Schiet hier unten, vielleicht wird's oben bzw. anderswo besser? Allerdings: Θνάτοισι μὴ φυναι φέριστον (Der beste Grund zu feiern wär der Nichtgeburtstag gewesen).

    Gerade, wie ich dies schreibe, kommt die Nachricht: "Zahl der EHEC Fälle in Deutschland steigt weiter an..." Mindestens 470 Menschen seien erkrankt. - Tod im KirchenstuhlIch bin ja mathematisch völlig unbegabt und absolut kein Statistikfan. Was nutzt es mir, wenn soundsoviel Prozent der Leute jeden Weg zum Zigarettenautomaten mit dem Auto zurücklegen und Kernenergie völlig in Ordnung finden? Ein faules Ei verdirbt den ganzen Kuchen. Aber wenn man sich mal vorstellt, dass Deutschland rund 82 Mio. Einwohner hat... während sich schlappe 470 Leute mit EHEC-Viren infizierten, hatten im gleichen Zeitraum 43.393 Patienten die Grippe (nicht nur so ein bisschen Schnupfen und Husten, richtig fiese, möglicherweise tödlich ausgehende Grrrrrippe! - die heißt nicht umsonst so ähnlich wie Sklett... Kennt hier jemand The Stand von Stephen King oder wenigstens seine Kurzgeschichte Nächtliche Brandung?) und allein 5.134 haben sich an Salmonellen infiziert, auch kein Spaß! Es ist auch noch immer nicht belegt, ob die Nutzung von Mobiltelefonen Krebs auslösen kann, aber im abschließenden Bericht der WHO-Experten wurde festgestellt, dass ein Risiko nicht ganz ausgeschlossen werden kann und empfohlen, möglichst selten handyzutelefonieren und wenn überhaupt, dann mit Freisprechanlage. Und wer unter so einer Antennenanlage wohnt, kann sich beizeiten das Knochenmark numierieren... Ich finde das alles übertrieben (ein Handy hab ich nicht und zweifle, ob ich diese neueren Versionen mit ihren Applets und dergleichen überhaupt bedienen könnte), und es ist offenbar wieder mal an der Zeit, zu Defoes Tagebuch aus dem Pestjahr zu greifen. Oder zum Lob der Torheit. "Als überlegener Sieger wird der Geist den Körper aufzehren, und er wird es um so leichter tun, weil er den Körper im Leben schon längst auf diese Verwandlung hin geläutert hat, dann aber wird auch der Geist von jenem höchsten Geist auf wunderbare Weise aufgezehrt, da dieser ja unendlich mächtiger ist."

    Erasmus


    2 commentaires


    Suivre le flux RSS des articles de cette rubrique
    Suivre le flux RSS des commentaires de cette rubrique