• "...mein Gott, klingt das fies" (Pigor/Eichhorn, Hauptbahnhof von Paris)

    Raus mit der Sprache? Reden Sie sich's von der Seele? Echt? Dann macht euch auf was gefasst! Na schön. Ihr wollt's ja nicht anders. Also denn: Ich habe: kein Handy, keine Armbanduhr, keinen iPod, kein iPad und kein iTunes oder wie die Dinger heißen mögen,Schiller-Gedenktafel im Mergentheimer Schlossgarten kein eBook, kein knieBook, kein eyeBook, kein schreiBook (wohl Schreibbücher) und keinen XXL-BildAeppel Store, Köln Fotosschirm am Fernseher (dass wir uns nicht missverstehen: das soll kein Wink mit dem Weihnachtspfahl sein, ich will das nicht haben und würde auch nicht nächtelang vor dem Erstverkauf bei irgendwelchen Obstgeschäften kampieren, um solche Geräte als erster zu kriegen!), und das Allerschlimmste: Ich habe kein satellitengestütztes Global-Positioning-System-Navigationsgerät, vulgo "Navi". So ist es nun mal und basta.
    (Dieses Foto rechts von unserem Sülzer Aeppel Store wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt.)
    Bitte, schießt mich tot, aber ich brauch das nicht. Ich hab auch die Modetorheiten der Tamagochis, der Quadrophonie-Lautsprechersysteme und der zusätzlichen Bremslichter in der Heckscheibe übersprungen, und zwar, weil ich, jawohl!, die Hutablage für meinen alten Hut freihalten wollte. Denn erstens gehört mir nur ein halbes Auto, mit dem ich nur selten fahre, und zweitens kann ich mir die paar Strecken, die ich kenne, auch noch so merken und für die seltenen anderen gibt es ja noch immer Straßenkarten und Stadtpläne. Ich weiß wohl, dass es die sprechenden Alternaviten mit den meist weiblichen, wohlmodulierten Stimmen gibt (wer die nicht mag, kann sich den John-Wayne-Synchronisator oder Marcel Reich-Ranicki draufschaffen), die den vorwiegend männlichen Autofahrern mindestens ein- bis zweimal am Tag versichern: "Sie haben Ihr Ziel erreicht!", was ja immerhin ein gewisser Trost sein kann in den Fährnissen des Alltags. Bevor ich eine Zeile riech', die nicht auf einen Reichen zielt, wird eher noch ein Ziel erreicht, das mir den richtigen Riecher zeicht, äh - okay, nicht lustig. Neulich passierte mir aber mal ausnahmsweise etwasHandywerbung Globuskopf Lustiges. Ich war als Beifahrer im PKW einer Bekannten unterwegs, die mit Navi fährt, und zwar durch den Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim, u. a. um die Schlosskirche zu sehen, und als wir wieder aufbrechen wollten, führte uns das Navi in die "Viehskowstraße", mit hartem F-f im Anlaut, wie Virchow, Volkow (Hirnforscherin und Urenkelin von Trotzki), Volker, Volkswagen und andre Namen ("Sie sagen ja auch nicht Water zu Ihrem Vater", meinte Karl ff-Valentin dazu). Und mit langem Dehn-o im Auslaut, den ich spontan mit w schreiben würde. Preußisch-pommersch-meckl-brandenburgische Adlige, über die schon Fontane seine Kalauer reimte, die aus Mecklenburg-Vorpommern stammen und zwischen Güstrow, Altentreptow, Buckow und Basedow aufgewachsen sind und beim Italiener kellnern, schreiben laut Titanic ja auch ganz gern ein »heute Spaghetti mit Pestow« auf die Stelltafeln vor dem Eingang. Viehskow, Viehskow, ich zermarterte mir das Hirn, sollte etwa Johann Daniel Viehskow (1586-1627) gemeint sein, der Erfinder des Impfserums gegen die lilagepunktete Bartflechte, oder Heinrich Wilhelm Viehskow (1852-1907), der Entdecker der merowingischen Stieftantengräber in Abbayé-sur-Thélème? Oder war die Straße eventuell nach beiden Trägern benannt? An dem f-Anlaut war auch nichts auszusetzen, ebensowenig am o-Auslaut, aber Oggersheim,Schiller-Tafel in Adelsheim wo Dr. Helmut Kohl residierte, bevor er erst zum Zar und dann zum Zombie wurde, ist nun mal Zufluchtsort des Dichtertitanen Schiller gewesen bei seiner Flucht vor dem Landesherrn von Württemberg. Schiller hat auch ein Stück geschrieben über den Aufstand gegen die Herrschaft des Andrea Doria in Genua, wobei der anfangs erfolgreiche Rebell, der im weiteren Verlauf des Dramas versehentlich seine Frau erdolcht, weil sie einen Purpurmantel trägt (das ist der Mantel der Geschichte, in diesem Fall aber wirklich, während es bei Kohl und Gorbatschoff Strickjacken waren), den er dann selbst anzieht, auf eine Gondel steigt, ins Wasser fällt (bzw. geschubst wird, bei Schiller, sonst wär die Geschichte mit dem Mantel der Geschichte gar zu grausam-zufällig - war er nicht sogar darüber gestolpert?) und vom Gewichte des vollgesogenen Purpurgeschichte auf den Grund der Lagune gezogen wird - ein echtes Fiasko! Deswegen heißt der Kerl wohl auch so, Fiesco zu Genua, nur mit e gesprochen und zwar diphtongisch (denkt euch ein Trema über dem e): Fie - jäss - koh. So und nicht anders spricht sich das aus. Das wurde aber der Navi-Stimme von den Programmierern nicht beigebracht, die Dame sagt "biegen Sie jetzt rechts in die Viehskowstraße", und wer's nicht glaubt, bitte, fahrt nach 67071 Ludwigshafen am Rhein und tippt vorher die Fi-eskostraße ein!


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  • Commentaires

    1
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mardi 26 Février 2013 à 12:49

    Jawohl, Armbanduhren sind Teufelswerk.

    2
    Mardi 26 Février 2013 à 13:47

    Sie haben Ihr Ziel erreicht!

    3
    Mardi 5 Mars 2013 à 22:06

    Ich würde ja gerne anrufen, habe aber noch nicht rausgefunden, wie mein neues iTel funktioniert.

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