• "Bessere Nachbarn als diese finden wir überall", schrieb ich vor einiger Zeit, als wir noch woanders wohnten, weil sich die damaligen bspw. standhaft weigerten, ihren (eigentlich öffentlichen) Dauerparkplatz wenigstens für die 2-3 Stunden unseres Umzugs freizuräumen. Dafür wohnen hier herum die schreibfreudigsten. In der neuen Umgebung gerieten wir damals in den schneereichsten Winter seit Jahren und säumten der Räumpflicht nicht, erfüllten diese vielmehr freudig vor Tag und vor allem vor Tau (denn man tau), was weißdergeier nicht jeder hier macht, und zwar mehr oder minder allein, denn im Haus sind von 7 Mietparteien 5 eher älteren Semestern zuzurechnen, drei Ehemänner waren damals gebrechlich usw. Damals habe ich auch den Hof gekehrt, entlaubt, die Rose unten beschnitten, Bank und Tisch gesäubert und mein Tomatenhaus in den Hof gestellt.Zettel (nicht an mich) aus der Südstadt Als das Ehepaar über uns auszog und zwecks Renovierung jede Menge Bauleute aus- und eingingen, vor allem durch den Keller, gewöhnte ich mir auch noch an, die Kellertür nachts abzuschließen. Das aber erregte bei zwei Mietparteien hier im Haus Unmut (obwohl es so und nicht anders in der Hausordnung steht, und von der Eingangstür nicht mal die Rede ist, die 24 Std. offen ist und theoretisch von 19.00-7.00 zugeschlossen gehört.

    Ich wurde von den beiden Betreffenden, die in dieser Sache kooperieren, aber nicht persönlich angesprochen, sondern erst hinterrücks denunziert, dann über Dritte (Hausverwaltungsangestellter) einer UnterscNawattdenn, kehren oder nicht oder was oder wannhlagung bezichtigt und schließlich genötigt (wozu ich laut Mietervereinsberatung verpflichtet war, sonst hätte ich's nicht gemacht), unseren (Wasch-)kellerschlüssel der besitzenden Genossenschaft abzugeben, sonst, so drohte man, hätten wir den Austausch von Zylinderschlössern bezahlen müssen. Aberwitzig! Mitleidige andere Mietparteien, die das irgendwie mitbekommen haben müssen - es muss lebhafte Kommunikation im Haus funktionieren, nur nicht mit uns, und jetzt erst recht nicht mehr - legten uns daraufhin zweimal Kopien, die sie offenbar seit 1965 (die Mehrheit der Leute wohnt seitdem hier) besitzen, in den Briefkasten, aber weil die Sache nunmehr ja amtsbekannt war, gaben wir diese Duplikate selbstverständlichSchreibfreudige Nachbarn pflichtschuldigst auch ab. Schade um die Liebesmüh der Heinzelmännchen. Das wäre alles uninteressant und ist längst Geschichte - meine Tomatenplantage habe ich inzwischen teils upside-down auf Balkon bzw. Terrasse verlegt, den Laubbesen rühre ich nicht mehr an, betrete den Hof (in welchem ja auch 12 Garagenbesitzer mal das Laub wegmachen könnten, wenn sie's denn täten) nur noch zum Fahrrad-Herausholen,  und wenn dieser Winter wieder so kalt wird, werde ich nach dem Schippen 7 verwunschene Schneetage warten, damit die lieben Nachbarn auch mal Gelegenheit bekommen, ihren Eifer, der sich in wahrer Schreibwut äußern, anders abzureagieren wie ich, der ich noch nie als Leser einer schriftlichen Wandzeitung geantwortet habe (ich hab auch, ehrlich gestanden, meistens die Lesebrille nicht greifbar). Inzwischen sind aber neue Leute hier über uns eingezogen, und seitdem tobt eine regelrechte "Zettelschlacht". Aus irgendeinem Grund drückt hier kein Mensch den Klingelknopf, wenn er was auf dem Herzen hat (nur die Neuen Nachbarn befragten uns mal, just als ihr Kindlein auf die Welt kam, dessen Gequäke könne uns doch mitunter womöglich zu laut werden, barmte die junge Frau, was wir gestikulierend-beschwichtigend abwehrten), lieber schreibt man eWinterdienst an der langgestreckten Kurveinen öffentlichen Zettel, und ich hätte gute Lust, eine Wandzeitung im Treppenhaus einzurichten, mit Korktafel und Stecknadel und der Überschrift "unabhängig - überparteilich". Leider habe ich die schönsten Zettel nicht abfotografiert, weil ich nicht dran gedacht habe, dass sie ja an die Öffentlichkeit richten und daher hier durchaus annonciert werden dürfen - mit getilgten Namen, versteht sich. Das handschriftliche Gekrakel eines sonst gutwilligen Mitbewohners, der immer die Mülleimer vor die Tür stellt (gern auch anderthalb Tage vor dem kalendermäßigen Abholtermin), beschwerte sich beispielsweise, dass die Mülltonnen nicht wieder hereingestellt würden, wobei er namentlich die männlichen Bewohner, die morgens das Haus verlassen, ansprach. Vielleicht sollte das der Belehrung des frischgebackenen Vaters im 2. Stock dienen? Mich kann er nicht  gemeint haben, denn ich bin bekanntlich Heimarbeiter. Obwohl die Leute hier vermutlich immer noch darüber rätseln, womit ich mein Geld verdiene - Drogenhandel? Telefonsex? Warentermingeschäfte? Ein anderer Zettel beklagte schon vor ca. anderthalb Jahren, die Schreibfreudige Nachbarn Türe im Hof bliebe neuerdings offen stehen (da waren wir grade neu hier, damals schloss ich sie noch nicht ab, das kam erst später). Diese Tür vom Keller zum Hof hat allerdings die Neigung, wieder aufzuspringen, wenn man sie nicht mit Schmackes ins Schloss wirft, und eine andere hat ein Schloss aus den 1930er Jahren, die ist nie abgeschlossen. Das war damals, als man uns auch den Fahradkeller verwehren wollte, wir hätten doch einen großen Keller, wir blieben aber eisern, der Fahrradkeller und der Trockenspeicher sind mitgemietet. - Wer immer damals die Genossen alarmierte, hat sich allerdings dann auch mündlich bei meiner Frau beklagt wegen der offen stehenden Tür, die ich damals noch gar nicht so ernst nahm, schließlich geht sie fast nie und ich nur selten durch. Es besteht bei dieser bewussten Person offenbar erhebliche Panik, es könnten Kleinnager oder Insekten in die geschützte Hülle des Treppenhauses eindringen. Dabei gäbe es für diese Viecher so viele andere mögliche Zugänge, deshalb ist die Sorge, sie könnten die offenen Kellertüren zum Hof einrennen, vorgeschoben oder meinswegen der Paranoia der Trümmerkindergeneration geschuldet. Dann war da noch die Sache mit dem Tropckenspeicher. In dem lagern die lieben Nachbarn seit Jahren jede Menge Sperrmüll, was feuerpolizeilich streng verboten ist. Das ging raus und rein, vor allem interimsweise, als das ältere Ehepaar auszog. Nicht, dass uns jemand vorgewarnt hätte, so dass wir vielleicht unsere nasse  Wäsche hätten abhängen können, bevor irgendwelche Sofatrumms, altfränkische Gastronomie-Eckbänke oder sonstiges Gelsenkirchener Barock unter den Hosen, Hemden, Tischtüchern und Socken durchgeschoben wurde. Mittlerweile ist es wieder etwas leerer, doch steht immer noch genug herum, die ganz oben wohnende Partei hat hier eine probate Wohnraumerweiterung. Auch alte Herrenjacketts wurden oben wochenlang ausgelüftet, und zwar je zwei auf einer Leine. Als ich mal einen größeren Bettbezug aufhängen musste, erlaubte ich mir, alle ca. 12 Jacketts zusammen auf eine andere Schnur zu hängen. Die Person, die ihre Wäsche sonst über diese spezielle Schnur zu hängen pflegt, war darob erbost und machte schriftlich bekannt, das Menschenrecht, den Trockenspeicher zu nutzen, gelte schließlich für alle, da dürfe ich nichts "weghängen". Aber nichts anderes habe ich doch getan! Ich habe auch nutzen wollen und bin für meine Nutzung nicht weniger tatkräftig eingetreten.Gut, wenn man Sachen wochenlang droben lässt, aber ich sammle ja nach drei Tagen alles wieder ein. Diese Mietpartei unterschrieb ihre Computerbriefe bisher übrigens immer mit "Gez", als wäre das der Vorname. Schade, früher klebte "Gez" mir nette gelbe Notizzettel Inschrift an Hausfassademit selbstgekritzeltem Kugelschreiber-Smiley an die Tür, weil ich immer die Paketsendungen irgendwelcher Internet-Klamottenversender annehme, jetzt kriege ich in meinem nicht mehr beschulungsfähigen Alter Handlungsanweisungen für das Kehren des Trockenspeichers. - Jedenfalls bin ich erst spät auf die Idee gekommen, eine Sammlung anzufangen und diese lustigen Zettelchen hier aufzuheben. Mal sehen, was noch alles kommt. Das letzte war, auf hochoffiziellem genossenschaftlichem Briefbogen, die Aufforderung, die Tür vom Keller zum Hof nun doch zu (ver-??? sie drücken sich nicht ganz präzise aus bzw. etwas drumherum!) schließen, und am Morgen des Tages, als dieser Zettel auftauchte, war diese Tür wahrhaftig mit 2x umdrehen verschlossen. Diese Tür blieb, seit ich mich nicht mehr darum kümmere, tagein, tagaus unverschlossenen. Drum dürfen sie sich künftig selber kümmern - und was das Hofkehren betrifft, das sollen mal schön die erledigen, die alle nötigen Schlüssel auch vom Waschkeller zum Hof haben, wir können da ja nicht mal mehr den Gartenschlauch benützen, um die Vogelbadewannen aufzufüllen. Jedenfalls bin ich fast sicher, es bleibt nicht der letzte Zettel seiner Art und ich werde noch manche Fortsetzung hier unterbringen...


