• dOCUMENTAtion mODERNER kUNST

    Kleine Preisfrage. Hier die drei Bilder, zeigen sie moderne Kunstwerke? Trockengerät aus dem BadezimmerBeispielsweise dieser weiße, mit vier bildhalterähnlichen Gumminoppen oben versehene weiße Kasten da vor der Kloschüssel, von dem ich noch verraten kann, dass er sieben Tage täglich fast 24 Stunden vor sich hin gebrummt und dabei jede Menge Kilo Watt verzehrt hat?Messingschild im Spiegel des Morgenlichts (Der Kühlschrank, wie manche Betrachterin zunächst meinte, war es schon mal nicht, den haben wir soeben, nachdem er exotische Gerüche emittierte, mal auf den Kopf gestellt und bakterienverseuchtes Schmuddelwasser aus einer eigentlich unzugänglichen Plastikwanne ablaufen lassen.) Oder hier links, die ominöse, scherenschnitthaft konturierte "Lichtkatze" (oder ist es ein Abglanz vom Beuysschen Goldhasen?), kann das ein vielleicht eines dieser zeitgenössischen Kunstwerke sein? Ich kann übrigens beschwören, dass ich sie am Samstagmorgen, 8. September in Kassel am Eingang zur Karlsaue fotografiert habe.Preisschild am documenta-Gemüsesstand Oder gleich hier daneben, die Tafel mit merkwürdigen Texten in unterschiedlichen Sprachen, auch auf der dOCUMENTA (13) an einem der berühmte "Holzhüttchen" in der Karlsaue vorgefunden, könnte sie das Endergebnis einer Performance durchgeknallter Studenten der Kunstakademie sein? Ja, ja und ja: ALLES das ist - vielleicht - Kunst, denn, so der O-Ton der dOCUMENTA 13-Macherin Carolyn Christov-Bakargiev: "Das 'Vielleicht' reflektiert die Tatsache, dass Wissen schwer zu formulieren und auf den Punkt zu bringen ist und dass Kunst und künstlerische Forschung oft jede Form von festgelegter Bedeutung zu vermeiden suchen. Das 'Vielleicht' verweist, in einem positiven Sinn, auf das Fehlen von Gewissheit und allgemeinen Aussagen, die das Ganze repräsentieren. Es ist vielmehr ein Zeichen für ein aktives Überdenken, wie Wissen im Kontext von Kunst vorgestellt wird. Flugblatt mit serieller Copyofacopy-BeschriftungDieses Programm beschäftigt sich mit der Herausforderung, die Kunst für den Wunsch nach Stimmigkeit darstellt; es stellt unsere Sucht nach Worten infrage und will dazu anregen, innerhalb verschiedener Ideen und Logiken zu agieren." Vielleicht hatte auch die "Service Division" der  Bautrocknerfirma aus Heinsberg im Sinn, uns ein aktives Überdenken von Gewissheit im Kontext unseres Badezimmers zu ermöglichen, als esSanatorium-Häuschen in der documenta 13Sanatorium-Heilmittel die Höllenmaschine aufstellte, mit der wir das unlängst vom Stockwerk über uns, wo die Nachbarn inkompetent am Duschwannenabfluss gebastelt hatten, in unsere Decke eingedrungene Wasser vertreiben sollten.  Aber jetzt der Trockomat: Brummbrummbrumm, Tag und Nacht bullerte das Dingens vom 14. bis zum 30. August, die saunaähnlichen Verhältnisse im Bad störten denn doch bei der täglichen Hygieneverrichtung, weshalb wir's zum Duschen und Zähneputzen dann doch mal immer ausgestellt hatten, um Fenster und Türen weit aufzureißen, und angeblich bekommen wir die 116,82 kWh, die der wie rasend tickende Stromzähler verschlang, von der Versicherung der Genossenschaft erstattet. Das Lichtkunstwerk mit dem Katzenkopf war die Reflexion eines blanken Messingschilds an der Kindertagesstätte der Karlsaue an der Ecke Heinrich-Heine- / Wolfgang Menzel-Straße gewesen, wo wir so glücklich waren, einen freien und kostenlosen Parkplatz für den Tagesausflug zuAushang an Reyes' "Sanatorium" in Kassel finden, bei sehr gutem Wetter ist diese Naturerscheinung für einige Minuten auf der Fassade des klassizistischen Gebäudes zu sehen. Und das Preisschild wirbt für eine der Bio-Imbissbuden, Ponton-Brückendie man hier zur Verköstigung der Besucher aufgestellt hat, ob die Betextung und Beschriftung von echten angehenden Künstlern (studentischen Aushilfen) stammt und daher als Kunstwerk eingestuft werden muss, ist schwer einzuschätzen, ebensowenig, ob der gelbe Din-A-4-Aushang mit der seriellen "copyofacopyofacopy..."