• Friedensprozess erfolgreich abgeschlossen

    Als ich den letzten Blogbeitrag schieb, ahnte ich kein bißchen, was für Sommertage noch auf mich zukommen würden, und das ist auch schon wieder dermaßen lange her, dass selbst der Sommer-Bestandteil schon nicht mehr ganz wahr ist. Von den richtig üblen *§%?!-Tagen fange ich besser nicht erst an, aber dazwischen will ich einen hervorheben. Wir haben schon längere Zeit an unserem heimischen Sprudelwassergerät herumlaboriert, die Flaschen gibt es einfach nicht nachzukaufen, weil das System zum Einschrauben geändert wurde, die letzten dieser Flaschen mit kreuzförmigen (!) Halterungen im Gewinde hatten wir bei Oxfam im Gratis-Korb mitgehen heißen und davon haben wir nur noch eine und die ist auch nicht mehr ganz schön. israelisch-palästinensischer Aufkleber für SodastreamZufällig bot nun eine bekannte Supermarktkette ein Neu-Gerät desselben Herstellers feil, und zwar ein echtes Update (Glas- statt Plastikflaschen) und für nur XXL statt XXXL Euro, zufällig lag der Laden auch in der Nähe des Krankenhauses, so dass ich mit meiner damals bettlägerigen Zuguterletztlebensabschnittspartnerin verabredete, so ein Dings zu kaufen, was denn auch fast problemlos gelang. Es war nämlich sehr groß und musste zu Fuß nach Hause getragen werden. Dort las ich eine umständliche Gebrauchsanleitung und packte alles schön aus, auf der Packung war da ein Kleber, der die Ware als friedliches Koprodukt von Palästinensern und Israelis auswies, ich liebe ja solche Hinweise und zürne meiner Ehefrau noch immer, dass sie den "ökologisch-wertvoll"-Aufkleber (stromverbrauchsarm, Wasserersparnis usw.) sofort von der Waschmaschinenfront abgezurrt hat, statt ihn den übrigen Nutzern der Waschküche stolz und vorbildhaft vorzuzeigen. Hier war nun der Friedenskleber auf der Packung, in Silber und Blau, und ich will ihn euch nicht vorenthalten. Leider wurde nur eine (Glas-)Flasche mitgeliefert, und die fasst nicht ganz dasselbe Volumen Leitungswasser wie die früheren aus Plastik mit dem veralteten Drehsystem, daher beschloss ich, das Zusatzangebot desselben Discounters auch noch zu erwerben, nämlich die Ersatzglasflaschen, die (auch nicht ganz billig) im Doppelpack verkauft wurden. Kurz, anderntags, voller Vorfreude auf die friedliche Sprudel-Mission, gehe ich ca. 7.00 durch eine der stillen Seitenstraßen unseres genossenschaftlichen Viertels und sehe dort, nicht bei der Ko-, sondern bei der Kotproduktion, den Polarhundwelpen und den Nachbarn, der denselben wohl nicht mehr, jedenfalls nicht bei Tageslicht, vor unseren Terrassenbalkon, zugegeben, sondern an die Ecke Dingsheimer zur Dummszwister Straße in einen anderen Vorgarten ausführt. (Viele Friedensprozess erfolgreich abgeschlossenHunde hier haben kein abwechslungsreiches Leben, werden höchstens 10 Schritt straßenauf- oder ab geführt.) Durch diese Straße ging ich neuerdings des öfteren, weil ich das etwa 20 Min entfernte Krankenhaus zweimal am Tag aufsuchte, und zuletzt hatten sich pogromartige Szenen abgespielt. Ich hatte nun ja Gelegenheit, die Wiese vor unseren Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmerfenstern 2 x täglich zu prüfen und Hinterlassenschatfen, die die Hundehalter dort vergessen haben, sorgsam aufzusammeln, mit Hilfe einer pappverstärkten Reklame oder genossenschaftlicher Rundbriefe höchst sozialdemokratisch gerecht auf dem Bürgersteig zu verteilen, so dass die gesamte Front des Hauses genug abbekommt. Seit da auch noch die Verbotsschilder stehen, ist es zwar weniger geworden, aber immer noch genug, dass Passanten, oft Hundehalter, hineintreten, die arglos oder in ihr Handy vertieft ihres Hundes / ihrer Schritte nicht achten, und Schlechtwetter verteilt den braunen Brei, der sonst vor unserer Terrasse schwappen würde, so recht über die ganze Fläche des Bürgersteiges. Nun