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  • Seit einigen Tagen schon blüht der Baum, und hier in der Gegend kommen die schönsten Farben zum Vorschein.Frühlingsfarben Leider sind für viele schwermütige Menschen die Frühlingstage nicht immer das Wahre, nicht dass ich mir kalten, regennassen Wind und düsteren Herbst herbeiwünsche, und ich weiß es durchaus zu schätzen, wenn die äußere Natur keimen, sprossen und blühen will, aber den Betrachter selbst zieht es dann immer tiefer ins Innere zurück und er beargwöhnt skeptisch, was da kommen mag. "Schwarzer Frühling", dieser Titel eines Buchs von Henry Miller kommt mir in den Sinn. Und der Schnitter, der sie allesamt sensalabims hinmähen wird, wenn die Zeit gekommen ist, die schön Hyazinth', die türklische Bind... Währenddessen kleidet sich die Stadt in die bunten Pop-Farben, dFritz-Encke-Maerchenpilzie gegenwärtig wieder en vogue sind. Man kommt sich ja wie in den Siebzigern vor! Da findet im Mai ein Freak-Festival statt, das ganz an die Plakatkunst jener Jahre erinnert. Am Märchenpilz im Fritz-Encke-Volkspark steht ein maisgelb restaurierter Trommlerjunge, der erinnert an einen schnauzigen, großmäuligen und nur von sich überzeugten Nobelpreisträger, der jetzt allen leid tut, weil er nicht nach Israel einreisen darf, wo er zuletzt vor über vierzig Jahren war. Da gibt es einen neuen Eisverkäufer, der sich "yogout" nennt und sein Softeis auf demselben Weg an den Mann oder die Frau oder das Kind bringt, wie wir es von dieser Salatbastei vor dem Bonner Hauptbahnhof kennen: Man häuft sich selber auf, ohne vorher einschätzen zu können, was es kosten wird, und wiegt hinterher ab, und wehe, einer versucht das Softeis wieder in die Röhre zu drücken, wenn die Barschaft nicht reicht! Außerdem kann man sich jede Menge "Extras" auf das Eis toppen, Blumen auf der Wieseals da wären Schokokrümel, bunten Zucker, Marshmallos oder anderen Schnickschnack, wiegt natürlich auch schwerer und kostet den gleichen Grammpreis wie das Eis. Egal, der Laden ist poppig bunt und immer voll, man sitzt auf den - allerdings wenigen - viereckigen Sitzkissen oder steht an Stehtheken und löffelt sich das Zuckerzeug in die Birne.

    neuer Eisladen an der Bonnerstraßeneue Eis-Geschäftsidee yogoutPlakat für ein Freak Valley Festivalpoppige Strümpfe im Schaufenster


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  • Kalscheurer Weiher im Eis

    Was man hier oben sieht, ist kein Beispiel von "Abstraktem Expressionismus", eher Aktionskunst und objet trouvé in einem - so sah nämlich der Kalscheurer Weiher vorgestern nachmittag aus, als wir drauf herumspaziert sind. Gar nicht so einfach, sich zwischen Eishockeystürmern und Schlidderstunts den Weg zu bahnen. Allerdings haben wir jedesmal, wenn es vernehmlich "knack" unter unseren Schuhen machte, das rettende Ufer gesucht und uns gefreut, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.Eislaufen Links ein Bild von dem Tümpel. Nach Breughels berühmter Schlittschuhparty sieht es zwar nicht aus - wahrscheinlichVogel-Wasserloch waren der Decksteiner Weiher oder der Teich im Volksgarten viel bevölkerter. Aber wir haben einen echten Kiosk, betrieben von der rührigen Bürgerinitiative, in dem man Kaffee und Kakau für einen EUR serviert bekommt. In milderen Monaten kann man da auch Ruderbötchen mieten, darf aber nicht so nah an die Vogelinsel mitten auf der Wasserfläche ran wie jetzt zu Fuß (Verbotsschilder hindern dran). Wir waren mal kurz hinspaziert, denn die Wasservögel waren von mildtätigen Parkschützern und Vogelwarten zwischenzeitlich ausquartiert worden, da nicht mal das Wasserloch mehr geöffnet war. Aber die Vogelinsel ist nicht wirklich interessant, von Gestrüpp überwuchert und erweckt den Eindruck, dass man hier nicht nur in Vogelkacke treten kann, wenn man die Böschung erklimmt. Unser südstädtisches "Alstervergnügen" hielt sich aber insgesamt in Grenzen, auch wenn es immer ein paar Leute am Büdchen (rechts im Bild) gibt, die sich Kuchen, Kaffee oder ein ordinäres Bier bestellen.  Immerhin hat keiner auf der Eisfläche Kastanien auf Öltonnenfeuer gebraten, wie ich das mal auf dem Sund in Stockholm gesehen habe, im Winter Büdchen am Kalscheurer Weiher1999/2000 war das, glaub ich, als ich mit einem Stipendium der Nobelpreisakademie einen Vortrag am slawistischen Institut hielt, für eine Appel & Ei-Miete bei Quäkern wohnte und in müßigen Nebenstunden in Uppsala Briefchen aus dem 19. Jahrhundert las...

