• Du schreibst jetzt in Schönschrift zehnmal...

    Tja, so schnell wandelt sich die Welt und ändert sich das Ich. Am Wochenende bekam ich einen Brief, in dem allerlei über mich stand, was mir bisher unbekannt war. So soll ich einer pensionierten Kaufhausverkäuferin, auf einer Kellertreppe "vor ihr aufgebaut" stehend, mit der Faust vor der Nase herumgefuchtelt haben, ich habe sie also (beinahe) runtergeschubst. Nachträglich wäre das eine bessere Idee gewesen als mit ihr zu diskutieren, denke ich. Sie hat wohl eine Freundin, die öffentlich benutzte Räume gern mit ihrem Krempel zumüllt und dann abschließt. Die behauptet ihrerseits, ich sei bei ihr in die Wohnung eingedrungen, wo - bei meiner Ehre - ich niemals war. Mehr noch, sie habe mit Benachrichtigung der Polizei drohen müssen, um mich loszuwerden. Da sieht man ja, was für einer ich bin, dass ich beim Wort Polizei schon so komisch zusammenzucke und klein beigebe. Immerhin, viel mehr als diese zwei Straftatbestände sind es nicht, aber die reichen schon, meinen Ruf so nachhaltig zu beschädigen, dass mir voraussichtlich die Wohnung gekündigt wird, und das, obwohl mir die Hauseigentümerei anteilig gehört. Damals wurde ein polizeiliches Führungszeugnis von mir verlangt, das meine blütenweiße Weste erwies. Aber da weiß man ja Bescheid, und jetzt ist die Ehre lädiert. Der Schufa war ich dermaßen unbekannt, dass man mir gar keinen Prozentsatz an Kreditwürdigkeit zuerkennen konnte - was auch schon verdächtig war, die hatten bei der Schufa wirklich noch nie von mir gehört, und heute hat doch eigentlich jeder einen Handyvertrag, schon wissen die Bescheid und man hat ein Restrisiko, ist also z.B. 98 % kreditwürdig.

    Übrigens hat die eine der o. g. Damen, die mit der Kellertreppe, auch recht kurze Beine und fast keinen Hals. Bei Alice im Wunderland wird der Hals ja unnatürlich lang, wenn man vom falschen Kaffee trinkt oder ein Stück Kuchen isst, das einem nicht gehört. Dem hölzernen Pinocchio dagegen wuchs die Nase überdimensional und stabartig lang, wenn er die Unwahrheit sagte. Wie sich die Aussage der Damen vor einem Rechtsanwalt (der sie aber nicht namentlich nennt und auch nicht vertritt, er vertritt den Hauseigentümer und der braucht seine "Abmahnung" nicht sachlich zu beweisen, geschweige denn, alteram partem zu hören, was ein Grundsatz des römischen Rechts, nicht des deutschen Mietrechts ist) auf deren physisches Erscheinungsbild ausgewirkt haben mag, weiß ich nicht. Sie sind schon mit ihrem Nachnamen gestraft, der eine erinnert fatal an eine unangenehme Hautkrankheit, die durch Unsauberkeit und Ungeziefer (Milben) entsteht: die halbkugelförmigen, 0,3–0,5 Millimeter großen Weibchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort in den Kanälen (caniculi, Milbengänge) Kotballen (Skybala) und ihre Eier ab. Ihre Absonderungen bringen Bläschen, Vesikel, Papulovesikel, Papeln, Pusteln, Quaddeln und als Sekundärläsionen Krusten, Kratzwunden und Furunkel hervor... der andere Name lässt auf einen eher starren, betonhaften und betont männlichen Charakter schließen. Die erste ist verwitwet, den kranken Herrn Gemahl haben wir noch kennengelernt, indem wir ihren Pantoffel kurz angehoben haben, ich kann mir denken, warum er eingegangen ist, heute ersetzt ihn ein ziemlich kläffiger neurotischer Köter. Die zweite alleinstehend, was nichts heißen soll, aber bei Männern, die vor ihrer Tür stehen, verwechselt sie gern mal Hand und Fuß. immerhin, wenn es abends bei ihr klingelt, öffnet sie nach längerem Klingeln (wenn man es wiederholt, nachdem man merkwürdiges Schubbern hinter der Tür gehört hat) doch ihre - aber auch nur ihre Tür. Die Türen zu anderen Räumen im Haus schließt sie kurzerhand ab, wenn es ihr passt, egal, ob auch andere hineinmüssen. Und auch wenn man sie ganz nett fragt, rückt sie den Schlüssel nicht heraus.

    So, jetzt muss ich schließen, die Suppe steht auf dem Herd, hier mein Rezept:

    Kalk, noch ungelöscht, Eisenbrei, Salz, Salpeter, Phosphorgluten, Urin von rossigen Eselsstuten, Schlangengift, Altweiberspei mit
    Rattenschiss und Wasser aus den Badewannen vermischt, Saft aus einem Krötenbauch, den sauren Rest aus Rotweinkannen, eines Katers Hirn, der nicht mehr fischt, etwas Geifer aus den Gebissen toller Hunde, Affenpisse, Igelstacheln, würmerwimmelndes Regenwasser, grüner Schleim, Pferderotz, heißer Leim, und das, was der Medikus aus dem schwieren Gedärm an Eiter und verpestetem Sekret herausholt, Vaginalsalbe und der Schmodder, den die Lust zurücklässt, in einem verfaulten Kürbis mit der Nachgeburt von einem Schwein verquirlen:

    Und hat's vier Wochen lang gegoren:
    In diesem Saft solln eure Lästerzungen schmoren!


