• Adventsprintjob_2018#04

    Adventsprintjob_2018#4Natürlich kam der Menschheit immer mal was abhanden, das ist ja nur die andere, dunkle Seite unseres Reichtums, z. B. haben wir jetzt Mobilität und Industrie und Konsumgüter, dafür bald keine Umwelt mehr, oder: Prima, endlich steht wieder ein Suchanzeige für ein Buch von Walter ScottSchloss in Berlin, doch leider stellt sich zu aller Verwunderung heraus, dass die schönen "ethnologschen Sammlungen", mit denen der Wiedererrichtung einer hohenzollernpreußischen Machtzentrale als sog. "Humboldt-Forum" erst nachträglich eine Art Sinn übergestülpt werden sollte (zaghafte Versuche, im Testgebiet Bayern die erbliche Monarchie wieder einzuführen, sind noch nicht von Erfolg gekrönt), plötzlich zurückgegeben werden sollen, weil es sich um Raubgut aus Kolonialverbrechen handelt. Und wir führen doch gern die Studierenden aus dem Kunstleistungskurs ins Museum vor Bilder, für deren Erwerb ganze Familien ausgerottet wordenAdventsprintjob_2018#4 sind. Richtig gemein ist es aber, die Fortsetzung eines spannenden Romans zu verlieren. Vor allem dann, wenn man den ersten Band so schnell verschlungen hat, dass man sich den Namen des Titelhelden nicht recht gemerkt hat, denn der hieß nicht Perwil oder Persil, sondern Perevil, und weil die Kleinanzeige aus der Spenerschen vom 26. Juli 1823 stammt, vermisste der Annoncenaufgeber wohl Peveril of the Peak bzw. die Übersetzung von C. F. Michaelis Ritter Gottfried Peveril. Eine romantische Darstellung. Leipzig 1822. Als "romantische Erzählung" übersetzte es Julius Körner 1824, und danach gab es noch weitere vier Übersetzungen. In der Körnerschen fallen Sätze wie "Ein Gesumme finsterer Zustimmung folgte, und hätte sich jetzt nicht Ganlesse ins Mittel geschlagen, so würde wahrscheinlich der Kampf aufs neue begonnen haben", - da wird man vielleicht die Lektüre des Originals vorziehen, das sich als pdf herunterladen lässt - englisch, aber in einer Ausgabe aus Leipzig 1823. Das Original des pdf liegt in der Goethe-Universität Frankfurt, die es aus dem Nachlass Artur Schopenhauers bereitstellt, der Philosoph war kein Kostverächter, Adventsprintjob_2018#4was Trivia-Romane betrifft. Ihm fehlte wiederum der erste Band! Verdächtig: Schopenhauer, der zu dieser Zeit eine heftige on-off-Beziehung mit der Schauspielerin Caroline Medon pflegte, könnte sich in Berlin aufgehalten, den zweiten gefunden und die Fortsetzung gekauft haben. Aber der Verlierer suchte ja offenbar die bereits kursierende deutsche Übersetzung, die ich leider online nicht finden kann. In der Kanonierstraße 43 wohnten 1823 laut Boickes Adressbuch (online mit Suchfunktion in der Berliner Stadtbücherei) drei Mieter: "C. G. Rautenstein, Kassendiener", "F. Stockhauß, Bierschenker" und "F. W. Tacke, Tischler". Wer von denen wohnte im dritten Stock und verbrachte seine Mittagspause im Schmidtschen Blumengarten an der Potsdamer Chaussee? Oder war die Ehefrau oder eine Tochter des Hauses die beklagenswerte Leserin? Hoffentlich hat ihr ein ehrlicher Finder den Band zurückgebracht und sich den ersten Band nachträglich für das Trinkgeld aus der Leihbibliothek geholt. Denn die Fernbach'sche Leihbücherei, der noch 38 Jahre später, im März 1860 das Bereithalten und Verleihen von Humboldt'schen Briefen (in denen er sich recht unwirsch über Monarchie, Preußen und jeglichen Kolonianismus äußert) verboten wurde, eröffnete wenige Wochen später ihren Laden, wie aus einer Annonce in der Spenerschen vom 27.9.1823 hervorgeht. 37 Jahre später wurden Humboldts Briefe auch in Leihbibliotheken (und dort dauerhaft) verboten, ein Weltbestseller, der auch in den USA erschien, "aus einer deutschen Feder" rezensiert in der New York Tribune, und diese Feder gehörte dem Londoner Exilanten Karl Marx (Puiblic feeling in Berlin, 1860, April 10).


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