    Welche Nachrichten man auch einschalten wollte in den letzten Wochen, "die Kälte" oder wahlweise "der Winter" hatte uns "fest im Griff". Wenn die Kälte Hände hat, hat sie mir vielleicht den einen Handschuh geklaut, den ich seit einer Fahrt nach Bonn und seit dem Bedienen eines Briefmarkenautomaten vermissen musste. Vielleicht zog ich den Handschuh aus, um das eiskalte Geld aus der Tasche zu holen und in den Automaten zu stecken. Einstieg am RheinkaiNatürlich bin ich dreimal zu dem  blöden Briefmarkenautomaten zurückgekehrt, aber nichts zu finden, es war auch schon ein-zwei Tage später. Wir waren auch am Rhein, die Treppenstufen am Kai waren ebenfalls ziemlich zugefroren, der Rhein selber aber fließt normal weiter, weil er vom heruntergespülten Kühlturmwasser unserer lieben stromerzeugenden Kraftwerke genug aufgeheizt wird. HundeschuleNur von älteren Anrheinern oder aus historischen Dokumentationen erfährt man gelegentlich was von treibenden Eisschollen auf dem Fluß, wie wir sie mal vor Jahren in Frankfurt auf der Oder gesehen haben. Da kommen bestimmt auch, von Scholle zu Scholle, blutgierige Wölfe herüber - von Osten, versteht sich! Vor Wölfen muss man sich allerdings im Grüngürtel nicht in Acht nehmen, hier laufen einem höchstens Gebrauchshunde über den Weg, die an drei Tagen in der Woche von einer in der Nähe gelegenen Hundeschule ausgebildet und wahlweise blindentreu oder mannscharf gemacht werden. Vielleicht sollte ich mir einen treuen Bernhardiner aus dem Abiturjahrgang abholen, der mir zur Not den verlorenen Handschuh apportiert. Gegen ein Fäßchen am Halsband mit irgendeiner stärkenden Flüssigkeit drin und entsprechendem Zapfhahn dran hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden.

    Auf unseren Spaziergängen sind wir sonntags immer gern auf der Pirsch nach was Süßem, normalerweise liefert das Café Metternich den zweitbesten Käsekuchen, aber neulich wollte ich mal in Bayenthal nachsehen, das ist die Gegend hinter dem Nobelhaufendorf Marienburg mit vielen Jugenddstil-ErbvillenArchitektenhaus in Bayenthal und den noch immer hier ansässigen Konsulaten. Bayenthal ist mehr stadteinwärts gelegen. Hier finden sich viele Architektenbüros, Anwaltskollektive, "Stiftungen" und "Institute" und "Academys" mit formschönen Messingschildern am Portal. Hier sind die seniorengerechten Eigentumswohnungen für den immer noch prallen, aber bescheideneren Geldbeutel. Da muss es doch jede Menge Omis und Opis geben, die Geld genug haben, es in ein Traditionscafé zu tragen. und tatsächlich - von dem Architektenbüro mit dem seltsam in den Altbau hineinplatzierten roten Würfel an liefen uns lauter Menschen mit lila eingeschlagenen Kuchenpaketen entgeTannenbaum mit Styroporschneegen, die aus einem  Café Hirsch in der Goltsteinstraße kamen. Wir gingen in das Café und fanden wirklich einen freien Platz. Kuchen war auch nicht übel, vielleicht nicht ganz so überragend wie der im Metternich, aber ganz passabel. Und es war die Hölle los, vermutlich, weil es in der ganzen Südstadt kein Traditionscafé in dieser Art mehr gibt, in der Severinsstraße sind höchstens noch Bistros, Kölschkneipen, Tapas-Bars und Dönertheken zu finden und allenfalls noch die mit leicht gammeligem Charme und antikem Schulklasseninventar möblierten Alternativschuppen der Grün-Ökos mit Namen wie "Pauls Schwester". Pauls Schwester heißt übrigens nach meinen bisherigen Recherchen Ruth, weshalb sie aber nicht ihren Namen ins Ladenschild setzt, weiß ich nicht, vielleicht hat Paul die Anschubfinanzierung übernommen oder war der Vorbesitzer - und man könnte wirklich mal einen dieser vanilleparfümierten Kaffees oder Aufgüsse mit frischem Ingwer bei Pauls Schwester bestellen, wenn man einen Platz fände oder auch nur drankäme, denn sie unterhält sich wahnsinnig lang über der Kaffeebereitung mit jedem Besucher und ist offenbar erst nach Ablieferung des Gewünschten (nur für Selbstabholer, an der Theke) offen für neue Bestellungen. Kuchentheke Café HirschAber im Café Hirsch, übrigens der einzige mir bekannte Konditor mit angeschlossenem Torten-Taxi (Lieferung innerhalb einer Stunde!) und selbsternannter "Spezialist, wenn es um frische Geburtstagstorte in Herzform" geht, findet man auch nicht leicht einen freien Platz, weshalb sich hier viele den Kuchen von der Theke nach Hause mitnehmen. Aber man wird auch bei Spitzenverkehrszeiten pünktlich bedient. Und was man beim Hirsch noch findet, im Schaufenster nämlich und das offenbar noch seit Weihnachten: einenTannenbaum, der sich von selber von oben bis unten einschneit, zwar nicht mit richtigem Schnee, aber mit Styroporkügelchen, die aus dem Stamm in der Mitte nach oben hervorsprudeln und den Baum wieder und wieder mit Weiß bedecken, wobei die Kügelchen in eine Auffangschale (umgedrehter Schirm) herabperlen, um von dort wohl angesaugt, hydraulisch nach oben befördert und wieder ausgespuckt zu werden. Tauet, Himmel, den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab! Sehr originell, besonders um diese Jahreszeit, wo man sowieso dauernd mit spontanem Schneefall mit anschließendem Räumkommando auf dem Viertelkilometer Bürgersteig vor dem Haus rechnet, und bald auch mit Styroporkügelchen, Luftballons und Bonbonpapieren, denn Ende der Woche beginnt das Karnevalstreiben in unserem Städtchen...


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  • Am Neujahrtag, wie hier berichtet, erregte ich mich über den Sylvestermüll am Rheinufer, und siehe da, schon am DreikRheinufer bei Hochwasserönigstag war alles weggespült worden, allerdings nicht von den Kehrmännchen, sondern von Vater Rhein, der soeben zu ungeahnten Möven am RheinMassen aufschwillt. Der Ort, wo wir gemütlich spazierengegangen sind, liegt jetzt schon einige Meter tief unter Wasser, und von den Baumkronen ragen gerade mal ein paar Zweige empor. Wir nutzten die letzten einigermaßen schönen freien Tage nochmal für einen Spaziergang durch die Südstadt und endeten am Rheinufer, wo wir viele, viele Möwen sahen. Eine Fütterungsaktion eines älteren Herrn bot uns die Chance, ein paar von den Tieren fotographisch zu verewigen. Wirklich hübsch, wie sie da auf der Stange saßen und erwarteten, dass es noch ewig so weitergeht mit dem Aus-der-Hand-Fressen (natürlich verstreute er auch Brotreste in der Luft, aber die geschicktesten pickten ihm die Streifen im Vorbeifliegen zwischen den Fingern weg). Mövenfüttern am RheinuferMöve am RheinuferEin bisschen wie am Meer wohnt man hier als "Anrheiner". Die Breite des Stroms erweckt wirklich diesen Eindruck.Möve auf dem Ufergeländer Auch dass er so schnell fließt, grau und bleiern, wie er von weitem aussieht, gibt mir manchmal ein Möven am Rheinuferunbehagliches Gefühl. Am Sylvesterabend wollte ich nicht gern hineinschauen in diesen schwarzen Mahlstrom, in den wer weiß was für Sauereien des Alten Jahres  versenkt werden von den Sündern. Aber mit Emmerich, wo der Fluß fast unüberbrückbar breit wird,Möven am Rheinufer lässt sich das hier natürlich nicht vergleichen. An der Stelle, wo man wirklich nicht mehr weiterkam (der obere Radweg an der Rheinuferstraße wird wohl bis 2030 durch die U-Bahn-Baustelle versperrrt bleiben), fand sich noch eine lustige Botschaft der Tiere an die Menschen.Tauben auf dem Rheinufer-GeländerMöven am RheinuferSchweinchen-GraffittiFlood on the tracksDas Leben am Fluss hat etwas Meditatives, kann aber auch unbehaglich stimmen, denn das Wasser ist eine meist unterschätzte Gewalt. Der Rhein ist ja immer ziemlich gewaltig, aber wie aus einem winzigen Bächlein in Südeuropa ein tückisches, Unmengen von Schlamm und Geröll transportierendes Lawinenungeheuer werden kann, wer das mal erlebt hat, kampiert im Frühjahr in den Pyrenäen nicht mehr in Hanglage. - Als vor Jahren mal dieser Campingplatz dort überflutete und die Leute in ihren Wohnmobilen ertrunken sind, habe ich mir geschworen, überhaupt nur noch zu zelten, weil man der Gefahr dann akustisch und sinnlich viel näher ist und schneller die Beine in die Hand nimmt. Überhaupt wird man sich im Moment der Gefahr von allem Besitz verabschieden müssen. Wer ein dickes Wohnmobil sein eigen nennt, ist sich dessen vielleicht weniger bewusst, weil er glaubt, zwischen ihm und der Naturgewalt seien noch vier schützende Wände. Über Karl Philipp Moritz berichtet Varnhagen in seinen vermischten Schriften (die erwähnte Freundin ist natürlich Rahel gewesen): "Zuweilen war er in seltsame Träume versunken, und lebte mit wunderlichem Eigensinn ganz in seinen Bildern. Die erwähnte Freundin fand ihn einmal in der Berlin auf einer Brücke am Geländer stehen, und übergelehnt unverwandt in das Wasser blicken. Sie redete ihn an, und hegte einige Besorgniß, ihn seinem Tiefsinne zu überlassen zu sehen; er aber grüßte sie freundlich, und sagte, auf das Wasser zeigend: 'Da unten sind viele Gesichter, und eins, das mir ganz besonders gefällt, sieht mich immer liebreich an, und wenn's mir noch lange so gefällt, so muß ich zu ihm.' - Solcherlei war in ihm der tiefste Ernst, und seine Freundin mußte ihn, trotz aller Bemühungen ihn mitzunehmen, allein auf der Brücke zurücklassen."