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  • Der KristallwaldSchön ist es zum Beispiel, seine alten Kinderbücher auf dem Flohmarkt zu entdecken und neu zu kaufen (in meiner Familie wurde das älterwerdende Kind grundsätzlich enteignet, sein Besitz, Spielzeug, Klamotten, Bücher Schlupfwinkel für Räuperbandeu. v. a. nachwachsenden Generationen in den unersättlichen Rachen geworfen). Gestern stand in der Zeitung, der Zeichner "Janosch" habe eine gelb-braun gestreifte Hängematte auf Teneriffa besessen, die er "Elisabeth" nannte und sich an einer Strippe hochgezogen, wenn er sie mal nicht belegte und aufstehen wollte. Außerdem lernte ich den polnischen Ausdruck für ärmliches Mehrfamilienmietshaus, familok. In so einem sei er aufgewachsen, in Zabrze. Einer polnischen Germanistin hat er für eine Habilschrift, die jetzt als Biographie erschienen ist, 10.000 E-Mails geschrieben und sie eingeladen etc. - Aber Tigerente und so ist nicht so mein Fall. Meine Lieblinge waren Xaver, der Ringelstecher und noch mehr der Kranmann mit dem Freund, namens Lektro (transportierte Kisten mit einem Elektromobil) - von Rainer Zimnik, auch so ein Schlesier, lebt laut Wikipedia noch, aber den will keiner mehr kennen. Auch "das kleine Gelb und das kleine Blau" hab ich neu bekommen, so eine minimalistische Farben-lovestory (die Eltern sind dagegen), das ist mal wieder aufgelegt worden, wirklich ein schönes Kinderbuch. Und dann hab ich noch ein Märchenbuch mit wundersamen Illustrationen von A. Coléno, grade hab ich erst erkugelt, dass das eine Frau ist, Alice Coléno, und sogar den Preis der Academie française hat sie mal gekriegt für einen Roman, Les portes d'ivoire, immerhin ein Elfenbeinturm mit Türchen. Seltsame Kontur um die StämmeDie Zeichnungen zum Zauberwald hat ein gewisser G. Vanni gemacht, nicht der Renaissancemeister, das frz. Original erschien 1964 - und die Stories sind jeweils derart abgedreht-phantastisch, dass ich mir gar keine anderen Zeichnungen vorstellen konnte. Es hat so eine schwüle fin-de-siècle-Atmosphäre, höchst seltsam. Eine heißt "Die Perle", eine andere, da geht es um ein edelsteinbesetztes Krokodil, immer ist ein Knabe namens Killi der Held, und der hat noch einen Hund, einen Dackel namens Flink. Aber sehr viel kindlicher sind die Zutaten nicht. In "Der Kristallwald" geht es um den Phönix, der mal wieder nach soundso langer Zeit auf den Scheiterhaufen muss, und Killi rettet seine Asche davor, von den neidischen anderen Vögeln zerstreut zu werden (dann kann er nicht mehr auferstehen). Wunder- wunder schön! Ich muss allerdings sagen, dass sich die Erinnerung an das Buch bei mir mit einer anderen vermischt, an Die Kristallwelt, ein dystopisches Science fiction oder Fantasy- (weiß man's?) Werk von J. G. Ballard. Da verkristallisieren die Sachen alle nach und nach, hat was mit der Zeit und ihrer Verlangsamung zu tun, wenn ich mich recht entsinne (Korrekturen bitte nicht an mich, sondern an den Weltverband der Genauleser). - Und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich kahlgefressene Parkbäumekürzlich ganz hier in der Nähe zwar keinen ganzen Kristallwald, aber immerhin schon drei bis fünf Bäume vorfinde, sonderbar eingesponnen, wie unter Glas! Und wenige Tage später fehlten den Bäumen sämtliche Blätter! Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass eine Menge winziger Raupen hinter den Gespinsten wriggelte und sich ringelte, ekelhaft. Aber die Stadtverwaltung hat schon Entwarnung geblasen, es ist eine Schmetterlingsart, die angeblich völlig ungefährlich sei und auch den Bäumen nichts Schlimmes zufüge, weil die im Juli mit dem "Johannistrieb" wieder neue Blätter ansammeln können. Komischerweise fressen die aber auch nur ganz bestimmte Bäume an, als hätten sie auf die andern keinen Appetit. "Zu den natürlichen Gegenspielern der Gespinstmotte gehören Vögel und verschiedene Insektenarten. Die Netze spinnen sie, um sich vor ihren Feinden zu schützen."Der Kristallwald Das muss ja einen ganz unerhört unglaublichen Schmetterlingsschwarm geben, wenn es so weit ist und die Viecher schlüpfen? ob das den Caterpillars weh tut, wenn so die Haut platzt und ein geflügeltes Alien krabbelt aus der Hülle...! Es sei also, lautet die wiederkehrende Beruhigungsparole, NICHT der sog. Eichenprozessionsspinner, der den Bäumen tatsächlich den Garaus macht. Die Vögel, die bei uns ans Haus flattern (Finken, Meisen, Rotkehlchen und vermehrt Spatzen) werden allerdings pappsatt sein und auf dieses Raupengelichter keinen Appetit haben, schon gar nicht, wenn sie sich durch klebrige Überzelte durchbeißen müssen. Die schöne alte Fichte hier um die Ecke, ich hab's schon geahnt, die so schief über die Straße wuchs, haben sie jetzt auch platt gemacht und in einzelne Holzteller zerspalten. Schade um das schöne Vogelschutzgehölz, dabei hatte die keinerlei Raupengespinste dran. Ein Nabu-Forstmeister wird mit den Worten zitiert "Den Büschen macht der Kahlfraß recht wenig aus, es belastet sie eher wie uns Menschen ein lästiger Schnupfen", na Prost. ICH hab ja schon die Sommergrippe von meiner Liebsten geerbt und niese den liebenlangenTag laut vor mich hin, und zwar ca. alle 2 Minuten, komisch, dass sich noch niemand im Haus beschwert hat, die trauen sich alle nicht, weil ich als "scharfer Hund" gelte - Der Kristallwaldmeine Kampagne gegen das Hundepinkelnlassen vor unserer Terrasse hat sich überall herumgesprochen, neulich beim Gymnastikkurs ging die  Liebste offensiv damit um, das sei ganz erfolgreich usw., und andere (Gleichgesinnte) haben auch schon gegriemelt. Ich mach das in drei Stufen, erst sag ich ganz freundlich, "Hier bitte nicht" o. ä. (ich mache das Fenster weit auf in Momenten, wo keiner damit rechnet), beim zweiten Mal werde ich lauter und schneide auch Diskutierenwollenden das Wort ab, da gibt es Leute, die halten regelrechte Plädoyers, der Hund muss doch auch mal und ich hätte doch auch ein Klo in der Wohnung, oder? Ja, Sie dürfen gern auch den Hund dort über die Schüssel halten, aber HIER nicht... Die möchten am liebsten das Grundgesetz ändern, mit Pinkelrecht an allen Stellen, wo ein Büsch Gras wächst. Und: "Der tut ja nichts, das macht der nicht... es sind ja nur ein paar Tröpfchen..." Ach ja, und hinten kommt Marzipan raus und pinkeln tut er Jasmintee? wissen Sie, wie das hier riecht, wenn es ein paar Tage nicht regnet? Außerdem haben sich alle "bei Ihrem / unserem Vermieter erkundigt", das ginge völlig in Ordnung, wir machen das seit 30 Jahren nicht anders, und von der Hausordnung haben sie gar nichts gelesen? da steht drin, fernhalten von den Grünanlagen... Andere schnauzen mich direkt an, eine wollte mir volle Scheißtüten ins Fenster werfen, usw. Kommen sie zum dritten Mal, nehme ich Augenmaß und probiere Schimpfwörter aus, straßenweit schallend gebrüllt, "Schmutzfinken", "Proleten", "Stinkliese" usw. auch mal volkstümlich, das kann ich, wenn ich will, auch im Volkston - "dreggelige aahl Möhn" z. B. zu einer eher rheinischen Tante, die mir auch schon dumm kam ("Wenn Sie denken könnten, wüssten Sie, dass..." usw.). Kahlschlag_der_GenossenMeine Lebensabschnittbevollmächtigte holte juristischen Rat ein; anders als man so denkt, sind bei entsprechendem Anlass adäquate Beleidigungen (wenn man nicht grade uniformierte Polizei vor sich hat) vollkommen straffrei. Es gibt da so einen Lehrfilm auf youtube, das richtet sich zwar mehr an Internetnutzer, aber die Urteile sind rechtskräftig und übertragbar. Hilft das alles nichts und kommen sie zum vierten Mal (es gibt zwei bis drei solche), hol ich den Fotoapparat raus. DAS scheint in den hartnäckigsten Fällen, die ich bisher hatte, geholfen zu haben, seit ein paar Wochen ist Ruhe! die Qualität ist ja egal, Hauptsache, die 'Peinlichkeit', die sich abgespielt hat, groß genug. Bei der Dümmsten, die hier am nächsten wohnt,  hab ich das sogar nachts aus dem Hinterhalt gemacht, durch geschlossene Vorhänge (leicht angehoben , Blitzlicht - ZACK!, darauf entschwand sie und bei der nächsten Gelegenheit, ich hatte den Finger schon am Auslöser, sie sah mich oder sah mich nicht, innen alles verdunkelt, keine Ahnung, jedenfalls zog sie nach der Hälfte des Weges ab, ließ das Vieh also nicht auf "unserer Seite" sich erleichtern. Allerdings bin ich jetzt immer abends noch recht häufig in dem dunklen Zimmer und passe ab, ob sie wiederkommt. Wenn das nichts hilft, versuche ich es mit der "Jupiterlampe", wir haben so einen Fotografenscheinwerfer, den würde ich getarnt mit Grünzeug auf den Terrassenbalkon stellen, mit Steckerzufuhr von innen einschalten und alles in Flutlicht tauchen. Dann könnte man es theoretisch auch filmen, das arme Tier und die Dumpfmeister am Anfang der Leine (die sind ja alle zu faul, die 3 min. Gehweg bis zum Park zu machen, wo es extra Freilauf-Flächen gibt, an die hält sich auch keiner; alles, jede Liegewiese, jede Bank ist voller Scheißdreck, aber immerhin, es ist nicht grad unsere Terrasse!). Dämliches Pack, elendes. Schon forderte eine, die hat allerdings auch Dachschaden, ich solle die Fotos herausgeben (aber aber? die brauch ich doch fürs's Internet?) - sonst würde sie mich vor Gericht verklagen, bitte gern! da freu ich mich doch drauf...


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  • Ruhe ist die erste Dhimmi-Pflicht:

    "Meinungsfreiheit verteidigen wir alle. Aber ob man den Führer, sozusagen den Prophet, den Vermittler einer Weltreligion - ich habe mir die Karikatur nicht angeschaut, aber muss man jetzt den Propheten Mohammed mit einer Handgranate malen? Ist das auch nicht eine Provokation? Man kann das so verstehen, man möchte provozieren. Man darf provozieren. Aber zählen die Gefühle der Muslime nicht? Gibt es auch nicht für die Muslime Werte, die man mit Respekt behandeln sollte? Wollen wir nicht einen Weltfrieden? Wollen wir nicht friedlich zusammenleben? Müssen wir uns ständig gegenseitig provozieren? Ich würde momentan zum Beispiel auf jede Provokation verzichten."

    Bekir Alboga, Islamwissenschaftler und Sekretär der "Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion" (DITIB) heute früh im Deutschlandfunk.

    (in der Karikatur zeigen Greser und Lenz Gott und Mohammed, beide haben Charlie-Hedo-Ausgaben vor sich, und Gott schimpft, fassungslos, denn Mohammeds  Leute würden dafür sorgen, dass keine gottlästernden Karikaturen mehr erscheinen, die sie doch beide so lieben.)

    "Wir sind keine Provokateure, sondern haben schlicht und einfach unsere Ansichten zur Tagespolitik veröffentlicht. Vor allem haben wir auf die Tatsache reagiert, dass die Führung des Nationalen Übergangsrates, kaum dass Gaddafis Leiche erstarrt war, eine neue, an der Sharia orientierte Verfassung für Libyen angekündigt hat. Und dass gleich darauf allerlei Kommentare zu hören waren, man solle nicht vorschnell Urteilen, Sharia bedeute nicht unbedingt, dass Hände abgehackt und Frauen gesteinigt würden. Daraufhin hatten wir die Idee, die ganze Ausgabe »Charia Hebdo« zu nennen und uns mal ein paar Beispiele für eine Sharia light auszumalen. Dem Propheten Mohammed den Titel des Chefredakteurs zu verleihen, haben wir uns bei Libération abgeguckt, wo recht oft Gastautoren zu Wort kommen und Persönlichkeiten aus den Bereichen Mode, Politik oder Philosophie als einmalige rédacteurs en chef fungieren...

    Es wird viel geredet, das stimmt. Und was wir unter anderem zu hören bekommen, ist: »Ihr habt das aber auch ein bisschen provoziert.« Aber: Nein! Wir haben nichts provoziert. Wir tun einfach unseren Job. Warum werden immer dieselben Leute als Provokateure bezeichnet? Warum nicht zum Beispiel der libysche Übergangsrat? Provoziert der etwa nicht, wenn er direkt im Anschluss an eine Revolution eine an der Sharia orientierte Verfassung ankündigt? Warum spricht niemand von Provokation, wenn im Namen einer Religion Zeitungen verboten, Menschen getötet, Frauen gesteinigt werden? Provokation wird immer nur auf Seiten der Demokratie angesiedelt, auf Seiten der Demokraten, auf Seiten der Verfechter der Pressefreiheit, der Freidenker, und nie auf Seiten der Dreckskerle und Diktatoren."

    Gérard Biard, geschäftsführender Chefredakteur von Charlie Hebdo, heute im Interview mit jungle world.

     Aber: Biard, petit larousse u.a. gelten wohl eher als Ḥarbī.

