• Die rote Linie überschritten ist auch so ein Quatsch. Ständig höre ich Anglizismen in den miserabligen Übersetzungen von Krimiserien. Und immer wieder wird ein Steak falsch serviert! Neulich hatte ich aus einem gedruckten Krimi das kulinarische Beispiel vom geschwungenen Fischfilet zum Steak gebracht. Vorige Woche kam in einer dieser TV-Serien, ich glaube es war "Vera", eine mißlaunige Polizeikommissarin aus Großbritannien, die erfreulicherweise nicht viel redet, aber ihre Kommentare zum Geschehen mit so pessimistischen "Mhm" und "Hach"-Lauten erkennen läßt (meine Frau und ich haben uns das seitdem regelrecht angewöhnt!), also da kam vor, wie ein junger Mensch von einer Dame auf ein Steak eingeladen wird, "Ich mach Dir auch ein Steak", so in der Art und es folgte "...mit Nierchen!" Und nicht nur das, der Blödsinn wurde am Ende der Szene noch mal wieder aufgegriffen, wie 'ne rennende Pointe: "Und vergiß nicht das Steak!" strahlte er sie bedeutungsvoll und lüstern an. Blinki, blinki, Augenzwinki: "Mit Nierchen!" Lecker, wenn man ein Steak hat und dann auch noch Saure Nieren in Sahnesauce dazu bekommt, mit KarlToffel-Püree als segondi piatti vielleicht? Dabei waren die Innereien, die Leopod Bloom seiner Nora am nächsten 16. Juni zum Frühstück mitbringt, gar nicht gemeint. Sondern, wie mir mein Rückübersetzerprogramm im Gehirn vorschlägt, aller Wahrscheinlichkeit nach "Kidney"-Bohnen, die ganz vorzüglich zum Steak schmecken, aber dann sollte das Gericht gefälligst Steak mit Bohnen heißen ("schon wieder Bohnen", wie die Wildwestleute am Lagerfeuer stöhnen, wo sie Nacht für Nacht von lauter lebenden Steaks umgeben, die immergleichen Dosenbohnen kriegen, die Andy Warhol dann zum Pop-Kult gemacht hat).

    Wegweiser zum Pfad des amerikanischen FreundesZurück ins Glied, bzw. auf Linie. Früher gab das keine "rote Linie" zum Überschreiten in der deutschen Alltagssprache, da hieß das meiner Erinnerung nach Grenze. Oder? Oder, oder, oder. Okay, da gab es die Oder-Neiße-Linie, eine wahrhaft "rote" Linie (ich sage nur: Linie mit Vorhang, der aus Eisen ist gemeint) - eine graniza, die man ungern eine "Grenze" nennen wollte, weil die Ewiggestrigen noch nicht ahnten, daß Schlesien auf jeden Fall "unser" bleibt, unser Schlesien nämlich in der Erinnerung, dem schönsten Paradies ohne Vertreibung. (Hatte ich nicht schon mal vorgeschlagen, das ewige "und, und, und", mit dem man eine sinn- und endlose Folge von Aufzählungen abzukürzen vermeint, jedesmal mit "oder, oder, oder" zu substituieren, um den Schwachsinn gleich ins Extrem zu steigern und dadurch aufzuheben?)

    Jetzt aber Trump, der dafür ja schließlich Präsident geworden ist, uns jedenTag mit neuen Lach- und Sachgeschichten zu überraschen. Törööö! Gestern soll er zu dem Giftgasmord des Massaker-Assads gesagt haben, es seien "mehrere rote Linien" überschritten worden, wie der SPON-Videokommentator höflichst übersetzte, ich hab es aber im Radio zuerst gehört, da blieb der O-Ton länger stehen, und es hieß doch wirklich und wahrhaftig "MANY, MANY LINES!"Ampelwunschknopf