    Möven auf dem Geländer am Rheinauhafen


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  • Über die Weihnachtstage kam mir endlich nach langer Durststrecke ein Auftrag ins Haus, passend zum Thema "Salonkultur", passend auch zum Scherenschnitt-Wesen,Shampoowerbungdas mich in Form von Vereinssatzungen auch die ganzen Feiertage über beschäftigte (telefonisch, schriftlich). Im einen Fall war es ein Vorstand, der nie gültig gewählt wurde und außerdem keine Beschlüsse fassen kann, da er die Mindestkopfzahl nicht erreicht, im anderen eine Shampoo-Traditionsfirma, die seit Jahren mit dunklen Gestalten wirbt. Inzwischen zeigt sie in ihren Prospekten lieber schlanke blonde Lichtgestalten mit allerneuester Mode,Türkisches Sylvester u. a. inspiriert von einer Typenlehre, wie sie anachronistischer nicht sein könnte. Aber nichts da mit Pyknisch-leptosom-athletisch, wie ich das noch gelernt hatte, sondern dunkle Engel, kühle Jäger, wohlhabende Hippies und Menschen, die süchtig nach Leibesübungen sind, so könnte man die Namen dieser vier Gruppen übersetzen, die derzeit stilprägend für die Mode sind (nur 2011, für 2012 gibt's bestimmt wieder was neues). Aber wozu Übersetzen? Übersetzer werden gar nicht mehr gebraucht, heute können alle Denglisch. Die Überschriften bleiben original, der Text wird den Schopfkosmetikern eh deutsch und englisch geboten. Und deshalb bSchilder in Bayenthaleschränkte sich das Auftragsvolumen auch aufs Korrekturlesen, was natürlich bei weitem nicht so gut bezahlt wird, dass man sich, wie typisch für meinen Modetyp (weder Jäger noch Engel noch sportief), einen hippen und trotzdem opulenten Lebensstil leisten könnte. Also saß ich für eine vergleichsweise bescheidene Überweisung, die glücklich noch im alten Jahre versteuert werden kann, über einen Text gebeugt, der in vielen schönen Worten ungefähr das aufgriff, was Doc Doxey, dieser Quacksalber auf den Wildwest-Märkten in "Lucky Luke" verspricht. Eine Statistik immerhin war interessant, sie besagt, dass nur ein Drittel der Besucher eines Koaförs (so und nicht anders die Ortographie des türkische Salons "Flash" an der Bonner Straße) blond sind, aber 60 % des Umsatzes mit Blondprodukten gemacht wird. Natürlich ging ich die Korrekturarbeit ruhig an, am Heiligmorgen wurde erstmal Wäsche gewaschen, wie heute, am 2. Januar auch wieder (zwischen Weihnachten und Neujahr soll man bekanntlich keine aufhängen - und zwar entweder, weil sich sonst garantiert jemand erhängt, wenn die Leine gespannt wird, oder, weil sonst der Weiße Reiter kommt und Unglück über das Haus bringt, da hilft auch kein Weißer Riese mit Riesenwaschkraft). Daher beschäftigte ich mich am 1. Weihnachtstag erst mal mit Ausdrucken (neuer Drucker, dann, weil ich den noch nicht richtig bedienen kann, auf den alten umgewechselt), druckte nur die Textseiten aus, die ich mir dann auch noch hochkopieren musste, weil sie viel zu klein waren, das wird ein stattliches Vierfarbprodukt mit Zeitschriften-Anmutung, mit vielen leichtbekleideten Miezen und Muskelmännern drin. - Den Heiligabend verbrachte ich indessen bei meinen Schwiegereltern, auf einer traditionell-familiären deutschen Weihnachtsfeier, Übergabe der Geschenkewo nicht weniger als 18 Personen ihre beschrifteten Pakete unter den Baum legten - die Kleinsten hatten auf dem Weihnachtsmarkt Ente und Gans an die Krippe gebracht, wo auch Schäflein, Ochs und Esel das Wunder der Menschwerdung Jesu bestaunen. Weihnachtsgaben unter dem BaumEbenfalls wie durch ein Wunder waren die Geschenke im Handumdrehen an die richtigen Empfänger verteilt, das war, obwohl es auch die Kleinsten erledigten, eine Sache von Sekunden. Na, und wenn sich jemand über ein Geschenk gefreut hat, war es mein Schwiegervater, dessen Tochter von der Pferdemetzgerei drei Häuser neben dem Koaför Flash (das sh wird übrigens türkisch, mit so einem diakritischen Punkt unter dem s geschrieben) eine Dose Sauerbraten mitgebracht hatte. Dieser nette, aber nicht leicht zu beeindruckende Mann, der sich eigentlich nie was wünscht, setzte sein sonnigstes Lächeln auf und stieß fast unhörbar (nur von mir wahrgenommen, der ich ihn durch die kreischende, geschenkeauswickelndeWeihnachtskrippe Kinderschar hindurch beobachtete) einen recht von Herzen kommenden kölschen Seufzer der Genugtuung hervor, der nach Heinrich Böll in der Öffentlichkeit mitunter zu Mißverständnissen einlädt. Als aber die gesamte, teils von weither angereiste Familie, zu der gefühlte vier Generationen hier versammelt waren, dazu einige Gäste, Freunde, ein Austauschschüler aus Martinique und so weiter, am Wohnzimmertisch Platz nahm, um eine gewaltige Fondue anzuleiern, irgendeiner hat immer noch keinen Stuhl, verabschiedeten wir uns freundlich, obwohl für alles und alle im Überfluss gesorgt war, wie immer wieder beteuert wurde. Trotzdem war der Trubel bei 18 Personen natürlich viel zu groß, und wir hatten schon unsere ebenfalls traditionelle Fondue für zuhause eingekauft. -Sylvesterfeuerwerk Die nächsten Tage vergingen relativ untätig, ich wollte eigentlich Jahresendgrüße auf den Weg bringen, was mir zu mühsam war, außerdem hielt mich der Scherenschnittverein in Beschlag und auch die als "dschipacks" zu Dutzenden an meinen Auftraggeber versandten Korrekturen hielten mich noch in Atem, weil die Bilder durch das Internet teils schadhaft auf der anderen Seite ankamen - so unzuverlässig ist auch die elektronische Post, der ich aber dann trotzdem unseren Meeresglückwunsch anvertraute. Zwischendurch Spaziergänge durch das trübe Jahresendgrau, bei ungewohnt warmen Temperaturen, teils im Grünen, teils in der Stadt, wo wir bereits verbilligte Abreißkalender (Großvaters Grüne Gartentipps, jetzt täglich!), auf Halde schimmelnde Terminplaner und gratis-Apothekertaschentücher besorgten, dazu Tischfeuerwerk mit GoldnussschokoladeNordseekrabben, türkische Vorspeisen und allerlei für Sylvester: Beim Discounter wurden Eier mit Haltbarkeitsdatum zum 8. Januar verschenkt, weil schon die Lieferung mit denen angekommen war, die