• Heute vormittag konnte meine Lebensabschnittspartnerin ausnahmsweise den hiesigen Zoo ebenfalls sehen, und die aktuellen Fotos lasse ich jetzt auch mal hier. Einen abendfüllenden Papageienfilm habe ich tagsüber gedreht, den muss ich aber noch bearbeiten. - Inzwischen ist das schon Routine, morgens liegt mindestens eine Nuss auf die Fensterbank, Eichhörnchen im FliederEichhörnchen im Baumund wenn die Sonne einigermaßen scheint, kommen nacheinander die Meisen, die sich um Knödel und Körnerhäuser herumtreiben, dann besuchen mich die drei bis vier  Mitglieder der Eichkatzenfamilie Sittich im Fliederund holen sich, was ich ihnen einzeln hinlege, wobei sie sehr wählerisch sind und Erdnüsse sowie andere kugelförmige Sachen wie Radieschen oder Quittenkerne liegenlassen. Die Erdnüsse sind aber hinterher auch verschwunden, die lassen wohl die Halsbandsittiche mitgehen (wenn es nicht die Elstern waren), dann fallen die Sittiche über die Knödel her. Alles fotografisch in meinem Archiv dokumentiert, in Deutschland sollen lt. Wikipedia nur 7500 unterwegs sein, davon habe ich mit ca. zwölfen hier viele - und das, was diese etwas tumben und wenigstens in Bezug auf Tischmanieren ungesittichten Vögel aus dem Schnabel fallen lassen, holt sich anschließend das Rotkehlchen aus dem Kerbel.

    Nachdem wir ein paar Tage die Morgenzeitung vermissen mussten, weil sich der Zusteller nicht blicken ließ, kam das Blatt heute wieder pünktlich. Man muss dann jedesmal so eine Servicenummer anrufen und diverse Sprüchlein aufsagen... ja, der Briefkasten sei vor dem haus angebracht... nein, die Zeitung ragt nicht aus der Klappe heraus... außerdem liest hier außer uns bürgerlichen Qualitätsjournalismus... Arbeiterviertel und so... ja, die Zeitung soll nachgeliefert werden usw. usf., Eichhörnchen wählerischSittich turnt an der Futterstellemit Glück bringt der Kurier des Zaren im Lauf des Tages noch die aktuelle Ausgabe - hat man Pech und muss zB. am Freitagnachmittag nochmal bei dem Abo-Service anrufen, weil auch der "Kurierfahrer" nicht gekommen ist, kriegt man die Zeitung  fünf Tage später, denn in die Post geht sie nach 17.00, kann also anderntags nicht mehr kommen, und Montags wird hier keine Post mehr ausgetragen (oder nur noch, wenn dem Briefträger danach ist, ich habe neulich an einem Montag wieder auch normale Deutsche Post-Sendungen bekommen). So habe ich heute zwei Zeitungen zum Lesen, aus der ersten las ich heute früh schon das Fernsehprogramm und stellte fest, was bei VOX so läuft, die Titel der einzelnen Sendungen, Ratgeber, Quiz & Doku-Soaps, wirkten seltsam rhythmisch und sinnreich angelegt, wie geheime Illuminatenbotschaft oder indianische Geister-Beschwörungsrituale oder moderne Poesie à la Ernst Jandl. Hier ist er, der abgeschlossene Roman:

    8.40
    Verklag mich doch!
    9.45
    Hilf mir doch!
    10.55
    Mieten, kaufen, wohnen
    12.00
    Wer weiß, wer weiß es nicht?
    13.00
    Verklag mich doch!
    15.00
    Shopping Queen
    16.00
    4 Hochzeiten und eine Traumreise
    17.00
    Mieten, kaufen, wohnen
    19.00
    Das perfekte Dinner - Das Weihnachtsmenü
    20.00
    Prominent!
    20.15
    Danielas Hochzeitsgeheimnis
    22.15
    Goodbye Deutschland! Die Auswanderer

