• Allerseeligkeit und Heldenversenktag

    Allerheiligen und Allerseelen sind die Spazierfeste aus meiner Kindheit. Sie brachten Ausflüge nebst Kuchen in Cafés mit sich, etwas Peinlichkeit (wohin mit den Händen? woran soll man jetzt denken?) beim stummen Herumstehen vor eingefriedeten Gärtchen mit beschrifteten Steinen. Irgendwer wollte mitunter noch, dass ich die Hände falte und mitmurmele - "Vater unser, der du bist" und so weiter, womit ich nie was anfangen konnte... und ständig das Fingerverbrennen beim Anzünden der Stearinkerzen und nach Einbruch der Dunkelheit, das Schönste: ein Lichtermeer mit meist roten, aber auch manchmal grünen, gelben, merkwürdigerweise nie blauen Plastik-Leuchten.Grab von 1957 Auf dem Grab, zu dem man mich öfters führte als einmal im Jahr, stand eine alte Laterne aus schwerem Gußeisen, darin der gelblich-grüne Glaszylinder, auf dem Deckel ein klotziges Kreuz im Barlach-Stil. Da kam auch eins dieser rotwandigen Riesen-Teelichter rein. - Heute gehe ich immer noch zu dem Grab, das ich vom Friedhofsamt gepachtet habe. Seit einem halben Jahrhundert ist der Baum herangewachsen, der Busch musste schon reduziert werden, Efeu überwuchert alles. Dafür ist im vorigen Jahr die Lampe verschwunden. Wie ich höre, gehen Leute auf der Suche nach Altmetall über die Friedhöfe und heißen mitgehen, was nicht niet- und nagelfest ist. Schade drum, aber nicht zu ändern. Ich komme ja auch nur sporadisch ins Rechtsrheinische. An Allerheiligen wird Laub teils mit dem Rechen, teils von Hand aufgelesen, Äste, Bonbonpapier entfernt, meine Liebste bringt Pflanzen an, oft billige vom Baumarkt in der Nähe - fahren wir last minute am Feiertag hin, wird der lokale Blumenhandel belohnt für die Feiertagsarbeit. Das kommt mit neuer Erde in zwei Schalen, dann wird der Grünmüll weggebracht (schwere Schubkarre über den Müllcontainer zu hieven) und eine Gießkanne am alten Steinbrunnen gefüllt. Die Sachen gehören dem Friedhofswärter, der sie uns ausleiht, wir haben nur einen kaputten Handrechen hinter dem Findling aus der Lüneburger Heide, hergeschafft und beschriftet von dem Bildhauer Hein Derichsweiler (von ihm sind am Waisenhaus in Sülz die Bremer Stadmusikanten, und ich musste ihm mal als Männeken Pis Modell stehen). Dieser Stein aus der Eiszeit muss nicht poliert werden, nur die Efeusträhnen kriegt er frisiert und zum Pony geschnitten. Und der da unter dem Findling liegt - ich hab ihn kaum gekannt -, kommt auch von weit her, aus einem Land, das heute nicht mehr zu Deutschland gehört, wo man aber sehr deutsche Volkslieder sang, die er vermutlich kannte: Lieder, in denen man im Gras unter Linden ein Bett findet oder zwei Bäumelein in Vaters Garten stehn, das eine trägt Muskaten, das andre Braunnägelein, und wo man durch einen Trunk allzeit jung bleibt und die Mädchen in der Welt falscher als das Geld sind. Solche Lieder kannte der bestimmt auch und würde sich freuen, dass sein Grab ein Platz geworden ist, wie er romantischer nicht sein kann. Ich denke oft an ihn und überlege, ob er an mich denkt, ob er mir zusieht bei dem vielen Blödsinn, den ich mache im Leben, ob er wohl entsetzt wäre, wie wenig ich aus mir zu machen verstehe: Ich hatte doch viel mehr Zeit als er und bin schon fast 20 Jahre älter, als er geworden ist, durfte studieren, im Gegensatz zu ihm, der von der Abiturfeier weg zur Wehrsportübung eingezogen wurde und dann vom ersten Tag des Kriegs an fünf Jahre marschieren musste. Der war aber im Herzen bestimmt ein Romantiker, der Volkslieder kannte und gesungen hat, dann war er ja auch noch Journalist und Redakteur, nach 45 Dolmetscher bei den Engländern, wollte nach Britannien auswandern, und so sind meine Teilzeitberufe (Literaturhistorie, Lektorat, Liedermachen, für Geld schreiben und übersetzen) nicht ganz weit weg von dem, was er aus sich machen wollte. Um sich aus einer schwierigen, keineswegs ausweglosen dummen Alltagsverlegenheit herauszuhelfen, ist er einmal zu wagemutig gewesen, aus war's, und das ist vielleicht der Grund, warum ich's nicht bin, jedenfalls nicht im Alltag und wenn es um mich selber geht. Eigentlich wollte ich keine wehmütigen Betrachtungen anstellen, sondern zum dritten schönsten Ferienerlebnis überleiten, das wir vor 14 Tagen hatten, zur Führung über den Zollstocker Südfriedhof...