erst zum 15. Januar ihre Mindesthaltbarkeitsfrist erreicht haben! Wenn das kein Glückszeichen ist, dann ist es der Groschen (auf deutsch gesagt, das 10-Pfennig-Stück), den ich an Heiligabend vor einer geschlossenen Glühweinbude gefunden hatte. Genauer gesagt, die Bude war nicht von der Weihnachtsaufsicht geschlossen worden, sondern hatte nie aufgemacht, in der Südstadt stellen sie jetzt schon prophylaktisch Buden hin und schreiben eine Telefonnummer dran, dort kann sie mieten, wer sich am Weihnachtsgeschäft mit der Ausgabe von Weihnachtsbenzin beteiligen will, sowas nennt man "Stadtmöblierung"! Sylvestermüll am RheinuferWahrscheinlich hätte ich damit besser verdient als mit meinen Korrekturen. Die Kölner haben ein merkwürdiges Verhältnis zu ihren Plätzen - ich würde es mit "horror vacui" beschreiben - , kaum ist mal einer freigeschlagen, wird er mit Würstchenbuden, Bierzelten, Eislaufflächen, Straßengastronomie nebst Heizpilzen, Saison- und Flohmärkten vollgemüllt. Und wo sonst nichts ist, nämlich am Rheinufer, hinterlassen die Betrachter des Sylvesterfeuerwerks eine solche Unmenge an HundekottütenspenderFlaschen, Plastik-Sektkelchen, Raketenplastik, Kracherpapier und sonstigen festiven Überresten, dass man sich richtig heimisch fühlt als Bewohner des Schweinestalls, als die sich die Bewohner meiner Heimatstadt gern zeigen. Gegen die Hinterlassenschaften ihrer Köter kann man wenigstens Müllsäckchen kostenlos beziehen (wenn mir auch das Wort Hundekottüten, an zahlreichen Stellen im Stadtbild prägnant gepostet, wenig angenehm auffällt, die Wiener "Trümmerlsackerl" klingen wenigstens harmloser). Aber auf die naheliegende Idee, zu Sylvester auch den Haltern der vierbeinigen Freunde welche auszugeben, damit sie ihren Dreck selber mitnehmen und zuhause oder meinetwegen in öffentlichen Mülleimern entsorgen, kommt die Stadtreinigungsbehörde nicht. - 'Aber zurück zu Sylvester, wir verbrannten dann noch ein wächsernes Glücksschwein, das uns ein Gast beim großen Muschelessen vom 29. 12. mitgebracht hatte, und verzehrten wahnsinnig kalorienhaltige Nußschokolade aus Italien,Maternuskirche in Köln, Rückseite ebenfalls ein Gastgeschenk aus gleichem Anlass. Die Knallerei hielt sich in unserer Gegend in Grenzen, wenn es auch sehr laut war je eine halbe Stunde vor und nach dem Jahreswechsel. Das Kabarettprogramm war abscheulich, die ganze Ohnmacht der dummen Auguste, die nur noch herumschimpfen, wurde quälend deutlich. Eine so korrupte und biedermeierliche Regierung wie die unsere müsste frontal angegriffen werden, nicht mit hautfreundlichem Priol pelzig-weichgespült werden (verdammt, welchen Haarfestiger benutzt der nun wieder?), Eisentür am HindenburgparkSt. Maternus in Kölnwährend der sogenannte Kult-Kabarettist mit dem nuhralgischen Pokerface sich vor einer riesigen transparenten Kulisse, die seinen Namen und die Zahl 11 trug (kommt bestimmt als 12 am nächsten Jahresende wieder), von einer vollbesetzten Halle goebbelsschen Ausmaßes dermaßen bejubeln ließ, noch bevor er auch nur den ersten Witz aussprechen konnte (wir wissen aus eigener Erfahrung, dass bei Live-Übertragungen entsprechende Signale zum KLATSCHEN auffordern, wahrscheinlich auch zum Lachen oder Gemüsewerfen), dass wir vor Ekel ausgeschaltet haben. So beendeten wir das Jahr mit Radio (warum wird eigentlich jeden 31. 12. im Klassikprogramm kurz vor 12 die schöne blaue Donau aufgelegt? wahrscheinlich kann man die gut zugunsten des Zeitzeichens ausblenden, wenn's pressiert) und schliefen bis 10 durch. Der Spaziergang durch das Neujahr führte uns dann zum Rheinufer und endete unter der Südbrücke vor einer sonderbaren, rostigen Tür, die wohl noch vor Jahrhunderten in einen spätmittelalterlichen Kerker geführt haben mag, und den man der dann einem dieser herzigen Motoristenklubs überlassen hat, die ihre Mitgliedsbeiträge im Drogengeschäft und im horizontalen Milieu erwirtschaften lassen. Im Hindenburgpark trafen wir bei feinem Nieselregen unbeirrte Boule-Spieler, die sich hier jeden Sonntag verabreden. An den Art-déco-stilisierten Fassaden der Südstadthäuser findet man die merkwürdigsten auskragenden Gargoyles, darunter eine Eingang Notkirche St. MaternusWindsbraut, die für Rückenwind sorgt, die soll ein Symbol für das Neujahr sein. Und ganz am Ende besahen wir noch die Maternuskirche, wo der Vater von Heinrich Böll die Kirchenbänke getischlert haben soll - aber es war geschlossen und wir konnten trotz Sonntags nicht hinein! Einst war dies eine stattliche heilige Versammlungshalle für die rheinischen Arbeitermassen, die hier sonntäglich die Messe hörten - 1914 war der Bau vollendet, gerade rechtzeitig, bevor der Krieg ausbrach und die Waffen gesegnet wurden. Die Moderne kam, und mit ihr die fortschreitende Säkularisierung, nach dem zweiten Weltkrieg (vermutlich), als alles in Trümmern lag, wurde hier eine "Notkirche" eingerichtet,  inzwischen müssen Maternus- und Severinsgemeinde zusammengelegt werden, um das Kirchenwesen überhaupt noch zu unterhalten, und den rückwärtigen Teil, vielleicht früher mal Hospiz oder Klosteranlage, hat man als ganz normale Apartmentwohnungen vermietet. Und damit kamen wir so wieder auf die Bonner Straße zurück, wo der Koaför ist und die Pferdemetzgerei, und wo der Bus hält, der uns Richtung Zollstock (beim Nachdenken über die richtige Schreibung von Hundekottüten fiel mir allerdings ein, dass der Name dieses Stadtteils, rückwärts gelesen, Kotzlotz lauten müsste) nach Hause brachte. Diesmal entwertete ich noch keine der kostbaren, am 31. 12. auf Vorrat gekauften Fahrscheine, und genoß den Neujahrsluxus des Schwarzfahrens  auf dieser cityfernen Strecke erst recht, denn der Tarif ist über Nacht um 3,5 % geklettert, da lohnt es sich richtig.

    Art-déco-Fassadenelement in der Südstadt


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  • Allen meinen Lesern wünsche ich ein paar frohe, müßige und angenehme Feiertage!

    Express-SchlagzeileMittel No. 1: Weniger spachteln?

    Mittel No. 2-49: Augen auf bei der Menüplanung!

