• Nach dem versalzenen Wochenende nun also mal wieder süß und vorwiegend mit Zimtzucker, das aktuelle Adventsgläschen ist randvoll davon.Birken im Schnee Wir haben sogar noch zwei Bosköppe von neulich übrig, als wir die Füllung selber hergestellt haben aus Kopfnüssen, Koriander, Korinthen, Kokoschips und Portwein. Für die Witterung durchaus passend, nur leider über Nacht sind sämtliche Schnee-GenderX-Wesen eingegangen, die von Groß und Klein gestern im Hundepark errichtet wurden, Schluss mit Schlittenfahrenund ich hatte den Fotoapparat nicht dabei. Sogar auf dem örtlichen Friedhof, wo wir die schönen Bäume in Schneedekor bewundern wollten, hatte ein Erwachsener vor unseren Augen eine Art Schneemann auf dem Weg errichtet wie so einen Auferstehungsengel. Pietätlos? In Finnland stehen den 5,2 Millionen Einwohnern 3, 8 Millionen Saunas zur Verfügung, habe ich gestern im Deutschlandfunk gehört, und das Highlight jeder Sauna ist die Auspeitschung mit Birkenstock (nicht Sandalen, sondern Zweige); in jedem besseren Unternehmen gibts eine für Mitarbeiter und Geschäftspartner (soll das mit den Birkenzweigen motivierend sein oder als Erpressung für den Vertragsabschluss dienen?), das Parlament hat eine Parlamentssauna (nimm dies, Koalitionspartner!), und wer keine eigene hat, geht in die Nachbarschaftssauna (hihi). Früher wären auch ganz normal Kinder in Saunas zur Welt gekommen und Verstorbene erhielten in der Sauna ihre Totenwäsche. Ein Bekannter der Rundfunkmoderatorin geht immer noch mit seinem Schwein in die Sauna, ich bin mir aber nicht sicher, ob zur Erholung oder zum Grillen der Schweinehälften auf dem Rost, hab nicht richtig zugehört. Wer gar keine Lust hat zu irgendwas, wie ich zu meiner Steuererklärung, kann sich in Finnland mit dem Wort saunanjälkeinen herausreden, das heißt "nach der Sauna" und bedeutet den Zustand, da man der Ruhe pflog und auf dem Saunaofen Bratäpfel mit Zuckerzimtfüllung simmern ließ.


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  • Waaas? schon wieder Salz mit mediterranem Krautanteil? Denen fällt wohl gar nichts mehr ein? Andererseits, das hier kann notfalls auch in den Streuer mit der XXL-Perforierung,Pünderich im Schnee und die Witterungsverhältnisse, im Rheinland "Dr. Schlawigo" genannt, weil es immerzu an die Kutschfahrt vom Bahnhof nach Warynko im gleichnamigen Film erinnert und ähnliche Verkehrsprobleme auslöst, sprechen dafür, dass Streusalz bald knapp werden könnte. Übrigens salzen wir hier sowieso immerzu nach, weil wir beim Kochen das Salz vergessen oder weglassen. Insofern, wenn das majorenne, bzw. majoran-taugliche Gerichte sind, meinetwegen. Schneemann in RaderthalIn der Ferienwohnanlage der IG Bau-Steine-Erden auf der Millionärsinsel schenken sie einem (verpackt als blödes Gewinnspiel, bei dem ich lieber die Manufaktur-Schokolade gekriegt hätte) immerzu Meersalz -  davon haben wir auch noch ein fast randvolles Einmachglas. Außerdem können wir jetzt Wüsten-, Sandstrand- und Meersalz nebeneinander legen und eine Art Salzverkostung durchführen. Stell ich mir allerdings irgendwie weniger geil vor als Weinprobe oder eine Trüffel-Degustation. "Die kristalline Grobstruktur und die leicht angeranzte Röstnote des Majorans verleihen dem Produkt einen authentischen Rahmen zur Entfaltung hauchzarter Aromata", so oder ähnlich drücken sich dann die Salzsommeliers in ihrem Kritiker-Fachblättchen aus. Salz schmeckt aber immer irgendwie salzig, da beißt die Erdnuß keinen Faden ab. Dass die Iglubewohner soundsoviele Worte für Schnee haben, ist ja auch ein 1911 erfundener Hype, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, die setzen die Wörter nur immer wieder bandwurmartig zusammen bzw. türmen sie schneemannähnlich aufeinander. Insofern können gern auch noch ein paar Gläser mit Salz aus dem Adwürzkalender fallen, ich werde mir treffende Namen für des Zeug ausdenken.