    Unten in den Kommentaren ist nach der Lampe gefragt worden; allerdings muss ich sagen, der Nostalgiewert war hier nur wenig größer als der Materialwert. So richtig schön war das Dingens nicht, ich hätte es wohl lieber auf meinem Schreibtisch gesehen als in der Schrottmühle,Grabmal Hummerich aber wenn die Hello-Kitty-Puppe jetzt einem lebenden Kind Spaß macht, ist das auch okay, soll man dem weißen Händchen einen warmen Händedruck für geben. Außerdem ist der Verlust einer Hello-Kitty-Puppe oder einer gusseisernen Grablampe kein Vergleich mit den 300 Mio. Reichsmark in 23 Paketchen, davon 230 Mio. Bargeld & der Rest in Wertpapieren, die der Kölner Stadtkämmer Dr. Türk 1944 vor den Alliierten im Erbbegräbnis der Familie Hummerich versteckte! (Dafür würde ich mich auch mal mit dem weißen Händchen anlegen und draufhauen.) Außer ihm waren nur 2 Mitarbeiter eingeweiht; das Rathaus war schon zerstört, der Nazi-Bürgermeister hatte sich abgesetzt und war am Herzschlag verstorben. Viele Kölner, heißt es, haben gegen Ende des Kriegs Schmuck oder andere Vermögenswerte auf Friedhöfen versteckt, was sich sonst dort tat, lese man in Bölls Gruppenbild mit Dame nach.Römergrab in Zollstock Als die Engländer dann im Allianz-Hochhaus am Kaiser-Wilhelm-Ring residierten, wo noch jahrelang die Kölner Stadtverwaltung war, holten sie den Dr. Türk, weil sie von der Sache Wind bekommen hatten, und der führte sie zum Versteck: und siehe da, die Mitarbeiter hatten gespurt, die Kohle war verschwunden (ob vor oder nach der Währungsreform, weiß ich nicht). - Verschwunden sind natürlich auch die Grabbeigaben des Römer-Sarkophags aus dem 3. Jhd. n. Chr., gefunden am Höniger Weg, der von der Besiedlung dieser Gegend zeugt (am Oberen Komarweg lag der Komarhof, einst römisches Landgut mit Villa). - Unweit davon stoßen wir auf einen Grabstein, der (laut Inschrift unter dem Namen, Peter Günther)Grabmal Peter Günther einem "Weltmeisterfahrer" geweiht ist, geb. 29. 8. 1882, gest. 7. 10. 1918. Er starb nicht kurz vor Ende des Weltkriegs oder in Spartakus-Aufständen, sondern gewissermaßen "im Dienst" an einem Sturz vom Rad - er war Radrennfahrer und hatte die Weltmeisterschaft im Steherrennen 1898 und das Rennen "Rund um Köln" 1911 gewonnen. Auf dem Stein steht noch: "Ihrem größten Meister widmen ihr Gedenken die Freunde: die deutschen Radfahrer ihrem Meister als Zeugen unsterblichen Ruhms." Damals war Radsport für die Arbeiterschaft ungefähr das, was heute der Fußball ist, aber viel billiger. Günthers Sponsor war die Firma Clouth (Gummiprodukte) in Köln-Nippes und förderte seine sportiven Aktivitäten mit gerade mal 300 Reichsmark im Jahr.
    Das Bestattungswesen spielte sich im Kölner Mittelalter (und das Mittelalter hielt lange vor) bei der jeweiligen Gemeindekirche im Beinhaus ab. Ziel war es, möglichst im Kirchenraum und dort nah am Altar beigesetzt zu werden, in der Hoffnung, dann schneller von der Auferstehung zu erfahren. Erst als die Franzosen den Kölnern die Zivilisation brachten, wurde der Melaten-Friedhof an der Aachener Straße geplant, wo ganz früher der Galgen, dann ein Lepra-Siechenhaus (der Name kommt von "malade"!) und danach ein Arbeits-, Zucht- und Waisenhaus standen. 1801 wurde auf Napoleons Dekret der Friedhof angelegt, wo noch Grabmal Lindgensbis in die 1830er Jahre überhaupt nur Katholiken beerdigt wurden, trotzdem war er bis Ende des Jahrhunderts pickevoll und es kamen "Entlastungsfriedhöfe" hinzu: der Nordfriedhof in Nippes-Mauenheim 1895, und 1901 der Südfriedhof im 1880 eingemeindeten Dörfchen Zollstock, wohin man anfangs mit uniformierter Blaskapelle (Hinweg: Trauermarschmusik, Rückweg etwas lustiger), Trauergästen in schwarzen Anzügen und glänzenden Zylindern und schwarz drapierten Pferdekutschen durchs Severinstor hinauszog. Muss i denn... Davon kündet noch die Auffahrt vor dem Friedhof, heute Endhaltestelle der Linie 12. Auch Busse verkehren hier, deren Nummern (131, 133, 138)  ÖPNV-User, die uns demnächst besuchen wollen, merken müssen: sie fahren nach Sülz, zum Hauptbahnhof oder eben zum Umsteigen in die 12 zum Südfriedhof, wenn man die 5-10 Min. via Markusstraße nicht zu Fuß gehen will. Den Gleisanschluss verdanken wir den Toten: man konnte die Bahn für Bestattungen mieten, sie fuhr ab 1908 zum "Südfriedhof", dann nach "Zollstock (Südfriedhof)" und