• Jetzt hängt schon seit etlichen Jahren dieses dreisprachige Schild an der Klinke meiner Tür, aber der Zimmerservice war noch kein einziges Mal da. Wer mich unangekündigt heimsucht, wird feststellen, wie ich mich im Lauf der Zeit in einen Messie verwandelt habe, dessen Durcheinander auf dem Schreibtisch nur noch vom verworrenen Krimskrams unter der Schädeldecke übertroffen wird. Was ist uns von Preußen geblieben? singt Christof Stählin. Friedrich der Große hatte allenfalls ein Bataillon angespitzter Bleistifte auf der Schreibfläche liegen, die "Langen Kerls" zuvörderst. Und er stand um drei Uhr morgens auf! "Ich gestehe, es kostet mich oft Überwindung, mich so zeitig zu erheben; ich würde viel lieber noch ein paar Augenblicke im Bett bleiben, so müde bin ich, aber die Geschäfte würden darunter leiden", äußerte er zu Henri de Catt. "Ich streite mich mit dem Diener herum, welcher den Auftrag hat, mich zu wecken, und mich nicht wieder einschlafen zu lassen." Der arme Diener, dem ergeht es nicht anders als meinem Zimmermädchen: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, räumen Sie auf, aber um Gotteswillen nichts weg...

    Türchen neunzehn

    Mit derart gestählter Disziplin gewinnt man auf den Schlachtfeldern des Geistes neben Ober- und Niederschlesien noch ein mittleres Hanglagen-Grundstück auf dem Parnass dazu. "Wenn ich aufgestanden bin, so bringe ich selber mein Haar in Ordnung, kleide mich an, trinke eine Tasse Kaffee und lese meine Depeschen; nachdem ich sie gelesen habe, spiele ich eine Stunde Flöte, zuweilen auch länger, wobei ich auch schon über die Antworten nachdenke, die ich schreiben muss... Nach dem Konzert, das ich übrigens nur im Hauptquartier habe, beschmiere ich mitleidlos Papier mit Prosa und Versen bis um neun Uhr, wo ich mich anschicke, mich wieder in Morpheus Arme zu werfen." Zwischendurch hat er auch gelesen ("meine alten Bücher, neue nur selten") und natürlich auch ein paar Beförderungen abgezeichnet und das eine oder andere Todesurteil vollstreckt, aber insgesamt war Friedrich offenbar vor allem künstlerisch tätig. Bei der Schlacht von Kunersdorf gab es mehr Tote und Verwundete, als Peschmerga und Pegida zusammen aufbieten, aber der gekrönte Hundsfott überlebte, weil die ihm zugedachte russische (!) Kugel an der historischen Tabaksdose abprallte. Die Mirakel meines Hauses bestehen darin, dass ich  jetzt, in vorgeschrittenem Alter - meist erst um 6 Uhr aufstehe statt um 4, mir den Kaffee in die Haare schmiere, Flöten und Gitarre griffbereit halte, mir den Weg durch Stöße von Papier und alten Büchern bahne und die Tabaksdose suche - das Rauchen habe ich mir 1997 schlagartig abgewöhnt -, um im Verteidigungsfall gerüstet zu sein.


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  • In Trier soll es ein südeifelianisches Nationalgericht geben, welches "Kappes Teerdich" heißt, anscheinend ein Pamps aus Sauerkraut und Kartoffelpüree.  "Teerdich geht auf das Lateinische tyrium zurück, was Stoff bedeutet", sagt der Romanist: "Robustes Gewebe wird einer nahrhaften Speise parallel gegenübergestellt." Na gut, Gewebe ist so ziemlich der kleinste gemeinsame kulinarische Nenner, das Äquivalent zum "Text" in der Literaturwissenschaft. Andererseits gibt's ja auch Bauern, die sich Kartoffeln direkt in die Milchsuppe schnippeln, während sich der Landadel den haut-goût nicht nehmen läßt, Preißelbeergelee über das Hirschfleisch vom Zwölfender zu löffeln. Das da unten ist übrigens ein leckerer Wildblumensalat aus "Vieux Sinzig", den nur blöde Kühe direkt von der Weide, statt anständig mit Messer und Gabel verspeisen würden.