    Leider, auch wenn sie noch so verfressen sind, lassen sich die Halsbandsittiche nicht einmal darauf ein, auch nur ein winziges Wörtchen wie "Lora" von mir zu lernen, "sie kreischen zwar manchmal wie Kinder, die nicht zur Blockflötenstunde gehen wollen, aber das Sprachvermögen ist noch sehr unausgebildet. Wenn ich sie erst mit Erdnüssen kirre gemacht habe, bringe ich ihnen bei, das Tagesfernsehprogramm von VOX aufzusagen, damit sie ab und zu geheimnisvoll Fassade an der Annostraße"Wer weiß es, wer weiß es nicht?" in den Hof rufen und dann wieder, vor allem wenn die eine Nachbarin vorbeigeht, "Verklag mich doch!" - Einen Kormoran - das schwarze Schaf unter den weißen Möwen - haben wir neulich auch gesehen, am Rheinufer, der sich aufmerksam umblickte, aber uns gar nicht zur Kenntnis nahm. Und allerlei Metalliges habe ich am Rheinufer fotografiert. Noch am selben Abend haben wir in der katholischen Kirche in der Nähe einem Blockflötenkonzert beiwohnen können, da kamen jede Menge Kiddies zusammen, sehr diszipliniert, drei schöne gutgewachsene ältere Mädels waren die Virtuosi und Solisten, ein Knabel hämmerte auf dem Glockenspiel: sie kamen aus allen Vierteln der Stadt, um dieses Adventskonzert zu geben, und pfiffen was das Zeug hielt, gottlob waren auch manchmal bassige Borduntöne eines kastenförmigen Blasinstruments unterlegt, das wohl als Behelfsorgel diente und den Wohlklang erheblich steigerte, denn mal ehrlich gesagt, ich mag Blockflöte gern und verehre Frans Brüggen und Sigiswald Keuken,Kormoran am Rheinufer aber ab einer bestimmten Dauer ist der Ton doch nicht auszuhalten und die in das speicheldurchtränkte Blasrohr kriechende Kirchenraumkühle sorgt für Verstimmung erst des Instrumentes, dann der Zuhörerschaft. - Im schönen Abendlicht kehrten wir nach Hause zurück und erfreuten uns des Sonntagsbratens, der inzwischen im Römertopf gegart hatte, und nichts war an- oder gar ausgebrannt, wie ich in meiner ständigen Panik schon befürchtet hatte.

    Außerdem las ich in der heutigen Zeitung von einem Aufruf, den die Schriftstellerin Juli Zeh (ist das nicht eher doch ein Pseudonym, sie will wohl nicht mit Befestigungsring am RheinuferKlarnamen in die Literaturgeschichte eingehen, warum nicht, dafür hab ich Verständnis, die Privatsphäre gönne ich ihr) mit ihrem Co-Autor "Juri Trojanow" - die TITANIC meinte schon, das klingt wie ein russisches Computer-Störerprogramm, aber der Mann ist Bulgare, ich musste bei dem Namen an einen Serienspion meiner Jugend denken, mir fiel auch gleich ein, wer, stimmt alles überein, nur Vor- und Nachnamen sind anders: Ilja Kuryakin, der in den 50er Jahren zusammen mit einem gewissen "Napoleon Solo" (auch nicht besser ausgedacht als "Juli Zeh") im deutschen Vorabendprogramm herumermittelte. Überhaupt die Serien: Yancy Derringer zum Beispiel, immer wie aus dem Ei gepellt und die Pistole mit perlmutternem Knauf, wer kennt noch die seltsamen Abenteuer des Hiram Holliday oder seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger? Emma Peel und John Steed, "The Avengers", haben es ja zu diversen Neuausstrahlungen geschafft, wohl wegen ihrer poppigen Ausstattung & Kledage, ebenso meine absolute Lieblingsserie "Nummer 6", der Spion, den seine eigenen Leute im englischen Feriendorf gefangen halten, lief früher als Alternative zu den Olympia-Livesendungen. Ganz früh hab ich Erinnerungen an die Serie "Anwalt der Gerechtigkeit", von dem ich immer dachte, der hieße "Am Wald der Gerechtigkeit", bis mein Bruder den Irrtum korrigierte. Das hätte ich viel poetischer gefunden! Es gibt jetzt übrigens eine Internetseite, wo man das uralt-Programm der beiden deutschen Fernseh- und diverser Radioanstalten nachlesen kann.