    Daher bete ich inständig für eine laizistische, liberale, vernunftgesteuerte Demokratie und die Privatisierung aller Religionen, hier, jetzt, überall!

    (Falls unter den geneigten Lesern dieses Blogs der Teufel sein sollte: Bei Interesse bitte melden, ich gäbe auch meine Seele dafür her...)


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  • Neujahnusbrauch

    Salvenheul-Batterie mit Knisterschweifaufstieg und Feuertöpfen in Grünglitzerwolken mit Heulpfeifersalven... Effektbatterien mit 156-Schuss-Finale und 7 Premium-Stern-Effekt-Raketen... Prächtige Leucht-Buketts und tolle Brokat-Effekte mit rasant abgefeuerten schrillen Luftheulern... Spezial-Raketen mit herrlichen Silberflimmer-Wolken und imposanten Crackling-Sternen... Kugelbomben und Tri-Color-Effekte mit rubinroten und saphirblauen Leuchtsternen... Rakete mit Schlitz und beigelegtem Zettel für Wünsche, Träume oder gute Vorsätze im neuen Jahr... Tischbomben mit fetziger Überraschungsparty-Füllung... BleigießenFire-Cocktail mit imposanten Vulkanfontänen, römischen Lichtern, Sonnenvögel, lautstarken Reibkopfknallern, Silberwirbeln und trendigen Jugendfeuerwerks-Pyro-Hits... NeujahnusbrauchStepside-Final-Batterie "Hells Bells", optisch besonders auffallend mit unterschiedlichen Abschuss-Kalibern, schrillen Turbo-Heulern und abbiegenden Kometen... prächtige Fontänen gefolgt von 18 Knatteraufstiegen mit rubinroten und smaragdgrünen Sternen... bunter, lauter, präziser: die neue Generation der Feuerwerksbatterie mit ca. 30 m Effekthöhe, mächtigen Spinnen-Wirbeln und herrlich filigranen Goldstern-Buketts... Das fehlte bei uns alles, wie jedes Jahr, auch an diesem Sylvesterabend - nicht etwa, weil ich nicht auch gern mal mit home made explosives zündeln wollte, natürlich ohne anderen schaden zu wollen wie der Berkeley-Absolvent Theodor Kaczynski, sondern weil mir das Zeug einfach zu teuer ist und ich auf keinen Fall die Zündschnur an meine nicht üppige Banknotenbündelsammlung halten möchte. Zur Zeit könnte ich nicht mal das Streichholz aus der Schachtel nehmen, geschweige denn anstreichen, denn ich hatte meinen guten Rrrrrutsch mit nachfolgendem Aufprall schon am 29. Dezember auf einem verschneiten asphaltierten Ufer-Radweg unterhalb von Wiesen, durch die kleine Rinnsale herab in die Mosel tröpfeln und unter der Schneedecke unbemerkt vereisen. Kröver NacktarschBums, lag ich eine Schrecksekunde später auf dem Pflaster, der Kopf summte, blieb aber dran, eine kleine Beule war nach zwei Tagen verschwunden, nicht so der Schmerz im verstauchten Daumen, dessen Ballen ballonartig anschwoll und mir zu der Erkenntnis verhalf, weshalb uns die Delphine bei aller Intelligenz doch nie evolutionär überflügeln werden. Selbst wenn wir uns vorher ausrotten mit all den panzerbrechenden Massenvernichtungswaffen, die jetzt wieder ganz legal in die Ukraine bzw. nach Irak verschickt werden, so lange den Delphinen der oppositionäre Daumen fehlt, erreichen sie rein werkzeugmäßig nix, und dass ich das hier tippen kann, ist nur meinen Fingern und der leichtgängigen Tastatur zu verdanken. Natürlich gab es in dem Moseldorf, wo wir uns aufhielten, weit und breit keine Apotheke, schon gar keine Erste-Hilfe-Station! Anderntags in Trier bekam ich etwas Mobilisierendes gesalbt und noch ein paar Schmerztablettchen, von denen ich mich seitdem ernähre (keine Angst, ins Fondue sind die nicht gefallen). Gut, ich hätte das auch im 11 km entfernten Traben-Trarbach bekommen, wo sogar allerlei Geschäfte zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet sind, selbst an den Feiertagen - (Grund ist ein Wein-Nachts-Markt, der genau so geschrieben wird wie unten am Parkverbotsschild), aber bei dem Schneefall nochmal das Auto zu mobilisieren, war mir zu lästig.

    Zwei MoselentenJedenfalls haben wir uns auf die Operation Bleigießen besonnen, wobei wir die Raketenstellungen unserer Nachbarn jenseits des Rasen- bzw. diesseits des Raserstreifens, deren Treiben man anderntags an einem ungeheuren Haufen verschmorten Plastik- und Papiermülls ablesen konnte, gar nicht bombardiert haben. Wir sind schön zuhause geblieben und erhitzten ein bleiernes Glöckchen und ein unkoscheres bleiernes Glücksschwein im Löffel und warfen den verflüssigten Inhalt desselben in ein Wassertöpfchen... heraus kam etwas, das man, nun ja, in einem Fall mit viel gutem Willen als "Blume", im anderen nur als Mrxzkrszfzpriö beschreiben könnte, und beide Begriffe finde ich nicht auf der Rückseite der Schachtel, wo sich eine Liste mit Deutungsvorschlägen fand: Angel - Pack das Glück beim Schopf, Baby -  Familie wird größer, Besen - hüte dich vor der Schwiegermutter, Fächer - Jag den Mief aus deinem Leben, Galgen - Häng nicht so durch, Gurke - hüte dich vor Brillenschlangen, Nikolaus - Du trägst eine schwere Last, und so weiter im Alphabet bis Tasse - Pfeif auf Kartenleger, Ufo - Besuch aus großer Ferne, Vulkan - Bremse deine Leidenschaft, Waage - Erfolg im Rechtsstreit und Ziege - Du wirst gemolken.

    Tja, und heute früh ist das alles auch schon wieder Geschichte und das Neue Jahr hat begonnen (mein Lieblingskarikaturist zeichnete zwei Leute am Böller-Marktstand, der eine: Jetzt ist auch schon wieder ein Jahr rum, der andere: Sushi-Opfer zum Neuen JahrLängerfristig gesehen sind sogar noch mehr Jahre um als nur das eine), und ich hab ein paar dieser Holzstangen eingesammelt, weil ich neue Tomaten daran Köln feiert ordentlichJanusköpfiges Traben-Trarbach-Monumentemporbilden werde, und die Hundehaufen vom Rasen auf den Bürgersteig gekickt, wo sie meiner Meinung nach hingehören. Auf dem Neujahrsspaziergang hat sich nicht nur am vielsprachigen Stimmengewirr erwiesen, dass wir eine echte Multi-Kulti-Stadt geworden sind, sondern auch bei Beobachtung der verschiedenen Neujahrsbräuche. Während sich die Einheimischen verschworen haben, den orangekostümierten Heinzelmännchen möglichst viel Scherbendreck und halbleere Sektpullen am Rheinufer zu hinterlassen, damit die was zum Wegräumen kriegen, begrüßte ein Fernost-Imbiss in der Südstadt die Geister des kommenden Jahres mit einem Sushi-Gericht. Wir fanden dieses Menü auf dem Fensterbrett vor dem Schaufenster, hübsch dekoriert auf einem Tablett, einem prickelnden Glas Sekt und einem langen Räucherstäbchen. Erst dachten wir, das habe sich z. B. ein Taxifahrer bestellt, der beim Warten unversehens einen Kunden bekam und deshalb abwesend war. Das brennendes Räucherwerk ließ aber auf eine Kulthandlung schließen - Opfergaben fernöstlicher Abschieds- und Willkommenskultur für das mit einem Fuß abtretende, und mit dem anderen eben erst eingetroffene Jahr. Zwar gilt dieser Laden als Thailänder, und in Thailand feiert man Neujahr erst im April, wobei man sich mit Wasser bespritzt und mit Babypuder bestreut, um sich langes Leben und Kindersegen zu wünschen (was in größeren Städten angeblich zu wahren Wasser-und Babypuder-Schlachten führt). Aber wer will wissen, welcher Nationalität die Putzfrau oder der Küchengehilfe ist in dem Laden, - die meisten "Italiener" werden inzwischen von Kurden und Syrern betrieben, hab ich mir sagen lassen. Und an den Kalender des Ursprungslandes wären Geister, die man rief und mit einem Sekt und einer Rohfisch-Auswahl auf Reis versöhnen will, ja auch nicht gebunden.

    Apropos, der ferne Osten im reichen Westen - wusstet ihr, dass Trarbach zweitausend Buddha-Statuen beheimatet? "Die Buddhas benehmen sich übrigens äußerst unaufdringlich, so wie Buddhas eben sind: Tolerant, verständnisvoll und ohne Moses Parkerlaubnisdas geringste Interesse, ihren Gästen irgendwelche Ansichten aufzudrängen. Sie wirken und überzeugen durch ihr bloßes So-Sein. Doch sollten Besucher tiefergehendes Interesse äußern, zur Kultur ihrer Herkunftsländer, zu ihrem bisweilen ungewöhnlichen Habitus, zu ihrem Denken, so haben die Buddhas dafür Personal angestellt, ein kleines engagiertes Team, das darauf wartet und sich freut, Fragen zu beantworten oder auch durch das ganze Haus zu führen. " So weit die Selbstdarstellung... Das Buddhamuseum haben wir aber NICHT besichtigt, weil uns schon das Mittelmoselmuseum auf den achtfachen Pfad geschickt hatte, weshalb wir uns den Besuch für ein anderes Mal aufsparten. Eine fernöstliche Physiognomie zeigt übrigens auch die Doppelkopf-Skulptur, die der Bildhauer Jürgen Waxweiler aus einem 220 Millionen Jahre alten Stein gefertigt hat. Sie steht seit September 2011 am Verkehrskreisel der B 54 (Moselufer eingangs der Grabenstraße), den man benutzen muss, um in Trarbach zu parken. Der Stein trägt noch Spuren von "versteinerten Wellen", die man allerdings nur oben auf dem Kopf sieht, wenn man hinaufklettert. Die beiden Gesichter gucken in verschiedene Richtungen - nach Traben und Trarbach eben, zwei Städte, die in ewiger Hassliebe miteinander verquickt sind wie Leuwen und Louvain, Bensberg und Gladbach, Barmen und Elberfeld. Die Sushi-Portion war für Neujahnus gedacht, den doppelköpfigen Gott, der ins vorige und aufs neue Jahr blickt, aufs asketische Buddhamuseum und in den lichterglänzenden Wein-Nachts-Markt. Möge er euch allen einen guten Aus- und Eingang bereiten - und ein knöllchenfreies Parken obendrein.


