• Nee, ne? Das glaub' ich jetzt nicht. Sackgrobes Salz aus einem Fast-Terrorstaat wird mir heute, am Breitscheidtag, in die Wunde gestreut. Das konnten die Pakistansalz im GlasKalendermacher natürlich nicht voraussehen. Voraussehen hätten sie können, dass wir am 21. sehr enttäuscht sein werden, kein Türchen aufmachen zu können, denn sie haben, wie sich erst heute herausstellt, diese NummeBeim Kofferraum schließen aufgepasstr 21 vergessen und dafür zweimal die 17 aufgemalt. Ist das Zeug jetzt aus den Salzbergen südlich von Peschawar und Faisalabad, oder aus dem Salzsumpf im umkämpften (welche Grenze zwischen Indien und Pakistan ist eigentlich unstrittig?) Gebiet Rann von Kachchh, und wie spricht man das überhaupt aus? Hätten es denn nicht Kräuter sein können? Florales findet sich auch im offiziellen Wappen Pakistans, nämlich Tee und Jasmin (immer besser als ein plattgewalzter Raubvogel), außerdem Jute (für Galgenstricke geeignet), Weizen und Baumwolle. Dazu der Spruch "Glaube, Einheit, Disziplin", wovon namentlich letzteres dem Pöbel in Islamabad weitgehend fehlt. Wer mich lange kennt und dies liest, wird sich über meine soliden Vorurteilsstrukturen wundern, hatte ich doch als junger Mensch mal gedichtet, "gute alte Autobahn, nimm mich ein Stück mit, von Gummersbach nach Pakistan" usw. Jugendsünden, Schwamm drüber! Der Pakistani lässt  weihnachts mangels Tannenbaum die Fahnenstange brennen, amerikanische und israelische Flaggen, gern auch mal dänische, wegen der Karikaturen, die die 43 % Analphabeten im Land auch ohne Übersetzung verstehen - Volkstanz mit Grillfest auch beim Anschlag auf das World Trade Center, die Szenen sind mir noch aus der Tagesschau erinnerlich. Aber wo kriegen die bloß immer die Fahnen her, da muss sich doch jemand dumm und dämlich dran verdienen, der die Hoheitszeichen fürs Brandopfer aus der Baumwolle webt? Während sich die Besucher der Methodistenkirche nach dem Selbstmordanschlag noch in ihrem Blut wälzen, demonstrieren Tausende gegen eine eventuell mögliche Botschaft der USA in Jerusalem, falls sie nicht andernorts die wichtigste Straßenkreuzung blockieren, weil neuerdings in Pakistan erlaubt ist, wenn Politiker nicht auf den Koran vereidigt werden. Larifari, Caligari, Carbonari, Caliban - gleichviel, Pakistan ist der Schlaraff-Diwan der radikalislamischen Taliban aus Afghanistan.


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  • Das Aroma ist ganz interessant. Endlich enthält es mal "Sesam", und zwar nicht nur Spuren davon (in der Spurenliste die üblichen Verdächtigen, Blechfisch aus SpiekeroogSellerie, Senf und Peanuts), sondern ganz offiziell und offizinal in der Zutatenliste. Dumm nur, dass ich mein schönes Fischrelief schon serviert habe in # 16, bei der Pariser Pfeffer Gewürzzubereitung. Aber diesmal ist wieder Salz, nicht Pfeffer dominant, und zwar enthält das Röhrli "Speisesalz 29 %"; gut, dass sie nicht das Faß mit Riech-, Streu- oder Schmelzsalz angestochen haben. Der Rest ist Paprika, Thymian, Oregano, Basilikum, schwarkohlrabisuppezer Pfeffer, Knoblauch, Majoran, Zitronengras, Zitronenschalen, Curcuma, Dillspitzen und, wie gesagt, Sesam. Eigentlich mag ich ja keine Mischungen, schon weil ich Zitrone lieber frisch (Schale) dranreibe oder (Saft) -träufele, aber das Schöne an den Adventspröbchen ist, dass es nicht zuviel auf einmal ist, damit kann man vielleicht drei oder vier Filets panieren oder eine ordentliche Terrine Fischsuppe würzen, das war's aber auch. Wozu brauchen die eigentlich Sesam, ist das mehr zum Abrunden oder um dem Kräuterstaub mehr "Körper" zu geben, bzw. das Gewicht nach Art von Ballast-Stoffen bei der Montgolfierenluftfahrt gewinnbringend zu maximieren? Wenigstens ist Sesam eine literarisch gewordene Lautfolge, ich sage nur, Ali Babacool in der Tausendundeinsten Nacht, vom "Sesam deines Namens, das alle Reichtümer bergen soll", spricht Walter Benjamin, und Sesemi Weichbrod, der Name kommt bei Thomas Mann in den Buddenbrooks vor. Aber dass zum Jubiläum des Kölner Nobelpreisträgers, der die Erzählung Du fährst zu oft nach Heidelberg schrieb, ausgerechnet in Heidelberg ein Riesenskandal um das Völkerkundemuseum entbrennt (um die Portheim-Stiftung, in die Sparkasse und Stadtverwaltung hineinregieren), dessen Protagonisten allesamt Heinrich-Böll-typische Familiennamen haben, finde ich wunderbar: Koepff und Gerner, die Museumschefin Pavaloi, Siegbert Moraw, ein Unternehmererbe namens Reimann-Dubbers, die Indologin Boehm-Tettelbach, die über eine seltene Nervenkrankheit auf Guam habilitiert hat, das hätte sich kein Romanschreiber ironischer ausdenken können. Bin schon gespannt, wie das ausgeht!