    In dem Interview wird Juli Zeh u. a. darauf aufmerksam gemacht: "Die Absender des Aufrufs sind klar, Ankerplatz am Rheinuferaber der Adressat bleibt im Vagen", und die Antwort darauf ist die kürzeste, die man sich denken kann: "Es gibt keinen." Und später fügt sie hinzu: "Wir erwarten nicht, dass etwas Messbares passiert", und stellt überdem fest: "Im Grundgesetz stehen diese Grundrechte auch." - Aha? dann könnte man doch als Alternative eine Petition an den Deutschen Bundestag richten und dem mal freundlich "Alles Gute!" wünschen, einfach so zwischendurch, zur Ermutigung und gerade jetzt, wo sich die satte Groko-Mehrheit anschickt, jede Abstimmung zur Abnickung zu machen bzw. jede Debatte zu einem fröhlich-einvernehmlichen Hin- und Herspielen der Bälle zwischen Partnern. Zu den Unterzeichnern (560 Schriftsteller) gehören wohl auch 5 Nobelpreisträger.Abflussrinne am Rheinufer "Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei, und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr", das haben diese Autoren also unterschrieben, aber: Moment mal, ist es nicht Berufsalltag von Schriftstellern, die Gesellschaft zu beobachten, und beobachten sie selber denn niemals andere Menschen, um sie, z. B., in ihren Romanen zu schildern? "Alle Menschen haben das Recht, in ihren Gedanken und Privaträumen", ich dachte erst, da fehlt ein t bei den "Privatträumen", aber sie meinen wohl die vier Wände, "in ihren Briefen und Gesprächen frei und unbeobachtet zu bleiben" - aber wer ist es denn, der seinen Bekanntenkreis verwurstet in Dramen, Romanen, Gedichten, wer hat gesagt, "Bücher sind dicke Briefe an Freunde"? Maxim Biller, ick hör' dir trapsen, da hieß es noch, im Hinblick auf personenbezogene Daten über die Brüste von "Esra", der Freundin des Ich-Erzählers bzw. Autors, "es wäre der Bankrott der Kunstfreiheit, wenn künftig jeder, der sich in einem Werk der Fiktion wiederzuerkennen glaubte, auf Schadensersatz klagte", auch das haben über 100 Autoren unterschrieben. Wie denn nun? Wer verkauft denn seinen Vorlass ins Marbacher Literaturarchiv, damit andere später darin herumschnüffeln und Briefwechsel zwischen Hinz und Kunz edieren können und wiederum fruchtlose Dissertationen entstehen und Tagungen über "Briefnetzwerke" stattfinden und teure Autographen verauktioniert werden können!? Die Zahl der Bücher ist Legion, die auf Titel hören wie "Gespräche mit..." (für die drei Pünktchen kann man ein Autorenlexikon von A bis Z einsetzen). Trojanow selber zitiert im Interview wörtlich (!) aus Absagen einzelner Kollegen, haben die das autorisiert? Namentlich genannt sind aber nur die Unterschriftsteller, die Adabeis, wie sie der Wiener nennt ("he stonn die, die immer he stonn", sagt man im Rheinland) - die Unvermeidlichen, "die Absender des Aufrufs sind klar" - Prominent! - , philosophierende TV-Talkshowmoderatoren und ihre Dauergäste, die Töchter eines Gruppe-47-Autors, der selber nicht dabei ist, der Politiker Daniel Cohn-Bendit, Verfasser von Wahldampfparolen und (rein fiktiven) Erinnerungen an Kita-Fummeleien, Vortragsrednerin Carolin Emcke, die mit dem Patenonkel bei der Deutschen Bank, der von Terroristen ermordet wurde (Daniel Kehlmann, unzweifelhaft ein Autor, aber er hätte auch gut und gerne, wie Dalì über Kandinsky sagte, "Fabrikant von Spazierstöcken mit silbernem Knauf" werden können, wurde unter Österreichern einsortiert). Für Kleindichter, Verbandsheinis und on-demand-SelbstverlagssellerTrümmerberge in Raderberg ist die Protestliste jetzt auch geöffnet, fast 20.000 bekennen sich mittlerweile zu der Botschaft, "dass jeder Bürger das Recht haben muss, mitzuentscheiden" (man beachte die Vorsilbe), "in welchem Ausmaß seine persönlichen Daten gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden", dann werden noch die Konzerne aufgerufen, diese "Rechte" (jetzt sind's mehrere, Plural, als Schriftsteller sollte man allerdings "Recht" und "Rechte" auseinanderhalten können, wie ja auch "Freiheiten" keine "Freiheit" sind) zu respektieren, die Bürger, sie zu verteidigen, und die Vereinten Nationen werden aufgerufen, eine nicht mit Formulierungshilfen konkretisierte, undefinierbar-uferlose, aber immerhin bereits "verbindliche Internationale Konvention der digitalen Rechte zu verabschieden" und wiederum weltweit "alle Regierungen..., diese Konvention", die dichterisch-fiktive nämlich, weil sie ja noch gar nicht existiert, nicht mal im Ansatz, gefälligst "anzuerkennen und einzuhalten". Das perfekte Dinner - das Weihnachtsmenü. Goodbye Deutschland! Verklag mich doch!

