• Du schreibst jetzt in Schönschrift zehnmal...

    Du schreibst jetzt in Schönschrift zehnmal...

    Tja, so schnell wandelt sich die Welt und ändert sich das Ich. Am Wochenende bekam ich einen Brief, in dem allerlei über mich stand, was mir bisher unbekannt war. So soll ich einer pensionierten Kaufhausverkäuferin, auf einer Kellertreppe "vor ihr aufgebaut" stehend, mit der Faust vor der Nase herumgefuchtelt haben, ich habe sie also (beinahe) runtergeschubst. Nachträglich wäre das eine bessere Idee gewesen als mit ihr zu diskutieren, denke ich. Sie hat wohl eine Freundin, die öffentlich benutzte Räume gern mit ihrem Krempel zumüllt und dann abschließt. Die behauptet ihrerseits, ich sei bei ihr in die Wohnung eingedrungen, wo - bei meiner Ehre - ich niemals war. Mehr noch, sie habe mit Benachrichtigung der Polizei drohen müssen, um mich loszuwerden. Da sieht man ja, was für einer ich bin, dass ich beim Wort Polizei schon so komisch zusammenzucke und klein beigebe. Immerhin, viel mehr als diese zwei Straftatbestände sind es nicht, aber die reichen schon, meinen Ruf so nachhaltig zu beschädigen, dass mir voraussichtlich die Wohnung gekündigt wird, und das, obwohl mir die Hauseigentümerei anteilig gehört. Damals wurde ein polizeiliches Führungszeugnis von mir verlangt, das meine blütenweiße Weste erwies. Aber da weiß man ja Bescheid, und jetzt ist die Ehre lädiert. Der Schufa war ich dermaßen unbekannt, dass man mir gar keinen Prozentsatz an Kreditwürdigkeit zuerkennen konnte - was auch schon verdächtig war, die hatten bei der Schufa wirklich noch nie von mir gehört, und heute hat doch eigentlich jeder einen Handyvertrag, schon wissen die Bescheid und man hat ein Restrisiko, ist also z.B. 98 % kreditwürdig.

    Übrigens hat die eine der o. g. Damen, die mit der Kellertreppe, auch recht kurze Beine und fast keinen Hals. Bei Alice im Wunderland wird der Hals ja unnatürlich lang, wenn man vom falschen Kaffee trinkt oder ein Stück Kuchen isst, das einem nicht gehört. Dem hölzernen Pinocchio dagegen wuchs die Nase überdimensional und stabartig lang, wenn er die Unwahrheit sagte. Wie sich die Aussage der Damen vor einem Rechtsanwalt (der sie aber nicht namentlich nennt und auch nicht vertritt, er vertritt den Hauseigentümer und der braucht seine "Abmahnung" nicht sachlich zu beweisen, geschweige denn, alteram partem zu hören, was ein Grundsatz des römischen Rechts, nicht des deutschen Mietrechts ist) auf deren physisches Erscheinungsbild ausgewirkt haben mag, weiß ich nicht. Sie sind schon mit ihrem Nachnamen gestraft, der eine erinnert fatal an eine unangenehme Hautkrankheit, die durch Unsauberkeit und Ungeziefer (Milben) entsteht: die halbkugelförmigen, 0,3–0,5 Millimeter großen Weibchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort in den Kanälen (caniculi, Milbengänge) Kotballen (Skybala) und ihre Eier ab. Ihre Absonderungen bringen Bläschen, Vesikel, Papulovesikel, Papeln, Pusteln, Quaddeln und als Sekundärläsionen Krusten, Kratzwunden und Furunkel hervor... der andere Name lässt auf einen eher starren, betonhaften und betont männlichen Charakter schließen. Die erste ist verwitwet, den kranken Herrn Gemahl haben wir noch kennengelernt, indem wir ihren Pantoffel kurz angehoben haben, ich kann mir denken, warum er eingegangen ist, heute ersetzt ihn ein ziemlich kläffiger neurotischer Köter. Die zweite alleinstehend, was nichts heißen soll, aber bei Männern, die vor ihrer Tür stehen, verwechselt sie gern mal Hand und Fuß. immerhin, wenn es abends bei ihr klingelt, öffnet sie nach längerem Klingeln (wenn man es wiederholt, nachdem man merkwürdiges Schubbern hinter der Tür gehört hat) doch ihre - aber auch nur ihre Tür. Die Türen zu anderen Räumen im Haus schließt sie kurzerhand ab, wenn es ihr passt, egal, ob auch andere hineinmüssen. Und auch wenn man sie ganz nett fragt, rückt sie den Schlüssel nicht heraus.

    So, jetzt muss ich schließen, die Suppe steht auf dem Herd, hier mein Rezept:

    Kalk, noch ungelöscht, Eisenbrei, Salz, Salpeter, Phosphorgluten, Urin von rossigen Eselsstuten, Schlangengift, Altweiberspei mit
    Rattenschiss und Wasser aus den Badewannen vermischt, Saft aus einem Krötenbauch, den sauren Rest aus Rotweinkannen, eines Katers Hirn, der nicht mehr fischt, etwas Geifer aus den Gebissen toller Hunde, Affenpisse, Igelstacheln, würmerwimmelndes Regenwasser, grüner Schleim, Pferderotz, heißer Leim, und das, was der Medikus aus dem schwieren Gedärm an Eiter und verpestetem Sekret herausholt, Vaginalsalbe und der Schmodder, den die Lust zurücklässt, in einem verfaulten Kürbis mit der Nachgeburt von einem Schwein verquirlen:

    Und hat's vier Wochen lang gegoren:
    In diesem Saft solln eure Lästerzungen schmoren!


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