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  • Szenen einer Ehe: Meine liebste (das Wort klingt immer wie "Pausensnack", aber trotzdem:) Lebensabschnittsgefährtin nimmt morgens die Tageszeitung gern in ihre ca. 5-6 Teile auseinander, faltet sie in der Mitte und legt sie aufeinander. Dann könne man, meint sie, die Beilagen besser finden, die man lesen möchte, z. B. "Technik und Motor", ihre Lieblingsrubrik. Ich hingegen würde die Zeitung nach dem Frühstück gern wieder zusammensetzen, in der Reihenfolge, in der sie aufgeschlagen wurde, damit sie unbenutzt und neu aussieht. - Jaja, ich hör schon die Vorwürfe, wie pingelig ich sei, aber der eigentliche Grund ist der, dass ich das Gelesene nach ein paar Stunden verdränge und vielleicht auf bessere Nachrichten hoffe, wenn ich die Zeitung erneut aufschlage.

    zeppelin, gepiekst von kirchturmIn der heutigen Tageszeitung fand ich den Neologismus des Tages. "Schlanklügen", es wurde verheißen, das Verteidigungsministerium werde inskünftig keine Rüstungsprojekte mehr "schlanklügen". Dabei - gerade fürs Schlanklügen bringt der Wähler bestimmt Verständnis auf, warum nicht den Etat der Bundeswehr schlanklügen, das machen wir doch - beim Einpacken der Sommer- und Auspacken der Winterklamotten - letztlich alle.

    Kohl ist der Held des Tages, weil er u. a. gesagt haben soll, Angela Merkel hätte mit Messer und Gabel nicht essen können bei Staatsbanketten. Man muss sich mal vorstellen, wie so ein Staatsbankett bei Kohl vorgegangen ist! Gab es da nicht immer wieder Pfälzischen Saumagen, von dem ich jetzt auf die Schnelle gar nicht wüsste, ob mit Messer, Gabel oder Löffel...? Und die Hummerzange immer schön in Griffbereitschaft. Aber die in der ehemaligen DDR, denen gab man keine Messer oder Gabel, schon damit sie sich nicht wehtun - oder anderen man weiß ja, wie die Bauernaufstände angefangen haben! Die Ossis haben doch höchstens mit dem Löffel aus der gemeinsamen Suppenschüssel geschlürft (ich hab noch so einen, im Knast geschnitzten Holzlöffel), oder benutzten, wie bei Asiaten üblich, Ess-Stäbchen oder solche Piekser wie die Kartoffelesser von Van Gogh! Ich hätte jedenfalls gewusst, was zu tun ist, wenn mir der Sitzriese Helmut Kohl damals im barschen Ton den Gebrauch von Messer und Gabel bei Tisch anbefohlen hätte... ich wäre aufgestanden, von hinten an ihn herangetreten und... nein, nicht was ihr jetzt denkt, ich hätte ihn mit der Gabel mal in die Wampe gepiekt, um zu prüfen, ob bei Perforierung die Luft aus diesem Ballon entweicht oder ob das massives Fett ist.

    Ferner las ich in der heutigen Tageszeitung die Rezension eines Buchs vom Leiter des Kölner Stadtmuseums Mario Kramp, Vom Traum zum Alptraum. Köln und der Beginn des Bombenkriegs in Europa, Greven-Verlag, 12,80 €. Der hat herausgefunden, dass das erste Bombardement einer städtischen Zivilbevölkerung von Köln ausging, hier startete am 5. August 1914 das Luftschiff Cöln (Z 6), das die ersten Bomben auf Lüttich abwarf. Hier ein Bericht aus der Innsbrucker Zeitung vom 30. August

    Bei dem Kampfe um Lüttich spielte auch ein Zeppelin-Luftschiff eine Rolle. Die Tätigkeit des Luftschiffes wird von einem Oesterreicher, der in Lüttich von Belgiern gefangen genommen worden war, der „Grazer Tagespost" wie folgt geschildert: Es verging eine Schreckensnacht. Als die Sonne aufstieg, sah man 'im Osten ein Luftschiff, das die Deutschen an seinen Umrissen als einen „Zeppelin" erkannten. Alles schrie und weinte. Es herrschte eine große Panik in der Stadt. Während alle Bewegungen des Luftschiffes mit Furcht und Aufregung beobachtet wurden, sah man unter den Gondeln einen weißen Rauch aufsteigen. Es war eine Bombe, die aber versagt hat. Der „Zeppelin" war in einer Höhe von 600 Metern. Plötzlich senkte sich die Spitze des LuftschiffesRechnung mit 'Gottes Segen' und der „Zeppelin" ging auf etwa 300 Meter herab. In diesem Moment wurde aus den Forts auf das Luftschiff ein mörderisches Feuer eröffnet, in das sich das Gewehrfeuer der Infanterie mischte. Das Luftschiff warf Bombe auf Bombe herab, die unter donnerähnlichem Knall explodierten. Dann beschrieb das Luftschiff noch mehrere Schleifen über der Stadt und warf noch weitere 10 Bomben herab, die alle wirkten. Aus den Häusern, überall wurden die Gewehrläufe gegen das Luftschiff gerichtet, das aber unbeirrt seinen Lauf nahm. Plötzlich sprengte aus einer Straße ein Totenkopfhusar in vollem Galopp heran. Kaum sahen ihn die Leute, als sie auch schon das Feuer auf ihn eröffneten. Er riß sein Pferd herum und verschwand. Gleich darauf stürmte ein Infanterie-Offizier um die Ecke, in der Rechten seinen Degen, in der Linken die Pistole; hinter ihm eine Abteilung deutsche Infanterie. Die Furcht vor den „Sepplihns" Frankfurt, 25. Aug. Die hier untergebrachten französischen Gefangenen erzählen von der ungeheuren Furcht der Franzosen vor den Zeppelinluftschiffen. Die Furcht der Franzosen vor diesen Luftschiffen sei gar nicht zu beschrei­ben. Man fürchtet in den Nächten des Neumondes unvermutete Angriffe. Der „Sepplihns" ist der Kinderschreck der französischen Jugend, die Angst der Erwachsenen und die Furcht der Soldaten bis in die Generalität.

    Auch Antwerpen wurde per Zeppelin bombardiert - eine der Bomben traf die Gasanstalt, und bei Explosion des Gaskessels lag die ganze Sadt im Dunkeln. Am Bodensee produziert, mit Maybach-Motoren ausgestattet, an Bord sechs Maschinengewehre, Vorrichtungen zum Bombenabwurf, Torpedo-Raketenwerfer, das war das eine richtige Vollfett-Rüstung, die keineswegs schlankgelogen wurde! Im Frühjahr 1916 weitete man die Zeppelinflüge und Bombenangriffe auf England aus. Das hätte man vor dreißig, vierzig Jahren wissen sollen, wenn einem die alten Kölner in ihrer Larmoyanz vorgreinten, dass Großbritannien noch immer nicht die "Menschenrechtsverletzung" der Flächenbombardements ächten wollten und dem Kommandanten, genannt Bomber-Harris, sogar ein Denkmal setzten. Der OB musste eigens nach London reisen und protestieren, was aber nichts half. In der 1000-Bomber-Nacht vom 30./31. März 1942 hatten die Briten aus Köln das gemacht, was Brecht "eine Radierung von Churchill nach einer Idee Hitlers" nannte. Die Opfer - vielmehr was von ihnen übrig war, - wurden auf dem Zollstocker Friedhof unter seriell produzierten Betonkreuzen beerdigt. NS-Ehrenhain der Kölner BombenopferEiner, der das als Schüler mitmachen musste, berichtete, dass man nicht viel Wesens darum machte, ob die Identitäten alle stimmten, in manchen Fällen wurden Phantasienamen auf die Kreuze geschrieben. Aber - "you asked for it and you got it!" - das erste derartige Bombardement, dem die Zivilbevölkerung eines noch am Krieg ganz unschuldigen, von Deutschland ohne Kriegserklärung überfallenen Landes ausgesetzt war, ging von Köln aus, der Zeppelin, der Lüttich bombardierte, startete in Köln. Bei der Rückkehr havarierte das Luftschiff über Walberberg, die Besatzung konnte mit knapper Not das Leben retten, aber davon stand nichts in der Kölnischen Volkszeitung - hier wurde dreist ein zukunftsloses Rüstungsprojekt (oder übergewichtige Generäle in der fliegenden Zigarre?) schlankgelogen:

    Berlin, 10. August. Mit Genehmigung der Militärbehörde gibt das „Berliner Tageblatt" die Schilderung der „Kölnischen Volkszeitung" über das hervorragende Eingreifen des „Zeppelin VI" bei Lüttich wieder. Aus 600 Meter Höhe wurde die erste Bombe geworfen, die versagte. Das Luftschiff ging dann auf 300 Meter herunter und schleuderte weitere zwölf Bomben, die sämtlich explodierten. Infolgedessen brannte die Stadt an mehreren Stellen. Sämtliche Bomben warf ein Unteroffizier der Besatzung aus der hinteren Gondel. Er war nach der Landung Gegenstand begeisterter Ovationen.



