• Isola Bella

    Überreif für die Insel, mieteten wir den teuren "Dauerparkplatz" hinter einer schon zugeparkten Halle in Neuharlingersiel (alle hafenwärts gelegenen Asphaltnischen waren "Tagesparkplätze" und mit der Warnung versehen, sie seien nicht hochwassergesichert) Fähre nach Spiekeroogund nahmen die Fähre, die seit 1979 zwischen Fest- und Flüssigland hin und her webt. Zu Fuß wär's schneller gewesen - dreieinhalb Kilometer waren in gut 45 Minuten bewältigt, plus je 20 Min Zeit zum entern und derbarkieren, alles mit Umsicht und Muße, und ausreichend Rettungsringen an der Reling, falls einen der blanke Hans beim Hemdzipfel packt! Baujahr 1979Denn so harmlos die Untiefen mit ihren vielen Sandbänken voller Vogelmist aussehen, seefahrtstechnisch ist der Pril kein Pappenstiel und zwischen den Wanderdünen muss der Käpt'n wohl ziemlich eiern, um immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel zu kriegen. Spiekeroog ist eine autofreie Insel, auf der nur ein paar Elektrotaxis für Behindertentransport und, leider! auch Baufahrzeuge erlaubt sind. Radeln nur auf speziell zugewiesenen Wegen zu bestimmten Zeiten. Daher zieht jeder Ankömmling erstmal seinen Karren selber aus dem Dreck, in den ihn die jeweilige Pension am Hafen bereitgestellt hat. Für die Rollkoffer ist das Kopfsteinpflaster eher ungeeignet, es sei denn, man möchte die Räder gern anschließend von Pferdemist reinigen oder gar neu anmontieren. Aber die Karren sind ganz schön zugkräftig. Übrigens darf man während der Überfahrt seinen Krempel nicht in der Hand halten, wie die Auswanderer in der Unter-Deck-Klasse auf den Übersee-Windjammern, Koffer-Container vor der Fähresondern muss die Gepäckstücke in Container unterbringen, die dann vom Gabelstapelfahrer mit der Stapelgabel einzeln in den Frachtraum gehievt werden - sehr langwieriges Verfahren, aber im Fall einer Massenpanik an Deck möchte ich nicht gern über Rucksäcke, Vogelbauer oder Schrankkoffer klettern müssen. Wir hatten uns natürlich bei einer - unfern der Ausfahrt am "Ostfriesen-Spieß" gelegenen - Aldi-Nord-Filiale für's Wochenende eingedeckt, aber auch der Edeka-Laden mit den inseltyKarrenparade am Hafen von Spiekeroogpischen Phantasiepreisen war noch auf, so dass wir bestens regaliert unsere ersten 72 Stunden aushielten. Was die berühmt-berüchtigten Krabbenbrötchen betrifft, bin ich skeptisch, weil die Tierchen bekanntlich nach dem Fang tiefgefroren, über das Kap der guten Hoffnung nach Südkorea geschleust, um in Polen ausgepuhlt und zurück in Norddeutschland als taufrisch angeboten zu werden (woraus die Brötchen und die Streich-Emulsion bestehen, will ich gar nicht wissen). Aber bei einem Fischrestaurant gab es einen Verkaufsstand, der übrigens bis 21.00 geöffnet hatte (wie es hier auch keine Wochenenden, kein Allerheiligen und kein Reformationsfest gibt - sind halt Inselfriesen). Da haben wir uns ein paar Tage später auch mal ein Seelachsfilet geholt.

    Sonnenuntergang auf SpiekeroogNeun Uhr, da war es natürlich längst finster, aber die Sonnenuntergänge hielten lange vor und mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, ein oder zwei Nieselregen, ansonsten alles trocken bis sonnig. Und natürlich galten unsere ersten Ausflüge den Stränden, die pompös breit und jedenfalls abends fast menschenleer sind. Wobei der Anblick speziell von Menschenkindern mich an einen englischen Bekannten erinnert, der direkt am Wasser lebt und beim Spaziergang über Seaside-Promenade erklärte, wie seltsam und des Nachdenkens wert es doch eigentlich sei, daß egal welchen Alters, Fußball am StrandKinder am Strand immer genau wissen, was dort zu tun ist... Natüprlich haben auch Erwachsene ihr festes Programm. Während Franzosen immer mit irgendwelchen Köchern versuchen, Kleintiere zu fangen, oder andere Anlässe suchen, im seichten Wasser herumzuplantschen, absolviert der pflichtbewußte Deutsche sein Schwimmtraining, ersatzweise im Winter seinen Nordic-Walking-Parcours.Nordic Walking am Strand von Spiekeroog Haben wir alles nicht gemacht, wir sind nur von einem Ende der Insel zum anderen im gemächlichen Schlendergang gewandert, kurz vor der Abreise haben wir allerdings auch noch Erntefeldzüge beim Sanddorn unternommen, um (zu Hause) leckere Marmelade aus den sauren Vitamingranaten zu kochen. Das wunderschön gelegene Apartement am äußersten Ortsrand "up de Dünen" war bequem und mit allen Annehmlichkeiten versehen, z. B. einer Packung Sandkekse, die vermutlich von den Vormietern hinterlassen worden war ebenso wie die erkleckliche Anzahl von Kitschromanen, unter denen ich allerdings von Jonathan Safran Foer diesen Shtetl-Seller, Alles erleuchtet ausguckte. (Später stellte sich heraus, dass es eine "Vertrauensbibliothek" in der Kirche gibt, allerdings mit vielem geschmacklosen Kram aus den 1950er-Jahren, und dass auch der Lesesaal im Kurpavillon neben frischen Zeitungen Touristenlektüre zum Entleihen führt) Die Schrägdachfensterluken waren zwar etwas seltsam flach in das Dach eingelassen (zum Durchgucken mußte man sich regelrecht reinzwängen),Kinder am Strand von Spiekeroog aber Verdunkelung war kein Problem und so konnten wir die erste Nacht auf meerumspültem Eiland ruhig und traumlos verbringen.


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