• Mit der Demokratie ist es bekanntlich so eine Sache bzw. ist hierzulande alles gut, so lange stets das Richtige "hinten herauskommt" (Helm. Kohl). Das ist ja das Vertrackte am Volk, wenn man es wählen oder gar entscheiden läßt, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende ein - Ergebnis herauskommt. Über die Abschaffung der Todesstrafe, die Einführung des Dosenpfandes hab ich ja auch nicht abstimmen dürfen. Aber ich hab noch Willy Brandt im Ohr, wie er im Winter 1989/90 in der Bonner Uni bei einer Diskussion das Ansinnen weit von sich wies, nun, nachWeltvernunftmedaille für Hamburg dem Ende des DDR-Regimes, wie es ja grundgesetzlich so festgelegt worden war, das deutsche Volk in Einheit und Freiheit und gar noch über eine Verfassung entscheiden zu lassen. Wofür hat man schließlich ein Grundgesetz, wenn da nicht noch ein Hintertürchen wäre, und das war der "Beitritt" der angeblich herrenlosen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern usw. usf. Die Altkommunisten und ZK-Kader wußten Bescheid, die waren dafür, schon der Rente wegen. Da hätten womöglich die paar Dissidenten mit Nein gestimmt, die lieber erst den Sozialismus des dritten Weges ausprobieren wollten. Oder die Kirchentagspazifisten hätten Oberwasser bekommen, die früher schon den gouvermental bevorzugten "Wandel durch Annäherung" mit peinlich-unpassender Distanzierung trübten und prompt mundtot gemacht (eingesperrt & freigekauft) wurden. - Wo wären wir heute, wenn eine knappe Mehrheit nachher gegen die sog. "Vereinigung" von BRD/DDR gestimmt hätte? Na, wir hätten noch immer einen Gutteil der Grenzbefestigungen nach Osten (oder je nachdem, Westen), die Bayern und die Junge Union jetzt bedauerlicherweise vermissen müssen.  Und jetzt sind wieder mal demokratisch starke Nerven gefragt. Noch am Samstag rief die FAZ den Bürgermeister Scholz zum "Olympioniken" aus, die "Zustimmung" der Hamburger dürfe "als sicher gelten": "Alles andere wäre eine Überraschung", aber: "Politisch richtig war, das Referendum anzusetzen. Dazu mußte die Verfassung geändert werden", ebeneben, wir wollten das Volk befragen und es sollte ganz sicher das Richtige ankreuzen! Läßt sich das absehen, dann ist dann auch eine Verfassungsänderung kein Problem. "Ein Nein im Referendum wäre eine politische Katastrophe", das ZDF hatte entsprechend auch schon 56 Prozent Zustimmung gewittert (ein Prösterchen auf die Prognostiker!) - tja, und nun ist die Welt untergegangen und die Hamburger haben sich anders entschieden, und jetzt urteilt die Süddeutsche nachtragsschlau, "angesichts des Rufs, den der Sport sich mit vielen Affären verdient hat, mag das nicht überraschend sein"...Weltvernunftmedaille für Hamburg

    "Olympia in Deutschland - diese Idee ist zu begraben", seufzt die Süddeutsche, "eine schwere Schlappe für den deutschen Sport" und für "Olaf Scholz eine schwere Pleite" wittert der Deutsche-Welle-Kommentator. Die FAZ warnt bereits, daß sich "Deutschland damit vorerst ins Abseits katapultiert", während der Berliner Tagesspiegel eine "Niederlage für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland" beklagt, "ein weiterer Triumph der Nimbys in einem saturierten, überalterten Land, das jede Veränderung vor der eigenen Haustür aus Abstiegsangst verhindern will" (Nimbys sollen aber lt. Wikipedia eher auf ihren Hinterhof achten statt vor der Haustür kehren, und damit das sprichwörtliche Sankt-Floriansprinzip verkörpern). Einen Tick schriller klingt der Notschrei im Kommentar der Berliner Morgenpost:

