• Neueste Geschicht-Klytterung

    Gestern früh hatte der DLF eine Hörerdiskussion, in der man sehr schön die Bildung einer Geschichtsklitterung wahrnehmen konnte. Da wurde nämlich ein ums andere Mal von gewieften Experten und tumben Hörern der Bayrische Ministerpräsident Söder belobigt, weil er "aller Kritik zum Trotz" so einschneidende Maßnahmen im Alleingang schon so früh, ohne Rücksprache mit anderen Ländern durchgeführt habe. Pustekuchen. Die wirklich einschneidenden Maßnahmen wurden zuerst in NRW durchgeführt, und zwar im Kreis Heinsberg, Totalblockade und Ausgangssperre. Ob die sich damals abgesprochen haben mit Kollegen Söder? Ich möchte es bezweifeln, es war indiskutabel und die einzig sinnvolle Maßnahme. Dann fingen andere Städte, u. a. Leverkusen damit an, die Leute anzuweisen, zu Hause zu bleiben, und unsere Bürgermeisterin Reker hier verabschiedete sich ebenfalls in die Quarantäne mit einschneidenden Maßnahmen wie Lädenschließung, Restaurant-, Kneipen-, Kindoschließung, Versammlungsverbot für Gruppen, das zuerst natürlich nicht überall streng eingehalten wurde, weshalb man das Wasserpfeifenrauchen etc. in der  Öffentlichkeit noch besonders verboten und die Ordnungskräfte zum Eingreifen angewesen hat. Zu der Zeit grillten die Münchner noch im englischen Garten und in der allgemeinen Stammtischseligkeit bayerischer Bierstuben hat es garantiert keine "Kontaktverbote" gegeben. Selbst als Söder dergleichen verkündete, war die Gruppenbildung bis zu sechsen noch durchaus erlaubt. Der Mann hat allerdings dann den "Notstand für Bayern" ausgerufen, das ist verfassungsrechtlich höchst bedenklich, sollte man in einem föderativen Vereinsstaat nicht ohne Rücksprache mit den anderen Ministerpräsidenten tun. Dafür wurde er in der sog. "Schalte" denn auch von seinen Ministerpräsidentenkollegen gescholten, nicht wegen früh begonnener Maßnahmen, die, wie gesagt, der angebliche Cunctator Laschet hier sehr wohl hat früher anordnen lassen.

    Neueste Geschicht-Klytterung

    Inzwischen entwickelt sich eine sonderbare Folklore, jeder scheint sein eigenes Entseuchungsprogramm zu vollziehen. 1, 50 m Abstand sollten genügen, um sich nicht gegenseitig anzuspucken. Steht man aber hier vor einer Kettenbäckerei an, bilden Kinderwagenmuttis eine Phalanx, Neueste Geschicht-Klytterungwelche die Wartenden mindestens 4 Meter auseinanderhält, und mit flackernder Panik in den Augen scheuchen sie jeden, der da durch will, weg, während ihre älteren Sprößlinge auf dem Bürgersteig herumbalgen und beim Nachlaufen-Abklatschen alles anfassen was in der Nähe ist. Eine entfernte Bekannte hat sich im Pfälzerwald mit Freunden getroffen auf... 5 Meter Abstand! Mitten im Wald! Und sich gegenseitig zugebrüllt, was man sich so erzählt in diesen Zeiten. Vermutlich durch Mundschutz abgedimmt. Wieder andere sollen ihre Lebensmittel, besonders Obst und Gemüse und Brot, nur noch und ausschließlich in Plastik verpackt kaufen, das war noch vor kurzem verpönt. DANN Neueste Geschicht-Klytterungkommt das Lebensmittel erst in Quarantäne, für 78 Stunden im Keller (die Kühle, konserviert die nicht?) in der Hoffnung, Erreger seien dann abgetötet. Dann werden sie weiterverarbeitet, egal ob Schalenobst oder Kartoffeln, mit desinfiziertem Gerät.

    Im grünen Bereich, "wo mehr als zwei in meinem Namen zusammenstehen, soll der Heilige Dreiteufelsnamen dazwischenfahren", das scheint zu funktionieren. Im Park patrouillieren ab und zu Polizeifahrzeuge ("treiben die Gruppen mit Gummiknüppeln auseinander"? nee, das nun nicht). Die Hundehalter im Großraum unseres Viertels, das dafür verrufen ist, machen sich indessen auf den Wegen und Bürgersteigen breit, Ausweichen unmöglich, Alternative auf die Fahrbahn ausweichen ist auch nicht so mein Fall. Muffig ziehen die meisten ihre endllos-Leinen an, wenn man beherzt auf sie zu geht, mitunter werden sie wie gewohnt ausfällig, dann zücke ich mein Taschentuch und schneuze mich ausnehmend. So hab ich mir heute den Weg durch ersterbendes Hüsteln zur Apotheke freigebahnt. Die Hunde und Katzenviecher haben das Zeug am Fell, wenn man Pech hat, weil jeder Idiot sie krault (gestern eine herumstreundende Katze in unserer Straße, die gehört zu jemandem, der sie abends frei herumlaufen lässt, ein Passant tätschelte sie im Vorbeigehen, das würde ich derzeit eher lassen - er wird wohl wissen, was sie oder er sich dabei einfängt.) Die Mitmenschen haben wenigstens Kleider an, wenn sie einen touchieren!

    historische zeitungEine Freundin schreibt aus Lausanne, dass dort 65-jährige ganz zu Haus bleiben sollen, hehe, das wäre bei mir bald der Fall. Allerdings arbeitet die Freundin bei einem über 90jährigen Strafverteidiger als Bürokraft, der immer noch mit dem Fahrrad ins Büro hechtet und keinerlei Anzechen von Erschlaffung bemerken lässt.

    Eine andere Freundin schreibt aus (Süd)-Italien: "Die Tschechen haben eine Riesenlieferung aus China nach Italien an Schutzmasken, Beatmungsgeräten usw. geklaut, da stand auf chinesisch 'Forza Italia!' drauf, mit Nationalflaggen und allem. Die reden sich jetzt raus, sie würden das untersuchen, und haben eine kleine Lieferung aus dem eigenen Land nach Italien geschickt. Das macht sich wirklich schlecht, genauso wie die 'Pizza Corona' aus dem frz. Satiremagazin, was sofort unterbunden wurde. Hier lacht man schon lange nicht mehr. Um 18 Uhr täglich erklingt die Nationalhymne per Lautsprecher (hier sehr heiser!), dann folgt eine Opernarie und irgendeine Melodie, mit der man sich identifizieren kann ('Il silenzio', 'Azzuro' oder sowas), um die Solidarität zwischen den vereinzelt in ihrer Wohnung Lebenden zu fördern. Ich nehme an, daß es noch länger dauern wird. Gestern Abend war hier in etwa 300-400 Meter Entfernung Luftlinie etwas sehr Eigenartiges zu beobachten: dort liegt eine Wiese o.ä. neben einer Villa (Privatstraße), die taghell mit Generatoren erleuchtet wurde, deren Abgase bis zu unserer Küche drangen. Weißgekleidete machten dort anscheinend eine Tatortuntersuchung, man sah rotweißes Absperrband, das Ganze dauerte bis Mitternacht. Ein Toter? Waffendepot?"
     

  • Commentaires

    1
    Jeudi 26 Mars à 09:38

    Das klingt gruselig. Vielleicht hat man dort ein Massengrab ausgehoben? Die Suchen nach geeigneten Flächen gehört bestimmt überall zu den getroffenen Maßnahmen.

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