• Adventsprintjob_2018#16

    Adventsprintjob_2018#16Nicht nur die Pressefreiheit, auch die seit 1813 verheißene Konstitution samt Parlament wollte Friedrich Wilhelm IV. genehmigen - Sammlung fuer Hinterbliebenedumm nur, dass es die Hohenzollern niemals ehrlich gemeint haben (kaum acht bis zehn Wochen nach der Revolution leitete man die Reaktion ein nach dem Motto "was geht mich mein Geschwätz von gestern an"). In der Proklamation An meine lieben Berliner wurden bereits die Schüsse auf dem Schlossplatz beschönigt, die seien von selbst losgegangen und hätten ja gottlob niemanden getroffen, vermutlich auch eine Lüge wider besseres Wissen. Und die berittenen Militärs seien ja überhaupt nur mit eingestecktem Säbel und nur um die Volksmenge in aller Sachlichkeit zum Gehen zu bitten, durch die Menge getrabt. Das sahen die beerdigung der GefallenenTeilnehmer der friedlichen Demo allerdings anders. Als sich die Nachricht verbreitete. es sei mit dem blanken Säbel auf das friedlich vor dem Schloss versammelte Volk eingeritten und -hauen worden, war das die Initialzündung zur Errichtung von Barrikaden und zum offenen Gefecht mit den in der Stadt seit Monaten zusammengezogenen Soldaten. Sei es, dass die ihrerseits Hemmungen hatten, die Gewehre auf ihre Landsleute abzufeuern, sei es, dass die Studenten und Arbeiter wirklich die eigentum nicht angetastetÜbermacht hatten, sie errichteten Barrikaden und verteidigten erfolgreich die Stadtteile, indem sie mit erbeuteten oder vorhandenen Schusswaffen, teils mit von den Dächern herabgeworfKollateralschadenenen Steinen die militärische Übermacht zum Rückzug zwangen. Am nächsten Morgen zog das Militär ab und alles glaubte, die Revolution habe gesiegt. Aus der Hausvogtei (der Knast für politische Gefangene) wurden die Polen befreit, Prinz Wilhelm verließ (angeblich in Frauenkleidern) die Stadt und flüchtete nach London. Da rieb sich der vom Freiheitstaumel noch ganz verkaterte Berliner verdutzt und ungläubig die Augen und konnte es nicht fassen: Überall Volksredner, die ein neugieriges Publikum um sich scharten, die Barrikaden wurden wieder abgeräumt, am Psiegessaeule auf dem Kreuzbergalais des verhassten Kartätschenprinzen hing ein Schild: Eigenthum des Volkes, die Särge der im Kampf Gefallenen wurden wie Helden inhermann juenglings zeitungsgruendung einer Prozession durch die Stadt geleitet, der König musste die Mütze vor ihnen ziehen und steckte sich eine Kokarde an. Überall wehte Schwarz-rot-gold von den Häusern, besonders bei den Aristokraten, die nicht an der Laterne baumeln wollten, und es gab jede Menge Flugblätter, Zeitungsgründungen, Parolen und (vom Staat bewaffnete) Bürgerwehr.... Eine neue Monatsschrift für Vaterlandsfreunde" unter dem Titel Deutsche Bürgerzeitung (Fortsetzung der patriotischen Bürgerzeitung) pries z. B. Hermann Jüngling an, , dessen AufAdventsprintjob_2018#16ruf zum Abonnement in der Vossischen Zeitung, am 21. März erschienen, an Pathos nichts zu wünschen übrig ließ. "Worte! Pilgert in die stillen Räume des Herzens!" hatte dieser begnadete, aber vergessene Volksprediger als Motto über seine drei Jahre zuvor veröffentlichte Kampfschrift gegen den Jesuitismus gesetzt. juengling_kladderadatschIm Hinblick auf seine spätere Tätigkeit als Verwalter von Rittergütern und Immobilienmakler verspottete ihn 1853 der Kladderadatsch mit einer (fingierten) Annonce. Die konstitutionelle Monarchie (also keineswegs Demokratie, obwohl es kurzzeitig sogar freie Wahlen gab, wenn auch noch kein Wahlrecht für Frauen) galt als durchgesetzt, auch wenn sie noch längst nicht gar und servierfertig war.


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