    Ist alles lieb und klasse, aber wirklich nicht viel Kontroverses dran an der Sache, damit wird man mühelos Feuilleton-Titelgeschichte und dreimal 20.000 Unterschriftchen (d.h. e-Mail-Adressen!) sammeln und manche geben beim Anklicken im Eingabefeld als Motiv an, man sei "gegen brave new world", "gegen Big Data" bzw. führe, wie T. C. Boyle den Initiatoren schrieb, "den Kampf gegen die Maschine". Na, denn: Auf in den Kampf! und schleunigst auch unterschreiben! Friede sei in allen Landen, verstanden? oder seid ihr etwa gegen das Gute und für das Böse??? Wer weiß es, wer weiß es nicht? 


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  • Pizzawerbung mit DeutschlandzwergEigentlich wollte ich unmittelbar nach der Wahl hier einen Kommentar abliefern. Ich hatte mir hierzu einen Gag mit einem Gartenzwerg, der neulich für die Fertigprodukte eines Discounters geworben hat, und zwar mit Pizza "Quadro Stagione" überlegt, weil ja nur noch vier Parteien im Bundestag sind statt 5 oder elf - wie im belgischen Parlament, das im Mai 2014 gewählt wird (es hat zwei Häuser, dazu kommen allein drei Regionalparlamente, dazu kommen die Gemeinschaften der Wallonen, Flamen, Deutsche usw. -  Henryk Broder hat sieben Parlamente und sieben simultane Regierungen in Belgien ausgemacht). - Aber da wir ja noch immer keine Regierung haben, Mutti fröhlich weitermacht, bald wieder mit Hilfe der Sozialdemokratie als Pizzataxi-BayernangebotSteigbügelhalter, und alles mal wieder auf Modell "Konsens um jeden Preis" hinausläuft, ist mir die Lust dazu vergangen. Gabriel sah ja gar nicht glücklich aus, als er das erste "Sondierungs-Gespräch" verließ, ganz wie ein Berufsanwärter nach dem Einstellungsinterview, bei dem er zusammengefaltet wurde, anstatt seine Ansprüche durchsetzen zu können. Klar, die CDU/CSU braucht ja nur 5 Stimmen, um etwas durchzusetzen, was den Sozis nicht passt, die kann man preiswert bei den Grünen, vielleicht sogar bei der Linken einkaufen. Gregor Gysi wird Oppositionsführer,Taschendiebwarnung von Schaffhausen wer sagt's denn, mit ausgedehnten Redezeiten und einer Dauerkarte für die Bundespressekonferenz. Das Schönste ist ja, dass sich die MerkelinOrtsverein der SPD JETZT Steuererhöhungen vehement widersetzen und  nach der nächsten Krise, wenn sie unzweifelhaft wieder angesagt sind, dem kleineren Koalitionspartner in die Schuhe schieben kann. Sowieso glaube ich nicht, dass dieser Regierung ein langes Leben beschieden ist, da werden wohl in einiger Zeit Neuwahlen (oder Neusondierungen?) fällig. Hier in Zollstock schäumte der SPD-Ortsverein Zollstock in seinem Schaukasten, weil der grüne schwule Gegenkandidat Volker Beck (mit deutlicher Anspielung auf die Kondomreklame auf seinen Werbetafeln: "ich will's gleich gerecht") nicht freiwillig darauf verzichtet hat, sich zur Wahl zu stellen, und dadurch verhinderte, dass Elfie Scho-Antwerpes, Ex-Frau eines einst skandalumwitterten und ziemlich landesherrlich auftretenden