    Dass wir die Sch%*!#%&!metaphern aus dem amerikanischen Politikerspech eins zu eins übernehmen, schlimm genug, aber Trump hat echt nicht begriffen, wie die Metapher funktioniert. Also nochmal für Doofe. DA ist eine rote Linie -------------------------------------------------------------------

    und WEHE du überschreitest die, dann gibt's Kasalla, d.h. Boykott, internationaler Steckbrief, Einmarsch von Bodentruppen, Absetzung, Kriegsverbrecherprozess und notfalls den Strang oder bei zeitigem Abschied von eigenen Gnaden das gutdotierte Exil auf Sankt Helena oder am neutralen Genfer See.

    EINE rote Linie, wenn schon, denn schon. Nicht zwei, drei, oder vier. Man merkt es gleich, wenn man "Grenze" dazu sagt, dass es anders nicht funktioniert. Mit den vielen Linien, das war Chamberlain in München 1938, das klappt nicht. Hier ist die Grenze, und jenseits davon ist Schluss.

     

    P. S. es war natürlich doch nicht Schluss. Keine zwei Wochen später kam ein Krimi mit Inspektor Banks, und was passiert kurz nach Beginn? Bilder von losdüsenden Blaulicht-Polizeiwagen, Lautsprecherdurchsage: "Achtung, an alle Einsatzkräfte: Leiche im Moorgebiet!" Ich denk schon, jetzt muss sich die Truppe aber mit Gummistiefeln ausrüsten und einen schlammverkrusteten Ertrunkenen im Bodybag bergen, aber nein, man spazierte trockenen Fußes durch... erika-überwucherte Heidelandschaft. Der Übersetzer kannte wohl den schönen Folksong - most beautifully rearranged for Hohner organ and guitar by Paul Brady - nicht,  "Heather on the moor, over the heather, over the moor and among the heather...": da setzen sich der Schürzenjäger und die schöne Schäferin direktemang hinein ins Moor.


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  • Ich hab nichts gegen exotische Kostümierungen, bei der Burkah ist ja in der Regel nicht ausgemacht, ob sie die ästhetischen Immissionen vermehrt oder verringert. Aber daß sich kapuzenvermummte Vollbärte mit verdächtig ausgebeulten Säcken, vom Terroraufsichtspersonal unbehelligt, auf allen Weihnachtsmärkten breitmachen dürfen, versteh ich so wenig wie die Tolleranz gegenüber Kopftüchern. Ich kenn die Tücher noch aus meiner Jugend, mit Blaudruck aus Oberschlesien, und die Schrumpelköpfe, die darin eingewickelt waren, hatten verkniffene Tratschmienen (vgl. Hüsch mit dem  Niederrheinsong vom "Niemalsdorf", in dem drei Kopftuchtanten aus der Apotheke winken). Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, betritt der Übellaune-Humorist und bekennende Hüsch-Eleve Winfried Schmickler keine Apotheke, in der eine Kopftuchträgerin hinter der Ladentheke steht. Boykott ist die politische Askese der Boygroups. Und wieso gestatten wir drei Warlords aus dem Morgenland mit sonderbaren Begründungen wie "astrologische Sternvision" die Flüchtlingsheime zu betreten und ungefragt Salbtiegel, Schmuckkästen und qualmende Räucherlampen abzustellen, in denen sich wer weiß was für home-made explosives verbergen? "Timeo Danaos dona ferentes", mahnte schon Virgil, der Christi Geburt prophezeite, und das gilt auch für Schaukelpferde, hölzerne Ochsen und aufblasbare Gummiesel unterm Weihnachtsbaum. Darum rate ich allen Flüchtlingen und ihrer heute entbundenen Nachkommenschaft: Obacht! Was man von Fremden gratis annimmt, kann ins Verderben führen.


