• Einer muss es ja kriegen

    Nach den in Presse, Funk und Fernsehen freigebig ausgestreuten Anamnese-Fragebögen bin ich ein typischer Fall! "Milde Symptome, anfangs, und das dicke Ende kommt nach!" Dauerschnupfen, check, leichtes Halskratzen, check, dizzy im Kopf, check, Gliederschmerzen, check, ab und zu leichter Dünnschiss, check, Fieber? naja, 37, 5 ist schon leicht erhöhte Temperatur. Check! Kurz, ich bin entweder schon ein akuter Fall oder auf dem Weg dorthin. Von Beileidsbesuchen bitte ich abzusehen! Atembeklemmungen keine, ich nehme keinem alten Menschen den Schnaufautomaten weg - wenn es so weit ist: "Laßt mich hier liegen, versucht, die nächste Station zu erreichen!". Hab ich jetzt das dämliche Virus und kann mein "Tagebuch der Coronakrankheit" beginnen (unvermeidlicher Bestseller 2021, ich sehe schon förmlich, wie sie geschrieben werden, "Tag eins" und so...) oder ist es nur ein blöder grippaler Infekt, haha, leichte Erkältung, in vierzehn Tagen ist alles ausgestanden und Sie sind IMMUN??? Zum Arzt kann ich sowieso nicht, der schreibt mich zwar krank, aber es nutzt mir nichts, ich kriege als Freiberufler keine Lohnfortzahlung. Das Halskratzen ist schon wieder vorbei, der trockende Reizhusten hat sich in nassen verwandelt mit "Auswurf", hatte ich letztes Jahr auch, damals dacht ich mir nichts dabei und heute sind das Anzeichen für eine positive Diagnose für die Krankheit, die hier alles lahmlegt. Mein Kontakt zu Personen, die sich in einem besonders gefährdeten  Gebiet aufgehalten haben, hält sich in Grenzen, die tägliche Virenschleuder in der Schule, in die meine Frau nicht mehr gehen muss, könnte natürlich den gewünschten Hintergrund liefern: eine Schülerin von ihr,neben der sie auch noch gesessen hat, um ihr was am Computer zu zeigen, kommt aus Heinsberg bei Aachen, und ihr Vater, nee, der nicht, aber die Lebensgefährtin des Vaters nahm an der berüchtigten Karnevalssitzung teil, die in die Geschichte eingehn wird! Ebenso historisch wie die bevorstehende Aberkennung des Literaturnobelpreses für Gabriel García Marquéz, weil er uns mit seinem dämlichen Roman das virale Klischeewort von "In Zeiten der..." (folgt irgendeine ekelhafte Infektionskrankheit) eingebrockt hat. - Neueste Plünderkultur-Erfahrung: Bei REWE Richrath in Köln kauf ich nie mehr ein, der hat ohne jede behördliche Anweisung begonnen, Lebensmittel zu rationieren und den Bedarf nach eigener Willkür festzusetzen, man verkauft an der Kasse nicht die gewünschten 5 Becher Buttermilch (hätte ich lügen sollen und betteln, ich hätte fünf minderjährige Kinder, die gewohntheitsmäßig jedes einen eignen Becher kriegen und sich nicht um zwei balgen wollen? das "Rauschgetränk der Schamanen" benötige ich als Kreativwirtschaftsdienstleiter für rituelle Bäder, wer mich kennt, weiß, dass ich immer fünf kaufe, mindestens. - Ja, aber gehört "Publizist und Übersetzer" zu den unentbehrlichen Berufen? wohl eher nicht, mach dich vom Acker, wenn du kein Feuerwehrmann, Krankenpfleger, Politiker oder HNO-Arzt geworden bist, du nutzloser Freßsack! Apropos, wo bleibt eigentlich Verkehrsminister B. Scheuer (t) mit seinen 100 Lungenärzten, die nicht irren?). Die Kassiererin, auffallend mit Handschuhen zupfend und sich von meinem Geld fernhaltend - nöö, ich dürfe nur zwei bekommen! Zwei oder gar nichts. Wollen Sie die jetzt? Mir fiel sofort die sechste Szene im dritten Akt von Karl Kraus, "die letzten Tage der Menschheit" ein, die Sache mit Viktualienhändler Chramosta und dem Gemüsesalat - "i hob Kreagsanleih' zeachnet!!" - Den Laden stantepede verlassen. In Köln kein Problem, ich kaufte mir Buttermiclh, so viel ich wollte im nächsten Discounter, wo nur Nudeln (außer Barilla, die machen das Geschäft ihres Lebens) und Mehl fehlten, was ich alles grade nicht benötige oder auf Vorrat im Keller habe. Nach (mir unbegreiflichen) Klopapier-Engpässen sind bald Grillkohle und Kaminofen-Pellets ausverkauft, wenn der Strom ausfällt, sind Besitzer eines Kaminofens fein raus. Kurz, ich weiß nicht recht, wie ich mich auf die unvermeidliche Quarantäe vorbereiten soll, bin nur froh, am Ende der Woche keinen Vortrag halten zu müssen wie geplant, und arbeite an meinem gewaltigen Fragment, das in Knüppelversen die Zeichen der Zeit mit flammenden Lettern an die Wand malen wird, hier schonmal vorab die ersten Fingerübungen:


    In Zeiten der Corona-Krise
    machte ich hunderttausend Miese
    In Zeiten eines Seuchen-Falles
    verlor ich Haus, Hof, Handy, alles,

    In Zeiten einer Pandemie

    drängt es mich nicht zum Herdenvieh,
    In Zeiten von Sars CO-V-2
    knutsch' ich mit Fremden nicht, verzeih!

    In Zeiten von Zeh Ovid neunzehn,
    war es nicht ratsam, sich zu schneuzehn,
    In Zeiten der Corona Krisis
    geschah mir sonst noch manches Fieses...
     


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  • Commentaires

    1
    Jeudi 19 Mars à 14:32

    neunzehn,
    schneuzehn

    Oijoijoi, gibt es auch Scheidungsverfahren für Paarreime?

    Ansonsten hoffe ich doch inständig, dass sich deine Feuchtigkeit in Nase und Husten mit ausreichend Buttermilch und Thymiantabletten in den Griff bekommen lässt. Sagt Bescheid, wenn ihr Carepakete braucht, im hiesigen Aldi werden die günstigen Nudeln dauernd aufgefüllt und auch Mehl habe ich an einer versteckten Stelle gefunden, Biovollkornmehl für 79 Cent (reduziert!!), da greift der Bocholter noch nicht zu oder hat es nicht gefunden, weil es bei Bioprodukten stand.

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