heute bloß nach "Zollstock". Der nur noch als Straßenname existierende "Bonner Wall" (Befestigungsanlage gegen die Artillerie) soll damals so hoch gewesen sein - und die Bebauung außerhalb durfte wg. militärischer Sicherheitsbedenken nur ein Stockwerk hoch sein -, dass man oben auf dem Wall stehend die Ziegeleien von Zollstock erblickte, wo in den Jahren nach 1870 viele Liègeois (in Lüttich arbeitslos gewordene Fachkräfte) schafften. Grabstätte FassbenderDie wurden dann hier beerdigt, aber auch reiche Kölner (z.B. der Lackfabrikant Lindgens aus Köln-Mülheim, meiner rechtsrheinischen Heimat), die in der "Millionärsmeile" auf Melaten keinen Platz mehr gekriegt hatten, oder denen es vielleicht an Beziehungen mangelte, die trumpften dann hier posthum mit Marmor, Stein & Eisen auf, weshalb der Südfriedhof auch nicht arm an prächtigen, interessant gestalteten Grabdenkmälern ist. - Da wäre beispielsweise das Fassbender-Erbbegräbnis, das seit 1930 existiert und für das der Architekt Bruno Violi aus Mailand 1935 links die Skulpturengruppe aus Marmor schuf: Männer, die einen schweren Sarg tragen, begleitet von einer Frau und einem Kind.Grabmal Olbertz Ich sollte sie der Aufheiterung wegen zu meiner Umzugsparty einladen! - Venus mit Pfau ist auch nicht schlecht, das Grabmal aus Muschelkalk und Bronze hat etwas Unzüchtiges, man denkt so gar nicht an die Vergänglichkeit dabei, eher an die Eitelkeit des Lebens oder Wollllust mit drei L. Grabmal OlbertzLaut Webseite der Stadt Köln sollen die Pfauen sinnbildlich für die Vergänglichkeit stehen; die Figur in der Mitte sei "geradezu androgyn zu nennen", als Seele des Mannes, Mathieu Olbertz, gest. 1927, und seiner Frau Frederike, gest. 1942, gleichzeitig gedacht. Ob das so stimmt....? "Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad, die Taube stellt den Federkragen hoch", heißt es im Gedicht Erklär mir, Liebe! von Ingeborg Bachmann. - Dabei ist der Friedhof, den Adolf Kowallek, der Gartenbaudirektor der Stadt Köln geplant hatte, zu 80 % gar kein Friedhof, sondern eine Parkanlage im englischen Stil, und hat nur 47.400 Grabstätten auf 65 Hektar, während sich in Melaten 55.000 Gräber auf 47 Hektar verteilen. Einige der schönsten liegen nicht mal an Hauptwegen, sondern versteckt in allerlei Heckenlabyrinthen.
    Natürlich gibt es auf dem Südfriedhof auch die Ruhestätten einiger mehr oder minder bekannter Kölner: FC-Präsident Franz Cremer, der Gründer von Fortuna Köln, Jean Löring, aber auch das Ehrengrab für Ursula Kuhr, die ebenfalls "im Dienst" gestorben ist (geb. kurz nach Anbruch des zweiten Weltkriegs, 3. Oktober 1939, gestorben am 11. Juni 1964), denn, wie es auf dem Grabstein heißt: "Sie opferte ihr Leben zum Schutz der ihr anvertrauten Schulkinder in Volkhoven", wo ein 42jähriger Amokläufer, traumatisierter Kriegsteilnehmer, mit Flammenwerfer und Lanze in die Volksschule stürmte, und seine ehemalige Klassenlehrerin sich zusammen mit ihrer Kollegin Bollenhagen, die ebenfalls wie acht von den Kindern starb (28 wurden verletzt), dem Kerl in den Weg stellte, der sich dann noch vor der Verhaftung mit E 605 vergiftete. Ich wurde (kein Witz!) bei meiner Kriegsdienstverweigerung von den Gewissensprüfern darauf angesprochen: "Was würden Sie tun, wenn Sie zufällig auf dem Schulhof wären, hätten einen Karabiner 98 K dabei...???" Richtige Antwort bitte ankreuzen! Na, als Pazifist würde ich alles tun, um ihm den Flammenwerfer zu entwinden, mich auf ihn stürzen, ihn notfalls niederschlagen usw. - Ein prominentes Grab ist auch das von Karl Berbuer (1900 bis 1977), von dem alle das Lied vom Müllemer Bötchen kennen ("Heidewitzka, Herr Kapitän"), sein Name ist handschriftlich in ein aufgeschlagenes Buch aus Marmor eingetragen. - Peter Müller, allenthalben als "de Aap" bekannt, hatte 1952 den Ringrichter vermöbelt und wurde "auf ewige Zeiten" gesperrt, zwei Jahre später durfte er wieder boxen, er wohnte bs zu seinem Tod 1992 an der Vorgebirgsstraße (ein Schul-Busfahrer in meiner Zivi-Zeit zeigte ihn mir, "da is der Aap") und war am Schluß wohl nicht mehr ganz bei Groschen, lief im Bademantel über die Straße. Man erzählt, ein Kind habe an der Straßenauslage beim Gemüseladen einen Apfel mitgehen heißen, was er gesehen hatte; da soll er den Knaben am Schlawittchen genommen und hochgezogen haben: "Wenn de dat