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  • Schon wieder Salz, diesmal mit allem gemischt, was die Provence so herbe macht (Thymian, Rosmarin, Basilikum und ein Zeug, das sich "Kräuterminze" nennt). Bestimmt hat man die Kräuter auf diese Weise früher haltbar gemacht, oder? Dagegen spricht aber das (relativ nahe) Best-before-Datum. Mindestens haltbar bis Ende, hatte ich noch gar nicht entdeckt, so winzig ist die Druckschrift der Standardformulierung, der eingedruckte Stempel lässt sich besser lesen (stünde da nichts, wäre das Zeug "mindestens haltbar bis Ende", aber von was?): 30.11.2019. Salzglas-EtikettAuf diese Weise könnten die Discounter unverkaufte Exemplare des Adventstrumms - der allerdings bald vergriffen schien - noch nächstes Jahr anbieten, und übernächstes Frühjahr dann mit dem berühmten 30-Prozent-Rabatt, den ich als Vorsicht Einbrecher mit Sackvon-Tag-zu-Tag-Einkäufer gern in Anspruch nehme. Zu Hause aber die roten Kleberchen mühsam abpiddeln, damit sich die mülltonnen-examinierenden Nachbarn nicht das Maul zerreißen über meine Vermögensverhältnisse. Das sind hier alles einfache Leutchen, die herumlaufen wie die letzten Prolls und auch so reden, von BILD allenfalls Schlagzeilen entziffern, sich aber ansonsten die dicksten BMWs in die Garagen stellen und noch Motorräder für den Sommer obendrauf. In dem Salzgläschen halten die Kräuter doch garantiert bis in the year twenty-five-twenty-five? Aber aufgepasst: Salz ist denselben Verfallserscheinungen unterworfen wie der Mensch, schon in der Bibel steht, "das Salz ist dumm geworden", was mir der Sonntagslehrer im Kommunikatonsunterricht nicht erklären konnte. "Feucht geworden", das wär' nicht schlimm, dieses 'flor de sel' behält sowieso eine Restfeuchte und soll nicht in den Streuer. Noch schwieriger ist die Fortsetzung: "ist das Salz dumm geworden, womit soll man's salzen?" - Salz salzen, ist das nicht wie weiße Schimmel mit Gips tünchen oder Zwillinge doppelt moppeln? und wieso überhaupt "Flor do Algave", heißt dieser portugiesische Ferienstrand nicht AlgaRRRve? Okay, vertippt, halb so wild. Das ist noch keine Straftat wie Salzdiebstahl - denn hier ist nicht das Salz, sondern nur die Schlußredaktion des Etikettendesigners dumm gelaufen.