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  • Diese neue 3-D-Doku namens "Kathedralen der Kultur", die von  "(Deutschland/Dänemark 2014)" aus nächstens in die Kinos kommt  - ein zineastisches Zuckerschlecken. Wie abgedroschen klingt das denn! Klar, wenn die Regisseure des Films "Wim Wenders", "RKathedralen des Konsumsobert Redford" und "Michael Madsen" heißen. Alliterationen sind ja sooo 1980. Meinetwegen kann der Film von Gustav Gans produziert und von der Dagobert-Duck-Digitized-Documentaries Ltd. finanziert worden sein, ich geh nicht hin. Früher, na schön, da hat sich die Werbung wigela-weia mit Stabreimen durchgemogelt. Heute kehrt man zurück zum guten alten Endreim, wie damals der (doch nicht mehr allen bekannte) kegelförmige Feuerlöscher namens MINIMAX. "Feuer breitet sich nicht aus, hast du MINIMAX im Haus", worauf freche Kinder mit dem Abzählreim antworteten, Minimax sei großer Mist, wenn man nicht zu Hause ist, oder auch: Hast du Minimax im Keller, brennt der Dachstuhl um so heller.

    Der Reim schlägt nicht nur Alliteration und Zeugma, sondern auch die Metapheritis. In einem europapolitischen Manifest der Grünen, verfaßt u.a. von Claudia Roth und einer jungen Dame, die auf einem Bioland-Bauernhof aufgewachsen ist, las ich kürzlich die bedenkenswerten Zeilen: "Viel wichtiger und vordergründiger wird am Sonntag eine andere Frage verhandelt, und zwar: MettschweinGewinnt in Europa die Wurst – oder doch der alte Zopf?" Da war auch die Rede - und ich sah förmlich, wie die RednerIn bei den entsprechenden Worten beide Hände hebt und mit zwei Fingern so eine zweideutig-komische Geste, ein bisschen wie Hasenohrenwackeln macht, kurz, da war auch die Rede "von revolutionären Umstürzen zurück zu 'echten' Volksgemeinschaften, in denen 'richtige' Männer die Gesellschaft prägen, dienende Frauen sich zurückhalten und 'Fremdes' seinen Platz rechte- und würdelos am Rande einzunehmen hat". Dieser "alte Zopf" habe sich irgendwie von selber "schon vor der Wahl bis zu den großen Parteien durchgeflochten", die "identitätsstiftende Idee Europas" werde "aus Angst vor den Rechtspopulisten bereits auf dem Altar des Wahlkampfs ... geopfert", und da "sich selbst die Bundeskanzlerin nun in den Chor der Populisten einreiht", geben ihre Worte "dem alten Zopf also Recht". Aber diesem plumpen Versuch, die Dinge von den Füßen auf den Kopf zu stellen, sollten wir alle beim Urnengang am Tag des Herrn die rote Karte zeigen". Chor einreihen zum Zöpfeflechten und die rote Karte zeigen, indem die Wurst gewinnt? Schmeckt doch sehr nach Bioland, das denjenigen ein Trost ist, die das Motto "ich bin Vegetarierin außer bei Würstchen" ernst nehmen. Schön und gut, aber alleKonsumverweigerers ein bisschen outdated, Baby!

    Kathedralen des KonsumsGanz anders der familienfreundliche Besser-leben-Frische-Lecker-Point-of-Sale (kein Discounter, und zuletzt mit Glanzfotos von apfelrotbäckchenhaften, sommersprossen-rothaarigen Kindern aufgefallen, die sonderbare Wortspiele drechselten wie "dämlich frisch!"), der demnächst am Airport dieser Stadt zu einem gewaltigen Remmidemmi "mit den Highlights: Heino, Circus Roncalli Bühnenshow und DSDS-Gewinnerin 2014 Aneta Sablik" einlädt. Highno als Heileit? klingt natürlich auch wieder nach Assonanz, aber der Prospekt dieser Supermarktkette ist dafür auf den Reim zurückgekommen. Es fiel mir erst auf, als ich im Sonderangebotsprospekt diese merkwürdige Parole las:
    "Ein voller Wagen ist das Ziel".
    Häh? Les ich recht? Die meinen doch wohl den Einkaufswagen, und so viel nackte Gier hätte ich den Lebensmittelkonzernherren gar nicht zugetraut, dass sie schon in ihrer Werbung gleich sagen, worum es ihnen geht, nämlich, dass wir unseren Drahtgitterkorb auf Rädern möglichst hoch auftürmen. Es erinnert mich an das alte Lied der heute vergessenen Deutschrock-Gruppe "Eulenspygel", welches da lautet: 

    Konsumgewäsche in der PresseÄhrenfrau
    ein Image wird hier aufgebaut,
    und Du kriegst eine in die Fresse,
    wenn Du Dich nicht verführen läßt.
    Du mußt kaufen, kaufen, kaufen.

    Kotzt Dich das nicht an ?

    Weiße Zähne und Truthähne
    grinsen Dich von Säulen an.
    Illusionen für ein paar Kohlen,
    Lebensstil für teures Geld.
    Du mußt kaufen, kaufen, kaufen.

    Kotzt Dich das nicht an ?

    Jeden Tag ein neuer Wunschtraum, Mietpreisspirale
    suggeriert durch Wortes Macht.
    Bilder die Dich gierig machen auf
    Dinge die Du gar nicht brauchst.
    Du mußt kaufen, kaufen, kaufen...

    Ein voller Wagen ist nicht das Ziel, sondern natürlich erst am Ziel, wenn die Kasse ebenfalls voll ist, dann darf der Kunde mit dem Trödel abdampfen, bzw. sein Wagen, wenn's nicht grade so ein geländegängiger Großstadtdschungeljeep ist, wird zum Ziel ("ein voller Wagen"). In diesem speziellen Laden übrigens haben sie eine Filmüberwachung, bei der die Kassiererin seitlich sehen kann, ob ihre Kunden eine Laufmasche oder einen stibitzten Flachmann im Strumpf  haben. Die Verblödung und der Konsumidiotismus gehen heute unverstellt und nackt einher. Da können sie sich den ganzen Schnickschnack von "heute mal vegan", "Ernährung und "Krabbensalat genießen. Mit gutem Gewissen..." Noch etwas mehr Gewissen an den leckeren Krabbensalat, bitte. Und eine Prise Kafka!

    Dann aber fiel mir, beim Weiterblättern in dem Prospekt, noch etwas auf. Da waren überall so seltsam formulierte Sprüchlein, nein, ich meine nicht "jetzt tolle Ramba Zampa-Rezepte von Holger Stromberg probieren", sondern den seltsamen Gleichklang von "Pack was Buntes auf den Grill" und "An Pfingsten gibt's was auf den Grill" und "Von diesen Angeboten haben Sie viel" und "Mit jedem Einkauf sparen Sie viel." Merkwürdig eintönig, oder? Und da erst viel es mir wie Schuppen aus dem zertifiziert nachhaltigen Fischstäbchen: Hinter den Sprüchen war immer so ein Logo den Flaggen Deutschlands und Brasiliens, in die der Fotoshop-Grafiker die Worte "Ramba" in die deutschen und "Zamba" bei der brasilianischen Farben hineingeschnippelt hatte, dahinter fanden sich die Worte "do Brasil". Wenig Pril - hilft viel, daher die Reimerei, und zwar im Gertrude-Stein-Stil etwas monophon-seriell wiederholend. Das ganze sollte sich als eine Folge gereimter trochäischer Vierheber lesen, die man als Zweizeiler wie folgt anordnen kann, die jeweiligen poetischen Anlässe nenne ich in Klammern dahinter:

    Pack was Buntes auf den Grill.
    Ramba zamba do Brasil
    (Exquisites Salatquartett und Hähnchen-Grillplatte)Kathedralen des Konsums
    An Pfingsten gibt's was auf den Grill.
    Ramba zamba do Brasil
    ("Leckere Grillangebote im Innenteil")
    Von diesen Angeboten haben Sie viel.
    Ramba zamba do Brasil
    (Delikatess-Hinterkochschinken mild im Geschmack) 
    Große Auswahl. Sparen als Ziel.
    Ramba zamba do Brasil
    (Käsewürfel "mild & nussig")
    Ein voller Wagen ist das Ziel.
    Ramba zamba do Brasil
    (Feinjoghurt versch. Sorten)
    Deutschland spart. Im großen Stil.
    Ramba zamba do Brasil
    (Spargelfertiggericht)
    Deutschland sammelt. Mit viel Gefühl.
    Ramba zamba do Brasil
    ("Pro 10 Euro Einkaufswert 1 Sammelkarte GRATIS", außerdem beim Kauf eines Albums)Heinolieder von Jörg Brummack
    Diese Preise machen das Spiel.
    Ramba zamba do Brasil
    (Hühner- und Buchstabensuppe in Tüten)
    Sich was gönnen kostet nicht viel
    Ramba zamba do Brasil
    (Kindgerechte Schokoriegel und kinderfreundliche Schoko-Bonbons)
    Der beste Preis.
    Von München bis Kiel.
    Ramba zamba do Brasil
    (Sixpacks mit koffeinhaltigem Premium Pilsner Alkoholfrei bzw. mit Alkohol)Kathedralen des Konsums
    Mit jedem Einkauf sparen Sie viel.
    Ramba zamba do Brasil
    (mit C geschriebener Orangensaft)

