• Adventsprintjob_2018#08

    Adventsprintjob_2018#08In den letzten Kalendertürchen dieses Adventsblogs haben wir Vermisstenmeldungen für Personen und zurückverlangte Geschenke erwähnt. Es kommt natürlich auch vor, dass jemand etwas Woltmanns Witwe sucht nach seinen Büchernper Kleinanzeige fordert, was zuvor leichtsinnigerweise verliehen wurde und das Wiederkommen vergessen hat. So finden sich regelmäßig, wenn der Tod von Handelsleuten genugsam betrauert wurde, die Bemerkung von Hinterbliebenen, man möge sich, sofern irgendeine Schuld des Verstorbenen noch unbeglichen vorliege, bis zu Soundsovielten melden, um sie zu regulieren, danach müsse man leider auf den Rechtsweg verweisen. Entsprechend wird von Witwen, die nicht selten um Vertrauen für die Fortführung der Leihbibliothek zu verkaufenGeschäfte bitten, auf Begleichung von Außenständen der Firma gedrungen. Handelt es sich um dahingeschiedene Universitätsgelehrte, die außer Hauses kursierenden Exemplare der Handbibliothek gesucht, deren Wiederbringen erbeten wird. Das war bei der seit Ende Oktober 1822 verwitweten Professorin Woltmann der Fall (Spenersche 2.11., nachdem schon ein Nachruf eingerückt worden war). Ihr Mann war der Historiker Johann Gottfried Woltmann aus Aschersleben, Lehrer an der preußischen Kriegsschule gewesen. Das Erinnern an's Leihfristende durch Annoncen war üblich, jeweils zu bestimmten Terminen im Rhythmus des Tri- oder Semesters gab die Königliche Bibliothek den Rückgabetermin bekannt, zu dem man gefälligst Entliehenes ans Kontor zurückzubringen habe. - Es wird den Dichter Ludwig Tieck geärgert haben, als er laut Vossischer Zeitung vom 3.8.1849 ein bestimmtes Buch vermisste und sich nicht erinnern konnte, wem er es geborgt hatte. Daher bat er den ehrlichen derzeitigen Leser um freiwillige Rückgabe (und das Wort "zurückstellen" legt eigentlich nahe, man könne es heimlich tun, ohne als Bücherdieb bloßgestellt zu werden). Andererseits rechnete sogar damit, dass es ins Antiquariat verschleppt und gegen Bares eingelöst sein könnte. Tieck war sogar bereit, diesfalls die Auslagen des Büchertrödlers zu übernehmen. In Wirklichkeit hatte er damals den Plan gefasst, seine Bibliothek zTieck sucht ein Buch von 1618u verkaufen, und bekam von Asher (Die Bibliothek des Hauses Asher, könnte eine Story von Borges nach Poe sein...) 7000 Thaler bar auf die Hand für das gesamte Konvolut. Die Versteigerung der 7920 Titel vom 10. Dezember 1849 betraf laut Katalog auch (als Posten No. 88) Jacob Ayrer: Opus Theatricum. Dreißig ausbündige, schöne Comedien und Tragedien, etc. fol. Nürnberg 1618 (es war ein Prunkstück der Auktion, angepriesen wie folgt: Ouvrage extrêmement rare, et fort important pour l'histoire du théatre [!] allemand et anglais... Notre Exempl. renferme les "Fastnachtsspiele" qui portent la date de 1610 et qui manquent souvent). Entweder hatte der olle Schussel die Schwarte selber verkramt (ich sehe ihn schon Abschied nach Amerikaim Schlafrock herumtapsen, irgendwo muss es doch sein?, während die Abgesandten des Hauses Asher Löschsand über die frische Tinte der Vertragsausfertigungen und gierige Blicke über die endlosen Reihen der Folianten werfen...). Oder einer seiner Freunde ist tatsächlich mit dem Diebesgut reumütig zurückkehrt und hat es ins Regal praktiziert. - Erst recht war die Emigration nach Übersee für manche Außenstände ein Lebewohl für immer und ewig - und dieser Trennungsschmerz war tiefer und ehrlicher als mancher Anzeigentext für die Hingeschiedenen.


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