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  • Na bitte, auf der Zielgeraden erinnern sich Salz nebst Pfeffer im mediterranen Adventskalender an die nordeuropäischen Normalo-Gewürze, in diesem Fall an den Fisch-, Gurkensalat- und Senfeier-Aufheller namens Dill. Da ich mir immer alles über RKräuter ernten verboteneime merke, Dill im Kräutersackist der Dill mir schon als Kind unsterblich in Erinnerung geblieben durch sein Reimwort "still". In James Thurbers Erzählung Das geheimnisvolle O hat ein zum Diktator geputschter Pirat namens Black (er steuerte sein Schiff, die Aeiu, an die Gestade der Insel Ooroo) den Gebrauch des ihm zutiefst verhassten Buchstabens O und alle mit ihm benannten Gegenstände verboten. Daraufhin beklagen sich nicht nur die Regisseure, die statt Opern wie Oberon nur noch Pern wie Bern aufführen können, sondern auch die Hausfrauen, die ihrerseits Gewürze wie Rosmarin, Estragon, Origano und Majoran vermissen. "Seid still, ihr habt doch Dill!" entgegnet der Diktator. Anderes Beispiel aus der Literaturgeschichte: Die Landpomeranze Dörtchen Schievelbusch, Tochter des tugendhaften Aufklärers in einem Dorf namens Plundersweilen, wird von ihrem Schöpfer, dem Bühnendichter Peter Hacks, mit dem versifizierten Lob des Krauts zitiert: "...und gereicht es nicht dem Dill zum Ruhme, dass er zierlich Frucht zu tragen weiß'?"  Und was sagt die Bibel dazu: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer", heißt es im hier schon zitierten Matthäusevangelium: "ihr Heuchler, ihr geht den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen..." Aber Merk- und Denkwürdiges über den Dill sagt auch der Prophet Jesaja: "Nicht wahr? Wenn er seine Oberfläche geebnet hat, streut er Dill und säet Kümmel und steckt Weizen und Gerste und Spelt an seinem Rand." Dill und Kümmel, eine komische Kombi, klingt nach Salafisten-Salatbeilage. "Dill wird doch nicht mit dem Schlitten gedroschen, noch über Kümmel das Wagenrad geführt, sondern Dill wird mit dem Stab und Kümmel mit dem Stocke geklopft." Die zarte, ihre Netzfingerchen wundermild verzweigende Dillpflanze mit dem Stab klopfen? Da kann ja nichts gedeihen. Kein Wunder, die fanatischen Frömmler wollen einem allen Geschmack ausklopfen und ihr stumpfes Bücken-Nicken und Dreinfinden in asketischen Verzicht aufschwatzen. Selber Heuchler!


