• Eine Hausmitteilung in einer blog-bekannten Schule lud neulich zur Fortbildungsveranstaltung über "Salifismus". Gut, das muss man nicht so eng sehen, kann ja ein Vertipper sein. Aber dann war im Text noch von der "Salifistenszene" die Rede. Bei zweimal wird schon ein Prinzip draus, oder? Errichten die dann ein Salifat? Meine Tageszeitung trennte kürzlich Akademiker-Rehe, es ging um's Heiraten mit Vordiplom, nicht um studiertes Wildpret. Und was sagt man dazu, dass unter einem Weihnachtslied, in einem Gratis-Heft, das zum Advent-Event "30.000 Kölner zersingen im Rheinenergie-Stadion die Eispaläste der Winterkönigin" verteilt wurde, ein gewisser "Theodor Strom" als Verfasser genannt wurde? Immerhin wurde der Sing-Marathon vom lokalen Energiemulti ausgerichtet, da gab's wohl Stormausfall bei der Rechtschreibprüfung. Dennoch beschleicht mich immer mehr der Eindruck, der sogenannte Tippfehlerteufel hat angefangen, uns alle in der Tippfehlerhölle mit Druckerschwärze zu teeren und mit stumpfen Füllerfedern zu bekleben. In Bad Krotzingen wurde ein Blumenbeet gepflanzt, bei dem, als es blühlte, "Bad Krozigen" auf der Wiese zu lesen war. Und kann das Zufall sein, wenn in der Bonner Adenauerallee, wo der VDZN residiert, an der Tür ein Schild angebracht ist, wo die Klammer nicht schließt hinter "(Vereinigung Demokratische Zahnmedizin". Wollen die etwa die Demokratie vor die Klammer ziehn - oder ihre Spange nicht richtig befestigen? Und wieso heißt der Papst, der den Karlspreis bekommt, Franziskus? seine Vorgänger wurden m. W. nicht Iohannis Pavlus II oder Benediktus genannt, Paul VI. war damals "Pillen-Paule". Und dieser "Franz", kriegt der jetzt den Carolus-Preis?


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  • „Die Nase des Postmeisters, rief Gustav Quoll, sollte ich haben; ich ließ mich im Lande für’s Geld sehen. Nein, solch ein Vorgebirge im Gesichte beschämt das gefährliche Kap-Horn an der Südspitze von Amerika.

    Das ist das Modell von dem steinernen Manne mit der großen Nase, den wir in Adersbach gesehen haben, sagte ein Anderer.

    Eine rechte Nasen-Mutter kann man sie nennen, so viel kleine Nasen hängen drum und dran.

    Solchen Postmeister sollte der Staat nicht dulden, meinte Gustav wiederum; wie leicht können Frauen sich an ihm versehen, und der Staat kommt in Gefahr, eine junge Welt voll Großnasen zu erziehen.

    Ob der Mann wohl Kinder hat, setzte er hinzu. Die möchte ich sehen, die müssen ja wahre Scheusälchen und Nasenmenschen seyn.“

    So wäre also Lawrence Sterne zum Schluß auch im „Muskauer Wochenblatt“ vom September 1822 angekommen. Dabei war diese Nase nicht angeboren oder auf dem Vorgebirge der Nasen gewachsen, sondern erworben, indem ein Baumast über den offenen Wagen herunterstürzte und der Vater, der die Pferde lenkte, seine Tochter nur retten konnte, indem er durch Hände und Gesicht den Ast aufhielt. Natürlich verliebt sich der Spötter in die Tochter, und nach ein paar Herzensirrungen und -wirrungen und etwas Flunkerei kommt es auch zum Happy end, der alte Postmeister: „Wenn Sie sonst ein Mann sein, der meine Tochter heirathen kann, so soll es Ihneng ar nicht zum schaden gereichen, daß Sie auf meine Nase geschimpft haben.“ (Aber daß die arme Jungfer Postmeisterin jetzt den Nachnamen "Quoll" in Kauf nehmen muß, ist auch'n Schicksal, oder? "Sieglinde Quoll" - nein danke!)