Regierungspräsidenten,Graffiti an der Litfass-Säule ihr Gnadenbrot künftig in der Bundestagskantine verzehren darf. Wie lautete der alte Abzählreim früher? "Der Hetero raucht Marlboro (in der schwarz-roten Packung!), der Homo wird auch ohne froh." Wie man hört, wird Elfie Scho-Antwerpes nunmehr auf Platz 2 der Kommunalwahlen antreten, um wieder Bürgermeisterin zu werden - die SPD hat ihr den Platz "freigehalten". Die freundlichen Wahlberater von der Versicherungswirtschaft, vertreten durch einen Fachmann mit Büro im selben Viertel, stänkerten schon vorher gegen die Bürgerversicherung und sind froh, dass diese Maximalforderung vom Tisch ist. - Und dann wäre da noch der Protestler, der alle Litfass-Säulen mit sonderbaren Botschaften vollschreibt, in hektischen, schwer lesbaren Kritzeleien,Versicherungs-Propaganda gegen Bürgerversicherung der wurde auch wieder mit 1), 2) und 3) aktiv. Vielleicht ist er aber identisch mit dem Kommentator, der den SPD-Ortsvereins-Schaukasten mit der Polemik gegen Volker Beck bespielen durfte? beiden Pamphletisten ist eine gewisse Vehemenz beim Unterstreichen zu eigen. Der von der SPD hätte Stimmen-Splitting bevorzugt: "Wenn auch mal mehr andere im Wahlkreis so überlegt und intelligent gewählt hätten! Dann wäre Frau Scho-Antwerpes gewählt." Erinnert mich an mein Studium, man riet mir, beim Lesen immer alles wichtige anzustreichen, und da ich als Erstsemester schlechthin alles für wichtig hielt, unterstrich ich mehr oder minder alles. - Und was gibt es sonst noch in dieser Saison zu sehen? Angesichts des Oktoberfestwahnsinns, der auch in meiner rheinischen Provinz allenthalben ausbricht, bietenSpielplatz-Warnschild vom Bodensee die Discounter aller Orten "bayerische Schmankerl" an (ein Lieferant für Taxi-Food hat auch eine Pizza Krautigunde im Angebot)  oder wie sie das jeweils nennen, und Metzgereien bereiten wohl aus lebensmitteljuristischen Gründen "Weißwürste Kölner Art". Das Kölner Oktoberfest, zu dem ich seit 2010 Scharen von Trachtenjanker-Kölnern und dirndlverkleideten Kölnerinnen zum Vorgebirgspark pilgern sah, wo eigens eine saisonale Holzbude errichtet wird, hat zahlreiche Nachahmer gefunden: Man nennt es dann wohl aus rechtlichen Gründen nicht Kölner Oktoberfest, sondern "Hüttenzauber" und dergl., Karstadt bietet das passende Outfit für die Möchtegernbayern, natürlich gibt es für Volker Beck und die Seinen längst eine "Rosa Wies'n" in den Sartoy-Sälen. Damit ist aber noch lange nicht Schluss, am 11. im 11. beginnt die Session, dann fangen die Weihnachtsmärkte an; eine Kölsch-Woche im Januar opder Februar findet kurz vor Karneval ebenfalls am Vorgebirgspark statt, jedesmal hauen sie so eine Bretterbude zusammen und das dient dann als Bierhalle, nur dass jetzt auch in dieser das Rauchen nicht mehr erlaubt ist. Eigentlich wäre die deutsche Sozialdemokratie genug bestraft, wenn sie den zum Einzug in die Regierung erforderlichen Kotau vor Seehofer in Dirndl und Lodenjackerl machen müsste.

