• Flood on the tracks

    Am Neujahrtag, wie hier berichtet, erregte ich mich über den Sylvestermüll am Rheinufer, und siehe da, schon am DreikRheinufer bei Hochwasserönigstag war alles weggespült worden, allerdings nicht von den Kehrmännchen, sondern von Vater Rhein, der soeben zu ungeahnten Möven am RheinMassen aufschwillt. Der Ort, wo wir gemütlich spazierengegangen sind, liegt jetzt schon einige Meter tief unter Wasser, und von den Baumkronen ragen gerade mal ein paar Zweige empor. Wir nutzten die letzten einigermaßen schönen freien Tage nochmal für einen Spaziergang durch die Südstadt und endeten am Rheinufer, wo wir viele, viele Möwen sahen. Eine Fütterungsaktion eines älteren Herrn bot uns die Chance, ein paar von den Tieren fotographisch zu verewigen. Wirklich hübsch, wie sie da auf der Stange saßen und erwarteten, dass es noch ewig so weitergeht mit dem Aus-der-Hand-Fressen (natürlich verstreute er auch Brotreste in der Luft, aber die geschicktesten pickten ihm die Streifen im Vorbeifliegen zwischen den Fingern weg). Mövenfüttern am RheinuferMöve am RheinuferEin bisschen wie am Meer wohnt man hier als "Anrheiner". Die Breite des Stroms erweckt wirklich diesen Eindruck.Möve auf dem Ufergeländer Auch dass er so schnell fließt, grau und bleiern, wie er von weitem aussieht, gibt mir manchmal ein Möven am Rheinuferunbehagliches Gefühl. Am Sylvesterabend wollte ich nicht gern hineinschauen in diesen schwarzen Mahlstrom, in den wer weiß was für Sauereien des Alten Jahres  versenkt werden von den Sündern. Aber mit Emmerich, wo der Fluß fast unüberbrückbar breit wird,Möven am Rheinufer lässt sich das hier natürlich nicht vergleichen. An der Stelle, wo man wirklich nicht mehr weiterkam (der obere Radweg an der Rheinuferstraße wird wohl bis 2030 durch die U-Bahn-Baustelle versperrrt bleiben), fand sich noch eine lustige Botschaft der Tiere an die Menschen.Tauben auf dem Rheinufer-GeländerMöven am RheinuferSchweinchen-GraffittiFlood on the tracksDas Leben am Fluss hat etwas Meditatives, kann aber auch unbehaglich stimmen, denn das Wasser ist eine meist unterschätzte Gewalt. Der Rhein ist ja immer ziemlich gewaltig, aber wie aus einem winzigen Bächlein in Südeuropa ein tückisches, Unmengen von Schlamm und Geröll transportierendes Lawinenungeheuer werden kann, wer das mal erlebt hat, kampiert im Frühjahr in den Pyrenäen nicht mehr in Hanglage. - Als vor Jahren mal dieser Campingplatz dort überflutete und die Leute in ihren Wohnmobilen ertrunken sind, habe ich mir geschworen, überhaupt nur noch zu zelten, weil man der Gefahr dann akustisch und sinnlich viel näher ist und schneller die Beine in die Hand nimmt. Überhaupt wird man sich im Moment der Gefahr von allem Besitz verabschieden müssen. Wer ein dickes Wohnmobil sein eigen nennt, ist sich dessen vielleicht weniger bewusst, weil er glaubt, zwischen ihm und der Naturgewalt seien noch vier schützende Wände. Über Karl Philipp Moritz berichtet Varnhagen in seinen vermischten Schriften (die erwähnte Freundin ist natürlich Rahel gewesen): "Zuweilen war er in seltsame Träume versunken, und lebte mit wunderlichem Eigensinn ganz in seinen Bildern. Die erwähnte Freundin fand ihn einmal in der Berlin auf einer Brücke am Geländer stehen, und übergelehnt unverwandt in das Wasser blicken. Sie redete ihn an, und hegte einige Besorgniß, ihn seinem Tiefsinne zu überlassen zu sehen; er aber grüßte sie freundlich, und sagte, auf das Wasser zeigend: 'Da unten sind viele Gesichter, und eins, das mir ganz besonders gefällt, sieht mich immer liebreich an, und wenn's mir noch lange so gefällt, so muß ich zu ihm.' - Solcherlei war in ihm der tiefste Ernst, und seine Freundin mußte ihn, trotz aller Bemühungen ihn mitzunehmen, allein auf der Brücke zurücklassen."

    Möven auf dem Geländer am Rheinauhafen


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  • Commentaires

    1
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Samedi 14 Janvier 2012 à 22:00

    Nicht übel, wie du die Kurve von den rheinlichen Möven zu Varnhagen kriegst.

    2
    Kornelia
    Mercredi 18 Janvier 2012 à 21:04

    Das Foto gefällt mir sehr - ich komme hier auch vor.



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