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  • Merkwürdig, wie militant die Gewürze benannt sind! Man könnte eine Parodie daraus schreiben: Der Origano von der dritten Estragon heftete sich den Sternanis und blickte sauerampfer den Majoran: "Vanillegestanden! - Wenn gerebelt wird, muss ein Ruccola durch den Sellerie gehen..." Genervte ZuschauerTrotzdem, Literaturwerke oder gar Dramen, in denen die Protagonisten würzige Namen tragen wie Estragon, Humkoke, Kameliendame oder Wasabi können mir gestohlen bleiben. Gestern waren wir im Kellertheater und sahen "Lenz" von Georg Büchner. Was, das ist doch ein Prosafragment? Macht nichts, lässt sich spielerisch mörser für kräuterin Monologe auflösen und auf drei Bühnenrollen herunternumerieren: Pfarrer Oberlin, Pfarrerin und Lenz. Und dazu mixen wir sämtliche Klischees des Kellertheaters seit seiner Gründung in den muffigen fünfziger Jahren, als die Keller dramaturgisch zwischengenutzt werden konnten (inzwischen empfiehlt es sich wohl schon wieder, Luftschutzräume draus zu machen): Vögeln auf der Bühne, Gebrüll, Haue, eine Fehlgeburt, noch mehr Gebrüll, Blut, Schweiß & Tränen, Herumgehampel, Suicidversuch, Grabschaufeln mit (echter) Erde, Ice Bucket Challenge über derselben, damit ordenlich Schlamm angerührt wird, durch den Zuschauerraum Nachlaufen spielen, Publikum mitspielen lassen (wer von euch will denn einen Apfel?), zwischendurch ein Rap mit breakdance und ich denk schon, ich seh gar keine nackte Haut mehr, da knöpft sich der Hauptdarsteller schon die Hose auf und zieht sich aus, Unterhose allerdings behält er dann doch an. Gefehlt hat eigentlich nur Pyrotechnik und ein Pferd oder wahlweise Hund auf der Bühne. Dabei aber immer schön am Wortlaut entlang, damit sich der Besuch für die Deutsch-Leistungskursklassen auch gelohnt hat. Der Vorteil an Büchners Lenz ist, dass drei Epochen gleichzeitig behandelt werden können: Sturm und Drang, Vormärz und "1968" wegen Peter Schneiders Romanifizierung eines  studentenbewegten Lenz. Der Hauptdarsteller war ganz gut, weswegen man nicht rauslaufen wollte. Hinterher Gelegenheit zur Diskussion mit dem Ensemble. Seufz. Wann kommt endlich mal wieder so eine tiefgreifende Theaterreform mit neuer Einfachheit, frewilliger Schlichtheit und größtmöglicher Verfremdung, am besten nur Lichtregie - das war doch immer ganz erholsam?


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  • ¡Hola! Allmählich merke ich, dass mein Gewürzkalender mehr ins Scharfe und Mediterrane zielt, mithin all das, was in exotischenHinweissschild in einem Sylter Klo Gegenden wie Aldiland, Lidliput und Nettopotamien als tägliche Kost feilgeboten wird. In deren Wochenprospekten brutzelt und zischts nur so von Toscana-Scherenschnitt von Ruth KrachtPfannen und Extra-Vergine-Orgien. Was in dem Gewürzkalender fehlt, nach dem ersten Drittel kann natürlich noch alles kommen, wären die eher "normalen" Würzungen, für Hausmannskost, Liebstöckel beispielsweise (Weihnachtsgans!), Parsley, Sage, Rosemary & Thyme, den Letztgenannten hatten wir allerdings doch schon unter # 5 aus der Kalenderröhre gezogen. Zu den Chiliringen fällt mir nur ein, dass man sie, im Sinne des von Simon & Garfunkel intonierten Liebesliedes, dem treulosen Lebensabschnittspartner als Hochzeitsringe anstecken sollte. Temporärer Schmuck entspricht viel mehr als die joldenen Jabeln zur jut jebratenen Jans meiner biomorphen Ästhetik; gestern erst im TV sah ich den verstorbenen Johnny Halliday mit seinen Tattoos und dachte, ob er sie sich nachher in der Garderobe abschminken ließ? Schließlich hat mir in den Endsiebziger Jahren eine Freundin beschwörend versichert, der Chansonnier Leo Ferré ließe auf dem Weg zum Konzert im Pariser Olympia oder andernorts den Fahrer seiner Luxuslimo in der verschwiegenen Seitenstraße halten und steige erst dort um in einen altersgerecht klapperigen Döschewoh, damit seine Fans nicht enttäuscht werden von dem bourgeoisen Lebenswandel des steinreichen Rebellen. Und ich kriegte ja eine solche Krise, als ich im Schwimmbad die ersten Sechsjährigen (!) mit Riesentätowierungen besah und beinah schon den Notruf beim Kinderschutzbund antelefoniert hatte, als meine Frau mir beruhigend zuraunte, das seien bloß aufgeschminkte, keine dauerhaften Entstellungen. Übrigens wird auch die Geduld mit diesem Kalender nicht von Dauer sein, wenn ihr erst spitzkriegt, dass er am 22. Dezember abbrechen wird, denn den 23. verreise ich und verbringe den 24. auf einer rinnsalförmigen Insel der nördlichen Wasserhalbkugel.


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