    Türchen achtzehn

    Wie ich jetzt in einer Veganerpostille las, soll man besser gar keine "Muttermilch" zu sich nehmen, die von artfremden Lebewesen stammt. Das täte wohlweislich kein anderes Tier in der Schöpfung! Milch zu trinken sei nicht nur sonderbar, sondern belaste die Umwelt: Kühe rülpsen und pupsen jede Menge des klimazerstörenden Treibhausgases Methan in die Atmosphäre. 78 % der Menschheit sei laktoseintolerant, demgemäß sei das Bedürfnis nach Buttermilch eine Ausnahmeerscheinung. Von diesem, wie ich immer gern sage, "Wahrtrunk der Schamanen" benötige ich eine Dosis von 3-4 handelsüblichen Bechern an einem Arbeitstag. Wer ausschließen will, dass Kälber verhungern, soll gefälligst Sojamilch wählen. Allerdings empfinde ich auch Sojapflanzen als eine mir im Kern eher wesensfremde Erscheinungsform des Seienden. Sojabohnen werden von der American Food and Drug Administration (FDA) als Giftpflanzen definiert! In Südamerika wird immer mehr Regenwald gerodet und mit Sojakulturen aufgeforstet, aber 98 % der Sojaproduktion aus Argentinien ist genmanipuliert... Lasst uns Buttermilch trinken, und zugleich den Kühen die Butterblumen wegessen, dann tragen wir zum sinnvollen Konsum ebenso bei wie zur Vergrämung der gefährlichen Methan-Ausdünster!


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  • Gestern waren mal wieder die öffentlich-rechtlichen Tatortreiniger unterwegs... Schulhofmassaker, Geiselnahmen, Kopf-ab-Videos, nichts wie die Pegida in Trevira, vom MDR bis Al-Dschazira! Ehrlich, liebe Leser, so viel religiöse Innerlichkeit wollte ich in den Kalender gar nicht hineinlassen. Der Katholikenmulla Wolfgang Thierse brummte in sein Kinnfell, gegen die 15.000 Antiislamisten in Dresden stünden ja wohl 15.000 Besucher des Arsch-huh-Konzerts in Köln auf, letztere ließen sich selbst von Niedecken, Karnevalsjecken und Kölschflecken nicht abschrecken. Soviel Betroffenheitsforschung wie bei dem Mordbuben und wohl auch Vergewaltiger von Sydney gab's ja nicht mal unter Derrick, von Taz bis Bild rätselt alles über die unerklärlichen "Motive des Täters". Reichten die arabischen Spruchbänder, die Anlieferung einer IS-Fahne und das Vorstrafenregister nicht? Und das Allerschönste ist noch, wenn es heißt, die vom IS angeworbenen Pickeljünglinge aus Gelsenkirchen müssten leider Selbstmordattentäter werden, sie hätten bei uns gar keine andere Chance gekriegt, es fehle an "Willkommenskultur", diese brustklopfenden Selbstanklagen erinnern mich immerzu an die Heilige Elisabeth, deren Hauptvergnügen es war, ihre Frömmigkeit unter Beweis zu stellen, indem sie das Erbrochene und den Eiter von den Wunden Aussätziger aufschleckte. Bitteschön, soll man mich des Stammtischdiskurses zeihen, meinetwegen, aber: Schwerbewaffnete Arabellion-Bekloppte mit stinkigen Filzbärten, die marodierend aus den Garagenmoscheen kommen, zu Terror- oder Kriegsschauplätzen in aller Welt eilen und "Bildung ist Schande" predigen, diese traurigen Gestalten gehören, wenn's nach mir ginge, rechtzeitig in die Klapse und Zellenschlüssel am besten gleich in den Krater des Big Ben werfen. Was brauch ich da noch Motivforschung? "Der Islam gehört zu Deutschland" - wie bitte? die Feiertagslosung kann man als Korrupti-Präsident eines der verrotteten, kulturell abgewirtschafteten Abendländchens wie unserem gern ausgeben, ist aber nicht sinnvoller als "der Kommunismus als Lichtblick der Verheißung für die Elenden und Geknechteten". Nach 9/11, Stalin und dgl. darf man wohl erwarten, dass die Parole erstmal präzisiert wird, welche Spielart des Islam bzw. Kommunismus denn gemeint sei. Ach so? Nur die jeweils friedliche, ökologisch einwandfreie, ohne Tier- oder Menschenversuche auskommende Variante? Schon klar.

