• Der soll dem IS jetzt zugedreht werden, heißt es überall in den Nachrichten. Er muß also irgendwo "munter sprudeln", wie die notorisch schlampige Klischeesprache hinzufügt. Der Wasserhahn kann das nicht sein, aus dem kommt in der Regel "stilles" Wasser. Sprudliges ist meist unter Hochdruck und das Herunterladen schon eines gescheiten Glases Bier aus dem Faß ist nicht so einfach zu bewerkstelligen - erst muß gespundet werden (bei Waffenkäufen dieses Ausmaßes wohl eher gestundet). Oder ist der Geldhahn ein metaphorisierter Tiername wie die Staubmaus, die Wäschespinne und der Wandervogel? Dann hätt ich das Hervorbringen barer Münzwährung eher mit dem Sparschwein, der goldenen Gans oder dem Esel assoziiert (by the way, wer hat den Artikel Wert eines Goldesels aus Wikipedia gelöscht? Der bot immerhin ein sinnvolles Rechenmodell zur Entlarvung windiger Investitionsofferten!). Dieser wertschöpfenden Fauna hat Noah auf seiner Arche einen Sonderparkplatz im Zwischendeck reserviert. Wetten? Jedenfalls sind sie nach der Sintflut nützlicher als das goldene Kalb oder Tiere, die mit riskanten Börsenspekulationen aufgefallen sind wie Bulle und Bär, Heuschrecke oder Geier. Was aber den Hahn betrifft, so wissen wir vom Wetterhahn, dass sich sein Profil nach der Windrichtung dreht. Es ist also nicht sinnvoll, ihm den Hals umzudrehen, vielmehr sollte man ihn in die Richtung umlenken, in die er das Bargeld aussprudeln soll, also in die eigene. Dazu bedarf als Douceur des unscheinbaren Regenwurms...


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  • Das Wort fiel gestern im Tatort, und ich habe es auch schon mal von befreundeter Seite gehört. Sonderbar ist die Verwendungsweise. Ärzte bezeichnen damit den Vorgang, ein Medikament abzusetzen, das jemand lange genug genommen hat, um im Organismus eine Art Abhängigkeit zu verursachen. Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel, Weckamine, Antidepressiva. Das soll dann so stickum mit immer kleineren Gaben geschehen. Überhaupt Medikamenten-"gaben", das klingt ja fast adventlich, nach strahlenden Gesichtern unterm Weihnachtsbaum... Die Medizin steckt voller Euphemismen! Der Organismus soll es gar nicht recht merken, wie die Dosis immer kleiner wird. Tja, ha ha, der dumme Körper - mein alter Adam und seine Blödheit, läßt sich von so 'ner uralten Masche hinters Licht führen. Auf die gleiche Weise hat er sich vor etlichen Jahrzehnten immer die Weinbrandbohnen aus der elterlichen Pralinenschachtel geholt, immer grade so wenig, damit's nicht "leer" aussah und keinem auffiel. Dafür mußte man sich zu stiller Stunde ins Wohnzimmer "einschleichen", was ja wohl das Gegenteil des Ausschleichungsvorgangs meint. Aber mal ehrlich, meine Erziehungsberechtigten und ihre cognacschwenkenden Tratschtanten aus dem Kaffeekränzchen hätten Blindschleichen sein müssen, um nicht wahrzunehmen, wie die Weinbrandbohnen nach und nach weniger wurden. Mein Entzug ging ohne Ausschleichmanöver über die Bühne. Weinbrandbohnen sind sooo Fünfziger Jahre und gar nicht mehr mein Fall, es kamen dann die "Edlen Tropfen in Nuß" auf, und seit die Toffifee mit ihren sieben Fruchtzwergen zu meiner Hochzeit erschien, beschlichen mich allenfalls noch düstere Ahnungen. Aber das Wort ausschleichen merke ich mir, gibt ja viele Gelegenheiten, wo man sich entfernen möchte, ohne allzu große Lücken zu hinterlassen. Aus drei bis vier großen Verbänden bin ich in den letzten Jahren ausgetreten, und habe manche Freundschaft gar nicht kündigen müssen, die Kontakte schliefen ein, Auseinanderleben hat sich von selbst ergeben. Ab und zu ne Weihnachtskarte, damit es nicht gar zu abrupt aussieht, dann hat man länger nichts mehr voneinander gehört, vergißt die neue Telefonnummer oder e-Mail-Adresse rumzugeben, danach ist Funkstille bis zum Auseinandersterben. Der Organismus merkt das gar nicht, der ganze Kram geht auch ohne uns weiter. Dieser Blogbeitrag kann der erste von den letzten sein!