    "Und es stellt sich die Frage, welche Rolle der Senat und die repräsentative Demokratie bei den wichtigen Entscheidungen für die Stadt überhaupt noch spielen. Nach den vergangenen großen Volksentscheiden hat man den Eindruck: kaum eine. Das ist gefährlich, weil dadurch die Autorität und die Legitimation der Regierung zusätzlich geschwächt wird."Weltvernunftmedaille für Hamburg

    Anarchie, Chaos, Tätera! Ich hab doch gewußt, daß es mit dem ganzen Volksentscheidungs-Getue nicht gut ausgehen wird, am Ende versenken die noch die freiheitlich-demokratische Grundordnung wie einen lecken Kahn im Hafen, worauf soll das (um im Bilde zu bleiben) noch hinauslaufen! Diese Hamburger haben ja eben erst den bekennenden Kettenraucher Helmut Schmidt zu Grabe getragen, als wär es ein Heiliger, wie soll da Alfons Hörmann ("ein herber Tief- und Rückschlag") vom Deutschen Olympischen Sportbund "ohne Rückenwind einer Olympiabewerbung Sportdeutschland weiterentwickeln"? Selbst die Grünen, die doch so gern alles außer der Abschaffung der Braunkohle und der Kernkraft einem Volksentscheid unterwerfen wollen, sind ärgerlich, weil sie die Bewerbung unterstützt hatten, Konstantin von Notz behauptet, die "Verantwortlichen" (wer denn, zum Teufel) hätten es geschafft, "die Menschen zu verunsichern", denn - so der Sportbundchef in Hamburg Jürgen Mantell:  "Das war keine rationale Entscheidung, sondern eine aus dem Bauch heraus." An die Volksbrust, also ein paar Handbreit oberhalb von diesen Bauch, aus dem die weise Entscheidung zum Verzicht kam, ein Bauch, der bestimmt kein Waschbrett ist, sondern ein wohlgefüllter Resonanz-Volkskörper, möchte ich aber jetzt den Weltvernunftorden heften.

     

     

     