    Das war's, danach kam nix mehr Gereimtes in dem Prospekt. Aber ich bleibe dran, vielleicht geht es nächste Woche weiter! Wie bei den Wetterberichten damals in der FAZ geht der wahre Lyriker heimlich zu Werk und bleibt lange unentdeckt. Wie alle guten Gedichte sollte man dieses auch laut lesen, vielleicht am besten ein heiterer Runde, vom alkoholhaltigen Koffeinpils in Stimmung gebracht, sollte ein Vorsänger die erste Zeile intonieren: "Deutschland spart. Im großen Stil..." und dann fällt ein Chor aus voller Kelle ein: "RAMBA ZAMBA DO BRASIL", oder - weil man ja gern mal was vergisst - man wiederholt diese Zeile, jede Zeile des Vorbeters, wie damals auf der Friedendemo ("Atomraketen? vergeudete Moneten!"). Der Erfolgssänger mit dem Markenzeichen Sonnenbrille könnte es singen, auf dem Airport-Remmidemmi ("Kochwettbewerbe"!), der Roncalli-Zirkus mit dem Clown Zippo, letzterer neuerdings zum "Kulturbotschafter des Landes NRW" ernannt, und die Detuschlandsuchtdensuperstar-Mieze machen dazu eine Tanz-Performance. Oder der ganze Kundenstamm (die "family" mit der Glückskarte und den vielen Vorteilspunkten) trifft sich in mondhellen Nächten am Traktorentanzplatz, auf verlassenen Public-Viewing-Thingstätten, entzündet das Lagefkk Vignette Presseschaurfeuer des Medienmarschalls McLuhan, und brüllt im Stil der "Heldischen Feier" eines Gerhard Schumann:

    Einer: Wie Narren sind wir einsam angetreten.
    Grell schwirrte Hohn auf, gellte Schimpf und Scherz.
    Wir aber glaubten. Denn da half kein Beten.
    Wir wußten nur: in uns schlug Deutschlands Herz.Kathedralen des Konsums
    Alle: Wir wußten nur: in uns schlug Deutschlands Herz.
    Einer: Wir haben nicht das Mögliche erwogen.
    Und noch die Sterne schwangen uns zu nah.
    Das Ziel, nach dem uns Traum und Wille flogen,
    Zwang als Gesetz, das über uns geschah.
    Alle: Das Ziel, nach dem uns Traum und Wille flogen,
    Zwang als Gesetz, das über uns geschah.
    Einer: Und was die Weisen mitleidvoll belachten,
    Das schmolzen wir in unsrem Blut zu Stahl.
    Die müden Achseln zuckten voll Verachten.
    Die wurden bei dem Glanz der Waffen fahl.
    Alle: usw.
    Einer: Denn aus dem Raum, wo Blitz und Donner wachsen,
    Und wo die Sterne stürzen aus dem Nichtsalles sauber
    Und wo das Weltall stürmt um seine Achsen
    Fuhr einer zu uns, leuchtenden Gesichts.
    Alle: Hielt leuchtenden Gesichts
    Tafeln des Gerichts!
    Wehende Fahne des Lichts!

    Na, und wer mag das wohl gewesen sein? Das Eichhörnchen war es jedenfalls nicht, und auch nicht Moses, der kam von einem Berg runter und hatte Gesetzestafeln, fürs jüngste aller Gerichte ist demnach noch eine Weile Galgenfrist. Aber das ist eine andere, ungereimte Geschichte...


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  • Mein Gott, die Merkel nu wieder? Halsbandsittich am FutterhausIn ihrer Neujahrsansprache, die einen Tag vor Neujahr ab ca. 19.00 auf allen Kanälen kommt, hat sie so lustig-listig immer von der Seite geblinzelt, das wär als solches ja nicht schlimm, aber was da aus ihrem Mund purzelte, war eine solche Ansammlung von Platütiden, dass es ihr sog. "Ziehvater" H. Kohl auch nicht besser hätte faseln können. Und was hatte sie da für ein Kleid an, grünlich wie aus einer Satin-Gardine geschneidert, die sich Thomas Mann für die Buddenbrooks ausgedacht hat. Den Schreibtisch immer penibel aufgeräumt und daneben Flaggen von EU und Germany, seltsam, als wenn sie sich zwischendurch als Miss World in dieselben wickeln will. - Zwischendurch konnte ich den Eindruck nicht abweisen, Zwei Liebesschlösser ineinanderdass sie den deutschen Pöbel instinktiv hasst, ebenso wie ihre Rolle, die sie zwingt, alljährlich diesen rituellen und seriellen Schwachsinn abzusondern, denn: ihre Politik erklären, motivieren, um Verständnis werben oder dgl., darüber ist sie hinaus, das ist in der Demokratur, die uns Schröder und Kohl hinterließen, offenbar nicht mehr nötig. Die Ostpolitik, die autofreien Sonntage, sowas wurde noch zumindest anscheinsweise begründet, aber schon die sog. Ver-Einigung war nicht mehr erklärungsbedürftig, ebensowenig wie die Auslandseinsätze der Bundeswehr, hier und da half noch ein Oderhochwasser (Stirnrunzeln der Kanzlerin etwas betroffener), das jetzt sogar 2x incl. Facebook-Aufruf erwähnt wurde, und wenn wir auch nur eine Kleinigkeit beitragen (z. B. ein "gefällt mir" klicken?), dann macht genau das die Stärke unseres Vaterlands aus. "Es ist also wahrlich nicht alles so, wie wir uns und erhoffen oder wünschen. Doch immer Viele in Deutschland, Junge wie Alte, sagen: ich wage es, sie gründen eine Initiative oder eine Firma. Sie nutzen ihr Talent und werden Künstler, Sportler oder Handwerker." Altern als Problem für Künstler... oder Sportler? HErr, es ist Zeit, der Schwachsinn war sehr groß, lass auf den Fluren (der Regierungszentrale)  endlich Hein, den Schnitter los... Aber gemach, wir haben ja auch Schönes erlebt, wir sind inzwischen schon auf die vierte Rheinbrücke gegangen, eine im Norden, nach Mülheim, wo wir einer an Heiligmorgen diensttuenden Apothekerin ein paar Kleinigkeiten zu Weihnachten brachten; eine sehr weit im Süden und zwei schließlich genau hier, wo wir wohnen. Kranhäuser und DomStromabwärts in Bonn sah ich mir die Silhouette an, die von Postturm, DHL, Mercedesstern auf allen Wegen geprägt ist und musste griemeln bei dem Gedanken, dass der Mauerfall all diesen palästegenerierenden Lobby-Kaiserreichen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat: Die Herren der Wirtschaft verkündeten, "die Hauptstadt gehört uns", und zack, gab es eine Miniatur-Revolution namens "Wende", die vom neuen Hauptstadtstyling des Allzeitkanzlers gedemütigten Ossies fürchteten sich, abgehängt zu werden, und zack war das Provisorium weitergewandert nach Nordosten (wo es noch lange - vielleicht für immer - Provisorium bleiben wird) und ließ die leerbleibenden Paläste verdutzt zurück. VW-Filiale am RaderberggürtelNa gut, es galt sowieso bloß, Riesengewinne in Beton und Glas zu gießen (anstatt sie für Kultur, Bildung und Gesundheitswesen zu verplempern) und insofern war der Verlust zugleich wieder Gewinn, im ungesteuerten Chicagoboy-Kapitalismus fließt eben allesGusseisengitter an der Südbrücke in eine Richtung - nach oben. Das Licht war in den letzten Tagen seltsam und die Wolken spiegelten sich wunderlich in den Wasserflächen, selbst die Stadtsilhouetten von Köln und Bonn sahen aus gemessener Entfernung einigermaßen schön aus. Auch warf der frühlingshafte Winter lange Schatten, wir sahen Kirschen und Rosen blühen und Bäume aussschlagen und die Vögel am Haus zwitschern wie verrückt, verrückt (ein wenig) sind auch die Halsbandsittiche, dNordpfeiler der Rodenkirchener Brückeie sich in den Sonnenblumenkernvorrat vertiefen und sich beim Futterhaus nicht stören lassen. Ich habe sie auch im Verdacht, die Kastanien aufzuschnäbeln, die zumindest bei den jüngeren Eichhörnchen keine Beachtung finden, aber mag sein, dass andere Eichhörnchen auch Kastanien mögen, sie verschwinden regelmäßig vom Balkon und hinterher liegen (das scheint meine Papageientheorie zu bekräftigen) die leeren Schalen in unseren unbenutzten Blumentöpfen. Eichhörnchen nehmen Kernobst mit und verbuddeln es oder futtern es andernorts. An den Rheinbrücken in Rodenkirchen (kein Papagei, aber ein ekelhaft reichsdeutscher Adler am Ostpfeiler, der argwöhnisch gen Frankreich blickt) und selbst an der Südbrücke, einer Eisenbahn-Eisenkonstruktion, fiel mir auf, dass hier ganz wenige Liebesschlösser zu finden sind, vereinzelte schon (daran sieht man, dass niemand sie abmacht), aber kein Vergleich zu den gewaltigen Massen, die traubenförmig von der Hohenzollernbrücke herabbaumeln. Wer also Individualist bleiben und sein Liebesschloss nochmal wiederfinden und ggf. nach 3 Jahren ergänzen möchte, kann hier einen exklusiveren playground finden!