    Soll der Weihnachts-Engelsbraten
    tafelfestlich wohl geraten,
    nimm das Freiland-Mastgeflügel
    vom Parnaß, dem Himmelshügel!
    Ausgenommen, gut gerupft
    und mit Knoblauchöl betupft,
    Pfeffern, salzen und im Bräter
    angebräunt, im Backrohr später
    übergießend gar gesotten
    mit Nelke, Lorbeer und Schalotten.
    Beide Flügel, rechts und links,
    mariniert für "angel wings".
    Wer im Backrohr Umluft hat,
    stellt auf hundertfünfzig Grad.
    Nach Geschmack und Neigung kann
    auch ein Quäntchen Beifuß dran.
    Wer die Haut schön knusprig will,
    legt das Englein auf den Grill
    kurz, bevor man es tranchiert
    und mit Apfelmus serviert.
    Dazu Klöße, einen milden
    Rotwein aus Provence-Gefilden.
    Dann fragst du dein Leckermäule:
    ob es Brust will? oder Keule?

     

    Mittel No. 50: Salbeitee oder Fernet-Branca


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  • Zuletzt erwähnte ich wohl den vitaminhaltigen, säuerlich-zitronigen, mit Zucker genossen aber sehr leckeren Sanddorn. Wenn es ein Symbol für die Wesensart der Friesen gibt, repräsentiert dieses stachlige HagebuttenblueteGewächs wohl die Widerstandskraft, das zähe Festhalten an Traditionen und das gewaltsame Abwehren aller Versuche, die Beerenfrucht aus dem Dorn zu puhlen. Gabel mit scharfen Zinken, Messer, Rosenschere - alles versucht, eine spitze Schere, mit der man das krumme Geäst in kurzen, effektiven Vorstößen herausschneidet, hat am ehesten geholfen. Aber während man versucht, die Beerenkolonie aus dem Dornenbett herauszuoperieren, zerquetscht man ein ums andere Mal die Beere selbst und der für das Kochvorhaben ungenutzt blebende Saft spritzt einem ins Gesicht,Silhouette der Hagebutte in die Augen, auf die Klamotten, als würde man von der letztlich doch unterlegenen Pflanze haßerfüllt angespieen! Die Dornen schlitzen nicht nur die Plastiktüten auf, sie bleiben ein gefährlicher Gegner, selbst wenn man nach getaner Arbeit auch nur die Reste beseitigt. "Sanddorn sprach, ich steche dich..." Das Küchenfenster, in dessen Nähe ich schnibbelte, konnte ich nachher dreimal abwienern, und fand immer noch Saftreste. Erst mal eingekocht, mit Orangensaft und Gelierzucker, soll das ein vitaminhaltiges und schmackhaftes Gelee ergeben... mal gespannt! Übrigens war das meiste wegnahe Sanddorngestrüpp schon abgeerntet, und auf den Dünen darf man bei Todesstrafe nicht herumkraxeln. Sonst kommt um Mitternacht der Deichgraf Hauke Haien auf dem Pferdegerippe, die Seegras-Sense drohend erhoben... Wir haben aber immer noch Stellen gefunden, wo sich Beeren üppig knubbelten, und zwar an touristisch besonders stark frequentierten Ecken, z. B. wo der Strand einen angenehmen Treppenzugang hat. Die Fremden trauen sich nämlich nicht an den Sanddorn heran (steht vielleicht auch unter Naturschutz, weiß man's?), wir haben auch erst damit angefangen, als wir eine junge Frau beobachteten, die sich den Fahrradkorb mit Sanddorn füllte. Ich vermute, es sind Einheimische, die den in dieser kargen Landschaft einzigartigen Früchtesegen pflücken und an die Marmeladenfabriken des Emslandes verhökern, wo der Gelee in neckische Souvenir-Gläschen mit Friesensprüchen umgefüllt, auf die Insel zurücktransportiert und dort im Andenkenladen feilgeboten wird. Ein zweites Hauptgewächs auf der Insel ist die ubiquitäre Hagebutte, die wir eigentlich als Marmeladenergänzung auch noch sammeln wollten. Die Komplikationen bei der Saftgewinnung aus dieser Frucht schreckten mich aber von der weiteren Ernte ab, auch hätten die zwei Säckchen wohl nicht genug ergeben, um nennenswert Marmelade draus zu kochen. Das probieren wir mal mit einheimischer Hundsrose aus (bei einer kleinen Fahrradtour ins Rechtsrheinische habe ich schon im September gesehen, wie Anwohner der Flüchtlings-Unterkünfte zwischen Stammheim und Holweide die Früchtchen ernteten). Hagebutte und Sanddorn verleihen den hellgrünen hügeligen Dünen den orangeroten Schimmer. Ansonsten wachsen hier Moose und Flechten in ungeahnter Vielfalt, Gebüsch und Gestrüpp und gelegentlich windschiefe Pappeln und Birken. Gebüsch mit RebhuhnDie Blumenpracht in den Gärten kann sich natürlich mit allen kontinentalen Ansprüchen messen, und wahrscheinlich gedeiht das meiste sogar besser hier, unbelastet von Abgasen und Überdüngung. In den Gärten spazieren in Scharen die Fasanen herum, dieHagebuttensilhouette dort selbst in der Jagdsaison nicht erlegt werden dürfen  - "die wissen das", meinte ein Einheimischer. Zwei Drittel der Insel sind übrigens Naturschutzgebiet und man kann dort zwar gehen, aber es ist teilweise sumpfig, mit Wanderschuhen nicht so angenehm, weshalb wir diese Wanderwege nicht komplett abliefen. Ansonsten ist alles von schönen Wiesenmatten bedeckt, beispielsweise die Trasse der Inselbahn, die vom einstigen Hafen in die Stadt Spiekeroog führte (wir lernten den langjährigen SchGleisbett der Inselbahnaffner auf der Strecke kennen, der gewissermaßen zu meiner Familie gehört, auch wenn wir nicht direkt verwandt sind.) Im Bahnhof ist noch ein Museum für die Inselbahn errichtet. Das Heimatmuseum haben wir auch besichtigt und unter den vielen Ölschinken, Aquarellen und Zeichnungen der Umgebung nach Inseldarstellungen eines Malers gesucht, der aber nicht vertreten war. In dem Heimatmuseum fanden sich allerlei alte Werkzeuge, Ladenschilder, Spinnräder der Nachfahrin des Kölner Bankiers Pferdmenges, der hier ein Landhaus besaß und wohl viel für die Insel getan haben soll, z. B. die Eisenbahn finanziert. Ehrenbürger von Spiekeroog war auch Johannes Rau, den man sogar mal zur Kandidatur als Bürgermeister überreden wollte, und auch Richard von Weizsäcker soll sich hier gelegentlich aufhalten. Für uns der ideale Urlaubsort, wir waren ja auch öfter auf Ischia, immer wenn Angela Merkel dort Entspannung suchte (und in den heißen Quellen der deutsch-italienischen Pension, in der wir dort zu gastieren pflegten, haben auch die hundertjährigen Gliedmaßen Leni Riefenstahls gebadet, igitt - ich fand ihre Signatur in einem Bildband der Gästebibliothek, in dem ich blätterte, als wir auf das Inseltaxi zur Fähre warteten). Übrigens gibt es auch regelrechten Wald auf der Insel und wenn ich mich nicht irre, habe ich Knochenreste eines Bibers gefunden - Unterkiefer mit zwei säbelförmigen Nagezähnen und Watschelfußknochen, wenn das kein Massaker unter mehreren Tierarten war... Aber zur Fauna komme ich in Kürze in der nächsten Folge.