    Nach der Wahl haben wir schon wieder einen neuen Skandal, um den Bischof von Limburg, Diebarz-van Elster:

    Ego-Spiel für Tebarz van Elst

    Das ist allerdings nicht die Heimat des Limburger Käses, sondern eine Kreisstadt an der Lahn, die schon im Hessischen liegt. Durch das "richtige" Limburg (den Landesteil von Belgien meine ich jetzt)  muss ich demnächst, also schon morgen, auch wieder, weil meine Liebste eine Woche Ferien an Flanderns Nordseeküste gebucht hat. Hierzu teilt mir eine Fremdenverkehrsseite folgendes mit, so wisst ihr, womit ich in nächster Zeit beschäftigt bin (ich gebe leicht gekürzt den originalen Wortlaut in der eigentümlichen Orthographie wieder):

    Wenn es einen Badeort gibt der voller Energie hat und einjeder verlocken kann, denn ist es bestimmt Blankenberge. Nicht in mindestens durch das unübertroffene angebot an Familienattraktionen und Sehenswürdigkeiten. Hier gibt immer schon etwas zu tun! Sie können gemütlich spazieren auf dem Boulevard, sich hinsetzen bei einem der zahlreichen Eßlokalen oder nur frische Lucht nehmen auf dem Strand . Dieser sprudelende Badeort ist eine interessante Umgebung für die junge Familie und für die Familie mit Jugendlichern die sich nicht langweilen möchten. Dies ist jedoch auch der meist lärmige und farbige Badeort der Belgischen Küste. Auf dem breiten Boulevard gibt es Raum für Spaziergänger, Schlittschuhläufer und sonst für jedermann der sich auf gleich welches nicht-motorisierte Fahrzeug von A bis B abfahren möchte. Blankenberge ist ein echter beliebter Badeort. Die Strandpromenade scheint eine Kermis und auf dem übervollen Strand wird vollauf gepicknickt. Neben einer ausgedehnten Vielfalt an Außen- und Innensportmöglichkeiten bietet Blankenberge unzahlbare Möglichkeiten für Einkaufliebhaber, Gastronomen und Liebhaber von der derzeitigen Erholung. Der Freizeitparken und Kneipen... bilden das vitale Zentrum des ergriffenen Ferienorts das seine Gäste in einer gemütlichen Atmosphere willkommen heißt. Spaziergänger können sich an den Fonteintjes zu gute tun. ... Der alte Fischerhafen wurde umgebaut bis einem ultramodernen gastfreien Jachthafen mit allen notwendigen Rückstellungen. ...  Auch für der aktiver Urlauber gibt es am und um dem Strand viel zu erfahren. ... Der Steg von Blankenberge überwiegt den ganzen Strand. Ein exklusiver Einsatz bestehend aus einer langen Fußgängerbrücke im Meer, der führt zu einem fabelhaften runden Gebäude. ... Blankenberge würde Ihnen erstaunen. Gemütliche Einkaufsstraßen die im Sommer sogar verkehrsfrei sein. Wenn Sie durch das Getreibe sehen können und weiter als den Strand gehen, entdecken Sie einen fabelhaften Art Nouveau Erbe hinter dem Deich. ... Sie können stundenlang einkaufen machen in den gemütlichen Einkauf-Spazierstraßen und dennach Ihre Appetit zähnen mit frischen Krebs am Hafen. ...  Der Steg gibt Ihnen das Gefühl laufen zu können auf dem Wasser auf Weg zu dem monumentalen runden Gebäude. Hierin befindet sich eine gemütliche Taverne und eine Ausstellungsfläche. Der Hörsaal befindet sich 4 meter unter dem Meeresspiegel und kann angewendet werden wie Kinosaal mit Platz für 80 Besücher.