nochemal määhst, schlach isch dich dut! un jetz jank laufe un lass et d'r schmecke..." Claes Oldenburg- Endlich sahen wir noch die Grabstätte der Familie Mauser, die vor dem Krieg Schusswaffen, und danach Bürometallmöbel produzierte (Wolfgang Neuss sagte: "...nicht die Neutronenbombe ist eine Perversion des Geistes, Herr Egon Bahr, der Karabiner 98 K ist eine Perversion des Geistes!"). Sodatengräber SüdfriedhofEigentlich wäre oben rechts das passende Grabdenkmal für die Familie abgebildet, aber das wollten sie wohl nicht, und so hat Claes Oldenburg die Knarre vor dem K 21 in Düsseldorf abgelegt. Statt dessen sieht man die Skulptur eines bärtigen, auf einen Sarkophag gestützten Mann, der schützend mit seiner Linken einen Jungen umfasst - "War Sigmund Freud pädophil?", Bombemopfer Südfriedhofso könnte man es etikettieren. - Einen großen und sehenswerten Teil des Friedhofs nehmen die weiträumigen Ehrengräber für die Opfer des Herrn Mauser und seiner Auftraggeber ein: vom Ersten und vom Zweiten Weltkrieg, mit einem eigenen Friedhof für italienische und britische Soldaten (der gewissermaßen britisches Hoheitsgebiet ist; der Gärtner dieses Teils ist Engländer und hat als einziger Nichtmilitär das Anrecht, dort begraben zu werden). - Die deutschen Steine aus dem Ersten Weltkrieg haben oft interessante Inschriften, die Geburtsdaten stehen dran und es sind oft sehr junge Leute; die angegebenen militärischen Posten (Füsilier etc.) existieren zum Teil gar nicht mehr. Es gibt auch Soldatengräber von Juden und Mohammedanern, hebräisch oder arabisch beschriftet. Im Zweiten Weltkrieg gab es ein Einheitskreuz aus Gußbeton, an den Kanten gebogen wie entchristianisiert und dem "Eisernen Kreuz" ähnlich gemacht - dabei sind die meisten gar keine Kombattanten gewesen -, auf dem nur ein Name oder mehrere stehen. Rund 20.000 Bombenopfer gab es in Köln ( davon liegen 7710 auf dem Südfriedhof; es gab sogar mal einen Fliegerangriff auf die Linie 12, bei dem 21 Leute starben), vor allem in der Nacht vom 31. Mai 1942, als 1660 Bombenflieger im Umkreis von zweieinhalb Kilometern rund um den Neumarkt alles dem Erdboden gleich machten. Die Opfer wurden teils nicht einmal identifiziert, Kriegsgefangene, aber auch Schüler mussten die verbrannten Reste aus den Kellern einsammeln. Aber auf jedem Kreuz steht ein Name, jeder Arier kriegt ein eigenes Grundstück und ein Kreuz darauf gepflanzt: das war der "Dank des Vaterlandes", aber ob die Inschriften stimmen, ist zweifelhaft. - Köln war dann von Engländern besetzt, die sich mit Konrad Adenauer nicht mehr so gut verstanden haben wie nach 1918. Am "Militärring" (wo er das Abholzen des Grüngürtels verhinderte, auch das Schleifen der Forts, aus denen Ausflugscafés werden sollten) hatten sie ihre Offizierssiedlung, die später Belgier übernahmen, da gibt's noch die anglikanische Kirche, und den Friedhofsbezirk hier. Englischer Soldatenfriedhof Zollstock
    This Cemetery was constructed by the government of the British Commonwealth..., steht am Eingang in die Mauer gemeißelt, es gibt zwei Wachhäuschen, in einem soll ein Totenbuch mit allen Namen liegen, und dasselbe in deutscher Sprache an dem anderen Häuschen: Englischer Soldatenfriedhof ZollstockHier ruhen Soldaten des Britischen Reiches, welche während des Weltkrieges 1914-1918 in Deutschland starben. Die durch ihre Gräber geweihte Erde ist als ewiger Besitz durch Vertrag mit dem deutschen Volke und der Stadt Köln gesichert auf daß ihre Ueberreste fuer immer in Ehren gehalten werden. 1925 wurde der Friedhof errichtet, unter OB Adenauer; er ist natürlich allen Besuchern immer geöffnet (ob auch am Bankfeiertag, habe ich nicht gefragt), und vor den spitzigen Wachhäuschen stehen leider keine rot uniformierten Gardisten mit Pelzmützen, was ich bei Trooping the Colours immer so pittoresk finde. 2700 tote Briten aus dem Ersten Weltkrieg liegen hier, auf ihren Steinen sind die Abzeichen ihrer Regimenter: gekrönte Brezel etc., in deren Mitte ein gigantisches Schwert-Kreuz, weitere hinten liegen Besatzungssoldaten,  BFBS-Mitarbeiter, Angehörigen etc., die nach dem Zweiten Weltkrieg in Köln gestorben sind. Den italienischen Friedhof habe ich nicht gesehen, der entstand zwischen 1925 und 1928, es gab ähnliche Enklaven für die italienischen Weltkriegstoten in München, Berlin und Breslau.

