• Fütterung der Bestien

    Eins haben wir uns geschworen, als wir hier eingezogen sind: wir schreiben keine Anschlagzettelchen ins Treppenhaus, auch wenn die Finger noch so sehr jucken. Nein, nein, nein. - Das hier gern praktizierte Aufhängen von Wandzeitungs-Anklagen, Denunziatiönchen, gereimten oder ungereimten Verweisen auf die Hausordnung oder dgl. sparen wir uns, wir schreiben nichts dazu und nichts dagegen und gehen auch sonst nicht weiter darauf ein. Ich bin gewohnt, die Leute anzusprechen, die etwas machen, was mir nicht passt und erwarte, dass die das auch mit mir so machen. - Hinwiederum habe ich gar nichts dagegen, derartigen Kollektivnachrichten die nötige Publizität zu verleihen, und helfe gerne praktisch mit, wo ich kann, dieser Blog ist dafür ideal! Heute erreichte uns ein Rundbrief (also kein Briefgeheimnis) des Eigentümers, einer Genossenschaft, über dessen Anlass bzw. eigentlicher Urheberschaft kein Zweifel herrscht. Es wohnen hier alte Damen, die sich vor zweierlei ängstigen: vor herumstreunenden Füchsen und vor abgeschlossenen Hoftüren. Man könnte meinen, die beiden Ängste sind inkompatibel, und der Paradoxie ist die Genossenschaft sogar schon auf den Leim gegangen, indem sie einen Wandzettel aufgehangen eichhorn nahhat, der das ordentliche Verschließen der Hoftür zur Pflicht machte, damit keine Ratten, Einbrecher etc. in den Keller eindringen und ggf. die Altmöbel stehlen oder annagen, Möbel, die von denselben Leuten dort abgestellt sind und die von allen Mietern genutzten Räume blockieren, Fahrradkeller, Flur etc. Dann wurde dieser Anschlag sogar noch einmal korrigiert und neu laminiert (und der alte in den Müll geworfen) und dazu geschrieben, "schließen und nicht abschließen", ich holte den ersten wieder aus dem Müll und hing ihn anderswohin, damit die Paradoxie auch schön erhalten bleibe, jetzt steht da beides. Die Hausbewohner haben, das merkt man immer wieder, etwas gegen uns Neumieter, und wir ignorieren sie so gut es geht (ich grüße auch nicht mehr), werden aber von ihnen nicht ignoriert. AmselZ. B. ist ihnen aufgefallen, dass wir recht viel Vogelbesuch an unserm Balkon haben und nun haben sie ein Vogel-Fütterungsverbot erwirkt! Das musste natürlich auf neurotischen Umwegen geschehen und dazu diente ein (unseres Wissens nach familienloser) Fuchs, der hier ab und zu vorbeischaut - es gibt deren einige im nahegelegenen Grüngürtel -, der also keineswegs hier seßhaft ist oder wohnt - und sich dabei nicht das Fell über die Ohren zieht. (Was das Vogelfüttern mit dem Fuchs zu tun hat?, keine Ahnung, lest es selbst nach. Ich hab den Fuchs in 3 Jahren höchstens 2-3x gesehen, nachts, besonders zutraulich war er dabei nicht...) Einmal saßen wir auf dem Balkon, da schrie eine der besagten Damen einer andere Passantin zu, sie solle auf keinen Fall den Fuchs füttern! Die wusste gar nicht, wie ihr geschah, aber das war wohl für unsere Ohren bestimmt. Wir füttern aber keine Füchse. Apropos, Was essen Füchse eigentlich so? ich denk mir mal, ein knuspriges, gesund ernährtes Eichhörnchen ist ihnen lieber als ein möglicherweise heruntergebröselter Krümel vom Vogelhäuschen, und jedenfalls leichter für Füchse zu verzehren als die schönste Walnuss oder der Sonnenblumenkern aus dem Meisenring, weshalb aus der Denunziation nunmehr, da wieder Frühling ist, auch kein Walnussfütterverbot geworden isMeisent. Jedenfalls flatterte uns heute also ein Rundbrief ins Haus, der mit Sicherheit von einer der beiden genannten Damen, wohl von derjenigen mit der Türparanoia, denn die hat