-Filzstiftbeschriftung politische Kunst oder einen Protest der Urheberrechtler gegen die Guttenbergitis der Piratenpartei oder einfach Verarsche darstellen soll. Jedenfalls hing das Blatt an einem der Kunstwerk-Hüttchen, dem sog. "Sanatorium" von Pedro Reyes eingerichtet, wo in einer Art sozialer Plastik Leute anstehen sollten, um einen "Termin" für eine (psycho-)Diagnose und anschließend eine Verschreibung für das Pieksen von Voodoo-Puppen oder für philosophische Sprüche zu bekommen, die Sprüche zierten solche merkwürdigen überdimensionalen OktogoneKoreanisches Plastikmonster auf der documenta oder Kreisel, mit denen man sie wohl in der Art eines Gebetswürfels auswürfeln sollte. Übrigens hingen auch hier jede Menge Zettel an dem Hüttchen, Zettelaushang war gewissermassen das Thema dieser documenta, während man auf einer früheren immer in unwahrscheinlich dicken Dokumentationen blättern sollte, um das Kunstwerk zu verstehen und einschätzen zu können. Komplett ausprobieren bzw. wahrnehmen konnten wir dieses dOCUMENTA (13)-angebot nicht, weil es wie manches andere an dem Samstag geschlossen, unzugänglich oder nur nach Überwindung einer halb- bis dreivierteilstündigen Warteschlangensteherei, zu der sich die meisten intellektuellen Ausflügler aber klaglos bereit fanden, anzuschauen war. Wir stellten uns mehrmals an und waren auch ganz zufrieden, das Große Ganze en détail kann man an dem einen Tag sowieso nicht sehen und alles kann ich hier auch nicht zeigen, weil ich noch Fotos entwickeln lassen muss. Beispielsweise ging es an dem "Mangold-Ponton" des Rektors der Kasseler Kunsthochschule, Christian Philipp Müller (Mangold-Fähre/"Der Russe kommt nicht mehr über die Fulda"), ganz schnell, die Leute flitzten nur so hin und her, es war auch eng und man konnte gar nicht lange kontemplativ den Mangold in seinen unterschiedlichen Farben und Formen betrachten, und mit Neid las man, dass zum Schluss der dOCUMENTA (13) in der Kunstakademie ein großes Mangold-Essen für die Studierenden angesetzt war, natürlich, wenn wir längst wieder zu Hause sind. Oder das eindrucksvolle weiße Plastikgespenst ("Ghost") des Thailänders Apichatpong Weerasethakul (ein Name, den ich mit Mangoldgemüse im Mund nicht aussprechen möchte), das für all die Erinnerungen steht, die man nicht loswird - diesen Ansatz konnte man zwar verstehen, aber nicht richtig genießen, denn man hätte in eine der Hängematten einsteigen müssen, die in der Umgebung in den Bäumen hingen, das Gespenst Ölbild auf der documentavon weitem sehen und noch irgendwelchen Klingklang-Melodien lauschen sollen, die von Glöckchen in den Bäumen ertönten. doing-nothing-Garten der documentaAllerdings waren die Hängematten der einzige Kinderspaß weit und breit, und wer wollte die Kleinen, für die es sonst nicht viel zu lachen gab, vertreiben, nur um sich an die Gebrauchsanweisung zu halten? Klar, es gab auch "richtige" Tafelbilder auf der Dokumenta, in Essig & Öl, also wie gemalt, ziemlich oldschool und nicht so ganz mein Fall, aber das soll hier nicht unterschlagen werden bei all den Performances und Landart und Gruppen-Ringelpiez. Wir sahen auch den "Doing nothing" Garden des chinesischen Künstlers Song Dong, der auf einer Müllhalde direkt vor dem Schloss in der Auenwiese entstanden ist und mit Minitomaten und Sellerie und Thymian o. Ä. einfach sich selber überlassen wird (inzwischen von Gestrüpp überwuchert, man darf auch nicht darauf