    Das heutige Türchen mag als ein Hinweis auf den Hörspiel-Extra-Termin im DLF dienen, an den kommenden Weihnachtstagen, beginnend mit 24. 12., wird jeweils um 14.05 ein Teil der Hörspielfassung von Tristram Shandy (1759-1767)  in der (neuen) Übersetzung von Michael Walter gesendet


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  • Ratschläge sind auch Schläge. Jemand kann Sonne nicht im Wasser scheinen sehen. Selbst die Blendraketen schlagen ein auf dem Planeten. Lachen wie ein Bauer, der Zahnschmerzen hat. Warnschüsse verdampfen nicht einfach in der Atmosphäre, sondern fallen als Bleiregen zurück auf die Köpfe der Demonstranten. Die Narren bekommen die besten Karten. Das könnte schmerzhafte Beulen geben. Scher sie ab, doch schinde sie nicht. Man glaubt, in einem kleinen gallischen Dorf zu sein! Jeder kann durch einen Eichenbalken sehen, wenn er ein Loch hat. "Wenn ich die Leute nicht kenne", sagt der Wirt von Geldermalsen (NL), "dann sind die auch nicht von hier." (wie hieß es in dem einen Asterix? "Ich habe nichts gegen Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier!") Etwas durch das Auge der Schere betrachten. Klar, dass keiner der 200 Facebookfreunde und Flüchtlingsunterbringungsgegner auf dem Vorplatz im beschaulichen Geldermalsen angefangen hat, das Rathaus mit Böllern und Steinen zu bewerfen. Wer Feuer frisst, scheißt Funken. Die Pegnieda-Landdemo artete eine Orgie der Beschimpfungen und Verwüstung aus, worauf die Sitzung vorsichtshalber unterbrochen und in die Polizeistation nebenan verlegt wurde. Wer seinen Brei verschüttet hat, kann nicht wieder alles einsammeln. Admired Miranda - Miranda de Vries, so heißt die arme Bürgermeisterin, die sich auf Plakaten als Lügnerin und Hure beschimpfen lassen muß, weil sie 1500 Flüchtlinge in einem Dorf mit 11.000 Einwohnern beherbergen will. Vom Ochs auf den Esel fallen. Und das ausgerechnet so kurz vor Weihnachten! Sie trägt Feuer in der einen, Wasser in der anderen Hand. Das Gelände, wo die Flüchtlinge unterkommen sollen, hatte die Verwaltung angekauft, um dort Unternehmen anzusiedeln. Der Hering brät hier nicht. Es gibt dann wohl auch etwas Fördergeld von Provinz und niederländischer Regierung. Da hängt die Schere heraus. In der Nähe nur eine Verpackungsfirma, eine Entsorgungsanlage und andere Fabriken, die Störungen des Verkehrs und Betriebs durch Asylbewerber befürchten. Er bindet Gott einen flächsernen Bart um. Ein pensionierter Lehrer, der extra ins ruhige Dorf gezogen ist, wird mit den Worten zitiert, das Dorf gehe kaputt, es sehe hier in Kürze aus wie in Nimwegen oder Rotterdam. Er pisst gegen den Mond. Die Polizei habe Warnschüsse abgegeben. Die Reise ist noch nicht zu End, wenn man Kirch und Turm erkennt. Dann erst hätte sich der wütende Mob vor dem Rathaus - angeblich 2000 Leute - allmählich zerstreut. Hier zieht die Sau den Zapfen raus. Jetzt will es keiner gewesen sein. Er schüttet den Brunnen zu, nachdem das Kalb ertrunken ist. Die kursiv gesetzten niederländischen Sprichwörter wurden übrigens von Breughel illustriert, dem Schöpfer des Wimmelbilds Die niederländischen Sprichwörter. Es war aber der Bauern-, nicht der Höllenbreughel.