    Am Schluss kamen wir wieder beim Eingang an und bewunderten noch den nagelneuen Grabkerzenautomat ("mit Zündholz"), bei dem man sich hier mit dem Nötigsten versorgen kann, falls man Kleingeld hat & nicht in die überwältigende Blumenladenmeile gehen will, die im weiten Umkreis vor der Mauer Kränze, Dekor und Zierpflanzen offeriert. Unten an der Automatensäule eine Entsorgungsklappe für abgebrannte Lichter ("leere Mehrwegbecher hier einwerfen!"). Außerdem stehen hier ein paar besonders sorgfältig bepflanzte Gräber ohne Namen, das ist die sog. "Mustergrabanlage", eine ständige Ausstellung des Friedhofsgärtnerverbandes mit Vorschlägen, was man denn so machen lassen kann, darf und sollte, wenn es so weit ist... "Flächenbepflanzung: Euonymus fortunei 'Emerald Gaiety' oder 'Minima', Rahmenbepflanzung: "Pinus mugo 'Mops', Lichtanspruch: sonnig", und nicht vergessen: "Bis zur endgültigen dauerhaften Grabanlage wird der Hügel bepflanzt, damit sich das Erdreich nach einer Bestattung setzen kann." Darauf muss ich mich auch erstmal setzen. Das Pförtnerhäuschen, das wir passierten, um noch einen Kakao im Café Metternich zu trinken (hier gebe ich Salonabende, wenn die Besitzerin mitspielt), war übrigens schon mal abgerissen und wurde nach Bürgerprotesten mit einer Spende wieder aufgebaut.