herumspazieren), während manch Kräuterbeet upside-downside-kreuz-und-quer, in recycelten Baumaterialien wie Drahtgittern, Europaletten usw. angepflanzt, richtig bloh (äh, blühte) und gediehte. In dem sog. "Dorotheum" fand man dann auch noch eine schulfunkähnliche Dokumentation über einen trockengelegten See, den wackeren Widerstand der Landbewohner gegen den Gutsbesitzer (gähn) und eine andere über natürliche Reissorten und eine weitere (gähn) mit ökologisch korrekten Polar-, Meer- und Wolkenbildern auf Film, wie überhaupt mal wieder Filme über Filme gezeigt wurden, sodass man kaum nachkam, wenn man die alle zur Kenntnis nehmen wollte.  Dies soll aber sowieso nur ein erster Einblick sein, wie man schon merkt, ohne viel Verstand einfach hier eingetippt, ohne nochmal in das Überblicksheft zu schauen, das trage ich noch nach und Röhrenkunstwerk in der KarlsauweiterRosemarie Trockele Fotos wird es auch geben, versRosemarie Trockel, "tea house"prochen!Hundehüttenschild auf der DocumentaHundehütte auf der DocumentaGallow wird zum Vergnügungstreffpunkt - Eine Stunde später: Links, ja, die Röhre von Gabriel Lester, DAS ist ein echtes Kunstwerk (gut, es hätte meinethalben auch statt des Stadtarchivlochs vom Kölner U-Bahn-Bau übrig bleiben können) und erfreute sich bei den Kiddies der Kunstbeflissenen heiter-lärmenden Zuspruchs, man konnte aufrecht darin herumlaufen und brüllen. Nachdem 1997 schon die Documenta-10-Leiterin Catherine David die Wände der documenta-Halle mit Röhrenlabyrinthen bemalen ließ, kann wohl endlich von einer Epoche des Tubismus sprechen, oder? Daneben das mit der "Frauengefängnisse"-Sonnenbrille ist aus dem "Tea Party Pavillon" der Rosenmarie Trockel, deren andere Fotowand im Aue-Blockhaus ganz rechts abgebildet ist. Meine Liebste hat versucht, auch noch in die "dogumenta" einzudringen, wo es doch immerhin eigene Führungen für Hunde gab (die anscheinend durch Spendenbettelei finanziert werden mussten), aber eigentlich war das nur eine blöde überdimensionierte Hundehütte von Araya Rasdjarmrearnsook (auch diesen Namen jetzt nicht aussprechen) mit tipptopp-Einrichtung und Dauerberieselung mit Hunde-Filmchen, gebettelt wurde da auch und der Hundehalter wachte eifersüchtig darüber, dass man nur hereinkam, wenn man sich brav eine halbe Stunde vorher angestellt hatte. Und dann war da noch die Installation aus unbehandelten Holzbohlen, die berühmtesten amerikanischen Hinrichtungsstätten in einer IKEA-Collage zusammengebastelt, was morgens bei unserer Ankunft ziemlich düster anmutete und schon von den Zäunen her an die unschöne Epoche der Richter und Henker erinnerte. Ich tippte sofort und lag (fast) richtig: das hat was mit KZ (man beachte die Zaunpfähle!) und Vergangenheits-Bewältigung zu tun, noch bevor meine bessere Hälfte auf die Erklärung der Schilder stieß, auf denen auch die diversen Galgen-Hinrichtungen der USA bis hin zum Irakkrieg dokumentiert waren. Das Ding heist Gallows composite C und stammt von dem Künstler Sam Durant. "Hangman, hangman, a little while, what did you bring me my dear friends to keep me from the gallow's pole", das Lied aus der LP Led Zeppelin III ging mir die ganze Zeit durch den Kopf. Dieses Kunstwerk entpuppte sich nachmittags, als wir den Heimweg antraten, als Publikumsmagnet, denn wie in den Zeiten des Mittelalters war das Schafott von einer bunten, fröhlich eisschleckenden Zuschauermenge umgeben, alles ganz harmlos vergnügte Gaffer, die sich bestimmt "gerne" (ich hör' schon: Recht gern. nur her! geschwind) die eine oder andere in historischem Kostüm vollzogene Hinrichtung angeschaut hätten, wenn das hier eine Ritterfestival-Kostümschau gewesen wäre...


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