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  • In einem alten Tagebuch las ich das interessante Wort, dessen metaphorische Anwendung mir nicht ganz klar ist. Das Tagebuch einer Dame aus dem Jahr 1829 berichtet vom Wiedersehen mit einer Jugendfreundin, die sich vom Schneidern ernährt und deren Mutter noch immer bei ihr lebt. "Sie ist ein armes Wesen, dessen Erziehung vernachlässigt und dessen Leben durch die eigne Mutter versömmert worden ist." Jetzt such ich den verdammten Ausdruck bei Google, werde aber durch eine der zahlreich aufpoppenden Klickzwangskacheln vergrämt, da soll ich mein Einverständnis mit den Datenverwertungsgeneralerlaubnis dieser Suchmaschinenkrake durch ja, ja und ja bestätigen. Es gibt nicht mal die Option "Danke, jetzt nicht!" Also gehe ich zu Ixquick, wo mene persönlichen Irrwege durchs Netz nicht aufgezeichnet und dämlichen Server-Popanzen in USA übermittelt werden. Finde von dort in ein digitalisiertes altes Pflanzenbuch: Die Erziehung der Pflanzen aus Samen. Ein Handbuch für Gartenfreunde, Gärtner, und Samenhändler von H. Jäger, Großherzoglicher Hof-Garteninspector in Eisenach. Toller Fund! das kommt in meine Lesezeichen. Im full text finde ich diese Stelle, die mir aber nicht zu passen scheint.

    XVIII. Das Verstopfen oder Pikiren der Sämlinge. 
    
    35. Verstopfen (Versömmern, Pikiren) heisst ein Verpflan- 
    zen der Sämlinge im jugendlichsten Zustande, wenn sie noch so 
    klein sind, dass sie weder sofort in das freie Land, noch auch 
    einzeln in die zur Weitercultur bestimmten Töpfe etc. gepflanzt 
    werden können. 


    Ich bin ganz begeistert, denn das mache ich auch immer mit den Tomaten, Prunkwicken und dem anderen Zeug, das ich teilweise gar nicht identifizieren kann und das sich dann beim Aufwachseln als Sonnenblume oder Nelke oder Dill entpuppt. Aber irgendwie paßt es nicht zu der Tagebuchstelle. Ich versuch's bei Yahoo, dort finde ich Hinweise auf das Wort "versömmern" als landwirtschaftlichen Ausdruck, der "1. sonnen; 2a. (das Vieh) auf die Sommerweide …2b. (vom Vieh) im Sommer" bedeuten soll. Gibt irgendwie auch keinen Sinn. In einem Artikel über den bodenseekreis, wo ich schon mal in Urlaub war, wird ein Interviewpartner zitiert. "Das Sömmern, das heißt das Trockenlegen eines Teiches über den Sommer, haben wir schon immer gemacht..." - Bon, vertrocknen, das gibt möglicherweise einen Sinn. Ich kehre zu meiner Quelle zurück und schau sie mir noch mal an. Bis es mir wie ein Scheuklapp aus den Haaren fällt, das Wort heißt gar nicht versömmern, sondern "verkümmern", au weia. Hätte ich mir gleich denken können. Sage mir, was du denkst, und ich denke mir, was da steht!


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  • Hinter dem letzten Türchen war vom Elysium die Rede, das können sich Fromme aller Denkungsarten ja ganz unterschiedlich ausmalen. Die guten alten Vorstellungen von klebrigen Brünnlein, wo Milch und geläuterter Honig sprudeln, oder vom Löwen, der seiner Antilope die Hufnägel schneidet, sind mir nach all dem "Why and Terror" meines nun schon angejahrten Lebens gar nicht so unsympathisch. Der Gedanke einer prinzipiellen Verträglichkeit von Fraßkonkurrenten bei gleichzeitiger Umkehrung des Beuteschemas wäre mir jedenfalls sympathischer als Hirseberge, sechs Dutzend minderjährige Jungfern oder Seligenseilbahnen über zuschnappenden Höllenschlünden, von denen in anderen Konfessionen gemunkelt wird. Para-Diesseitsideen sind nur zu oft mit spinnerten Belohnungs-Betrafungs-Katalogen aus dem Gruselkabinett spiritueller Sadomasochisten verbunden. Gehen wir doch dem "Himmel-Fimmel" (Hugo Efferoth) mal ganz praktisch und bodenständig-radikal (von radix, die Wurzel) auf den Grund: In einer Fernsehsendung habe ich gestern erfahren, daß Broccoli, Blumen- oder Grünkohl sowie Radieschen als Mittel gegen Metastasen helfen sollen. Wichtig ist vor allem, den Kohl nicht in Wasser auszukochen, sondern vorsichtig zu dünsten (just steamed stand auf dem Zettel, den Marlene Dietrich an den Gemüsetopf heftete, als es ihr Liebling Erich Maria Remarque am Magen hatte) und vorher auf dem Hackbrett kleinteilig zu zerspellen, um die Kapseln mit gutem, krebsdämmenden Senföl "aufzubrechen". Brassica oleracea ist in allen Varianten eine Augenweide: Der ziertürmchensprossende Romanesco beispielsweise erinnert ans Himmlische Jerusalem, angeschnittener Rotkohl sieht wie eine sich ins Unendliche verzwirbelnde Mandala aus, und Rosenkohlknubbel am Strunk wirken wie direkt aus dem "Tal der Seepferdchen" in der Mandelbrotmenge geerntet. Das ist wohl meine Lieblingsidee vom Jenseits: ein blumenkohlwolkiges Peri-, Puri- Paradies - mit mittelaltem Gouda überbacken, in sahniger Soße oder pur - würde mir munden. Pereat mundus! Dazu paar Radieschen am Tag, aber gut zerkleinert genießen.