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  • Keine Bindestriche zwischen den Worten? Auch Mit den Kommata gehen sie sonst nicht so sparsam um, die Etikettengestalter (nur bei Pfeffer schwarz, gerebelt" versteh ich das Komma, aber hinter Pfeffer fehlt noch eins, oder?), freilich sind das auch winzige Etikettchen auf den Adventsgläspariser Wappen mit Schiffern in den Kalenderrähren. Und für die Zutatenliste brauch ich eine Lupe: # 16: Pariser Pfeffer GewürzzubereitungSchwarzer Pfeffer, Bockshornklee, Ingwer, Paprika rot, Senfsaat, Porree, Koriander, Meersalz, grüner Pfeffer. Riecht interessant. Und das soll wohl künftig auf die Champignons de Paris gestreuselt werden, wie? oder auf Spargel aus Agenteuil, Erbsen aus Clamart, Möhren aus Crécy-la-Chapelle, Zwiebelsuppe nach Art der Pariser Marktfrauen. An andere Anwendungen (ins Kondom-Depot zur erregungsförderlichen Reizung der Schniepelspitze beim Verkehr?) wage ich gar nicht zu denken. Übrigens war mein Lieblingslokal, in dem ich in Paris immer sehr gut aß, ein Lyonnaiser Spezialitätenrestaurant, und auch elsässisch, belgisch, maghrebinisch, thailändisch, was sag ich... konnte man prima in Paris schnabulieren gehen. Und diese Würzmischung sccheint für ein Pfeffersteak sehr geeignet. Wie schrieb doch mein Gewährsmann schon 18102: "Die französische Küche ist bekannt, doch hat sie jezt viele englische Gerichte, und weiß ein Beafsteak recht wohl zuzubereiten. Die herrlichsten Früchte sind in Paris zu haben, und um wohlfeilen Preis, obwohl die Restaurateurs sich gewiß das Doppelte und Dreifache des Marktpreises bezahlen lassen." Und Französisch essen gehen ist in Paris ja geradezu Alltagsroutine: "Für die wenig Bemittelten hat sich die Erfindungskraft fast erschöpft in wohlfeilen Speiseanstalten, die doch weder der Vielheit der Gerichte, noch anderer Annehmlichkeiten entbehren dürfen. Täglich zeigen neue Anschlagezettel solche Mittagstische oder Frühstückstische an, wo man z. B. für 21 Sols sechs Schüsseln, so viel Brot als man will, und eine halbe Bouteille Wein haben soll, noch wohlfeilere reden bloß von Bier." Bitteschön, Schweinsfüße in Beaujolais, Froschschenkel mit Knoblauchbutter, Dialog der Kaninchen mit Armagnac-Pflaumen, Pastis an Gauloise  - alles schon gehabt, danke. Aber Pariser Pfeffer hat man mir nicht serviert, das schwöre ich!

     


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  • Von oben konnte man schon durch die bereits offenen Türen erspähen, dass wieder etwas Weißes im Glas ist. Puderzucker oder kaustisches Natriumhydroxit ist es schon mal nicht.Möglichkeiten der Handynutzung Blume des Salzes, ist das so'n Liebesgeflüster aus spanischen Gärten? "Fleur" heißt angeblich das an heißen, windstillen Tagen "geerntete" Schaumzeug an der Wasseroberfläche der Meere, mit Holzspaten herausgelöffelt, komisch, beim Auskochen von Suppenfleisch mach ich das auch immer so. Im Advent wirkt das allerdings wie eine Verhöhnung der Süßkramindustrie und ihren zuckerglänzenden Konsumorgien. Wahrscheinlich ist Salz lebensmittelrechtlich und verpackungsSchlaffer Leser auf Büchern gebettettechnisch unbedenklich in so einem alle Jahre wieder auf Halde neben den Registrierkassen liegenden Ladenhüter. Außerdem ist es weiß und rieselig und daher für die Weihnachtsvermarktung besonders geeignet. Man kann Weihnachtsdekos aus Salzteig basteln und tannenzapfenförmige Salzstreuer in Sterling-Silber verschenken oder das Zeug dem Weihnachtshasen auf den Schwanz streuen, dass er stillhält und sich freiwillig das Fell abzieht, um im Bräter Platz zu nehmen. Nur eines würde ich lassen: mit dem Salz salzen. So jedenfalls das erste Buch überhaupt, das ich einst korrektür-lektürierte, So bleibt Ihr Herz gesund! (oder war es Rund ums Wohnmobil?), das war so ein Schmöker der amerikanischen Heart-disease-prevention-Vereinigung und plädierte dringend für das Weglassen von Salz.  Auch  Tacos, Burger und Kartoffelchips sollten gemieden werden, die in meinen ersten Freiberuflerjahren noch so verbreitet waren wie heute der Hawaii-Toast oder die Königinnenpastete mit Kalbsragout. Jene sind inzwischen Haupt- und Grundnahrungsmittel der Bevölkerungsmehrheit. Ehrlich, Hamburger waren verpönt wg. Amerikanismus (Imbiß-Moloch), und weil es hinter den gelb-rot dekorierten Schwingtüren zur Küche immer nach Kinderpipi roch, Tacos unbekannt und Chips galten als dröge Fernsehsnacks unserer Eltern, höchstens vielleicht nicht ganz so käsespießig so wie Erdnußlocken oder Salzbrezeln. Von dem Buch muss ich noch eins haben, man kriegte 10 Stück als Beleg (wieso eigentlich? gelesen hatte man sie doch schon...); auf dem Flohmarkt ließen die sich jedenfalls nicht losschlagen. "Man kann bereits mit einem sparsamen täglichen Salzkonsum viel für die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Leiden wie Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit... tun“, sagt heute die Deutsche Herzstiftung. Täglicher Salzkonsum? Dafür sind wir ja nun gut gerüstet!


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