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  • Okay, ihr habt's gehört, in meiner Vertriebenenheimat ist mal wieder ein mittelschwerer Sack Konfetti umgekippt. Da hat ein bekannter Beerdigungsunternehmer und Rosenmontagszugleiter im Namen des Festkomitees einen Charlie-Hebdo-Wagen angekündigt und auf dem sog. "sozialen Netzwerk", das von einem einfallsreichen "Studenten" gegründet wurde (wie gut diese Neusprech-Märchen den steuerverweigernden Millionenmilliardenkonzern tarnen!), sogar über das Design abstimmen lassen - und kaum eine Woche später, simsalabim und Tusch!, wurde der satirisch-wehrsame Beitrag auf zackige Weise wieder zurückkommandiert, ganz ohne Alaaf und Helau. Aber was wäre Karneval ohne die höchstkatholische "Treue" der Husaren, ohne Verrat und Niedertracht, Vereinsmeierei und Schnapsideen. Wer kriegt die Blutwurst, Schäl oder Charlie? koenler_charlie_abkassierenVertünnisier dich, Tünnes! Eines Terroranschlags mit Kamellenwurf und Bierrausch zu gedenken, ist schon eine Geschmacklosigkeit für sich, den mäßig amüsanten Solidaritätsbeitrag dann aber nach weidlichem Presserummel stickum wieder einzukassieren, verschärfter Aberwitz, und den Narrenvogel schießen jetzt die Grünen ab, die auf dem "Geisterzug" (erfunden im Golfkrieg, als der Rosenmontag ausfiel!) der links-alt-und-naiven Antikarnevalisten eine Parodie auf den geplanten und nicht gebauten Charlie-Wagen zeigen wollen, die darin besteht, dass ein uniformierter Karnevalist den grauen Vorhang mit der Aufschrift "Ich bin Charlie... gewesen!" über dem geplanten Wagenmotiv (Kasperle stopft einem Attentäter einen Bleistift in die Gewehrmündung) herunterlässt. Kein Problem haben die Karnevalstrottel damit, einen "Shitstorm"-Wagen zu zeigen, wo sich Schüler mit heruntergezogenen Hosen vor einem Ventilator, wie soll ich sagen, ausdrücken und eine braungesprenkelte Gestalt vor der Tafel, vermutlich den Lehrer, mit dem eigenen Kot besprühen. Kicher, prust, ha, ha, ha! Hab ich schon erwähnt, daß ich mich über die Karnevalstage mal wieder in ein Eifelkloster zurückziehe? Die Nachrichtenlage, was den besagten Charlie-Hebdo-Wagen betrifft, war übrigens so, dass der Pressezar "Citizen" Dumont (drei Tageszeitungen, ein Gratisblatt) vermelden ließ, die Polizei plane ein Sondereinsatzkommando speziell für den Charliemontagszug (vermutlich ein kreativ getarnter Scharfschützenposten rund um das Gefahrenobjekt?), fc_irgendwie_anderswährend Polizeisprecher im Radio beteuerten, sie sähen bei dem Festwagen keinerlei Sicherheitsproblem (wohl weil karnevalsfeindlichere städtische Muslime in den tollen Tagen alle Dienstleistungshände voll zu tun haben mit Dönerbraterei und dem Verkauf von Kiosk-Bier und Fastnachtskrapfen). Dass wir die wohl einzige Stadt der Welt sind, die eine Moschee nach einem kaiserlichen Kreuzfahrer benannt hat, ist auch nicht allgemein bekannt! Leider musste die Barbarossa-Moschee in der Kyffhäuserstraße, das älteste muslimische Gebetshaus der Stadt, kürzlich schließen! Der Hinterhof, in dem die Moschee lag, liegt in unmittelbarer Nähe zu einem der chaotischen Verkehrsinseln, die man hierorts als "Platz" ausgibt, und da der einst als Boulevard geplante "Ring" jeweils nach Herrscherhäusern benannt ist - Karolinger, Hohenstaufen, Hohenzollern - hat man den sogenannten Plätzen die Namen der Stammesfürsten gegeben, von Chlodwig bis zu Friedrich Ebert. Okay, Friesen- und Zülpicher Platz fallen etwas aus der Reihe, aber sei's drum. Die Moschee macht leider - angesichts der geräumigeren Ditib-Alternative in Ehrenfeld - dicht, bei der Gelegenheit kam heraus, dass die ersten Gastarbeiter sogar im Dom beten durften (den raderbergkircheFriedrich Wilhelm IV. ja auch als ökumenisches Bauwerk finanziert hatte, später wurden die Diaspora-Protestanten stillschweigend mit einer romanischen und viel schöneren Kirche abgefunden). Das hat aber damals ein Domherr mehr oder minder selbstherrlich entschieden und wurde schneller unterbunden, als man in Köln Papp gesagt oder den antisemitischen Rosenmontagswagen von 1933 aus dem Festzug genommen hat. Daraufhin entstand die, wie gesagt, Barbarossa-Moschee; vielleicht ließen sich die Türken weismachen, der Platz sei nach Heruk Barbarossa benannt, einem Seeräuber und ersten türkischen Herrscher Algiers, der den Scheich erschlagen hatte und 1518 selbst von den Truppen des spanischen Gouverneurs Marchese de Gomarez Staatspruefung bestandengetötet wurde, bzw. nach seinem Nachfolger, Pascha Dschereddin Barbarossa (1467-1546), der die Spanier endgültig vertrieb und Algier der Oberherrlichkeit der Pforte unterstellte. Nein, der Platz gehört dem Kaiser Friedrich, der bekanntlich noch im Kyffhäuser sitzt, wo ihm der rote Bart durch den Tisch wächst, und zwar so lange, wie die Raben dort fliegen; erst wenn der letzte Rabe ausgekrächzt hat, wird sich Barbarossa erheben, den Bart aus dem Steintisch zurren, nur so ein bißchen, grade dass der Berg mit holterdipolter zusammenkracht, und mit Feuer und Schwert nach Erfurt ziehen, um den Usurpator und und Zwingherrn Thüringens, den Riesen Ramelow zu erlegen, dann ins Heilige Köln aufbrechen und an der Spitze eines Heers marodierender Ritter des Hogesabandordens und säbelschwingender Sarazzinen nun auch Ehrenfeld und den Ebertplatz von den Furzwitz-Karnevalisten zurückerobern...