    Ich muss zugeben, dass mir dieBonner Rheinpanorama Brückenwanderungen nicht gelinde Probleme bereiten, ich habe wahnsinnige Höhenangst und halte mich immer möglichst fern vom Geländer, wo es mich magisch nach unten zieht, genauer gesagt habe ich dreifache Panik: erstens, es könne mich das schwarze dunkle Wasser da unten so verlocken, dass ich wie von Sinnen über die Reling klettere und nach unten falle, zweitens, ich könne etwas verlieren, was mir irgendwie wertvoll ist, weshalb ich beim Fotografieren geradezu manisch Schattenbild im Grasdie Schlaufe am Unterteil des Apparats ums Handgelenk schlinge - als Student habe ich für meine damalige Freundin eine nichtelektrische Reiseschreibmaschine in Bad Kreuznach gekauft, die sie sich wünschte, 50,- DM hat sie gekostet, so in der Preislage, und ich musste sie über eine ganz harmlose Nahe-Brücke tragen: schweißgebadet (und im Grunde meines Herzens auf allen Vieren kriechend!) erreichteKindertisch und Stühle ich das andere Ufer, wo mein Auto stand. Die Nahe fließt viel flacher im Tal, und die Brücken sind im Vergleich zu denen des Rheins wie leere Kinderstühlchen, die in Raderberg am Wegrand standen. Und drittens fürchte ich, jemand wolle mich hinunterstoßen, z.B. einer der wahnsinnigen Rennradler, gut getarnt durch Helm und Sonnenbrille, auf mich prallen, so dass ich unfreiwillig ins Trudeln komme und falle. Wenn ich mich dann nach "Überquerung des großen Wassers" (I-Ging-Prophezeiung!) allmählich wieder festem Land nähere, wird es zunehmend besser, auch da noch, wo ein Hinunterfallen oder -springen gar nicht gesund wäre, aber ein gewisser Blick über die Reling sagt mir, ach sieh mal an, da kann man wieder die Gräslein und Pflastersteine unterscheiden undReklame für eine Schreibschule rollt womöglich nur einen sanften Abhang herunter, da ist es dann nicht mehr so schlimm (natürlich ist das Quatsch), ich glaube eine nähere Verbindung zur Erde zu spüren und fasse wieder Mut. Eventuell suchen mich bald nach den Brückentagen, wie einst nach einer Karpartenwanderung, nächtliche Visionen heim, bei denen sich alles im Kopf dreht und ich nicht einschlafen kann vor Schwindel.

    In Bonn waren Rheinaue mit Flussarmwir ursprünglich, um die Ausstellung "Florenz" zu besehen, aber das schöne Wetter verlockte uns, den Spaziergang in die Rheinauen und auf die Beueler Seite hinüber auszudehnen, von wo wir mit der Fähre zurück zum Augustinerkloster übersetzten. Nach  Florenz kann man gut und gerne auch an Regentagen gehen. Hier war es viel ruhiger und weniger prollig und es ging geordneter zu als an den Kölner Ufern, wo sich ein buntes Gewimmel von Joggern, Hundeleinenhaltern, RadlernBrückentage etc. tummelt, hier natürlich auch, aber gutbürgerlich auf Abstand haltend und weniger ellbogenhaft, wie mir scheint. Obwohl der Abstand der Brückenwanderer zum Beueler Autobahnverkehr viel geringer ist und nicht wie auf der Rodenkirchener Brücke in Köln durch eine transparent-schallschluckende Plastik-Schutzwand (prima Fläche für Graffiti-Wettbewerbe) abgeriegelt ist. Wer weiß, vielleicht besichtigen wir in diesen Tagen ja noch andere Brücken, aber für mich ist es trotz der oben beschriebenen Gefühle immer schön, verdammt, ich sehe gern von oben die Aussicht und würde auch vom Geländer spucken, und lasse mir natürlich auch nicht nehmen, ab und zu den Rhein zu überqueren.Ente am Rheinufer Für heute wünsche ich allen Leserinnen und Lesern, die sich hier ab und zu einfinden, ein magisch-überraschendes, energiegeladenes und kreativ-schöpferisches neues Jahr. Allen, die wie ich mit dem Schreiben zu tun haben, sei zugerufen: "Schreib! Dein! Buch!" (und wenn es was zu redigieren, überzusetzen oder korrekturzulesen gibt, dann "Ruf! Mich! An!"), aber lasst euch die Anstrengung der Bewegung nicht anmerken, so wie es Enten vermögen, ihre hektisch strampelnden Beine unter dem Bauch zu verbergen und ohne den Anschein der Mühe auf dem Wasser zu gleiten. Lasst es euch gut gehen und denkt an mein Motto, entlehnt bei Ovid: "Die Zeit gleitet fort, wir altern, während die Jahre schweigen, und die Tage ohne hemmenden Zügel entfliehn".


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  • Rotkehlchen im BalkonkastenRotkehlchen im BalkonkastenRotkehlchen im Balkonkasten

     

     

    Da ich vorzugsweise von fotogenen Eichhörnchen, eitlen Halsbandsittichen und flitzenden Meisen erzähle, kommt heute in der Bebilderung das Rotkehlchen ganz nach vorn. Das besucht neuerdings gern unseren Balkonkasten, in welchem immer noch Kerbel wächst, und zupft gern mal an demselben, wenn auch nicht ganz so frenetisch wie die Taube im Sommer, die zuerst die Salatsprossen und dann, in schierer Verzückung, das Kerbelbeet hinmähte. Ganz so gierig ist, wie gesagt, das bescheidene Rotkehlchen nicht, in der Regel pickt es nach den Bröcklein, die vom Munde der Halsbandsittiche abfallen. Zu dem Rotkehlchen in unserem Haushalt hat sich ein Blaudäumchen gesellt, welches neulich aus der fast geschlossenen Autotür herausflatterte - fast geschlossen, wohlgemerkt, denn da war ein Hindernis, das am Zuwerfen hinderte - dabei war es eigentlich komplizierter, denn der Daumen zog grade an dem Frostschutzfolienrand, um ihn in den Türspalt zu kriegen - und sich dann ziemlich eilends zurückzog bzw. seinem Besitzer folgte und ungesäumt nach Hause strebte.blauer Daumennagel Dort war dann PECH die erste Losung für das Blaudäumchen, denn nach weisen Lehren soll man "PECH" sagen, wenn einem so etwas passiert, und dann danach wie folgt handeln (therapieren):
    1. P wie "Pause"
    (d.h. ruhig stellen, Schluss mit Sport oder sonstigen Belastungen des wehtuenden Gliedes);
    2. E wie "Eiswasser";
    in die man betroffene Extremitäten tunken soll (dazu muss man allerdings mit der anderen solo-Hand die Eisstückchen aus dem Kühlschrankfach holen, die sich dann wundern, wo der Martini oder Bitterino bleibt)
    3. C wie "Compression"
    (und zwar feste, das Blaudäumchen verschwand für einen Tag in seinem gezurrten Pflaster)
    4. und H wie "Hochlegen", ist beim Daumen jetzt nicht so nötig wie beim Meniskus.
    Das alles natürlich völlig ruhig und ohne Geschrei, Gefluche und Gejammer, wenigstens hat es keiner gehört, gottlob war niemand in der Nähe, der es bezeugen könnte.

    Schön blau war dann auch der Mondhimmel über Schloß Moyland am Niederrhein (letzter Vollmond des Jahres ist erst nächste Woche), wo ich mir außer tröstlichen Moyländer Krapfen, einer niederrheinischen Bratwurst und Weihnachtslichter auf dem Burggrabendiversen preiswerten Kunstpostkarten für 2,- € ein kleines Bändchen aus der Insel-Bücherei (Nr. 219) mit Schüttelreimen erwarb. (Antiquarisch bzw. second-hand: Vorher hatte das Buch einem Hubert Lehmann gehört, der sich mit der Jahreszahl 1944 dort eingetragen hat.) Ich liebe Schüttelreime, seit meine Nenn-Urgroßmutter Tante Miezchen einen annagrammatischen auf meinen Nachnamen gemacht hat, der mir unvergesslich blieb, den ich aber hier nicht zitiere, schon weil er mir andauernd vorgesungen wurde, er ist ungefähr so gut wie der zu meinem jetzigen Pseudonym: "ledit par l'rousse."Windjammer an der belgischen Nordsee
    Benno Papentrigk allias, der die Insel-Reime wohl für seine Freunde dichtete, hieß mit bürgerlichem Namen (ebenfalls annagrammatisch geschüttelt) Anton Kippenberg und war nicht nur Chef des Verlags mit den tapezierten Büchern, sondern auch Sammler wertvoller Goetheana - auf seiner Schenkung beruht das wunderschöne Goethe-Museum in Düsseldorf, neben den zwei Weimarer und dem Frankfurter Goethe-Häusern die dritte Pilgerstätte für alle Goethefreunde. Da Goethe m. W. keine Schüttelreime hinterlassen hat, vermute ich, Kippenberg wollte in einer Dichtungsform brillieren, in der ihm das erdrückende Vorbild nicht im Weg stand: Turm von Schloß Moyland bei MondlichtEingangs finden sich unter dem Titel "Gradus ad Parnassum" allerlei Lehren und Maßregeln, natürlich in Schüttelreimform, an die sich der Dichter allerdings später selber nicht hält. Immerhin wagt er es, einige ernste Gedanken in Schüttelreime zu kleiden, was nicht ganz einfach ist bei dem Humorigen der Konsonantenverkehrung. Eine Monatskalenderfolge und ein Schüttelreim-ABC sind allerliebst gelungen, und für den Schüttelreim "Werde, was du bist: / Buddhist", von dem ich immer glaubte, er stamme aus den 1970er Jahren, wird hier S. 20 einem gewissen Wilhelm Pinder gedankt ("An manchem Kinderpult treibt man schon Pinderkult"). Auf Goethe bezieht sich wohl der Kalenderreim zu dessen Geburtsmonat: " August, sei mit rühmlichem Scheine beehrt: / In Dir ward der Erde der Eine beschert"); das bezieht sich nicht auf den Cäsar Augustus, der ja auch eine Jungfrauengeburt war wie das Jesuskund. Dem bevorstehenden Feiertag der Christenheit widmet Kippenberg einen SchKeramikvogel auf der Stangeüttelreim, der in seiner Lakonie mindestes so gelungen ist wie das obige Buddhistenmotto: "Ein Sternenfall / Im fernen Stall".