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  • Überreif für die Insel, mieteten wir den teuren "Dauerparkplatz" hinter einer schon zugeparkten Halle in Neuharlingersiel (alle hafenwärts gelegenen Asphaltnischen waren "Tagesparkplätze" und mit der Warnung versehen, sie seien nicht hochwassergesichert) Fähre nach Spiekeroogund nahmen die Fähre, die seit 1979 zwischen Fest- und Flüssigland hin und her webt. Zu Fuß wär's schneller gewesen - dreieinhalb Kilometer waren in gut 45 Minuten bewältigt, plus je 20 Min Zeit zum entern und derbarkieren, alles mit Umsicht und Muße, und ausreichend Rettungsringen an der Reling, falls einen der blanke Hans beim Hemdzipfel packt! Baujahr 1979Denn so harmlos die Untiefen mit ihren vielen Sandbänken voller Vogelmist aussehen, seefahrtstechnisch ist der Pril kein Pappenstiel und zwischen den Wanderdünen muss der Käpt'n wohl ziemlich eiern, um immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel zu kriegen. Spiekeroog ist eine autofreie Insel, auf der nur ein paar Elektrotaxis für Behindertentransport und, leider! auch Baufahrzeuge erlaubt sind. Radeln nur auf speziell zugewiesenen Wegen zu bestimmten Zeiten. Daher zieht jeder Ankömmling erstmal seinen Karren selber aus dem Dreck, in den ihn die jeweilige Pension am Hafen bereitgestellt hat. Für die Rollkoffer ist das Kopfsteinpflaster eher ungeeignet, es sei denn, man möchte die Räder gern anschließend von Pferdemist reinigen oder gar neu anmontieren. Aber die Karren sind ganz schön zugkräftig. Übrigens darf man während der Überfahrt seinen Krempel nicht in der Hand halten, wie die Auswanderer in der Unter-Deck-Klasse auf den Übersee-Windjammern, Koffer-Container vor der Fähresondern muss die Gepäckstücke in Container unterbringen, die dann vom Gabelstapelfahrer mit der Stapelgabel einzeln in den Frachtraum gehievt werden - sehr langwieriges Verfahren, aber im Fall einer Massenpanik an Deck möchte ich nicht gern über Rucksäcke, Vogelbauer oder Schrankkoffer klettern müssen. Wir hatten uns natürlich bei einer - unfern der Ausfahrt am "Ostfriesen-Spieß" gelegenen - Aldi-Nord-Filiale für's Wochenende eingedeckt, aber auch der Edeka-Laden mit den inseltyKarrenparade am Hafen von Spiekeroogpischen Phantasiepreisen war noch auf, so dass wir bestens regaliert unsere ersten 72 Stunden aushielten. Was die berühmt-berüchtigten Krabbenbrötchen betrifft, bin ich skeptisch, weil die Tierchen bekanntlich nach dem Fang tiefgefroren, über das Kap der guten Hoffnung nach Südkorea geschleust, um in Polen ausgepuhlt und zurück in Norddeutschland als taufrisch angeboten zu werden (woraus die Brötchen und die Streich-Emulsion bestehen, will ich gar nicht wissen). Aber bei einem Fischrestaurant gab es einen Verkaufsstand, der übrigens bis 21.00 geöffnet hatte (wie es hier auch keine Wochenenden, kein Allerheiligen und kein Reformationsfest gibt - sind halt Inselfriesen). Da haben wir uns ein paar Tage später auch mal ein Seelachsfilet geholt.

    Sonnenuntergang auf SpiekeroogNeun Uhr, da war es natürlich längst finster, aber die Sonnenuntergänge hielten lange vor und mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, ein oder zwei Nieselregen, ansonsten alles trocken bis sonnig. Und natürlich galten unsere ersten Ausflüge den Stränden, die pompös breit und jedenfalls abends fast menschenleer sind. Wobei der Anblick speziell von Menschenkindern mich an einen englischen Bekannten erinnert, der direkt am Wasser lebt und beim Spaziergang über Seaside-Promenade erklärte, wie seltsam und des Nachdenkens wert es doch eigentlich sei, daß egal welchen Alters, Fußball am StrandKinder am Strand immer genau wissen, was dort zu tun ist... Natüprlich haben auch Erwachsene ihr festes Programm. Während Franzosen immer mit irgendwelchen Köchern versuchen, Kleintiere zu fangen, oder andere Anlässe suchen, im seichten Wasser herumzuplantschen, absolviert der pflichtbewußte Deutsche sein Schwimmtraining, ersatzweise im Winter seinen Nordic-Walking-Parcours.Nordic Walking am Strand von Spiekeroog Haben wir alles nicht gemacht, wir sind nur von einem Ende der Insel zum anderen im gemächlichen Schlendergang gewandert, kurz vor der Abreise haben wir allerdings auch noch Erntefeldzüge beim Sanddorn unternommen, um (zu Hause) leckere Marmelade aus den sauren Vitamingranaten zu kochen. Das wunderschön gelegene Apartement am äußersten Ortsrand "up de Dünen" war bequem und mit allen Annehmlichkeiten versehen, z. B. einer Packung Sandkekse, die vermutlich von den Vormietern hinterlassen worden war ebenso wie die erkleckliche Anzahl von Kitschromanen, unter denen ich allerdings von Jonathan Safran Foer diesen Shtetl-Seller, Alles erleuchtet ausguckte. (Später stellte sich heraus, dass es eine "Vertrauensbibliothek" in der Kirche gibt, allerdings mit vielem geschmacklosen Kram aus den 1950er-Jahren, und dass auch der Lesesaal im Kurpavillon neben frischen Zeitungen Touristenlektüre zum Entleihen führt) Die Schrägdachfensterluken waren zwar etwas seltsam flach in das Dach eingelassen (zum Durchgucken mußte man sich regelrecht reinzwängen),Kinder am Strand von Spiekeroog aber Verdunkelung war kein Problem und so konnten wir die erste Nacht auf meerumspültem Eiland ruhig und traumlos verbringen.


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  • Grab des Colbert in St. Eustache