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  • Die Preisjury des Internationalen Schneemannbauwettbewerbs hat sich in diesem Frühjahr etwas besonderes ausgedacht: Finanziert von der Anwohnerintitiative Enckepark, wurde als Thema Der Islam und sein Prophet durch die heitere Lupe betrachtet ausgegeben. Den ersten Preis, ein aus dem Osmanischen Reich übriggebliebener Karton Türkisches Nougat, erhält, wer die weit und breit schönste Mohammedkarikatur im kristallinisch weißen Elemente ausführt. Und da sich die Karikaturen schon anderthalb Stündchen nach Errichtung in Halbgefrorenes verwandeln, gibt es auch gar keinen Grund, mit Massenvernichtungswaffeln gegen sie oder gar gegen ihre Schöpfer vorzugehen!Kopfbedeckungbelaemmert Für den dritten Preis (halblinks) wurde die migros-hintergründige Halbstarkengruppe Abu Sayyaf aus der Ostschweiz nominiert, die einem weißbandagierten Mullah den für religiös Verzückte typisch belämmerten, dämlich-seligen Gesichtsausdruck zu vermitteln wußte ("wächserer querer Jesusblick", wie es ein Romancier mal bei der Schilderung einer Nonne ausdrückte). Man beachte die rollenden Augen, für die zwei Zitronenhälften herhalten mussten. Den zweiten Preis (unten rechts) erhielten die I-Dötzchen aus der Lashkar-e-Taiba-Kindertagesstätte, deren Teilnehmer den gestikulierend predigenden Mohammed darstellten. Die Jury hob hier auch besonders die kreativ gestalteten Filzhaare hervor. Die rührige Behindertenwerkstatt Al Nusra hatte sich hingegen sehr viel Mühe gegeben, Mohammed (links außen) miHeb do Charlie? Denn hebb' ick GlückDer Dandy unter den Schneemännernt einer orientalen-typischen Schädel-Bedeckelung, dem traditionellen Fes (allerdings in schwarz und ohne goldene Quaste) auszustatten. Leider war dieser Kopfschmuck erst nach der Eroberung Konstantinopels Mitte des 15. Jhds. in Mode gekommen, über 800 Jahre nach dem Tod des Propheten, Gott segne ihn und schenke ihm Heil!, weshalb es diesmal leider nur für einen Trostpreis langte. Der Hauptpreis jedoch ging jedoch an .... tusch!!! the winner is: die Jugendorganisation von Da'ish, eines vorwiegend aus Ex-Militärs gegründeten Vereins für Nachbarschaftshilfe, der sich auch gern mal "IS" (is' diss? diss isses) oder  "ISIS" (vgl. Verschleierung), auch gern, um die Gebietsansprüche im Stadtviertel zu untermauern, "islamischer Staat im Irak und in Groß-Syrien" nennt. Ihr Abbild des Gottgesandten mit elegant geschlungener blauer Kufiya erinnert fast ein bißchen an den Stenz aus der gleichnamigen Serie, oder? Die Augen sind aus Walnüssen geformt, was angesichts der diesjährigen Zusammensetzung der Jury - mehrere Eichhörnchen darunter - schon an einen dreisten Bestechungsversuch grenzt! Gleichviel, dieser Mohammed wird als der Oscar Wilde unter den Propheten in die Geschichte des Schneemann-Wettbewerbs eingehen. Leider eine kurze Geschichte, denn schon setzt das Tauwetter ein, und die Jungs auf dem Siegerpodest mussten sich mit einem alkoholfreien Glas Nost zu einer vom Krummdolch geschrappten Portion Türkischen Honigs zufrieden geben.

