• Michel Tournier

    Nun ist der einzige Goncourt-Preisträger gestorben - nein, der Name wird nicht wie Turnier ausgesprochen! - , den ich je übersetzt habe, und einer der wenigen ernstzunehmenden Autoren. Schade. Er hatte einen vorzüglichen Stil, aber auch klare Gedanken. Er liebte Deutschland und er verstand es auch ganz gut, glaube ich. Die meisten Franzosen, so mein Eindruck, haben eher verschwurbelte Vorstellungen von deutscher Kultur, Heine ist ihnen Franzose, was wir hier haben, reicht vom Rheingold über Heidegger gleich zu Ernst Jünger und Leni Riefenstahl. Dieses Klischee hat auch er bedient, aber sich zugleich lustig darüber gemacht, so mein Eindruck. Die Deutschen amüsierten ihn, er machte Clownerien aus ihren Mythen, das haben ihm manche nicht verziehen, die es eher sehr ernst angehen mit der Vergangenheitsbewältigung. Er konnte, heißt es, die letzten Monate schon nicht mehr allein leben, ist immer wieder gestürzt und hatte keine Lust mehr - so sein Patensohn, er hatte keine Familie.

    Seinen Erlkönig habe ich gelesen, aber nicht viel mehr, wie ich zugeben muss. Und natürlich den kleinen Essay, mit dem ich beruflich zu tun hatte.


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  • Commentaires

    1
    Dimanche 24 Janvier 2016 à 13:37

    Seinen autobiographischen Versuch "Der Wind Paraklet" beginnt Tournier mit dem Einzug der Preußen 1871 in das Dorf seines Großvaters. Allerdings ist es in der Beschreibung ein Musikzug, woraus sich diese hübsche Stelle ergibt:

    "Sein fünf Jahre älterer Bruder Gustave machte sich die leidige Situation, unter fremder Besatzung zu leben, vielmehr zunutze: Er schloss Freundschaft mit dem Flötisten des Musikzugs und ließ sich von ihm in die Anfangsgründe des Deutschen und der Musik einführen. Auf diesen Ursprung geht eine zwiefache Tradition zurück, der die Familie bis heute treu geblieben ist: Flötenspiel und Germanistik."

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