• Sie verzeihen, werte Dame, daß ich es wage, Sie zu ersuchen, mir gütigst zu erlauben, daß ich mir die Freiheit nehme, Sie hierdurch zu fragen: Ob Sie die Gewogenheit haben wollen, mir zu vergönnen, daß ich mich erkühne, Sie zu bitten, mir das Glück zu gewähren, daß ich mich Ihnen nahen darf, um Ihnen freundlichst mitzuteilen, wie ich nichts sehnlicher wünsche als im Stand zu sein, Ihnen zu zeigen, wie sehr es mich freuen wird, wenn das Schicksal mir vergönnt, den Augenblick herbeizuführen, der mir das Vergnügen zu Teil werden läßt, Ihnen zu versichern, daß es mir unmöglich ist, durch leere Worte die Gefühle auszudrücken, die mein Herz bei dem Gedanken ergreifen, Ihre Güte könne mich ermuntern, die Hoffnung zu hegen, Sie überzeugt zu haben, wie tief ich es empfinde, welch ein Vorzug es ist, daß ich die Ehre haben darf, mich in dem Gefühle der lebhaftesten Hochachtung zu empfehlen als der stets Ihrige... (leicht variiert aus einem Briefsteller von 1836)


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  • Gestern waren meine Tatort-Lieblingsschreiber wieder zugange. Da blieb kein Klischee trocken - die "Knarre", die sich unvertilgbar aus dem Groschenkrimi der 1930er Jahre (als die Ganoven noch "Ede" hießen) in unsere Zeit gerettet hat, der "Zahn der Zeit", der an der Puffmutter "genagt" habe, "Schreibtisch-Stute", "Russen-Mafia" und eine "Drogengeschichte", in die einer "reingeschlittert" ist. Und dann die Dialoge, bei denen sich mir die Fußnägel hoben: "Was haben wir? Wir haben eine Leiche..." - "Wären Sie damals schon im Dienst gewesen, hätten wir jetzt keinen Fall!" Daß Fakten lügen, behauptet Lena Odenthal, aber was nicht lügt, ist der Konjunktiv. To have and to have hätt, Nichthaben oder hättste, wärste, könntste, wie kommen wir aus dem Schlamassel heraus? Einer unverbindlichen Umfrage zufolge stellt das Phänomen Konjunktiv I und II die Menschheit noch immer vor Probleme der grammatischen Tiefenstruktur. "Wir hätten da ein paar Fragen", das ist ja immer der Auftakt für gnadenlose Ermittlungen enthüllerischer Sozialkriminologen. Dahinter steckt ein "Fall", der meist zum Sturz führt. Ich hätte da eine praktische Lösung parat, habe mir echt Mühe gegeben. Doppelt gemobbelt kann nichts mehr schief gehen! Künftig werden wir Konjungtief I und Konjungtief II zusammenschalten (und bei dieser Gelegenheit gleich mal durch Lenisierung des 2. "k" und Lautschrift-Endung den Namen dieser Sprach-Fallen verjüngen und vertiefen). "Habehätte" wäre danach der neue Konjungtief I, und "hättehabe" der neue Konjungtief II. Was haltet Ihr davon? - "Er behauptet, er habehätte die Lösung gefunden", meinte darauf der Leser, den das noch nicht ganz überzeugt hättehabe.


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  • Heute erfuhr ich von einer Bekannten was Neues über tierische Inhaltsstoffe in non-food-Produkten. In Gummireifen sollen demnach AUCH Bestandteile tierischen Ursprungs sein. Wenn das stimmen sollte: Adieu Fahrradfahren - auf einen gemütlich-wollenen Hinternschonbezug auf dem Ledersattel müssen Veganer ja schon jetzt verzichten. Wenn ich "Gummireifen tierische Bestandteile" eingebe, fallen sie durch die Suchmaschen und ich finde nichts: Auf jeden Fall gehört Ruß zu den elementaren Bestandteilen der Reifenchemie, wobei sich die Frage stellt, was da verbrannt wurde, um den zu gewinnen. Die Pneuhersteller schweigen dazu, jeder Hersteller hat sein Geheimrezept. Aber wir kennen ja die tückische Verschlagenheit des Michelinmännchens, erst kommt es scheißfreundlich und harmlos daher und verspricht uns eine vernünftige Autowanderkarte, und im Nullkommanix haben wir dieselben Rettungsringe um die Hüften wie Bibendum, nachdem wir all die carnivoren Gourmettempel aufgesucht haben, deren Köche einen, zwei, oder gar drei Michelinsterne vorweisen können. Je mehr Sterne, desto
    Speckröllchen! Aber Veganer, das ist viel mehr als dies oder jenes nicht essen dürfen. Bienenwachskerzen, Schellack-Schätzchen, Lippenstift, Daunenfedern, Rasierpinsel, Seidenblusen, Perlmutt-Ohrringe, Perlen, alles Ausbeutung von Tieren! Wir empfehlen Stearinkerzen, Gummimatratzen, Hanf- und Flachsfasern, Sojaseide und Viskose. Aktivkohle in Aquarienfiltern, lese ich auf einer Ratgeber-Website, ist gepreßte Asche von Tierknochen. (Aber moment Mal, beschleicht mich da ein unguter Verdacht, dürfen sich waschechte Veganer der Freiheitsberaubung schuldig machen und Mandarinfische, Miesmuscheln, Moderlieschen, Mikroplankton und sonstige Meeresfrüchte in wassergefüllte Glasgefängnisse sperren? Ach, die bewahren im Goldfischglas nur ihre kostbare Sammlung von Flußkieseln auf? na dann....)