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  • In Abwandelung eines schönen Satzes von Harald Rowohlt über meinen Lieblingsschriftsteller Arno Schmidt, denn netter kann ich es nicht ausdrücken, urteile ich wie folgt über den verkniffenen "Herausforderer" der Merklerin bei den anstehenden Bundestagswahlen - so verkniffen, als hätten sie ihm vor dem Fernsehduett Valium ins Hirn geträufelt und dasselbe einer Intensivwäsche unterzogen: "'Ab jetzt, lieber Peer, redest du nicht mehr für mich. Ab jetzt redet du nur noch für dich und deine Sekte.' Ich meine, ich zwinge doch niemanden, der mir dermaßen deutlich zu verstehen gibt, daß er von mir nicht gewählt werden will, dazu, von mir gewählt zu werden. Man will ihn doch auch nicht quälen, den armen Mann. Das ist der Deal: Du willst nicht, daß ich dich wähle, und ich tu’ dir den Gefallen."

    Die wollen nicht wirklich gewählt werden. Die haben schon genug Macht, und brauchen die Stimme nur, um vom einen Bäumchen aufs andersteiler Anstieg, ein Hinweisschilde zu klettern, fallen können sie nur weich, nicht nur wegen ihrer Diäten, Aufwandsentschädigungen und (nach entsprechend langer Verweildauer im Bundestag, ich glaube, drei Perioden), Altersversorgungssansprüche, sondern auch wegen vielseitiger Verwendbarkeit in der Wirtschaft, die sie in der Politik als die Lobbyisten unter Beweis stellen, die sie nach der Politikerkarriere im Hauptberuf werden, als leitende Angestellte in den jeweils nahestehenden oder ihren Aufstieg gleich gesponsort habenden Verbänden, Institutionen, Gewerkschaften, Medien, Wirtschaftsunternehmen, Anwaltsbüros, "Aufsichts"-Räten, Unternehmens-"Beratungen", Verfassungsgerichten usw. Dort kaufen sie sich ein mit Promi-Bonus und konkret mit Cash. - Schweer PeinbrückDarum, weil man ihre mehr oder minder steilen Karrieren ja nicht auch noch ebnen helfen will, ist es leichter, nicht zu wählen, aber wählen in diesem Jahr jedenfalls ist besonders anstrengend. Trotzdem, jetzt erst recht. Verdammt, und sei es, um eine Opposition zu stärken, die sowieso keine Chance hat, aber deren Erfolg die eigentlichen Machthaber womöglich in ihrem Handeln beeinflusst. So war das mal, als die Grünen, und später, Bodensee-Sernatingen-Tryptichonals die Linken reinkamen, wer beide heute für nicht mehr wählbar hält, kann doch wenigstens einem Vertreter von den Piraten oder der Alternative für Deutschland - egal jetzt mal, ob man deren Positionen hundertprozentig teilt oder nicht - eine Chance geben, wenigstens einen oder zwei Abgeordnete ins Parlament zu kriegen, das ist schon viel wert. Denn Kontroverse muss sein, auch über den EURO in Zeiten der Globalkrise oder über das Urheberrecht im Internetzeitalter, zwei Fragen, in denen ich konträr zu den letztgenannten Splittergruppen denke, von ihrem sonstigen populistischen Stammtischgesumms mal ganz abgesehen, das ich aber auch bei den "Großen" finde - und das nicht zu knapp, wenn man ihre Werbefilmchen anguckt.