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  • Den Jahresrückblick können wir vergessen. Die Kanzlerin hat's auf den Punkt gebracht, das ist nicht zu toppen. Es war "...ein unglaubliches Jahr", so Angela Merkel in einer kürzlich gehaltenen Rede, "letztlich schwer zu fassen: eine solche Dichte, eine solche Abfolge von Ereignissen, so was habe ich zumindest noch nicht erlebt!" Auch ich habe soviel Fassungsloses noch nicht erlebt, jeder Tag vollgepropft mit Stunden, diese wiederum mit Minuten und die wieder mit Sekunden, und jedesmal wenn der Zeiger weitertickt ist wieder was passiert! Dabei ist das meiste davon immer eine Wiederholung und Steigerung aus dem letzten, vorletzten vorvorletzten usw. Jahr: Mohammedkarikaturenereiferungsgetöse, Terrorwahntötungsmesserattacken, Amokbombenabwurfskalaschnikoffherzlosigkeit, Idiotenmasseneventguinnessrekordweihnachtssingen, Datenübermittlungsglasglockenfleischbeschau, Sprengstoffgürtelzündungshemmung, Internetverblödungssozialquatschsystemabgreife, Klimavernichtungsanwärmegletscherschmelzfluß, Gleichstellungsverneblungsdiskriminierung, Computervirenzerstörungsbefallwerbung, Ökotestautoabgasgeschummel, Korruptionsaffärenverleugnungsinterviews, Doktorarbeitenplagiierungswurst, Bankenkundenkreditbehumse, Preistreibmittelteuerung, Lohnkürzungswegquetschungsmobbing, Flüchtlingsunterbringungshilflosigkeitsnot, Pegidadresdonnerbrandgefackel, Lebensmittelskandalfälschungsgiftzusatz, Kunstauktionsverschleuderung und natürlich Arbeitslosigkeitsvervielfachung nebst Renteneinebnung infolge Robotisierung. Sogar die Bücher bringt man in der UB nicht mehr lebenden Bibliothekaren zurück, man steckt sie in einen Schlitz und eine Quittung wird ausgespuckt (wenn's nicht grad eine komplizierte online-bestellte Fernleihe ist, für die man am Automaten bezahlt, aber das kriegen die auch noch hin). Studenten-, Behinderten- und Minderbegabtenjobs fallen weg, die armen Schweine sitzen in den mehr oder minder betreuten Wohnungen rum, wenn sie noch welche bezahlen können, und kommen auf dumme Gedanken und damit geht alles wieder von vorne los.


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  • Der Ausdruck "dumm wie Brot", eben erst aus aktuellem Anlaß ausgesprochen, hat sich bei uns erst nach dem gleichnamigen Polizeiruf 110 eingebürgert. Im Drehbuch bezeichnete er einen Kleinkriminellen, der das Diebesgut aus einem ÖPNV-Überfall sogleich im Internet an den interessierten Kunden verscherbeln will und dadurch natürlich auffällt. Aber wieso sollte Brot dümmer sein als z. B. Basmatireis oder Pasta oder Getreidepampe, wovon sich die halbe Menschheit, und zwar brotlos, ernährt? und ist weiches, weißes Sandwich-Toastbrot irgendwie dümmer als kerniges, braunes Vollkornmalzdinkelkraftkrümelbrot? In der Bibel hat mich schon immer das Jesuswort beeindruckt, "das Salz ist dumm geworden", womit wohl das ganze "Salz der Erde" gemeint ist. Das Salz ist auch schon mal klüger gewesen, vielleicht, als es noch nicht so viel Zeit in der Gewürzmenage mit der Pfeffermühle, dem Olivenöl und dem mählich vor sich hin austrocknenden Balsamico-Essig vertrödelt hat. Merkwürdig, diese Intelligenzmessungen auf der Basis von Grundnahrungsmittel-Vergleichen. In meiner Jugend sagte man noch "dumm wie Bohnenstroh", es handelte sich wohl um das Kraut von Futterbohnen, aber als Bohnenkraut ist es dann auch wieder gewürzmäßig schätzenswert, oder? Auch "strohblöd" oder "strunzdämlich" oder "volldoof" kamen in Betracht. Aber Vorsicht, "blöde" ist nicht gleich "dumm", in älteren Texten heißt blöde einfach "schüchtern". "Steh nicht so blöde da herum" ist eigentlich eine ganz nette Aufforderung, die Schüchternheit zu überwinden und sich auch z. B. zum Essen an den gemeinsamen Tisch zu setzen. Doof dagegen - rückwärts gelesen: "food" - ist das niederdeutsche Wort für "taub", und das scheint wieder besser zum Salz zu passen, es könnte doch heißen "das Salz ist taub geworden" (weil es nicht mehr recht würzt), analog zum tauben Gestein, das die begehrte Mineralie nicht enthält. Andererseits kann einem die Zunge taub werden, wenn man vor lauter überschießender Intelligenz zuviel satirisches Salz in die Rede mischt.


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