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  • Ob der Allmächtige auf dem Zwergplaneten Ceres wirklich das Faß mit dem Mineralsalz verschüttet hat, ist doch sehr die Frage. Ich hab immer gedacht, da reflektiert ein großes Schaufenster, hinter dem die Ceresianer versuchen, uns anzublinken. Eher sei da ein langsames Ausdünsten festzustellen, bemerken dazu jetzt die Sternexperten: "Offenbar verdampft dort Wasser und trägt kleine Teilchen mit sich." Ist die Umweltsauerei da droben das letzte Blitzlicht einer untergegangenen Zivilisation? Ich tippe auf die Vorfahren der Pharaonen, die mit Raumschiffen erst in der Ebene von Naczka landeten und dann die Landschaften rund um den Golf von Mexiko und am Nil mit markanten, gut sichtbaren Aussichtstürmen verschönert haben. Wer sonst soll denn den "sechs Kilometer hohen, pyramidenförmigen Berg auf der südlichen Hemisphäre" des Kleinplaneten Ceres errichtet haben? Und Flecken haben sie auch hinterlassen, uns zum Zeichen uns zur Warnung - stellt die Erderwärmung endlich ab, sonst kocht der Nordpol über, das Rumspielen mit Atomkernen und Wasserstoff muß aufhören, die Haarrisse in Doel und Tihange sind auch kein Spaß mehr. Wenn das mal alles in die Luft fliegt, dann fly me to the moon, hat schon Frank Sinatra gesungen, der heute Hundert geworden wäre - guck ich mir die letzten 100 Jahre ein, weiß ich eins: Es muß der rechte Fleck sein, auf dem die Menschheit ihr Herz verloren hat.


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  • Unverbindlichen Schätzungen zufolge werden die Hälfte aller Bücher nur geschrieben, um die Irrtümer in der anderen Hälfte zu ermitteln und zu widerlegen. Das ist natürlich eine andere Rechnung als die berühmte Omar-Normalverteilung, wonach 50 % aller Bücher mit dem Koran übereinstimmen und daher überflüssig seien, die andere Hälfte dem Koran widerstreitet und daher schädlich sei. Doch das ist noch gar nichts gegen meine steile These, wonach in 100 % aller Bücher lästige und penible Dämonen wohnen. Zwar ins Regal verstaut, wenden sie mir alle scheinheilig den Rücken zu, aber sie finden reichlich Nachwuchs auf Couchtischen, Fensterbänken, Ablagen, wo die Stapel fröhlich vor sich hin wuchern und die ihnen innewohnenden Dämonen nach Beachtung gieren. Versuch es mal, sie elegant loszuwerden - ich bin in diesem Blog schon mal darauf eingegangen - , schon plagen sie dich mit Gewissensbissen, Peinlichkeitsgefühlen und Verlustängsten. Das, was die Hundebesitzer, die vor den Fenstern meines Arbeitszimmers abkacken lassen, nie kennenlernen werden! Anders meine Schwäger, die machen sich frei davon. Bücher? meinte einer neulich zweifelzögernd und nahm irgendeins in die Hand, abschätzig in die zufällig aufgeblätterten Seiten blickend, Bücher? wozu? Steht doch heute alles im Internet! Dummerweise habe ich mein Lebensmodell danach ausgerichtet, die Bücherlast zu vermehren, anstatt auf einen Theologiestudenten zu hören, der mir frühzeitig die Warnung aus dem Prediger Salomo 12,12 zukommen ließ, wonach des vielen Büchermachens kein Ende sei. Wollte ich mir die Unsterblichkeit herbeilektorieren? Richtig war, der KSK beizutreten, die mir alljährlich eine Schätzung meines Gesamteinkommens (voraussichtliches Ergebnis, wenn man prospektive Einnahmen von mutmaßlichen Ausgaben abzieht... eine lächerlich geringe Summe). Das soll jedesmal vor dem 1. Dezember eingereicht werden. Und Jahr für Jahr ist das dämliche Formular unter Manuskript- und Bücherstapeln verkramt, so daß mich das schlechte Gewissen in der Adventszeit beschleicht, dann räume ich meinen ganzen Kram auf und reiche das Dings in Gottesnamen zum 3. Advent nach.


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