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  • Nachdem ich meine erste "Abmahnung" erhalten habe, wohlgemerkt nicht durch den Arbeitgeber, dagegen könnte ich klagen, sondern durch meine Hauswirtin, ist mein Rechtsempfinden in den Grundfesten erschüttert. Vermieter sind offenbar noch besser dran als Verleger. Ursprünglich wollte ich Verleger werden, um ungestraft Möchtegern-Autoren und Sprachquäler durch ironische Absagebriefe mit meiner ätzenden Kritik quälen und beleidigen zu können. Vemieter haben's noch besser, können nach Herzenslust rufschädigen, verleumden und ehrabschneiden. Es genügt, anonyme Stimmen zu zitieren, die angeblich oder tatsächlich diese oder jede Beschwerde vorbringen: Man habe nachts um halb 3 bei offener Flamme lauten Rock'n'roll gehört, sei nackt, in Kriegsbemalung und mit Indianer-Kopfschmuck in die Wohnung einer Hausbewohnerin eingedrungen und dort ausfällig geworden, der Klatschtrine vom zweiten Stock sei das Wort abgeschnitten und sie selber die Kellertreppe runtergeschmissen worden... dagegen kannst Du nicht klagen, nicht mal auf Unterlassung, das wird erst relevant, wenn die angedrohte Kündigung kommt, DANN erst müssen Vermieter Beweise für den vorgetragenen "Sachverhalt" beibringen. (Allerdings genügt dann auch kein Winken mit eidesstattlichen Erklärungen mehr, die Denunzianten/-innen müssen ihre Unterstellung vor dem Richter wiederholen, und das könnte ins Auge gehen.) Seit deren Anwalt der Schmuddeltante das Zauberwort "bedrohliche Haltung" eingeredet hat, schreit sie mich nachts an, sobald ich es wage, nach 22.00 - wenn sie den Hund auf der Wiese kacken lässt - auf meiner Terrasse zu stehen und wortlos-stumm die warme Novemberluft zu genießen, brüllt: ich solle da weggehen, ich bedrohe sie ja schon wieder usw. usf. - Kurz, Abmahnung ist das probate Mittel, seine Mitmenschen als Straftäter hinzustellen. Die einzige Gegenwehr besteht in neuer Abmahnung, der Anti-Anti-Raketen-Rakete, oder soll man es Gegen-, Auf- und Zumahnung nennen? Mein Anwalt hat also jetzt seinerseits die Vermietern "abgemahnt", d.h. verlangt, dafür zu sorgen, daß wir im Haus nicht mehr von Damen behelligt werden, die ihre ereignisarmen Tage damit verbringen, ihre Nachbarn zu drangsalieren. Geändert hat das nichts, aber vermutlich werden jetzt keine beleidigenden Zettel mehr an den Stromkasten gepinnt, die als gerichtsverwertbare Beweise gelten könnten. Man muß das an sich abperlen lassen wie Wasser an der Ente, meint mein Anwalt. So wie in Goethes Gedicht vom Ein- und Ausatmen: Luft stauen und sich ihrer entladen, Systole und Diastole, wie das Meer anbrandet, so wechseln die Gezeiten der sozialen Neurose: Aufgeklärt, abgeklärt, abmahnender und zumahnender Mond. Mein Anwalt würde weitere Mahnbriefe schreiben, notfalls Mietminderungsdrohung, aber das bringe nichts, ich soll aber alles aufschreiben. Na gut...


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