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  • Commentaires

    1
    Kornelia
    Lundi 1er Novembre 2010 à 14:57

    Das Grab ist schön und sehr einfach - es braucht nur das Herbstlaub zu beseitigen und wenige herbstliche Blumen darauf. Wenn alles scheinbar so einfach wie dieses Gedenken ist.

    2
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mardi 2 Novembre 2010 à 11:36

    Das Grab ist wirklich schön, auf dem Foto wirkt es riesig, ist das ein Familiengrab? Und es ist so ganz anders als die spießigen Schrebergärtlein, die man wohl oder übel auf dem Friedhof in Nütterden anlegen muss, weil sonst das Dorf tratscht. Sehr arbeitsintensiv, immer Unkraut zupfen, Bepflanzung austauschen, alles stutzen, was zu natürlich wächst, neue Erde drauf, es gibt ungelogen tiefschwarze Graberde. Und der Clou, die Umgebung in der Nähe des Grabes jäten, also Heckenwurzeln hinter dem Grab ausgraben etc. Dafür ist der Friedhof aber auch sehr lebendig als Treffpunkt der alten Weiblein und wenigen Witwer.

    3
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mardi 2 Novembre 2010 à 11:42

    Schade um die Lampe, aber man kann Lampen auch in einem Stein verankern wie auf dem Grab meines Vaters, dann ist es vielleicht nicht so interessant, sie mitzunehemn wegen des überflüssigen Gewichts. Früher hätte es das nicht gegeben, da hatten die Menschen nachts noch Angst auf dem Friedhof, und wer ein Grab bestahl, den ergriff eine kalte weiße Hand, die sich aus der schwarzen Erde reckte.

    4
    Mardi 2 Novembre 2010 à 14:02

    Gerade lese ich, dass von einem Kindergrab eine Hello-Kitty-Puppe gestohlen wurde. Aber vielleicht hat das kalte weiße Händchen sich die auch selbst gegriffen.

    5
    hdor Profil de hdor
    Mardi 2 Novembre 2010 à 20:02

    es gibt eine grausige Geschichte von den Gebrüdern Grimm, das böse Kind oder so, das reichte immer sein Händchen aus dem Grab ...

    dann musste die Mutter hin und das Händchen schlagen, dann war Ruhe !

    es ist zu gruselig , brr!

    6
    Jeudi 4 Novembre 2010 à 07:36

    Friedhofsskulpturen zur Party einzuladen kann böse Folgen haben. Davon würde ich abraten.

    7
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Jeudi 4 Novembre 2010 à 12:52

    Dieses Märchen ist besonders gruselig durch seine pädagogische Aussage.


    Die Szene aus Don Giovanni ist so richtig klasse, zu Studizeiten habe ich das mal im Film gesehen, sehr beeindruckend. Und schon habe ich wieder Lust, meine Idee mit dem sozialen Netzwerk der Toten zu realisieren.

    8
    Kornelia
    Jeudi 4 Novembre 2010 à 17:51

    Irgendwie passt in diese Zeit für mich jetzt der Phoenix. Als Symbol der Vergänglichkeit und des anschließenden Neubeginns.

    9
    Matthias Troost
    Lundi 7 Novembre 2016 à 22:08

    ... um nochmals auf das Sinnbild der Pfauen zurückzukommen. Der Pfau symbolisiert genau das Gegenteil der Vergänglichkeit, die Ewigkeit ...

      • Mardi 8 Novembre 2016 à 10:52

        ok, auf der Webseite der Stadt steht's auch anders, wurde vielleicht geändert oder ich hab mich verlesen bad

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