    Ansonsten habe ich meinem prolligen, leicht randständigen Genossenschaftsstadtviertel wohl unrecht getan: Zwar hat es der neuerdings von mir mitbezahlte Schneeräumdienst nicht geschafft, auch nur den Bordstein zu räumen, aber Charlie kam immerhin doch bis Raderberg! Charlie ausverkauftDrei Hefte hatte der Kioskwart (Kioske sind ja auch eine Erfindung der Muslime, wir kennen sie seit der Belagerung von Wien) gleich bestellt, als wir nachfragten, kriegte sie aber nicht letzten Mittwoch, sondern erst gestern und - sie waren sofort ausverkauft. Im Hauptbahnhof hatten sich schon vorige Woche erschütternde Szenen abgespielt: DivertissementschenHunderte von Leuten in der Schlange, wie sonst nur, wenn es überteuerte Karten für die Stunksitzung gibt - Bruder kämpft gegen Bruder, Söhne verkaufen ihre Väter - und es gab ganze ZWEI Exemplare. Meine Lebensabschnittsbevollmächtigte konnte gerade ein Exemplar erhaschen, ein zweites schnappte ihr eine andere Kundin im Zeitschriftenladen in der Südstadt weg, die überhaupt noch nicht dran war und sich erst gar nicht dafür interessiert hatte... Aber sie hat ja auch als einzige Person, die ich kenne, neulich einen Karnevalsorden bekommen! Wir gingen nicht in die Stunksitzung, sondern konnten ganz regulär vor ein-zwei Wochen Karten für das Divertissementschen bekommen, auch "Zillschen" genannt (von "Verzäll", Erzählung), diesmal zum Thema "Diva im Opernsänger-Altersheim"), da treten der Kölner Männergesangverein und die Bühnenarbeiter der Stadt Köln als Damen verkleidet, darunter übrigens auch solche mit Migrationshintergrund, mit Ballettschuhen und Tütü in Erscheinung. Ich habe das Schlussbild abgelichtet, leider ist nicht viel drauf zu erkennen, anschließend fotografierte ich noch das Ausverkauft-Schild (als hätte es da hunderttausend Exemplare gegeben!): es hing seit 21.1., 6.00 am Bahnhofs-Zeitschriftenhandel zwischen treffenden Schlagzeilen im Rentnerblatt ZEIT ("Wofür wir kämpfen müssen") und im liberal-academics-Nachwuchsorgan LEO ("Wieviel Ordnung muss sein?").

    Immerhin hatte sich die Sympathie für das satirische Blatt und seine grausam ermordeten Zeichner, Lektoren und Mitarbeiter schon in der Woche des Attentats bis hierher herumgesprochen, denn in der Nachbarschaft hatte jemand mit Goldlack eine derzeit unbenutzte, weiß abgeklebte Litfaßsäule zur Solidaritätsbekundung besprüht, im Gedenken hoffentlich auch an die hingerichteten Polizisten und die Besucher des koscheren Supermarkts. Besonders gut gefällt mir das Herzchen mit dem Ausrufezeichen, das hat so etwas Entschlossenes, fast Militantes wie der Bleistift, der auf dem Hebdo-Karnevalswagen in die Gewehrmündung gestopft wird. Heb do Charlie? Denn hebb' ick GlückIch finde es ja faszinierend, wenn ausgerechnet hier in dem ödesten Viertel am Stadtrand so ein Spruch auftaucht, während Zehntausende (angeblich) in Tadschikistan gegen die neue Ausgabe von Charlie Hebdo protestieren (das dortige Pressegrosso dürfte mafiös gut organisiert sein) und tödliche Vergeltung fordern, weil nicht alle an denselben Quark glauben, den man ihnen nach Entnahme des Hirns hinter die Stirn gefüllt hat. Es ist doch ein Zeichen übler Schwäche einer Religion, wenn sich deren Anhänger mehr dafür interessieren, ob sich in tausend Kilometern Entfernung jemand über ihre Religion lustig macht. Wie kann eine Karikatur, und dazu noch so eine schöne, versöhnliche wie die auf dem neuen Charlie-Hebdo-Cover, einen "im Glauben gefestigten" Charakter beleidigen? Charlie-SprühherzDas müssen ja sehr wankelmütige Jünger sein, die sich von so etwas behelligen lassen. Mein Eindruck als Glövenix: die Christen sind stärker, sie haben gemerkt, dass es so nicht geht, und ihre Ansprüche aufs Alleinseligmachen in den letzten Jahrzehnten etwas zurückgeschraubt. Allerdings sind sie ja in ihrer unerschütterlichen institutionellen Machtstellung hierzulande nicht bedroht, das sind aber die nicht ganz ohnmächtigen Imame ebensowenig ("'Islamkonferenz"!). Alle möglichen Idiotenclubs samt Anführern und Einpeitschern werden fraglos als notwendig und staatserhaltend geadelt, was ich gar nicht begreifen kann, da kann man doch auch Nudistenvereine und Cosplay-Kostümierte mit dem Segen staatlichen Kirchensteuereinzugs, Subventionen und Sonderrechten fördern. Die allerstärksten aber, das sei euch Frömmlern zugerufen, sind die über alles erhabenen Atheisten. Über die dürfen sich nämlich alle anderen lustig machen, wie neulich ein Faz-Kommentator schrieb, die könne man ja nicht verletzen, denen sei gar nichts heilig. Na, wenn dieser Schreiberling das genau weiß...! Aber eins weiß ich, meine Interessen und Vorlieben, meinentwegen "Heiligtümer" sind so beschaffen, dass es mir am Allerwertsten vorbeigeht, wie die strohdoofe Nachbarin im 2. Stock oben links davon denkt; nichts könnte mir gleichgültiger sein als die Entdeckung eines Stammes in Papua-Neuguinea, der meine "Propheten" veralbert, oder die Überlegung, man könne sich in Witzblättern z. B. kanadischer Eskimos Matjes Carpacciogourmets über mich bzw. meine religiösen Gefühle schlapplachen.