hatte ich auch noch eine der besonders hartnäckigen Scheißerinnen ertappt, wie sie ihren Wauwau bei der Etagennachbarin vor das Küchenfenster führte, ich kam grade zurück von einem Unfallort, wo ich verspätete Beweissicherung gemacht hatte, und hatte meine Kamera daher schon in der Hand, und fotografierte auch ausgiebig - die Genossenschaft hatte mir anlässlich einer Beschwerde ausdrücklich geraten, das zu tun. Mein Fotoapparat löste heftiges Gezeter bei der Porträtierten, anderntags eine große Hundehalterkonferenz auf derselben Wiesenfläche (die Hunde "kamen zu Potte" dabei), und eben auch das besagte Pogrom in der Dummzwister Straße aus. Ich würde illegal Leute filmen, zudem den Bürgersteig verunreinigen, man werde das Ordnungsamt holen usw. Etwa vier bis fünf Leute beteiligten sich daran, ferner auch das Polarhund-Ehepaar, dessen männliche Hälfte nun wiederum um 7.30 den Polarhundwelpen (ob sie den großen noch haben, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht leben sie von der Hundezucht, würde mich als Lebensmodell hierorts nicht verwundern) in den Vorgarten seiner Nachbarn (natürlich nicht den eigenen) führte. Beim Gezeter der Weiber und o. g. Pogromwar ich völlig still und passiv geblieben, hatte nur nett gefragt, ob die Dame, die sich gefilmt wähne (konnte Film und Fotoapparat nicht auseinanderhalten) denn "Juhutjuup" kenne. mit hundi kacki gehenproserpina_mit_zerberusLeben vor dem Küchenfenster der anderenAber Herr Polarhund unterschied sich insofern, als er in dem Haufen pöbelnder Megären und sonstigem Abschaum der einzige männliche Schreier war und mir Prügel angedroht hatte. So auch jetzt, als ich, unterwegs zu meiner Nahost-Friedenssprudelmission und voller Gedanken an Flaschen und Flüssigkeiten, ihn nicht weiter beachtend auf der anderen Straßenseite vorüberging: "Ich schlaach disch kapott, dir polier ich die Fresse", so und ähnlich äußerte sich Herr Polarhund, und  an diesem Morgen, in aller Frühe bei menschenleerer Straße war es mir einfach zu arg, ich durchmaß die Dummszwisterstraße und war mit wenigen Schritten bei und vor ihm. "Du willst mich also schlagen", redete ich ihn an und duzte gleich frei nach Heines Motto, nur wenn wir im Kot uns fanden, / da verstanden wir uns gleich - "dann machs dioch mal, los jetzt, schlag zu" (das wiederholte ich in dem folgenden Dialog der Taubstummen wohl ein dutzendmal).  Er kniff leicht verdutzt die Augen zusammen, rückte mir auch bedrohlich auf die Pelle, vielleicht mit geballten Fäusten - das sollte wohl eindrucksvoll abschrecken, aber ich wich keinen Millimeter zurück, wobei sich leider für meine Nase herausstellte, dass er den Hals nicht gewaschen hatte. Er war überhaupt noch im Kurzhosen-Pyjama unterwegs, die nackten Füße in Gummisandalen, der weit besser gepflegte Hund schnoberte in dem fremden Vorgarten herum, pißte, gesellte sich dann zum ungepflegten Herrchen. Ich, ungeduldig: "Na los doch, mach schon! Jetzt kannst du doch, ist keiner in der Nähe..." Er zog ein Gesicht, als hätte ich ihm einen Fuffie angeboten, der aber Falschgeld zu sein schien, "nachher krieje isch nochen Anzeijebei der Pollezej, wenn ich en '***schloch wie dich..." stammelte er jetzt. Ich hielt ihm demonstrativ die Backe hin und tippte darauf. "Hier. mach schon, nicht bloß labern, oder soll ich die Brille abnehmen? Mache ich, wenn du dich dann traust" usw. Okay, er war etwas kleiner gebaut, aber bestimmt skrupelloser als ich, er hätte mir ja jetzt wirklich eins auf die Zwölf geben oder mich niederwerfen und mit meinem Schädel Fußball spielen können, womöglich mit schlimmen Folgen, ein Äderchen platzt an der Schläfe und aus wär's mit den ganzen Bildungskram, den Fremdsprachen und dem aufgespeicherten Wissen über das 19. Jahrhundert. Besttseller, eine Art Buch zum FilmAndererseits, er hatte eine kugelige