    Na schön, der Atomunfall ist beendet, hat die Regierungsbehörde dekretiert, und im Radio hieß es, es sei überhaupt kein Atom- sondern, zu unser aller Beruhigung, ein Industrieunfall gewesen, schließlich wurden in dem Ofen, der da zufällig explodiert ist und einen Arbeiter tötete, nur ganz schwach radioaktiv verseuchte Sachen "verbrannt", zB. Handschuhe und da kann nichts passieren. Kürzlich war ich schon mal ein paar Tage in Paris und führte, ohne ein Handy zu haben (da wird man schnell als Rädelsführer eingestuft), eine Reisegruppe in die Kirche St-Eustache. Dort findet sich das Grabmal des Finanzministers Colbert, der 1683 starb, offenbar ein Jahr, in dem der Sonnenkönig noch einmal einen dicken Batzen von der Steuer absetzen wollte und dem guten Colbert ein besonders prächtiges Monument errichten ließ. - Irgendwie kennt kein Mensch diese schöne Kirche, alle rennen in Nôtre-Dame-de-Paris oder, wenn man schon hier in der Nähe ist, ins Centre Pompidou, da wird dieses bedeutende Bauwerk gern übersehen. Immerhin wurde die Pompadour hier getauft und die Mutter von Mozart hier beigesetzt (schöne Quizfrage: was haben der Finanzminister Colbert und die Mutter Mozarts gemeinsam?). Paris, vor der AtomkatastropheEin Seitenaltar der Kirche soll von Keith Haring gestaltet sein. Georges Pompidou war ein Freund der Künste, Colbert förderte Handel und Wandel, und da war es nur konsequent, dass der erste die Markthallen hinweggefegt hat, die seit Jahrhunderten als "Bauch von Paris" hier gestanden haben (welches Organ der Eiffelturm repräsentiert, kann man sich ja denken). Und den Gemüsen und Früchten aus Les Halles, die eines Tages auf Geheiß der Regierung auswandern mussten. Dem hat nun ein Künstler namens Raymond Mason ebenfalls in St-Eustache-de-Paris ein Denkmal gesetzt, das nicht einmal auf Wikipedia zu bewundern ist, aber hier, nachdem es mir ein guter Geist vom dm-Normalpapierfoto gescannt hat. Das war also schon mal ein kleiner Auftakt zum Paris-Besuch, den meine Frau mit drei bis vier Tagen in den Patchwork-Urlaubskalender dieses Sommers einrechnet (zwei Tage Sauerland, drei Tage Saarland, 5-6 Tage Freibad in Bonn, einmal mit anschließendem Stummfilmfestivalbesuch, 1 Nachmittag Führung durch Raderberg, 1 Tag Duisburger Sauna-Wellness-Landschaft, 1 Tag Eifelwanderung, 1 Tag des Offenen Denkmals in Kleve, da kommt mit der Zeit schon so etwas ähnliches wie ein Urlaub zusammen). Leider war der Erholungswert dieses Ferien-Flickerlteppichs begrenzt, denn als letzten Samstag die wunderbare Lyrik-Wanderung im Königsdorfer Forst (wo man auf Köln, den Dom, die Arena, den Tafel an St. EustacheFernmeldeturm und das gegenüber dem Rhein liegende Bergische Land herabschauen kann) mit den Dichtern des ARE-Kreises stattfand, war K. bereits einen Tag krankgeschrieben und mich erwischte es dann am Sonntag, weshalb ich nicht zur Wiedereröffnung von Schloss Moyland kam und daher auch nicht mit meiner Meinung in der Lokalzeitung zitiert werde, wie bei der Schließung! Statt dessen liege ich den ganzen Tag mit Gliederschmerzen auf der Couch, häufe einen Schneeberg von nassen Papiertaschentüchern an und niese ununterbrochen. - Ach ja, an der Fassade von St-Eustache, welcher zu den vierzehn Nothelfern gehört, fand ich dann noch die hiernebst abgebildete schöne Einmeißelung aus der François Villon-Zeit, habe aber keine Ahnung, wer sich hier zu welchem Zweck verewigt hat. War an dieser Stelle der Fischstand der (1181 errichteten) Markthallen gewesen, mit den leckeren Merlans, Barben, Brassen und Jakobsmuscheln? Oder handelt es sich um ein Seeungeheuer, das sich - fluctuat nec mergitur - über das Wappenschiff der Stadt Paris hermacht? - aha, durch ein bißchen googlen habe ich grade herausgefunden, dass es wirklich um Fische geht und um den Gründer der vor dem Kathedralbau hier errichteten Kappelle, der zuvor dem König Philippe Auguste 1213 eine Summe Geldes geliehen hatte, und dafür das Recht erhielt, eine Abgabe auf jeden Korb Fische zu erheben, der in den Markthallen über den Tresen ging. Aus einem Teil der eingesammelten Kohle wurde dann eine Agneskapelle errichtet, damit's trotz abgepreßten Steuermilliönchen mit dem Seelenheil nicht schiefgeht. Fazit: St-Eustache ist die Kathedrale der Steuereintreiber, und man sollte den versammelten EU-Finanzministern anbieten, wenn alle Banken beschirmt und der Papst und die Griechen aus dem Schuldenschlamassel erlöst sind, hier um ein würdiges Begräbnis anzuhalten. Die Gemüsehändler passen schon auf, dass Schäuble nicht wie so'n Zombie aus der Gruft kommt und herumgespenstert.

     


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  • Im benachbarten Blog lese ich, das Wort "Ferien" käme von faire rien. Mal abgesehen davon, dass der Deutsche in früheren Jahrhunderten Urloup nahm - d. h. sich von der minniclîchen vrouwe ge"nehm"igen ließ -, und keine F. "machte", könnte das Wort doch auch genauso gut, es ist sowieso plural, mit zwei e geschrieben werden. Auch die Franzosen lieben Feerien, die erfolgreichsten hat übrigens ein Kölner geschrieben, nämlich Jacques Offenbach. Stücke schreiben kann eigentlich gar nicht so schwer sein, denk ich immer. Man müsste einfach das Tonband mitlaufen lassen, wenn sich die Mitreisenden in der Bahn unterhalten. (Klappt aber nicht, hab's probiert.) Dem Volk aufs Maul geschaut, sozusagen. Gottseidank gibt es ja schriftliche Lebenszeugnisse, die auch trotz Computer und Mailzeitalter keineswegs nachgelassen haben. Im Gegenteil, die Schriftsprache wurde noch durch Smileys bereichert, die dem Niedergeschriebene die Ambiguität wiedergeben, die im Tonfall der Stimme mitschwingt. Zum Abschluss des Schuljahrs hier ein kleiner liegengebliebener Dialog. Man soll nicht alles wegschmeißen, was herumliegt, und zwar in einer Fensterbank, wo man versehentlich Liegengelassenes nach drei Tagen abholen muss, sonst ist es Gemeingut oder landet im Papierkorb - es wurde also nicht abgeholt). Voyeure aufgepasst, hier unterhalten sich zwei (oder drei?) Schülerinnen während der Religionsstunde - bei einem beliebten Lehrer, der mit Ende des Schuljahrs in Pension geht - schriftlich, mit Bleistift auf einem Ringbuchblatt. Und worüber? Natürlich Thema Nummer eins, es geht um einen Mitschüler. Die Orthographie wurde beibehalten, ist aber großenteils gar nicht auffallend schlecht. Viel Spaß dabei!

    hey, wie gehts?
    hey gut und dir?
    jaar...ein wenig verwirrdt, desorientiert und müde ;)
    na müde bin ich auch. Reli kann so schön sein.
    ja, ich finds schade das der L. geht!
    Ist echt ein toller Lehrer!
    WIR MACHEN IHN FERTIG!!!
    Ach Zwergchen... was ist nur los mit mir :(
    Ja isser echt. Wir behalten ihn einfach hier.
    Na ich weis nicht. Die Liebe ist was komisches.
    So ist das eben manchmal.
    manchmal? bei mir IMMER!!
    Ach man er mag mich bestimmt nicht mal :(
    Sorry das ich nerve ;)
    Ich bin sicher er mag dich. Aber du nervst auch nicht. Ich bin ja gerne da.
    Ok dann bin ich beruhigt :)
    hmmm... aber er zeigt keine anzeichen... :(
    (NEIN ICH WERDE AUCH KEINE ZEIGEN!
    will mich ja nicht lächerlich machen)
    Nu ja aber irgendwas muss ja passieren sonst wird das nichts und das wäre doch schade.
    Man kann ja auch nicht nichts unternehmen.
    hmm... Ich überlege mir was ;)
    einer von euch könnte ja auch mal so nebenbei was von ihm rausfinden wenn ich nicht dabei war bin...
    Ja hab ich mir auch gedacht.
    Wir müssen mal schaun wie.
    Mmh ich will Schule aus.
    Ich auch :)
    Aber so mit den strubbeligen Haaren heute sieht der toll süß aus... :-*.
    Aber er passt eig. So GAR NCHT in mein TypSchema...
    Hm ja aber das ist ja auch egal ob er reinpasst.
    ja aber so bin ich verwirrd und weiß nicht was ich will... glaub ich...
    WAS soll ich nur tun?!
    Ja ich sag ja die Liebe ist ein Arsch.
    Na ich weis nicht. Ich
    hatte ja immer glück.
    Denkst du er hatte schon mal ne Freundin?
    Das kann man ja rausfinden.
    mach du das ;) denkst du das du das heute noch rausfinden kannst?
    Was schätzt du denn?
    Ich frag einfach ganz direkt...
    hm ich weis nicht. Vielleicht.
    und wie fragst du? und wann? Aber Keine Andeutungen wegen mir machen, ne?!
    Ach man ich bin ein Stalker ;( guckE den voll oft an :}
    Irgendwas wollte ich noch schreiben aber KA ;)
    jetzt weiß ichs wieder :D
    Ich habe das Problem das ich mir schon Anfangs immer Sorgen mache :
    {
    Musst du nicht. Hast du gar keinen Grund zu.
    doch! ER ist ein Mann... und ich bin eine Frau... mit einem Problem :(
    Nein. Erst versuchen und dann Sorgen machen.
    ok. so bin ich halt.  :
    {  ;)  :)
    huuu... ob meine Kinder später auch gut schmecken :D :D
    hchh.. *seufz* er ist süß :-* Bestimmt xD
    Na das kann ich jetzt nicht sagen. Ich find ihn nur sehr nett.
    Ihr würdet auch gut zusammenpassen.

    SchulmädchenreportSchulmädchenreportSchulmädchenreport


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