     


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  • Bras dessus, bras dessous

    Frankreich? "In Frankreich ist das Volk der Souverain", sagte im Februar 1848 ein Stammgast der Berliner Salons, "und Louis-Philippe nur der König." Und der Souverän hat sich ja kraftvoll zu Wort gemeldet. Dieser Souverän hat sich erst selbst zu einer Massenkundgebung aufgerufen und ist kurzerhand ohne Leibwächter hingegangen, am Donnerstagabend, als die schießwütigen Dumpfbacken noch immer Fluchtautos wechselten und erst nord-, dann südwärts fuhren. Wer hätte den Souverän auch schützen können, z. B. vor einem Selbstmordkommando mit Sprengstoffgürtel? Und am Sonntag ist der Souverän großzügig genug gewesen, seinem kurzfristigen Stellvertreter im Elyseepalast ein weiteres Stelldichein am Republikplatz zu gewähren. Der lief in den letzten Tagen zu ganz großer staatstragender Form auf  (wie Helmut Schmidt nach Mogadischu - SPIEGEL-Titel: "Der bewunderte Deutsche" -, als sich die Terroristen, teils mit Nachhilfe, selbst aus dem Weg geräumt hatten). Helmut Schmidt machte damals den Feldwebel, anders kann er nicht. Hollande, der Sparkassendirektor, machte sich gut als Chef des Krisenstabs. Wenn ich mir die Riege der Spitzenpolitiker angucke, die zum Ausklang des Wochenendes auf dem Weg zur Place de la République einen hübschen Cancan zu tanzen schienen, muss ich an meine Schulzeit denken, da machten wir sowas unter Absingen des Marschliedes, nee, nicht der Marseillaise (ein dämlicher Kommentator behauptete, das sei die Hymne der Meinungsfreiheit, allerdings finden sich darin auch gewaltverherrlichende Zeilen wie "unreines Blut tränke unsere Furchen!", das hätte man in Deutschland längst bereinigt), sondern als Kinder sangen wir mit hämmerndem Rhythmus: "Wir sind dumm, wir rennen alle um!"Bras dessus, bras dessous Leider schwangen die Anzugträger nicht auch noch die Stelzbeine, dafür war der Altersdurchschnitt denn doch zu hoch, nicht mal einen zünftigen preußischen Stechschitt konnte man aus der Regierungschefriege erwarten. Vorn sah es daher ein bißchen nach Sylvester oder Karnevalszug aus, mit Schunkel-Polonäse der Heiligen Familie Europas, Mutti und Papi in der Mitte, extrem weit auseinander die verfeindeten Zwillinge Ishmael (call me Abbas, not Ahab) und Israel (Netanjahu hätte die französischen Juden ja am liebsten gleich mit nach Hause genommen, nach Netanya - immerhin die Stadt, die seinen Namen trägt), dazwischen der Schwager aus Polen und der allen peinliche Onkel aus Mali, nicht ohne seinen Cowboyhut. Was machte eigentlich der glücklich abgewählte Sarkozy mittendrin? lautete die Rätselfrage "wer passt nicht in die Reihe?" Diesen besonderen Moment, wo diese Menschenkette abgestimmt stehen bleiben musste, dirigierte Hollande wie ein Tanzmeister (wie Zach aus A Chorus Line) - das hätt' ich untertitelt mit: "Ich werde euch aufrütteln und sehen, wer ihr wirklich seid, undisziplinierte