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  • Eine Hausmitteilung in einer blog-bekannten Schule lud neulich zur Fortbildungsveranstaltung über "Salifismus". Gut, das muss man nicht so eng sehen, kann ja ein Vertipper sein. Aber dann war im Text noch von der "Salifistenszene" die Rede. Bei zweimal wird schon ein Prinzip draus, oder? Errichten die dann ein Salifat? Meine Tageszeitung trennte kürzlich Akademiker-Rehe, es ging um's Heiraten mit Vordiplom, nicht um studiertes Wildpret. Und was sagt man dazu, dass unter einem Weihnachtslied, in einem Gratis-Heft, das zum Advent-Event "30.000 Kölner zersingen im Rheinenergie-Stadion die Eispaläste der Winterkönigin" verteilt wurde, ein gewisser "Theodor Strom" als Verfasser genannt wurde? Immerhin wurde der Sing-Marathon vom lokalen Energiemulti ausgerichtet, da gab's wohl Stormausfall bei der Rechtschreibprüfung. Dennoch beschleicht mich immer mehr der Eindruck, der sogenannte Tippfehlerteufel hat angefangen, uns alle in der Tippfehlerhölle mit Druckerschwärze zu teeren und mit stumpfen Füllerfedern zu bekleben. In Bad Krotzingen wurde ein Blumenbeet gepflanzt, bei dem, als es blühlte, "Bad Krozigen" auf der Wiese zu lesen war. Und kann das Zufall sein, wenn in der Bonner Adenauerallee, wo der VDZN residiert, an der Tür ein Schild angebracht ist, wo die Klammer nicht schließt hinter "(Vereinigung Demokratische Zahnmedizin". Wollen die etwa die Demokratie vor die Klammer ziehn - oder ihre Spange nicht richtig befestigen? Und wieso heißt der Papst, der den Karlspreis bekommt, Franziskus? seine Vorgänger wurden m. W. nicht Iohannis Pavlus II oder Benediktus genannt, Paul VI. war damals "Pillen-Paule". Und dieser "Franz", kriegt der jetzt den Carolus-Preis?


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  • „Die Nase des Postmeisters, rief Gustav Quoll, sollte ich haben; ich ließ mich im Lande für’s Geld sehen. Nein, solch ein Vorgebirge im Gesichte beschämt das gefährliche Kap-Horn an der Südspitze von Amerika.

    Das ist das Modell von dem steinernen Manne mit der großen Nase, den wir in Adersbach gesehen haben, sagte ein Anderer.

    Eine rechte Nasen-Mutter kann man sie nennen, so viel kleine Nasen hängen drum und dran.

    Solchen Postmeister sollte der Staat nicht dulden, meinte Gustav wiederum; wie leicht können Frauen sich an ihm versehen, und der Staat kommt in Gefahr, eine junge Welt voll Großnasen zu erziehen.

    Ob der Mann wohl Kinder hat, setzte er hinzu. Die möchte ich sehen, die müssen ja wahre Scheusälchen und Nasenmenschen seyn.“

    So wäre also Lawrence Sterne zum Schluß auch im „Muskauer Wochenblatt“ vom September 1822 angekommen. Dabei war diese Nase nicht angeboren oder auf dem Vorgebirge der Nasen gewachsen, sondern erworben, indem ein Baumast über den offenen Wagen herunterstürzte und der Vater, der die Pferde lenkte, seine Tochter nur retten konnte, indem er durch Hände und Gesicht den Ast aufhielt. Natürlich verliebt sich der Spötter in die Tochter, und nach ein paar Herzensirrungen und -wirrungen und etwas Flunkerei kommt es auch zum Happy end, der alte Postmeister: „Wenn Sie sonst ein Mann sein, der meine Tochter heirathen kann, so soll es Ihneng ar nicht zum schaden gereichen, daß Sie auf meine Nase geschimpft haben.“ (Aber daß die arme Jungfer Postmeisterin jetzt den Nachnamen "Quoll" in Kauf nehmen muß, ist auch'n Schicksal, oder? "Sieglinde Quoll" - nein danke!)