    Türchen siebzehn

    Aber unbesorgt, auch meiner Meinung nach gehört nicht jeder Turbo-Turbanist zu den Schurkenmullahs. Die Anhänger des Baha'itums haben ein auffallend entspanntes Verhältnis zur spirituellen Konkurrenz: „Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf daß sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, daß euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne..." Kein Wunder, dass die Ärmsten seit 1849/50 im Namen Mohammeds verfolgt, enteignet, gefoltert, massakriert werden, besonders im Iran, und keine der sogenannten Nichtregierungs-Organisationen von Friedensaktivisten, Klimarettern, Gaza-Flotillenkommandanten, natürlich auch keiner der allabendlich aus den Hotelzimmern mit CNN-Empfang in Krisenregionen dieser Welt kommentierenden Medienfiffis interessiert sich dafür.


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  • Hurra, zwei Drittel Kalendertürchen schon geöffnet, d. h. auch den dritten Advent hinter uns gebracht. Was ich mit den gefühlten 200 Chanukkakerzen vom Nationalfonds anfangen soll, die noch zur Verfügung stehen, weiß ich nicht, ich gruppiere immer mal 2 zusammen in einem Metallteil mit passenden Schraubenlöchern, von einem einst funktionierenden Scharnier, glaube ich, dem vom Tor der christlich-jüdisch-muslimischen Verständigung, durch das Tempelherr, Saladin und Nathan geschritten sind. Einen "richtigen" Adventskranz kriegen wir dieses Jahr als olle Glövenixe sowieso nicht. Manche regen sich ja über den Weihnachtsmann auf, weil er die Elche am klimawandelgepeinigten Nordpol zusätzlich quält, indem er sie vor den mit Geschenken überlasteten Karren spannt, andere, weil ihn der Sarottimohr mit Werkzeug zur Befriedigung sadomasochistischer Gelüste begleitet. Mir wär das ganze Brimborium sowieso egal, meine Nachbarn hängen das ganze Jahr über Kränze an ihre Türen und beten ein Leucht-Reh an, das ihre Balkonterrasse illuminiert. Der deutsche Einzelhandelsverband glaubt erst nach Sylvester an die Weihnachtsumsätze, die für das ganze Jahr die Bilanz in Aufschwung versetzen sollen, und bevor sie wieder einen Peias über den Kneipen aufhängen, der am Schluss des Karnevals verbrannt (!) wird, kraxeln noch immer zahlreiche rotgewandete Fassadenkletterer die hiesigen Regenrinnen hoch und runter, das besorgt bei uns das rostbraune Eichhörnchen mit und ohne Nuß und Mandelkern im Mäulchen!

     

    Türchen sechzehn

    Beim heutigen Symbolbild geht es nicht um christlich-jüdische Verständigung, es handelt sich um sog. Ex-voto-Tafeln. Dass Jesus Christus beschnitten war und nicht von einer Christin zur Welt gebracht wurde, ist bibelfesten Zeitgenossen bekannt. Aber St. Jude? Donnerlüttchen, oder? Ein intelligentes Rechtschreibprogramm würde zurückfragen: "Meinten Sie St. Judas?"  Dass 30 Silberlinge im Monat viel Gutes bewirken, habe ich dieses Jahr als Empfänger eines Stipendiums erfahren, wofür ich allen danke, die es ermöglicht habe. Hier aber wird von u. a. Examenskandidaten offenbar dem Hl. Judas Thaddäus gehuldigt (einem der zwölf Apostel und laut Wikipedia der "Patron des Unmöglichen"). Vielleicht geschahen die Stoßgebete bzw. klingelte der Opferstock nach durchzechter Nacht, wenige Stunden vor dem Examen, dann wären die Prüfungskandidaten ja wirklich ausweglose Fälle gewesen, um die sich nur Judas Thaddäus kümmern kann. Dieser H. hat bestimmt das erste und nach sieben Jahren Aufbaustudium und Referendariat auch das zweite Staatsexamen geschafft, vielleicht war sein Thema Einsteins Relativitätstheorie oder Hegels Rechtsphilosophie, deren Grundsatz bekanntlich lautet: "Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig." Engels meint, das müsse man als Prozess verstehen wie die ganze verdammte Dialektik, also ungefähr so, dass der monarchische Obrigkeitsstaat schon in dem Maße zu schwinden beginnt bzw. seiner "Nichtung" anheimfällt, je unvernünftiger er sich gebärdet. Denn die Kunst des Möglichen beherrscht uns allgemein so sehr, dass man sich kaum noch darauf besinnt, welch großer Prozentsatz an Unmöglichkeit die Verwirklichung manches Möglichen vereitelt! Nehmen Sie noch einen Moment draußen Platz! Murmel, murmel. Kommen Sie bitte noch mal rein, ja? Glückwunsch, bestanden.