Riesenwampe und trug Gummisandalen, ich hatte wenigstens Schuhe an, wenn auch nicht die mit den Stahlkappen (und nahm mir stillschweigend vor, die öfter wieder anzuziehen, wo jetzt Herbst wird). Jedenfalls wich ich nicht von der Stelle und starrte ihn ohne mit der Wimper zu zucken an: "Du bist also ein Feigling, was? eine Labertasche, die nur dummes Zeug schwätzt", tatsächlich ging in diesem Moment eine Tür auf, zwei afrikanische Jungs verließen das Haus gegenüber, gingen ihrer Wege wohl zur Schule. Nee, fing er an, nicht unter Zeugen (obwohl die sich grade entfernten), er werde mich ein andermal fertig machen, und überhaupt, da drüben (er wies unbestimmt in Richtung Dingsheimer Straße) wohnten noch andere, die würden mich vermöbeln - nach und nach rückte er ab, und je größer die Distanz wurde zwischen ihm und mir, der ich wie angewurzelt stehenblieb (ich rief dann immer ganz freundlich "Na, Feigling?", "komm doch endlich", "du quasselst doch nur rum und machst nichts!" usw. dazwischen), desto lauter pöbelte und schimpfte er weiter, wobei erst richtig ungewaschenes Zeug aus seinem Mund purzelte. "Wenn du noch einmal wagst, eine Frau anzugreifen, du Drecksack... das ist nicht deine Wiese...", er und "die anderen" würden mir nachts auflauern... und außerdem: "Ich schreib dir in dein Internet!", das schien die stärkste Drohung zu sein, aber nein, er hatte noch mehr zu bieten. "Ich arbeite bei der Zeidung!" und das würde ich noch sehen, was das heißt, denn er arbeitet bei der Zeidung. - Ich war eigentlich ganz nostalgisch gerührt, denn diese Sprache hatte ich zuletzt so mit 10, 12 Jahren vernommen, um 1965-70 in dem Problemstadtteil, wo ich aufgewachsen bin und wo man bestimmte Straßen tunlichst meiden musste: die Labersäcke von damals schlugen wirklich zu, allerdings nur bei kleineren Kindern, spuckten aber, wenn sie ihrer Sache nicht ganz sicher waren (und auch ich wuchs dann mal heran und wirkte martialischer als ich war), wortwörtlich dieselben großen Töne, dir werd ich's zeigen, na warte, und wenn das den Eindruck verfehlt, kommt dies: da drüben wohnen meine Freunde, wahlweise mein großer Bruder, der wird dir einheizen, und so weiter und so blöd. Dass ich das mit meinen grauen Haaren nochmal erleben durfte, schmeckt wie ein köstliches Madeleine im Hustentee meines Alters. - Meine zwei Ersatzflaschen für den Sodasprudler, für den übrigens meine Lieblingsschauspielerin (Scarlett Johansson, aber eigentlich nur in Lost in Translation* und in zwei Woody-Allan-Filmen) trotz Boykottdrohungen Reklame macht, habe ich dann noch bekommen und so eben auch noch mein Scherf zum Frieden im Nahen Osten beigetragen, als Dalai Lahmarsch von nebenan. Und ob ihr es glaubt oder nicht, am selben Morgen finde ich im Bücherkasten (so einer dieser Gratis-Bücher-Verteilstellen steht auch auf dem Platz, wo der Discounter ist) die abgebildete, vergnügliche Fachliteratur, wenn ich das bedenke, was da alles an Streitfällen zusammen kommt, ist das hier doch bloß eine harmlose nette Unterhaltung von Mann zu Mann gewesen.

    *Eine...ääh... "Filmkritik" (hihi) über Lost in translation von Andreas, sabber, Borchholte - lechz, lechz - im SPIEGEL drückt es so aus: "Die erst 18-jährige Scarlett Johansson, Darstellerin der grüblerischen Charlotte, verfügt über eine natürliche Schönheit, eine unprätentiöse Grazie, die selbst dann noch erhalten bleibt, als Coppola Charlotte in einer mädchenhaft rosafarbenen Unterhose inmitten eines von Papierblumen übersäten Hotelzimmers herumfläzen lässt. Sie ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen. Mit leiser, spöttischer Verwunderung, den Kopf zur Seite geneigt, die Augenbrauen zum Fragezeichen geformt, erwärmt sie sich immer mehr für den älteren Mann, der ihr Vater sein könnte..." usw.


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