Bande!" Etwas Strenge musste sein, versteht sich, damit die Oberhäupter nicht wie im Slapstick-Film durcheinanderpurzeln. Habt ihr auf dem Foto mal die Gesichter der Bodyguards in der zweiten Reihe angeguckt? Da waren echte Charakterdarsteller darunter, abgebrühte Schurkentypen, jeder von ihnen wert, als Statist einer "Paten"-Filmserie hinten im Ambulanzwagen zu sitzen, mit Schlips und schwarzen Anzügen armiert und mit entsprechenden Geigenkästen, hier wirkten sie etwas unbeschäftigt, was sollten sie machen, wenn von vorn das Feuer eröffnet worden wäre, hätten ihre Auftraggeber den Kugelhagel für sie abgefangen. Dem Souverän hat der Zirkus nichts ausgemacht, diese Polonäse hat er geduldet. Einigen der Teilnehmer wurde recht flau ums Herz. Unsern Vizekanzler sah man später zerknautscht; seine Miene wie versteinert (ein bißchen wie bei Helmut Kohl nach dem Schlaganfall, war Gabriel der staatstragende Gesichtsausdruck vor lauter Übung stehengeblieben). Er stand neben der dummes Zeug faselnden Merkel (sie sei stolz, "das" zu unterstützen, und dass wir nach all den geschichtlichen Ereignissen Freunde Frankreichs sind und in diesen schweren Stunden an der Seite aller Menschen in Frankreich stehen), und durfte ihr nicht ins Wort fallen. Der deutsche Innenminister mit dem Hugenottennamen sagte heute früh im Radio, es wäre eine warme (!), schön-traurige Atmosphäre gewesen, (ganz anders als bei der cold-blodded Innenminsterkonferenz, weil die Landespolizeien ihre Daten auf Vorrat sammeln wollen und der Justizminister, bei allen sonstigen Verschärfungen, da Bedenken hat) und Mutti schmiegte sich sogar auf einem Foto mit geschlossenen Augen an Papis starke Brust, so hält zusammen, was zusammen abhört. Ich weiß ja nicht, was am Mittwoch in Charlie-Hebdo zu lesen ist, das aber sähe zumindest ich gern karikiert!

     

    "Der Patriotismus des Franzosen besteht darin daß sein Herz erwärmt wird, durch diese Wärme sich ausdehBras dessus, bras dessousnt, sich erweitert, daß es nicht mehr bloß die nächsten Angehörigen, sondern ganz Frankreich, das ganze Land der Civilisazion, mit seiner Liebe umfaßt; der Patriotismus des Deutschen hingegen besteht darin daß sein Herz enger wird, daß es sich zusammenzieht wie Leder in der Kälte, daß er das Fremdländische haßt, daß er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Teutscher seyn will." (Heinrich Heine)

    "Faudrait pas oublier qu' ça descend dans la rue
    Les anarchistes
    Ils ont un drapeau noir
    En berne sur l'Espoir
    Et la mélancolieBras dessus, bras dessous
    Pour traîner dans la vie
    Des couteaux pour trancher
    Le pain de l'Amitié
    Et des armes rouillées
    Pour ne pas oublier
    Qu'y'en a pas un sur cent et qu' pourtant ils existent
    Et qu'ils se tiennent bien bras dessus bras dessous
    Joyeux et c'est pour ça qu'ils sont toujours debout..." (Leo Ferré)


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