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  • Achtung, in der untenstehenden Pyramide liegt nicht, wie üblich, der Erbauer bzw. der Pharao, der das zur Errichtung Notwendige veranlaßt hat. In diesem Fall ließ der pyramidale Herr seinen Körper in Säure und Löschkalk auflösen, weil die Feuerbestattung zu seiner Zeit noch als unchristlich galt und daher untersagt war. Sein Freund hatte gegen das seinerzeit zwischen ihnen diskutierte Projekt, sich verbrennen zu lassen, übrigens den ökologischen Einwand vorgebracht, das wäre Holzverschwendung! Aber die Nichte des Freundes des Verstorbenen hatte darauf den treffenden Schlichterspruch: Jemand, der so viele Bäume gepflanzt hat, hat wohl durchaus ein Recht auf ein bisschen Holzverschwendung...

    Türchen fünfzehn

    Was mir nicht behagt, sind die anschwellenden Forderungen nach Sterbehilfe auf Krankenschein, "Recht auf eigenen Tod" usw., als gebe es für alles und jedes, also auch auf den richtigen Zeitpunkt des Abtretens ein Privatpatienten-Privileg. Diejenigen, die ich hab sterben sehen, hätten grad in dem Moment wohl nicht unbedingt darauf bestanden, jedenfalls kam der Abschied immer ganz, ganz anders, als sie sich das früher vorgestellt hatten. Überdies steht's jedem frei, sich und andere und alles aufzugeben, das hätte ich früher nicht geglaubt: wer's will, stirbt, das ist nicht so kompliziert wie das Leben. Zeitlebens ist man andauernd damit beschäftigt, zu überlegen, was man in dem und jenem Extremfall machen tät', wie schnell ist man zum "Abgeschaltetwerden" bereit, ehe der überlegende Verstand nachkommt. Egal, zurück zu der Pyramide: das HERZ hat sich der Verstorbene ausgliedern und hier beisetzen lassen, wie einst die Eingeweide der Mumien in irgendwelchen Kanopenschreinen ausgetrocknet, der Inhalt wurde erst ruchbar, als er von Archäologen auf kleiner Flamme aufgekocht wurde (der Arzt und Erfinder Thomas Young hat das übrigens als erster gemacht, wenn ich mich recht entsinne). Wobei mir einfällt, dass ich noch keinen staatlich verordneten Spenderausweis ausgefüllt habe, ich will eigentlich "am Stück" verwesen, am liebsten in dem romantischen Grab meines Vaters, und nicht zum Ersatzteillager schwerreicher VIP-Organempfänger-Kandidaten werden. Auch da bin ich nachdenklicher geworden, immerhin geh ich Blutspenden und meine Stammzellen kann auch jeder haben, der dumm fragt. Unbehaglich wäre mir, wie der tapfere General Moreau bestattet zu werden. Nachdem ihn der Zar aus dem amerikanischen Exil zurückgeholt hat, wohin ihn Napoleon verbannt hatte, und er sich an die Spitze der deutschen Freiwilligenkorps setzte, traf ihn auf der Räcknitzhöhe bei Dresden, grade als er mit dem Zaren verhandelte, eine Kanonenkugel, er wurde amputiert, wobei er Zigarren rauchte, und starb ein paar Tage später im böhmischen Laun. Seine Beine sind auf der Räcknitzhöhe beigesetzt, der Leichnam in Sankt Petersburg, das Herz in der letzten Ruhestätte seiner Frau auf dem Karthäuserfriedhof in Bordeaux, wo sich auch das Grab von Delacroix befindet. Das wird ein ziemliches Suchen und Herumkramen am Jüngsten Tag, wenn die Posaune der Freiheit ertönt and the bones are going to rock around...


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