    Das heutige Türchen mag als ein Hinweis auf den Hörspiel-Extra-Termin im DLF dienen, an den kommenden Weihnachtstagen, beginnend mit 24. 12., wird jeweils um 14.05 ein Teil der Hörspielfassung von Tristram Shandy (1759-1767)  in der (neuen) Übersetzung von Michael Walter gesendet


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  • Ratschläge sind auch Schläge. Jemand kann Sonne nicht im Wasser scheinen sehen. Selbst die Blendraketen schlagen ein auf dem Planeten. Lachen wie ein Bauer, der Zahnschmerzen hat. Warnschüsse verdampfen nicht einfach in der Atmosphäre, sondern fallen als Bleiregen zurück auf die Köpfe der Demonstranten. Die Narren bekommen die besten Karten. Das könnte schmerzhafte Beulen geben. Scher sie ab, doch schinde sie nicht. Man glaubt, in einem kleinen gallischen Dorf zu sein! Jeder kann durch einen Eichenbalken sehen, wenn er ein Loch hat. "Wenn ich die Leute nicht kenne", sagt der Wirt von Geldermalsen (NL), "dann sind die auch nicht von hier." (wie hieß es in dem einen Asterix? "Ich habe nichts gegen Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier!") Etwas durch das Auge der Schere betrachten. Klar, dass keiner der 200 Facebookfreunde und Flüchtlingsunterbringungsgegner auf dem Vorplatz im beschaulichen Geldermalsen angefangen hat, das Rathaus mit Böllern und Steinen zu bewerfen. Wer Feuer frisst, scheißt Funken. Die Pegnieda-Landdemo artete eine Orgie der Beschimpfungen und Verwüstung aus, worauf die Sitzung vorsichtshalber unterbrochen und in die Polizeistation nebenan verlegt wurde. Wer seinen Brei verschüttet hat, kann nicht wieder alles einsammeln. Admired Miranda - Miranda de Vries, so heißt die arme Bürgermeisterin, die sich auf Plakaten als Lügnerin und Hure beschimpfen lassen muß, weil sie 1500 Flüchtlinge in einem Dorf mit 11.000 Einwohnern beherbergen will. Vom Ochs auf den Esel fallen. Und das ausgerechnet so kurz vor Weihnachten! Sie trägt Feuer in der einen, Wasser in der anderen Hand. Das Gelände, wo die Flüchtlinge unterkommen sollen, hatte die Verwaltung angekauft, um dort Unternehmen anzusiedeln. Der Hering brät hier nicht. Es gibt dann wohl auch etwas Fördergeld von Provinz und niederländischer Regierung. Da hängt die Schere heraus. In der Nähe nur eine Verpackungsfirma, eine Entsorgungsanlage und andere Fabriken, die Störungen des Verkehrs und Betriebs durch Asylbewerber befürchten. Er bindet Gott einen flächsernen Bart um. Ein pensionierter Lehrer, der extra ins ruhige Dorf gezogen ist, wird mit den Worten zitiert, das Dorf gehe kaputt, es sehe hier in Kürze aus wie in Nimwegen oder Rotterdam. Er pisst gegen den Mond. Die Polizei habe Warnschüsse abgegeben. Die Reise ist noch nicht zu End, wenn man Kirch und Turm erkennt. Dann erst hätte sich der wütende Mob vor dem Rathaus - angeblich 2000 Leute - allmählich zerstreut. Hier zieht die Sau den Zapfen raus. Jetzt will es keiner gewesen sein. Er schüttet den Brunnen zu, nachdem das Kalb ertrunken ist. Die kursiv gesetzten niederländischen Sprichwörter wurden übrigens von Breughel illustriert, dem Schöpfer des Wimmelbilds Die niederländischen Sprichwörter. Es war aber der Bauern-, nicht der Höllenbreughel.


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