    Richtig weihnachtlich ward mir aber auf dem Moyländer Glühweinparcours nicht zumute, irgendwie fehlten Stände mit Spezereien, Rauschgold, Weihrauch und Myrrhe, Dresdner Stollen oder süßeren Glocken, die klingen. 4 EUR Eintritt! dafür aber keine Gebühren für den mindestens 6 Kappesfelder umfassenden Parkplatz - zahlreiche chinesische Mondautos hätten ihn als "Traktorentanzplatz" benutzen können (das Wort ist aus einem Arno-Schmidt-Buch, dessen Taschenbuchausgabe angeboten wurde). Gleich hinterm Eingang gab es Dampfnudeln und Weihnachtsbaumdeko, da war man aber noch nicht so drauf geeicht und hinterher zu müde. - Gut, es gab ein paar Kräutergarten mit Lichterketten in Schloss MoylandGrafik- und Antiquariatsstände, wunderschöne Exlibris, die gefielen mir auch, aber sonst dominierte, was niederhheinischen Hausfrauen und Villenbesitzern Freuder macht. Jede Menge Gartendeko, edle Brennelemente aus Rostmetall, Obstschalen aus gedrechselem Olivenholz, Kristallenes und Keramik, alles nicht so mein Fall. Dafür gefiel mir die Anlage im Vollmondlicht ungemein, man glaubte, Friedrich den Großen hier lustwandeln zu sehen, auch wenn man die Fahne mit der gestürzten Schrift, die verkündete, dass man Turm und Schloß besuchen könne, ziemlich reklamehaft wirkte (sie hätten wenigstens informativ Toilettenbenutzung 40 Cent dazuschreiben sollen). Für 1 zusätzliche Eurone konnte man wohl durch die ehemals Beuys-gefüllten Säle gehen, die aber arg geplündert sind, seit man sich von der "Petersburger Hängung" verabschiedete, die ich am Tag der zeitweiligen Schließung sogar in der Lokalzeitung gelobt habe, zufällig wurden wir von einer Volontärin interviewt.

    Notausgangschild mit PfeilFahne am Turm von Schloß Moyland

     

    Von Beuys konnte man sich noch ein paar Serigraphien mit Signatur kaufen, Preise im niedrig-dreistelligen Bereich, oder auch die Schallplatte, die er mal mit Klaus Heuser (id est  "Major Healey", lange Zeit bei BAP Leuchtende Deko-Kugel für den Gartenfür die Musik zuständig, Schwebender Kubus von Moyland mit Mondlichtvon der Niedecken bekanntlich nichts versteht)  und Wolf Maahn besungen hat: "Sonne! statt! Rägen!", brüllte er damals ein ums andere Mal ins Mikro, und genoß es richtig hörbar, ein Popstar geworden zu sein, um dessen Gunst die jungen GRÜNEN buhlten. Außerdem gab es den Filzanzug im Miniaturformat, ziemlich blödsinnige Replik, da Josef Beuys doch ein so großer Lulatsch war. - Die damals ebenfalls verbreiteten Plastiktüten, die mit Beuys' kompliziertem utopischem Gesellschaftsmodell bedruckt sind, wurden übrigens in Köln von einem sozial prekär lebenden Menschen mit behindertem Sohn, der eine Kölner Galerie vielleicht ererbt hatte, vom Künstler signiert an einen Antiquar abgeben, den ich kenne, für Stücker 10 DM damals, wenn ich mich recht entsinne und für 50-100 verkauft oder auch nicht, vielleicht im Hinblick auf Wertseteigerung gesammelt. Aber die Wertsteigerung hat ihre Grenzen, das sah man an den Preisen für Arno Schmidt, Zettels Traum in der "Studienausgabe" (Hefte im Schuuber" kostete 130 EUR, die Schallplatte im Holzkasten "Vorläufiges zu Zettels Traum" nur 30 EUR, allerdings könnte sein, dass im Beiheft oder in den Heften des Romans mit Kuli herumgemalt worden war, was der Vorbesitzer zu lieben schien. Ich notiere ja immer mit Bleistift, unterstrich aber als Student, wie schon neulich erwähnt, schlechthin alles.

    Am Ende von dem Weihnachtswunder-Moyland-Parcours gab es dann für die Damen noch einen Glühwein unter dem magischen Kubus, der sich unter dem Wolken-Mondlicht-Mix ziemlich sürrealistisch ausnahm. Und dann fuhren wir in verschiedene Richtungen nach Hause.


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  • Feuerwerker auf dem HofDas Jahr 2013 warf an Sylvester lange, eindrucksvolle Schatten voraus (oder war die Minute nach 24.00 vom alten 2012 überschattet?), aber bei genauerem Hinsehen gehörten die Schatten den Gästen unserer Hausnachbarn, die auf dem Hof ein Feuerwerksspektakel entfachten. Das fiel aber verglichen mit dem sonstigen, diesmal über 40-minütigen Geballer und Geleuchte und Geblitze und Gefunkel geradezu bescheiden aus.Schild an einer Raderberger Pizzeria Da DIESE speziellen Nachbarn keine Prolls sind, haben sie ihre Sektpullen mit den langstieligen Holzlafetten schließlich auch wieder reingeholt, im Lauf des Neujahrstages, nach dem Ausschlafen.
    Aber ehrlich gestanden, Freunde, unter den bisherigen elenden Erdenjahren kann mir 2012 ganz besonders gestohlen bleiben. Ein lieber Verwandter ist mir weggestorben und zwar ganz absichtlich - wenn auch ohne Hand an sich zu legen - und bei vollem Bewusstsein (ich wusste gar nicht, dass das so mir nichts, dir nichts geht, wahrscheinlich gehört eiserne Willenskraft dazu), wobei er sich von allen abwandte, die ihm noch viel näher standen und ihn noch mehr liebten. Nachbarschaftsärger, der, wie schon angedeutet, bei mir zum Blick in die Hausordnung und zum Dienst nach Vorschrift führte, und dazu, dass man noch ein bisschen vorsichtiger wird in dem, worüber und mit wem man spricht, dummstolze Lügen, die überall herumschwirren bis hin zum Briefträger, dazu halt- und grundlose Verleumdungen übler und merkwürdigster Art von Leuten, denen man nur Gutes getan zu haben vermeinte. Mobbing, Missgunst und Feuerwerk in RaderthalFeindseligkeit unter Kollegen, denen ich vertraut und teils in ähnlicher Mobbing-Bedrängnis beigestanden hatte, denen ich vielfach Tipps gegeben und geholfen hatte (zweien, die sich besonders übel benahmen, hatte ich die Wikipedia-Artikel geschrieben!), das Scheitern eines mit viel Fleiß begonnenen Projekts, Verhunzung der von mir geklauten Ideen, Aussteigen aus diversen kollegialen Zusammenhängen, auf die ich mich arglos eingelassen hatte. Dann der Unfall der Liebsten mit nachfolgender langwieriger Genesung. Von der mißglückten Tomaten- und Basilikumernte will ich gar nicht anfangen, das ist ja eh nur zum Spaß. Gut, dem stehen auch einige positive Buchungen gegenüber: ein schöner Urlaub, gelungene Veranstaltungen, einige interessante Funde auf diversen Forschungsgebieten und ein wenigstens beruflich-finanziell - nach vielen mageren Jahrenendlich wieder - erfolgreiches Geschäftsjahr, mit zwei größeren Aufträgen, die eine liebe Freundin mit mir teilte, und in denen ich zumindest teilweise die von mir erlernten Fertigkeiten anwenden konnte... Klaus der GeigerAber alles in allem: nä, das neue Jahr muss sich wesentlich besser aufführen, wenn es meinen Beifall finden soll. Die ersten Wochen haben sich ruhig angelassen, immerhin habe ich, das war schon ein Lichtblick in der Trübnis, vorgestern (am Samstag, 19. Januar) Klaus den Geiger wiedergesehen, der schon mehrfach behauptet hatte, nicht mehr aufTomatenernte 2012 der Straße auftreten zu wollen, er habe davon jetzt endgültig die Nase voll, jetzt, wo eine neue CD draußen ist, er werde nun endgültig kommerziell etc. Nun sang er in schniegelschicker Ledderhose mit zwei anderen alten Herren das Lied Goldwatch Blues, das ich schon aus frühester Jugend von Donovan her kannte, in einer kölschklausgeigerschen Version - ich glaube, ich habe mich daran auch mal versucht, jedenfalls im englischen Original gespielt, ich kann's auch noch, seht euch vor!

    I went up for my interview on the 4th day of july
    the personnel man he questioned me, until i nearly cried
    made me fill in forms, until i shook with fear
    about the colour of my toilet roll and if my cousin's queer.

    Here's your gold watch and the shackles for your chains
    and your piece of paper, to say you left here sane
    and if you've a son who wants a good career
    just get him to sign on the dotted line and work for 50 years

    He asked me how many jobs i'd had before
    he nearly had a heart attack when i answered four
    four jobs of 20 years or more, this can never be
    we only take on men, who work on until they die

    Here's your gold watch and the shackles for your chains
    and your piece of paper, to say you left here sane
    and if you've a son who wants a good career
    just get him to sign on the dotted line and work for 50 years

    He took me outside to where the gravestones stand in line
    this is where we bury them, in quickstone and in lime
    and if you're going to work for us, this you must agree
    that if you're going to die, please do it during tea – breakKlaus der Geiger am Chlodwigplatz

    Here's your gold watch and the shackles for your chains
    and your piece of paper, to say you left here sane
    and if you've a son who wants a good career
    just get him to sign on the dotted line and work for 50 years

    This story that you've hear, you may think rather queer
    but it is the truth you'll be surprised to hear
    i did not want no job up on the board
    I just wanted to take a broom and sweep the bloody floor.


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  • Neue Milchbar


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