einen winzigen, neurotisch kläffenden Hund, auf den der Fuchs vielleicht auch einmal Appetit bekäme. Das Rundschreiben ist auch sprachlich von überraschender Eleganz und rhetorischem Geschick, allein die Exposition, dann die rührende Information der Stadtverwaltung über die Zutraulichkeit der Füchse und dann der Holzhammer - peng! - das Verbot, nach gutsherrlicher Fürstenart "in unseren Liegenschaften", Ausrufezeichen einbezogen. Dass ich nicht lache! Unser Balkon und die Terrasse nach vorn gehören nicht zu "deren" Liegenschaften, sondern zu meinen, basta. Gut, wenn ein Eichhörnchen eine Nuss (oder eine Karottenscheibe) vom Balkon mitnimmt und irgendwo anders fallen lässt, Fütterung der Bestiensollen sie doch das Eichhorn kreuzigen! Und rein zufällig, als das Schreiben vorlag und wir noch darüber ablästerten, sahen wir wieder einen dieser Garagenheinis, so ein etwas tüddeliger Opa, der nicht mal mehr aufrecht gehen, aber noch Motorrad fahren kann (und seine Speichen mit dem Pfeifenreiniger jeden Frühjahr säubert) an den Bretterzaun im Hof pinkeln, ich brüllte lautstark vom Balkon, er soll hochkommen und hier unser Klo benutzen, er rief aber, es wär schon zu spät usw., ich empfing ihn noch an der tagsüber unverschlossenen Hoftür und machte ihm gehörig Streß, damit er es vielleicht künftig unterlässt. Bei anderer Gelegenheit hat er das Angebot angenommen und kam bei uns pinkeln. karotten schmecken gutDa seht ihr mal, in was für einem Soziotop hier wohnen - Hundehalter lassen ihre Viecher leinenfrei auf der Vorgartenwiese abkacken, oder wenn das nicht, dampft der Uringestank in Schwaden auf unsere Terrasse, in den küchenseitigen Hinterhof pissen ungeniert die Garagenbesitzer ("Es war doch nur klein", sagte der Alte frech zu mir, als würde er erforderlichenfalls auch noch einen Haufen hinklecken!), und unser Vogelfüttern soll verboten werden, damit der Fuchs niemanden beißt. Wir werden uns jedenfalls nicht vom Aushängen von Meisenknödeln, Auffüllen von Futterhäuschen, vom täglichen Vergnügen an den possierlichen Eichhörnchen in unserem Futterkasten und dergl. abhalten lassen, da soll erst mal ein Rollkommando der Genossenschaft anrücken und mir das verbieten, ich führe gern den Musterprozess wie der "letzte Raucher", der in Düsseldorf wegen Paffens in der Wohnung bei geschlossener Tür gekündigt werden sollte und sich immer noch seiner vier Wände erfreut. "Das gelegentliche Füttern von Vögeln auf dem Balkon ist grundsätzlich erlaubt", wie sogar der Klub der Millionäre feststellt: "Darauf weist der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland hin. Der Vermieter kann dies nicht vertraglich oder in der Hausordnung untersagen. Auch Vogelhäuser dürfen auf dem Balkon aufgestellt werden." Der für uns zuständige Mieterverein hat das auch auf seiner Webseite stehen. Das Landgericht Berlin hat beispielsweise entschieden (Az.: 65 S 540/09), dass das Füttern von Vögeln sozialadäquat sei und daher nicht die Grenzen des „vertragsmäßigen Gebrauchs“ der Wohnung überschreite. Vogelkot oder Futterreste auf benachbarten Balkonen oder Terrassen ließen sich dabei nicht vermeiden. Und ehrlich, wenn der zutrauliche Fuchs an meine Tür käme und z. B. mein Klo benützen wollte, hätte ich nix dagegen und anschließend sogar auch noch ein Stück Wurst für ihn übrig, denn er hat schließlich keine Tollwut. Also, ihr denuziatorischen Agrizoophoben aller Länder bzw. Etagen, und eure Genossenschafts-Schergen dazu, verkrümelt euch, Fuchs sein fetzt!

     


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