    Allerdings, um auch hier keinen Zweifel über meine Präferenzen aufkommen zu lassen, so passend und zutreffend ich auch die Rowohltsche Einlassung zu Schmidt für seinesgleichen finde: Rotkreuzkasten SipplingenIn demselben Interview schmeißt Harry Rowohlt Arno Schmidt vor, er habe, während Rowohlt einem ehrlichen Gabelstapler-Faulenzerjob nachging, bei irgendeiner Broterwerbs-Übersetzung - auf welche er lange nicht so "stolz" war, wie H. Rowohlt behauptet (dessen Name gewöhnlich größer auf den Buchdeckel oder -hinterteil gedruckt steht als der des Autors), also er, Arno Schmidt, habe statt einem guten deutschen Schaschlikspieß mal das Wörtlein "Shish-Kabob-Spleiß" kreiert und hingesetzt. Na und? sag ich da. Falsch ist das nicht, mein lieber Harald, ob gut, eher Geschmacksache. (Außerdem gibt es, um auch diesen Einwand abzuwehren, jedes Wort, das irgendwer irgendwann erfindet und gebraucht!) Und ein anderer Übersetzer Rotkreuzkasten Sipplingennamens Wollschläger, der auch Arno Schmidt gekannt hat, der aber doch keineswegs mit ihm identisch war, habe irgendwann mal pint mit "Pinte" und a bottle of pop mit "eine Flasche Popcorn" übersetzt. Harry Rowohlt seinerseits, es sei hier ein für allemal gesagt, übersetzt gern auch mal nach dem Muster "sage mir, was du denkst und ich denke mir, was da steht" - und verhunzt z. B. in einer der besten Bildergeschichten von Robert Crumb das schon aus dem Kontext eindeutig verständliche, bzw. bei der Whiskyfass-mit-Bart-Version nunmehr völlig unverständliche rounds mit "Runden", und zwar "3.000 Runden in der Minute"*), die aus einem Maschinengewehr herauskommen sollen (es handelt sich, den Nichtübersetzern sei's gesagt, um Patronen), sollte also besser bescheiden den eigenen Rough-Tough-Creampuff-Schnabel halten oder sich an denselben fassen!

    Darauf eine Runde Pint aus der Popcornflasche.

     

     

    (*R. Crumb, Ein Heldenleben, S. 63, Panel unten links, Zweitausendeins: Frankfurt am Main 1992. Auf S. 14 links oben bringt der "Meister des Wortes und der Nuancen" (Nürnberger Nachrichten, 10.8.2005) das Wort "alle" viermal unter - in einem winzigen Panel: "...hat mich ja allegemacht... was die Leute beim Film alle für Haie sind... ich bin echt alle!" usw. 


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  • Heute früh, beim Einkaufen entdeckt....

    Braundonnerstag


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  • Alpen von Oberstdorf aus gesehen

    Endlich haben sich Denkmalschützer zu einer Protestresolution aufgerafft, der ich mich ausnahmsweise vorbehaltlos anschließen kann: Darin wird das Zerschneiden des Horizonts im Norden gegeißelt, wo man ein durchgängiges, nicht von Windradmühlchen zerstückeltes silver lining (der bekannte "Silberstreif") verlangen darf. "Gebt mir Flachland, mit weiten Horizonten", seufzte Arno Schmidt in der ZEIT vom 7.10.1960, "damit man weiß, daß man in Norddeutschland ist." Hinterm Horizont geht's weiter, er muss aber der Fieberkurve des unlängst Verstorbenen gleichen. So beschlossen auf dem Denkmalschützertag in Greifswald, einer Stadt, die neben der Verspargelung der Landschaft sogar Schimmelpilze an Aktendeckeln bekämpft (nachdem in Stralsund eine barocke Bibliothek zu Schleuderpreisen verramscht ward). Aber wieso Norddeutschland? Was ist mit Gibraltar oder der Steilküste von Messina, die doch auch nicht grade durchsichtig sind? Immerhin zeigen die Rügener Kreidefelsen Einsicht und krachen gelegentlich unaufgefordert in sich zusammen. Der Norden wird aber auch deshalb namentlich vermahnt, bei vier Windrichtungen fünf grade sein zu lassen, weil man sich an die Alpen nicht so recht 'rantraut. Man sieht, wie Karriere und Alter den revolutionären Elahm erlanen lassen, bzw. wie hochgesteckte utopische Ziele der einstigen Prinzip-Hoffnung-Ära heutzutage im kompromisslerischen Klein-Klein von Koalitionsverhandlungen zerfransen und zerfasern. Wer hätte nicht, noch als jugendlicher Heißsporn, in den Ruf "weg mit den Alpen, freier Blick auf das Mittelmeer" eingestimmt! Auf solche Forderungen mag sich der Denkmalschützerkongress heutzutage nicht mehr einigen, und so bleibt es beim Appell an die Ostfriesen, Holsteiner, Dithmarscher und Meckpommern, den ins Weite schweifenden Blick nicht durch Windräder, Strommasten, alternative Energiesilos oder dergleichen Teufelswerk zu verbarrikadieren.

    Spiekeroog, Nordseeblick


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